Kunst macht Freude

Icod de los Vinos, 7. September 2017

Unsere Bekannten aus Waltershausen fliegen morgen nach Hause und ich glaube, sie haben heute schon die Sonne eingepackt um sie mit zu nehmen. Vielleicht weil sie heute einen Schrecken bekommen haben, als sie auf unseren Parkplatz gefahren sind. Dort stand nämlich ein Auto des Cruz Roja, und sie haben schon Schlimmes befürchtet und dachten schon, uns sei etwas passiert.

Aber keine Angst, alles ist gut, das Rote Kreuz übernimmt hier auf der Insel auch den Transport von alten oder beeinträchtigten Menschen. So ist es möglich, dass auch diese Menschen am normalen Leben teilnehmen können. Da werden, wenn notwendig, auch ruck zuck die Rollstühle eingepackt und  los geht es. 1f60a Ihr könnt mir glauben, auch die gebrechlichsten Teilnehmer genießen die Ausflüge und wir können auch diese Augen zum Strahlen bringen. Das Rote Kreuz ist also nicht nur für das nackte Leben sondern auch für die Lebensfreude zuständig! Vor allem die Betreuer und Betreuerinnen die dafür zuständig sind machen ihre Arbeit mit so viel Herz und Freude, dass so mancher Miesepeter, der eigentlich gar keine Sorgen hat, den Hut ziehen müsste.

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Murder by rose von Beatriz Martin Vidal

Kunst
Ein Mensch malt,
vor Begeist’rung wild,
drei Jahre lang an einem Bild.
Dann legt er stolz den Pinsel hin und sagt:
„Da steckt viel Arbeit drin!“
Doch damit war’s dann leider aus:
Die Arbeit kam nicht mehr heraus!
Eugen Roth

Zum Glück kommt bei den meisten Kunstwerken doch etwas Gutes heraus und wir können uns freuen, dass es so viele Künstler gibt, die Farbe und Freude in unser Leben bringen. Wie heißt es so schön? Geld macht angeblich ja nicht immer glücklich … kuss (2)

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Wenn aus Buchstaben Bilder werden

Icod de los Vinos, 6. September 2017

Lesen ist wie ein großes Abenteuer und die wahren Abenteuer sind nur in unserem Kopf. Zumindest hat das André Heller so gesehen. Es muss ja nicht immer nur um Abenteuer gehen, für mich kann es auch viel leiser sein. Ich bin eine bekennende Leseratte und in meinem Leben habe ich schon hunderte Bücher gelesen. Was gibt es Schöneres als stundenlang in einem Buch schmökern zu können? Rund herum versinkt die Welt und die Gedanken können sich auf eine faszinierende Reise begeben. Bücher sind und waren immer ein wichtiger Teil meines Lebens und so werden sie von mir auch behandelt. Da gibt es keine Eselsohren oder Knicke und ich hasse Notizen, die an den Rand der Seiten gekritzelt werden. Bücher wegwerfen? Das geht gar nicht! Bücher sind eben etwas besonderes …

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Bücher sind keine Möbelstücke, aber sie geben jedem Raum eine Seele. Das fühlen anscheinend sogar Menschen, die mit Literatur gar nichts am Hut haben, denn in einigen Möbelhäusern kann sich jeder meterlange Bücheratrappen kaufen und damit sein Heim verschönern. 1f609 Mehr Wissen kann sich leider niemand kaufen, aber fürs Auge reicht’s.

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Und jetzt bin ich in der Zwickmühle, denn ich habe jemanden gefunden, der Bücher zerstört um sie anschließend in faszinierende Kunstwerke zu verwandeln, da gibt es eine Frau, die aus ausrangierten Büchern geheimnisvollen Kunstwerke macht.

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„Ich liebe es, zu lesen; in meinem Zuhause in Alicante an der spanischen Mittelmeerküste habe ich eine wundervolle Bibliothek, dort hüte ich Bücher wie Schätze“,  sagt Malena Varcárcel. Trotzdem bearbeitet sie einige davon und die bedruckten Seiten verwandeln sich unter ihren Händen in Baumhäuser, Schlösser oder verwunschene Wälder. Alte Bücher werden zu Kunstwerken, in denen der Geist der Bücher weiterlebt.

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Malena Valcárcel wurde auf Teneriffa geboren und lebt heute in Alicante. Sie hat sich diese Kunst selbst erarbeitet und die Ideen für ihre Skulpturen holt sie sich auch aus dem tägliche Leben. Oft ergibt sich das Thema auch beim Lesen eines Buches und dann erzählt sie mit ihren zauberhaften Buchskulpturen ihre eigenen Geschichten und haucht den Buchseiten wieder neues Leben ein.

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Damit ihre Skulpturen diese ganz besondere Atmosphäre ausstrahlen können, sucht sie die Bücher sorgfältig aus. Die Farbe des Buchdeckels muss genauso stimmen wie die Art des Buchdrucks oder die Papierstärke.

An einem dreidimensionalen Bild aus Papier arbeitet sie oft über vierzig Tage und wenn man die Werke ganz genau betrachtet, erkennt man immer wieder spanische oder englische Satzfetzen die ins Auge stechen. Was ist der Kontext, was könnte gemeint sein? Wir können uns diese Frage stellen, aber wir werden es doch nie erfahren. Oft wirken die filigranen Skulpturen wie der Zugang zu einer anderen Welt, also ist vielleicht doch nicht nur Lesen Abenteuer im Kopf? kuss (2)

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„Natürlich wäre es wunderbar, wenn mehr Bücher in den Regalen der Leute bleiben würden, anstatt in den Mülleimern zu landen.“ sagt Malena in einem Interview. „Aber die Bücher, die im Müll landen, verwandle ich in eine neue Geschichte so, dass die Menschen die Magie der Bücher wieder spüren können.“ 

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„My name is Malena Valcárcel.

I live in Alicante – Spain, next to the beautiful and warm Mediterranean Sea. I was born in Tenerife – Canary Islands where I grew up without losing sight of the sea. I love books and I have been an avid reader all my life. I transform books into a new story in a way to make people stop and appreciate, if just for a moment, the magic of books …“ 

•*¨*•❥  Im Internet findet ihr Malena Valcárel im Facbook oder unter Malena Valcárcel  Etsy Shop hier

 

 

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Schrott ist nicht gleich Müll

Icod de los Vinos, 5. September 2017

Sagt euch der Name Artur Bordalo etwas? Wahrscheinlich nicht, mir hat auch nur ein Vögelchen etwas gezwitschert. 1f609 Gestern hatten wir keine Lust besonders weit zu fahren und deshalb haben wir zur Abwechslung wieder einmal die nähere Umgebung erkundet. Am Nachmittag sind wir nach Los Silos gefahren und siehe da, das kleine Städtchen ist, wie so oft, für eine Überraschung gut.

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In den ersten zwei Wochen im September, genau gesagt vom 13. bis 16. 9. 2017 findet in Los Silos das Festival Boreal statt. Dabei handelt es sich um ein kulturelles und nachhaltiges Projekt, sozusagen ein Öko-Festival. Dieses Jahr wird es bereits zum zehnten Mal von der Gemeinde Los Silos organisiert und dazu passend gibt es eine besondere Überraschung. Ein großer, bunter Vogel, der nicht nur lustig aussieht sondern zum Nachdenken anregen sollte.

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„one man’s trash is another man’s treasure“

Um vor den massiven Folgen unserer Wegwerfgesellschaft zur warnen, gestaltet ein junger Künstler aus Portugal Tierplastiken aus gesammeltem Müll. Artur Bordalo, der sich Bordalo II nennt, wurde 1987 in Lissabon geboren. Begonnen hat seine Laufbahn in Portugal, aber mittlerweile reist er mit seiner Arbeit um die Welt. Seine Werke stehen in vielen Länders Europas, aber auch in den USA. Auf den Kanarischen Inseln ist dieses Werk eine Premiere, er arbeitet das erste Mal auf der Insel.

Der Künstler benutzt die größte Bedrohung der Natur, den Abfall unserer Gesellschaft, um den dadurch bedrohten Tierarten eine Platform zu geben. Denn meistens sind es die Tiere, die unter den menschlichen Müllmassen am meisten leiden. Seine Kunstwerke sind also Schönheit und Warnung zugleich. Für seine Plastiken verwendet er kaputte Stoßstangen, verrostete Eisenteile, Dosen, alte Mülltonnen oder Reifen, Plastikrohre, Kabel und Holz, sogar ausgedientes Spielzeug habe ich entdecken können. Nutzlose Dinge, die niemand mehr braucht,  erhalten so eine zweite Existenz als Kunstobjekte.

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„La basura de unos es el tesoro de otros, en casos específicos“

Mit seinen eigenen Worten sagt er: “ Ich versuche mit meiner Arbeit auf die Probleme aufmerksam zu machen, die man gerne vergißt oder als notwendiges Übel hin nimmt. Die Herstellung von Müll, Abfall, Verschmutzung und ihre Auswirkungen auf den Planeten. „Trabajos que pretenden llamar la atención sobre un problema de la actualidad que tiende a ser olvidado y convertirse en una banalidad o un mal necesario: la producción de basura, el desperdicio, la contaminación y sus efectos en nuestro planeta“

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Boralo nennt seine Werke „Big Trash Aninals“

Seine Tierplastken finden ihren neue Heimat meistens an Hauswänden aber auch Autos, Plakatwände oder Schiffe sind dafür geeignet. Er haucht ihnen mit einem farbenfrohen Anstrich Leben ein und das Ergebnis sind beeindruckende Hingucker – vom Kaninchen bis zur Honigbiene. In Los Silos steht nun ein Mahnmal für einen ganz besonderen Vogel.

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der letzte „guirre“ wurde 1986 bei Teno Bajo gesichtet

Es handelt sich um el guirre, den Schmutzgeier, neophron percnopterus majorensis, einem endemischen Vogel der Kanarischen Inseln, der vom Aussterben bedroht war. Auf Teneriffa wurde der letzte Vertreter seiner Art 1986 im Tenogebirge gesehen und zur Jahrausendwende gab es auf Fuerteventura nur noch 21 Pärchen. Seit der Vogel intensiv geschützt wird, hat sich die Population wieder erholt und zur Zeit sollen wieder über zweihundert Tiere auf Fuerteventura leben.

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Egal ob im Wasser, am Land oder in der Luft, Tiere ersticken an Plastikmüll oder verenden zu Tausenden durch irgendwelche Industrieunfälle und was machen wir? Plastik wohin man schaut, sogar beim Einkauf von Obst und Gemüse soll jeder einen Plastikhandschuh anziehen. Wofür soll das denn gut sein, stecke ich mich über eine Tomate mit einer schlimmen Krankheit an? Aber das ist ein anderes Thema – trotzdem, bei mir hat der Vogel etwas bewirkt und vielleicht bringt er auch andere Betrachter wenigstens für kurze Zeit zum Nachdenken. Man muss ja nicht gleich die ganze Welt retten, wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen hat sich schon etwas geändert.

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Artur Bordalo – Bordalo II

Hier habe ich noch einige Fotos von seinen Werken zusammen gestellt, wenn ihr mehr über den Künstler wissen wollt – hier ist der Link zu seiner Webseite

 

 

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Der Rosenelf  

Icod de los Vinos, 2. September 2017

Wir sind von grauen Wolken umgeben und es ist wirklich schade, dass Petrus mit dem Wasser so sparsam umgeht. Es tröpfelt leider nur ab und zu ein bisschen. Urlauber haben sich über dieses Wetter nicht aufgeregt, aber eine Besucherin aus Santa Cruz ist empört über das schlechte Wetter hergezogen. 1f60a Zum Glück haben ihr die Puppen so gut gefallen, dass am Ende auch die Regentropfen keine Rolle mehr gespielt haben.

Ich werde jetzt meinen Arbeitsplatz zu den Kochtöpfen verlegen aber für euch habe ich noch ein paar Zeilen für den Abend … kuss (2)

„Inmitten eines Gartens wuchs ein Rosenstrauch, der war ganz voller Rosen und in einer davon, der schönsten von allen, wohnte ein Elf. Er war so winzig klein, daß kein menschliches Auge ihn sehen konnte, hinter jedem Blatt in der Rose hatte er eine Schlafkammer. 

Er war so wohlgestalt und hübsch, wie ein Kind nur sein konnte, und hatte Flügel an den Schultern, hinab bis zu den Füßen. Oh, es war ein Duft in seinen Zimmern, und wie hell und schön waren die Wände! Sie waren ja die feinen hellrosa Rosenblätter … „

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… sind die ersten Zeilen des Märchens von Hans Christian Andersen und diese Rose wäre wohl das perfekte Heim für den kleinen, geheimnisvollen Elf, oder nicht? kuss (2)

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Afrikanischer Tulpenbaum

Icod de los Vinos, 1. September 2017

In der Nacht hat es ein wenig geregnet, nicht atemberaubend viel, aber unsere Pflanzen haben sich darüber mit Sicherheit gefreut. Die Luft ist wieder klar und warm und als ich um zehn Uhr das Eingangstor von ARTlandya geöffnet habe, sind mir als Draufgabe noch ein paar dicke, fette Wassertropfen, die sich zwischen den Blättern versteckt haben,  auf den Kopf getropft. 1f609 Der Tag beginnt ja schon viel versprechend.

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Wer jetzt auf Teneriffa durch die Landschaft fährt, sieht entweder in Gärten, Parks oder irgendwo am Strassenrand immer wieder Bäume mit großen, feuerroten Blüten. Es sind die spektakulären Blüten des Afrikanischen Tulpenbaums, der auf den Kanaren auch tulipero oder llama africana, also afrikanische Flamme, genannt wird.

Er ist ein echter Immigrant aus Afrika und über seinen Immigrationshintergrund denkt hier bestimmt niemand mehr nach. Die feurige, afrikanische Schönheit hat ihren Platz in den Herzen der Menschen längst gefunden. 1f60a Auch wenn der Afrikanische Tulpenbaum heute überall in den Tropen zu finden ist, ist und bleibt seine ehemalige Heimat das Hochland im tropischen Westafrika.

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Der Afrikanische Tulpenbaum, Spathodea campanulata, wird 1787 zum ersten Mal in Reisetagebüchern beschrieben und gehört damals wie heute zu den auffälligsten tropischen Zierbäumen. Die großen Blütenstände verstecken sich nicht im Laub sondern ragen vorwitzig über die Blattkrone hinaus und sind so weit sichtbar. Die Knospen wachsen ziemlich unbemerkt zwischen den tiefgrünen Blättern. Zuerst sind sie hellgrün und zart, später wechselt die Farbe ins orangebraun? 1f60a Unseren Sohn haben diese Gebilde immer an eine Spinne erinnert.

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Die Blüten sind wie handtellergroße Halbkugeln aufgebaut. Zuerst öffnet sich zaghaft der äußere Kreis der Knospen doch sobald diese Blütenblätter verwelken, rückt die nächste Reihe nach. Wie die ausgefallenen Zähne bei einem Haifisch. lachen Genial, oder? So ist es möglich, dass eine einzelne Blüte wochenlang blüht!

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Gepflanzt wird der Baum natürlich hauptsächlich wegen seiner Blüten, aber weil er sehr schnell wächst, sein grünes Blätterkleid das ganze Jahr über behält und ständig blüht, ist er auch ein perfekter, traumhaft schöner Sonnenschirm. In der freien Natur kann der Tulpenbaum schon eine Höhe zwischen zwanzig und dreißig Meter erreichen. Aber keine Angst, wer das nicht will, kann den Baum ohne weiteres regelmäßig schneiden und dann passt er fast in jeden noch so kleinen Garten.

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Der Afrikanische Tulpenbaum ist also ein perfekter Zierbaum, einen anderen Nutzen kann er leider nicht bieten. Er punktet ausschließlich mit seiner Schönheit und tut nur unseren Augen gut. Er gehört zur Familie der Trompetenbaumgewächse und deshalb hat sein Holz eine ganz schlechte Qualität. Man kann es nicht einmal als Brennholz verwenden, doch in einigen Ländern wird daraus immerhin Papier erzeugt. Ach ja, das hätte ich jetzt fast vergessen, die Medizinmänner in Afrika sollen aus diesem Holz ihre Kultstäbe geschnitzt haben. Über den Duft der wunderschönen, scharlachroten Blüten sprechen wir lieber nicht, denn sie riechen irgendwie unangenehm – aber nur wenn man die Nase direkt hinein steckt. 1f609 

Und wie sieht es beim Tulpenbaum kulinarisch aus, ist da vielleicht etwas für den Obstkorb dabei? Fehlanzeige, er produziert auch keine essbaren Früchte. Aus den Blüten entwickeln sich ungefähr zwanzig Zentimeter lange, aufrecht stehende, braune Kapseln, die nach einiger Zeit der Länge nach aufplatzen und ihre Samen für die nächste Generation verstreuen.

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Für die Bestäubung der Blüten sind übrigens nicht die Bienen sondern Fledermäuse zuständig! Falls sich jetzt jemand fragt, ob es auf Teneriffa Fledermäuse gibt – ja es gibt sie und die fliegenden Säugetiere sind mit Sicherheit schon vor den Menschen auf der vulkanischen Insel wohnhaft gewesen. Die Langohrfledermaus steht inzwischen unter Schutz und lebt hauptsächlich in den Wäldern und in Höhlen der Cañadas, aber wenn es bei uns auf der Finca dunkel wird, sieht man sie auch auf ARTlandya. Ich vermute, sie haben ihre Unterkünfte während des Tages unter den alten Dachziegeln, aber im Schutz der Dunkelheit gehen sie auf Raubzug und ab und zu dürften sie auch die Blüten der Tulpenbäume besuchen. Sonst würden sich an unseren Bäumen ja keine Samen bilden, oder?

Bei uns Menschen punktet der Baum also in erster Linie mit seiner Schönheit. 1f609 Die Vögel würden uns eine ganz andere Geschichte erzählen, denn das weiche Holz der abgestorbenen Äste ist ein perfekter Baustoff für ihre Nester und in den großen Knospen der Blüten sammelt sich während der Nacht Wasser, das die Vögel, aber auch die Fledermäuse, als Brunnen benutzen. Probiert es einmal aus, wenn ihr die geschlossenen Blütenknospen zusammendrückt, schießt ein kräftiger Wasserstrahl heraus. Dieser Mechanismus soll eigentlich Fledermäuse zur Bestäubung anzulocken, aber auch Menschenkinder haben diese Wassertanks längst entdeckt und benutzen sie als kostenlose Wasserbomben. lachen  Deshalb werden die Bäume in ihrer afrikanischen Heimat auch Pis Pis genannt.

•*¨*•❥   Übrigens – die Blätter, Blüten und auch die Rinde des Tulpenbaums wird in der traditionellen afrikanischen Medizin sehr vielfältig verwendet. An der Elfenbeinküste stellt man aus einem Gemisch von Blättern des Tulpenbaumes, einiger anderer Pflanzen und Kaolin eine Paste hergestellt. In anderen Regionen wie in Kamerun oder Benin wird aus der Rinde ein Pulver zubereitet, das mit Wasser vermischt zur Behandlung von Wunden und Narben verwendet wird.

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Monatsende …

Icod de los Vinos, 31. August 2017

Monat Nummer Acht ist zu Ende, morgen beginnt der September und damit, so viel ich weiß, der meteorologische Herbst.  Ich halte mich lieber an den gefühlten Herbstbeginn, obwohl wir auf der Insel im Grunde genommen keinen richtigen Herbst haben. Deshalb klingt das eigentlich ziemlich absurd, denn normalerweise ist gerade der September besonders beständig und sommerlich. 1f60a Auch wenn es heute bewölkt ist und recht regnerisch aussieht. Besucher aus dem Süden haben erzählt, dass es in den Bergen geregnet hat, ob es bei uns auch noch ankommt? Unserer Wasserrechnung würde es nicht schaden, wenn Petrus wenigstens einmal im Monat die Bewässerung übernehmen würde. Er könnte diese Arbeit ja auch in der Nacht erledigen, ich hätte nichts dagegen! 

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Heute bin ich einmal über das Wort Kauderwelsch gestolppert. Fragt mich bitte nicht warum. 1f60a  Und weil ich es ganz genau wissen wollte, habe ich danach gegooget und bin natürlich fündig geworden. Im Duden steht, dass das bereits vor dem 16. Jahrhundert entstandene Wort Kauderwelsch eine abwertende Bezeichnung für eine verworrene, unklare Sprechweise, für ein sonderbares Gemisch aus mehreren Sprachen oder eine unverständliche fremde Sprache ist.

Und wie könnte man dann Kauderwelsch in Kauderwelsch erklären? Wie wäre es damit?  „Kauderwelsch ist eine Sprache, der man sich bedient, wenn man etwas nicht ausdrücken kann, aber trotzdem denkt, wenn man das nicht ausdrückt, also sagt, dann kriegt man, auf welche Weise auch immer, nein, besser gesagt, man will, aber kann nicht, etwas sagen, wovon, im Grunde genommen, jeder weiß, dass das ja eigentlich klar sein müsste, aber irgendwie verheddert man sich, weil dann kommt’s nämlich, und das ist das Problem, dass man vergessen hat, was man ausdrücken will und nicht kann.“ lachen

So, jetzt habe ich endgültig den Faden verloren, ich gebe auf. Zumindest für heute. Morgen ist ein neuer Tag … kuss (2)

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Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann

Icod de los Vinos, 30. August 2017

Alltag – auch heute ist nichts Besonderes passiert, nicht einmal übers Wetter kann ich mich beklagen, es ist einfach normal. Nicht kalt, nicht heiß, die Sonne scheint, ab und zu ziehen ein paar Wolken von La Guancha Richtung Los Silos und es bewegt sich kaum ein Blättchen, denn sogar der Wind streikt. Ich bin gerade beim Aufräumen meiner Ordner in meinem umfangreichen Archiv und da ist mir diese Geschichte unter gekommen. Vielleicht gefällt sie euch ja ebenfalls?

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Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen von Keshan. Der Vater saß auf dem Esel, den der Junge führte. „Der arme Junge“, sagte da ein Vorübergehender. „seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft.“

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen. Es dauerte nicht lange, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater daneben herläuft.“

Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater, sich hinter ihn auf den Esel zu setzten. „Hat man so was schon gesehen?“ keifte eine Frau, „Solche Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan. Die arme Kreatur!“ 

Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter. Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: „So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?“

Da schob der Vater dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legte seine Hand auf die Schulter des Sohnes. „Gleichgültig, was wir machen“, sagte er, „es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.“

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Ich habe die Erzählung vor langer Zeit einmal im Internet gefunden, den Autor der Geschichte kenne ich leider nicht, aber er hat das Problem unserer Zeit perfekt auf den Punkt gebracht, oder? Es ist einfach unmöglich, es allen recht zu machen und sogar wenn wir es könnten wäre einer unzufrieden – wir selbst!

Bill Cosby hat dazu einmal ein treffende Bemerkung gemacht: „Der Schlüssel zum Scheitern ist der Versuch, es allen recht zu machen.“ oder ganz einfach gesagt – wenn du versuchst es allen recht zu machen, dann hast du mit Sicherheit einen vergessen – dich selbst! Das will ich nicht, deshalb müsst ihr mich nehmen, wie ich bin … kuss (2)

 

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