La Villa y Puerto Garachico

In vielen Reiseführern wird das kleine Städtchen Garachico ja noch oft als Geheimtipp verkauft, doch das ist es mit Sicherheit schon lange nicht mehr. Garachico ist ein hübscher Ort und tagsüber tummeln sich dort Touristen aus aller Herren Länder. Ich bin mir sicher, dass fast jeder Besucher von Teneriffa die Geschichte vom letzten Vulkanausbruch, dem verloren gegangenen Hafen und die Entstehung der Meeresschwimmbecken kennt. Habe ich recht? Ich glaube schon.

„La Villa y Puerto Garachico wurde Ende des 15. Jahrhunderts von dem genuesischen Bankier Cristóbal de Ponte gegründet. Das 16. und 17. Jahrhundert bildeten das goldene Zeitalter der Geschichte von Garachico. Der wirtschaftliche Wohlstand des Ortes basierte auf der Konsolidierung seiner Reede, insbesondere im 16. Jahrhundert, als Haupttor Teneriffas mit dem Handelsverkehr mit Europa, Amerika und Afrika“ kann man in den Unterlagen der Stadt lesen. Aber die Geschichte beginnt ein kleines Stückchen neben der Stadt – und wir haben am Montag einen Spaziergang dorthin gemacht…

Heute kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen, aber vor dem Vulkanausbruch reichte das Meer bis San Pedro del Daute. „Antiguamente, antes de que la lava cubriera Garachico, el muelle llegaba hasta este barrio del municipio.“ erzählte José Velázquez Méndez, ein Chronist von Garachico. Damals hatte der Ort 628 Einwohner, die fast alle auf dem Meer arbeiteten. Nicht auf den großen Schiffen, die hier ankamen, sondern auf kleinen Booten. Sie halfen auch bei den Arbeiten im Hafen.

Im Hafen kamen Schiffe aus aller Welt an, es wurde reger Handel betrieben und die Bewohner der Gemeinde wurde immer reicher. So wurde es Zeit, endlich eine Kirche zu bauen. Es wird angenommen, dass die erste Siedlung der heutigen Isla Baja, die von San Pedro de Daute, auf dem Hügel westlich der Bucht von Garachico, war. Es war der perfekte Ort mit einem natürlichen Aussichtspunkt mit Blick auf die Küste. Das war in dieser Zeit ziemlich wichtig, denn man darf nicht vergessen, dass auf den Weltmeeren nicht nur friedliche Handelsschiffe sondern auch Piraten unterwegs waren.

Hier wurde im Jahr 1497 auch mit dem Bau der ersten Kirche begonnen. In den ersten Büchern des Cabildo von Teneriffa steht, dass es in San Pedro seit 1509 eine Kirche gab und dass dort im Jahr 1514 eine Pfarrei gegründet wurde, die als „Oberhaupt der kirchlichen Wohltätigkeit von Daute“ bezeichnet wurde. Später wurde die Kirche vergrößert doch 1588 wurde in Garachico das erste Kloster gegründet und am Ende verlagerte sich das kirchliche Leben in die mittlerweile ebenfalls errichtete Kirche Santa Ana. San Pedro wurde immer unwichtiger und hatte bald so gut wie keine Bedeutung mehr. Es wurde vergessen, dabei ist es eigentlich die Keimzelle der Stadt Garachico.

Das Gebiet von San Pedro de Daute war ein geografisch wichtiger Punkt, da es weit von der Costa de Daute entfernt war, was es den Eroberern ermöglichte, vor Piraten aus Frankreich und Großbritannien zu fliehen. Die Straße, die das Dorf durchquerte, verband den Rest der Isla Baja mit dem Hafen von Garachico, dem Tor zur großen, weiten Welt. Die Gegend war perfekt für die Landwirtschaft geeignet und zwischen 1501 und 1516 wurde mit viel Geld der Banken von Sevilla und Genua die Produktion von Zuckerrohr. Nach dem Ausbruch des Vulkans im Jahr 1706 war das Gebiet von San Pedro del Daute eines der wenigen, das der Lava entging. Kein Wunder, es befand sich ja hoch oben auf der Spitze der Landzunge.

Nach einem kleinen Rundgang in San Pedro sind wir auf der alten Straße weiter nach Las Cruces spaziert. Auf dem Weg hat man einen wunderschönen Blick auf eines der ältesten Herrenhäuser dieser Gegend – la Hacienda del Marqués de la Quinta Roja. Auf den Ländereien des ersten Marquis von La Quinta Roja, Cristóbal de Ponte y Llarena wuchsen früher Wein, Getreide und Zuckerrohr in Hülle und Fülle. Das imposante Herrenhaus wurde 1735 fertig gestellt und hinter seinen Mauern verbergen sich mit Sicherheit viele Geschichten der Insel. Geschichten über die Freimaurerei, geheimnisvolle Handelspakte, geheime Liebesaffären und andere Schicksale. Schade, dass es noch immer niemand geschafft hat, eine Maschine für eine kurze Zeitreise zu erfinden. Ich würde liebend gerne einmal einen Tag in so einem Herrenhaus erleben.

Cristóbal de Ponte, der aus Genua stammte, gründete bekanntlich um 1500 Garachico. Er bekam dieses Land kurz nach der Eroberung der Insel von Adelantado Fernández de Lugo als Gegenleistung für das Darlehen, das er zur Finanzierung der Eroberung der Insel aufgenommen hatte. Das Haus war für lange Zeit die Residenzen der Marquise von La Quinta Roja. Einen von ihnen, Diego de Ponte y del Castillo, kennt ihr vielleicht aus La Orotava. Er ist der berühmte Freimaurer, für den das Mausoleum in den Jardines de la Quinta Roja in La Orotava, gebaut worden ist. Aber das ist jetzt wirklich eine andere Geschichte.

Ein Stückchen weiter steht noch ein altes Haus in der Landschaft. Den Namen habe ich leider nicht heraus gefunden, aber in einem anderen Jahrhundert war es sicher ebenfalls ein schönes Herrenhaus, das viele Geschichten erzählen könnte. Leider verfällt es jedes Jahr ein Stücken mehr und wenn nicht bald etwas geschieht, wird es sich wohl in Staub auflösen und in sich zusammen fallen.

Von Las Cruces kann ich so gut wie nichts erzählen aber ich werde mit diesem Namen wahrscheinlich noch lange einen himmelblauen Fußballplatz vor meinen Augen haben. Spielt man da Fußball oder Wasserball? Ich konnte leider niemanden fragen, denn wir haben weit und breit keinen Menschen auf der Straße gesehen.

Nachdem die alte Straße hier auf die neue Hauptstrasse trifft, haben wir entschieden, umzudrehen. Am Ende der Gasse führt nur mehr eine kurze Stiege auf die Hauptstrasse und am Straßenrand wollen wir nicht weiter gehen.

Also genießen wir noch einmal die tolle Aussicht, denn hier liegt uns die ganze Isla Baja zu Füßen. Nach einem letzten Blick Richtung Los Silos mache wir uns wieder auf den Heimweg, unser Auto wartet in Garachico auf uns…

Über ARTlandya - der Blog

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2 Antworten zu La Villa y Puerto Garachico

  1. Marianne Heid schreibt:

    Wie immer wunderschöne Fotos von dir, liebe Ingrid. Und bei mir kommen tolle Erinnerungen hoch, ich liebe diesen Ort auch sehr.

    Gefällt 1 Person

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