Afur oder Las Casas de Afur

Blauer Himmel, ein paar verstreute, flauschige Wölkchen am Himmel und die Sonne noch im Rücken, bessere Voraussetzungen für diesen Ausblick gibt es gar nicht. Die leicht hügelige Landschaft ist nach den ersten Regenfällen zartgrün gefärbt und im Hintergrund ist sogar der Teide noch relativ klar zu sehen. Einfach nur schön, oder?

La Laguna liegt uns zu Füssen. Wir sind zwar auf dem Weg ins Anaga Gebirge aber bei dieser wunderbar klaren Sicht mussten wir kurz nach der Ortschaft Las Mercedes beim Mirador de Jardina einfach anhalten.

Im Nordosten von Teneriffa findet man eine unvergleichlich schöne Landschaft. Schroffe Berge, grüne Terrassen, tiefe Täler, moosige Märchenwälder und kleine Bächlein. Das Anaga Gebirge ist einer der ältesten Teile Teneriffas und vor allem für herrliche Aussichtspunkte, üppige Lorbeerwälder, malerische Orte, schroffe Küsten und markante Felsen bekannt. Die kleinen Dörfer oder Ansiedlungen sind oft so abgelegen, dass ich mich immer wieder wundere, dass dort wirklich jemand lebt.

In dieser Gegend ändert sich das Wetter oft in Sekundenschnelle und vorbei ist es mit der schönen Aussicht und dicke Nebelschwaden das Wetter, herrliche Ausblicke werden oft allzu schnell von dicken Nebelschwaden übernehmen die Herrschaft. Allerdings kann der Himmel genauso schnell wieder aufreißen …

Damit diese Landschaft auch für die Zukunft so erhalten bleibt, wurde schon im Jahr 1987 ein Naturpark gegründet, der 1994 als Parque Rural de Anaga unter besonderen Schutz gestellt wurde.

Auf dem Weg nach Afur steht dieser eindrucksvolle Felsen mit einigen Höhlenhäusern mitten in der Landschaft. Die Häuser, die ihr rechts und links davon ziemlich klein auf dem Foto erkennen könnt, gehören zu Afur – und Afur wird zum Gemeindegebiet von Santa Cruz de Tenerife gezählt und von dort verwaltet. Der Arm des Bürgermeisters unserer Hauptstadt reicht also sogar in diesen versteckten Winkel der Insel.

Die großen und kleinen Höhlen wurden in diesem Gebiet früher sowohl als Häuser, also als Wohnräume für die Familien, aber auch als Unterstände für Vieh oder trockene Getreidespeicher genutzt. Die für uns so dekorativen Fassaden der Höhlenwohnungen auf dem Roque Alonso werden heute zwar tausendfach fotografiert, die Wohnhöhlen dahinter sind allerdings unbewohnt doch nicht nutzlos, denn sie werden noch immer für die Landwirtschaft genutzt. Ich würde nur zu gerne in eines davon hinein zu gehen, einfach um zu sehen, ob sie genug Licht hatten oder ob es nach Feuchtigkeit riecht. Ich würde gerne wissen, wer dort lebte und wie sie in einem Loch im Berg lebten. Hatten sie Angst, dass das Dach oder der Eingang einstürzen würden? Ich würde zu gerne einmal darin Mäuschen spielen oder mit einer Zeitmaschine ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit reisen. Aber leider wird das wohl ein Wunschgedanke bleiben.

Heute besteht das Dorf aus vielen verstreuten Ortsteilen und ein paar Dutzend Häusern. Die bekanntesten Siedlungen, die ziemlich verstreut in der Landschaft liegen sind wahrscheinlich Roque Negro, Afur Bajo und Lomo Centeno. Vor ein paar Jahrzehnten, also im vergangenen Jahrtausend, sollen hier nur zwei gemauerte Häuser gewesen sein, die restlichen Bauten waren aus Trockenmauern gebaute Scheunen, die mit Stroh gedeckt wurden und Höhlen.

Das könnte stimmen, denn in Afur Bajo stehen heute nicht mehr als eine Handvoll Häuser, eine Bar und eine kleine Kapelle, la Ermita San Pedro, die erst in den 60er Jahren gebaut worden ist. Wenn ihr auf dem linken Foto genau hinseht, könnt ihr rechts neben der Türe die Kordel erkennen, mit der die Glocke im Türmchen geläutet werden kann.

Die Kapelle kennen die meisten Besucher nur von außen, aber die Bar Casa José Cañón ist weit über die Grenzen von Afur bekannt und José Alonso Jiménez ist mit seinen heute 83 Jahren längst zu einer Institution geworden. Die Bar war viele Jahre lang der einzige öffentliche Treffpunkt für die Bewohner dieser Gegend. Dort wurden Lebensmittel, Textilien, Wein, Schnaps, gesalzener Fisch, Konserven, Zigaretten, Öl, Getränke, Küchengeschirr oder Seife auf Kredit verkauft. Waren, die er mit zwei Eseln von La Laguna hier her brachte. Die Zeiten haben sich geändert und das kühle Bier, das wir gekauft haben, ist ganz modern mit dem Auto ins Tal geliefert worden.

Das Tal von Afur ist fruchtbar und hat das ganze Jahr über genügend Trinkwasser und damit viel grünes Weideland. Bis ans Ende des 15. Jahrhunderts lebten hier die Ureinwohner der Insel, die Guanchen, ganz friedlich mit ihren Tieren.

Wir haben unser Auto auf dem großen Parkplatz abgestellt und uns auf den Weg gemacht. Wie immer ohne Plan oder fest bestimmtes Ziel. Wir machen das meistens so und entscheiden uns ganz spontan wohin die Reise geht. Rechts oder links, nach oben oder nach unten? Dieses Mal haben wir nach dem ersten Anlauf allerdings bald wieder umgedreht, denn nach einigen hundert Metern sind wir direkt auf der Strasse gelandet. Auf Asphalt spazieren ist nicht so unser Ding also noch einmal zurück zum Anfang.

Als Trostpflaster haben wir dafür gleich ein wunderschönes, abgelegenes und ebenes Plätzchen für unsere Rast gefunden. Also haben wir die Jause ausgepackt und die Landschaft genossen. Im Hintergrund war leises Wasserrauschen zu hören, ein paar Hühner gackerten und irgendwo läuteten kleine Glöckchen um die Wette. Unter uns schlängelte sich ein Weg durch die Landschaft und über unseren Köpfen kreisten gleich zwei, nein drei Falken lautlos durch die Lüfte. Klingt wie im Heimatfilm oder?

So schön war der Ausblick von unserem Rastplatz und bald haben wir uns gestärkt auf den Weg gemacht. Seht ihr das graue Band auf dem Foto? Genau diesen Weg haben wir uns ausgesucht und was gibt es viel zu erzählen? Es war eine wunderschöne Tour zu den Häusern auf dem Steinhügel. Caserio de Lomo Centeno wird die kleine Siedlung genannt und sie wird rundherum von hohen Felswänden bewacht.

Überall in der Gegend sind zum Teil riesige Felsbrocken verteilt. In allen Formen und Farben, groß und klein, rund und unförmig und auf alle Fälle tonnenschwer. Man könnte fast denken, dass die Gallier hier irgendwann unterwegs waren und Obelix den ein oder anderen Hinkelstein hier verloren hat.

Nach der kleinen Siedlung geht es wieder nach unten. Von hier aus könnte man aber auch weiter Richtung Taborno wandern, aber wir wollen unsere Runde beenden und gehen auf dem Weg nach unten weiter.

Aus dieser Perspektive sieht man erst, wie klein Afur wirklich ist. Das größte Bauwerk ist eigentlich der riesige Parkplatz der zur Zeit so gut wie leer gefegt ist. Logisch, unter der Woche könnten hier nur Urlauber unterwegs sein und davon tummeln sich aus bekannten Umständen nicht sehr viele auf der Insel. Am Wochenende soll es allerdings ein bisschen anders aussehen, denn dann sind hier viele Wanderer unterwegs und genießen die Natur.

Unten angelangt führt der Weg noch über diese Brücke und schon sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Der Kreis hat sich geschlossen – aber wir kommen mit Sicherheit wieder, denn von hier führt ein Weg bis an die Küste zur Playa de Tamadiste und dort will ich unbedingt hin. Ihr könnt also neugierig bleiben…

Andere Orte im Anagagebirge sind Taganana, Roque de las Bodegas

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12 Antworten zu Afur oder Las Casas de Afur

  1. irissime schreibt:

    Das ist eine sehr gelungene Beschreibung einer eindrucksvollen Gegend! Danke dafür, besonders auch für die Photos!

    Gefällt 1 Person

  2. monikakrampl schreibt:

    Im Mai 2019 war ich für vier Wochen auf Teneriffa. Dies ist die Erzählung einer Wanderung auf einen Berg des Anagagebirges an der Küste von Bajamar – ich erwähne darin auch eine der Höhlenwohnungen.

    Das Geheimnis des Berges
    Als ich an diesem frühen Morgen zu meinem täglichen Spaziergang aufbreche, weiß ich noch nicht, dass ich dem Ruf des Berges folgen werde.
    Es gibt Berge, die rufen mich zu sich, genau so wie es Bäume gibt, die mich rufen. Wir können sie hören, wenn wir ganz still werden und unsere Gedanken schweigen.
    Dann, und nur dann – können wir sie hören.
    Das Meer braucht mich nicht zu rufen. Es ist immer in mir. Vielleicht sollte ich sagen, ich bin Teil davon. Ein Teil des Meeres. Das ist schön. Das gefällt mir.
    Zwei starke Kräfte. Urgewalten. Die Berge und das Meer. Wenn sie sich beide nahe sind, so wie auf dieser Insel, ist es ein Geschenk der Götter. Doch so wie jedes Geschenk der Götter kann es auch gefährlich sein. Dann, wenn dieses Geschenk eigentlich ein Spiel für sie ist und ihr dröhnendes Gelächter ertönt, wenn wir dieses Spiel verlieren. Sind wir Menschen doch nur ein kurzes Zwischenspiel in der Welt der Götter, der Berge und des Meeres. Nicht mehr als ein Wimpernschlag – vielleicht.
    Der Berg ist ein Teil des Anagagebirges und ich kenne seinen Menschennamen nicht, der auch belanglos ist. Später wird er mir seinen eigenen Namen nennen. Heute, an diesem Morgen, hat er sich, wie so oft, und wie die Berge um ihn, in dicke Wolkenhauben gehüllt. Tief sinken sie herab in Wolkengespinsten, und feine Tröpfchen, kaum spürbar, benetzen mein Gesicht.
    Ich gehe durch den kleinen Ort und betrete eine schmale Straße, die steil bergauf führt und bei den letzten Häusern endet. Links tanzen Gräser im Wind; rechts fügt sich Stein an Stein in einer alten Steinmauer. Grauer Stein wechselt ab mit dunklem Lavagestein. Aus den Ritzen drängen sich an langen, dicken Stielen Kaktusse. Palmen stehen auch hier oben auf dem Berg. Doch nicht die leichtfüßigen, hohen schlanken Palmen des Meeres. Die hier sind kleinwüchsig und stämmig, haben dichte grüne Wedel.
    Auf halber Höhe des Berghanges links von mir sehe ich eine Wohnhöhle im Lavagestein. Auf einer kleinen, ebenen Fläche davor ein Hühnerstall. Ein Hahn kräht. Ein alter Mann füttert die Hühner, bleibt stehen und schaut aufs Meer. Lange Zeit stehen wir beide so und schauen aufs Meer. Jeder auf einem anderen Berg. Jeder für sich.
    Von oben, dem höchsten Punkt meiner Wanderung, weit entfernt vom Gipfel noch, verliert sich mein Blick in der Weite des Meeres, begrenzt durch die Linie des Horizonts.
    Wenn ich mich wieder umdrehe und nach oben zum Berg schaue – es ganz still wird in mir und ich lausche, beginnt er zu sprechen. Er erzählt mir über die Jahrmillionen seines Seins. So genau kann er sich nicht mehr erinnern an seine Geburt – sind es 7 oder 9 Millionen – als er durch einen Lavastrom aus einem Vulkan geboren wurde. Er erzählt mir über die Mythen und Sagen, die sich Menschen über ihn erzählen. Und auch über seine Einsamkeit. Doch – sagt er, ist ihm diese Einsamkeit lieber, als die immer mehr zunehmenden Menschenmassen, die sich täglich auf seinen Bruder, den Teide, drängen. Nein, sagt er, da bleibe er lieber alleine.
    Gerne würde ich ihm noch näher kommen, ganz nach oben steigen, doch der schmale Pfad, den ich bis jetzt gegangen bin, verliert sich langsam im Nebel. Es ist kein Wanderweg. Ich bin einfach losgegangen. Habe mich von seinem Ruf leiten lassen. Niemand weiß, wo ich bin. Das Grün der Flechten und Moose, Sträucher, die ich nicht kenne, schließen sich um mich. Meine Kräfte sind begrenzt, meine Vernunft setzt ein. Aus mit der Gedankenlosigkeit. Ich verliere zunehmend den Kontakt zu ihm und nehme Abschied.
    Was ich ihm geantwortet habe auf seinen Ruf und was ich ihm erzählt habe, bleibt unser Geheimnis.
    Wenn ich längst zu Hause sein werde – wieder weg von der Insel – und ich weiß nicht, wie viele Jahre lang, wird er noch immer Einatmen – den einen Atemzug, den er begonnen hat, als ich bei ihm war.
    Ich, in meiner Endlichkeit stehe staunend und mit Ehrfurcht auf diesem Zeitlosen. Und wenn ich mich umdrehe, begegnen sich dort unten am Fuße des Berges, die zwei mächtigen Zeitlosen – der Berg und das Meer.
    Tag für Tag, Nacht für Nacht, schlagen die Wellen des Meeres an den Stein des Berges.
    Ein Handschlag? Eine Machtprobe?
    Wer weiß das schon …
    Das größte Glück des Reisens für mich sind stets die Momente der vollkommenen Stille und Einsamkeit – dann, wenn die Berge, die Bäume, das Meer, das Land, mir ihre Geschichten erzählen …
    (Teneriffa, 19 05 2019)

    https://monikakrampl.wordpress.com/2019/07/21/das-geheimnis-des-berges/

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Monika, du hast recht, diese Gegend zeigt viele Gesichter und du hast deinen Eindruck schön beschrieben – aber es kein Kommentar zum Beitrag sondern nur ein Hinweis zu deinem Blog. Bajamar und Afur haben nur das Anaga Gebirge gemeinsam und war eigentlich kein Thema 🙂

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      • monikakrampl schreibt:

        Sorry, tut mir leid. Ich mache das ganz automatisch, dass ich meinen Blog dazuschreibe. Schmeiss ihn raus – lösche ihn …
        Ich habe es interessant gefunden, das ich eine der Wohnhöhlen entdeckt hatte, – und dachte mir, vielleicht gefällt dir die Geschichte.
        Werde in Zukunft bei deinem Thema bleiben.
        Nochmals sorry und hab eine gute Zeit …
        Monika

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      • Ist ja nichts passiert, ich wollte es dir nur sagen – und deine Geschichten lese ich sehr gerne 🙂

        Alles Liebe
        Ingrid

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  3. hanneweb schreibt:

    Traumhaft schön und interessant!
    Danke fürs teilen und liebe Grüße von Hanne 🌞🍀

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  4. evaannacarola schreibt:

    Was für ein wunderschöner Trip! Echt, ihr kommt auf meine to Do Liste für hinterher…

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    • Es ist wirklich eine wunderschöne Gegend und auch wenn man kein echter „Wanderer“ ist kann man hier wunderbar durch die Landschaft wandern und hat tolle Ausblicke 🙂 Vor allem jetzt – in den Wintermonaten – unbedingt am Vormittag hin fahren, ab Mittag ziehen die Nebelschwaden vom Meer nach oben.

      Melde dich, wenn du in der Nähe bist!

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  5. Anonymous schreibt:

    I mog zu eich!!!!!!!!!

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