Piel de Metal – Julio Nieto

Wenn man  von La Matanza Richtung Puerto de la Cruz auf der Strasse, die parallel neben der Autobahn verläuft, fährt, sieht man die Umgebung gleich mit anderen Augen. Versucht es auch einmal, man bekommt oft Kleinode zu Gesicht. Oder hättet ihr dieses Kunstwerk irgendwo im Nirgendwo vermutet? Wir haben Ìcaro  auch nur durch Zufall entdeckt und er passt wunderbar in diese Gegend – finde ich.

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Vor einigen Jahren stand dieser schöne Mann auf einem Podest vor dem Rathaus in Icod de los Vinos. Im Zuge der Aktion für Straßenkunst Piel de Metal, artecalle  bevölkerten in unserem kleinen Städtchen  sieben überlebensgroße Figuren aus Metall die Gassen und Plätze.

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Enamorado de arco – verliebt in Stahl entstand für die Wanderausstellung Piel de Metal

Es waren dynamische Statuen, die zum Teil zynische und sehr kritische Gedanken in Bezug auf unsere Gesellschaft ausdrückten. Auf der einen Seite Fremdkörper zwischen den alten Fassaden der Bürgerhäuser und anderseits beruhigende Punkte zwischen all den vielen  Werbeaufschriften der Geschäfte. Kurz gesagt verkörperter, materialisierter Widerspruch.

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Geschaffen wurden die Skulpturen von Julio Nieto, einem Künstler, der seit über zwanzig Jahren in La Orotava lebt. Geboren wurde er 1964 in Durango im Baskenland. Als Teenager schrieb er Geschichten, dann arbeitete er in einer Töpferwerkstatt mit Lehm  und begann mit anderen Materialien zu experimentieren. Er studierte zwar an der Kunsthochschule, ist aber der Meinung, dass er, weil er mit offenen Augen durchs Leben ging, sich selbst gleich viel erarbeitet und beigebracht hat.  Für die Umsetzung seiner fantasievollen Ideen war es nebensächlich ob es sich beim verwendeten Material um Ton, Papier, Bronze, Eisen oder Holz handelte. Es ging immer um Strukturen, Architektur und Darstellung.

Nach seiner ersten Ausstellung in der Heimat kam er mit zweiundzwanzig Jahren nach Teneriffa, begann auf der Insel kreativ zu arbeiten – und blieb hier. Auf der Insel im Atlantik bekommt er die Impulse, die er für seine schöpferische Arbeit braucht, seine Umgebung inspiriert ihn. Ob man in diesem Fall Teneriffa eine Muse nennen könnte?

Im Laufe der Jahre nahm er an mehr als dreißig Ausstellungen in Spanien, Italien, im Baskenland, Frankreich, Deutschland und in den USA teil. Julio Nieto gehört zu den vielseitigen Künstlern unserer Zeit. Er arbeitet mit der Fotografie, mischt bei der  Architektur einiger Gebäude mit,  schreibt Theaterstücke, gestaltet als Bühnenbildner diverse Bühnen und tritt immer wieder als  Bildhauer auf. 

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¿Por qué me echaron del cielo? Warum bin ich vom Himmel gefallen?

Für das Projekt Piel de Metal hat er sieben verschiedene Skulpturen geschaffen, die als Kunst für die Strasse in vielen Orten auf den Kanarischen Inseln, aber auch in Spanien, ausgestellt wurden. Seine Skulpturen, egal ob groß oder klein,  erzählen fast poetisch Geschichten und erregen Aufmerksamkeit. Nicht irgendwo in einem geschlossenen Raum sondern mitten im Lebensraum der Städte. Sie sprechen eine besondere Sprache und beweisen, dass auch Metall weich und zart sein kann. Sie entsprechen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht immer den Geschmack der Betrachter, aber sie regen uns auf alle Fälle zum Nachdenken an.  „Es posible cambiar. Eso es la fantasía“  behauptet Julio Nieto,  Veränderung ist möglich, mit Hilfe der Fantasie!

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Wenn man Julio Nieto nach den Vor- und Nachteilen für Künstler auf den Kanarischen Inseln fragt, gibt er folgende Antwort: „Teneriffa ist ein wunderbarer Ort um Kunst zu schaffen, aber die Inseln haben den großen Nachteil, dass man die geschaffenen Werke außerhalb der Inseln sehr schwer ausstellen kann. Der Preis für den Transport und die weiteren Kosten wie Steuern und Zollgebühren für Europa sind einfach sehr hoch.“ Damit hat er leider recht, denn die  Kanaren sind wirtschaftlich kein ebenbürtiger Teil von Europa, die Inseln sind zwar der südlichste Zipfel dieser Gemeinschaft, aber so ganz dazu gehören sie in diesem Fall doch nicht. Aber das ist eine andere Geschichte …

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Ìcaro salvado, der reisende Ikarus hat eine Spannweite von 6 Metern und ist 3,60 Meter hoch

Zu Ikarus oder Ìkaro salvado, wie er mit vollem Namen heißt, gibt es auch noch eine kurze Anekdote zu erzählen. Beim  schwierigen Transport der  großen Skulptur am 14. September  2012 zur  Finca Pura Vida de La Matanza de Acentejo,   verlor der Jüngling aus Metall  Teile seiner Arme. Auch nach langer Suche wurden die vier Meter langen Armstücke von  Ícaro nicht gefunden.

Julio Nieto versuchte mit Hilfe von Anzeigen und Aufrufen über die Medien die verlorenen Teile wieder zu finden und zwei Wochen später bekam er tatsächlich einen Telefonanruf. Ein Mann erzählte ihm, er wisse, wo die Teile zu finden wären. Angeblich hatte sie jemand in einem Graben gefunden, glaubte  es wäre  Altmetall und wollte es Ordnungsgemäß entsorgen. Aus dem erhofften Verdienst wurde allerdings nichts, denn bei der Abgabestelle war mittlerweile bekannt, dass die Teile  einer bekannten Skulptur gesucht werden. Die Männer auf dem Alteisenhof haben den Anbieter der Metallteile darauf angesprochen und so  nahm die Geschichte doch noch ein gutes Ende.

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Die verschwundenen Teile waren wieder dort wo sie sein sollten, Julio Nieto konnte die fehlenden Armstücke wieder befestigen und Ikarus könnte sich auf seine Reise machen und  wieder durch die Lüfte schweben – wenn er nicht am Boden festgemacht wäre.

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Marea, die Statue aus Bronze und ist ebenfalls ein Teil der Ausstellung Piel de Metal

Marea heißt auf deutsch übersetzt Ebbe und Flut oder kurz gesagt die Gezeiten. Mit dieser Skulptur verkörperte der Künstler auf der einen Seite die Gleichstellung aller Lebewesen mit dem Menschen und anderseits will er damit den Überfluss der Meere für uns Menschen darstellen. Erinnert euch diese Fischverkäuferin an irgend etwas? Kommt sie euch bekannt vor? Diese ironische Skulptur war ebenfalls  eine der sieben Figuren  für die Wanderausstellung auf der Strasse. Nicht diese Statue, aber eine Variation davon, eine rufende Fischverkäuferin, die ihr ein bisschen ähnlich sieht, steht ständig in Puerto de la Cruz. Ihr habt sie mit Sicherheit schon oft gesehen!

La Pescadora  in Puerto de la Cruz ist nicht ganz so fischig wie das Original und ähnelt wirklich einer menschlichen Verkäuferin von Fischen. Die junge Frau aus Bronze findet ihr im alten Hafen von Puerto de la Cruz. Sie versucht seit April 2008 ihre Fische zu verkaufen und ist ein Geschenk des  Club de Liones von Puerto de la Cruz. Sie haben diese menschliche Figur gewählt, weil den Spendern die originale Figur zu skurril, zu abartig gewesen sein soll.  Es que cuando no se ve el arte, so ist es eben, wenn  Kunst nicht erkannt wird …

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Für mich sind es die Werke von Julio Nieto Figuren aus einer verzauberten Welt, denn wann immer ich mir sein Skulpturen ansehe, faszinieren mich der Schwung und die Leichtigkeit der Gebilde aus Metall. Der talentierte Künstler erweckt  fantasievolle Werke mit dem Lötkolben und einem Schweißgerät zum Leben. Dazu ist so mancher Maler mit einem geschmeidigen Pinsel und öliger Farbe nicht fähig. Einfach genial!

Eine davon, haben wir bei unserem Ausflug also wieder gefunden. Habt ihr auch welche entdecken können? Sie tauchen immer wieder irgendwo auf …

Fortsetzung folgt – für heute sage ich gute Nacht! ¡Buenas noches, que duermas bien!

•*¨*•❥  „Wir wissen alle, daß Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begreifen können. Der Künstler muß wissen, auf welche Art er die anderen von der Wahrhaftigkeit seiner Lügen überzeugen kann.“ Ein Zitat von Pablo Picasso

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Über ARTlandya - der Blog

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