La Vega – von oben nach unten

Nachdem mein freier Tag heute irgendwie ins Wasser gefallen ist, erzähle ich euch unsere Fincageschichte weiter. Ich habe es ja versprochen, aber unter der Woche habe ich es leider nie geschafft und so trifft der Spruch „kein Nachteil ohne Vorteil“ heute den Nagel auf den Kopf!

Als wir vor vielen, vielen Jahren die erste Puppenausstellung in Icod de los Vinos aufgebaut haben, wurde uns von unserer Maklerin ein Wohnhaus vermittelt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir ihr das erste Mal mit dem Auto dort hin nachgefahren sind. Das Auto vor uns fuhr zügig durch die Innenstadt von Icod de los Vinos und ab da ging es bergab bergauf. Ein Kilometer und noch einer – und immer weiter nach oben. Eine Viertelstunde später waren wir am Ziel. Wo waren wir hier nur gelandet?

Ein Haus mit einem kleinen Vorgarten mitten in einer Verkehrsinsel. Das sollte also unser neues Domizil werden. Kennt ihr die Situation wo einem im Nachhinein so mancher Satz einfällt, aber in dem Moment, in dem man ihn sagen sollte, fällt einem nichts ein? Man ist sozusagen sprachlos. Genauso ist es uns gegangen und wir konnten auch in diesem Moment nicht wirklich etwas ändern, denn ein paar Tage später kam unsere Tochter mit Lebensgefährten und Hund auf die Insel. Aus dem Hut konnten wir so schnell keine andere Unterkunft denn als Draufgabe stand ja auch noch Weihnachten vor der Türe. Also dann – Augen zu und durch!

In den nächsten Tagen wurde erst einmal die wunderschöne Einrichtung entrümpelt, aufgeräumt und zumindest eine halbwegs wohnliche Atmosphäre geschaffen. Ein Problem war die Heizung. Gas ist leider eine ganz schlechte Lösung, denn beim Heizen mit Gas wird nebenbei Wasserdampf frei und damit wanderte der Gasofen gleich wieder in die Ferreteria zurück und gegen einen Schwedenofen ausgetauscht. Wenigstens dieses Problem konnten wir abhaken. Die Küche war der einzige Raum, der frisch renoviert worden war und nachdem wir noch einen Kühlschrank gekauft hatten, konnten wir mit dem Wohnen beginnen.

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ hat Reinhard Mey so schön gesungen, aber wenn man ab zwölf Uhr Mittag in den Wolken sitzt, ist die Welt nicht mehr so rosig sondern kalt und feucht. Da wird das Wäsche trocknen zur Meisterleistung Gretchenfrage! Um die Geschichte abzukürzen – diese Unterkunft hatte ein kurzes Ablaufdatum.

Auf unserer Finca konnten wir ja noch nichts bauen, aber außer den Ruinen stand dort auch noch ein kleiner Rohbau. Das Bauwerk sah zwar auf den ersten – und auch auf den zweiten – Blick nicht sehr einladend aus, aber was sprach dagegen, dort zu wohnen? Im Innenraum stand im oberen Teil eine verrostete Weinpresse, dann kam eine Mauer mit zwei Abflussrohren und eine kurze Betonbrücke, die über zwei Tanks führte. Außerdem waren da drei Fensteröffnungen ohne Fenster und eine Türe aus morschen Brettern. Wasser und Strom waren vorhanden und den Rest erledigen wir im Handumdrehen, oder?

Fotos vom Urzustand kann ich euch leider nicht zeigen, aber wenn ihr ein bisschen Fantasie habt, könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen, wie es ausgesehen haben könnte. Auf dieser ehemaligen Weinfinca war tatsächlich jeder einzelne Raum ein kleines Schatzkästchen für sich. Nach der Entrümpelung sah aber alles nicht mehr so schlimm aus, oder?

Also dann – ran an die Arbeit. Gesagt, getan, es wäre doch gelacht, wenn wir nicht innerhalb von ein paar Wochen hier wohnen könnten. Es ging ja nicht um eine dauerhafte neue Wohnung fürs ganze Jahr, wir sind damals ja noch zwischen Österreich und Teneriffa hin un her geflogen. Das Puppenmuseum in Villach war fast das ganze Jahr über geöffnet und auf Teneriffa lief ja nur die Ausstellung in Icod de los Vinos. Der Mietvertrag für das Haus in La Vega wurde kurzerhand gekündigt, für den nächsten Aufenthalt in ein paar Monaten hatten wir andere Pläne. Bis zur Abreise hatten noch vier Wochen Zeit und bis dahin mussten die wenigen privaten Besitztümer, die wir auf der Insel hatten, ins neue zu Hause.

Nachdem wir in der kurzen Zeit keine Firma fanden, die uns die Decke in der ehemaligen Bodega verputzen wollte, griffen wir selber zu Säge und Hobel. Die Tanks wurden kurzerhand abgedeckt und endgültig in die Versenkung geschickt, die Wände gesäubert und verputzt und die Decke mit Holz verkleidet.

Ihr werdet es nicht glauben, aber wir haben es geschafft! Am Tag vor der Abreise konnte sich unser Appartement durchaus sehen lassen. Es war noch nicht perfekt, aber es war alles da, was wir wollten. Ein bequemes Bett, eine Küchenzeile, ein Schreibtisch und eine Kleiderstange, Dusche und WC. Strom und warmes Wasser, Telefon und sogar Internet haben auch funktioniert.

Aber jetzt wurden die Fensterläden einmal für drei Monate geschlossen und die Türe abgesperrt. Für uns ging es wieder nach Österreich, doch im Herbst konnten wir von diesem Stützpunkt aus gut durch starten. Dann sollten wir endlich weiter machen können, denn bis dann sollte die Baugenehmigung auf dem Tisch liegen.

Ganz so ist es nicht gekommen, aber immerhin konnten wir mit den Vorarbeiten und im darauf folgenden Frühjahr mit der Renovierung des alten Hauses der Finca beginnen. Die ausgebaute Bodega sollte aber länger unser zuhause bleiben, als wir uns in den kühnsten Träumen hätten vorstellen können! Aber das ist eine andere Geschichte …

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Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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6 Antworten zu La Vega – von oben nach unten

  1. Susanne Henke schreibt:

    wow – impresionante – und so schnuckelig – wäre doch eine Schande, dort schnell wieder auszuziehen 😉

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  2. athenmosaik schreibt:

    Unglaublich, wieviel Arbeit! Hut ab! Und ich bin auf die Fortsetzung gespannt, oder die erwähnte andere Geschichte…

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  3. Claudia HockeWulfhorst schreibt:

    Por Ingrid , die Bilder sind ja was einmaliges , und was Ihr am schaffen ward , ich weiß das ich es mit Wolfgang niemals so geschafft hätte . Ich habe eben die ganze Seite gelesen und es ist irgendwie wie im Märchen lesend . WUNDERBAR 😀. GLG an Euch

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