ein Ausflug in die Vergangenheit

Wenn ich ab und zu in diversen Reiseführern über Teneriffa nach Informationen oder irgendwelchen Anregungen für unsere Ausflüge suche, stoße ich immer wieder auf Beschreibungen von idyllischen Fischerorten, verträumten Bergdörfern und malerischen Orten, gefüllt mit traditionellem Leben. Doch auch an dieser Insel ist die moderne Zeit nicht spurlos vorüber gezogen und ich glaube kaum, dass sich die Urlauber für eine Welt ohne Smartphone, Internet, ausgebaute Straßen und weiche Betten begeistern würden. Auch der Baustil hat sich dem europäischen Einheitsstil angeglichen, die Landwirtschaft arbeitet nicht mehr mit Ochs und Esel und auf den Speisekarten hat sich einiges geändert.

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Doch es gibt sie noch, die friedvollen und beschaulichen Orte – aber sie werden selten und sind vom Aussterben bedroht. Von alten Traditionen ist oft nicht mehr viel übrig und das, was früher typisch für das dörfliche Leben war, gehört meistens längst vergangenen Zeit an. In der romantischen Abgeschiedenheit gibt es leider gar keine Arbeitsplätze und die Jugend sucht, wie überall auf der Welt, ihr Glück in den Städten. Die Alten bleiben als Platzhalter zurück, die einfachen Häuser werden selten verkauft sondern verlassen – und verfallen. Trotzdem ist hier auf Teneriffa das Leben anders, denn die gute, alte Zeit ist in den Köpfen und Traditionen fest verankert und wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten.

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Ich stöbere ja gerne in alten Geschichten und mache mir oft Gedanken, wie sich das Leben in den betagten Gemäuern abgespielt haben könnte oder wie sich das Leben in alten Zeiten überhaupt angefühlt hat. Ich würde zu gerne nur einmal Mäuschen spielen. Eine Zeitmaschine müsste es geben …

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Eine Maschine, mit der man per Knopfdruck in die Vergangenheit reist, wird es wohl auf absehbare Zeit nicht geben und auf Teneriffa erübrigt sich die Zeitmaschine sowieso, man muss nur zur richtigen Zeit ins Auto steigen und an den richtigen Ort düsen.

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¡Vive las tradiciones con nosotros! Einmal im Jahr feiert ein kleines Dorf im Süden der Insel ein ganz besonderes Fest. Leider können wir im Moment bei solchen Festen nicht selbst dabei sein, aber vor ein paar Jahren war das möglich, die Fotos haben also schon ein paar Jährchen auf dem Buckel.

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Das kleine Dorf Chirche in der Gemeinde Guía de Isora im Süden Teneriffas, zelebriert jedes Jahr im Juli ein einzigartige Fest, el Día de las Tradiciones. Für einen Tag verwandelt sich der ganze Ort in ein lebendes Museum, oder besser gesagt in eine riesige Theaterbühne. Je nachdem wie man das sehen will.

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Laienschauspieler, einige der Bewohner des kleinen Dorfes, oder besser gesagt von Guía de Isora, schlüpfen in Rollen einer längst vergangenen Zeit und leben und arbeiten für einige Stunden wie in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Türen der Häuser und die Innenhöfe werden für Besucher geöffnet und plötzlich befindet man sich mit ein paar kleinen Schritten in den 40er Jahren des vergangenen Jahrtausends.

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Chirche wird in eine große Bühne verwandelt und ab zehn Uhr vormittags begegnet man an jeder Ecke und in jedem Haus des Dorfes die Vergangenheit. Die Bewohner sind mit Kleidern aus der alten Zeit in den Gassen unterwegs, man kann sie bei ihrer Arbeit beobachten oder einen Blick in die alte Schule werfen.

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Aus einem Innenhof klingt Musik und Gesang, an der Ecke tratschen die Frauen, ein Esel wartet geduldig auf seinen Herrn um die nächsten Säcke ins Tal zu tragen und im abgedunkelten Zimmer wird ein krankes Kind behandelt. Der Töpfer verformt den Ton zu Schüsseln und Krügen, Frauen rösten Kaffeebohnen, stehen am Herd oder sind noch bei den Ziegen. Die Milch kommt nicht aus dem Kühlregal sondern wird frisch gemolken und der Bäcker holt köstlich duftende Brot aus dem Steinofen am Ende der Gasse. Die Wäsche wird im öffentlichen Waschtrog gewaschen und flattert meistens nicht im Wind sondern liegt zum Trocknen auf Steinen am Wegrand.

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Am Rand des Dorfes werden Lehmziegel hergestellt, Körbe werden geflochten, Getreide gemahlen oder man geht in den Krämerladen des Dorfes und kauft dort ein.

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Als besonderes Erlebnis wird als Draufgabe noch stilgerecht Hochzeit gefeiert und irgendwo in den engen Gassen treibt sich auch noch ein Dieb herum, der natürlich vom stattlichen Dorfpolizisten Dingfest gemacht wird.

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Die Zeit vergeht bei diesem Ausflug in die Vergangenheit wie im Flug und am Nachmittag ist der nostalgische Spuk wieder vorbei. Jetzt geht es für alle Darsteller und Besucher zum gemütlichen Teil über und es wird vor dem Platz der Kirche ganz real in der Gegenwart gefeiert.

•*¨*•❥ und wie sagte schon Jean Paul Satre richtig – „Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere.“

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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