Montaña Roja – der rote Berg

Was sieht man als erstes, wenn man auf Teneriffa landet? Und worauf fällt der letzte Blick beim Abheben des Flugzeugs? Es ist ein eigenartig geformter Hügel an der Küste, la Montaña Roja, übersetzt der rote Berg. Als ich das erste Mal auf die Insel kam, war es für mich ein roter Felsen an der Küste, sozusagen ein natürlicher Wegweiser zum Flughafen im Süden und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich irgendwann einmal darauf herumspazieren würde. Aber wie so oft, kommt es anders als man denkt.

Wir sind gerne in der Natur unterwegs, aber wir sind eher Spaziergänger oder Wanderer und keine Bergsteiger. Bergaufgehen kann man auf der Insel fast überall, denn irgendwie ist die ganze Insel ja nur ein Berg im Atlantik. Wanderer und Bergsteiger haben hier eine Auswahl an Zielen und Touren die sicher keine Wünsche offen lässt. Egal ob sanfte Hügel oder steile Felswände, Wanderwege entlang der Küste oder durch den Wald. Der Gipfel des höchsten Berges Spaniens lockt zu einem Aufstieb – aber es muss ja nicht immer der Teide sein, oder?

Der Montaña Roja ist natürlich kein Felsen an der Küste, es ist auch kein auffälliger Vulkan sondern der Rest eines alten Schlackenkegels aus Lava und Asche, der vor vielen Tausend Jahren beim Ausbruchs eines Vulkans hier an der Küste ausbrach. Mittlerweile ist das gesamte Gebiet rund herum zum Naturschutzgebiet, Reserva Natural Especial, erklärt worden, denn hier ist auch die einzige, gut erhaltene Dünenlandschaft der Westlichen Kanaren.

Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hier ziemlich intensiv Tomaten angebaut worden sind. Wie war das möglich in dieser steinigen und trockenen Landschaft? Wenn man genau hinsieht erkennt man zwischen den natürlichen Steinen sogar noch die versteinerten Ausscheidungen der Wasserkanäle. Wunderschön geformte, weiße Steinbrocken, die verteilt zwischen den meistens vertrockneten Pflanzen liegen. Mit den Tomaten hat auch die Geschichte des legendären Hotels El Médano zu tun, denn ursprünglich war dieses Gebäude eine Verpackungsstation für die begehrten Früchte und wurde aus diesem Grund direkt ans Meer gebaut. Aber das ist eine andere Geschichte, heute erkunden wir einmal die Gegend rund um den roten Berg.

Über sandige Wege, vorbei an vielen kleinen Sanddünen machen wir uns auf den Weg Richtung Montaña Bocinegro. Er ist der kleine Bruder des 171 Meter hohen Roten Berges an seiner rechten Seite und kann immerhin stolze 36 Meter vorweisen.

Auf dem Weg zum „Gipfel“ kommen wir an einem recht gut erhaltenen Bunker vorbei. Ich habe keine Ahnung warum vor allem in der Gegend rund um El Médano so viele dieser eigenartigen Bauwerke an der Küste verteilt worden sind. Gedacht waren diese Bunker für die Verteidigung im Zweiten Weltkrieg, aber ich glaube, es war ganz gut, dass sie nie gebraucht worden sind, denn ob man damit die Insel verteidigen hätte können kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Heute sind die Eingänge meistens zugemauert und die Bunker selbst dienen als gern genutzte Motive für Urlaubsfotos von Besuchern aller Herren Länder.

Nachdem unter uns eine schöne, einsame Bucht lockt, geht es erst einmal ans Meer und nicht auf den Berg. Unseren Rastplatz haben wir dieses Mal in einer sehr farbenfrohen Bucht gefunden. Tiefrote Sandsteine rund um uns garantieren Schutz vor Wind, leises Plätschern der Meereswellen ist für die Hintergrundmusik zuständig. Für angenehmen Schatten sorgen in dieser kargen Gegend zum Glück ein paar Wolken – beste Voraussetzungen um die Seele baumeln zu lassen.

Weiter geht unser Spaziergang an der Küste und die Landschaft verändert sich bald komplett. Von dunkelrot verfärbt sich Umgebung bald in ein gelblich, graues Weiß. Aus der Ferne sieht es aus, als ob jemand aus Jux und Tollerei einfach ein paar Betonladungen ausgekippt hätte.

Das ist natürlich nicht der Fall, hier hatte nur die Natur ihre Finger im Spiel. Sie hat im Laufe der Jahrtausende Sand mit Hilfe von Meereswellen, Regentropfen, Hitze und Wind in fantasievoll geformtes Sandgestein verwandelt.

Hier kommt es mir vor, als ob ich auf einem anderen Stern gelandet wäre, dabei sind wir nur ein paar Schritte von der Zivilisation entfernt. Beim Überqueren der versteinerten Landschaft sieht die Gegend auf den ersten Blick vollkommen verlassen und öde aus, aber hier wachsen sogar einige Pflanzen und ein paar Sonnenanbeter haben sich ebenfalls hierher verirrt. Ein paar ist vielleicht übertrieben, aber zwei von unserer Art haben es sich wirklich hier gemütlich gemacht.

Dieser versteinerte Weg führt uns wieder zurück in die rot gefärbte Landschaft und wir steigen am Ende unseres Ausflugs doch noch auf den Roten Berg. Der Weg nach oben ist an einigen Stellen durch losen Schotter und feinen Sand auf den Steinen recht rutschig was aber einen Burschen nicht daran hindert im Laufschritt Richtung Küste zu hecheln. Naja, zum Glück kann das ja jeder machen wie er will, ich hätte Angst, dass es mir den Boden unter meinen Füßen wegzieht. Unfreiwillig möchte ich mich hier nicht auf den Hintern nieder setzen.

Von hier hat man einen tollen Ausblick auf die Bucht von El Médano und auf den Strand auf der anderen Seite des Hügels, La Playa Tejita. Was mir aufgefallen ist – der Himmel war bis auf die Wolken vollkommen leer. Es war kein einziges, buntes Segel in der Luft. Ich glaube, so habe ich den Himmel über dem Strand hier noch gar nie gesehen. Die vielen Kitesurfer gehören hier eigentlich zum Bild wie der Sand zum Strand.

Da unten, rechts von der Straße haben wir unser Auto geparkt. Neben dem Wohnmobil steht ein rotes Auto und daneben müsste unser fahrbarer Untersatz stehen. Eigentlich. Aber ich kann es nicht sehen. Verflixt, es wird ja nicht jemand geklaut haben? Oder hat es sich gar in Luft aufgelöst?

Wir sind mit einem ziemlich eigenartigen Gefühl zurück marschiert. Auch als wir schon direkt an der Strasse angekommen waren, haben wir unser Auto nicht gesehen. Erst als wir auf den Parkplatz gekommen und um die parkenden Autos herum gegangen sind – war es plötzlich wieder da! Der weiße Wagen, der neben uns eingeparkt war, hat unser Gefährt vollkommen verschluckt. Ende gut – alles gut. Dem nächsten Ausflug steht nichts mehr im Weg.

Ach ja, während des ganzen Nachmittags sind zwei Flugzeuge am Flughafen gelandet…

Über ARTlandya - der Blog

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Eine Antwort zu Montaña Roja – der rote Berg

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