Eisbären und Luftschlösser …

Icod de los Vinos, Mittwoch 27. Dezember 2017

Seit gestern haben wir Kaiserwetter, also strahlend blauen, wolkenlosen Himmel und den ganzen Tag scheint die Sonne. Trotzdem habe ich irgendwie den Verdacht, dass sich da draußen der Eisbär ein Versteck gesucht hat. Obwohl der Teide noch immer kein weißes Schneehäubchen bekommen hat, weht fast so etwas Ähnliches wie Schneewind durch die Gegend. In der Sonne ist es angenehm warm aber im Schatten spürt man die kalte Luft und in der Nacht werden die Grade immer weniger.

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Zumindest mir ist kalt. kalt  Unsere Besucher, die den kalten Wintertagen in Europa entflohen sind, sehen das naturgemäß ein bisschen anders. Es ist eben ein riesengroßer Unterschied ob man aus der Kälte kommt, oder eben nicht.

Wir haben es am Abend auf alle Fälle angenehm warm, denn dann knistert im Kamin ein lustiges Feuerchen. Wen stört dann das kühle Lüftchen? Mich nicht … 1f618

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ein wahr gewordener, königlicher Traum – Schloss Neuschwanstein

Ein Neurotiker ist ein Mensch,
der ein Luftschloss baut.
Ein Psychotiker ist der Mensch,
der darin lebt.
Und ein Psychiater ist der, der die Miete kassiert.
Jerome Lawrence, U.S.-Schriftsteller

Was ist eigentlich ein Luftschloss? Soviel ich weiß, gibt es dafür weder eine lästige Bauvorschrift noch eine mögliche Genehmigung. Es kann also jeder frisch und fröhlich drauf los bauen und sein individuelles Traumhaus errichten und ausschmücken. Jenseits von Gut und Böse. 1f609 Welches Baumaterial man dazu verwenden sollte? Luft, Liebe und viel Fantasie – würde ich einmal sagen, aber da hat wohl jeder seine eigenen Wunschgedanken. Vielleicht unterstützt eine Bestellung ans Universum diese Träume noch zusätzlich und erleichtert am Ende die Bezahlung der Rechnung? Ich glaube, der Gedanke wäre durchaus eine Überlegung wert, schaden kann es ja auf keinen Fall!

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Le Mont Saint Michel in der Normandie

Werden an der Wall Street auch Luftschlösser gebaut? Dort sind wahrscheinlich sogar die erfolgreichsten Architekten zu Hause, denn heute wird das große Geld nicht mit Arbeit sondern mit Spekulation angehäuft. Da macht sich kein feiner Herr mehr die Finger schmutzig und wird trotzdem immer reicher. Otto Normalverbraucher spielt bei diesem Spiel nicht mit, das Volk ist in dem Fall überhaupt gefragt. Was die anderen können, das kann ich auch – dachte sich so mancher brave Bürger und hat dabei ganz vergessen, dass man eigentlich nur mit Arbeit Geld verdienen kann.

So wurde aus so manchem Luftschloss ein Eigenheim und als erstes Volk kamen vor einigen Jahren dann die Amerikaner zum Handkuss und mussten über Nacht aus ihren Tagträumen aufwachen. Dabei darf man es gerade diesem Volk gar nicht verübeln, denn auf jedem Ein-Dollarschein wird ihnen immer wieder ein Satz vor Augen gehalten. „In God We Trust“ steht drauf gedruckt. Um die amerikanische Wirtschaft handelt es sich bei dieser Aussage also nicht, da sind schon höhere Mächte gefordert. „God bless America“, diesen Wunsch hat das Land dringender nötig.

Immer öfter hat sich in den vergangenen Jahren der so genannte amerikanische Traum in einen faulen Kredit verwandelt. Und im Endeffekt konnte und kann es die ganze Welt ausbaden. Etwas ist an dem ganzen weltweiten, wirtschaftlichen Desaster allerdings sehr eigenartig.

Über Spielernaturen in Casinos wird gelästert, Spielautomaten in anderen Lokalen werden wegen Volksgefährdung aus dem Verkehr gezogen. Glücksspiele sind hoch brisant und gefährlich – aber Spekulanten an der Börse sind angesehene Wirtschafter. Dabei hat jeder Mensch, mit einer kleinen Portion Glück, die Chance beim Spiel zu gewinnen, das Glück muss den Investoren genauso beistehen wie den Spielern. Kommt natürlich auf den Blickwinkel an, das ist schon klar, aber weit klaffen diese beiden Welten nicht auseinander. Ja ja, wenn die liebe Geldgier nicht wäre und die Menschen wenigstens irgendwann einmal den Hals voll bekommen würden. Ob die Bewohner dieses Planeten einmal etwas bescheidener und zufriedener werden? Auf diese Kehrtwendung der Gesellschaft warten wir vermutlich umsonst – auch wenn schon Mahatma Gandhi gesagt hat: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

Noch eine kleine Bemerkung zum Schluss. Ein Luftschloss bauen kostet nichts und die Bautätigkeit ist wahrscheinlich in weniger als fünf Minuten erledigt – und es tut gut, ab und zu im Wolkenkuckucksheim zu sitzen. Die Redewendung entstand übrigens schon im 16. Jahrhundert von der Redensart „ein schloß in der lufft bawen“, was so viel wie auf dem Dachboden sitzen und träumen bedeutete.

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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5 Antworten zu Eisbären und Luftschlösser …

  1. siebeninseln schreibt:

    Auch ich gehöre zu den „Fröstelnden“ in den kühlen 🙂 Nächten. Liebe Grüße aus dem sonnigen Süden, Dagmar

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  2. wibstet schreibt:

    Danke für die Erklärung – wo der Begriff Luftschloss her kommt war mir bislang nicht bekannt.

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  3. Teda Lessiak schreibt:

    Wir waren im Sommer in Mont St. Michel und Gandhi mögen wir auch sehr. Diese Zeilen von dir waren ganz etwas Besonderes für uns. Daaaaaannnnnnkkkkkkeeee!

    Gefällt 1 Person

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