El Caletón von La Matanza

Icod de los Vinos, Dienstag 10. Oktober 2017

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass El Caletón ein malerisches Fischerdörfchen sein soll und weil ich solche Plätzchen liebe, sind wir auf die Suche gegangen. La Matanza und der Bauernmarkt waren für mich ein Begriff, dass es hier auch eine schöne Küste geben soll, das war mir neu. Vor ein oder zwei Jahren sind wir also das erste Mal in dieser kleinen Ansiedlung gelandet und weil wir gerade in der Nähe waren, sind wir gestern noch einmal dort hin gefahren.

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Die enge und kurvige Zufahrtsstraße führt durch ein Naturschutzgebiet und an vielen Stellen warten tiefe Schlaglöcher auf den Autofahrer. Nachdem wir bei ein oder zwei großen Villen vorbei gefahren sind, landen wir am Ende der Straße. Wir lassen das Auto am Rand eines großen, schottrigen Platz stehen und begeben uns auf Entdeckungsreise.

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Im Jahr 2006 hatte das Umweltministerium von Teneriffa noch große Träume. Die Regierung der Insel wollte diesen Teil der Küste von La Matanza mit sage und schreibe 3,5 Millionen Euro verschönern. Mit einer sechshundert Meter langen Fußgängerpromenade, einem Parkhaus und einem Sandstrand! Als ob diese felsige und wunderschöne Küste Sand vertragen würde. Ich verstehe diese Gedanken gar nicht.

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Auf der einen Seite wird an den unmöglichsten Stellen auf den Schutz der Natur geklopft und auf der anderen Seite löst sich die Natur plötzlich in Luft auf. 1f609 Aber wie so oft, wird erst groß getönt und verkündet und dann geschieht – nichts! In diesem Fall sage ich, zum Glück ist es ja nicht dazu gekommen …

Doch damals kündigte das Umweltministerium den Abriss von fünfundsiebzig illegalen Gebäuden in El Caletón de La La Matanza an. Die Küste muss für alle zugänglich sein und laut Küstengesetz darf kein Gebäude näher als fünfzig Meter am Wasser gebaut werden. Doch auf der Insel hat sich Jahrzehnte lang niemand wirklich um eine richtige Bauplanung gesorgt und so kam es, dass alle Arten von sogenannten Häusern für ein erholsames Wochenende oder die Feiertage aus dem Boden wuchsen. Das Ergebnis war eine Mischungs aus Felsen, Ziegelsteinen, Zement und eine fantasievolle Farbenpracht. Die Häuschen wurden den Vulkanfelsen angepasst und so weit wie möglich ins Meer gebaut. Wenn schon ein Ferienhaus an der Küste dann schon mit den Wellen direkt an der Balkonbrüstung, oder?

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So entstand ein richtiges Labyrinth und wenn man durch die Gassen dieses Ortes klettert, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Ich frage mich immer wieder, wie die Menschen es schaffen, an die unmöglichsten Stellen ihr Baumaterial zu schaffen und dann auch noch schwindelerregende Bauten auf glitschigen Felsen zu kleben.

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Einige der kleinen Häuser sind frisch verputzt, gestrichen und renoviert, doch viele Mauern werden wahrscheinlich nicht mehr lange stehen, denn der Atlantik vertreibt ungebetene Gäste mit seinen eigenen Mitteln. Das Salz im Wasser und in der Luft zerstört nicht nur den schönen Anstrich der Mauern sondern auch Zement und Eisen.

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Der rotbraune Rost übernimmt die Herrschaft und triumphiert! Wer hier nicht ständig und hartnäckig sein Eigentum verteidigt, verliert am Ende sein Feriendomizil.

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Während der Sommermonate herrscht hier reges Leben, aber jetzt sind die meisten Häuser winterfest gemacht. Türen und Fenster sind zum Teil mit Brettern verschlossen, die Vorhängeschlösser wurden vorsichtshalber in Plastik verpackt. Es ist still, totenstill. Nur die Wellen des Atlantik schlagen gegen die Felsen und ab und zu höre ich das Lachen einer Möwe. Eine Stunde lang treffen wir keinen einzigen Menschen, die Siedlung wirkt wie eine Geisterstadt.

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Als wir in die andere Richtung der Bucht gehen, entdecken wir einen Fischer. Er sitzt ganz alleine mit einer Dose Bier auf einer Platform, auf der im Sommer sicher die Kinder spielen und ins Meer springen. Jetzt hat der alte Mann seine Ruhe und kann seine Angelrute ins Wasser werfen.Sogar die bunten Fischerboote liegen geschützt an Land und warten auf den nächsten Sommer.

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Flankiert wird diese Bucht von zwei Kränen, mit denen Boote an Land gehoben werden können. Auf der rechten Seite konnte ich kein Boot entdecken, aber das Rätsel für den linken Kran konnte ich lösen. Seht ihr den großen Eingang im oberen Geschoß des gelben Hauses?

Dort wartet ein ziemlich großes Boot auf seinen nächsten Ausflug über die Wellen des Meeres und damit es dort geparkt werden kann, muss eben ein Kran her! Es gibt zwar fliegende Fische, aber von fliegenden Schiffen habe ich noch nie etwas gehört. Ihr wahrscheinlich auch nicht, oder?

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Auf dem Rückweg zum Auto ist uns noch eine alte Frau mit sechs Hunden entgegen gekommen. Ob sie hier nur ihre Vierbeiner ausgeführt hat, oder ob sie doch hier wohnt weiß ich nicht. Ein paar der Häuser werden, so wie es aussieht, das ganze Jahr über bewohnt, aber viele können es nicht sein. Auf einer einzigen Terrasse flatterte Wäsche im Wind – vielleicht wohnt der Fischer mit seiner Frau dort?

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Es muss einsam sein an diesem Ort, ich kann mir nicht vorstellen, dort zu leben. Ich lebe gerne am Land und ich liebe es. Es ist wunderschön, wenn am Abend dort und da die Vögel zwitschern, Grillen zirpen oder Frösche quaken. Wenn der Wind die Melodie des Glockenspiels von Santa Bárbara auf die Terrasse weht, wenn Kinder lachen und sogar wenn laute Musik der Fiesta vom Dorfplatz das eigene Musikprogramm übertönt.

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Das Leben in El Caletón findet nur in den Sommermonaten statt, anschließend verfällt die ganze Siedlung in einen Dornröschenschlaf. Jahr für Jahr, ohne Hoffnung auf eine Änderung. Vielleicht ist El Caletón de La Matanza ein malerischer Ort – aber nur für sehr fantasievolle Maler … 1f618

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch hier noch einige Fotos von der Siedlung an der Küste von La Matanza ansehen, über diesen Ort gibt es mehr zu sehen als zu erzählen …

 

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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11 Antworten zu El Caletón von La Matanza

  1. Christine Schmidt schreibt:

    toller Bericht- wie immer liebe Ingrid

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  2. Susanne Henke schreibt:

    merci vielmals – sehr inspirierend 😉

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  3. Annie Peysson schreibt:

    Schöner Bericht, nett beschrieben. Ich war da, fand aber die vielen Ruinen nicht so einladend.

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    • wenn niemand hier ist wirkt es ziemlich deprimierend, in den Sommermonaten dürfte es anderes sein, aber ich war um diese Zeit nie dort. Es gibt schönere Orte auf der Insel 🙂 Warum bist du dort gewesen? In einem Reiseführer hast du El Caletón ja sicher nicht gefunden?

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  4. siebeninseln schreibt:

    Danke für diesen wieder so interessanten Bericht. Er hat mir richtig Lust gemacht, dort auch einmal vorbeizuschauen. Liebe Grüße zu Euch, Dagmar

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  5. nina schreibt:

    sehr interessant…und tolle Bilder :))

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  6. Christine Schmidt schreibt:

    danke für den Bericht…….dort war ich noch nicht…..

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