Cascada de Lomo Morín

Ist euch dieser weiße Fleck in der Landschaft bei Los Silos schon einmal aufgefallen?

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Mein erster Gedanke war: „wer betoniert denn da mitten im Grünen eine Piste?, Wofür soll denn das gut sein?“ Keine Ahnung warum mir das durch den Kopf geschossen ist, aber ist da wirklich ein Wagen mit Fertigbeton am Werk gewesen?

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Diesen weißen Fleck in der Landschaft wollte ich von der Nähe sehen und deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht. Zuerst einmal Richtung Los Silos und dann geht es in die Höhe. Unser Ziel ist la Tierra del Trigo, ein kleiner Ort, der noch zu Los Silos gehört. Unser Auto haben wir auf einem Schotterplatz neben der kleinen Ermita de Nuestra Señora de Lourdes erfolgreich abgestellt, aber wohin jetzt?

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Viel gibt es hier nicht zu sehen. Eine Kapelle, eine Bühne für Fiestas, eine kleine Schule und eine große Karosseriewerkstatt. Gegenüber der Plaza steht zwar ein Wegweiser, aber dieser Weg führt zu den Cuevas Negras, und dort wollen nicht hin. Unser Ziel ist ein Wasserfall, la Cascada de Lomo Morín.

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Am Ende der Plaza ist auch mehr oder weniger Schluss mit der Besiedlung, rechts sehen wir eine Sackgasse, also spazieren wir links zwischen den Häusern durch und ein alter Mann, der am Rande eines Weingartens in der Sonne sitzt, erklärt uns dann, erfreut über eine kleine Abwechslung, den Weg.

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Eigentlich sieht es eher wie der Zugang zu seinem Haus aus, aber hinter der Hausecke beginnt wirklich der Weg, den wir suchen.

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Zuerst gehen wir auf einem schmalen Steig am Rande von kleinen Feldern, vorbei an Obstbäumen und uralten Weinstöcken. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, ein paar Vögel zwitschern, einige Eidechsen huschen über den Weg aber sonst ist es still. Nicht einmal der Wind raschelt mit den Blättern.

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Es dauert nicht lange und wir stoßen auf einen zweiten Weg. Nachdem uns der alte Mann als Anhaltspunkt ein Haus gezeigt hat, biegen wir nach links ab und nach einigen Minuten hören wir Wasser rauschen. Ab jetzt begleitet uns das lustige Glucksen und Plätschern von Wasser. Der Wasserkanal führt uns wie ein roter Faden zu unserem Ziel.

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An einigen Stellen fließt Wasser auf die Erde, dann wird es ziemlich glitschig auf den Steinen aber im Grunde genommen ist es ein wundervoller, gemütlicher Spaziergang.  Der schmale Weg führt entlang des Kanals bis zum Lomo Morín.

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Aber warum fließt hier so viel Wasser einfach in einem offenen Kanal durch die Gegend. Geht das ganze Wasser einfach verloren? Nur damit es hier einen Wasserfall gibt, der das ganze Jahr über in die Tiefe fällt? Das ist doch eine reine Verschwendung, oder doch nicht? Es ist keine Verschwendung und alles hat seinen Sinn und Zweck, dahinter steckt ein ausgeklügeltes System und dafür gibt es auch einen natürlichen Grund und eine ganz einfache Erklärung. Aber dazu ein bisschen später …

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Der Kanal führt uns ein allerletztes Mal um eine Kurve und knapp danach lösen sich der Weg und auch der Kanal in Luft auf. Ja, der Kanal endet und das Wasser rinnt bergab und bildet weiter unten einen beeindruckenden Wasserfall.

Den großen Wasserfall kann man von hier oben natürlich nicht sehen, aber von diesem herrlichen Aussichtspunkt über den Felsen haben wir einen traumhaften Panoramablick auf die Isla Baja. Einfach wunderschön!

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Die Aussicht an dieser Stelle ist einfach unglaublich, Los Silos aber auch Buenavista del Norte liegen wie Spielzeugdörfer zu unseren Füssen, wir sehen den neuen Leuchtturm von Buenavista an der Küste, sogar die Kirche und das Kloster von Los Silos können wir erkennen. Von hier sieht man auch den Vulkankegel Taco und wie riesig dieses Becken ist – und wir selbst stehen in einer ganz ungewöhnlichen unglaublichen Landschaft.

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Und dann liegt da noch dieses große, strahlend weißes Steinfeld vor uns. Auf dem Foto könnte man es fast mit Schnee verwechseln, oder? Aber die weiße Fläche ist kein Schnee, genauso wenig, wie es sich hier um einen normalen Wasserfall handelt.

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Als wir vorsichtig nach unten klettern, tut sich eine ganz andere Welt vor unseren Augen auf. Auf der einen Seite plätschern kleine und größere Rinnsale über die dick bemoosten Steine in die unbekannte Tiefe aber was ist da auf der anderen Seite?

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La Cascada de Lomo Morín von Tierra del Trigo, ist mit Sicherheit eine der kuriosen Ecken dieser Insel und die Bestandteile dieser Geschichte sind ein Vulkan, Wasser und viele andere Elemente Minerale, die die Natur großzügig verteilt hat.

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Dieses Wasser kommt aus einer nahe gelegenen Galerie, la Galería del Cubo, wird durch den Wasserkanal hier her geleitetet, rinnt über die Steine und fällt anschließend als Wasserfall nach unten, wo es wieder gesammelt wird und genutzt werden kann. Aber warum und wozu dieser ganze Aufwand?

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Auf Teneriffa existiert kaum Grundwasser und es gibt auch keine natürlichen Seen, deshalb wurde auf der Insel an Stellen, an denen man Wasser vermutet hat, einfach gegraben. Es wurden sogenannte Galerias in den Berg getrieben und mit viel Glück ist man auch auf Wasser gestoßen. Das Geschäft mit dem Wasser könnte man auch mit einem Lotteriespiel vergleichen – ist der neue Stollen ein Hauptgewinn oder eine Niete? Auf Teneriffa wurden ungefähr neunhundert Galerien gebaut, davon wurde ungefähr ein Drittel wieder aufgegeben weil nie Wasser gefunden wurde. Diese Stollen gehören allerdings nicht dem Staat sondern Aktionären, die den laufenden Betrieb finanzieren und in Schuss halten müssen. Aber die auch, wie weltweit üblich, mit diesen Aktien spekulieren.

Aber das ist im Moment nicht das Thema. In dieser Wassergalerie bei Tierra del Trigo ist man auf extrem kalkhaltiges Wasser gestoßen und irgendwie muss dieser nicht erwünschte Bestandteil aus dem Wasser raus, denn so ist dieses Wasser weder zum Trinken noch für die Bewässerung geeignet.

Um das Wasser zu demineralisieren nutzt  man auf Teneriffa die Luft und Steine. Schon in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde dokumentiert, dass Wasser durch „Ecken und Kanten der Steine gebrochen“ worden ist. Dafür lässt man das Wasser über offene Kanäle und über Steine laufen und die nicht brauchbaren Minerale, und vor allem der Kalk, trennen sich vom Wasser.

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Fortschritt und Neuentdeckungen sind ja meistens sehr hilfreich und gut, aber als die Kanäle zum Großteil durch Metallrohre und dann immer häufiger durch PVC-Kanäle ersetzt wurden, verschlechterte sich die Qualität des Wassers vor allem im Süden der Insel. Außerdem verstopften die Ablagerungen die Rohre im Rekordtempo und anstatt sie zu reinigen wurde kurzerhand ein paralleles Rohr installiert. Es gibt Fälle, da laufen sogar fünf Rohre nebeneinander und nur eines davon ist voll Wasser. Die anderen werden, oder besser gesagt können gar nicht mehr benutzt werden.

Este cauce ha sido formado por la decantación del agua del canal de La Tierra del Trigo, montaña abajo, para eliminar la cal. In Tierra del Trigo ging man einen anderen Weg. Es wurde beschlossen, die PVC-Kanäle wieder zu beseitigen und zum offenen, mit Zementmörtel gebauten, Kanal zurück zukehren. Das erleichtert die Arbeit, denn so ist es viel einfacher die Sedimentation Ablagerung von Mineralien an den Wänden des Kanals zu entfernen.

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Am Lomo Morín wird die Oberfläche für die Verdunstung des Wasser nicht nur noch weiter vergrößert, durch den Felsen kann sich das Wasser auch erwärmen und den Rest erledigen Moose, Algen und Bakterien. Der Kalk löst sich, die feinen, glitzernden Kristalle legen sich über die Steine. Mich erinnert diese Landschaft mit den skurril geformten Steinen sofort an eine Tropfsteinhöhle, doch hier sind es eben Tropfsteine ohne Höhle.

Die traditionellen gemauerten Kanäle, die auf der ganzen Insel überleben, werden in der Regel von Zeit zu Zeit gereinigt, und die Überreste bleiben meistens in unmittelbarer Nähe in der Landschaft liegen. Bei Luftaufnahmen der Insel kann man diese gewaltigen Ablagerungen sogar erkennen. Es sind Tonnen von einem Material, das man eigentlich verwerten könnte. Klingt dumm? Ist es aber nicht, denn es hat sogar schon einmal eine Ausstellung mit Objekten, die aus diesen Steinen geschaffen wurden gegeben.

Künstler schätzen die Schönheit der Materialien. Die Steine werden geschnitten, poliert und modelliert. So entstehen daraus Kunstwerke, die glatt, rau, glänzend oder poliert ihre ganz neue Geschichte des Wassers auf Teneriffa erzählen – und es gäbe sicher noch andere Möglichkeiten, dieses „Abfallmaterial“ zu verwenden …

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Über ARTlandya - der Blog

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5 Antworten zu Cascada de Lomo Morín

  1. Hallo Inge
    In meinem Bericht ist jetzt auch ein Link zu deinem. Schön, dass du das mit den Kunstartikeln noch reingenommen hast.
    Ich habe auch eine kleine Rundwanderung beschrieben. Und in einem Video sieht man, wie es unterhalb des Wasserfalls weitergeht.
    Liebe Grüsse, Gerardo

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Immer dem Wasser nach | Mein Teneriffa - Mi Tenerife

  3. bearebell schreibt:

    Hallo Inge
    Sorry fürs rebloggen bin noch Anfänger. Habe natürlich auf meinem Blog euch beim Beitrag über Icod verlinkt. Beste Grüße Peter

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