Die Gorch Fock in Santa Cruz

Als ursprüngliche Bewohnerin eines Alpenlandes habe ich in meinem Leben nicht all zu viel mit der Marine zu tun gehabt aber Schiffe haben mir immer gut gefallen. Vor allem Segelschiffe. Je mehr Masten und Segel desto schöner sind sie für mich. Mit den riesigen Hochhäusern aus Metall, die heute auf allen Weltmeeren herum schippern kann ich ehrlich gesagt, nicht so viel anfangen.

Seit Weihnachten liegt ein besonders bekanntes Segelschiff im Hafen von Santa Cruz de Tenerife. In einem Zeitungsartikel habe ich gelesen „Wer in Deutschland den Schiffsnamen „Gorch Fock“ hört, denkt meist an das bekannte Schulschiff der Bundesmarine, das 1958 gebaut wurde und seinen Heimathafen in Kiel hat.“ Ob das noch stimmt? Vor meinen Augen tauchen da an erster Stelle eher Millionen Euros auf. War da nicht ein riesiger Skandal mit illegal angebauten Tropenholz aus Myanmar, explodierenden Sanierungskosten, Betrug, Untreue und Korruption? Egal, über die Geschichte kann ich mich ja später noch ein bisschen schlau machen, jetzt machen wir einmal einen Rundgang in einem Teil der Marina von Santa Cruz. Zu übersehen ist die Gorch Fock ja nicht.

Auf dem Weg zur Anlegestelle des deutschen Schulschiffes kommen wir an den unterschiedlichsten kleinen und großen Booten vorbei. Das Wasser ist spiegelglatt und das Meer fast so dunkelblau wie der wolkenlose Himmel. Die Fotos entsprechen wirklich der Realität, ich habe nichts daran verändert und mit keinen Filtern oder anderen Werkzeugen daran herum manipuliert. Es war einfach der perfekte Tag.

Und dann steht sie in voller Größe vor uns. Oder sagt man liegt sie? Das ist also die Gorch Fock, das Segelschulschiff der deutschen Marine. Ein weißes Schiff mit hohen Masten und zur Zeit – leider – keinen aufgezogenen Segeln. Stolze 89 Meter lang, 12 Meter breit, 45 Meter hoch und über 5 Meter Tiefgang.

Fast sechs Jahre hat die Deutsche Marine auf diese erste Reise warten müssen, aber am 19. November vergangenen Jahres ging es endlich los. Nach jahrelanger Sanierung ist die Gorch Fock nun erneut auf großer Ausbildungsreise. Vom Heimathafen Kiel mit einem Zwischenstopp in Lissabon ging es weiter Richtung Süden – das Ziel: die Kanarischen Inseln.

An Bord ist im Moment allerdings nur die Stammbesatzung, die Kadetten sollten erst am 4. Jänner auf Teneriffa landen und ihren Ausbildungslehrgang beginnen. Die Betonung liegt auf sollten, denn wie so oft ist „Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“ oder „Während du Pläne schmiedest, fällt dein Schicksal lachend vom Stuhl.“ Sogar hier wieder einmal hat das Virus mit dem Krönchen erfolgreich zugeschlagen und alle Pläne erfolgreich durchkreuzt.

Acht Soldaten und Soldatinnen der Stammbesetzung haben sich mit dem Coronavirus infiziert. 22 weitere gelten als Kontaktpersonen und müssen nun auch in Quarantäne, wie Tim Gabrys, Sprecher der Marine in Kiel gegenüber RTL Nord am Mittwochmorgen bestätigt. Die Dreimastbark liegt derzeit in Santa Cruz auf Teneriffa. Eigentlich wollte die „Gorch Fock“-Besatzung ihren neuen Offiziernachwuchs im Atlantik ausbilden. Der sollte am Dienstag auf Teneriffa anreisen, das ist nun erst einmal verschoben worden. Corona-Alarm auf dem Traditions-Segelschulschiff. „Wir reden nicht davon, dass sie in Bars Partys gefeiert haben, sondern tatsächlich ist es durch Angehörige gekommen“, betont Marinesprecher Gabrys. Und weiter: „Ein Teil der Besatzung war im Heimaturlaub über die Feiertage. Sprich: In Deutschland. Ein anderer Teil hat Angehörige auf Teneriffa empfangen und irgendwie ist das Virus dann an Bord gekommen.“

100 Soldatinnen und Soldaten zählt die derzeitige Besatzung der „Gorch Fock“. Die acht infizierten Personen und die 22 weiteren Kontaktpersonen wurden vom Rest der Besatzung getrennt: „Die sind in einem Hotel einquartiert worden und dort in Quarantäne“, so Gabrys. Jedoch soll sich die gesamte Besatzung am Donnerstag einem zweiten PCR-Test unterziehen. Generell sind aber alle Soldatinnen und Soldaten, die mit dem Segelschulschiff nach Teneriffa gekommen sind, geimpft und geboostert. Wahrscheinlich ein wichtiger Grund für die jetzigen milden Krankheitsverläufe: „Die Verläufe, die bis jetzt bei den Soldaten und Soldatinnen festgestellt worden sind, zeigen entweder gar keine Auswirkungen oder oder nur ganz geringe Symptome“, berichtet der Marinesprecher.

Ich vermute, dass das Schiff nun ein paar Tage länger in Santa Cruz ankern muss, aber wie lange, das habe ich nicht herausfinden könne. Ursprünglich sollte die Reise Mitte Jänner weiter gehen denn Ende März soll die Gorch Fock in ihren Kieler Heimathafen zurückkehren. Falls ihr auf Teneriffa seid, habt ihr also noch Zeit für einen Besuch im Hafen von Santa Cruz.

Benannt wurde der Segler übrigens nach einem Dichter, einem Mann, der das Meer und liebte, der selbst gern Fischer geworden wäre und schließlich, im Ersten Weltkrieg, als Matrose starb. Johann Kinau alias Gorch Fock und wurde 1880 in Hamburg geboren. Er schrieb Gedichte und Erzählungen und sein 1912 erschienenes Werk „Seefahrt ist not“ wurde zu einem Klassiker der Seefahrtsliteratur. Er starb 1916 in der Schlacht am Skagerrak als Matrose auf dem untergehenden Kreuzer „SMS Wiesbaden“.

Das habe ich auch noch im weltweiten Netz gefunden. Ein Foto eines alten Markscheins und ich glaube, spätestens ab 1963 war die Gorch Fock auch für alle deutschen Landratten ein Begriff. Bis zum Start der Euroscheine zierte das Schiff die Rückseite des Zehn-Mark-Scheins.

Das Segelschulschiff der Marine, die Gorch Fock, passiert die Freiheitsstatue auf ihrer Reise im Jahr 2007.

Als „weißer Schwan der Ostsee“ fährt die Gorch Fock seit dem Jahr 1959 über die Weltmeere. Sie hat Hunderttausende Seemeilen zurückgelegt und alle Weltmeere befahren, ihre Sanierung wurde zum Debakel aber nun ist der Traditionssegler wieder zurück. Die Gorch Fock kann erneut in See stechen, jungen Menschen zu neuen Abenteuern verhelfen und ihnen das Leben als Seefahrer von einer anderen Seite zeigen. Komfort ist auf dem Schiff ein Fremdwort, in den zwölf Quadratmeter großen Kojen schlafen 30 Personen nicht in bequemen Betten sondern in Hängematten über- und nebeneinander. Extreme Wetterbedingungen mit Sturm und hohen Wellen sowie lange Nachtwachen an Deck oder anstrengende Übungen sind Alltag an Bord. Das Leben auf hoher See ist eben kein Zuckerschlecken.

„Die Botschafterin-Funktion der Gorch Fock als weitgehend unbewaffnetes Schiff für die neue Bundesrepublik aus den 1960er- und 1970er-Jahren mag zwar nachgelassen haben. Aber ein solcher Großsegler erzeugt Sehnsüchte, erzeugt Romantik. Nach wie vor kommen Tausende an Bord, wenn wir das Schiff für Besichtigungen öffnen. Wenn wir Häfen wie Malaga oder Venedig anlaufen, empfangen uns Hunderte, manchmal Tausende.

Kapitän der Gorch Fock Nils Brandt

Wind, Wellen und Gezeiten wirken sich auf moderne Schiffe genauso aus wie auf Segler. Aber nur auf einem Segelschiff erfahren die Kadetten so hautnah, welche elementaren Kräfte auf See wirken. Auf diesem Schiff wurden seit 1958 wurden ungefähr 15 000 Offizier- und Unteroffizieranwärter ausgebildet. Der Segler ankerte in fast vierhundert Häfen in sechzig Ländern auf fünf Kontinenten und legte dabei mehr als 750 000 Seemeilen zurück. Wenn man das umrechnet, hat die Gorch Fock bis jetzt fünfunddreißig Mal die Erde umsegelt.

ein Foto von Thomas Zimmermann

Es ist sicher eines der berühmtesten Segelschulschiffe der Welt, aber das Image der Gorch Fock hat in den vergangenen Jahr enorm gelitten. In allen Medien war die Rede vom „Schrottboot“ oder gar dem „Skandalschiff“ und das lag nicht nur an den explodierenden Kosten der Sanierung. Das Problem lag tiefer, denn in den Jahren davor gab es mehrere Todesfälle auf dem Schiff. 2008 ging eine 18-jährige Offiziersanwärterin über Bord und die genauen Todesumstände sind bis heute ungeklärt geblieben. 2010 kam eine 25-jährige Offiziersanwärterin bei einem Sturz aus der Takelage ums Leben. Der Unfall löste heftige Diskussionen aus und danach gab es viel Kritik an den Zuständen und Ausbildungsmethoden an Bord. Nun beginnt ein neuer Abschnitt im Seeleben der Gorch Fock, aber um das ramponierte Image wieder aufzupolieren, werden wahrscheinlich einige Jahre ohne Skandale vergehen müssen.

Wer in Deutschland den Namen Gorch Fock hört, denkt wahrscheinlich genau an dieses Segelschiff, das 1958 gebaut wurde und seinen Heimathafen in Kiel hat. Dabei hat dieses Schiff eine Vorgängerin mit dem selben Namen. Sollte der Name dann nicht Gorch Fock II lauten? Die erste Gorch Fock wurde schon 1933 in nur 100 Tagen in Hamburg gebaut und war bis 1939 als Schulschiff im Einsatz.Während des Zweiten Weltkriegs diente sie auch als Wohnschiff und landete am Ende in Stralsund. Als man schon ahnte, dass der Krieg zu Ende gehen würde, wurde das Schiff im April 1945 von der eigenen Besatzung kurzerhand versenkt. Ein Sprengkommando der deutschen Wehrmacht beendet die Laufbahn des Schiffes. Lieber ein Wrack am Meeresboden als ein Schiff in der Hand der Feinde.

Die Russen haben es allerdings nach einigen Versuchen doch gehoben, wieder instand gesetzt und umgetauft. Unter dem Namen Towarischtsch, was soviel wie Kamerad bedeutet, fuhr die ehemalige Gorch Fock seit 1950 als russisches Ausbildungsschiff über die Weltmeere. Nach der Auflösung der Sowjetunion wechselte die Gorch Fock 1992 zum dritten Mal ihre Staatsbürgerschaft die Nationalität und segelte unter ukrainische Flagge weiter.

Wie bei Menschen wird auch das Schiffsleben im Alter schwerer. Der Reparaturbedarf war groß, aber viel Geld war in der Ukraine nicht da und so landete das Schiff nach einer langen Irrfahrt 2003 wieder im Hafen von Stralsund. Ein Förderverein kaufte das Schiff, brachte es huckepack mit einem Dockschiff nach Hause, begann mit der Sanierung der alten Dame und gab ihr den alten Namen zurück. Heute liegt die erste Gorch Fock als Museumsschiff im Stralsunder Hafen.

Ich habe im Hafen noch zwei wunderschöne Segelschiffe gesehen, aber davon erzähle ich euch in den nächsten Tagen…

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5 Antworten zu Die Gorch Fock in Santa Cruz

  1. irissime schreibt:

    Das ist sehr unterhaltsam bei so vielen Informationen – gute Recherche und schöne Bilder! Ich hab es sehr gerne gelesen.

    Gefällt mir

  2. hanneweb schreibt:

    Wie auch immer… Deine Fotos sind ganz toll und macht Freude zu sehen!
    Liebe Grüße, Hanne

    Gefällt 1 Person

  3. monikakrampl schreibt:

    Was für eine Geschichte und was für Bilder! Danke!
    LG Monika

    Gefällt 1 Person

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