Garachico und San Roque

Wer ist eigentlich dieser San Roque? Im richtigen Leben hieß der Heilige, der lange gar kein Heiliger war, Rochus von Montpellier. In einigen Ländern wird er zu den vierzehn Nothelfern gezählt und als Schutzpatron ist er nicht nur für Pestkranke, Siechenhäuser und kranke Haustiere zuständig sondern ebenfalls noch für Häftlinge, Ärzte, vor allem für Chirurgen, Apotheker, Bauern, Gärtner, Schreiner, Pflasterer, Bürstenbinder, Totengräber und Kunsthändler. Der gute Mann hat also allerhand zu tun.

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Aber warum feiert man diesen Mann in der kleinen Stadt auf Teneriffa? Haben San Roque und El Roque, der Felsen vor der Küste von Garachico etwas gemeinsam?

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Vor langer, langer Zeit, also ungefähr im 16. Und 17. Jahrhundert hatte Garachico den wichtigsten Hafen von Teneriffa. Zuckerrohr und später der Wein waren die Zutaten für den Wohlstand der Stadt. Vornehme Familien, Händler und Handwerker bevölkerten die Gegend und so entstanden bis zum Ende des 17. Jahrhunderts prächtige Herrenhäuser, Kirchen, gleich fünf Klöster, ein Krankenhaus und eine Festung.

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Der Handel florierte, aber er hatte auch unschöne Seiten, er brachte den schwarzen Tod auf die Insel. Von 1601 bis 1606 wütete hier eine Pestepidemie, die durch den Handel im Hafen eingeschleppt wurde und sich dann auf viele umliegende Gemeinde ausgebreitet hatte. Und was machen Menschen, wenn es ihnen so richtig dreckig schlecht geht? Sie rufen um Hilfe. In diesem Fall war „San Roque“ zuständig und als Dankeschön für seine Hilfe bekam er später eine kleine Kapelle am Rande der Stadt.

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Ganze fünf Jahre lang hatte die Beulenpest Garachico in Schach gehalten und als die schlimmsten Jahre vorüber waren, bauten die dankbaren Einwohner zu Beginn des 17. Jahrhunderts   am östlichen Ortseingang eine kleine Kapelle, und einmal im Jahr wird ihm zu Ehren gefeiert.

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An die Pest denkt schon lange keiner mehr, trotzdem ist die kleine Kapelle am Ortsrand jedes Jahr am 16. August das Ziel einer sehenswerten Prozession mit toll geschmückten Ochsenkarren. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht an diesem Tag zwar auch heute noch der hölzerne San Roque, gefeiert wird aber mit allen irdischen Vergnügen. Es wird gegessen, getrunken, gesungen und getanzt – bis in die frühen Morgenstunden. ¡Viva San Roquito!

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Jetzt habe ich euch die Geschichte der Hauptfigur noch immer nicht erzählt. Also dann, es ist zwar kein Tatsachenbericht sondern eher eine Legende, aber irgendein wahrer Kern ist mit Sicherheit darin versteckt.

Rochus von Montpellier wurde 1295 als Sohn reicher Eltern in Montpellier geboren. Nachdem er als Zwanzigjähriger seine Eltern verloren hatte, verschenkte er sein ganzes Vermögen und trat in eine Orden des heiligen Franz von Assisi ein. Er beschloss, nach Rom zu pilgern auch wenn zu dieser Zeit viele Menschen von der Pest befallen waren. Auf diese Weg soll er viele Kranke nur mit dem Kreuzzeichen geheilt haben doch auf seiner Rückreise von Rom erkrankte er selbst an der Pest. Doch ihm half niemand, im Gegenteil als kranker Pilger wurde er aus der Stadt Piacenza gejagt. Er verkroch sich in einer Hütte um zu sterben. Aber seine Stunde war noch nicht gekommen, Gott schickte ihm einen Hund, der ihm täglich Brot brachte, seine Wunden leckte und dessen Herr ihn schließlich gesund pflegen ließ.

Als er wieder gesund war, kehrte Rochus in seine Heimat zurück. Unterwegs wurde er in den Krieg zwischen dem Herzog von Mailand und der päpstlichen Liga verwickelt und als er nach vielen Jahren wieder nach Hause kam, war er durch die Pest so verunstaltet, dass ihn dort niemand mehr erkannte. Er wurde als Spion ins Gefängnis geworfen. Rochus aber dankte Gott für diese Prüfung und verbrachte geduldig fünf Jahre im Gefängnis – bis er am 16. August 1327 starb.

Erst nach seinem Tod erkannte man seine wahre Identität anhand eines kreuzförmigen Mals. Die sterblichen Überreste von Rochus wurden 1415 zum Teil nach Venedig gebracht, für ihn wurde dort 1485 die Kirche San Rocco erbaut und 1478 wurde auch diese Lebensgeschichte in Venedig verfasst.

Hier noch ein Auszug aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon:

„Von Venedig aus verbreitete sich die Verehrung rasch, Rochus wurde einer der volkstümlichsten Heiligen, oft als Nothelfer angerufen, obwohl er nicht zu den klassischen 14 Nothelfern gehört. Spitäler für Pestkranke wurden nach ihm Rochus-Hospital genannt. Allein in Italien sind ihm 3000 Kirchen geweiht, 74 Orte und 36 Stadtteile größere Städte tragen dort seinen Namen. Insbesondere die Franziskaner förderten seine Verehrung. In Ruffano bei Lecce in Apulien wird für ihn jährlich ein großes Patronatsfest gefeiert, denn hier wird erzählt, er sei dort begraben.

In Südfrankreich und Nordspanien werden bis heute an Häusern die Buchstaben VSR, Vive Saint Roche, es lebe der Heilige Rochus, angebracht. In Deutschland gibt es aufgrund eines Gelübdes seit dem Pestjahr 1666 die – auch von Johann Wolfgang von Goethe geschilderte – Wallfahrt auf den Rochus-Berg bei Bingen, Europas größte zu seinen Ehren; dort wurde 1754 die Rochus-Bruderschaft gegründet, 1814 die Kapelle erneuert.“

•*¨*•❥ Romeria de San Roque

 

 

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