die perfekt Welle … war es nicht

Viele Menschen Experten behaupten ja, dass auf Teneriffa unzählige Fiestas, Feuerwerke und Traditionen den Jahresrhythmus des Insellebens bestimmen. Im Grunde genommen haben die klugen Köpfe ja recht, aber dann kam Corona und alles, was dazu gehört. Seit einem Jahr fallen sämtliche Feste und andere Veranstaltungen buchstäblich ins Wasser. Kultur ist ja nicht systemrelevant und aus diesem Grund findet dieser Teil des Lebens einfach nicht mehr statt. Sogar der Carnaval ist nur noch digital durchs Netz gegeistert. Egal ob Jung oder Alt, der Virus mit dem Krönchen fordert überall und unerbittlich in allen Lebenslagen seine Opfer.

Ich selbst bin zwar kein ausgesprochener Faschingsnarr, mich persönlich hat es also nicht betroffen, aber schade ist es trotzdem. Vor allem weil, abgesehen vom närrischen Treiben, auch in diesem Jahr so ziemlich alle Fiestas und andere traditionelle Veranstaltungen jetzt schon auf Eis gelegt worden sind.

Zum Glück lässt sich die Natur nicht ins Handwerk pfuschen und bietet uns einiges. Die Mandelblüte bei Santiago del Teide, Schnee in den Cañadas des Teide und tolle Wellenspiele an der Nordküste von Teneriffa – das sind eigentlich jedes Jahr ebenfalls feste Bestandteile des Jahres. Blüten und Schnee haben wir schon abgehakt und am Montag sind wir nach Bajamar gefahren, haben uns in die Sonne gesetzt und das fantastische Schauspiel der Atlantikwellen beobachtet.

Während der Wintermonate zeigt der Atlantik an vielen Tagen mit seinen gigantischen Wellen, welche Kraft er hat. Das Wasser klatscht dann mit voller Wucht und lautem Getöse an die Lavafelsen der Küste, oder so wie hier in Bajamar, an die Schutzmauer vor dem Strand des Ortes.

Der aufgewühlte Atlantik wechselt seine Farbe zwischen dunkelblau und türkis und verwandelt sich an der Küste in ein weißes Schaumbad. Es brodelt und zischt, fast könnte man meinen, dass hier irgendwo eine Lokomotive unterwegs ist. „Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit,des Nichts und des Todes, ein metaphysischer Traum. schrieb Thomas Mann in einem seiner Bücher. Vielleicht fasziniert uns das Meer und vor allem das tosende Wasser aus diesem Grund?

Im einem Glas hat Wasser keine Farbe, es ist durchsichtig und klar, aber Wasser in der Natur, egal ob in einer Pfütze, einem stillen Teich oder gar hier im Atlantik hat tausend Farben. Von dunklem Blau über helles Türkisgrün ist jede Farbe vorhanden. Wenn die Wellen an der Küste auslaufen verwandeln sie die Meeresoberfläche scheinbar in ein riesiges, strahlend weißes Schaumbad und an den Hängen der angrenzenden Hügel steigt ein fast mystischer Nebelschleier aus feinsten Wassertröpfchen in die Höhe.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, so fange nicht damit an, Holz zu sammeln, Planken zu schneiden und die Arbeit einzuteilen, sondern erwecke in den Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“ ist ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry. Gibt es dafür ein besseres Mittel als solche Augenblicke? Ich glaube nicht.

Anschließend sind wir ein paar Kilometer weiter, nach Mesa del Mar gefahren. Die schöne Aussicht auf den Teide hat uns zwar der Calima mit einem Schleier aus Sand vermasselt aber der Ausblick auf die Küste war dieses Mal nicht Sinn und Zweck der Fahrt. Unser Ziel war auch nicht das Schwimmbad von Mesa del Mar sondern der Naturstrand hinter dem Tunnel, la Playa de la Arena.

Sonnenschein, ein warmer, flacher Sandstrand und schöne Meereswellen – wir haben wieder einmal den perfekten Platz für unser Picknick gefunden. Alles Eitel, Wonne, Sonnenschein. Wenn, ja wenn da nicht diese eine perfekte Welle gewesen wäre…

Wir sind satt und zufrieden auf unseren Badetüchern gelegen und haben einfach das Meeresrauschen und die wärmenden Sonnenstrahlen genossen. Weit weg von dem Punkt, an dem die Wellen den Strand erreicht und den Sand nass gemacht haben. Wie aus dem Nichts kam plötzlich Wasser, eine mit tausenden weißen Häubchen geschmückte Welle, die uns in Sekundenschnelle umschlossen hat. Genau so schnell wie sie gekommen war, ist sie auch wieder verschwunden. Weg war sie – aber nichts war mehr so wie davor. Die sorgfältig abgelegten Hosen und T-Shirts pitschenass, die Badetücher sowieso, die letzten beiden Stückchen Käse haben ein unfreiwilliges Bad im Salzwasser genommen und waren paniert mit schwarzem Lavasand. Die Handys und meine Kamera haben zum Glück nur ein paar Spritzer abbekommen und alles andere war halb so schlimm. Die Sonne trocknet uns schon wieder – dachten wir.

Die böse Überraschung kam erst daheim ans Tageslicht. Elektronik und Salzwasser vertragen sich anscheinend leider überhaupt nicht, denn sowohl mein Telefon als auch die Kamera gaben keinen Mucks mehr von sich. Das nennt sich wohl Künstlerpech, oder? Mein Handy hat sich nach einem Tag Ruhepause wieder erholt und hat seine Arbeit wieder aufgenommen, aber mein ständiger Begleiter, meine Kamera verweigert noch immer ihren Dienst. Die Fotos von heute sind also wahrscheinlich für längere Zeit die letzten Exemplare dieser Art. Vielleicht erholt sich die Kamera doch noch, ihr könnt mir ja die Daumen drücken…

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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2 Antworten zu die perfekt Welle … war es nicht

  1. Elke Holler schreibt:

    Oh Ingrid, daß muß ja furchtbar für dich sein, ohne Kamera durch die wunderschöne Natur zu streifen. Mir ist mal in Afrika eine Filmkamera kurz in die Toilette abgetaucht..und war leider auch nicht mehr zu retten. Habe den ganzen Urlaub getrauert. Aber es gibt schlimmeres und der materielle Schaden ist wieder zu beheben.
    Liebe Grüße Elke

    Gefällt 1 Person

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