Heldinnen des Alltags?

„Alles Gute zum Frauentag!“ Im Moment bin ich ein bisschen irritiert, bei einem Blick auf die Meldungen im Internet hagelt es heute blumige Glückwünsche von allen Seiten. Männlein gratuliert Weiblein, Politiker ihren Wählerinnen, Kaufleute ihren Kundinnen und Frauen gratulieren gleich der ganzen Welt. Habe ich irgendetwas versäumt? Falls es bis jetzt noch immer irgendjemanden geben sollte zu dem es bis zum Abend noch nicht vorgedrungen ist – heute wird der Internationale Frauentag, el Día de la Mujer, gefeiert. Weil er unter dem Motto „Wir wollen Brot und Rosen“ steht, werden an diesem Tag rote Rosen an die Damenwelt verschenkt.

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Ich habe ja nichts gegen Glückwünsche, im Gegenteil, es freut sich wohl jeder Mensch über gute Wünsche und nette Gesten, aber irgendwie passt das heute nicht ganz, denn was haben diese Wünsche mit der Bedeutung dieses Tages zu tun, mit Emanzipation und Gleichberechtigung? Es ist ja traurig genug, dass wir diesen Tag überhaupt noch immer dringend brauchen – und das im Jahr 2017. Gründe dafür gibt es jedenfalls mehr als genug …

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Ins Leben gerufen wurde der Tag im vergangenen Jahrtausend. Es war im Jahr 1910 in Kopenhagen als Clara Zetkin, eine deutsche Sozialistin, auf der Internat. Konferenz der sozialistischen Frauen die Einführung eines internationalen Frauentages vorschlug. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und in den folgenden Jahren wurde in vielen Ländern für ein grundsätzliches Wahlrecht für Frauen, die Gleichberechtigung im Berufsleben und einen Mindestlohn demonstriert. Durch den Ersten Weltkrieg veränderte sich die Rolle der Frau, da irgendjemand ja die Plätze der Männer nicht nur in der Kriegsindustrie übernehmen mussten, aber als die Männer wieder nach Hause kamen, wurden die Rollen abermals neu verteilt, die Familienidylle war angesagt.

Geschichten über diesen Tag gibt es viele, die möchte ich jetzt gar nicht aufzählen, aber im Jahr 1977  hat die UN-Generalversammlung den 8. März endgültig und hochoffiziell  zum Internationalen Tag für die Rechte von Frauen ausgerufen. Ändern wird der Frauentag wohl auch im Jahr 2017 wieder nix. Warum auch? Dafür müsste man lediglich die Gesetze ändern wollen – nicht mehr und nicht weniger. Alice Schwarzer wollte den Frauentag ja schon vor Jahren abschaffen. „Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März. Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer“ forderte sie, der Frauentag sei „der reinste Hohn“, schrieb sie in ihrem Artikel und ich finde sie hat recht.

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern auf unserer schönen Mutter Erde leben wir in Europa im feministischen Paradies. Wir haben das Wort Gender mittlerweile fest in unseren Köpfen verankert, wir haben Gesetze die Frauen schützen sollen und wenn uns einer auf den Po klatscht oder uns gar süße Maus nennt, kann ihn jede Frau wegen böswilligen Sexismus anzeigen.Wir jammern ja wirklich wieder einmal auf sehr hohem Niveau, oder? Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Dieser Grundsatz ist in Österreich sogar seit Jahren gesetzlich verankert, die Wirklichkeit sieht aber nach wie vor anders aus, denn Frauen verdienen für dieselbe Arbeit noch immer bis zu einem Viertel weniger als Männer! Daran ändert auch eine duftende Rose und ein paar nette Glückwünsche absolut nichts. kuss  Trotzdem, weil es so schön ist – alles Gute zum Frauentag!

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Lebenslügen
Ein Mensch wird schon als Kind erzogen
und, dementsprechend, angelogen.
Er hört die wunderlichsten Dinge,
wie, dass der Storch die Kinder bringe,
das Christkind Gaben schenk zur Feier,
der Osterhase lege Eier.

Nun, er durchschaut nach ein paar Jährchen,
dass all das nur ein Ammenmärchen.
Doch andre, weniger fromme Lügen
glaubt bis zum Tod er mit Vergnügen.
Eugen Roth

•*¨*•❥ übrigens – Brot steht für Recht auf Arbeit, gerechte Entlohnung, gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen, menschgerechte Arbeitsbedingungen, berufliche Entfaltung und Fortentwicklung sowie eine eigenständige, soziale Sicherung für die Frau

Rosen stehen für die Möglichkeit mit Kindern zu leben und berufstätig zu sein, familiengerechte Arbeitszeiten, die Befriedigung kultureller Bedürfnisse, eine menschenwürdige Wohn- und Lebensumwelt. Die gleichberechtigte Teilhabe von Männern an Hausarbeit und Kindererziehung, humane Politikformen, Toleranz und Frieden

 

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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