Teneriffa – wohin geht die Reise…

Da musste ich erst erwachsen werden damit mich jemand in Hausarrest schickt. Und das nicht nur für einen Tag oder eine Woche – nein, so wie es aussieht auf noch unbestimmte Zeit. Ich bin allerdings nicht die Einzige, es sind Tausende, die auf der Insel des ewigen Frühlings in ihren Wohnungen sitzen und auf schlechtere bessere Zeiten warten. Aber wem erzähle ich das? Ich kann auch, bis zu einem gewissen Punkt, verstehen, dass es Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit geben muss. Oder sollte ich besser sagen, wir baden jetzt aus, was die Politik vergeigt hat, indem sie überall auf der Welt mit dem Gesundheitssystem Geld scheffeln wollte und die Krankenhäuser sich zu Tode sparen mußten? Aber das ist eine andere Baustelle…

Was mich wundert, ist die Tatsache, wie viele Experten und Spekulanten es auf dieser schönen Welt gibt. Vor allem Fachleute, die sinnvolle Ratschläge für jedermann, aber natürlich nicht ganz uneigennützig, parat haben. Die Unternehmer sollen nicht jammern und betteln sondern die Chance ergreifen, um jetzt endlich in der digitalen Welt Fuß fassen und ihre Arbeit eben online erledigen. Ein toller Tipp! Das ist dann wohl der digitale Hotelgast oder Museumsbesucher? Und vom übernächsten Schlaumeier kommt dann garantiert die Frage, ob das dann auch noch was kostet?

Der Tourismus leidet am meisten. Diesen Satz liest man zur Zeit wohl in allen Zeitungen der Welt. Der Tourismus leidet. Das klingt ja sehr mitfühlend und mitleidend aber wer oder was ist denn der Tourismus? Sind das Gebäude, Regionen oder gar irgendwelche Institutionen? Nein – es betrifft Menschen und zwar  erschreckend viele Menschen. Das Wort Tourismus ist allerdings ein recht oberflächlicher und schwammiger Begriff. Was ist Tourismus überhaupt? Laut Wirtschaftslexikon wird es so definiert:

„Tourismus oder Fremdenverkehr umfasst die Gesamtheit aller Erscheinungen und Beziehungen, die mit dem Verlassen des üblichen Lebensmittelpunktes und dem Aufenthalt an einer anderen Destination bzw. dem Bereisen einer anderen Region verbunden sind. Das Kriterium der Bewegung außerhalb des üblichen Arbeits- und Wohnumfeldes ist allein begriffsbestimmend.“

Zu den Verlieren der Krise gehören natürlich ebenso die armen Urlauber, die jetzt ihren schwer verdienten Urlaub nicht genießen können. Mitgefangen – mitgehangen. Nicht falsch verstehen, ich weiß, dass niemand seine wohl verdienten Urlaubstage geschenkt bekommt, aber kein Mensch ist ruiniert, weil er seinen Urlaub daheim verbringen muss. Der Tourismus steht jetzt auf wackeligen Beinen – doch er wird überleben. Aber wie wäre es, wenn man dem Tourismus einmal ein Gesicht geben würde? Dann handelt es sich nicht mehr ein unbekanntes Großes Ganzes sondern um einen individuellen Menschen, eine Frau einen Mann oder sogar um ein Kind.

Der Tourismus hat viele Gesichter und die meisten arbeiten im Verborgenen und werden von der Masse gar nicht wahrgenommen. Damit diese Branche wie ein Rädchen schnurren kann, müssen viele Hände ihren Teil der Arbeit leisten. Dazu gehören sowohl, Bäcker und Bauern, Automechaniker und Elektriker, Kellner und Köche, Schneider und Friseure, Animateure, Musiker und die Müllabfuhr. Eigentlich fast alle arbeitenden Menschen einer Region. Egal ob es sich dabei um Unternehmer, Angestellte oder Arbeiter handelt. Reich wird dabei, abgesehen von den großen Reisegesellschaften, niemand. Doch darum geht es gar nicht. Jetzt stehen diese Menschen von einer Minute auf die andere vor dem Nichts und wer weiß, wie es in Zukunft weiter gehen wird, müsste schon in einer Glaskugel lesen können. Ich habe leider keine.

Eines dieser vielen Gesichter ist mein Gesicht. Ich bin ein ganz normaler Mensch und ich arbeite gerne für und mit anderen Menschen. Mein Spezialgebiet ist zwar nicht lebensnotwendig für jedermann, aber was wäre das Leben ohne Kunst und Kultur? Auch nicht besonders lebenswert, oder? Und wann hat der Mensch Zeit und Muse sich mit schönen Dingen auf dieser Welt zu beschäftigen? Richtig – in seiner Freizeit oder eben im Urlaub. Bis vor einigen Wochen ist mein Leben ganz normal verlaufen, alles war gut. Und dann wie aus dem NICHTS Stillstand! Von einer Stunde auf die andere wird das Leben die Uhr auf Null gestellt. Wie wird es weiter gehen wenn die Geschäftstüren zu und kein Cent mehr in die Kasse kommt?

Klar, irgendwie wird das Leben wieder Fahrt aufnehmen und wir werden auch nicht verhungern. Aber wie? Vor allem wann? Wir sind nicht arm aber auch nicht reich und Pension bekommen wir leider auch noch keine. Wir leben von dem, was wir uns aufgebaut haben. Ohne staatliche Förderung oder irgendwelchem Steuergeld. Es hat fast vierzig Jahre funktioniert. Bis Corona die Weltherrschaft übernommen hat und unserem Leben eine ganz besondere Krone auf den Kopf gedrückt hat.

Meine Tochter hat ihre Gedanken am Beginn dieses Ausnahmezustandes so in Worte gefasst…

„ES IST KOMPLIZIERT In der Regel ist man stark, zuversichtlich und kümmert sich um andere. Und dann gibt es die wenigen Momente, in denen der ganze Frust zuschlägt. Eine Sache reicht aus und es versetzt dir einen Stich und bekommt das Gefühl keine Luft zu bekommen. Man soll nicht veröffentlichen, wenn man 13 Stunden gearbeitet hat – das macht sich nicht gut. Man soll doch immer so erscheinen, als hätte man alles im Griff. Schwäche zeigen soll man auch nicht, was könnte denn dein Konkurrent sagen? Welchen Vorteil könnte er daraus ziehen?

Immer muss alles perfekt erscheinen und dass man alles im Griff hat. Oft möchte man einfach nur „verdammte Scheiße“ rausbrüllen, aber das ziemt sich nicht. Ist Gerechtigkeit wirklich gerecht? Das Leben soll kein Kampf sein, sondern eine Herausforderung an der man wachsen kann?!? Ist ein optimistischer Mensch ein naiver und blöder Mensch? Wissen es nicht alle Pessimisten und Realisten einfach besser? Das Leben ist eine Achterbahn und … haaa.. da fällt mir noch ein Vergleich ein. Exponentiell und nicht linear. Ganz wie die Verbreitung dieses beschissenen COVID 19. Es kommt nie nur ein Mist daher. Nein. Gleich ein ganzer Erdrutsch!

Alles hat seine Zeit, habe ich mal gelesen. Zeit für Liebe. Zeit für Trauer. Zeit für Zuversicht. Zeit für Träume. Zeit für Wut.

An manchen Tagen hasse ich es den selbst auferlegten Regeln zu entsprechen. Das selbst designte ICH. Und ja, heute ist einer dieser beschissenen Tage, an denen man das Gefühl hat keine Kontrolle über sein Leben zu haben. Man klammert sich an Listen, Routinen im Alltag um den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Man hat seine Aufgaben gemacht und dennoch möchte man in manchen Augenblicken verzweifeln, schreien, weinen – und dann denke ich mir: Aber ich liebe es zu lachen, zu planen, zu wachsen… und daher besinne ich mich schlussendlich wieder. Putz mir die Nase, atme tief durch und mache weiter. Mal stolpert man. Mal fällt man den Berg hinunter. Schlussendlich gibt es aber nur eine Lösung. Aufstehen. Weitermachen.

Dann kommt der Optimismus wieder von alleine. Man erinnert sich an seine Träume, was man bisher alles geschafft hat …… und macht einfach weiter wie bisher. So lange bis sich der Nebel wieder lichtet und klare Sicht kommt. Bis dahin glaube ich einfach daran, dass Vertrauen in sich selbst, stark zu sein für sich und andere einfach der „lebenssinnvollere“ Weg ist.

Nachdem diese „Krise“ aber nun beinahe alle trifft, erlaube ich  mir auch einmal Schwäche einzugestehen. Es hilft mir und vielleicht auch anderen. Vielleicht nicht sofort. Auch ich bin nicht perfekt. Sicher nicht immer ein guter Mensch. Aber ich hoffe doch, immer so gut es geht ECHT. Morgen sieht die Welt dann vielleicht auch schon ein wenig anders aus und man ist wieder optimistisch, gut gelaunt, fühlt sich stark und arbeitet an seinem „besseren“ ICH. Bis zur nächsten Krise halt. Die betrifft dann hoffentlich nicht wieder die ganze, sondern nur meine kleine Welt.“

Dem kann ich nichts hinzufügen…

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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14 Antworten zu Teneriffa – wohin geht die Reise…

  1. Susanne Henke schreibt:

    Merci vielmals für deine Mordsanregung 😉 – und für dein Vertrauen in meine Zukunft als Berater – aber ich schöre, mit den Vorschlägen für die Wiedereröffnung der Restaurants habe ich nix zu tun 🤚❤️
    Todo saldrá bien – que nos vemos muy pronto
    😘🤗😘

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  2. Susanne Henke schreibt:

    Merci vielmals für die Mordsanregung 😉 Und danke für dein Vertrauen in meine Zukunft als Beraterin, aber ich schwöre dir, mit den Vorschlägen für die Wiedereröffnung der Restaurants hatte ich nichts zu tun – 🤚❤️
    y por cierto todo saldrá bien – hasta muy pronto 😘🤗😘

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  3. 365tageimleben schreibt:

    Gerade hatte ich mir überlegt dich fragen zu wollen, wie es dir geht und prompt stoße ich auf deinen Post. Ich habe in den letzten Wochen so oft an Teneriffa gedacht, an unseren letzten Urlaub und daran, dass die Wirtschaft ja auch schon vor Corona nicht gerade rosig aussah. Ich hoffe, ihr alle haltet durch, irgendwie und wünsche dir alles erdenklich gute! Herzliche Grüße, Ela

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    • ♥lichen Dank liebe Ela! Warten wir ab, wie viel die Regierungen so an Wirtschaft vernicht et haben – so wie sich die vielen Experten die Zukunft vorstellen, wird es mit Sicherheit nicht funktionieren. Das betrifft nicht nur Teneriffa 🙂 Warten wir also ab – etwas anderes können wir sowieso nicht tun…

      Liebe Grüße von der Insel
      Ingrid

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  4. Anonymous schreibt:

    Deinen Worten habe ich nix hinzuzufügen!!! Über Vieles wird ein kalter, emotionsbefreiter Begriff übergestülpt und basta. Alles, alles Liebe und manchmal ist‘s einfach zum Durchdrehen!

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  5. siebeninseln schreibt:

    Liebe Ingrid, ich sehe es genauso. Nicht nur eigentlich. Hier werden die Grundrechte beschnitten und das grundlos. Vielleicht ist es einfacher Menschen nur wegzusperren. Die Polizei überwacht jeden meiner Schritte mit dem Hund und meint, dass es reicht, wenn ein Labrador 5 Minuten am Tag herausgehen kann. Aber ich will nicht jammern. Irgendwann ist es hoffentlich bald vorbei und im Moment können wir ja wirklich nichts machen. Ich wünsche euch, dass es irgendwie nach der Wegsperrzeit wieder gut mit Artlandya weitergeht. Liebe Grüße, Dagmar

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  6. siebeninseln schreibt:

    Liebe Ingrid, vielen lieben Dank, dass du so viele interessanten Gedanken zu der momentanen Situation einmal zu Papier gebracht hast. Viele teile ich davon. Und auch danke für die Gedanken deiner Tochter. Ja, die Krise hat so viele Facetten und es gäbe auch noch so viel mehr dazu zu sagen. Aber nach nun 32 Tagen „eingesperrt sein“, kommen in mir leider auch vermehrt nicht so gute Gefühle, wie Frust und Wut über die m. M. nach teilweise unsinnigen Maßnahmen hier in Spanien hoch. Warum dürfen wir nicht einzeln rausgehen? Das ist nachgewiesener Maßen gut für Geist und Körper. Kontaktsperre halte ich für richtig – Menschen einfach einzusperren definitiv nicht. Dennoch ganz herzlichen Dank für diesen mich sehr berührenden Artikel und viele liebe Grüße zu euch in das nun für mich sehr ferne Icod, Dagmar

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    • Hallo Dagmar,
      danke für deinen Kommentar und die Zeit, die du dir dafür genommen hast. Mir geht es genau wie dir und oft glaube ich, ich bin im falschen Film. Abstand halten ist vollkommen in Ordnung, aber Menschen wochenlang in ihre Wohnungen sperren widerspricht eigentlich vollkommen den Grundrechten. Was soll denn passieren, wenn Menschen spazieren gehen, sich an der Luft bewegen. Wenn ich daran denke, wie wenigen Menschen wir begegnet sind, wenn wir – sogar in der Hochsaison – irgendwo am Strand oder im Gelände spazieren gegangen sind. Gar so viele sind es nicht gewesen und Abstand kann man überall halten.

      Ich bin neugierig, wie viele „Experten“ und andere Fachleute da noch ihre eigene Suppe kochen, aber im Grunde können wir leider nichts ändern. Die Polizei sorgt überall für Ordnung. Uns geht es ja noch gut – aber warum wir nicht einmal Farbe kaufen können und die Zeit nutzen könnten neu auszumalen, verstehe ich auch schon wieder nicht.

      Irgendwann wird es vorbei sein und hoffentlich dauert es nicht mehr zuu lange. Das schaffen wir auch noch, oder? 🙂 Eines ist sicher, wir sehen uns bald wieder in Freiheit ♥ Alles Liebe und Gute, auch für deinen geduldigen vierbeinigen Freund.
      Ingrid

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  7. Schade, dass niemand dazu etwas zu sagen hat …

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    • Susanne Henke schreibt:

      muchisimas gracias für euren Text, den ich heute zum zweiten Mal gelesen habe.

      Abstand halten für immer – „soziale Distanz“ zum Überleben – ein eher überschaubarer Überlebenzeitraum, der kurze Zeit noch den Inzestforschern zu mehr Studienobjekten verhelfen würde 😉

      Zwei Meter Abtand mit Maske auf, macht dann auch die letzte Möglichkeit einer unüberwachten Kommunikation zwischen Menschen, die nicht zusammen wohnen, unmöglich.
      ¿mbwssmm? oder ¿nssvlbms? ein klassischer Dialog an der Käsetheke 😉

      Aber immerhim beim Fliegen soll auf den Abstand verzichtet werden – damit die Machinen nicht halb leer fliegen müssen und den Fluggesellschaften die Angelegenheit nicht zu teuer kommt, sollen die Passagiere zum Tragen des Mundschutzes verpflichtet werdern und auf Essen an Bord verzichten, bz. bei Langstreckenflügen mundshcutzkompatibles gereicht bekommen 😉

      Der italienische Vorschlag für das Strandleben in Zeiten von Corona – ein Strandgedeck aus zwei Liegen mit Sonnenschirm zwischen 4×4-Metern Plexiglaswänden – hat sich allerdings noch nicht durchgesetzt 😉

      Der virtuelle Individualurlaub hat da vlt mehr Aussichten auf Erfolg. Das Gesicht oder besser die Gesichter des Tourismus blieben dabei anonym und würden ihre Gäste per Datenbrille im Stream von Artlandya, über Gleitschirmflug, Sprung in den Vulkan, bis zum Sundowner mit Zuckerrand am Strand erleben lassen – die Luft bliebe sauber und Greta könnte auf ihrem Sofa sitzen bleiben 😉

      Nos vemos 😉

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      • Du könntest dich mit deinen Vorschlägen sofort bei den Tourismusfachleuten der diversen Regierungen bewerben und ich bin mir sicher – du würdest sofort eingestellt werden. 🙂 Falls dir dann die Ideen ausgehen sollten hätte ich auch noch ein paar parat, aber die verrate ich hier in der Öffentlichkeit natürlich nicht. Wir reden persönlich darüber – sobald sie uns wieder lassen…

        Ich hätte auch noch eine Anregung für dich – Er kam ihr zu nahe, sie hatte keine Maske auf….
        Liebe Susanne, wie heißt es so schön? Wir schaffen das! 🙂
        Hasta pronto, nos vemos ♥

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