La Búsqueda – Sehnsucht und Ziele

„Der Grund, warum Vögel fliegen können und wir nicht, ist der, dass sie voller Zuversicht sind, und wer zuversichtlich ist, dem wachsen Flügel.“  schrieb Sir James Matthew Barrie

… und Julio Nieto zeigt, dass es auch anders geht! Seine Figuren aus Metall faszinieren mich immer wieder aufs Neue und als ich gehört habe, dass zur Zeit eine seiner Skulpturen in Puerto de la Cruz aufgestellt wurde, musste ich mir das natürlich mit eigenen Augen ansehen.

Der Name der fliegenden Schönheit ist La Búsqueda, die Suchende und sie steht bis 20. Jänner 2019 an der Playa Martianez.

Die Arbeit ist eine Metapher der Zeit, die die Identität und die Zukunft der Menschen darstellt. „¿Quién en su vida no se ha planteado la búsqueda como un anhelo, como un propósito?“ „Wer hat in seinem Leben noch nie über Sehnsüchte und Ziele nachgedacht?“ Mit der Figur der Suchenden will Julio Nieto den entscheidenden Moment, in dem wir darüber nachdenken, wohin wir gehen oder gehen wollen, darstellen.

Die um 360 Grad drehbare Skulptur besteht aus zwei Elementen – einem androgynen Körper und einer Windrose. Auf den ersten Blick sieht man zunächst einer Frau, aber bei genauer Betrachtung erkennt man auch ihre männlichen Eigenschaften. Der riesige Kompass, der von der Person gepackt wird, als wäre ihr Leben vorbei, soll den Weg weisen. Mit Hilfe der Windrose können wir erkennen, aus welcher Richtung der Wind bläst, deshalb klammert sich die Figur daran fest – doch die Richtung verändert sich immer wieder. Genau so, wie es eigentlich auch im richtigen Leben ist, oder?

Obwohl die Skulptur ungefähr 800 Kilogramm wiegt, ist sie leicht zu bewegen. Für Julio Nieto „hinterlässt die Skulptur bei Tag eine Reflexion einen Schatten am Boden und wenn die Nacht kommt, werden die Sterne in ihr reflektiert. Wie die durch die Lüfte schwebende Figur sind wir Menschen dem Wind ausgeliefert und werden von den Sternen, dem Magnetismus und unserem Herzen beeinflusst – und so hört die Suche nach dem richtigen Weg niemals auf.“

Julio Nieto stellt seine Kunstwerke immer wieder auf der Straße aus, denn er will mit seiner Arbeit so viele Menschen wie möglich erreichen. Wenn ihr mehr über den Künstler und das Projekt der Straßenkunst lesen wollt, klickt auf den Link zu meinem älteren Blogbeitrag über Piel de Metal – Julio Nieto. Viel Spass dabei …

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El Roscón de Reyes oder der süße Höhepunkt

Wenn ihr glaubt, Weihnachten ist schon vorbei – habt ihr euch getäuscht! Am 6. Jänner wird auf der Insel in allen Familien gefeiert, gegessen und getrunken. Es ist eben Weihnachten – auch wenn im Kalender bereits die erste Jännerwoche steht! Heute bekommen die Inselkinder endlich ihre Weihnachtsgeschenke, los regalos de Navidad.

Am Vorabend, la víspera, des Drei König Tages verteilen die Könige aus dem Morgenland ihre Geschenke. Dann ist auch auf den Inseln im Atlantik die Weihnachtszeit endgültig ein Teil der Geschichte des alten Jahres. Aber wisst ihr überhaupt warum die drei Könige die Geschenke bringen? Ganz einfach – als sie damals zur Krippe kamen war das Jesuskind so zufrieden mit ihrem Besuch, dass es den Heiligen Drei Königen das Geschenk des ewigen Lebens gab und ihnen die Macht verlieh, einmal im Jahr Geschenke für alle Kinder der Welt zu bringen!

Dann fehlt nur noch die süße Krönung des Tages – El Roscón de Reyes ist am sechsten Jänner ein absolutes Muss auf jedem Tisch und deshalb war der bunte Dreikönigskuchen in den vergangenen Tagen in so gut wie allen Geschäften stapelweise im Angebot.

Die Weihnachtsstimmung verfliegt auf den Inseln im Atlantik also mit der Ankunft der höheren Mächte – aber vorher müssen noch die Heiligen Drei Könige, los Reyes Magos de Oriente, wie sie ganz korrekt heißen, ihre Arbeit leisten.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war auf den Kanaren, zumindest in den sogenannten besseren Kreisen, der Truthahn en vogue. Kennt ihr die Geschichte? Ich habe über diese Fleißgen Mädchen mit dem Federvieh einen Bericht geschrieben, lest ihn, dann wisst ihr mehr…

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Weihnachtsmärkte

In vielen Orten Europas werden in der Vorweihnachtszeit Marktbuden aufgebaut. Es gibt Weihnachts- und Christkindlmärkte aller Art. Auf Teneriffa ist das nicht der Fall aber an der Mole von Puerto de la Cruz findet man von Anfang Dezember bis zum Tag der Heiligen Drei Könige einen Vergnügungspark für Groß und Klein.  Ein fester Bestandteil war bis vor ein paar Jahren ein wunderschönes, fast nostalgisch angehauchtes Riesenrad mit den vielen bunten Gondeln.

Der älteste Hinweis auf ein Riesenrad  in Bulgarien stammt von einem englische Reisenden. Peter Mundy sah am 16. Mai 1620 in der Stadt Phillippopolis, heute Plovdiv, einige Kinder, die auf dem Kreisumfang eines großen Rades kleine Sitze befestigt hatten, um sich durch sein Drehen zu amüsieren.

Das ist jetzt schon eine ganze Weile her, überall auf der Welt wurden mittlerweile Riesenräder aufgestellt und jetzt will die Stadt New York das größte Riesenrad der Welt bauen.  A Big Wheel für den Big Apple. New York will mit dem Bau eines gigantischen Riesenrads Singapur und London übertrumpfen. Vom größten Fahrgeschäft der Welt soll sich ein grandioser Blick auf Manhattan und die Freiheitsstatue eröffnen. Halb so hoch wie das Empire State Building – aber über 25 Meter höher als die Rekordanlage in Singapur soll es in die Luft ragen.  Na ja, wer weiß ob es je gebaut wird – bis jetzt handelt es sich nur um eine weit in den Himmel hineinragende Idee.

Weihnachtsmärkte gab es übrigens schon im späten Mittelalter. Damals war dies die Möglichkeit für alle Bürger sich zu Beginn der kalten Jahreszeit mit Fleisch und winterlichem Bedarf einzudecken. Im 14. Jahrhundert kamen dann die Handwerkern wie Spielzeugmacher, Korbflechter oder Zuckerbäckern dazu. Sie hatten die Erlaubnis Verkaufsstände für die Kleinigkeiten auf dem Markt zu errichten, die die Kinder zu Weihnachten geschenkt bekamen.  Buden mit gerösteten Kastanien, Nüssen und Mandeln gehörten ebenfalls bald zum Bild und so waren diese Märkte bald ein beliebter Treffpunkt in der Vorweihnachtszeit.Zu einem festen Element des vorweihnachtlichen Brauchtums sind die Christkindlmärkte allerdings erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts geworden. Und so ist es bis heute geblieben.

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das alte Jahr geht…

Das alte Jahr ist in die Tage gekommen und muss das Zepter in einigen Stunden abgeben. Der Countdown hat begonnen! Ich beende für dieses Jahr ebenfalls meine Arbeit und es dauert nicht mehr lange, dann werden alle Türen und Tore von ARTlandya geschlossen – und erst in zwei Tagen wieder geöffnet! Morgen, also am allerletzten Tag des Jahres, steht erst einmal ein gemütlicher Brunch auf dem Programm und dann lassen wir uns überraschen, was uns das alte Jahr noch zu bieten hat.

In Gedanken beginnt das Neue Jahr für mich zweimal – einmal mit den Klängen der Pummerin in Wien und ganz realistisch, wenn rund um uns die Raketen in den Himmel zischen. Der Donauwalzer für morgen Nacht um zwölf Uhr Mitternacht wartet auf jeden Fall auf seinen Auftritt Einsatz. Die Übertragung aus Österreich können wir ja leider nicht nutzen – ihr seid uns ganz einfach um eine Stunde voraus! Wir haben also noch sechzig lange Minuten mehr Zeit und werden eine Stunde später um ein Jahr älter!

Ein Optimist bleibt zu Silvester bis Mitternacht auf,
um das neue Jahr zu begrüßen.
Ein Pessimist bleibt Silvester bis Mitternacht auf,
um sicher zu gehen, dass das alte Jahr auch verschwindet.

Wenn auf Tonga Silvester gefeiert wird, schlagen die Uhren in London elf Uhr, in Deutschland zwölf Uhr und in Singapur sieben Uhr am Abend. Westlich von London, zum Beispiel auf den Azoren, ist es dann erst zehn Uhr, in New York sechs Uhr Früh und an der amerikanischen Westküste mitten in der Nacht. Auf Samoa beginnt zur gleichen Stunde, pünktlich um Mitternacht, ein neuer Tag!

Anfang und Ende – der Unterschied ist minimal. Vergangenheit und Zukunft liegen also lediglich einen kleinen Augenblick und einige Kilometer auseinander. Genau genommen irgendwo im unendlich Meer zwischen den beiden Inseln Tonga und Samoa, in deren Nähe die internationale Datumsgrenze gezogen worden ist. Also egal wo ihr um diese Zeit den Jahreswechsel feiert – ich wünsche euch ein super tolles Neues Jahr!

Ich wünsche euch einen guten Rutsch
mit einer weichen Landung!
Eine Hand, die euch festhält,
ein Netz, das euch auffängt,
ein Schild, das euch den Weg weist
und 1000 Sterne, die euch den Weg erhellen!

Falls jemand von euch Lust und Laune hat, kann er ja im alten Jahr in noch älteren Blogbeiträgen stöbern. Da geht es unter anderem darum warum die legendären zwölf Trauben von allen Spaniern um Mitternacht verschluckt werden…

Wir sehen, lesen und hören uns im Neuen Jahr – auf ein Wiedersehen 2019 – aber erst nach dem Neujahrskonzert!

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Schwarz – weiß oder doch ein bisschen Farbe?

„Und plötzlich ist da jemand, der kippt einfach ein paar Eimer Farbe in dein Leben – und macht deine Welt wieder bunt.“ Keine Ahnung, wer zu dieser Erkenntnis gekommen ist, aber mir gefällt der Satz. 

Die Welt ist nicht schwarz und auch nicht weiß. Manchmal erscheint sie uns grau, aber in Wirklichkeit ist sie bunt! Für viele Menschen ist die Welt mit Sicherheit fad und farblos. Nicht in der Realität sondern in den Köpfen. Dort entsteht eine Welt in schwarz und weiß, die bunte Welt bekommt klare Konturen verpasst. Die Welt wird in zwei Lager eingeteilt, in gut und böse. Damit wird das Leben zwar scheinbar um vieles einfacher, denn niemand muss die Zwischentöne hören und schon gar nicht suchen. Doch stimmt das? Bei Liebeskummer sind ja auch alle Männer zu vergessen, oder nicht?  So ist die Welt sofort viel übersichtlicher.  

Ich möchte keine Welt, die nur aus den Farben schwarz und weiß besteht. Auch wenn es wissenschaftlich gesehen so sein soll. Als schwarzes Schaf habe ich keine guten Karten, wahrscheinlich sogar den Schwarzen Peter. Pessimisten sehen schwarz, Melancholiker haben schwarzes Blut, und der Schwarzhandel, Schwarzfahren und Schwarzarbeit sind strafbar. Wenn schwarz überhaupt eine Farbe ist, dann ist sie eine, an der sich die Geister scheiden. Schwarz ist unbunt, ein Nichts. Trauer trägt schwarz, die Dunkelheit ist schwarz. Schwarz ist negativ.

Gute Menschen haben eine weiße Weste, wenn es zu Weihnachten schneit freut sich die Menschheit und die Unschuld geht im weißen Kleid zum Traualtar. Weiße Haare signalisieren uns nicht nur das Alter sondern auch Weisheit.  Und wenn gar nichts mehr klappt, kann vielleicht die Weiße Magie helfen. Weiß kann aber auch ziemlich farblos und unbunt sein. Bei einer Prüfung ist ein weißes Blatt Papier nicht das Gelbe vom Ei. Im Gegenteil, es macht Angst. Geister schweben ebenfalls mit weißen Schleiern durch den Gruselfilm und so ein steriler, weißer Gang im Krankenhaus ist kalt und unpersönlich. Dafür bringt uns der Rauchfangkehrer Glück, ein Konto mit schwarzen Zahlen ist auf jeden Fall beruhigender als eines mit bunten roten Zahlen, das kleine Schwarze am Abend ist sexy und der schwarze Anzug elegant.

Schwarz-weiß ist zeitlos und schön. Weiß und schwarz ist für alle gleich, genauso wie hell und dunkel, gut und böse, weich und hart oder trocken und nass. Blau, gelb, grün oder rot sieht jeder Mensch wahrscheinlich ein bisschen anders und da wird es kompliziert und verwirrend. Das Leben ist also viel einfacher, wenn wir klare Vorgaben haben, eine Welt in schwarz-weiß.  Für mich ist die Welt nicht schwarz und auch nicht weiß, sie ist manchmal grau, aber in Wirklichkeit ist sie wunderschön bunt!

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Charco Verde, eine der Pfützen von Teneriffa

Was macht man an einem Weihnachtsfeiertag wenn die Sonne scheint und man nicht gar so weit fahren will? Richtig, man erkundet die Umgebung und sogar in unserer unmittelbaren Nähe gibt es noch immer Ecken und Plätze, die wir nicht kennen. Wir wollen einfach einen Spaziergang machen und wenn möglich irgendwo an der Küste…

In San Juan de la Rambla gibt es einen wunderschönen Charco, el Charco de las Lajas und in der Nachbargemeinde findet man den Charco del Viento. Aber die beiden kennen wir bereits, deshalb wollen wir dieses Mal den dritten im Bunde, den Charco Verde unter die Lupe nehmen. Ihr wisst nicht, was charcos sind? Na, dann erkläre ich es ganz kurz. Charco kann man mit Pfütze übersetzen, aber das hilft in diesem Falle nicht wirklich weiter, denn charcos sind immer größer als das, was wir unter Pfütze verstehen. Im Grunde genommen sind es kleine oder größere Naturschwimmbecken, die von den unterschiedlichen Lavaströmen geschaffen wurden. In diesen Becken kann man meistens sehr geschützt von den mächtigen Wellen des Atlantiks schwimmen und planschen.

Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Naturschwimmbecken von Garachico, El Caletón. Dort sind es gleich mehrere Charcos, die teilweise mit Beton verstärkt wurden. Auf schmalen Wegen kann man durch die ganze Anlage gehen und da die Becken nicht gar so tief sind, ist das Meereswasser meistens angenehm warm und nicht so kalt wie draußen im Atlantik. Aber jetzt bin ich ein bisschen vom Thema abgekommen, denn wir sind auf dem Weg zum Charco Verde.

Am Anfang ist der schlottrige Weg noch relativ breit und führt immer gerade aus. Nach kurzer Zeit haben wir einen wunderschönen Blick auf San Juan de la Rambla und erkennen sogar die Treppen, die zum Charco de las Lajas führen. Der Ort sieht von dieser Seite ganz ungewohnt aus und die Küste dahinter kann ich nur erahnen. Schade, der Sand, den der Calima von Afrika mitgebracht hat, vernebelt uns ein bisschen die Sicht.

Weiter geht es entlang der Mauern einer Bananenplantage und es dauert nicht lange, dann windet sich der Trampelpfad über Stock und Stein durch die Landschaft.

Neben uns geht es ziemlich steil Richtung Meer, die Klippen fallen senkrecht in die Tiefe und tief unten schlagen die Wellen gegen die dunklen Felsen.

Ich kann gar nicht sagen, wie lange wie so dahin gegangen sind, denn wir sind immer wieder stehen geblieben und haben die Aussicht genossen. Das letzte Stück ist kurz aber felsig.

Eine kurze Kletterpartie über die Steine und wir sind am Ziel. Vor uns liegt ein vollkommen spiegelglatter kleiner Teich, der seinem Namen alle Ehre macht – das Wasser schillert wirklich in allen Grüntönen!

Hier herrscht eine ganz besondere Stimmung, die Felsen im Rücken scheinen kerzengerade in die Höhe zu gehen, vor uns liegt eine kleine, und vollkommen ruhige Wasseroberfläche und trotzdem hört man, wie die Wellen krachend und mit viel Getöse gegen die Felsen donnern.

Die Realität ist so nah – und doch so weit weg! Man könnte sich vorstellen, dass hier zwei verschiedene Welten aufeinander treffen. Ich spüre nur die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut, nicht einmal ein Windhauch streicht durch die Luft und bis auf das Geräusch der Meereswellen herrscht absolute Ruhe. Kein Mensch weit und breit, obwohl wir nur einige hundert Meter von der Zivilisation entfernt sind. Ein schönes, wenn auch karges Flecken Erde…

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Weihnachtsnostalgie

Weihnachtliches Sommerwetter statt winterliche Kälte. Bei uns scheint die Sonne, der Himmel ist blau, einige, kleine, flauschige Wolken ziehen vom Meer Richtung Teide. Die Temperaturen sind angenehm, bei Tag hat es so um die 20 bis 25 Grad, in der Nacht fällt das Thermometer allerdings auf 16 Grad herunter. Im Gegensatz zu euch sind wir also relativ gut dran  – wir frieren nicht und Schnee schaufeln fällt ebenfalls flach.

„Mir ist noch gar nicht weihnachtlich zu Mute“ – dass ist eigentlich der Satz, den man in der Vorweihnachtszeit am meisten zu hören bekommt. „Das Wetter stimmt überhaupt nicht und außerdem …“

Was aber macht die Stimmung im Advent aus? Unsere Erinnerung an eine Zeit, als wir selbst noch als Kinder durch die Welt gestapft sind, unsere schönen Kindheitserinnerungen? Die gute alte Zeit?  Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, erinnern wir uns doch nur an die Dinge, an die wir uns erinnern wollen. An die schönen, an die stimmungsvollen Situationen.

„Wir sind noch durch knietiefen Schnee gestapft.“ Das stimmt schon, aber war es wirklich in der Weihnachtszeit, es könnte auch im Jänner gewesen sein. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern.   Ans Stapfen durch den Schnee schon, aber nicht, in welchem Monat. Mir geht die Kälte und der Schnee auch nicht ab, wir genießen das sommerliche Wetter.

weihnachtliches La Orotava

Die Weihnachtszeit ist in Spanien ein wenig anders als in Österreich, Weihnachten dauert hier vom 24. Dezember bis zum 6. Jänner. In der Adventszeit geht es eher unspektakulär zu. Nikolaus, Weihnachtsbaum, Adventskalender und -kränze spielen hier keine große Rolle. Die vier Kerzen, die nacheinander an den Adventssonntagen angezündet werden, kennt man nicht.  Die Vorweihnachtszeit beginnt einfach irgendwann. Man bemerkt es an der immer mehr werdenden Lichterdekoration an den Häusern, auf den Strassen und Städten.

Der 22. Dezember ist allerdings ein ganz spezieller Tag, heute fällt in ganz Spanien der eigentliche Startschuss für die Weihnachtszeit! Auf den Strassen von Icod geht es heute ein bisschen ruhiger zu. Der Grund ist die alljährliche Weihnachtslotterie. Im Sack vom Dicken, also von El Gordo sind heute ziemlich viel Geld und die meisten Inselbewohner sitzen wohl daheim vor dem Fernseher und warten aufs große Geld. 

An diesem Tag werden die Gewinnzahlen der großen Weihnachtslotterie gezogen und diese Lotterie hat eine sehr lange Tradition – es gibt sie seit Anfang des 19.Jahrhunderts und man entkommt ihr nicht! Kaum ein Spanier, der nicht mindestens ein Los besitzt, sogar unser Nachbar hat eines! Angeboten werden die Lose schon seit dem Sommer an allen nur erdenklichen Orten: in Bars, in allen Geschäften und natürlich auch von den unzähligen Losverkäufern auf der Strasse.  Vielleicht hätten wir auch eines kaufen sollen?

Mist, wir waren wieder nicht dabei. Nicht weil unser Los nicht gezogen worden ist, sondern weil wir nicht gespielt haben. Kein Einsatz – kein Gewinn. Das ist eben die Regel. Obwohl – wenn man sich diese Tatsache in der heutigen Zeit bewusst macht – ergibt es überhaupt keinen Sinn. Die Spieler mit der großen Einsatzkasse in der Tasche sind sowieso die Banken. Sie haben in den letzten Jahren Unsummen Milliarden von Euros von der Zentralbank, oder besser gesagt von uns allen, abkassiert. So viel Geld, dass ich mir die Menge eigentlich gar nicht vorstellen kann, unvorstellbar – aber wahr! Da soll mir jetzt noch irgendjemand erklären, dass er nicht an den Weihnachtsmann oder das Christkind glauben kann, weil er – oder sie – es noch nie gesehen hätte.  Ich habe so eine unvorstellbare Menge Geld auch noch nie gesehen. Aber es gibt sie doch! Oder doch nicht?

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