Navi – ja oder nein oder wie?

Icod de los Vinos, Samstag 14. Oktober 2017

Bei euch ist es herbstlich geworden und bei uns ist der Hochsommer zurück gekommen. Nein, das stimmt so nicht ganz, nicht Petrus ist schuld sondern Afrika, besser gesagt der Wind der uns immer wieder im Jahr mit Sand und hohen Temperaturen beglückt. Der Calima weht über die Inseln. Die Quecksilbersäule klettert bei uns über die dreißig Grad Grenze und als Draufgabe werden wir von Nebelschwaden eingehüllt. Heute vernebelt uns nicht der Sand die Sicht sondern Wasserdampf. Was soll’s, es ist angenehm warm!

nebel_teneriffa

Heute geht es einmal um GPS Liebhaber. 1f609 Auch hier auf der Insel kurven ja viele Touristen mit den verschiedensten Navigationsgeräten durch die Landschaft – und werden immer wieder in die Irre geleitet.  Vor ein paar Tagen blieb sogar eine ortskundige Villacherin in einer Gasse ihrer eigenen Stadt mit dem Auto in einer engen Gasse stecken.

In meiner Heimatstadt gibt es eine Kunigundengasse, aber laut Google Maps gibt es diese Gasse nicht einmal – so kurz und eng ist sie. Heute kennt das Gässchen in der Innenstadt wahrscheinlich ganz Villach! 1f609 Die Frau wollte nur ihre Bücher in die Bücherei zurück tragen und hat sich vertrauensvoll von ihrem Navigationsassistenten durch die Stadt lotsen lassen. Bis sie feststeckte. Eine halbe Stunde später hatten ein paar starke Feuerwehrmänner das Auto und die Fahrerin befreit, die Bibliothek war mittlerweile  geschlossen und die Bücher wird sie wohl zu Fuss zurück tragen müssen.

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Eine andere Meldung aus Österreich hat zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, doch sie sagt einiges über das Verhalten von Autofahrern mit einem technischen Beifahrer aus. Dass man seinem Navi nicht einfach blind vertrauen sollte, erleben Autofahrer immer wieder. Manche Geräte geben auf der Autobahn den Rat zu wenden. Andere lotsen einen auf Straßen, die es gar nicht gibt. Und wieder andere errechnen Wege, die nicht für Autos gedacht sind.

Genau das ist auch einem Mann aus dem Bayrischen Wald passiert. Er wollte in Villach einen Zwischenstopp auf seiner Reise nach Pula in Kroatien einlegen. Auf der Suche nach dem Hotel am Villacher Hauptplatz gab ihm sein Navi den Tipp, durch die kleine Seitengasse zu fahren. Die ist aber eine Fußgängerzone und viel zu schmal für den dicken Mercedes des Touristen. Es kam, wie’s kommen musste, der Wagen blieb stecken. Die Türen gingen nicht mehr auf, das Auto bewegte sich keinen Zentimeter mehr. Als es immer enger wurde, wollte der Autofahrer seinen Außenspiegel einklappen. Vielleicht glaubte er, sein Wagen würde dann doch noch durch die enge Gasse passen. Dabei quetschte er sich aber nur seine Finger und das Auto passte trotzdem nicht durch die enge Gasse. So landete der Unglücksfahrer im Krankenhaus statt im Hotel.

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Vorher musste der Pechvogel aber durch den Kofferraum aus seinem Auto klettern. Er hatte Glück im Unglück, denn Polizei und Villacher Feuerwehr halfen ihm dabei. Das festgesteckte Auto wurde von einem Abschleppwagen befreit und aus der Gasse heraus gezogen. Der Unglücksfahrer hatte ein bisschen später in einem Fernsehinterview mit dem ORF schon wieder seinen Humor gefunden: „Als ich feststeckte, kam aus dem Navi-Gerät die Meldung: Sie haben ihr Ziel erreicht“, erzählte er lachend. 1f609 Den Humor möchte ich in so einer Situation haben.

Ein Busfahrer in der Schweiz kam nicht so gut davon, seine Rettung war wahrscheinlich ziemlich teuer. Der Fahrer folgte den Anweisungen seines Navigationssystems, bis er auf einem schmalen Pfad nahe einem Berggipfel in Graubünden ebenso endgültig wie hoffnungslos feststeckte. Der Kleinbus musste mit einem Schwerlasthubschrauber ausgeflogen werden …

Für mich ist das Verhalten vollkommen unverständlich. Viele Autofahrer vertragen ja nicht einmal einen menschlichen Beifahrer neben sich, was tun diese Menschen dann mit einer elektronischen Stimme im Auto? Seinen lebendigen Besserwissen am Beifahrerersitz kann man noch zum Schweigen bringen – aber was macht man mit so einem Bordcomputer? Ausschalten wäre eine Möglichkeit, aber wie kommen diese hilflosen Autofahrer dann von A nach B? Kartenlesen ist anscheinend ja nicht mehr in?

Und noch etwas verstehe ich nicht. Dem Lenker eines Autos wird als Nebentätigkeit am Steuer so Einiges verboten. Er darf nicht telefonieren, sollte nicht essen, nicht trinken, sich nicht um das Radio kümmern und, und, und …

Autofahren mit einem Navigationsgerät lenkt doch ständig die Blicke von der Fahrbahn auf den Bildschirm ab, das ist eindeutig bewießen. Diese Art der Orientierungshilfe ist also eigentlich sehr gefährlich, dennoch glaubt die Menschheit ohne diese Dinger nicht mehr leben zu können. Dabei entstehen viele Fehlleitungen angeblich sogar aus der falschen Bedienung der Geräte und liegen gar nicht an der Programmierung oder an alten Karten.

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auf dem Weg Richtung Taganan im Anaga Gebirge

Ich kann dazu nicht viel sagen, denn wir fahren immer noch mit Unterstützung einer Straßenkarte, orientieren uns an Hinweisschildern und – ihr werdet es kaum glauben – wir kommen immer ans gewünschte Ziel. 1f602 Im Gegensatz zu einigen Besuchern von ARTlandya. Die werden von ihren Navigationsgeräten lustig durch die Gegend geschickt und nehmen alle angebotenen Umwege dankbar in Kauf. Viele Autofahrer fahren willig und ohne jegliche Navigationskenntnisse dorthin, wohin sie das Gerät sie leitet. Das ist doch eine verrückte Welt, oder nicht?

Glaubt mir, die beste Lösung ist immer noch, die Augen weit offen zu halten. Erstens sieht man viel mehr von der Umgebung und plötzlich stehen da auch Schilder, die man lesen kann. Also, zur Abwechslung auch mal Schilder zu lesen und sich einzuprägen wo man gerade ist. Das technische Helferlein ist und bleibt nun einmal ein technisches Gerät. Es kann auch in naher Zukunft nicht so gut sein wie unser eigener Verstand.

Als Abschluss habe ich hier noch eine kleine Geschichte, selbst erzählt von einem Betroffenen, für euch. Ich habe beim Lesen wirklich herzlich lachen müssen!  Schadenfreude ist anscheinend doch die schönste Freude … 1f602

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„Unser neues Navigationsgerät hat uns gerne mal große Umwege fahren lassen, und das ohne Grund. Wenn man eine Landkarte dabei hat oder den Streckenverlauf im Nachhinein kontrolliert, wird man manchmal den Kopf schütteln.

Beispiel: Wir fahren in der Andorra auf Berg- und Landstraßen, mitten in den Pyrenäen, es geht immer hoch und runter, gerade Strecken gibt es nicht. Wir haben einen Traktor vor uns, der Schafe auf dem Anhänger transportiert. Wir folgen brav der Navianweisung und biegen irgendwann ab, so wie er es sagt. Nach 20 Minuten (!) haben wir wieder den gleichen langsamen Traktor mit den Schafen VOR uns…! Wir wurden am selben Tag durch einen kostenpflichtigen Tunnel geschickt und im gleichen Streckenverlauf den selben Tunnel wieder zurück geführt!!! Wo bleibt da die IQ bitteschön?!“

Ich würde sagen, der Verstand bleibt dabei auf der Strecke oder wie Konfuzius sagt: „Es gibt drei Dinge, die sich nicht lange verbergen lassen: die Sonne, der Mond und die Wahrheit.“ Also – Augen auf und verliert nicht die Orientierung – weder im Leben noch auf der Straße … 1f618

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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5 Antworten zu Navi – ja oder nein oder wie?

  1. Labby schreibt:

    Navi ja, aber Hirn auch – und zwar in umgekehrter Reihenfolge 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Teda Lessiak schreibt:

    Navi – na wie? Ich finde die Kombination von Hirn und Navi ganz gut für mich, zumal das Navi auf meine eigenen Ideen immer gut reagiert und „umplant“! Die Frau in Villach hatte mehr als 1 Promille im Blut und wird jetzt wohl viel Zeit zum Lesen haben. 🙂 Genießt den Sommer!!!

    Gefällt 1 Person

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