es brennt und raucht

Es fliegt, es fliegt – das Flugzeug?  1f609  Nein, die Devise lautet – es brennt, es brennt! Wegen der Trockenheit sind die Feuer heute zwar in den höheren Teilen der Insel verboten, aber in unserer Umgebung haben schon am Vormittag die ersten Feuer gequalmt. Ich habe überhaupt nichts gegen Feuer und die Feiern zur Sonnenwende sind ebenfalls toll – aber ich hasse den Qualm bei Tag! Zum Glück hat es sich heute bis Mittag in Grenzen gehalten und ich vermute, gar so viel Rauch wird nicht mehr produziert werden. Zumindest soweit ich das mit bekomme. Wie es sonst so auf der Insel zugeht, weiß ich leider nicht, aber ich vermute, dass es in den Städten und den Touristengebieten rauchfrei bleibt. Wer sollte denn dort was und vor allem wo in den Flammen aufgehen lassen? Mich hat heute eine Besucherin, die mit ihrer Familie aus dem Süden gekommen ist, ganz erstaunt gefragt, was denn hier los sei, warum es nach Rauch riecht. Ja, warum qualmt und brennt es genau an diesem Tag?

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Am Nachmittag wird noch nicht gefeiert sondern verfeuert. San Juan ist der einzige Tag, an dem es straffrei ist, auf seinem Grundstück ein größeres Feuer zu entfachen. Deshalb wird die Gelegenheit von den meisten Inselbewohnern  beim Schopf gepackt und alles was nicht niet und nagelfest ist, nicht mehr gebraucht wird – oder auch nicht brennt – wird verbrannt. Rauche es was es wolle! 1f609 Es wird auf Teufel komm raus geheizt. Gestrüpp, Kartons und was sich sonst noch so anbietet! Ohne eine Meldung bei der Gemeinde ist Feuer machen im Freien während des ganzen Jahres strengstens verboten – aber am Vortag von San Juan sind alle Regeln und Gesetze außer Kraft gesetzt.

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Die Insel sendet Rauchsignale in den Himmel, kräftige Signale, denn halbe Sachen gibt es nicht! Die Insel brennt! Ab Mittag wird es in unserer Umgebung jedes Jahr richtig spannend. Wer entzündet in der Nachbarschaft das erste Feuer? Und kaum steigt die erste Rauchsäule in den Himmel ist der Startschuss gefallen. Jetzt gibt es kein Halten Entrinnen mehr, das Unheil nimmt seinen Lauf!

Die vielen Freudenfeuer am Nachmittag haben also nur sehr bedingt mit dem Heiligen Johannes zu tun. 1f609 Es wird einfach ganz legal alles aufgeheizt, was brennt. Die Canarios, oder besser gesagt, die Inselbewohner, nutzen die Möglichkeit, einmal im Jahr ungestraft ihren Sondermüll loszuwerden und da es überall brennt, qualmt und stinkt, wäre es wahrscheinlich sowieso unmöglich einen Schuldigen zu finden. Wo sollte man anfangen und wo aufhören? Also interessiert es niemanden, San Juan ist eben San Juan!

Eigentlich gibt es auf unserer kleinen Insel im Atlantik drei Tage im Jahr, an denen ungestraft theoretisch alles abgefackelt werden kann was brennt oder ganz tollen, schwarzen Rauch erzeugt. Den Auftakt macht der Abend des 23. Juni, also der Vorabend des Ehrentages für den Heiligen Johannes, la Noche San Juan. Das Wort Nacht, darf man dabei nicht so wörtlich übersetzen, die Feuerorgien beginnen erfahrungsgemäß bereits um ein, zwei Uhr Mittag.

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Wer an diesem Tag verschlafen hat, hat am 28. Juni, Dia San Pedro, die zweite Möglichkeit seine brennbaren Schätze los zu werden. Fall dann noch irgendetwas für ein schönes Feuer übrig geblieben sein sollte, muss man zwar fast ein Monat warten, aber am 24. Juli, dem Vorabend zum Gedenktag an den Heiligen Jakob, Dia Santiago, steigt das Finale. Und wer es nach drei gebotenen Möglichkeiten noch immer nicht geschafft hat muss warten – ein weiteres Jahr. lachen Aber was soll’s? Die Zeit verfliegt sowieso im Flug!

Ganz so ist es natürlich nicht, denn wenn wir Gartenabfälle, wie Palmblätter, die ja kaum verrotten sondern nur vertrocknen, aufheizen wollen, müssen wir das geplante Feuer nur im Rathaus melden, dann kommen zwei Männer der Media Ambiente, also des dafür zuständigen „Umweltamtes“, prüfen die Situation und zünden sogar eigenhändig das Feuer an. Das nennt man Bürgerservice, oder?

Wenn ihr wissen wollt, wie die Noche San Juan hier in Icod de los Vinos gefeiert wird, könnt ihr auf den Link klicken. Der zentrale Treffpunkt ist der Strand von Icod, la Playa San Marcos. Dort spielt die Musik, am Strand wird gefeiert und gegen Mitternacht wird dann Juanito, wie er liebevoll genannt wird, prächtig geschmückt und in Begleitung von vielen Fackeln zur Kapelle am Strand getragen. Das ist dann der schöne Teil der Sonnenwende im Sommer.

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Fast jeder Ort auf der Insel hat seine eigenen Bräuche dafür, aber Feuer, Musik und Fröhlichkeit sind überall die perfekten Zutaten. lachen Meistens bis in die frühen Morgenstunden. Ich wünsche euch allen eine schöne Sommersonnwendfeier – und vergesst nicht, man darf sich auch etwas wünschen!

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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