La Playa de la Tejita

Eigentlich teilen wir uns montags die Zeit selbst ein, es ist unser freier Tag, sozusagen unser Sonntag. Aber hin und wieder passiert es doch, dass uns unaufschiebbare Sachen einen Strich durch die Rechnung machen. Immer positiv denken ist ja zur Zeit ein sehr häufig und gerne verteilter Ratschlag. Wir haben also unseren Termin erfolgreich in die Mittagszeit gelegt und aus der Fahrt in den Süden noch etwas Gutes gemacht. Wir sind endlich einmal an einen Strand gegangen, an dem wir in all den Jahren noch nie gewesen sind – La Playa de la Tejita. 

Ich bin mir sehr sicher, dass Jeder, der sich für Teneriffa interessiert, den roten Hügel beim Flughafen im Süden kennt. Ist klar, denn er steht ziemlich markant fast am Rande des Flughafengeländes, man kann ihn nicht wirklich übersehen, oder? Wir mussten am Montag nach El Médano und nachdem wir in den vergangenen Wochen schon die Gegend um den Hügel erkundet haben, war dieses Mal einer der schönsten Strände der Insel an der Reihe.

Rund um den Vulkankegel Montaña Roja ändert die Landschaft ständig ihr Gesicht. Eine Weile geht man durch kleine und größere Sanddünen, dann wechseln sich Schotter und Steinplatten ab. Die Farbpalette wechselt von grau zu gelblich, verwandelt sich in tiefes Rot und plötzlich steht man vor einer Landschaft, die mit den weißen Steinplatten fast an eine Mondlandschaft erinnern. Ach ja, fast hätte ich die nachtschwarzen Lavabrocken dazwischen vergessen. So haben wir es bei unserem letzten Ausflug erlebt. Aber das ist eine andere Geschichte…

Neben dem Naturschutzgebiet von Montaña Roja, liegt La Tejita, ein flacher, ganz natürlicher Sandstrand, der ungefähr einen Kilometer lang ist. Und da wollen wir heute hin.

Für unser Auto haben wir auf einem ziemlich robusten Schotterparkplatz neben der Strasse ein Plätzchen gefunden, die seriöse Kleidung wurde schnell im Kofferraum zurück gelassen und dann ging es endlich Richtung Strand. Die Gegend von El Médano ist ja eine der windigsten Ecken der Insel und für den perfekten Wind für Surfer und Kiter bekannt. Nicht umsonst ist der Ort der Surf- Klassiker der Kanaren! Dass hier einmal kein Wind über die Landschaft bläst ist daher eher selten und wäre für uns Nichtsufer wahrscheinlich ein absoluter Glücksfall. Was soll ich sagen? Dieses Glück hatten wir leider nicht und je näher wir dem Wasser gekommen sind, desto spürbarer wurde der Wind.

Aber wir sind ja nicht aus Zucker und der Wind weht hier vor allem in Bodennähe ziemlich stark. Dabei nimmt er natürlich Sandkörner mit und das spürt man auch. Es bläst ein mehr oder weniger recht kräftiger Sandsturm auf die Unterschenkel und massiert sie bis zur Hälfte. Vom Knie aufwärts ist es eigentlich angenehm. Es streicht ein fast zartes Lüftchen über die Schultern und bei der Wärme darf kann man sich darüber wirklich nicht beschweren. Im Gegenteil. Also – Strandvergnügen, kostenloses Peeling inbegriffen, oder suchen wir uns doch ein gemütlicheres Plätzchen an einem anderen Strand?

So schnell geben wir nicht auf und als wir bei unserem ersten Erkundungsgang noch einen freien Steinkreis entdecken ist klar – wir bleiben! Ich hätte mir nie gedacht, dass ein paar locker aufgeschichtete Steine so viel Windschutz geben könnten. Durch die Löcher finden zwar noch immer genügend Sandkörnchen ihre Flugbahn, aber wenn man sich flach auf den Boden legt ist die Welt mit einem Schlag windstill, ruhig und einfach nur schön.

Unser Picknick haben wir allerdings mit vollem Körpereinsatz vor fliegenden Sandkörnern geschützt. Es hat zwar nicht zu hundert Prozent funktioniert, aber das Knirschen zwischen den Zähnen hat sich in Grenzen gehalten.

Ich nehme euch jetzt auf unseren Spaziergang mit und ich hoffe, dass ihr auch auf den Fotos erkennen könnt, wie schön dieser Strand ist. Die Wasser- und Wellenspiele sind faszinierend. Die Wellen sind sanft und kräftig, abwechselnd weich und hart ist der Sand nachdem sich das Wasser wieder verzogen hat. Das Besondere an diesem Strand ist nicht nur, dass er der längste natürliche Strand Teneriffas ist, sondern dass er weder die für Teneriffa so übliche schwarze Farbe hat, noch goldgelb ist. Er schimmert direkt silbrig in der Sonne. Dafür ist der ständige Wind an der Küste El Médanos verantwortlich. Er weht schon seit ewigen Zeiten sehr erfolgreich hellen Sand aus der Sahara, der sich dann ganz friedlich mit dem feinen schwarzen Sand der Insel vermengt hat, an die Küste.

Am Horizont ist vor einiger Zeit ein Schiff aufgetaucht und wir haben uns Gedanken darüber gemacht, was so ein großes Schiff hier in Küstennähe zu suchen haben könnte. So ein großer Fischkutter direkt am Strand? Ein Forschungsschiff? Es ist keines von beiden. Das Schiff hat den Namen Dácil und fährt unter spanischer Flagge und ist dafür zuständig, dass die Flugzeuge am Flughafen Süd ihre Passagiere wieder heil nach Hause bringen können.

Seht ihr die gelben Bojen im Wasser? Hier ankern die Tankschiffe um über Pipelines den Flughafen Teneriffa Süd mit Treibstoff zu versorgen. Über das Bojenfeld von La Tejita, wird der Treibstoff in CEPSA-Tanks gepumpt und anschließend werden die Flugzeuge über Tanks und das Hydrantennetz versorgt. Vergangenen Montag hat der Tanker Dácil, das jüngste Schiff der Flotte dafür gesorgt.

Die Anlage wurde 1978 errichtet und besteht aus Bojen, die sich nur fünfzig Meter vom Strand entfernt befinden, einigen Schläuchen und einer Pumpstation, die eine Kapazität von dreitausend Kubikmetern hat. Damit am Flughafen der Betrieb reibungslos in Schwung bleibt, wird von den Spezialkraftstofffrachtern mindestens einmal im Monat hauptsächlich Kerosin geliefert.

Warum gerade hier? Neben einem Naturschutzgebiet? Ich weiß es nicht und glücklicherweise gab es in all den Jahren nur ein einziges Mal einen Zwischenfall. Am Nachmittag des 18. Januar 2018 wurde am Strand von La Tejita ein Kerosinaustritt festgestellt. „Una mancha de fuel del aeropuerto obliga a cerrar la playa de la Tejita“ La Opinion de Tenerife hatte am folgenden Tag die Schlagzeile „Ein Kerosinfleck des Flughafens zwingt zur Schließung des Strandes Tejita.“ Das ausgelaufene Kerosin kam von einem schlecht geschlossenen Ventil. Damals wurde überlegt, ob man diese Anlage nicht verlegen sollte oder könnte – aber wie so oft bleibt es wohl bei der Überlegung.

An einer Stelle könnte man glauben, dass ein kleiner See ans Meer angrenzt. Auf einer Seite kräuseln sich die Wellen fast wie auf einem Alpensee im Wind und knapp daneben glätten die Wellen des Atlantiks die Oberfläche des Sandes.

Bei diesem alten Bunker ist dann Ende der Fahnenstange des langen Strandes und wir machen uns auf den Rückweg zu unserer Burg.

Ein wenig später haben wir unsere Siebensachen Habseligkeiten, los trastos, gepackt und uns wieder auf den Heimweg gemacht. Ich muss zugeben, die Fahrt in den Süden hätte sich alleine für diesen Ausflug ausgezahlt. Es war ein wunderschöner Nachmittag an einem einzigartigen Strand – auch wenn der Wind am Ende schon ziemlich an meinen Nerven gezogen hat. Ich bin eben weder Surfer, Kiter oder Segler, der Wind ist zwar nicht mein Feind, aber Freunde werden wir höchstwahrscheinlich nie werden.

Über ARTlandya - der Blog

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4 Antworten zu La Playa de la Tejita

  1. Christine schreibt:

    mein Lieblingsstrand…toller Bericht liebe Ingrid,,,,schade dass montags meine Lieblingsbar dort geschlossen ist…..Chiringuito Pirata….mal sehen, wie lange es sie noch gibt, wenn das Hotel gebaut ist….

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  2. mannisfotobude schreibt:

    super schöne Aufnahmen ! Ja der Wind , ich hatte ihn auch mal richtig heftig in Fuerteventura . Da benötigte man am Strand ein T-Shirt ! Die Sandkörner waren wie Nadelstiche ! Problem der ging über mehrere Tage !

    Gefällt 1 Person

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