Felsen und Hühner = Felsenhuhn

„Was raschelt da im Unterholz? Sind es Katzen oder Kaninchen? Amseln könnten es auch sein, die verhalten sich ja oft wie aufgescheuchte Hühner. Doch plötzlich huscht ein grauer Schatten hinter die Mauer des Blumenbeetes – und stellt euch vor, die Finca ARTlandya hat zwei neue Untermieter bekommen. Es sind zwei Felsenhühner! Nachdem sie bereits einige Tage den Platz unter dem Erdbeerbaum bewohnen, wäre es gut möglich, dass sie hier bei uns einen Nistplatz gefunden haben. Drückt uns die Daumen!“ 1f60a Das habe ich vor drei Jahren in mein Tagebuch geschrieben und die Vögel sind uns nicht nur treu geblieben, sondern haben sich auch vermehrt!

steinhuhn_artlandya1ccDas erste Foto ist zwar nicht besonders gut geworden, aber ich bin froh, dass ich den Vogel damals mit der Kamera einfangen konnte, sonst wüsste ich heute noch nicht, um welche Vogelart es sich handelt.

steinhuhn_artlandya_tenerifWie sich später gezeigt hat, muss es ein Pärchen gewesen sein, denn Georg ist ein paar Wochen später in der Nacht plötzlich ein Vogel um die Ohren geflogen. lachen Das gefiederte Kerlchen war ziemlich ungeschickt unterwegs und wäre ihm fast mitten ins Gesicht gekracht. Das Küken ist anschließend ziemlich unglücklich auf dem Vordach vom Museum gelandet und Georg hat es vorsichtig auf die Terrasse befördert.

steinhuhn_artlandya1Von dort dürfte es sicher unter die Flügel der Mutter geflüchtet sein, denn sie hat ihr Junges ziemlich lange mit einem lauten Pfeifton gerufen und dann war Ruhe. 1f60a Da ist das vorwitzige Vögelchen wohl doch noch vernünftig geworden.

Das Felsenhuhn, alectoris barbara, gehört zu Familie der Fasanenartigen und ein wenig auch noch zu den Hühnervögeln. In Spanien wird das Felsenhuhn Perdiz de Berbéria, das Berberperlhuhn, genannt. Ihre ursprüngliche Heimat ist das Randgebiet der Sahara, der Nordwesten von Ägypten, Marokko und Gibraltar. Auf vier der Kanarischen Inseln – Fuerteventura, Lanzarote, Teneriffa und Gomera – wurden sie vermutlich von Menschen eingeführt und heimisch gemacht um sie anschließend jagen zu können.

steinhuhn_artlandya5aaDie Vögel werden ungefähr dreißig Zentimeter groß und sind als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen unterwegs. Am liebsten leben sie in steinigen oder felsigen Gegenden mit vielen Büschen. Man findet sie aber auch in Wäldern oder entlang der Küste. Felsenhühner halten sich hauptsächlich am Boden auf und sind deshalb auf Büsche, Sträucher oder Grasbüschel als Schutz angewiesen.

Während des Tages verhalten sie sich eher ruhig und unauffällig, munter und aktiv werden sie erst bei Sonnenuntergang. Deshalb bemerkt man fast nicht und ich habe mich schon einige Male ziemlich erschrocken, wenn sie mit extrem harten Flügelschlag und ihrem durchdringenden, schrillen Gekreische die Flucht ergreifen.

04_04_16-079Männchen und Weibchen des Felsenhuhns sind gleich gefärbt, doch die Männchen sind etwas grösser als die Weibchen. In der Brutzeit legt das Weibchen zwischen acht und vierzehn Eier in eine Mulde und nach ungefähr fünfundzwanzig Tagen schlüpfen die Kücken. Da das Weibchen mit dem Brüten erst beginnt, wenn das Gelege vollständig ist, schlüpfen alle Küken gleichzeitig. Als typische Nestflüchter können sie sich vom ersten Tag an selbständig versorgen und mit zehn bis zwölf Tagen erheben sie sich in die Lüfte. Sie sind flugfähig. Ganz am Anfang werden sie noch vom Weibchen begleitet, aber schon bald gehen sie ihre eigenen Wege.

steinhuhn_artlandya1a

zwei der Teenager auf dem Dachfirst des Fincahauses

Die so auffallend gezeichneten Vögel ernähren sich von jungen Blättern, Keimlingen, Früchten und Samenkörnern, wie Weizen und Mais. Aber auch Insekten verschmähen sie nicht. Im Frühling und im Sommer machen sie heißhungrig Jagd auf kleine Tierchen aller Art. Auf ihrem abwechslungsreichen Speisezettel stehen dann Schnecken, Raupen, Ameisen, Spinnen und Grashüpfer.

Die flauschigen Küken sind leider eine begehrte Jagdbeute für viele fleischfressende Reptilien, Vögel und Säugetiere. Auf Teneriffa sind wahrscheinlich die Ratten die größte Bedrohung für sie. Warum? Weil die Lebensräume im ländlichen Gebiet voll sind mit von Ratten bevölkerten Mauern, Höfen, Gebäuden, Lagerhäusern, Abflüssen und Abwasserkanälen. Die Ratten plündern die Nester der Felshühner, jagen die Küken aber auch ausgewachsene Vögel. Den Rest erledigen als Draufgabe gerne freilaufende und verwilderte Katzen.

steinhuhn_artlandya5bAls auf Teneriffa noch auf großen Flächen Pflanzen wie Getreide und Hülsenfrüchte angebaut wurden, gab es die Vögel in großen Mengen. Heute ist das leider nicht mehr so, die Zeiten haben sich eben überall geändert. Seit auf der Insel die Städte immer größer und die bewirtschafteten Flächen immer kleiner wurden, ist die Population der Felshühner enorm geschrumpft. Sie sind zwar Zugvögel, doch auf der Insel soll es eine kleine, ortsgebundene Truppe geben. 1f607 Nennt man die dann Einwanderer oder Vögel mit Migrationshintergrund? Ich werde mich demnächst darüber schlau machen.

Am Ende der Geschichte habe ich noch Zitat aus dem Buch „Die Bedeutung historischer Vogelnamen – Nichtsingvögel“ von Peter Bertau:

„Mit diesem wohlschmeckenden Wildpret sind vier der Kanarischen Inseln vom Meeresstrande und den heißesten Thälern an bis ins tiefste Hochgebirge reich gesegnet: keine aber als Gomera, wo die Hühner nach dem Ausdrucke der Landleute, zu einer Plage, freilich zu einer nicht allzu schwer ertragenden, geworden sind und das Stück gewöhnlich mit sechs spanischen Kupferdreiern verkauft wird. In Canaria gibt es ihrer hinlänglich … die meisten aber erzeugt im Inneren der Insel, wo man, hinter einer Steinmauer verborgen, in den Tennen so viel dieser herrlichen Hühner schießen kann, als Einem nur immer gelüstet.“ 1f60a Klingt nach Schlaraffenland, oder?

P.S.: Auf Teneriffa hat sich eine Gruppe von Jägern und Naturliebhabern gebildet, die wissenschaftlich an der gewünschten Erhaltung, Verbesserung und Nutzung der Spezie arbeiten. Zur Zeit wird ein Projekt zur Beringung der Felsenhüner  durchgeführt, um ihre Bewegungen, Lebensdauer, Sterblichkeit, Dichte und Lebensraumnutzung zu erforschen. Vielleicht kann der Vogel ja noch gerettet werden, bei uns auf der Finca fühlen sie sich auf alle Fälle pudelwohl … kuss (2)

Advertisements

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
Dieser Beitrag wurde unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Blumen und Pflanzen, Fincaalltag, Landschaft, Tagebuch, Teneriffa, Tiere abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s