Ostern auf Teneriffa

Fast die ganze Welt feiert Ostern und hier auf der Insel kann man es überhaupt nicht übersehen. Mittlerweile steht Karfreitag im Kalender und es dreht sich alles um den Tod von Jesus. Die Canarios haben die besondere Begabung, auch kirchliche Feiern in fröhliche Feste zu verwandeln, aber Ostern ist etwas anderes, es bleibt eine ernste Angelegenheit. Besonders der Karfreitag hat auch in Spanien Ostern etwas mit Stille und Schweigen zu tun. Easter on Tenerife, the sound of silence.

In viele Gemeinden finden heute Züge des Schweigens, la Procesión del Silencio, statt. Die schweren Kirchentore werden geöffnet und schweigend wird das Kreuz vor die Kirche getragen. An der Spitze jeder Prozession steht eine lange Zweierreihe von Nazarenos und begleitet werden sie zusätzlich von den sogenannten Hermandades, also Bruderschaften und Büßern, die die Figur des verstorbenen Christus durch die Straßen tragen.

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Die verschiedenen Bruderschaften, die ihr hier auf den Fotos seht, repräsentieren die einzelnen, sozialen Schichten und haben ihren Ursprung in den mittelalterlichen Ständen. Dann sind die Heiligen an der Reihe. Die Mitglieder der Bruderschaft tragen die aufwendig mit Blumen und Kerzen geschmückten, hölzernen Heiligenfiguren kilometerlang auf ihren starken Schultern durch die Strassen und Gassen. Das bedeutet Knochenarbeit und Kraft, denn bei einigen Exemplaren kann auf einen Träger schon das Gewicht von bis zu hundert Kilo kommen. Der Aufbau, der aus einer Tragbahre, der Statue und dem ganzen Schmuck besteht, wird übrigens el paso genannt.

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Die Gestalten tragen lange Gewänder spitzen Kapuzen und der erste Gedanke, der mir bei diesem Anblick durch den Kopf geschossen ist, war der Ku-Klux_Klan. Aber damit haben diese Männer gar nichts zu tun. La Capirote, der Spitzhut mit den Sehlöchern soll einfach verhindern, dass man die Mitglieder der Bruderschaften bei ihrem Bußgang erkennen kann. smile Sie könnten sich ja mit ihrem Bußgang brüsten.

Die eigenartigen Gewänder und die verdeckten Gesichter sind fast etwas unheimlich und der dumpfe aber kräftige Trommelschlag, der die schweigende Prozession im eintönigem Rhythmus begleitet, verstärkt die mystische Stimmung noch und geht unter die Haut. Man kann die Trommeln förmlich am eigenen Leib fühlen, der Rhythmus der Schläge bestimmt den Ablauf des Geschehens. Vor allem im Norden der Insel haben diese Bräuche eine lange Tradition. Die Prozessionen ziehen stundenlang durch die Strassen und Gassen und in einigen Orten, wie San Juan de la Rambla, wird sogar die Kreuzigung Christi nach gespielt.

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Am bekanntesten ist die Karfreitagsprozession in La Laguna, der Stadt mit dem Bischofssitz. Während des ganzen Tages werden dort die einzelnen Stationen des Leidensweges mit fast lebensgroßen Figuren nachgestellt und auf geschmückten Wagen durch die Innenstadt gezogen. In diesem Zug sind ebenfalls die Männer der verschiedenen Bruderschaften, die häufig barfuß oder mit Ketten an den Füßen und einem Kreuz auf dem Rücken mit ziehen, zu sehen.

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Am Abend geht es dann weiter, denn um 17 Uhr beginnt La Procesión Magna, also der Höhepunkt des Tages. Begleitet wird die Prozession immer von den höchsten politischen und militärischen Würdenträgern der Stadt. Ob sie wollen oder nicht, dieser Pflicht entkommt keiner von ihnen und wenn man bedenkt, dass die Prozessionen oft Stunden dauern können, müssen die Volksvertreter wenigstens einmal im Jahr ein paar ihrer Sünden abbüßen.

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Im Süden der Insel sieht es anders aus, dort ist Adeje das Zentrum für Ostern. Im ältesten Teil von Adeje verwandelt sich die Welt und man befindet sich plötzlich in einer anderen Zeit mitten in Jerusalem. Ab 12 Uhr Mittag spielen über dreihundert Laienschauspieler die Geschichte der Bibel mit viel Einsatz und Überzeugung nach. Ich habe das Passionsspiel noch nie gesehen, aber mittlerweile wird es sogar im Fernsehen übertragen und wie ihr auf dem Foto sehen könnt, müssen sich sogar Fotografen und Kameraleute an den Dresscode halten.

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Ich zeige euch trotzdem einige Fotos aus den vergangenen Jahren, die die Gemeinde Adeje zur Verfügung gestellt hat. Vielleicht schaffe ich es ja in den nächsten Jahren selbst einmal dabei zu sein – irgendwann klappt es bestimmt!

Ihr kennt es ja schon – ein Foto anklicken und schon könnt ihr euch die Galerie in Ruhe ansehen. kuss (2) Viel Spass – und liebe Grüße von der Insel …

Der Vollständigkeit halber hier noch ein paar Ergänzungen:

Mitglieder einer Hermandad nennt man Hermanos. Unter denen, die an der Prozession zur Feier der Semana Santa teilnehmen, unterscheidet man nach ihrer Funktion drei Gruppen:

  • Nazarenos, sind die Büßer mit den typischen Spitzhauben. Ja nach Dauer ihrer Zugehörigkeit zur Bruderschaft gehen sie mit mehr oder weniger Abstand zu einem der Pasos und tragen Kerzen oder andere Insignien.
  • Penitentes sind die Büßer, die ein Holzkreuz auf der Schulter tragen. Sie tragen ebenfalls eine túnica, aber ihre Kapuze hängt nach hinten.
  • Costaleros sind die Träger der Pasos. Ungefähr 35 bis 50 von ihnen tragen jeden Paso und sie wechseln sich regelmäßig beim Tragen ab. Sie tragen übrigens eine Baumwollmütze, el costal.
  • als Paso  wird der gesamte Aufbau bestehend aus der Tragbahre und dem auf ihr befestigten Bildnis bezeichnet. Im Grunde genommen sind es Statuen oder Figurengruppen auf richtigen Altarbühnen und haben ein enormes Gewicht. In La Laguna sind einige davon ziemlich alt und sehr wertvoll.

Keine Angst, ich zähle jetzt nicht alle Statuen auf, aber der Santisimo Cristo de La Laguna wurde zum Beispiel vor 600 Jahren in Andalusien geschnitzt und war 1520 ein Geschenk an Alonso Fernández de Lugo, der die Figur ins Franziskanerkloster von La Laguna brachte.

Die Nazarenos, die Penitentes und die Costaleros sind die Mitglieder einer Cofradía, einer religiösen Brüderschaft. Jede Bruderschaft besitzt eigene Embleme, Farben, Kostüme und Figuren.

Die ersten Cofradías entstanden im 15. Jahrhundert in Sevilla, von wo aus sie sich dann über ganz Spanien ausbreiteten. Zwischen der Hermandad und einer Cofradía gibt es allerdings einen kleinen aber feinen Unterschied. Jede Vereinigung von Gläubigen, die das Ziel hat, fromme oder wohltätige Werke zu leisten, wird als Hermandad bezeichnet. Wenn zusätzlich noch die Verehrung von Gott als Ziel festgeschrieben wird, nennt man die Vereinigung Cofradía. Eine Cofradía ist also immer auch eine Hermandad, während eine Hermandad nicht zwangsläufig eine Cofradía sein muss.

So, aber jetzt ist wirklich Schluss für heute kuss (2)  hasta pronto!

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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2 Antworten zu Ostern auf Teneriffa

  1. altmuehltaltipps schreibt:

    Sehr cooler und richtig interessanter Beitrag – vor allem mit den Fotos! 🙂
    Hab mir erlaubt, ihn bei meinem neusten Blogbeitrag zu verlinken, in dem ich Osterbräuche auf der Welt vorstelle, hoffe, das ist für dich in Ordnung 😉
    Liebe Grüße, Kerstin

    Gefällt 1 Person

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