Palmsonntag oder der Esel und die Uhr

Heute ist Sonntag, kein normaler Sonntag sondern einer, der mit einigen  ganz speziellen Besonderheiten punkten könnte kann. Zeiträuber und Esel passen nämlich so gut wie gar nicht zusammen, oder?. Erst wird uns in der Nacht eine Stunde geklaut und dann soll man in der Früh auch noch pünktlich aus den Federn kommen. Ihr wisst nicht, wovon ich hier rede schreibe? Kennt denn niemand mehr den Palmesel?

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das ist zwar kein Palmelsel – aber er könnte einer sein …

„Du bist der Palmesel.“ Den ehrenvollen Titel bekommt derjenige verliehen, der als letztes Mitglied der Familie aus den Federn kriecht. 1f607 Ich fand das als Kind gar nicht witzig, wenn ich wieder einmal mit diesem Satz zum Frühstück begrüßt worden bin. Aber was soll’s, der Sonntag war eben der einzige Tag, wo ich noch länger im Bett kuscheln konnte und der Palmsonntag war mir da ziemlich egal. Doch am Palmsonntag ist war eben alles anders, denn am Vormittag wurden in der Kirche die Palmbuschen geweiht.

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Unsere Palmbesen wurden aus Palmkätzchen, also Weidenkätzchen und grünen Zweigen rund um einen hölzernen Stab gebunden und mit bunten Schleifen verziert. Am wichtigsten für uns Kinder waren natürlich die kleinen Salzbrezel, die mit Zwirnfaden an die Zweige gehängt wurden. Ich glaube, es waren auch noch bunte, ausgeblasene Eier und Milkanaps dabei, aber da bin ich mir nicht mehr ganz sicher. 1f60a Nach der Prozession wurden die Palmbuschen dann in eine Ecke des Gemüsegartens gesteckt. Das sollte Glück und eine gute Ernte bringen und die Bauern haben sie bestimmt irgendwo an den Feldrand gesteckt. Heute wird man das wahrscheinlich nicht mehr so oft finden, denn kleine Landwirtschaften gibt es ja so gut wie gar nicht mehr und in die Welt von Masse und Gewinnoptimierung passt so ein niedlicher Palmbuschen nicht wirklich,

So ändern sich eben die Zeiten und das ist schon immer so gewesen. Ursprünglich ging es ja am Sonntag vor Ostern auch nicht um Kirche und gute Ernten sondern um den Einzug von Jesus in Jerusalem. Damals wurden die Palmen als heilige Bäume verehrt und als Jesus auf seinem Esel in die Stadt ritt, streute ihm das Volk als Zeichen seines Königtums jubelnd Palmzweige auf den Weg. Viel Glück hat es ihm nicht gebracht, denn heute wissen wir, wie die Geschichte geendet hat

Jahrhundertelang haben dann Dorfpfarrer auf Eseln die Palmprozessionen angeführt. Weil aber Esel von Natur aus manchmal störrisch sind, kamen die Prozessionen immer wieder zum Stehen und das wurde den Teilnehmern irgendwann zu blöd. Lebendige Tiere und ihre stolzen Reiter wurden kurzerhand ersetzt. Seitdem sitzt eine hölzerne Christusfigur auf einem Esel aus Holz und wird von ein paar starken Männern durch die Gegend getragen. Das  hat der Esel eigentlich ganz gut gemacht, oder? lachen So dumm wie alle glauben, ist der störrische Vierbeiner bestimmt nicht!

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Heute beginnt in Spanien die Heilige Woche, Semana Santa. So wird hier die Karwoche genannt. Sie startet am Palmsonntag, Domingo de Ramos, und endet am Ostersonntag, el Domingo de Pascua. La rama heißt übrigens Zweig und überall auf der Welt wurden heute Zweige geweiht, die für das restliche Jahr Schutz bringen sollen. Hier auf den Kanarischen Inseln werden statt Zweigen auch sehr oft Palmblätter verwendet.

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damit es auch in der Wohnung ein bisschen österlich wird …

So, für heute mache ich einmal Schluss, am letzten Sonntag im Oktober, also dieses Jahr am 28. 10. bekommen wir die gestohlene Stunde ja wieder großzügig zurück geschenkt. So ein Sonntag im Herbst, der dann fünfundzwanzig Stunden dauert, ist doch auch eine tolle Erfindung! lachen Ich freue mich jetzt schon drauf! Und da kommt der Esel noch einmal ins Spiel, denn als Eselsbrücke werde ich mir diese zwei Sprüche merken – falls ich sie bis Ende Oktober nicht vergesse. Zum Sommer dreh die Uhr nach vorn, der Schlaf geht dir dabei verlorn – zum Winter dreh die Uhr zurück, das ist des Schlafes größtes Glück. Also dann – genießt den Sonntag – auch wenn er heute ein Mogelpaket ist! kuss (2)

 

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2 Antworten zu Palmsonntag oder der Esel und die Uhr

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