üppig oder platt – der BH macht’s möglich

Ein Kleidungsstück wie ein guter Freund: Er hilft, er stützt, und er ist immer ganz nah am Herzen. „Es gibt keinen hässlichen Busen, nur falsche BHs.“ ist einer der vielen, weisen Sprüche in der Welt der Mode. Dabei ist gerade dieser Freund von Mann und Frau noch nicht sehr alt und Generationen vor uns mussten ohne seine Hilfe durchs Leben gehen.

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Vielleicht wäre heute alles ganz anders, wenn die New Yorkerin Mary Phelps Jacob vor hundert Jahren nicht so große Brüste gehabt hätte. Und wenn nicht 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen wäre. 1f607 Doch genau diese beiden ziemlich unterschiedlichen Tatsachen trugen dazu bei, dass eine am 12. Februar 1914 zum Patent angemeldete Erfindung das ganze 20. Jahrhundert prägte und noch heute viele Frauen und Männer beschäftigt. Das starre Korsett wurde zu einem Teil der Modegeschichte.

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Dabei hatte das damals 19jährige Fräulein nur Probleme mit ihrem Abendkleid. Durch ihr schönes, langes Ballkleid drückte und zwickte das eng geschnürte Korsett – egal, wie sie sich drehte. Vielleicht wollte sie aber einfach nur tanzen ohne nach Luft schnappen zu müssen. Mary Phelps ersetze das verhasste Korsett mit Hilfe ihres französischen Dienstmädchens und einer Schere kurzerhand durch zwei Seidentücher, die sie mit angeblich vier rosa Bändern zusammen schnürte. Das war alles, denn entsprechend der Mode dieser Zeit sollte die Oberweite so gut wie möglich platt gemacht werden.

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Zwei Stückchen Seide ersetzten das mit Metallstäben geformte Korsett. Für viele Frauen war das eine Befreiung, endlich konnten sie sich frei bewegen und mussten nicht mehr eingeschnürt und stocksteif durchs Leben gehen.

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Das aufmüpfige Fräulein hatte ihr Problem damit gelöst, doch seitdem schiebt und drückt der BH, je nach Zeitgeist und Mode, die weibliche Brust in alle möglichen Richtungen.

Am 3. November 1914 wurde die Erfindung des BHs in den USA aktenkundig, denn Mary Phleps meldete das Patent für ihren Büstenhalter unter dem Namen Backless Brassiere an. So wie es oft bei Erfindungen passiert, hatte sie bei der Vermarktung ihrer Idee kein goldenes Händchen. Sie war nicht sehr erfolgreich und da sie damit kaum etwas verdiente und unter dem Namen Caresse Crosby als Schriftstellerin recht erfolgreich war, entschloss sie sich, das Patent zu verkaufen.

Um schlappe 1.500 Dollar kaufte ihr die Firma Warner Brothers Corset Company die Rechte dafür ab und verdiente damit in den nächsten dreißig Jahren über 15 Millionen Dollar. Für Warners wird das Patent zur Goldgrube, denn mit dem Beginn der industriellen Fertigung war der Siegeszug des Büstenhalters nicht mehr aufzuhalten. Weil das noch immer nicht reichte, sorgte der Weltkrieg noch einmal kräftig für einen richtigen Aufschwung des BHs. 1f607 Weil alles knapp wurde, sollten amerikanische Frauen doch lieber sparsame Büstenhalter statt Mieder tragen – hieß es.

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Die emanzipierte Frau der 20er Jahre sollte flach und knabenhaft aussehen. Nach dem Krieg waren runde und üppige Formen gefragt. In den Siebzigern verbrannten die Feministinnen der 68er Bewegung den BH als Symbol männlicher Unterdrückung – und als krönender Abschluss entstand dann der Wonderbra. lachen  Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei. Übrigens,  Der bis jetzt teuerste BH kostet ungefähr elf Millionen Euro. Anzahl der verkauften Exemplare – Null! Das wurde dann wohl doch ein bisschen zu hoch gepokert!

Der älteste erhaltene BH der Welt wurde 2008 auf Schloss Lenggberg bei Nikolsdorf in Osttirol gefunden. In einem Hohlraum des mittelalterlichen Gebäudes tauchten über 2.700 alte Textilien, darunter eine Unterhose und vier BHs mit Körbchen aus feinem Leinen auf. Getragen wurde die Unterwäsche vermutlich von einer schlanken Gräfin mit der heutigen Konfektionsgröße 36.

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Als man die Gewebe analysieren ließ, staunte man nicht schlecht. Es handelte sich um Dessous aus dem Mittelalter, die wahrscheinlich zwischen 1390 und 1485 getragen wurden. Bis heute ist man davon ausgegangen, dass Frauen von der Antike bis zur Erfindung des Korsetts im 16. Jahrhundert Leibchen trugen oder sich die Brüste mit Leinenbinden umwickelten.  Diese Theorie ist also nicht ganz richtig – aber vielleicht muss die Geschichte der zwei Körbchen überhaupt ganz umgeschrieben werden. Wer weiß? Sicher ist aber eines – der Fund ist bis jetzt zwar einzigartig geblieben, trotzdem liefert er eine wichtige Ergänzung zur Textilgeschichte.

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P. S.: Das neckische Unterhöschen, wie ihr es auf dem rechten Bild seht, wurden damals von Männern und nicht von Frauen getragen. Die Stringtanga ähnlichen Modelle galten im Mittelalter auch als Symbol der männlichen Macht. lachen Frauen, die Hosen anhatten, waren damals schon verpönt.

Die Frauen trugen unter ihren Röcken vermutlich nix. Auf alten Abbildungen entdeckt man eigentlich nur Kurtisanen, oder ähnlich verruchte Damen, in Unterhosen. In Italien trugen einige Frauen schon im 16. Jahrhundert Unterhosen, zum Beispiel die Mitglieder der Familie Medici. Nach und nach wurde der Schlüpfer dann auch für breitere Kreise schicklich. Aber Unterwäsche blieb lange Zeit das Luxusgut der Adeligen und reichen Kaufleuten.

Ein spannendes Thema – darauf gestoßen bin ich, als ich ganz harmlos Nachforschungen für eine bestimmte Puppenkleidung gemacht habe. In der Schule wäre es wohl eine perfekte Themaverfehlung gewesen, aber heute habe ich Glück, denn ich ändere ganz einfach die Überschrift. Über die Welt der Puppen erzähle ich euch eben morgen oder übermorgen … kuss (2)

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Über ARTlandya - der Blog

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