Die Weihnachtsgurke

oder was es so alles gibt. Hängt irgendjemand von euch Gurken an die Äste des Christbaums? Ich frage deshalb, weil ich aus Österreich kommen und diese Frage deshalb nicht beantworten kann.

Die Amerikaner behaupten nämlich, dass die Weihnachtsgurke ein urdeutscher Brauch sein soll. Und diese Behauptung stammt aus keinem Tweet von Donald Trump. Die Amerikaner glauben, das die Deutschen Tradition, Weihnachten und saure Gurken lieben. Eine Gewürzgurke am Weihnachtsbaum soll also eine alte Tradition haben – wenn nicht sogar deutsches Kulturgut sein – das Auswanderer einst mit in die Neue Welt genommen haben. Die Sache hat nur einen Haken – im Heimatland der Gurke im Baum weiß so gut wie niemand, was hinter dem Brauch stecken könnte. Aber dazu später.

Der vermeintlich deutsche Brauch eroberte die Herzen der Amerikaner im Sturm und die gläserne Essiggurke aus Thüringen ist heutzutage in den USA ein fester Bestandteil des Christbaumschmucks. Die grüne Gurke findet man natürlich nicht so schnell und sie wird auch noch bewusst versteckt aufgehängt, denn wer sie am Weihnachtsabend als erster findet, kann sich auf eine Belohnung freuen. Der glückliche Finder darf seine Geschenke zuerst auspacken und außerdem bekommt der oder die Glückliche noch ein zusätzliches Geschenk. Als Draufgabe soll die gläserne Essiggurke auch noch Glück im neuen Jahr bringen. Da soll noch jemand sagen sauer macht nicht lustig..

Und in Deutschland? Im Internet habe ich die Information gefunden, dass laut einer Umfrage über neunzig Prozent der Befragten den Brauch um die Gurke überhaupt nicht kennen. Hat da jemand ein tolles Marketing betrieben oder ist es tatsächlich eine, durch deutsche Auswanderer, importierte Tradition? Ein Stempel aus Lauscha, wo die Weihnachtsgurke 1880 erfunden worden sein soll, verleiht dem Dokument, das an jeder Gurke hängt, höchste Glaubwürdigkeit. „The Christmas Pickle“ ist seit Jahren von New York bis San Francisco ein Verkaufsschlager.

Aber wie kam es dazu? Dazu gibt es die unterschiedlichsten Geschichten. Am öftesten findet man die Legende über den armen Soldaten John Lower. Der aus Bayern stammende junge Mann soll im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft haben und als er in Gefangenschaft geriet wurde er schwer krank. Als er sein Ende kommen sah, bat er seinen Gefängniswärter um eine saure Gurke. Nach seiner Henkersmahlzeit wurde er wie durch ein Wunder wieder gesund und als er einige Jahre später wieder frei gelassen wurde, hängte er alle Jahre wieder eine Gurke am Christbaum auf. Ob er auf Grund der Gurke begnadigt wurde kommt in dieser Geschichte leider nicht vor.

Eine andere Legende erzählt, dass die Tradition im frühen 20. Jahrhundert begann. Die Menschen im Spreewald, wo Gurken traditionell angebaut und eingelegt werden, waren damals bettelarm und die Familien hatten nicht genug Geld, um für jedes Kind ein Geschenk zu kaufen. Also erhielt nur das Kind eine Kleinigkeit, das die Gurke im Weihnachtsbaum fand und die Auswanderer haben diese Erinnerung dann nach Amerika mitgenommen.

Die Weihnachtsgurke in einem Katalog von 1909

Am ehesten war es aber wohl eine geniale Marketingidee von Woolworth. Glasbläser in Lauscha, also in Thüringen haben bereits um 1840 gläserne Früchte und Nüsse – und wahrscheinlich auch Gurken – zu produzieren. Frank Winfield Woolworth, der Gründer der amerikanischen Kaufhauskette Woolworth, sah diese Stücke und war davon so begeistert, dass er beschloss, diesen Glas-Christbaumschmuck ab 1880 nach Amerika zu importieren und damit sich dieser neue Weihnachtsgurkenbaumschmuck in seinen Geschäften besser verkaufen ließ, dachte er sich kurzerhand noch eine rührige Geschichte von einer deutschen Tradition aus – fertig.

Welche Geschichte nun wirklich stimmt, wird wohl nie ganz geklärt werden können. Das ist aber auch egal, oder? Die Weihnachtszeit ist eine Zeit für Legenden, Märchen und Geschichten. Sonst hätten wir heute weder einen Weihnachtsmann noch das Christkind und wenn es keinen Osterhasen geben würde – wer soll uns im nächsten Jahr die Ostereier bringen?

Nachdem ich selbst noch nie in meinem Leben einer Weihnachtsgurke begegnet bin, sind die Fotos dieses Mal alle aus dem Internet. Falls jemand von euch so ein Exemplar zu Hause haben sollte, würde ich mich sehr über ein Bild davon freuen! Ich werde mir vielleicht so kleine Weihnachtsbäumchen aus richtigen Gurken basteln, die schmecken mit Sicherheit besser als so eine Gurke aus geblasenem Glas …

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11 Antworten zu Die Weihnachtsgurke

  1. christahartwig schreibt:

    Als ich Dein Glasgurkenfoto sah, wusste ich sofort, dass ich die Dinger irgendwo gesehen hatte und völlig abwegig fand. Wenn ein deutscher Brauch, dann ein regionaler. Was in Berlin zum Heiligabend gehört, ist in den meisten Familien der Kartoffelsalat (mit Würstchen), und im Kartoffelsalat sind meistens auch Gewürzgurken drin. Und genau da hört meine Assoziation von Weihnachten und Gewürzgurken auch schon auf. – Toll recherchiert! Sollten mir die Dinger nochmal begegnen, werde ich wenigstens nicht mehr denken, dass es sich um den total beknackten Einfall eines Christbaumschmuckherstellers in China handelt.

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  2. Ola schreibt:

    Ich bin schon letztes Jahr darauf gestoßen. Sehr seltsame Geschichte. Aber wir haben dann aus Spaß eine solche Gurke gekauft und im Adventsgesteck untergebracht. Mal was anderes. Schöner Artikel. Frohe Weihnachten!

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  3. seelenkarussell schreibt:

    Früher als die Menschen arm waren, gab es nur ein Geschenk. Deshalb versteckte man (weil billig) eine Gewürznelken im Baum und wer sie als erstes fand, bekam das Geschenk. Später als es den Menschen besser ging, durfte der, der die Gurke als erster fand, auch als erster sein Geschenk auspacken.
    So habe ich es erzählt bekommen.😊🌈💕🌲

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  4. hanneweb schreibt:

    Eine Freundin aus NRW kaufte sich vor zwei Jahren auch bei uns in der Weihnachtsstadt Rothenburg o.d. Tauber eine Weihnachtsgurke für ihren Baum und erst dadurch hörte ich von diesem seltsamen Brauch.
    Liebe Grüße von Hanne

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  5. einfachtilda schreibt:

    Kenne ich auch nicht, aber ich glaube MD macht Werbung damit 😀

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