San Juan oder Corpus Christi?

Auf Teneriffa den Kanarischen Inseln wird der längste Tag des Jahres oder besser gesagt die Sommersonnenwende nicht am 21. Juni sondern erst zwei Tage später, in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni, in der Johannisnacht, la Noche San Juan, gebührend gefeuert gefeiert. Heute kommen die feierwilligen Inselbewohner aber anständig in Stress. Nicht alle natürlich! Aber die Bewohner von La Orotava trifft es mit voller Wucht. Jetzt darf das erste Mal nach zwei Jahren wieder gefeiert werden und dann gibt es plötzlich alles auf einmal. Warum?

Auf Teneriffa gibt es keine Donnerstagfeiertage und so wird auch Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam am darauf folgenden Sonntag gefeiert. Anlässlich von Corpus Christi werden in vielen Orten wunderschöne Teppiche aus Blumen, Sand oder Salz auf die Strassen gestreut. Prozessionen ziehen durch die Gassen und der Tag wäre eigentlich ausgefüllt. La Orotava feiert dieses Fest allerdings immer am Donnerstag danach. In diesem Jahr fällt es dadurch auf den 23. Juni 2022. Und jetzt kommt Johannes, San Juan, der nächste Heilige, ins Spiel  …

Auch in Icod de los Vinos darf heute die Sonnenwende auf die traditionelle Art gefeiert werden. Die Vorbereitungen für das große Fest haben an vielen Plätzen schon vor einigen Tagen begonnen. Der Mittelpunkt der Veranstaltung liegt heute nicht in der Stadtmitte oder auf der Plaza um die Kirche sondern am Berg und am Strand unserer kleinen Stadt, in El Amparo und am Playa San Marcos. Icod feiert übrigens auch nicht den Erwachsenen Johannes sondern das Wickelkind.

Der zentrale Treffpunkt ist der Strand von Icod, la Playa San Marcos. Dort spielt die Musik, es wird gefeiert und gegen Mitternacht wird dann Juanito, wie er liebevoll genannt wird, prächtig geschmückt und in Begleitung von vielen Fackeln zur Kapelle am Strand getragen. Ungefähr um zehn Uhr ist es dann soweit. Klein Juanito macht sich mit Hilfe von sechs kräftigen Männern auf den Weg zu seinem Treffpunkt mit den normal Sterblichen etwas oberhalb der Bucht. Dort brennt schon ein großer Holzhaufen, die Musiker warten auf ihren Einsatz und die Polizei kontrolliert zum aller letzten Mal ob die Straße frei von Autos ist. 

Und dann kommt der Prozessionszug zurück an den Strand und zur Kapelle. An der Spitze, über den Köpfen der Männer, Juanito im Gefolge erschöpfter, aber fröhlicher Feuerträger. Sie tragen ganz spezielle Fackeln, sogenannte Hachitos mit sich. Die schönsten Hachitos de San Juan werden in El Amparo durch die Nacht getragen und die großen, schweren Exemplare bleiben natürlich am Berg, aber mit der kleineren Ausführung der Fackeln strömen unzählige Menschen an den Strand. Die Prozession nimmt und nimmt kein Ende. Die Lichterkette wandert in Kurvenform den Hügel abwärts. Das ersehnte Ziel – la Playa de San Marcos.

Fast jeder Ort auf der Insel hat seine eigenen Bräuche dafür, aber Feuer, Musik und Fröhlichkeit sind überall die perfekten Zutaten. Meistens bis in die frühen Morgenstunden. Ich wünsche euch allen eine schöne Sommersonnwendfeier – und vergesst nicht, man darf sich auch etwas wünschen!

– wer noch mehr wissen will, kann ja in den Blogbeiträgen der vergangenen Jahre nachlesen …

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3 Antworten zu San Juan oder Corpus Christi?

  1. inselleben schreibt:

    Dann ist die „Noche San Juan“ ja die kanarische Version der skandinavischen Mittsommerfeiern 😉. Ihr habt auf jeden Fall auch prächtigen Blumenschmuck!

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  2. kubde schreibt:

    Heute ist es wieder soweit – man muß, auf dem Land lebend, die Fenster geschlossen halten. Zugegeben, es gab Jahre an denen die Müllverbrennung seht viel schlimmer war. Heuer sind wohl die Autoreifen ausgegangen. Man muß die Pneus wohl wieder länger aufgezogen lassen. Nun, wie auch immer, herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Möge die kommende Zeit, nicht nur für Österreich auch hier wieder entspannter verlaufen – zum Wohle aller.

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    • wir haben dieses Jahr überhaupt nichts von irgendwelchen Feuern gesehen. In unserer Umgebung war die Luft klar 🙂 Aber das war in den vergangenen Jahren auch schon viel besser als vor zehn Jahren. Da mußte man richtig „flüchten“ … Liebe Grüße und ein angenehmes Wochenende!
      Ingrid

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