Der Fasching und die Armen Ritter

Der Fasching ist jetzt zwar angeblich vorbei, aber ich wollte euch noch von einem alten Brauch aus Icod de los Vinos erzählen. Pedir huevos en Carnaval, una tradición recuperada por la Escuela de Folclore de Icod.

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Vor allem im Norden von Teneriffa gab und gibt es viele alte Traditionen und Bräuche. Einige davon kennen wir nur mehr aus den Schriften der Historiker, andere Bräuche sind lebendig geblieben. In Icod de los Vinos gibt es eine Schule, la Escuela Municipal de Folclore de Icod de los Vinos, in der die Schüler bewusst in der Vergangenheit wühlen. Dabei haben sie einen alten Faschingsbrauch nicht nur ausgegraben sondern gleich wieder zum Leben erweckt. Die Schüler haben gleich der ganzen Stadt gezeigt, was Kinder vor vielen, vielen Jahren ganz selbstverständlich gemacht haben.

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Mascarita – un Huevito Laut alten Aufzeichnungen taucht der Brauch  „um Eier zu bitten“  schon im 18. Jahrhundert auf und war bis ins 20. Jahrhundert ein fester Bestandteil des Faschings. Kennt ihr Arme Ritter?  Nein ich meine keine verarmten Gestalten in klapprigen Blechrüstungen, ich rede von den Armen Rittern, die ich – und ihr bestimmt auch – schon als Kinder gerne genascht habe. Also, wer kennt die nicht?!

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In Spanien sind die Armen Ritter, las torrijas, eine traditionelle Mehlspeise in der Fastenzeit. Wie bei uns zu Hause werden die altbackenen Brotscheiben zuerst in gezuckerter Milch eingeweicht, dann durch aufgeschlagene Eier gezogen und am Ende in einer Pfanne gebraten. Mit Zimt und Zucker bestreut werden sie dann verspeist.

Der Name Arme Ritter entstand gegen Ende des Mittelalters als viele Ritter arm wie die Kirchenmäuse wurden und ihre Burgen kaum feudaler als Bauernhütten waren. Vor allem im Dreißigjährigen Krieg war es es die Speise, mit der sich der verarmte Adel zufriedengeben musste. Mehr wie Brot konnten sie sich nicht leisten und so wurden einfach ein paar Eier über das alte Brot geschlagen und in Fett gebacken. Ich konnte es kaum glauben, aber die Armen Ritter haben internationale Verwandte, sie sind fast in allen Ländern bekannt und beliebt. Von Amerika als French Toast bis Russland, wo sie Grenki genannt werden, stehen ähnliche Angebote weltweit auf dem Speiseplan – die Zubereitung variiert allerdings ein bisschen. In Portugal veredelt man Rabanadas gern mit Portwein, in Ungarn kommen Bundáskenyér salzig statt süß auf den Tisch. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt.  smile Aber jetzt wieder zum Anfang zurück, zu den Eiern.

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Das Eiersammeln in der Faschingszeit hatte in alten Zeiten einen doppelten Zweck. Erstens waren Hühnereier sehr begehrt nicht zu verachten, denn damit wurden eben Arme Ritter oder andere Eierspeisen auf den Tisch gebracht und zweitens brauchte man so viel wie möglich Munition für den Karneval. Eier und Munition? Der Spass bestand darin, während der Zeit vor dem Karneval so viele Eier auszublasen wie nur möglich. Dann wurden die Eierhüllen nicht wie bei uns kunstvoll bemalt und verziert sondern mit Puder oder Konfetti gefüllt. Die Löcher wurden mit Papier und Kleister, oder einer Mischung aus Mehl und heißem Wasser verschlossen. La diversión consistía en guardar durante los días anteriores al carnaval cáscaras de huevos cuidadosamente vaciadas y rellenas con polvos de talco o confetis. Fertig war der Zauber und das Pudergeschoss für den närrischen Kampf war gesichert.

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Diese Eier wurden dann wie ein Schatz in Körben oder Schubladen gehortet und kurz vor den närrischen Tagen wurden sogenannte Eierstäbe, los huevos taco o huevos talco, gebastelt. Diesen Brauch gab es auch in Icod de los Vinos doch 1906 wurde er verboten. Warum habe ich leider noch nicht heraus finden können.

Vor einigen Jahren haben die Kinder der Schule diesem Brauch wieder neues Leben eingehaucht und ich bin gespannt, ob er wieder in der Schublade verschwinden oder auch in Zukunft ein fester Bestandteil des Karnevals bleiben wird. Dafür wird am Aschermittwoch die Hauptstrasse geschmückt und die verkleideten Kinder ziehen von Geschäft zu Geschäft, von Tür zu Tür, um überall um Eier zu bitten.  Als Belohnung gibt es für alle Kinder danach im Casa de Cáceres süße Arme Ritter als Stärkung.

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Über ARTlandya - der Blog

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