Leuchtturm von Abona

An den Küsten Teneriffa stehen rund um die Insel verteilt sieben Leuchttürme. Einer davon ist der Leuchtturm von Abona, der an Südostküste Teneriffas zwischen Poris de Abona und Abades in den Himmel ragt.  El Faro de Punta Abona sieht man schon von weitem, aber es handelt sich hier nicht nur um einen Leuchtturm sondern um zwei! Das kommt hier auf der Insel öfter vor, denn in Spanien war und ist es üblich, die neuen Leuchttürme direkt neben ihre ausgemusterten Vorgänger zu bauen.

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Deshalb stehen oft bis zu drei Generationen in verschiedenen Höhen und Breiten der Familie Leuchtturm harmonisch nebeneinander dekorativ in der Landschaft. Die älteren Exemplare sind bereits viele Jahre ohne Funktion und leider knabbert häufig schon der Zahn der Zeit an ihren Fassaden. Die Laternen sind leer, es gibt schon lange keine Optik mehr für sie und Fenster und Türen der Gebäude wurden und werden einfach zugemauert.

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Alt und neu friedlich nebeneinander könnte man so auf den ersten Blick sagen.  Aber wenn man ein bisschen genauer hinschaut, könnte auch der neue Turm ein bisschen Sanierung vertragen. Er rostet vor sich hin und der Verputz bröckelt in großflächigen Brocken vom gebogenen Gemäuer.

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Der alte Leuchtturm von Abona, der ja eigentlich eher ein rechteckiges, eingeschossiges Leuchtturmwärterhäuschen ist, hat seine ersten Strahlen im Jänner 1902 über den Atlantik geschickt. Die für einen Leuchtturm relativ kleine Laterne ist auf einer Plattform auf der Decke des Gebäudes befestigt. Da das Haus mit seinen vier Metern nicht wirklich hoch ist, strahlte das leuchtende Feuer auch nur in sechseinhalb Meter Höhe in die Dunkelheit.

Der Leuchtturm wurde als Navigationshilfe für die Küstenschifffahrt zwischen Santa Cruz und den Häfen der westlichen Inseln der Kanaren gebaut. Im Haus waren früher außer dem Maschinenraum noch zwei Wohnungen, ein Lager und ein Büroraum untergebracht.

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Beim alten Gebäude besitzt die Laterne schon lange keine Optik mehr und die Türen und Fenster des alten Maschinenhauses wurden in den vergangenen Jahren zur Sicherheit einfach zugemauert. Ach ja, in Betrieb war der alte Leuchtturm von 1899 bis zum Jahr 1976. Danach war Schluss und obwohl der Bürgermeister von Arico das Gebäude anderwärtig nutzen wollte und sogar mit einer teilweisen Renovierung im Jahr 2003 begonnen hatte, wird der Dornröschenschlaf wohl Dauerzustand werden.  Schade, dass die Pläne für eine weitere Nutzung des alten Hauses nicht funktioniert haben.

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Das Leuchtfeuer des neuen Turmes liegt um einiges höher. Er sendet seine Signale aus einer Höhe von 39 Metern in die Nacht, doch dafür wird kein Leuchtturmwärter mehr benötigt, denn gewartet und betrieben wird die Technik automatisch vom Hafenpersonal in Santa Cruz. Es ist vorbei mit der Romantik des Lebens eines Leuchtturmwärters.  Obwohl ich wohl eher von einer Seeromatik mit Risiko reden schreiben müsste.

Die Wächter des Leuchtfeuers kämpften nicht nur mit der Einsamkeit in ihrem Turm. Weit weg vom nächsten Ort waren sie Stürmen, Feuer und vielen Gefahren ausgesetzt, die mit der Überwachung der Feuerzeichen zu tun hatten, nicht zu vergessen – die Piraten und die vielen Schiffbrüchigen! Zu diesem Leuchtturm kann ich euch sogar noch eine Geschichte erzählen.

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Einer der letzten Leuchtturmwächter der hier seinen Dienst versah, war Demetrio González Velasco. Er kam in den sechziger Jahren des vergangen Jahrhunderts nach Teneriffa. Vorher hatte er in einem Leuchtturm im Norden von La Palma, en el faro de Punta Cumplida, gearbeitet. Als er das erste Mal den kleinen Leuchtturm und die trostlose Umgebung auf Teneriffa sah, konnte er seine Enttäuschung nicht verbergen und soll gesagt haben „Da waren kaum ein Dutzend Häuser, alle gedrungen und klein. Es war Sommer, eine erstickende Hitze, alles trocken – Mein Gott, wo bin ich da reingeraten? Es kam mir vor wie der Beginn der Hölle. Dios mío, ¿dónde me he metido yo? Me parecía el principio del infierno.“ 

Als er und seine Familie sich eingewöhnt hatten, begann er die Dinge zwar auf eine andere Art zu sehen, aber das Gebäude mit der Wohnung und dem Leuchtturm wurde trotzdem nicht schöner. Der äußerliche Verfall durch die direkte Nähe zum Wasser war verheerend. Doch die Arbeit gefiel ihm. Sie waren ja zu zweit um die Petroleumlampe zu bedienen und er verglich seine Arbeit mit der Wartung von einem Uhrwerk mit einer Öllampe. Also alles kein Problem. So kehrte die tägliche Arbeitsroutine in seine Familie ein und mit der Zeit lernte er auch die Menschen in der Nachbarschaft im nicht weit entfernten Poris de Abona kennen. Und dann kam der Tag, als er dachte, die Hölle würde vor ihm aufbrechen und der Teufel würde erscheinen …

Man schrieb das Jahr 1963. Die Breñusca, ein Schiff der Küstenschifffahrt, fuhr mit einer Ladung Stroh für das Vieh Richtung Nachbarinsel Gomera am Leuchtturm vorbei, als kurze Zeit später plötzlich ein starkes Unwetter ausbrach und hohe Wellen auf den Rumpf des Schiffes peitschten. Es dauerte nicht lange bis es kenterte und zu versinken drohte. Die drei Männer der Mannschaft klammerten sich mit aller Kraft am Kiel, der mittlerweile nach oben in die Luft stand, fest. Als sie das blinkende Signal des Leuchtturms von Abona sahen, keimte bei den Schiffbrüchigen Hoffnung auf. Doch in dieser finsteren Nacht verschluckte die Dunkelheit den Rumpf mit den drei Männern, der hilflos im Meer trieb und niemand sah sie.

Was dann geschah, erzählte Demetrio González, der Leuchtturmwächter so: „Als die drei Männer erkannten, dass sie nicht gesehen wurden, und keine Hilfe kommen würde, machte sich erst einer von ihnen vom Schiffswrack los und versuchte die Küste zu erreichen. Die beiden anderen Männer folgten ihm kurz darauf, aber sie schafften es nicht. Sie ertranken in den brodelnden Meereswellen und einen davon haben wir später zwischen den Steinen bei Los Abriguitos gefunden. Der Mann, der den Leuchtturm erreichte, humpelte auf einem Bein daher, denn er war von einem Stück des Schiffsmastes getroffen worden. Er hatte irgendwo eine Latte von einer Tomatenfeld genommen und humpelte nun, mühsam auf den Stab gestützt, durch die Gegend.“ 

Es war ungefähr acht Uhr am Morgen, als das Mädchen, eine Hausangestellte der Familie des Turmwächters, in der Küche arbeitete und aus dem Fenster blickte. Sie sah einen Mann, bärtig und mit wirrem Haar, total dreckig, der da auf einem Bein durch die Gegend hüpfte. War das der Geist eines Soldaten aus der Schlacht von San Quintín? Sie begann laut zu schreien und rief: „Der Teufel ist da, ruft die Guardia Civil! ¡Allí hay un demonio! Llega la Guardia Civil!“

Als der Turmwächter, el torrero, vom Hausmädchen aufgeschreckt,  aus dem Fenster schaute, sah er die düstere Gestalt und schrie ebenfalls als sei der Teufel hinter ihm her. „Der Schiffbrüchige, am Rande seiner Kräfte, sank in diesem Augenblick erschöpft zu Boden. Ich lief los und habe ihn fest gehalten und der Mann sagte zu mir, ‚Gott sei Dank ist hier jemand!¡Menos mal que alguien me coge!‘ Der Schiffbrüchige war stark unterkühlt und sein Zustand katastrophal. Ich trug ihn zum Turm und rief die Guardia Civil. Ich gab ihm neue Kleidung, etwas zu essen und zu trinken und schön langsam kehrten seine Lebensgeister wieder zurück.“

Aber das Unglück des schiffbrüchigen Pechvogels, einem Matrosen von Gran Canaria, war noch immer nicht zu Ende, denn als der Beamte der Guardia Civil, der wegen dem Hilferuf von Demtrio González auftauchte, wollte den armen Mann auch noch als Verbrecher verhaften!  Doch dazu kam es dann zum Glück doch nicht. Wenn es keine wahre Geschichte wäre, könnte ich jetzt mit dem Satz „und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch“ die schöne Erzählung aus alten Zeiten beenden – kann ich aber leider nicht.  Also schreibe ich jetzt einfach – Ende gut, alles gut, bien está lo que bien acaba!

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Über ARTlandya - der Blog

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Eine Antwort zu Leuchtturm von Abona

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