El Sauzal

ist ein kleines Städtchen, das an der Küste zwischen Puerto de la Cruz und Tacoronte liegt. Ich mache mir oft Gedanken darüber, woher ein Ortsname stammen könnte. Warum heißt dieser Ort so und nicht anders? Bei El Sauzal könnte es von einem Baum abgeleitet worden sein. Im Wappen der Stadt ist ein buschiger Baum abgebildet und sauceda nennt man auf spanisch entweder ein Weidengebüsch oder eine Landschaft, die mit Weiden bewachsen ist. 1f60a Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auf der richtigen Spur bin.

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Mit Hilfe von alten Reiseaufzeichnungen und Dokumenten kann man ebenfalls einige Zeit in die Geschichte zurück gehen. Aber dazu ein bisschen später, hier ist erst einmal ein Foto der schönen Kirche von El Sauzal. Ein wunderschönes Fotomotiv, vor allem wenn Petrus mitspielt und mit einem blauen Himmel für den perfekten Hintergrund sorgt.

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Der Schutzpatron von El Sauzal ist der Apostel Petrus und deshalb heißt die Kirche auch Iglesia de San Pedro Aspóstol. Für den Bau der Kirche ist  Königin Juana de Castilla verantwortlich, auf ihre Anordnung  wurde 1515 mit den Arbeiten begonnen.

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Iglesia de San Pedro Apóstol im 17. Jahrhundert

Damals war die Kirche aber noch lange nicht so prachtvoll wie heute denn das gesamte Bauwerk, so wie wir es heute kennen, ist erst im 18. Jahrhundert fertig gestellt worden. Mir gefallen die Gegensätze in der Form dieser Kirche besonders gut. Die große, schneeweiße Kuppel, der dunkle, fast wuchtige Glockenturm und die leuchtenden, roten Ziegeldächer als stilvoller Rahmen. Ein etwas ungewohntes Bild einer katholischen Kirche, oder?

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Die Kirche ist nach der Vorlage eines Kreuzes gebaut worden und schließt mit der Sakristei ab. Heute befindet sich in einem Seitengang ein kleines Museum, el Museo de Arte Sacro, wo einige historische Stücke ausgestellt sein sollen.  Ich selbst habe den Innenraum der Kirche leider noch nie gesehen, denn immer wenn wir dort gewesen sind, war das Kirchentor fest verschlossen.

Laut Reiseführern kann man in der Kirche ein barockes, silbernes Tabernakel, ein Werk von Goldschmieden aus La Laguna, einen Heiligen Sebastian aus dem 16. Jahrhundert aus Flandern und eine bedeutende Sammlung andalusischer Malerei sehen können. Das Altarbild und die an den Wänden hängenden wertvolle Gemälde stammen aus dem 17. Jahrhundert. Außerdem wird hier ein aus italienischem Marmor gemeißeltes Taufbecken aufbewahrt. Es soll das älteste Taufbecken der ganzen Insel sein. 1f609 Zumindest habe ich das gelesen.

In dieser Kirche wurde auch María de León Delgado, im Volksmund als La Siervita und Sor Maria de Jesus bekannt, getauft. Aber darüber ein anderes Mal mehr, denn das ist eine längere Geschichte. Außerdem war in diesem Gotteshaus für kurze Zeit sogar die Inselregierung untergebracht. Als in La Laguna die Pestepidemie wütete, wurde das Gebäude zum Sitz des Cabildo Insular. Doch das ist ebenfalls schon lange her und gehört ins Buch der Geschichte.

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Iglesia de San Pedro Apóstol im 18. Jahrhundert

Die ersten Einwohner der heutigen Stadt waren, laut historischen Aufzeichnungen, Alonso Bello mit seiner Familie. Er stammte von der Insel Madeira und war der Botschafter des portugiesischen Königs. Alonso Bello baute 1505 auch die Kirche Eremita de Nuestra Señora de los Ángeles und sein Bruder Sebastián Bello wurde der erste Pfarrer der Ansiedlung.

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Eremita de Nuestra Señora de los Ángeles

Für das geistliche Wohl war also gesorgt und in Verbindung mit den günstigen Wetterbedingungen, Wasser und Land für den Anbau von Getreide, wurde die Gemeinde immer weiter ausgebaut. So entstand zu dieser Zeit hier das größte Siedlungsgebiet Teneriffas.

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1507 pachtete der reiche Grundbesitzer Francisco Jiménez von Afonso Bello und Gonzalo Paéz so viel Land wie er bekommen konnte. Laut alten Aufzeichnungen kultivierte er mit seinen Leuten mit Hilfe von Ochsengespannen über dreißig Fanegas, also 150.000 Quadratmeter Ackerland, um darauf Weizen anzubauen. Der Fanega, je nach Region auch Fanegada oder Fanga genannt, wurde in Brasilien, Portugal und anderen südamerikanischen Staaten als Getreidemaß verwendet, in Spanien wurde diese Einheit zu dieser Zeit auch als Flächenmaß angewandt.

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Ungefähr zur selben Zeit unterzeichnen andere Bewohner in der Umgebung bei Ruiz de Berlanga, einem amtlichen Schreiber, einen Vertrag in dem sie sich zum Pflanzen von zwanzigtausend Weinreben auf den Böden des Küstengebietes verpflichteten. Zehntausend im Jahr 1507 und die gleiche Menge im folgenden Jahr. Andere Siedler pflanzten Bäume und betrieben Forstwirtschaft.

Lope de Fuentes, ein anderer Grundbesitzer, erhielt von Alonso Fernández de Lugo über dem Gebiet von Ravelo ein Fanega Land mit einer Quelle. Damit waren auch diese umliegenden Felder mit ausreichend Wasser versorgt.

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In der Gegend rund um den Ort El Sauzal haben sich besonders viele Portugiesen angesiedelt. Ein Teil der neuen Siedler betrieb vor allem Weinbau und handelte damit, andere bauten Melonen, Zwiebeln und Gemüse an. Viele Menschen, die in Europa nicht erwünscht waren, fanden hier ihre neue Heimat und bauten sich auf der Insel ein neues Leben auf. Darunter waren Juden vom spanischen Festland, Italiener, Katalanen und Flamen die ihre Nachnamen hispanisiert haben, um hier endlich in Ruhe und Frieden leben und arbeiten zu können. Im Jahr 1721 kamen auch noch über sechshundert Menschen von der Nachbarinsel La Palma nach Teneriffa. Sie flohen vor Hunger und Elend und viele davon siedelten ebenfalls im Umfeld von El Sauzal.

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Dank der Reformen von König Carlos III. wurde 1768 das erste Rathaus von El Sauzal gegründet. Ein öffentliches Amt mit einem persönlichen Vertreter und Abgeordneten, einem Bürgermeister. Ein gewählter Mann.

José de Viera y Clavijo, ein Historiker von Teneriffa, beschrieb den Ort Ende des 18. Jahrhunderts in einer Aufzeichnung wie folgt: „El Sauzal ist eine halbe Meile von Tacoronte entfernt, das Volk besteht teilweise aus Viehhirten. Es gibt viele Weinberge, genügend Wasser, eine vortreffliche Witterung und einen schönen Blick auf das Meer. Am tieferen Teil der Küste existiert ein Ankerplatz um mit Schiffen landen zu können. Es gibt eine Kirche mit drei Schiffen und auf Anordnung des Königs, einen Priester. 775 Pfarrgemeindemitglieder, einige zahlen mit Leistungen, andere bezahlen Steuern. Es gibt drei Kapellen.“  1f609  Es könnten aber auch Kneipen gemeint gewesen sein, denn das spanische Wort la ermita bedeutet auf deutsch sowohl Kapelle als auch Kneipe.

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1821 wurde El Sauzal auf Grund der Constitución de Cádiz eine unabhängige Gemeinde. Pascual Madoz schrieb in sein Tagebuch: „El Sauzal, ein Ort mit Rathaus auf der Insel und Diözese von Teneriffa … liegt hoch über dem Meer mit einer Küstenlandschaft, ständig mit Winden aus dem Nordwesten oder Osten kämpfend.

Die Menschen leiden an Brustfellentzündungen und galligem Fieber. Es besteht aus 221 Häusern, einer Pfarrkirche San Pedro Apóstol, einem Getreidespeicher ohne Boden, ein Gebäude das als Gefängnis dient und zum Rathaus gehört; im Ort gibt es keine Quellen und die Bewohner werden von denen versorgt, die über vortreffliches Wasser verfügen. Die Grenze verläuft im Norden beim Meer, im Westen bei Tacoronte, im Süden bei Esperanza und im Westen bei la Matanza.

Es gibt mehrere Arten von Steuern und Abgaben, Einnahmen von einigen Bächen und Quellen; drei Kapellen, geweiht Nuestra Señora de los Ángeles, San Simón y San Nicolás. Die Böden sind von mittelmäßiger Qualität, teilweise kalkhaltig und lehmig, hügeliges Buschland mit ein paar Buchen, Heidekräutern und Kiefern. Die Wege gehören der Gemeinde und befinden sich in schlechtem Zustand. Die Post wird von der Poststelle in la Laguna betrieben und erhalten. Angebaut wird Weizen, Gerste, Kartoffeln, Mais, Hirse, Saubohnen, Gemüse und Obst. Sie züchten Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Gejagt werden Kaninchen, Rebhühner, Wachteln und Tauben. Die Bevölkerung besteht aus 215 Bewohner, 936 Seelen … „ Pascual Madoz, 1849.14 El 31 de mayo de 1985 el Gobierno de Canarias le otorga al municipio el título de villa.

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Am 31. Mai 1985 erteilt die Regierung der Kanarischen Inseln der Gemeinde den Stadttitel. Das ist schon lange her und für heute ist Schluss mit dem Spaziergang in der Vergangenheit. So ausschweifend wollte ich eigentlich gar nicht werden, aber wenn ich einmal im schreiben bin, ergibt sich das oft von selbst. Und von El Sauzal gibt es noch viele Geschichten …

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Ein paar Meter vom Rathaus entfernt wächst auch dieser schöne Drachenbaum und ganz in der Nähe der Kirche gibt es noch viel mehr zu sehen. lachen Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal, ich glaube, für heute ist es wirklich genug.

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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3 Antworten zu El Sauzal

  1. In El Sauzal gibt es wirklich viel zu entdecken. Mehr als man denkt. Den tollen Aussichtspunkt La Garañona zum Beispiel. Mit Eisdiele! Oder den wunderschönen Parque Los Lavaderos:
    https://mitenerifeblog.wordpress.com/2016/12/25/parque-los-lavaderos/

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  2. Christine Schmidt schreibt:

    Danke für den tollen Bericht und die wunderschönen Fotos…….wie immer super ❤

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  3. neleworld schreibt:

    So tolle Bilder, da bekommt man Fernweh ☺☺

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