Dia de los Indianos

Es wird gefeiert was das Zeug hält und ein normales Arbeitsleben findet so gut wie gar nicht statt. Es regieren die Narren! Die Tage werden immer bunter und in Santa Cruz de Tenerife  findet heute Nachmittag, also am Faschingssdienstag,  der langersehnte Umzug el Coso del Carnaval statt. Die Innenstadt und besonders die Plaza de España ist festlich geschmückt, tausende Zuschauer am Straßenrand warten darauf, dass die Königin, la Reina del Carnaval und ihr Hof den Umzug eröffnen. Jetzt ist die Stunde der Tanztruppen, las Comparsas, gekommen und Salsa- und Sambarhythmen bestimmen das Bild und erfüllen die Luft.

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Das andere Santa Cruz der Kanarischen Inseln, die Hauptstadt unserer Nachbarinsel La Palma, versinkt einmal im Jahr für einen Tag in einem weißen Traum aus Babypuder.  Jede Stadt hat ein anderes Motto, die einen feiern bunt, karibisch und laut, die anderen weiß mit kubanischen Tönen – aber genauso laut!

Der Einfluss Lateinamerikas auf die Faschingszeit der Kanarischen Inseln ist nicht zu übersehen und wenn man ein bisschen in der Geschichte stöbert, erkennt man auch warum. Vor ungefähr dreihundert Jahren verließen viele Canarios ihre Heimat um ihr Glück in der großen, weiten Welt zu suchen. Die wirtschaftliche Lage auf den Inseln war katastrophal und viele Familien standen am Existenzabgrund. Eine große Welle mit tausenden Menschen schwappte damals verbotenerweise in die Karibik, vor allem nach Kuba und Venezuela. Einige der Auswanderer fanden in Amerika ihr Glück und kehrten viele Jahre später wohlhabend in die alte Heimat zurück.

Viele der Heimkehrer hatten bei ihrer Rückkehr in die Heimat nicht nur Geld sondern auch prachtvolle, farbenprächtige Kostüme und rhythmische Musik aus Südamerika im Gepäck und ihren Köpfen. Seitdem spürt man in vielen Bereichen des kanarischen Lebens eben auch ein wenig karibischen Flair, südamerikanische Wörter und eine Mischung aus Salsa, Merenge und kanarischer Volksmusik.

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Auf unserer kleinen Nachbarinsel, in Santa Cruz de la Palma, besteht die Welt für einen Tag, am Rosenmontag, aus der Farbe Weiß – und was nicht Weiß ist, wird Weiß gemacht! Diese Tradition erinnert auf eine ganz besondere Art an die „Ankunft der Indianos“ Doch woher kommt diese Tradition? Also, noch einmal ein paar Jahrhunderte zurück in der Geschichte, in eine Zeit, in der es auf La Palma mehr Armut als Reichtum gab.

Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen, aber der Hafen von Santa Cruz de La Palma war nach Sevilla und Antwerpen der drittgrößte Hafen der Welt. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts erhielt La Palma als einzige Insel der Kanaren das Monopol für den Westindienhandel und erst viel später folgten Teneriffa und Gran Canaria. Den meisten Menschen auf der Insel ging es gut, doch das änderte sich im Laufe der Jahre. Die Zeit blieb nie stehen sondern war stetig im Wandel und so ist es im 19. Jahrhundert vor allem auf unserer Nachbarinsel ruhig geworden. Zu ruhig, denn es kamen keine großen Schiffe mehr, um vor der langen Fahrt über den Atlantik ihre Fässer noch einmal mit frischem Trinkwasser zu füllen. Man verkaufte keinen Wein mehr, um ganz Europa damit zu versorgen und auch das Geschäft mit dem Zuckerrohr, den Bananen und dem vorher so begehrten Farbstoff der Koschenilleläuse lief immer schlechter. Um der großen Not zu entkommen, suchten über zehntausend Menschen, also fast ein Drittel der Bewohner La Palmas, in Kuba, Venezuela und Brasilien ihr neues Glück. Es war eine Zeit, in der sich viele Inselbewohner mutig auf kleine Schiffe wagten und sich auf die Reise in ein unbekanntes Land, in eine neue Welt machten. Eigentlich war es wohl mehr eine Flucht als eine Schiffsreise, doch möglicherweise ein Entkommen aus Armut und einem Leben mit vielen Entbehrungen.

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Von den Menschen, für die sich das Leben auch in der Neuen Welt nicht änderte, hört man natürlich nichts, ihre Geschichte ist uninteressant. Interessant ist die reiche Erbtante aus Amerika, oder der sagenhafte Reichtum, den sich einige Auswanderer in Kuba erworben haben sollen. Einige dieser Glückspilze kehrten wieder auf die kleine Atlantikinsel zurück – und der eine oder andere Rückkehrer hatte schöne Mulattinnen und seine Frau im Schlepptau.

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Diese Menschen, also die Rückkehrer, nannte man einfach Indianos. Sie waren zu Wesen aus einer fremden Welt geworden, exotisch und geheimnisvoll. Dass Geld den Charakter eines Menschen verändert ist kein Geheimnis und deshalb mischten sich auch damals viele Neureiche, arrogante Emporkömmlinge mit viel Geld in der Tasche unter die Heimkehrer. Geld regiert die Welt und mit ihren Reichtum und den Besitz großer Ländereien bildeten sie bald eine gewisse Art der Oberschicht. Über diese arrogante Oberschicht machte sich die einfache Inselbevölkerung lustig und irgendwann begann man, diese Leuten zu bepulvern, echar polvo. Ursprünglich wurden die Heimkehrer mit Mehl bestäubt, heutzutage wird Kiloweise Babypuder gekauft und großzügig über die Mitmenschen verteilt. Gesichter, Kostüme und Straßen – die Welt wird für kurze Zeit weiß.  smile Der Weiße Riese hat dabei aber garantiert nicht seine Finger im Spiel!

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Am Rosenmontag landen die sogenannten Heimkehrer mit vielen Schiffen im Hafen von Santa Cruz ein und anschließend ziehen hunderte oder gar tausende von weiß gekleideten Kolonialherren durch die Straßen der Stadt. Natürlich kommen in unserer Zeit die Schiffe nicht von Südamerika sondern von den Nachbarinseln und vom Festland, aber eines hat sich nicht geändert, heute wie damals stehen am Tag der Indianos, el Dia de los Indianos, die feinen Herrschaften in eleganten Anzügen aus weißem Leinen und feinen Strohhüten auf den Köpfen, die rauchende Havanna im Mundwinkel und dem Schrankkoffer mit Geldscheinen neben sich an der Reling. Damen in weißen, seidenen Kleidern und großzügig mit Schmuck behängt, halten neckische, mit Spitzen verzierte Sonnenschirme und goldene Käfige mit bunten Papageien in den Händen.

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So wie vor vielen, vielen Jahren die Rückwanderer aus der Karibik, vor allem aus Kuba, den armen Verwandten mit eleganten Roben und Schmuck ihren frisch erworbenen Reichtum gnadenlos unter die Nase gerieben haben, machen es heute die Narren. Der Jahrgang der kolonialen Kostüme ist egal, denn besonders viele Rückwanderer gab es sowohl in den 1920er als auch in den 1950er Jahren. Also – Hauptsache elegant und todschick!

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Ach ja, jetzt hätte ich es fast vergessen, das hübsche, kaffebraune Hausmädchen mit weißem Spitzenhäubchen war früher die Zierde jedes vornehmen Haushalts. Heute erinnert daran la Negra Tomasa, eine üppigen Karikatur eines dunkelhäutigen Hausmädchens. Obwohl sie ziemlich vulgär aussieht wird sie von tausenden Männern in Weiß bejubelt und von den weißhäutigen Damen belächelt.

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Der Startschuss für das Fest fällt in der Innenstadt mit einem Empfang der Narren vor dem Rathaus. Dann wird es trüb in der Luft und das Luftholen fällt schwer, denn es beginnt eine regelrechte Puderschlacht. Babypuder wohin man schnuppert und die Atemluft wird für den einen oder den anderen sehr knapp.

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Am Aschermittwoch ist der Zauber endgültig vorbei. Die weißen Blusen, Hüte, Hosen in den Geschäften sind verschwunden und die Stadt bekommt wieder ihr buntes Bild zurück. Aber was ist jetzt los? Immer mehr Menschen in Trauerkleidung sind auf der Strasse zu sehen. Auf hohen Schuhen und in schwarzen Nylons gehen sie alle in eine Richtung. Wo wollen sie alle hin? Das verrate ich euch morgen!

•*¨*•❥  übrigens – die Fotos habe ich im Internet gefunden, leider weiß ich von den meisten nicht, wer sie fotografiert hat. Vielleicht meldet sich der oder die Künstler ja bei mir?! Die Stimmung wurde auf diesen Bildern richtig gut eingefangen und ich kann mir vorstellen, dass es bei dem vielen Puder in der Luft, gar nicht so einfach ist, ein scharfes Bild festzuhalten!

 

 

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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