leise rieselt der Sand

Wir haben heute einen Abstecher in die Nachbarstadt La Orotava gemacht, denn auch wenn der Teppich für das große Fest erst am Donnerstag fertig sein wird, ist das Kunstwerk jetzt schon sehenswert!

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ein Element des Teppichs vor zwei Wochen

Alle Jahre wieder, genau eine Woche nach Fronleichnam, Dia de Corpus Christi, verwandeln sich die Straßen und Gassen von La Orotava in eine bunte Welt mit Teppichen aus Blumen, färbigen Sand, die schließlich alle auf dem mit einem riesigen Sandbild geschmückten Rathausplatz zusammenlaufen. Dort wird schon Wochen vor dem Fest an der Hauptatraktion gearbeitet. Der wohl berühmteste Teppich des Festes ist der Sandteppich. Jahr für Jahr malen die Alfombristas ein über 800 Quadratmeter großes Gemälde mit verschiedenen biblischen Episoden aus Sand auf den Boden des Platzes vor dem Rathaus der Stadt. Kurz nach Ostern geht es los. Zwanzig Alfombristas, wie die Sandmaler genannt werden, beginnen mit ihrer Arbeit.

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Sobald das große Schutzdach aufgespannt ist, wird mit dem Vorzeichnen und der Markierung des Rahmens begonnen. Für die Begrenzung werden 45.000 zehn Zentimeter langen Bambushölzchen aneinander gelegt. Würde man sie der Länge nach auflegen, wäre das Muster fast einen Kilometer lang. Danach werden die Fugen abgedeckt, die Motive vorgezeichnet und dann kann das Malen mit den bunten Sandkörnchen beginnen. Wind und Regen, würden die Arbeit schnell zerstören, denn der Sand wird ohne Hilfsmittel, wie fixierendem Kleber, gestreut. Aber bis jetzt hat der Himmel nur im Jahr 2010 eine Ausnahme gemacht und dicke Regentropfen haben das ganze Kunstwerk unter Wasser gesetzt.

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hier noch ein Foto vom Jahr 2016

Die Tradition des vergänglichen Kunstwerks geht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. 1905 besuchte ein Schwadron der spanischen Marine die Stadt und zu diesem Anlass wurde der erste Sandteppich zu Ehren dieser Abordnung hergestellt. Viele Jahre später, genau gesagt im Jahr 2006, wurde der Teppich aus Lavasand mit einem Ausmaß von exakt 859,42 Quadratmetern als größter Sandteppich der Welt ins Guinness Buch der Rekorde eingetragen. Im Jahr 2007, am 15. Mai wurden die Blumenteppiche inklusive Sandteppich zum Kulturgut von Teneriffa erklärt, bien de Interés Cultural (BIC) en la categoría de Actividad Tradicional de Ámbito Insular. 

Jahr für Jahr wird ein neues Thema gewählt, denn kein Motiv wird wiederholt, auch nicht Jahre später. Für die Herstellung des Teppichs wird Sand oder besser gesagt Gestein aus der Vulkanlandschaft des Nationalparks, las Cañadas, verwendet. Die Steine werden nach Farben ausgewählt, sortiert, pulverisiert und am Ende ist es der Sand der Stoff aus dem die Träume sind. Dieses Privileg haben nur las Alfombristas, die Künstler von La Orotava. Zwei Tonnen Lavasand in dreizehn verschiedenen Naturfarben, mehr als zwanzig Teppichkünstler die fast fünfzig Tage am riesigen  Gemälde arbeiten – das sind die Zutaten dieses einzigartigen Kunstwerks.

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2017 ist ein besonderes Jahr für La Orotava, denn la Asociación de Alfombristas de La Orotava cumple 25 años en 2017 y la gran alfombra, 170 años. Eine alte Tradition hat Grund zu feiern – doch plötzlich ist alles anders. Es gibt ein Problem!

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Vor einigen Wochen mussten sechs der sieben großen Palmen, die rund um den Platz standen, um geschnitten werden. Sie waren von Schädlingen befallen und es bestand die Gefahr, dass sie umfallen könnten. Nun sind zwar neue Palmen gepflanzt, aber es hat sich nicht nur für unsere Augen das Stadtbild geändert, für die Arbeit der Alfombristas war das Problem noch viel größer. Sie mussten den Entwurf für den Sandteppich praktisch neu erfinden. Ihr werdet euch jetzt fragen, was die Palmen damit zu tun haben, aber das ist ganz einfach. Der große Teppich wird ja nicht in ein, zwei Tagen hergestellt, daran arbeiten unzählige Hände einige Wochen lang! Zum Schutz wurde immer eine große Plane über den ganzen Platz gespannt, diese Plane wurde an den Palmen befestigt und die Palmen gibt es nicht mehr. Deshalb stehen jetzt, als schnelle Lösung, drei voneinander getrennte Zelte auf dem Platz.

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zwei der drei Zelte wurden heute entfernt, morgen folgt das dritte Zelt

Damit werden zwar die drei Hauptmotive geschützt, aber ein Drittel des geplanten Teppichs liegen unter freiem Himmel. Normalerweise liegt der gesamte Teppich nur am Tag der Feier ungeschützt, aber dieses Mal wurden zwei die Zelte schon heute, also am Montag so vorsichtig wie möglich weg gebracht damit die Akteure in Rekordtempo den Rest der Sandmalerei in drei Tagen fertig stellen können. “… y rogando que el tiempo acompañe y no llueva”, asegura el maestro alfombrista Ezequiel de León. Jetzt heißt es schnell arbeiten und beten, dass es nicht regnet. Ich hoffe, Petrus hat ein wachsames Auge aufs Wetter, aber in den vergangenen zehn Jahren hat er den Bewohnern von La Orotava nur ein einziges Mal das Fest fast verregnet.

Auf dem großen Platz vor dem Rathaus hat jeder einzelne Mann seinen eigenen Arbeitsbereich und ist für diesen Teil verantwortlich. Sie kommen nach ihrer normalen Arbeitszeit, um bei dem Gesamtkunstwerk Sandteppich mitzuarbeiten. Bezahlt wird dafür niemand – die Männer arbeiten sozusagen für Gottes Lohn. Jeder von ihnen trägt seinen Teil bei und am Ende können alle gemeinsam ein großes Ganzes präsentieren. Aus vielen kleinen Teilchen und Handgriffen wird eine Einheit. So wie es auch im täglichen Leben funktionieren sollte möglich wäre.

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Es ist faszinierend zu beobachten, wie sorgfältig und präzise die Künstler arbeiten und die Farben des Lavasandes mischen, um das Kunstwerk zu schaffen. Für mich ist es interessanter als der fertige Sandteppich. Es ist richtig spannend, die Veränderungen an den verschiedenen Motiven zu beobachten.

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viele geübte Hände streuen Körnchen für Körnchen das Motiv des Sandbildes auf den Boden.

Wir sind so gut wie jedes Jahr mindestens einmal in dieser Zeit dort gewesen und haben beobachten können, wie der Teppich immer vollständiger wird. Wie sich ein grauer, gepflasterten Platz ein buntes Bild verwandelt. Am Anfang nur mit weißen Kreidestrichen bekritzelt, dann mit einigen Farbkleksen und Bildteilen und am Ende mit faszinierenden Figuren bemalt. So wie diese Künstler in fünfzig Tagen ein faszinierendes Gemälde mit Sand schaffen, möchte wohl so mancher Maler sein Motiv mit Farbe auf die Leinwand bannen können.

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auch dieses Foto ist noch aus dem Jahr 2016, drei Tage vor der Fertigstellung

Das fertige Sandbild kann man nur kurze Zeit in seiner ganzen Pracht bewundern. Genau einen Tag lang – und aus den Fenstern im ersten Stock des Rathauses hat man den besten Blick auf das fertige Kunstwerk. An diesem Tag sind alle Fenster geöffnet und auch wenn ihr eine kleine Weile anstehen müßt, zahlt es sich aus, ein bisschen Zeit dafür zu opfern. Am Abend desselben Tages zieht dann die große Prozession der Gläubigen erbarmungslos über das Kunstwerk und zerstört es.

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Der große Tag für La Orotava ist kommenden Donnerstag, am 22. Juni. Schon am frühen Morgen werden die Gassen der Innenstadt von den Bewohnern mit bunten Blumenteppichen geschmückt. Die feierliche Prozession, die die ganze Pracht dann wieder zerstört, ist nach der Festmesse, die um 18.30 Uhr beginnt.

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So wird der Sandteppich 2017 am Donnerstag aussehen und ab Mittag wird es in Orotava lebendig, denn dann sind auch die Blumenteppiche schon fast fertig. Wir können zwar nicht dabei sein – aber für euch zahlt sich ein Spaziergang durch die Innenstadt auf alle Fälle aus!

 

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