Playa de Diego Hernández o Playa Blanca

Wie ich gestern schon geschrieben habe, hat mich ein Zeitungsbericht über einen ganz besonderen Teil der Küste von Teneriffa wieder auf den Gedanken gebracht, euch über die Küste zwischen La Caleta und El Puertito de Armeñime zu erzählen. El Puertito, wie es kurz genannt wird, kennt ihr jetzt und heute zeige ich euch La Caleta und die Küste, die zwischen den beiden Dörfern liegt. Ihr werdet staunen!

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Höhlenwohnungen sind auf Teneriffa ja durchaus ein Begriff und – keine Ahnung warum – hat man, oder besser gesagt ich, eine romantische Vorstellung davon. Durch Zufall habe ich dann davon gehört, dass es an einem schönen Strand bei Adeje einige Menschen in Menschen in Höhlen leben würden. Angeblich haben sich dort schon in den 60er Jahren Hippies niedergelassen haben und damals soll einer von ihnen, anscheinend ein besonders geschäftstüchtiger Aussteiger, lange Zeit die Besucher am Strand mit Spaghetti bekocht haben. Der Strand bekam also den Namen Spaghetti Beach. 1f609 Das erscheint mir recht logisch, denn Hippiestrand oder das Dorf der Aussteiger klingt ja nicht besonders verlockend.

Bettenburgen, Liegestühle und bunte Sonnenschirme so weit das Auge reicht – der Süden Teneriffas ist die Hochburg des Massentourismus. Doch das stimmt nicht ganz, denn es gibt auch Ausnahmen und auch der Süden besteht nicht nur aus Hotels und All inclusive Resorts. Jeder, der ein bisschen neugierig ist, findet diese Plätze fast überall. Im Südosten, nur ein kleines Stück von all den Bars und gepflegten Stränden entfernt, dort wo die Küste rauer wird, das Land trocken und karg ist und keine bepflanzten Strassenränder die Trockenheit verdecken, verstecken sich ein paar wunderschöne Strände.

Den Spaghettistrand werdet ihr natürlich auf keiner Landkarte finden, denn offiziell hat der Strand natürlich einen anderen Namen, er heißt Playa de Diego Hernández oder auch Playa Blanca. Eigentlich sind es mehrere Buchten und wenn man von La Caleta aus losgeht und ein paar Hügel hinunter und wieder hinauf steigt, landet man nach einer Weile in El Puertito.

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Die Aussteiger an den Stränden Playa de Diego Hernández und Playa de los Morteros zwischen La Caleta und Puerto de Armeñime werden seit Jahren mehr oder weniger geduldet und sind ein offenes Geheimnis auf Teneriffa. Es dürfte sie also gar nicht geben und doch sorgen sie für viele Erzählungen über Faulenzer, bekiffte Hippies, Ökofreaks oder ungenierte Nacktbader aus aller Herren Länder. Doch gibt es diese fremde und unbekannte Welt überhaupt oder sind es nur Geschichten darüber?

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Von La Caleta aus kommt man ganz bequem an die Küste. Wir gehen nur ein kurzes Stück über eine vertrocknete, steinige Wiese und am anderen Ende der Ebene führt ein schmaler Pfad hinunter zur  Bucht. Also vamos a la playa!

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Schon von weitem sehen wir Zelte, Strandhütten aus Palmblättern und andere kleine Häuschen. Je näher wir kommen, umso mehr provisorische Behausungen entdecken wir. Zwischen Büschen und Kakteen stehen Hütten aus Holz, Steinen und Blättern aller Art, hoch oben in den Felswänden sehen wir einige ausgebaute Höhlen, die schwungvoll mit bunten Planen geschützt oder gar geschmückt sind. Der Fantasie und dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt.

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Ich glaube kaum, dass alle Bewohner dieser Siedlung ständig hier leben, einige der Unterkünfte sind sicher als Wochenendhaus aufgebaut worden. Aber wer weiß das schon so genau? Auf alle Fälle ist es hier absolut ruhig und friedlich und irgendwie anders. Ich kann es nicht richtig beschreiben und ich kann mir so ein Leben auch nicht vorstellen. Ich bin wahrlich kein Großstadtmensch und ich lebe gerne am Land, doch Natur pur ist mir dann doch ein bisschen zu wenig – oder gar zuviel?

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Ein Häuschen für Vögel oder doch ein Postkasten? Campieren oder gar wohnen ist im Naturschutzgebiet verboten, es gibt kein Trinkwasser und seinen Müll muss jeder wieder selbst mitnehmen. Auf der einen Seite sind die Hütten primitiv und einfach, alles wirkt auf das Minimum reduziert aber auch wenn es so scheint, in der Steinzeit sind wir trotzdem nicht gelandet.

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Sieht das nicht toll aus? So ein Häuschen mit diesem Ausblick kann ich mir nicht leisten. Auf dem Foto könnt ihr es nicht so genau sehen, aber der Steinwall steht als Schutz rund um ein kleines Zelt, mit Gartentisch und Liegestühlen. Als wir an diesem Anwesen vorbei gegangen sind, kam ein junges Mädchen heraus und ging ganz selbstverständlich mit dem Smartphone am Ohr an uns vorbei. Fast wie im richtigen Leben. 1f609  Ganz ohne Technik geht es anscheinen hier auch nicht.

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Eigentlich hätte ich mich gar nicht wundern dürfen, denn am Rand der Bucht steht sogar eine Leihbücherei! Hier kann sich jeder Mensch ein Buch ausleihen. Am Tisch liegt eine Liste zum Eintragen des geborgten Buches auf, eine Spendenbüchse fehlt auch nicht und es wird darum gebeten, die Bücher nach Gebrauch wieder zurück zu stellen. Falls jemanden also langweilig werden sollte …

Nachdem wir nicht zum Schwimmen oder Lesen hergekommen sind, sind wir nach kurzer Zeit am Strand den nächsten Hügel hinauf geklettert. Es führt ein schmaler, wenn auch etwas steiniger Steig nach oben, aber der Weg lohnt sich auf jeden Fall! Von dieser Anhöhe hat man einen fantastischen Blick über eine fast unwirkliche Landschaft. Aber schaut selbst, hier ist ein Foto davon, den Rest könnt ihr euch in der Bildergalerie am Ende des Berichts ansehen.

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Das ist der Blick auf die Bucht in der wir gerade gewesen sind und das Land Richtung Adeje. Ganz im Hintergrund könnt ihr sogar die verbauten Hügel bei Los Cristianos erkennen. Einmal umgedreht sieht die Welt noch skurriler aus. Die Felsen erinnern mich fast ein bisschen an eine Mondlandschaft.

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Und auch in diesen Felsen haben es sich Individualisten bequem eingerichtet. Schaut einmal ganz genau, dann erkennt ihr die Behausung ganz oben auf dem Felsen?! Für mich ist es ein Rätsel, wie man die ganzen Möbel überhaupt dahin schaffen kann. Ich würde schon an dieser Arbeit scheitern. lachen Aber wie man sieht – alles ist möglich!

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Es klingt fast kitschig wenn jemand auf die Frage warum, so antwortet: „Irgendeiner der Strandbewohner macht sich mittags meist auf nach Adeje, um Lebensmittel zu besorgen. Richtig gemütlich wird es am Abend. Dann bereitet jeder etwas zu essen zu und wir teilen es uns am Lagerfeuer. Wenn die Sonne langsam untergeht, ist die Stimmung richtig magisch. Fast immer ist der Himmel sternenklar und nachts spiegelt sich der Mond silbern über dem Meer.“ 1f609 Ganz ehrlich? Das würde mir auch gefallen!

Da fällt mir noch der Film mit Leonardo Di Caprio ein. The Beach hat er, glaube ich, geheißen. Wie hat der Held in einer Szene gesagt? „Ich weiss nicht was wir erwartet haben. Menschen die in einer Höhle wohnten. Vielleicht ein paar Hütten. Aber nicht sowas. Es war als wären wir in eine vergessene Welt gelandet. Eine richtig gehende Gemeinschaft von Rucksacktouristen, die aber nicht auf der Durchreise waren, sondern tatsächlich hier lebten.“  Passt doch perfekt!

Aussteigen verboten! Seit einer Woche soll es diese Welt nicht mehr geben. Die Umwelt muss geschützt werden und die Natur erhalten bleiben. Laut einem Bericht im El Dia wurden die Buchten evakuiert. Sprich, die Bewohner wurden Tage vorher dazu aufgefordert ihre Behausungen zu verlassen – was sie angeblich  getan haben – und am Ende wurden die Hütten und Behausungen abgebrannt. Der schwarze Rauch soll kilometerweit zu sehen gewesen sein …

Nur so am Rande – ist es nicht merkwürdig, dass Golfplätze und luxuriöse Hotels mit riesigen Poolanlagen schon mit dem Naturschutz unter einen Hut gebracht werden können aber ein paar Menschen – und sollten es hundert sind – zerstören mit ihrer etwas anderen Lebensweise die Natur. Ist es nicht eher anders herum?

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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2 Antworten zu Playa de Diego Hernández o Playa Blanca

  1. Guido Klinger schreibt:

    Schon seit einigen Jahren habe ich immer wieder gehört dass oberhalb des Strandes der nächsten Bucht ein Hotel gebaut werden soll und der Strand dann vorwiegend den Hotelgästen vorbehalten sein soll. Bisher waren das nur Gerüchte. Wenn jetzt schon abgefackelt, entschuldige, evakuiert wird, kann es leicht sein, dass dieses idyllische Fleckchen bald zubetoniert ist.

    Gefällt 1 Person

    • nein, nein, so geht das nicht, denn Strände gehören hier immer ALLEN 🙂 Wenn du das schon vor Jahren gehört hast könnte es der Hotelbau sein, der im Moment bei Puertito entsteht, also direkt bei, im, hinter, dem ehemals kleinen Dorf. Der Strand ist schon öfter evakuiert, geräumt usw. worden, aber bis jetzt sind es immer nur Aktionen auf Zeit gewesen. Warten wir einmal ab … immerhin handelt es sich dort um ein geschütztes Gebiet 🙂 Warten wir einmal ab …

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