wenn Ziegen baden gehen

Wer heute am Morgen oder vormittags zum alten Hafen von Puerto de la Cruz gegangen ist, musste sich vielleicht erst einmal die Augen reiben, denn am steinigen Strand, wo sonst die Fischer ihre Boote aus dem Meer ziehen und an sonnigen Tagen lauter bunte Schirmchen und Sonnenanbeter den Strand bevölkern, sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. Statt vielen badelustigen, zweibeinigen Sonnenanbetern tummeln sich vierbeinige Besucher am Ufer. Am Vormittag des 24. Juni ist Badetag für Ziegen, el baño de las cabras!

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Noch stehen die Ziegen dicht gedrängt und sicher im Trockenen, das Wasser ist eindeutig nicht ihr Element, sie klettern lieber über felsige Hügel. Freiwillig setzt da kein Tier die Hufe ins Wasser, aber mit Hilfe der Hirten werden die meckernden Tiere trotzdem ins Wasser befördert. Man kann zwar nicht behaupten, dass sie das Bad am Strand genießen, aber sie lassen es mehr oder weniger begeistert geschehen, einmal im Jahr mit Salzwasser gewaschen zu werden. Doch die Männer kommen auch nicht trocken davon, denn wenn eine Ziege nicht ins Wasser will, wird sie auf kräftigen Armen kurzerhand ins Meer getragen, gewaschen und einmal untergetaucht. 1f609 Egal wie laut gemeckert wird – heute muss jede Ziege, ob weiß oder braun, groß oder klein, ins Wasser.

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El Baño de las Cabras, also das Baden der Ziegen war vor allem auf Teneriffa und Gran Canaria bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts üblich. In der Nacht von San Juan wurden die Ziegen aus den Bergen an den Strand gebracht und im Meer gebadet. Die Hirten glaubten, dass durch die Waschung im Meer die Fruchtbarkeit der Tiere höher werden würde und deshalb ließ man die Ziegenböcke erst nach dieser Nacht zu den Ziegen. 1f609 Ob damit wirklich die Fruchtbarkeit gesteigert wurde weiß ich nicht, auf alle Fälle wurden die Zicklein, die fünf Monate später geboren werden, genau in der Zeit geboren, in der es am meisten Futter gibt.

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Das Bad der Ziegen im Meer hatte in alten Zeiten aber auch eine wichtige soziale Bedeutung. Durch diesen Brauch trafen sich wenigstens einmal im Jahr die Hirten aus den Bergen und die Fischer von der Küste. Nebenbei wurde auch das eine oder andere kleine Geschäft abgeschossen, denn die Gelegenheit Fische und andere Meerestiere gegen Fleisch und Milch zu tauschen gab es in den folgenden Monaten selten. Ursprünglich zogen die Hirten nach dem Bad der Ziegen mit ihren Tieren während der Sommermonate in die höheren Bergregionen, wo sie weniger unter der Sommerhitze leiden mussten und genug Futter für ihre Herden  fanden.

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es war einmal …

Das Ziegenbad ist eine regionale Tradition die in Puerto de la Cruz im Jahr 1984 wieder ins Leben gerufen wurde und seitdem baden am Morgen nach der Noche de San Juan wieder Ziegen im Fischerhafen von Puerto.

Viele Jahre lang wurde es von Chucho Dorta Benahuya, einem auf Teneriffa sehr bekannten Poeten und Folkloristen organisiert. Er war ein kultureller Kämpfer, una guerrilla cultural, der sich besonders für den Erhalt der alten Inseltraditionen und Feste einsetzte. Mit seinem Tod im September 2002 verlor das Orotavatal ein beliebtes Original – und angeblich einen der letzten Guanchen.

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Die Organisation des Ziegenbads hat jetzt die Stadt übernommen, die diese Tradition zum Gedenken an Jesús Eustaquio Dorta oder auch Chucho Dorta Benahuya genannt, aufrechterhält.

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Über ARTlandya - der Blog

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