Schrott ist nicht gleich Müll

Icod de los Vinos, 5. September 2017

Sagt euch der Name Artur Bordalo etwas? Wahrscheinlich nicht, mir hat auch nur ein Vögelchen etwas gezwitschert. 1f609 Gestern hatten wir keine Lust besonders weit zu fahren und deshalb haben wir zur Abwechslung wieder einmal die nähere Umgebung erkundet. Am Nachmittag sind wir nach Los Silos gefahren und siehe da, das kleine Städtchen ist, wie so oft, für eine Überraschung gut.

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In den ersten zwei Wochen im September, genau gesagt vom 13. bis 16. 9. 2017 findet in Los Silos das Festival Boreal statt. Dabei handelt es sich um ein kulturelles und nachhaltiges Projekt, sozusagen ein Öko-Festival. Dieses Jahr wird es bereits zum zehnten Mal von der Gemeinde Los Silos organisiert und dazu passend gibt es eine besondere Überraschung. Ein großer, bunter Vogel, der nicht nur lustig aussieht sondern zum Nachdenken anregen sollte.

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„one man’s trash is another man’s treasure“

Um vor den massiven Folgen unserer Wegwerfgesellschaft zur warnen, gestaltet ein junger Künstler aus Portugal Tierplastiken aus gesammeltem Müll. Artur Bordalo, der sich Bordalo II nennt, wurde 1987 in Lissabon geboren. Begonnen hat seine Laufbahn in Portugal, aber mittlerweile reist er mit seiner Arbeit um die Welt. Seine Werke stehen in vielen Länders Europas, aber auch in den USA. Auf den Kanarischen Inseln ist dieses Werk eine Premiere, er arbeitet das erste Mal auf der Insel.

Der Künstler benutzt die größte Bedrohung der Natur, den Abfall unserer Gesellschaft, um den dadurch bedrohten Tierarten eine Platform zu geben. Denn meistens sind es die Tiere, die unter den menschlichen Müllmassen am meisten leiden. Seine Kunstwerke sind also Schönheit und Warnung zugleich. Für seine Plastiken verwendet er kaputte Stoßstangen, verrostete Eisenteile, Dosen, alte Mülltonnen oder Reifen, Plastikrohre, Kabel und Holz, sogar ausgedientes Spielzeug habe ich entdecken können. Nutzlose Dinge, die niemand mehr braucht,  erhalten so eine zweite Existenz als Kunstobjekte.

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„La basura de unos es el tesoro de otros, en casos específicos“

Mit seinen eigenen Worten sagt er: “ Ich versuche mit meiner Arbeit auf die Probleme aufmerksam zu machen, die man gerne vergißt oder als notwendiges Übel hin nimmt. Die Herstellung von Müll, Abfall, Verschmutzung und ihre Auswirkungen auf den Planeten. „Trabajos que pretenden llamar la atención sobre un problema de la actualidad que tiende a ser olvidado y convertirse en una banalidad o un mal necesario: la producción de basura, el desperdicio, la contaminación y sus efectos en nuestro planeta“

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Boralo nennt seine Werke „Big Trash Aninals“

Seine Tierplastken finden ihren neue Heimat meistens an Hauswänden aber auch Autos, Plakatwände oder Schiffe sind dafür geeignet. Er haucht ihnen mit einem farbenfrohen Anstrich Leben ein und das Ergebnis sind beeindruckende Hingucker – vom Kaninchen bis zur Honigbiene. In Los Silos steht nun ein Mahnmal für einen ganz besonderen Vogel.

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der letzte „guirre“ wurde 1986 bei Teno Bajo gesichtet

Es handelt sich um el guirre, den Schmutzgeier, neophron percnopterus majorensis, einem endemischen Vogel der Kanarischen Inseln, der vom Aussterben bedroht war. Auf Teneriffa wurde der letzte Vertreter seiner Art 1986 im Tenogebirge gesehen und zur Jahrausendwende gab es auf Fuerteventura nur noch 21 Pärchen. Seit der Vogel intensiv geschützt wird, hat sich die Population wieder erholt und zur Zeit sollen wieder über zweihundert Tiere auf Fuerteventura leben.

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Egal ob im Wasser, am Land oder in der Luft, Tiere ersticken an Plastikmüll oder verenden zu Tausenden durch irgendwelche Industrieunfälle und was machen wir? Plastik wohin man schaut, sogar beim Einkauf von Obst und Gemüse soll jeder einen Plastikhandschuh anziehen. Wofür soll das denn gut sein, stecke ich mich über eine Tomate mit einer schlimmen Krankheit an? Aber das ist ein anderes Thema – trotzdem, bei mir hat der Vogel etwas bewirkt und vielleicht bringt er auch andere Betrachter wenigstens für kurze Zeit zum Nachdenken. Man muss ja nicht gleich die ganze Welt retten, wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen hat sich schon etwas geändert.

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Artur Bordalo – Bordalo II

Hier habe ich noch einige Fotos von seinen Werken zusammen gestellt, wenn ihr mehr über den Künstler wissen wollt – hier ist der Link zu seiner Webseite

 

 

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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4 Antworten zu Schrott ist nicht gleich Müll

  1. Susanne Henke schreibt:

    und die kleine Zynikerin in mir denkt – tolle Plastiken. Also mehr Müll für mehr Kunst ;-))))

    Gefällt 1 Person

  2. Teda Lessiak schreibt:

    Beeindruckend! Danke. Ich habe gerade „weitergeleitet“. 🐭

    Gefällt 1 Person

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