Fiesta de los Finaos, das Fest der Toten

Der All Hallows‘ Eve sprich Allerheiligenabend, ist der Abend vor Allerheiligen und wurde in alten Zeiten nur in Irland gefeiert. Ursprünglich war es ein Fest der keltischen Druiden. Die Kelten glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen in dieser Nacht als Geister auf die Erde zurückkommen würden, um in ihre Häuser zurückzukehren.

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Halloween – die einen lieben diesen Tag, die anderen können gar nichts damit anfangen und schimpfen darüber, aber warum eigentlich? Schon lange bevor Halloween die Welt zurückeroberte, existierten in allen Ländern dieser Erde unzählige Bräuche in der Nacht zum 1. und 2. November.

¿Canarión conoces nuestras tradiciones? Sagt euch Fiesta de los Finaos o Finados etwas? Wahrscheinlich genauso wenig, wie es mir gesagt hat. 1f607 Dabei handelt es sich um eine uralte Tradition auf allen Kanarischen Inseln. In vielen Teilen der Inseln wird zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November das Leben und der Tod gefeiert. Finaos, was soviel wie difunto, auf deutsch verstorben, bedeutet, gibt dem Fest den Namen. Ursprünglich wurde in der Nacht vor dem Totentag, oder Allerseelen wie wir sagen, Día de Difuntos also dem 2. November gefeiert, mittlerweile hat es sich auf den Vorabend von Allerheiligen, Dia de Santos verschoben.

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Halloween in Puerto de la Cruz

Die Zeiten ändern sich und in den letzten Jahren wurden viele alte Traditionen, die fast verloren gegangen sind, von Vereinen aus den Schubladen gekramt und wieder zum Leben erweckt. Halloween als Feier gab es in Spanien nicht, auch wenn heute in den meisten Städten Partys veranstaltet werden. Liebhaber der Horrorverkleidung wollen eben auch auf ihre Kosten kommen und wenn fast die ganze Welt verrückt spielt, warum sollten die Spanier dann außen vor stehen?

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Wie in allen katholischen Ländern ist es zu Allerheiligen auch in Spanien üblich, auf den Friedhof zu gehen, die Gräber der Verstorbenen aufzuräumen und üppig mit Blumen und Kränzen zu schmücken. Lampen werden aufgestellt und Kerzen erhellen am Abend den dunklen Friedhof. So werden traditionell die Toten geehrt.

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Auf Teneriffa und in Südamerika nennen die Menschen diesen Tag auch Día de los Muertos, den Tag der Toten, wobei auf Mexikos Friedhöfen die Uhren noch einmal ganz anders ticken. Dort wird richtig gefeiert – und zwar am Friedhof, mitten unter den Verstorbenen und ihren Seelen. Den Tag der Toten begehen die Mexikaner als großes Volksfest, mit einem schönen Picknick am Familiengrab, Volksmusik, die neben der Friedhofskapelle gespielt wird und schaurig süßen Totenköpfen aus Zuckerguss, aber das ist eine andere Geschichte.

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Auf den Kanarischen Inseln wurden diese Tage mit verschiedenen Traditionen gefeiert, von denen viele schon fast vergessen waren, die an einem Ort existierten und an einem anderen Ort ganz anders gelebt wurden. Ich kenne nicht alle Bräuche, aber im Norden Teneriffas war es üblich, dass am Vorabend des Allerheiligentages Kinder durch die Orte gezogen sind …

Die Tage werden immer kürzer, der Herbst hat begonnen und der Winter ist nicht mehr weit. Die lange Dunkelheit verbindet sich fast wie von selbst mit der Welt der Toten. Doch auch wenn es so aussieht, der Tod muss nicht unweigerlich mit dem Tod Hand in Hand gehen. Wenn man sich an  die Toten erinnert, kann man auch das Leben feiern und Ängste werden durch erzählen von Geschichten und Anekdoten, mit Essen und Trinken einfach verjagt!

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Aber erst wurde der Jüngste des Hauses mit einem Korb los geschickt um im Ort von Haus zu Haus zu gehen. “¿Hay Santos?” oder “¿Pan por Dios?” Mit dieser Frage klopften die Kinder an Fenster und Türen. Darauf bekamen sie Mandeln Walnüsse, Feigen oder Kastanien und wenn der Korb gut gefüllt war, gingen sie nach Hause.

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Am späten Nachmittag versammelten sich die Familien um an die Toten zu denken. Es war auch üblich, für jeden der Toten der Familie den ganzen Tag Kerzen oder kleine Öllampen anzuzünden. Meistens erzählte dann die älteste Frau jeder Familie über die zuletzt Verstorbenen, hob natürlich ihre Tugenden hervor, erzählte Anekdoten und Geschichten über ihr Leben und es wurde gemeinsam gegessen. Es wurden Kastanien geröstet, dazu gab es Mandeln und andere Früchte. Aus passierten Feigen wurden kleine Teile geformt in denen man eine Mandel versteckte, es gab Käse, Fisch und Chochos. Für die kalte Jahreszeit durfte natürlich auch der Wein. Ron miel, der Honigrum und Anisschnaps nicht fehlen. Der Höhepunkt war el baile de los finaos, der Tanz der Verstorbenen Toten. Dazu gehörten die Ranchos de ánimas, eine Gruppe von Männern, die auf den Straßen mit Gitarren und Timples zum Tanz aufspielten. Freunde, Verwandte und Nachbarn versammelten sich auf dem Platz, um sich an die Verstorbenen zu erinnern, eine eigentümliche ganz besondere Nacht, la Noche de Finados, in der kein Platz für Traurigkeit war.

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San Juan de la Rambla

In sehr vielen Orten auf Teneriffa gewinnt die kanarische Tradition seit einigen Jahren wieder an Bedeutung. Ursprünglich war die Feier rein familiär, doch mittlerweile wird das Fest zu einem Volksfest, mit dem man ein ganzes Dorf sozusagen symbolisch um eine Gitarre, ein Glas Wein und geröstete Kastanien versammelt. Eigentlich ganz logisch, oder? Die Tage werden kürzer, die Dunkelheit immer länger – es muss gefeiert werden!

Wir leben heute zum Glück in einer globalisierten Welt und da sollten alle Traditionen friedlich nebeneinander Platz haben, die einen feiern eben Halloween und andere das Fest der Toten. Heute ist keine Nacht des Schreckens oder der Traurigkeit, es ist eine Nacht, in der man reden, debattieren, sich unterhalten, singen und tanzen kann. Sich mit einem Lächeln an die Verstorbenen erinnert und Geschichten erzählt, die uns an sie erinnern.

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  • Allerheiligen nicht immer todernst – dabei sollte am Allerheiligentag eigentlich ein lustiges Fest gefeiert werden, ein Fest für die Lebenden, doch das macht niemand. Zumindest nicht in unserem Kulturkreis, dafür aber in Mexico.
  • Und dann fällt mir noch etwas Außergewöhnliches zu Friedhöfen ein. In Tirol, in Kramsach, findet man ein einzigartiges Überbleibsel aus alten Zeiten, einen ziemlich lustigen Friedhof.
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2 Antworten zu Fiesta de los Finaos, das Fest der Toten

  1. Claudia Hocke-Wulfhorst schreibt:

    Guten Abend Ingrid ! Du haßt wieder eine schöne Geschichte geschrieben. Ich wußte nicht das in Teneriffa Halloween gefeiert wird , und ist denn dort ein Feiertag ? Ganz liebe Grüße von uns

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