La Marquesina

Mein Spaziergang im Hafen von Santa Cruz de Tenerife geht weiter …

La Marquesina, das sogenannte Sonnendach, steht nur ein paar Schritte neben dem Leuchtturm la Farola del Mar im Hafen und  hat viele Jahrzehnte lang Reisende aus aller Welt kommen und gehen sehen.

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Das war nicht immer so, denn als  Passagiere im 19. Jahrhundert ihre ersten Schritte auf den Boden von Teneriffa setzten, war es gar nicht so leicht, ohne nasse Füsse anzukommen. Seit dem Jahr 1847 gab es für die ankommenden Reisenden am Landesteg zwar eine wackelige Plattform aus Holz mit einer Treppe, eine sogenannte platillo. Doch auch die Treppe mit den übersichtlichen acht Stufen war kein sehr bequemer Übergang vom schwankenden Schiff auf den festen Steinboden des Hafens.

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Einen anderen Zugang gab es nicht und sogar König Alfonso XIII musste im Jahr 1906 mit seinem ganzen Gefolge noch auf diese Art an Land gehen. Don Alfonso wurde von seiner Schwester Maria Teresa und ihrem Ehemann, Don Fernando de Bayern auf seiner Reise begleitet und er war überhaupt der erste spanische König, der die Kanarischen Inseln besuchte. Ihm zu Ehren und um seinem Besuch etwas mehr Würde zu verleihen wurde sogar ein Zelt aus Leinen und Segeltuch am Pier aufgestellt und alle Strassen der Stadt waren mit Blumen im Überfluss geschmückt – aber das ist eine andere Geschichte.

Vielleicht war dieser Besuch aber doch der zündende Funke, denn nach dem königlichen Besuch wurde ein mit Segeltuch bespannter Bogen als Sonnenschutz aufgestellt und fünf Jahre später beauftragte man den Architekten Antonio Pintor mit dem Bau eines kleinen Pavillons für den Landungssteg. Er sollte eine Art Ankunftshalle werden, ein dauerhafter Sonnenschutz, un umbráculo, der Verwandte oder Freunde von Reisenden während der langen Wartezeit bis zum Ankern und zur Landung der Schiffe vor einem Hitzschlag bewahren sollte.

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Eine kleine Bar fand ebenfalls Platz und der Pavillon schützte die Menschen vor Sonne und Regen. Wahrscheinlich wurde er auch deshalb bald la Marquesina, die Markise, genannt. Unter ihr wanderten nun sowohl unzählige Reisende als auch Waren durch – entweder um in die Stadt zu gelangen oder mit einem der kleineren Schiffe in die Nachbarorte San Andrés oder Valleseco zu kommen.

Die gesamte Konstruktion wurde in Sevilla hergestellt und im Frühjahr 1913 in Santa Cruz aufgestellt. Die Teile wurden mit einem ganz neuen Verfahren bei dem man das Eisen nicht mehr schmiedete sondern schmolz und in Formen goß, hergestellt. Balkongeländer, Fenstergitter und lichtdurchlässige Wände aus Gusseisen waren der letzte Schrei und sehr typisch für diese Epoche. Die acht, aus Eisen gegossenen Stützen tragen das schwere, leicht nach oben gewölbte Dach aus Bleiplatten mit spielerischer Leichtigkeit. Innen wurde die Dachschräge mit Holz verkleidet und die Ränder des Spitzdaches in der Mitte mit einem filigranen Lilienmuster verziert.

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Der hübsche Pavillon wurde bald zu einem festen Bestandteil des Hafens und wurde von den fliegenden Händlern auch als Verkaufsplatz oder von den Matrosen und Hafenarbeitern als Versammlungsort benutzt.

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Heute ist die Unterhaltung durch das quirlige Hafentreiben für die schöne Marquesina schon längst Vergangenheit, es ist ruhig unter ihrem Dach geworden, die Bar gibt es auch nicht mehr. Ab und zu verirrt sich ein neugieriger Tourist mit dem Fotoapparat hierher und kann dann als Information die kurze Erklärung „La Marquesina – 1913 Pabellón de la primera estación marítima del Puerto de Santa Cruz de Tenerife para los pasajeros de los barcos fondeados en la bahía.“ lesen.

Vom ihrem ehemaligen Standplatz musste la Marquinesa ebenso wie der Leuchtturm verschwinden und wurde als Erinnerung an alte Zeiten an dieser Stelle im Hafen wieder aufgebaut. Der ehemals so moderne und beliebte Pavillon ist nur mehr ein wehmütiger und nostalgischer, in Metall gegossener Abschiedsgruß für die Passagiere der Fähren.

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•*¨*•❥  übrigens – schon der kluge Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe schrieb „Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.“

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