ein sparsamer Sonntag…

Der letzte Sonntag im September wird uns mit Sicherheit in Erinnerung bleiben. Ein besonderer Grund ist für mich natürlich das Datum, denn am 29. 9. haben wir geheiratet. Der zweite Grund ist ein Stromausfall, der stundenlang das Leben auf der Insel lahm gelegt hat. „Stell dir vor, es geht das Licht aus, pass nur auf, gleich kann es gescheh’n – Finster, finster gar nichts kann man seh’n. Finster, finster oh, wie war das schön!“

Bis Sonntagmittag war es ein Tag wie jeder andere, doch um ein Uhr Mittag wurde es mit einem Schlag still. Strom weg, Licht weg, Musik aus… Radio, Kühlschrank und Waschmaschine verweigern den Dienst – ein Stromausfall legt das geschäftige Leben von einer Sekunde auf die andere lahm. Der erste Gedanke? Naja so lange wird es wahrscheinlich nicht dauern und unsere Besucher haben sich dazu entschieden, einstweilen einen Kaffee zu trinken. Kaffeemaschine funktioniert natürlich auch nicht, aber zum Glück gibt es ja Nescafé und unser Herd arbeitet mit Gas. Heißes Wasser und Milch kocht auch im Topf. Das Problem hätten wir also erst einmal gelöst. Nach einem Anruf bei Bekannten im Süden der Insel war aber bald klar, dass der Strom nicht so schnell wieder fließen würde.

„Neuneinviertelstunden lang blieb Teneriffa nahezu komplett dunkel, nachdem am Sonntag um 13.10 Uhr eine Explosion im Umspannwerk von Granadilla de Abona für eine Kettenreaktion in der Stromversorgung Teneriffas und damit für einen inselweiten Blackout gesorgt hatte. Computer quittierten ihren Dienst, die Straßenbahnen und Ampeln blieben dunkel und stehen, Restaurants mussten schließen. Wegen des Stromausfalls mussten mehr als 70 Menschen aus Fahrstühlen befreit werden.“ konnte man am nächsten Tag lesen.

Unsere Besucher von ARTlandya nahmen es von der lockeren Seite und haben sich die Ausstellung mit ihren Lampen der Handys und einer Taschenlampe in aller Ruhe angesehen. Für die Demonstration der Puppenherstellung wurden die nötigen Porzellanteile und Werkzeuge von allen gemeinsam auf die Terrasse getragen und die Lehrstunde wurde einfach unter den Sonnenschirm verlegt. Problem gelöst. Nachdem alle Besucher nach vier Stunden und ein paar Gläschen Wein rundherum zufrieden aufgebrochen sind, ist es ruhig geworden. Man hatte das Gefühl, die Welt steht still.

Viele Tinerfeños mussten sicher ihre Sonntagspläne über den Haufen werfen, aber uns hat der Stromausfall im Grunde genommen nicht wirklich gestört. Unser Bisteca für das Abendessen haben wir auf den Grill gelegt und später am Abend haben Kerzen und Teelichter für eine romantische Stimmung gesorgt. Musik hat gefehlt, aber nachdem wir leider kein Grammophon haben … Auf alle Fälle ist durch diesen Stromausfall unser vierzigster Hochzeitstag zu einem Tag geworden, den wir mit Sicherheit nicht vergessen werden. Ein Tag, wie er vielleicht vor hundert Jahren einigen Jahrzehnten ganz normal gewesen wäre.

Der 29. September 1979 war ein Samstag und für den Fernsehabend stand „Am laufenden Band“ mit Rudi Carell im Hauptabendprogramm. In Wien hatte Kardinal König den Großmufti von Damaskus zu Besuch um über die Einheit der Religion und die Brüderlichkeit zwischen Christentum und Islam zu diskutieren und Papst Johannes Paul II landete in Dublin. Der brutale Diktator Francisco Macias Nguema verstarb in einem der kleinsten Länder Afrikas, in Äquatorianguinea. Das Wetter in Villach war laut Wetteraufzeichnungen ein bisschen zu warm für Jahreszeit – obwohl es ziemlich kalt war, zumindest in meiner Erinnerung.

Vierzig Jahre, das klingt wie eine Ewigkeit. Wenn man zehn oder zwölf Jahre alt ist, ist ein Dreißigjähriger fast schon ein Scheintoter. Okay, nicht ganz, aber auf alle Fälle ist er jenseits von gut und böse. Ich würde sagen, wir sind zwar nicht mehr taufrisch aber auch noch nicht vollkommen verschrumpelt. Ich finde, wir haben uns ganz gut gehalten.

Von unserer Hochzeit und den vergangenen Jahren habe ich leider nur ein paar Erinnerungsfotos irgendwann einmal eingescannt und mitgenommen. Der Rest steht in einem Album in Vassach im Regal und wartet darauf, wieder einmal in die Hand genommen zu werden. In der Erinnerung sind sie die Bilder trotzdem  lebendig geblieben. Das sind meine Lieblingsfotos …

Viele Fotos und was liegt dazwischen? Zwei Menschen, und einige gemeinsame Jährchen liegen dazwischen. Wo sind sie nur geblieben? Schöne und angenehme Stunden, Tage oder auch Jahre vergehen bekannter Weise ja schneller als unangenehme.  Vielleicht sind die Jahre deshalb so verflogen? Zwischen den beiden Fotos liegt ein halbes Leben, einige Abenteuer und vieles andere. Zwei wunderbar gelungene Kinder, die mittlerweile ihr Leben selbst perfekt gestalten.  Bei den Eltern kann es ja gar nicht anders sein.

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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4 Antworten zu ein sparsamer Sonntag…

  1. Susanne Henke schreibt:

    😘😘Felicidades😘😘

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  2. F. und M. Heud schreibt:

    Hallo, liebe Ingrid, lieber Georg! Ein dreifaches Hoch auf Euch und noch einmal 40 Jahre gemeinsam und in trauter Harmonie und an diesem und allen Tagen möge immer Licht für euch sein und die Sonne scheinen. Der 40. wird euch immer in Erinnerung bleiben
    Wir hoffen, es geht euch gut, es kommen immer viele interessierte Besucher.
    B ei uns geht es schon wieder nicht so rund, Fritz ist seit einigen Tagen wieder im Krankenhaus und das zum 3. Mal mit den gleichen Symptomen. Anfangs fand
    man wieder nichts in den Stuhlproben, wie immer alle negativ. Dann hat man sich mehr in die Mikrobiologie vertieft und siehe da, jetzt glaubt
    man die Erreger gefunden zu haben. H o f f e n t li ch! Das muss doch mal ein E de haben. Also alle Daumen drücken. Wir wollten ja vor 2 Tagen nach Mallorca, was natürlich abgeblasen wurde. Zukünftige Reisen sollen nie
    mehr durch solche Attacken in Gefahr geraten, in 4 Monaten ruft Teneriffa!!!!
    so, nun nur noch ganz liebe Güsse von Fritz und Marianne

    Gefällt 1 Person

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