Cestos y Bollos

Santa Bárbara celebra la Fiesta – Cestos y Bollos 2016

Blumen, Früchte und Zucker für die Heilige Bárbara, so will es eine alte Tradition. Es ist der Dank der Bauern für eine gute Ernte und gleichzeitig die Bitte um weiteren Schutz der Schutzheiligen des Ortsteils Santa Bárbara. Las flores, la fruta y las figuras de azúcar, protagonistas un año más en el Día de las Tradiciones de Cestos y Bollos en Santa Bárbara. Cestos y Bollos, also Körbe und Brote sind die Hauptdarsteller der Fiesta de Santa Bárbara.

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Schwere, aufwendig geschmückte Körbe für die Männer und wunderschön aufgeputzte Brote für die Mädchen. Aber warum Brote? Ich kann kein einziges Brot auf den geschmückten Köpfen der Mädchen erkennen. Das wäre auch ein Wunder, die Körbe unter den Kunstwerken aus Obst und Gemüse sind ja auch unsichtbar.

Bollos für die Frauen und Cestos für die Männer.

Der süße und bunte Kopfschmuck wird von jungen Frauen auf dem Kopf bis zur Kirche tragen. Ursprünglich wurden dafür zwölf Jungfrauen ausgewählt, aber heutzutage wird das nicht mehr so eng gesehen – abgesehen davon, dass vielleicht mit ein wenig Pech zu wenige brauchbare Trägerinnen zur Verfügung stehen könnten. Es müssen nämlich genau zwölf Jungfrauen sein, zwölf bollos und zwölf señoritas. Und warum zwölf Stück? Ganz einfach, weil der Name Santa Bárbara aus zwölf Buchstaben besteht!

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Heute kann ich auch das Geheimnis des Kopfschmuckes der zwölf Jungfrauen lüften und euch die Geschichte, die dahinter steht, erzählen. Bollo heißt Brötchen oder Hefegebäck, so steht es im Wörterbuch geschrieben. Es kann aber auch eine Beule, ein Faustschlag, ein Riesendurcheinander oder sogar eine Wurst damit gemeint sein. Die Auswahl ist groß und ich habe die Qual der Wahl. Bei den Figuren des Kopfschmuckes der zwölf Jungfrauen handelt es sich um kunstvoll geformte Figuren, die früher aus Zucker gemacht worden sind. Dass die Opfergaben, also die Brote, heute so im Untergrund verschwunden sind und nur mehr die hübschen Mädchen mit ihrem prachtvollen Kopfschmuck bewundert werden, hat eine lange Tradition. Entstanden ist der fantasievolle Aufputz aber eher durch einen Zufall.

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Vor vielen, vielen Jahren, als noch nicht in jedem Haus ein Ofen stand, kam eine Frau aus Icod zu ihrer Nachbarin, um sie zu bitten, ein paar Figuren für die Nonnen in Garachico zu backen. Da die Nachbarin einen Backofen besaß war es kein Problem und sie tat ihr den Gefallen. Die Figuren aus einem einfachen Mehlteig wurden gebacken und gleichzeitig entstand in den Köpfen der Frauen ein neuer Gedanke. Man könnte doch die Brote für das Erntedankfest mit verschiedenen Figuren verzieren, oder? In diesem Augenblick wurde die Idee geboren, die sich mit der Zeit zu den prachtvollen Bollos, die wir heute kennen, entwickelte. In den ersten Jahren wurden die Figuren bei den Nonnen in Garachico, las Monjas de Clausura, gekauft. Später war das, aus einem mir unbekannten Grund, nicht mehr möglich und so mussten die Nonnen von Catalina de La Laguna einspringen. Die Nonnen formten die kleinen Kunstwerke aus einer Masse, bestehend aus Zucker, Mehl und Gelatine, azúcar, harina y gelatina. Doch dieses Material war nicht optimal, da die Figuren leicht zerbrachen, sich in der Wärme verbogen und in der Hitze dahin schmolzen. Deshalb bekamen sie auch den Spitznamen Alfeñiques, was so viel wie Schwächling heißt.

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Mittlerweile werden die Bollos schon über 40 Jahre in der Werkstatt von Doña Obdulia de León Díaz hergestellt. Im Laufe der Jahre hat sich daraus richtige Handwerkskunst entwickelt und jede Figur wird individuell und ohne Anleitung oder Vorgabe von Themen geformt. Während eines Jahres werden über tausend kleine Plastiken hergestellt, der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Es entstehen Schlangen, Enten und Frösche, Schneemänner, Engelchen, Blümchen, Hüte und andere Symbole. Dafür braucht man Geduld, Zeit, Fingerfertigkeit und eine gute Vorstellungskraft. Jetzt bestehen die Figuren auch nicht mehr aus zerbrechlichem Zucker, denn nach vielen Versuchen hat die Tochter von Doña Obdulia de León Díaz, die nun auch für die Produktion zuständig ist, ein neues Rezept entwickelt. Jetzt besteht die Masse aus Zucker, Eiweiß, Gelatine und Maisstärke. Der ehemals süße Teig ähnelt also eher Ton als Zuckerwerk – und schmeckt wahrscheinlich nicht mehr so toll.  Aber zum Aufessen sind die Dinger sowieso zu schade, oder?

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Die Basis der Bollos besteht also aus einem geflochtenen Korbboden, auf dem die Brote befestigt werden. Mit Hilfe dieser Brote, die eigentlich eher als Steckschwamm gebraucht werden, werden dann die Stäbe, auf denen die Figuren befestigt werden, fixiert. Im vorderen Bereich werden kunstvoll geformte, bunte Blumen aus Cellophan angebracht. Der Rest wird mit vielen farbenfrohen Bändern in unterschiedlichen Längen geschmückt. Früher wurden die Bänder von den ledigen Mädchen aus Santa Bárbara noch kunstvoll bestickt und mit Widmungen und Sprüchen verziert. Aber das waren andere Zeiten. Heute werden ganz normale Papierbänder verwendet obwohl es auch noch einige Bänder aus den 60er  Jahren gibt. Doch die meisten davon sind in den Schatullen der ehemaligen Trägerinnen als Erinnerung an vergangene Zeiten verschwunden. Für die Bollos von Santa Bárbara beginnt die Arbeit mit der Herstellung der Figuren also schon mindestens drei Monate vor dem letzten Wochenende im August. Nach all der Arbeit sind am Ende zwölf bunte und kunstvoll verzierte Bollos fertig. Bereit, um von zwölf Jungfrauen als Opfergabe zur Kirche gebracht zu werden.

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Wenn der bunte Kopfschmuck Frauensache ist, warum sieht man dann einige Männer damit herum stehen? Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Wenn ab und zu der gesamte Zug zum Stehen kommt, werden sogar kanarische Männer zu Kavalieren und nehmen für kurze Zeit die Last ihrer Damen auf ihre breiten Schultern. Ein Exemplar dieser Kopfbedeckung kann schon zehn bis vierzehn Kilo wiegen und ihr könnt euch vorstellen, dass sie auf dem langen Weg zur Kirche immer schwerer werden. Deshalb werden die Mädchen auch von ihren Brüdern oder Freunden begleitet. Sie sind dafür zuständig, dass die Mädchen zwischendurch ein paar Pausen einlegen können.  Für kurze Zeit wechseln die Bollos dann von den Köpfen der Jungfrauen auf die Köpfe der Jungmänner.

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Cestos sind eigentlich Körbe. Ganz einfache Körbe. Für das Erntedankfest werden sie kunstvoll mit Früchten und Gemüse geschmückt. Äpfel, Orangen, Zitronen, Kartoffeln, Karotten, Weintrauben, Paprika und viele andere Früchte finden ihren Platz auf diesen handwerklichen Kunstwerken. Unter den fertigen Gestecken vermutet kein Mensch mehr einen Korb. Wenn das Werk vollbracht ist, ist der Korb unsichtbar, er ist sozusagen einfach verschwunden. Die farbenfrohe Pracht ist das was zählt, der Schmuck ist wichtig.  Die Körbe kann man nicht mehr erkennen. Sie sind unwichtig geworden und haben ihre Bedeutung verloren.

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Mit geschmückten Wägen werden die Kunstwerke zum Sammelplatz gebracht. Nun beginnt der anstrengende Teil der Veranstaltung. Die Cestos, also die Fruchtkörbe, werden mit Hilfe von Tragestangen auf die Schulter geladen. Keine leichte Last, denn die Körbe wiegen immerhin zwischen 40 und 80 Kilo. In einem Umzug mit Trachten und Musik werden sie von den Männern zur Kirche der Heiligen Bárbara getragen.

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Erfunden wurde Art Körbe zu schmücken vor ungefähr hundert Jahren von Don Antonio Díaz und sie werden heute noch jedes Jahr wunderschön und mit viel Fantasie angefertigt! Vor 40 Jahren kamen dann mit Obst oder Körnern geschmückte Figuren dazu, wie Schiffe, Herzen oder sogar Kaffeekannen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

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Seit 1979 werden bei diesem Umzug die farbenprächtigen, kanarischen Trachten getragen. Ein buntes, lebendiges Bild. Vorher trug man einfach die schönsten Kleider, die man hatte. Es gab auch keine Folkloregruppen zur Musikbegleitung. Ein junges Mädchen mit einem Akkordeon führte in früheren Zeiten den Umzug an. Heute werden zwischendurch immer wieder Lieder angestimmt und dazu getanzt.  Egal ob Jung oder Alt – jeder ist mit Spaß dabei.

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Ein fester Bestandteil sind heute auch die Stöcke, die mit Zweigen und bunten Bändern verziert werden. Sie werden während des Umzugs wie Fahnen geschwungen. Dazu knallen natürlich ständig die unvermeidlichen kanarischen Böller, die früher eher selten waren.  ✿  Aber nur aus einem Grund – man hatte kein Geld dafür!

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Nach einigen Stunden erreicht der lange Zug den Platz vor der Kirche. Hier werden die Bollos unter Cestos am Laubbogen ober dem Kirchentor aufgehängt. Eine feierliche Messe wird gelesen und dann folgt das Fest, La Fiesta Santa Bárbara! Endlich! Tanz auf der Straße, viel und laute Musik, Gesang, Gofio, Fleisch und Wein!

•*¨*•❥  Übrigens – die Fiesta ist noch lange nicht zu Ende – hier geht es weiter …

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Über ARTlandya - der Blog

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