Weltweites Narrentreiben

Die fünfte Jahreszeit steuert auf ihren Höhepunkt zu, aber nicht immer war es für die Menschen selbstverständlich, dass Narrenmund wirklich die Wahrheit kundtun durfte. Vielen weltlichen und kirchlichen Herrschern war das lustige Volk – aber vor allem die Masken – ein Dorn im Auge. Doch das Fussvolk hat sich nicht unterkriegen lassen und der Fasching hat überlebt – bis heute!

Aber wer hat ihn erfunden? smile Ricola ist es mit Sicherheit einmal nicht gewesen – auch wenn sich die Gelehrten über den Ursprung nicht ganz einig werden können. Waren es die Römer oder gar die Kelten? Eines ist sicher, der Fasching ist keine Erfindung der Kirche – auch wenn sie wieder einmal eine heidnische Tradition salonfähig gemacht hat. Statt bösen Geistern wurde einfach der Teufel vertrieben, denn vom Teufel ist, im Gegensatz zu den Geistern, ja wenigstens in der Bibel die Rede.

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Die Römer feierten schon im Altertum mit Theaterspielen und Umzügen ihren Gott Saturn mit dem Saturnalienfest. Es wurde nicht gearbeitet und sogar die Sklaven waren vogelfrei und durften sich verkleiden. Einen Tag lang wurden die Rollen getauscht und die Herrschaft bediente angeblich ihre Sklaven. Die Dienerschaft durfte Dinge sagen und kritisieren ohne bestraft zu werden. Verkehrte Welt für einen Tag.

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Carnevale in Roma

Im Mittelalter wurden bis zum Ende des Winters große Feste veranstaltet. Die Menschen verkleideten sich mit Masken und Tierfellen und vertrieben mit vielen Trommeln und anderem Getöse die bösen Geister und Dämonen. Die guten Frühlingsgeister wurden mit der wohl ebenso lauten Musik der Schellen aus dem tiefen Winterschlaf geweckt.

Der Narr gehörte bei diesen Festen nicht zum Fasching – aber er ist eine Figur aus der Bibel. In irgendeinem Psalm steht: „Der Narr sprach in seinem Herzen: es gibt keinen Gott.“  und deshalb begannen Mönche im 12. Jahrhundert damit, diesen Text mit einer Gestalt mit Narrenkappe zu illustrieren. Bis zum 16. Jahrhundert fügten sie zur Kappe noch Eselsohren hinzu und gaben dem Narren außerdem Schellen und das Narrenzepter oder einen Spiegel. Die Eselsohren stehen für die Dummheit, Schellen für das Fehlen der Nächstenliebe und Zepter oder Spiegel für die Eitelkeit.

Da war dann der Narr der Dumme und der Narrenkönig herrschte für kurze Zeit über ein Volk von Dummköpfen und Bösewichtern. Gott gab es in dieser närrischen Welt nicht, er wurde ganz einfach verleugnet. Die Kirche schaute dem Treiben der Schäfchen zähneknirschend zu, denn auch in den Kirchen und Klöstern wurde lustig gefeiert. Das muss man sich erst einmal vorstellen, Mönche und Nonnen wählten sogar einen Narrenbischof! Schade, dass man nicht genau sagen kann, welche Geschichten sich noch hinter den hohen Klostermauern abgespielt haben, ich bin mir sicher, das wäre sehr interessant. smile  Am Aschermittwoch musste der närrische Zauber allerdings vorbei sein und wer sich nicht daran hielt, wurde hart bestraft!

Von Aschermittwoch bis Ostern war fasten angesagt, aber davor wurde noch einmal anständig über die Stränge geschlagen und es gab Essen und Trinken in Hülle und Fülle. Im Fasching durfte noch einmal richtig geschlemmt werden, mit Schmalzgebäck, Krapfen und fetten Braten. Dann hieß es carne vale, also Fleisch lebe wohl – und das für ganze vierzig Tage

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Martin Luther nagelt seine 95 Thesen an die Tür – allerdings nur der Legende nach

Anfang des 16. Jahrhunderts kam es in der katholischen Kirche zu einem großen Streit und Martin Luther erschien auf der Bildfläche. Eigentlich wollte er nur einige Dinge in der Kirche ändern, aber alles kam ganz anders. Die Kirche spaltete sich auf und seitdem gibt es die katholische Kirche und die evangelische Kirche. In den evangelischen Regionen wurde der Karneval von der Kirche und ihren Anhängern abgeschafft, denn sie fanden die Fastenzeit überflüssig und damit gab es auch keinen Grund Fastnacht zu feiern. In den von evangelischen Christen bewohnten Gebieten geriet der Fasching in Vergessenheit und wurde zum Teil erst wieder im 19. Jahrhundert ins Leben zurück geholt. Heute sind die Zeiten, in denen die Protestanten mit der „fünften Jahreszeit“ auf dem Kriegsfuß standen, mit Sicherheit schon längst vorbei.

Und dann gab es noch jemanden, dem das übermütige Narrentreiben nicht geheuer war – Napoleon Bonaparte. Der Kaiser der Franzosen fand den Karneval nicht harmlos, sondern höchst gefährlich. Es hätte sich ja jeder Lump oder Rebell hinter einer Maske verstecken können. Der ganze Zauber war ihm nicht geheuer und deshalb ließ er den Karneval in den von ihm besetzten Gebieten verbieten.

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Der Karneval in Venedig versank für fast zweihundert Jahre buchstäblich im Wasser und da Napoleon auch das Rheinland besetzt hatte, war es auch in Köln vorbei mit lustig. Der Strassenkarneval wurde in die Versenkung geschickt, verboten und erst nach einigen Jahren im Jahr 1823 wiederbelebt.

•*¨*•❥ übrigens – dass die fünfte Jahreszeit genau am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt, ist ebenfalls nicht eindeutig geklärt. Im Mittelalter stand die Zahl Elf für Jux und Narretei – im christlichen Glauben auch für die Sünde – ihr habt die Wahl …

 

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