Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz

Der dritte Mai wird gleich von zwei besonderen Ereignissen besetzt. Auf der ganzen Welt wird heute der Tag der Sonne gefeiert. So habe ich es zumindest gelesen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich bis dato noch nie etwas davon gehört habe. Auf Teneriffa steht der Tag des Kreuzes im Kalender.

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In Österreich kennen wir ein Fest dieser Art nicht. Es gibt Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam aber ein Tag, der ganz im Zeichen des Kreuzes steht, ist nicht dabei. Egal, auf Teneriffa wird am 3. Mai, wie überall auf den Kanarischen Inseln, der Tag des Kreuzes, el Dia de Cruz, gefeiert.

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Schon seit Tagen werden die Kreuze an den Häuserwänden, in Kirchen, Kapellen, an Straßenkreuzungen, in Innenhöfen, Gärten und auf den verschiedenen Plätzen festlich und fantasievoll mit vielen Blumen geschmückt. In allen Gemeinden, die das Wort cruz im Namen tragen, also fast in jedem Ort, denn auf irgendeinen Ortsteil trifft das wohl meistens zu, ist heute Feiertag.

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Im vergangenen Jahr sind wir am Vorabend nach Cruz Santa, einem Ortsteil von Los Realejos gefahren und sind in einem Ort im Ausnahmezustand gelandet. Ab sechs Uhr abends wurden alle Strassen der Ortschaft gesperrt und ich bin mir sicher, dass alle Einwohner dieser Siedlung in den Gassen und auf den Plätzen unterwegs gewesen sind um die vielen Kunstwerke aus Blumen zu begutachten. 83 blumige Kreuze und Altäre waren in einem Umkreis von ungefähr drei Kilometern verteilt. Wir haben nicht alle gesehen, aber die, die wir gesehen haben, waren wunderschön.

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Las flores y fuegos artificiales, Blumen und Feuerwerk – Andacht und kurzlebige Kunst. Los Realejos, das kleine Nachbarstädtchen von Puerto de la Cruz hat kein cruz im Namen – feiert aber trotzdem den Tag des Kreuzes. Der Überlieferung nach, sollte hier die erste christliche Kirche zu Ehren des Apostels Santiago gebaut werden und so wurde an dieser Stelle ein Kreuz errichtet. Daraus hat sich das Schmücken eines Kreuzes entwickelt und jetzt können wir an diesem Tag über dreihundert geschmückte Kreuze bewundern.

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Bei Tag stehen die Kreuze im Mittelpunkt und am Abend findet nach einer Messe und einer prunkvollen Prozession das wohl größte und berühmteste Feuerwerk der Kanarischen Inseln statt. Zwei Stadtviertel veranstalten dieses Spektakel, bei dem sich traditionsgemäß die Straßen Calle del Sol und Calle del Medio mit ihren Feuerwerkskünsten zu überbieten versuchen.

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Der Wettstreit von Grundbesitzern in der Calle del Medio und der Kleinbauern in der Calle del Sol, geht auf das Jahr 1770 zurück. Es ist die gespielte Rivalität zwischen den früheren Einwohnern der beiden Gassen. In der Calle Medio lebten reiche Grundbesitzer und Landherren, man nannte die Straße deshalb auch Calle de los Marqueses. In der Calle del Sol wohnten die ärmeren Leute, nämlich Bauern und einfache Landarbeiter. Dieser Wettstreit wurde vor vielen Jahrzehnten ziemlich abrupt durch die Auswanderung vieler armen Landbewohner nach Südamerika, vor allem nach Venezuela, beendet. Die sozialen Unterschiede existieren also nicht mehr und aus diesem Grund wird der Wettkampf mit Feuerwerkskörpern ausgetragen.

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Damit die Munition niemals ausgeht, gibt es in Los Realejos gleich zwei Fabriken für Feuerwerkskörper. Die Betreiber davon sind wahre Künstler für diese Zaubereien am nächtlichen Himmel und haben bei internationalen Wettbewerben schon viele Preise bekommen. Für das prächtige Schauspiel am Nachthimmel, das mehrere Stunden dauert, werden immense Geldsummen investiert. Von einer Krise ist dabei nicht die geringste Spur zu finden. Bezahlt wird das gigantische Feuerwerk zum Großteil von den Bewohnern von Los Realejos, denn unzählige Helfer von vielen Festkomitees arbeiten und sammeln dafür das ganze Jahr.

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Das trifft übrigens auf die Organisation für alle Fiestas der Insel zu. Touristen und diverse Schlaumeier sind in diesem Sinne also reine Nutznießer und dürfen sich aus diesem Grund weder über Pünktlichkeit noch über die Einhaltung irgendeines Festprogramms aufregen. smile Tradition ist auf der Insel im Atlantik noch ehrliche Tradition und nicht mit Folklore zu verwechseln!!!

Wenn bei uns auf der Finca das Festtagskomitee von Santa Bárbara auftaucht, dann gibt es kein Entkommen. lachen Die fleißigen Mitgliedern der Organisatoren der Fiestas des laufenden Jahres schwärmen mit lauter Musikbeschallung, mehr oder weniger stilvoll geschmückten Wagen und tollen Angeboten überall in der Umgebung aus.

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Spenden werden keine angenommen! Es wird zwar Geld für die nächste Fiesta gesammelt, aber ohne Gegenleistung wird kein Geld angenommen. Egal, ob man die Qual der Wahl zwischen einem Heiligenbild, einem Los für irgendwelche sinnlose Lotterie oder sonst einem Gewinnschein hat. Nehmen und Geben ist die Devise –  und alle Zuschauer bei einer Fiesta müssten sich dessen bewusst sein. Niemand wird dafür bezahlt, jeder Ortsteil organisiert sich sein Fest mit vielen freiwilligen Helfern und Arbeit in der Freizeit – und nur aus diesem Grund funktioniert diese Lebensart auch. Ich hoffe, dass dies auch noch ganz lange so erhalten bleibt! Das ist Leben, soziale Gemeinschaft, die sich eigentlich jeder Mensch nur wünschen kann.

In unserer Umgebung knallt und kracht es auch – aber die Raketen, die später in einem kleinen Ortsteil oben in den Hügeln abgeschossen werden, können mit dem Spektakel in Los Realejos natürlich nicht konkurrieren. smile

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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