San Andrés – 30 de noviembre

Am 30. November ist in Icod de los Vinos ein  Feiertag – Fiesta de San Andrés steht im Kalender. Um diesen Tag in aller Ruhe genießen zu können, verzichten die Bewohner Icods sogar auf einen Feiertag in der Zeit des Carnavals. Wein ist in diesem Städtchen eindeutig wichtiger als der Carnaval!

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Fiesta de San Andrés ist das Fest der Kastanien und des neuen Weins. In fast allen Familien werden am Abend gebratene Kastanien, Wein, Fisch oder Fleisch gegessen. Es wird richtig gefeiert! Vino y castañas para celebrar San Andrés.  Mit unserer gewohnten Adventzeit beginnt auf Teneriffa die Zeit der Weinfeste. Traditionell werden am Abend auch die Fässer mit dem neuen Wein angestochen. La víspera del día de San Andrés tiene en Icod de los Vinos una celebración muy especial. In Icod de los Vinos wird deshalb jedes Jahr symbolisch im Casa de los Cáceres die allererste Flasche Wein des neuen Jahrganges vom Bürgermeister höchstpersönlich geöffnet.

Da die wichtigsten Weinanbaugebiete im Norden der Insel liegen, wird San Andrés in dieser Region natürlich besonders ausgiebig gefeiert und die erste Flasche Wein wird in allen Gemeinden mit Weinanbau stilvoll entkorkt. Der zentrale Punkt der Insel ist das Weinmuseum von El Sauzal, in dem die Winzer der Genossenschaften, der Consejos reguladores,  alljährlich in einer großen Feier zum ersten Mal im Jahr die guten Tropfen der Kollegen aus anderen Orten probieren. Sicher nicht tropfenweise immer nur in Tröpfchenform.

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¡Voy!, ¡voy!, ¡voy! por tablas y San Andrés! Am frühen Abend, a última hora de la tarde, kommen in Icod ganz besondere Geräte zum Einsatz – Holzbretter, las Tablas. 

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Die Kinder in unserer Umgebung üben schon seit einigen Nachmittagen und haben, wie jedes Jahr, ihre Holzbretter, las tablas, ausgepackt. Auf den alten Fotos könnt ihr sehen, dass die Kinder vor vielen, vielen Jahren es genauso gemacht haben. Unsere Kinder zu Hause können dieses Vergnügen den ganzen Winter über haben – die Kinder auf der Insel im Atlantik haben nur zwei, drei Tage freie Fahrt – und sie genießen es!

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Was aber haben diese Holzbretter mit Wein zu tun? Sie mit Weinfässer in Verbindung zu bringen wäre falsch! Damit haben sie rein gar nichts zu tun. Die alte Tradition an diesem Tag mit Holzbrettern die steilen Gassen hinunter zu rasen rutschen, stammt noch aus der Zeit, als auf diesen Wegen das Holz aus den Wäldern der höher gelegenen Ortsteile von Icod zu einem Teil in die Tischlereien im Ort oder gleich in die Bucht von San Marcos befördert worden ist. Jetzt und heute ist die Geschichte ziemlich nebensächlich. Die steilen Straßen und Gassen gehören tagsüber den kleinen Kindern und – je später der Abend wird – den älteren Jugendlichen!

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Wenn wir  auf der Heimfahrt am Abend unsere gewohnte kleine Abkürzung fahren, müssen wir Wegzoll zahlen. Rund um dieses Fest haben Kinder in Icod, mehr oder weniger, das offizielle Recht, Strassen – im Normalfall eben kleine Nebenstraßen – zu blockieren. Das geschieht wirkungsvoll mit Massen von alten Autoreifen, die gleichzeitig als Prellböcke für die Wettfahrten auf dem Holzbrett dienen. Damit man doch weiter fahren kann, muss man eben bezahlen. Selbst schuld, wenn man in diesen Tagen solche Wege wählt. Deshalb sollte man als Autofahrer zur Zeit einige steile Straßen und Gassen im Städtchen meiden und schon früh genug daran denken, wie man sie umfahren könnte. Sonst kann es passieren, dass man plötzlich vor einer Absperrung steht. In diesen Tagen haben die Kinder Vorrang und damit sie mit ihren Holzbrettern die Fahrbahn nutzen können, errichten sie ganz einfach Straßensperren. Dann heißt es ohne pardon bitte wenden – und das kann auf diesen steilen und meistens sehr schmalen Straßen zum Problem werden. Vor allem dann, wenn man ein oder gar mehrere andere Autos hinter sich hat.

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Wie schon gesagt,  in Icod de los Vinos hat das Fest von San Andrés eine besondere Tradition und passend dazu auch einen ganz speziellen Brauch. Schon Tage vor der Fiesta werden alte Autoreifen an vielen Endpunkten der unzähligen steilen Gassen aufgeschichtet. Die Bretter – vorzugsweise aus altem Tea-Holz von kanarischen Kiefern – werden geschliffen und poliert, damit sie am Vorabend von San Andrés astrein über das Straßenpflaster flitzen können. Correr las tablas oder arrastre de tablas nennt sich dieser Sport. Straßenrodeln könnte man es auch nennen. Der Brauch geht auf das 16. Jahrhundert zurück und wird auch heute noch mit Begeisterung von Jung und Alt, Weiblein und Männlein am Leben erhalten.

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Mit halsbrecherischem Tempo rasen die Teilnehmer der Rennen auf ihren Tablas die steilen Straßen von Icod hinunter –  und landen mehr zirkusreif als sanft in einem Haufen alter Autoreifen. Gelenkt wird mit dick behandschuhten Händen und dem Körpergewicht, und wenn der Asphaltschlitten Funken sprüht, dann ist das Ziel erreicht. Das sieht zwar lustig aus, aber es ist gefährlicher, als man denkt. Über ein ausgetüfteltes Bremssystem oder gar Airbags verfügen dieses Renngefährte nicht! Wer also nicht rechtzeitig bremst, knallt mit voller Wucht in den Gummiberg. Oft genug purzeln die rasenden Teilnehmer dabei übereinander oder kopfüber in die Autoreifen am Ende der Gasse und so mancher mutige Rennfahrer hat den Zieleinlauf mit einem verstauchten oder gar gebrochenen Knöchel oder Arm verlassen. Also Vorsicht – je später der Abend, desto übermütiger werden die Teilnehmer! Der Wein als Begleiter ist dabei natürlich auch nicht ganz so unschuldig.

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Die Zuschauer sollten daran denken, dass diese Rennen nichts für schwache Nerven sein könnte. Auch am Straßenrand, wo sich die Besucher drängen,  kann es ab und zu gefährlich werden. Mein Tipp: man sollte sich möglichst am Rand der Straße bewegen, auch wenn von dort aus die Aussicht nicht so toll ist. Wer an vorderster Front einem Bretterschlitten in die Quere kommt, hat schlechte Karten – aber keine Angst – es sind immer mehrere Krankenwagen an Ort und Stelle zum Einsatz bereit.

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Am Rande der offiziellen Rodelbahn und in den beiden Hauptstraßen der Innenstadt stehen jetzt überall kleine Buden, Tische und Bänke, die Glut der Grillfeuer leuchtet, der neue aber auch der alte Wein wird getrunken, Tapas und andere Köstlichkeiten werden verspeist. Überall sieht man die Öfen qualmen denn die Kastanien dürfen natürlich nicht fehlen und an vielen Ecken werden sie entweder in den typischen Öfen oder in Pfannen geröstet.  Einmal selbstgebaut – eine alte Felge oder ein Reifen aus Metall mit einem Blechtrichter, darauf ein Tontopf mit Löchern – oder Öfen, die man in kleinen Geschäften kaufen kann. Wie in alten Zeiten werden die heißen Früchte in rauen Mengen vertilgt, der Duft von gegrilltem Fleisch liegt in der Luft und der Wein wird verkostet fließt in Strömen und wird, mehr oder weniger, fachgerecht beurteilt. Die Kastanien werden auf der Insel übrigens mit Salz gebraten – und sie schmecken köstlich! Probiert es selbst einmal, in der Zeit vor Weihnachten gibt es dazu ja noch Gelegenheiten genug.

Aber noch einmal zurück zum Wein. Das milde Klima auf der Insel und die Bauweise der Häuser ist die Voraussetzung dafür, dass die Weinkeller zwar angenehm warm für eine Kellertour sind, was aber auf der anderen Seite die Folge hat, dass der Wein nicht für eine Lagerfähigkeit ausgebaut wird. Einige Bodegas haben sehr wohl damit begonnen auch haltbare und sehr gute Weine herzustellen – die vielen internationalen Preise bestätigen das – doch der Landwein ist für den Verbrauch im Laufe des Jahres bestimmt. Der Vorabend von San Andrés, der 29. November, ist der auf der ganzen Insel der wichtigste Abend im Weinjahr. Überall wird probiert, verkostet und getrunken. Da man das nicht mit leerem Magen machen sollte, gibt’s dazu – wie üblich – viel zu essen.

Die Kanarischen Inseln sind für ihre Menge der Fiestas bekannt. Ich glaube, es gibt kein anderes Land auf diesem Erdball, in dem während eines Jahres so viele Feste gefeiert werden, wie hier. Es gibt immer einen Grund und wenn es keinen gibt, dann sucht man eben einen. 1f60a

Höhepunkt im Herbst, für uns eigentlich schon in der Vorweihnachtszeit, ist das Fest des Apostels Andreas, San Andrés. Genau genommen ist der 30. November sein Ehrentag. Aber wie bei vielen anderen Festen auch, wird bereits am Vorabend, a la vispera, gefeiert.  Nicht zu vergessen, die Wochenenden davor und danach! Eine Fiesta dauert auf dieser Insel nie nur einen Tag, das wäre absolut undenkbar. Und San Andrés ist ein vielseitiger Heiliger, denn er ist gleich für mehrere Bereiche der Erdbewohner zuständig. Für Fischer gleichermaßen wie für Eheleute und andere Verliebte.

•*¨*•❥  übrigens – denkt daran – „Am Rausch ist nicht der Wein schuld, sondern der Trinker.“ Das ist keine Weisheit von mir, das hat Konfuzius schon 500 Jahre vor Christus fest gestellt.

 

 

 

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