wenn der Hase dreimal klingelt

Es ist noch dunkel, nicht einmal ein paar vorwitzige Sonnenstrahlen sind zu sehen, trotzdem tönt ein leises ding dong an mein Ohr. Bei unserem Bewegungsmelder am Eingangstor können zu dieser Stunde noch keine Sonnenstrahlen oder gar Eidechsen zugeschlagen haben. Der erste Besucher kann es auch nicht sein, zu dieser Zeit liegen auch die Frühaufsteher unter den Urlaubern noch in den warmen Federn. Vielleicht Nachbars Katze? Ihr werdet es nicht glauben, es war ein kleines, braunes kanarisches Kaninchen.  lachen

Anscheinend hat der Osterhase wegen weihnachtlichen Wettervorhersagen bei euch gekündigt und ist bei uns gelandet. Knietief Schnee – wenn man niederkniet – oder sommerliches Wetter, da fällt die Wahl nicht einmal dem pflichtbewusstesten Osterhasen schwer. Noch schöner kann ein Ostersonntag eigentlich gar nicht beginnen.

Mit dem Domingo Resurrección, dem Ostersonntag und Tag der Auferstehung endet die Semana Santa. Während in Deutschland Eier bemalt und versteckt werden, oder Schokoladen-Osterhasen tonnenweise ihre Abnehmer suchen und finden, feiert der katholische Spanier die heilige Woche, Semana Santa, in Trauer und als Büßer. Das ist kein Fest bei dem gelacht und getanzt, sondern gemeinsam gelitten wird! Hier steht Klerikales im Vordergrund, während unsere Osterbräuche auf heidnische Ursprünge und Frühlingsriten der Germanen und Slawen zurückgehen.

Kennt ihr den Namen Ostara oder Eostre? Ich habe bis dato nichts davon gewusst. Ich habe mir allerdings auch nie Gedanken darüber gemacht, warum zu Ostern gerade der lustige Hase zuständig fürs Eier verteilen ist. Irgendwo habe ich etwas von Germanen und Frühling gehört und deshalb habe seit langem wieder einmal im Buch der Deutschen Göttersagen geblättert – und bin fündig geworden.

Ostara, eine Tochter Wotans, ist die Göttin des Frühlings und des Morgenlichts. Die zarte und anmutige Göttin brachte das Licht, die Wärme und das Leben wieder zurück zu den Menschen und verhalf so Jahr für Jahr der Natur aus dem tiefen Winterschlaf. Ihre Lieblingstiere waren der Hase und der Marienkäfer, ihr heiliger Baum ist die Birke und ihr Symbol das Ei. Sie steigt stieg im Osten aus dem Meer, eingehüllt in ein Gold schimmerndes Gewand. Sie trägt gelbe Schuhe und zarte Blumen. Wenn sie über die Erde wandelt, keimen die Pflanzen und neues Leben erwacht. Begleitet wird sie auf ihrer Reise von weißen Hasen, die übrigens ein Symbol für den Vollmond sind.

Da das Ei schon damals als das Sinnbild des keimenden Lebens angesehen wurde, ebenso wie der Hase, wurden beide von den Germanen zu Ehren der Göttin geweiht. So entstand der Glaube, dass der Hase am heiligen Gründonnerstag in der Osterzeit die Ostereier lege. Sie waren natürlich mit den Farben Donars und Ostaras, rot und gelb gefärbt. Diese bunten Eier opferte man den beiden Gottheiten des Frühlings, und man beschenkte sich auch gegenseitig in der Osterzeit damit.

Die Verehrung der Göttin wurzelte so tief in dem deutschen Volke, dass es dem in die gleiche Zeit fallenden Auferstehungsfest der christlichen Kirche den Namen Ostaras gab und auf keine Weise davon abzubringen war. Ostar bedeutet Morgen, also die Richtung, aus der das Licht, der Frühling kommt. April ist das Ostermonat, in dem das Erwachen der Natur mit dem christlichen Auferstehungsfest zusammenfällt.

Andere Quellen behaupten zwar etwas anderes, aber für mich klingt die Geschichte romantisch und deshalb ist es für mich die richtige Erklärung. Warum wir das Osterfest mit Osterhasen, bunten Ostereiern, saftigem Osterschinken und frischem Reindling feiern, kann von mir aus hunderte Geschichtlein im Hintergrund haben.  Mir gefällt es so wie es ist!

Wenn heidnische Bräuche nicht aus dem Brauchtum der Menschen durch Verbote ausradiert werden konnten, ging die Kirche auf ihre ganz eigene Art damit um. Sie verlieh diesen Festen einfach einen christlichen Anstrich. Was Ostara betrifft, so war die Umwandlung besonders einfach. Es wurde von der christlichen Kirche als Ostern beibehalten, als sie ihr Passah-Fest auf den Frühlingsvollmond verlegte und Jesus Christus zu Ostern auferstehen ließ.

Dadurch wurde der Sinn des Festes von der Kirche radikal verändert, indem sie es zum Fest des Todes und der Trauer machte. Die Freude über die aufgehende Sonne und das Erwachen der Natur aus dem Winterschlaf wurde in die Freude über die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit bei der Auferstehung Christi aus dem Grab verwandelt. Das Osterlamm ist übrigens kein alter, germanischer Brauch. Es entstand aus einem Ritual der Juden zum Passahfest. Dafür wurde traditionell zum Gedenken an ihren Gott ein Lamm geschlachtet, gemeinsam gebraten und verspeist. Auch der Brauch der Osterkerze setzt sich aus jüdischer, griechischer, römischer und christlicher Lichttradition zusammen.

Wir feiern auf alle Fälle ein Fest im Frühling. Ob Ostern oder Ostara, dem Fest ist es mit Sicherheit egal, ob eine Göttin so heißt oder woher der Name wirklich kommt – und mir auch! Frohe Ostern euch allen! ¡Feliz Pascua a todos!

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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