Verpackungsvermeidungskünstler

In Garachico sorgt das Castillo de San Miguel im Moment für einigen Gesprächsstoff. Was ist denn hier geschehen, haben sich ein paar Jugendliche über Nacht einen Witz erlaubt?

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Nein, das ist natürlich nicht der Fall, die Fassade der Burg sieht zur Zeit zwar ziemlich skurril aus, aber die Aktion hat durchaus ihre Berechtigung und mittlerweile informiert auch ein Schild neben dem Kunstwerk, was es mit der ungewöhnlichen Verschönerung auf sich hat.

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Wie seit vielen Jahren finden in Garachico Ende Mai ein spezielles Festival statt – FICMEC. Eigentlich handelt es sich um ein Filmfestival rund um unsere Umwelt, das Leben und die damit verbundenen Probleme, doch zur Veranstaltung gehören auch viele andere Schwerpunkte. Dabei diskutieren und arbeiten Kinder und Erwachsene, Schüler, Studenten, Wissenschaftler und viele Künstler gemeinsam an einem Thema – unsere Natur!

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„Envuélvete“ nennt sich die Arbeit am Castillo an der Küste des Städtchens. Um das alt ehrwürdige Gemäuer einzupacken brauchte man nur ein Material, das es in Unmengen in fast jedem Haushalt gibt. Mehr als tausend Plastiktaschen haben die Kinder von Garachico gesammelt,  zerschnitten und zu Bändern verschweißt. Der schweizerischer Schriftsteller Ralph Boller hat mit seiner Aussage „Im Zeichen des wachsenden Umweltbewusstseins brauch wir keine Verpackungskünstler, sondern im Gegenteil – Verpackungsvermeidungskünstler.“ in diesem Fall den Nagel auf den Kopf getroffen.

Geschmäcker sind allerdings sehr verschieden, es kann nicht alles jedem gefallen und bei Kunst scheiden sich sowieso die Geister. 1f607 Aber gerade in dem Fall geht es nicht um schön oder schrecklich, es ist vollkommen unwichtig, ob es sich überhaupt um Kunst handelt – der Gedanke dahinter ist wichtig. Dem Bürgermeister von Garachico gefällt dieses Werk übrigens gar nicht, die Kuturbeauftragte ist allerdings begeistert davon. Eines haben die Plastikbänder auf alle Fälle erreicht – es wird geredet! La obra efímera no ha dejado indiferente a nadie. „No me gusta nada ver la fachada así“, dice el alcalde, mientras que la consejera de Patrimonio la alaba. 

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Beim alten Hafen hat sich ebenfalls etwas verändert. Mit Fischernetzen und den darin verknüpften Plastikfetzen aus den umliegenden Bananenplantagen soll „Immerse“ eine ökologische Katastrophe, die wir alle kennen, darstellen.

Der zwischen Hawaii und Kalifornien schwimmende Müllstrudel aus Plastik ist laut neuen Untersuchung  noch größer, als man vor kurzem noch geglaubt hat. Es soll sich dabei um 80.000 Tonnen Plastik handeln. Und dieses Plastik verteilt sich in einem Gebiet von unvorstellbaren 1,6 Millionen Quadratkilometern. Das ist mehr als vier Mal so groß wie Deutschland! Und das ist nur ein Teil des ganzen Desasters …

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Die Installation in Garachico soll uns auf den, zum Teil unnötigen, Gebrauch von Plastik aller Art Kunststoff  aufmerksam machen, aber für mich ist die Szenerie fast zu schön dazu. 1f60a Als ich mich direkt darunter gestellt habe, war es eher ein sehr angenehmes Gefühl. Der Wind streichelt mit einem leisen Geräusch durch die Fischernetze und die Kunststoffstreifen sorgen für ein sanftes Rauschen … fast wie Urlaubsfeeling, es fehlt eigentlich nur noch der Liegestuhl.

Wenn es um Kunst aus gebrauchten Materialien geht, darf natürlich Luigi Stinga nicht fehlen und sein Werk steht, wie immer, vor dem Rathaus der Stadt. Er verarbeitet für seine Figuren  weiches Holz von Paletten oder andere Holzabfälle, Holz, das meistens niemand mehr verwendet.

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Seine Werke sind immer kurzlebig und wenn ihr euch dafür interessiert, könnt ihr in einem eigenen Blogbeitrag mehr über Luigi Stinga nachlesen. Er hat im Laufe der letzten Jahre schon sehr viele interessante und tolle Figuren in den verschiedensten Städten auf Teneriffa zusammen gezimmert.

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Direkt an der Küstenstrasse stehen noch zwei Arbeiten, die ebenfalls im Rahmen von FICMEC entstanden sind. Die Instalaton „Muévete“ wurde aus altenFahrrädern und recycelten Pappröhren zusammengebaut.

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Laut Beschreibung soll das Projekt zum Nachdenken über die nachhaltige Mobilität und die verborgene Schönheit scheinbar unbrauchbarer Objekte und Materialen beitragen. Es soll “ von einem sensorischen Verständnis der Stadt- und Naturlandschaft durch einen kinetischen und akustischen Eingriff, der mit dem Wind interagiert“ erzählen. 1f607  Ich muss ehrlich gestehen, mir gefällt das Werk ganz gut, aber sein Geheimnis hat es mir leider nicht verraten können.

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Und zu guter Letzt ist da noch „Reflejate“.  Eine Konstruktion aus Spiegelfragmenten in unterschiedlichen Größen. Das Herzstück davon hat das Kloster von San Francisco im Visier und die anderen Teile verzerren den Rest der Umgebung. Auch diese Botschaft ist bei mir nicht richtig angekommen, aber das hat nicht viel zu sagen, vielleicht hätte ich einfach länger davor stehen bleiben müssen?

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Die Arbeiten der Studenten stehen noch bis zum Wochenende in Garachico.  FICMEC will damit zum Nachdenken anregen und die Skulpturen sollen so etwas wie einen Weckruf sein. Ist es richtig, wie wir unsere Ressourcen in unserem täglichen Leben nutzen, der enorme Verbrauch von Kunststoff, der unseren Planeten zerstört? Aber es gibt auch eine gute Botschaft – alle Materialien könnten wiederverwendet werden und könnten eine zweite Chance bekommen. Und sei es nur zur Dekoration … kuss (2)

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Frohe Pfingsten!

„Wir wünschen euch ein schönes Pfingstfest! Euch allen ein schönes Pfingstwochenende! Schöne Pfingsten … „ Ich bin irgendwie ein bisschen überfordert, denn ich bin mir nicht ganz sicher, was zu Pfingsten eigentlich gefeiert wird.

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Als Schulkind habe ich mich über Pfingstferien gefreut und später waren es ein willkommenes, verlängertes freies Wochenende. Warum – darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, tauchen irgendwo in meinem Hinterkopf Zeichnungen aus dem Religionsunterricht in der Volksschule auf. Orange Feuerzungen, die auf die Köpfe einer Menschenmenge schweben. Oder war es doch eine weiße Taube? Nachdem sich so viele Menschen schöne Pfingsten wünschen, bin ich anscheinend so ziemlich die einzige auf weiter Flur, die nicht weiß, worum es geht.

Das geht natürlich gar nicht und deshalb habe ich mich jetzt schlau gemacht. Das allwissende Netz ist dafür immer wieder perfekt geeignet- solange man nicht gleich jede entdeckte Weisheit ungefragt als Antwort übernimmt.

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Gefeiert wird das Fest fünfzig Tage nach Ostern und den Ursprung von Pfingsten soll man im jüdischen Erntefest Schawuot finden. Fakt ist, Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritthöchste Fest im ganzen Kirchenjahr. Es ist das Fest des Heiligen Geistes und die Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist in Form von Feuerzungen auf die Gläubigen gefallen sei.  „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

Die Jünger konnten also plötzlich, wie durch ein Wunder, andere Sprachen sprechen und verstehen und sie nutzten ihre neue Fähigkeit, um ihre Botschaft in allen Sprachen die ganze Welt zu tragen und um den Menschen von den Geschichten Jesu und seiner Jünger zu erzählen. Deshalb gilt Pfingsten heute als Geburtsstunde der Kirche.

So, meine Erinnerung an die Feuerzungen wäre damit geklärt, aber wo kommt die weiße Taube her? Und warum hat eine meiner Lieblingsblumen den Namen Pfingstrose? Ich nehme an, die Taube symbolisiert, wie immer, Reinheit und Frieden, Hoffnung und Neuanfang und die Pfingstrose ist nicht nur wunderschön sondern sie blüht eben meistens genau um diese Zeit.

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Mit ihren wunderschönen Blüten in Weiß über Pink bis hin zu Rot ist sie für mich ein Star im Blumengarten. Hier auf Teneriffa habe ich bis jetzt leider noch keine Pflanze entdecken können, aber vielleicht ändert sich aus das noch. Also dann – ich wünsche euch allen auch noch ein schönes Pfingstwochenende … kuss (2)

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Blumen oder Hühnersuppe?

Blumen sind Hühnersuppe für die Seele. Vor allem bei trüben Wetter. Ein blöder Spruch? Nein, ganz und gar nicht! Hühnersuppe für die Seele ist der Titel eines Büchleins mit Kurzgeschichten, das ich im Bücherregal stehen habe. Es ist gefüllt mit Geschichten, die teilweise das Leben geschrieben hat, Geschichten, die jeden von uns jederzeit irgendwo passieren können, Geschichten, die das Herz erwärmen und gut tun – wie dampfende Hühnersuppe bei einer Erkältung.

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Warum mir dieser Satz gerade jetzt wieder eingefallen ist? Vielleicht ist es ein Zeichen dafür, dass ich das Buch wieder einmal in die Hand nehmen sollte. 1f60a Ein gutes Buch ist für mich wie ein guter Freund. Man braucht ihn immer wieder!

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Eine kleine wärmende Geschichte aus dem Buch hat mir besonders gut gefallen. Sie ist von Bennet Cerf und heißt

Das Geschenk
Auf einem Sitz im Bus saß ein feiner alter Mann mit einem Strauß von frischen Blumen. Auf der anderen Seite des Ganges war ein junges Mädchen, dessen Augen wieder und wieder zu den Blumen des Mannes hinüber glitten.

Es wurde für den alten Mann Zeit aus zusteigen. Impulsiv warf er die Blumen dem Mädchen in den Schoß. „Ich sehe, Sie mögen Blumen“, erklärte er, „und ich glaube, meine Frau würde es mögen, wenn Sie sie hätten. Ich werde ihr sagen, dass ich sie Ihnen gegeben habe.“ Das Mädchen nahm die Blumen an, sah dann den Mann aus dem Bus steigen und durch das Tor eines kleinen Friedhofs gehen.
Quelle: „Hühnersuppe für die Seele“ von Jack Canfield & Mark Victor Hansen

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Blumen sind auch so etwas wie Hühnersuppe für die Seele. 1f607 Natürlich in etwas anderer Konsistenz als im Suppenteller, aber vor allem bunte Blumen tun jeder Seele gut, sie verbreiten Freude und bringen gute Laune in jedes noch so öde Zimmer. Mit Blumen wird jeder Tag ein ganz klein wenig sonniger und bunter. Sie sind Balsam für unser Seelenleben.  Der Musiker Max Reger sagte einmal: „Blumen sind das Lächeln der Natur. Es geht auch ohne sie, aber nicht so gut.“ Wie recht er hatte!

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Heute schon Blumen geklaut?

Es gibt Feste und Ereignisse, an denen kommt man einfach nicht vorbei. Und damit meine ich weder den Eurovison Song Contest, Weihnachten oder Ostern. lachen Es ist der Muttertag!

El Dia de la Madre, der Muttertag wurde auf Teneriffa ja bereits vor einer Woche gefeiert, aber in Österreich und, soviel ich weiß auch in anderen europäischen Ländern, werden erst heute alle Mütter beglückt – mehr oder weniger. Es ist der Tag der kreativen Bastelarbeiten, heillos verwüsteten Küchen und unausgeschlafener Mütter. Und dann kommt noch ein Dilemma dazu – was machen die Mamas am Muttertag eigentlich mit der eigenen Mutter oder Schwiegermutter? Einladen? Beschenken? Oder geflissentlich ignorieren? Irgendwie ist das alles ziemlich kompliziert, ich war am Muttertag immer hin- und her gerissen.

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Was macht eine Tochter, die ebenfalls Mutter ist? Was zählt mehr? Die Ehre der Großmutter? Oder kann doch jede Mutter ihren Ehrentag genießen?  Ich habe das Problem immer auf meine Art gelöst. 1f60a Den Muttertag für meine Mutter habe ich immer auf den darauf folgenden Montag verlegt. Schließlich und endlich habe ich als doppelte Mutter ja auch ein Anrecht auf meinen Ehrentag, oder etwa nicht? Die Mutter, la madre, kommt eigentlich schon noch vor Großmutter, abuela, oder Schwiegermutter, suegra? 1f607 Zumindest am Muttertag – sonst müsste er ja Tag der Schwiegermutter oder Omatag heißen?

Ich freue mich auch jedes Jahr, wenn unsere Kinder daran denken, denn wenn der Tag einfach so still und leise vorbei gehen würde, wäre es mir auch nicht recht. Vielleicht wäre alles einfacher, wenn wir den Muttertag nicht alle auf einen einzigen Sonntag im Mai beschränken würden? Ich glaube, es wird langsam Zeit für eine andere Art von Ehrentag. Einfach ein fröhlicher Tag für alle, die für ihre Kinder da sind!  Wäre doch eine schöne Lösung, oder? 1f60a  Ich werde den Sonntag einfach genießen – auch wenn mir keine Kinder das Frühstück machen und niemand mehr ein Muttertagsgedicht aufsagt. Wie hieß es da doch gleich? „Liebe Mutti, du bügelst und du kochst und du räumst immer auf, wenn ich schon schlafe …“

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Die Gärtner und Floristen empfehlen dieses Jahr übrigens gelbe Rosen. Die stehen für Dankbarkeit, aber auch Glück und Freude. Vielleicht haben sie zu viele Rosen mit dieser Farbe eingekauft und müssen sie jetzt schnell unter die Leute bringen? Am Muttertag gelingt das Vorhaben mit Sicherheit, denn angeblich gibt jeder Bürger 25 Euro für seine Mama aus, meistens für einen Blumenstrauß. Wer diese Zahl festgelegt hat weiß ich nicht, aber sie werden schon so halbwegs stimmen.

Früher, also noch in der Zeit ohne Computer und Smartphone, also  vor vielen, vielen Jahren habe ich ja noch Zeitungsartikel ausgeschnitten und in mein Tagebuch geklebt oder in einem Ordner fein säuberlich abgeheftet. Diese Zeiten sind allerdings schon lange Geschichte, denn heute finde ich die meisten interessanten Reportagen und Berichte im Internet und deshalb archiviere ich sie jetzt auch hier – im so genannten Tagebuch am Computer. 1f607 Ich hoffe, ich finde sie wieder – falls ich einmal danach suchen sollte. Wenn euch meine Sammlung interessiert, könnt ihr ja auch darin stöbern, ich liebe es, in der Geschichte herum zu wühlen und mir meine Notizen dazu zu machen.

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Georg und ich haben uns heute zweistimmig einstimmig dafür entschieden, den Muttertag für uns umzuändern. Wir nennen ihn in Zukunft Elterntag! Ein Tag für uns beide. Ich brauche eigentlich keinen Muttertag und der Vatertag wird sowieso meistens vergessen – aber feiern können wir ja trotzdem! Immer am zweiten Sonntag im Mai. Schlaft gut! ¡Que descanses!  „Geschichten schreiben ist eine Art,  sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.“ schrieb Johann Wolfgang von Goethe irgendwann einmal. Ich bin mir sicher, der gute Mann hat vollkommen recht … kuss (2)

Wie erkläre ich’s meinem Kind?
Warum wir einen Muttertag feiern
Die Griechen feierten die Mütter ihrer Götter, und auch Napoleon hatte einen Muttertag im Sinn. Die Frau allerdings, die unser heutiges Fest vor über hundert Jahren erfunden hatte, hätte ihn am liebsten wieder abgeschafft.
08.05.2015, von SANDRA KEGEL
„Wenn in Kindergärten wieder fieberhaft an Riesenherzen und tönernen Briefbeschwerern gewerkelt wird und die Geschäfte seit Wochen ihr gigantisches Sortiment an Schokolade, Eau de Cologne und Blumen aufbieten, dann spätestens erinnern wir uns: Es ist wieder Muttertag. Und verlässlich zum zweiten Maisonntag teilt die Nation sich wie einst das Rote Meer: Während die einen mit Hingabe tun, was der Tag verlangt, verweigern die anderen sich demselben Appell. Dass in letzter Sekunde viele Standhafte doch schwach werden, belegen die Zahlen, die vor allem die Blumengilde nach jedem Muttertag aufjubeln lässt. Die Blumenhändler waren es tatsächlich auch, die als Erste auf den Muttertagszug aufgesprungen sind. „Lasst Blumen sprechen!“ hieß schon ihre Fanfare zum Tag in den zwanziger Jahren.
Erfunden aber haben sie den Tag dabei keineswegs, und auch nicht die Nationalsozialisten, wie oft behauptet wird. Der Muttertag ist vielmehr die Erfindung einer Feministin: Anna Jarvis hat 1907 in ihrem Heimatort Grafton in West Virginia den ersten Muttertag veranstaltet. Ihre Idee fußte auf den politischen Zielen der damaligen Frauenbewegung, doch wurde das schnell vergessen. Andere hatten es geschickter als die Suffragette verstanden, die so einfache wie durchschlagende Idee auf ihre Anliegen umzumünzen.
Fünfhundert Nelken
Nur sieben Prozent der Deutschen verweigern sich den Meinungsforschern von Allensbach zufolge der Erwartung, etwas zu schenken. Dabei waren die geschäftlichen Auswüchse um den Muttertag schon seiner Erfinderin ein Dorn im Auge: Anna Jarvis, die 1864 in eine der angesehensten Familien Virginias hineingeboren wurde, war so entsetzt über die Auswüchse, die der Muttertag im Laufe der Zeit angenommen hatte, das sie den Tag, der sie einst berühmt gemacht hatte, sogar wieder abschaffen wollte.
Begonnen hat alles mit dem Einsatz der unverheirateten und kinderlosen Lehrerin für die Rechte der Frauen. Als 1905 ihre Mutter starb, kam ihr die Idee, einmal im Jahr nicht nur an die eigene, sondern an alle Mütter zu erinnern. Was ihr vorschwebte, war nicht die Würdigung eines Mutterbilds von edler Einfalt, stiller Größe und nimmermüder Opferbereitschaft. Der Tochter eines Methodistenpfarrers war es um die politische Rolle von Frauen zu tun. Sie warb so lange bei Kirchenmännern und Politikern für ihre Idee, bis schließlich der erste offizielle Muttertag am zweiten Maisonntag des Jahres 1908 stattfand. Anna Jarvis verteilte fünfhundert Nelken, die Lieblingsblumen ihrer Mutter.
Die Flagge weht für diese zärtliche Armee
Dabei war sie nicht die Erste, die glaubte, dass Mütter es verdient haben, einmal im Jahr gewürdigt zu werden: Schon die alten Römer und Griechen widmeten den Müttern ihrer Götter Festivitäten. Und England hatte im siebzehnten Jahrhundert seinen „Mothering Day“. Auch Napoleon schlug 1806 die Einführung eines Muttertags vor, fand dann aber vor Waterloo wohl keine Zeit, sein Vorhaben umzusetzen. Am Ende war es die Amerikanerin, die den Muttertag aus der Taufe hob; ihre gute Absicht erwies sich als so massenkompatibel, über alle Landes- und Sprachgrenzen hinweg, dass sie den Rest der Welt im Nu eroberte.
1914 erklärte Präsident Woodrow Wilson den Muttertag zum amerikanischen Feiertag: „Die Flagge wehte nie aus einem schöneren und heiligeren Anlass als für diese zärtliche Armee: die Mütter Amerikas“, verkündete er verzückt. Nicht minder euphorisch reagierte die Geschäftswelt. Ebenfalls 1908 hatte ein Florist aus Berlin, Max Hübner, den Einfall für „Fleurop“: Eine Firma, die nicht mehr die Blumen selbst verschickt, sondern lediglich die Aufträge. Die Idee kam mit dem neuen Feiertag erst richtig in Schwung. Doch bald drängte die Konkurrenz auf den Markt: Auch Pralinen-, Parfüm- und Kleiderhersteller wollten mit dem Muttertag ihre Umsätze mehren. Und als die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen, war der Muttertag so fest installiert, dass Hitler ihn problemlos zu seiner Sache machen konnte, die bekanntlich im NS-Mutterkult gipfelte.
Ihr Protest brachte sie ins Gefängnis
Kein Wunder, dass der Muttertag nach dem Zweiten Weltkrieg bei uns abgeschafft wurde. Doch schon Anfang der fünfziger Jahre wurde er wiederbelebt, allerdings nur in der Bundesrepublik; in der DDR ersetzte den „westlich-reaktionären“ Brauch der „Internationale Frauentag“ am 8. März. Den Ruch der Vereinnahmung konnte der Tag aber auch im Westen nie ganz ablegen. Sein feministischer Ursprung jedoch ist gänzlich verlorengegangen. Und während in Deutschland 1923 der erste Muttertag gefeiert wurde, steckte man im selben Jahr in Amerika seine Erfinderin ins Gefängnis, weil sie öffentlich dagegen protestiert hatte, dass ihre Idee in bare Münze umgeschlagen wurde. „I wanted it to be a day of sentiment, not profit““, wetterte Anna Jarvis, die einen Gedenk- nicht einen Geschenktag gewollt hatte und gegen die Blumenindustrie prozessierte.
Ihr Versuch, das ideelle Ereignis vor der Kommerzialisierung zu bewahren, blieb erfolglos. Am Ende verlor sie ihr gesamtes Vermögen und starb 1948, arm und vergessen, in einem Altenheim. Sie hat nie erfahren, dass die Kosten für ihren Aufenthalt dort jene übernahmen, die sie die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens erbittert bekämpft hatte, und die ihr doch so viel zu verdanken haben: die Blumenhändler.“
Quelle: FAZ.NET

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schon wieder ein Jahr älter …

Die Zeit verfliegt wie im Flug und einmal im Jahr wird man daran erinnert, dass es auch Konsequenzen gibt. Auf der Geburtstagstorte brennt wieder eine Kerze mehr. 1f60a Das kann mir zwar nicht passieren, denn bei mir gibt es weder eine Torte noch Kerzen zum Auspusten. Nicht weil ich Angst vorm älter werden habe, sondern weil Torten nicht so mein Ding sind. Damit ich mir trotzdem etwas wünschen kann, habe ich gestern ein besonderes Törtchen bekommen und ich bin mir sicher, mein Wunsch geht auch so in Erfüllung – oder eben nicht.

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Der Unterschied zwischen dreißig und fünfzig plus? „Dir tut dein Knie weh, weil du irgendetwas damit falsch gemacht hast – meines tut weh, weil ich ein Bein habe… „ hat ein schlauer Mensch einmal fest gestellt. lachen So arg ist es bei mir noch nicht, aber ab und zu wundert man sich am Morgen schon über sein eigenes Spiegelbild.

Abgesehen von diesen philosophischen Gedanken habe ich  herrlich geschlafen und wie jedes Jahr zu meinem Geburtstag hat Georg schon fleißig Blumen geerntet und die Wohnung verschönert.  Als Draufgabe habe ich als Geburtstagsgeschenk heute einen freien Tag! Herrlich … kuss (2)

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Im Grunde genommen ist der Geburtstag ja ein Tag wie jeder andere. Man fühlt sich genauso wie am Tag  davor, man wird über Nacht weder alt und weise älter, noch schlauer, also warum gratuliert man eigentlich jemanden zum Geburtstag? Gratuliert man dem Geburtstagskind weil es erfolgreich geschafft hat, ein weiteres Jahr zu überleben? Eigentlich müsste man doch der Mutter gratulieren, oder? Sie hat uns ja zur Welt gebracht hat. Selbst haben wir ja schließlich nichts dazu beigetragen. Also warum gratuliert man dann dem Geburtstagskind, das wieder ein Jahr mehr am Buckel hat? Vielleicht finde ich die richtige Antwort ein paar Jahrhunderte früher, vielleicht gar im Mittelalter?

Damals war die Lebenserwartung ja nicht besonders hoch und jedes weitere Lebensjahr war etwas Besonderes. Da wäre es nur logisch, dass man den älteren Menschen dazu gratuliert, dass sie wieder ein Jahr durch gehalten haben. Aber warum feiert man seinen Geburtstag überhaupt? Feiern wir die erfolgreiche Bewältigen des vergangenen Jahres? Kann man das überhaupt feiern? Irgendwie ist es für viele Erdenbürger sogar ein Grund zu trauern – wieder ein Jahr älter …

War im letzten Lebensjahr alles eitel, Wonne, Sonnenschein? War wirklich alles so toll? Naja, ich habe mich über meinen leer gefressenen Gemüsegarten geärgert, habe mich über Schmetterlinge und Singvögel gefreut, habe über das Wetter geschimpft und hie und da ist mir auch so mancher Mitmensch auf die Nerven gegangen. Ich könnte die Liste noch um einige Punkte länger machen und noch mehr aufzählen, was ich feiern könnte, ohne dass ich es gerne feiern würde. lachen Ich könnte ja auch das kommende Lebensjahr feiern. Aber dann müsste ich auch den kommenden Winter mit seinen kurzen Tagen und der wieder eingeführten Winterzeit feiern, dass ich auch in Zukunft so langweilige Arbeiten wie Blumen gießen, Palmen schneiden und Unkraut jäten machen muss, dass das Geld noch weniger wert wird und dass zu den ersten grauen Haaren noch mehr dazu kommen werden.

Ich könnte aber auch statt der Vergangenheit und der Zukunft einfach die Gegenwart feiern, das Heute. Dafür könnte ich mir einige gute und einfachen Gründe vorstellen. Zum Beispiel wenn Regen vorhergesagt wird und am nächsten Tag die Sonne vom blauen Himmel lacht. Wenn ein Kuchen besonders gut gelingt oder das Steak auf den Punkt gebraten ist. Wenn Pfirsiche süß und saftig schmecken, wenn der Briefträger ein unerwartetes Päckchen bringt oder das Telefon klingelt und die beste Freundin dran ist. Das sind wirklich Gründe zu feiern! Feiern wir also einfach unbeschwert die Gegenwart, die erfreulichen Lügen mit einem Glas Sekt und lassen alle Glückwünsche und sonstigen Gratulationen einfach weg.

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Und die Moral aus der Geschichte? Was würden wir uns wirklich dabei denken, wie würden wir uns fühlen, wenn niemand an unseren Geburtstag denken würde? Wenn ich ehrlich bin, das würde mir nicht in den Kram passen. Ich würde mich nicht gut fühlen und mich darüber kränken, dass keine Seele an mich denkt. 1f607 Der Mensch ist einfach ein kompliziertes Wesen, aber ich glaube, so sollte es auch sein. Also noch einmal herzlichen Dank für die vielen, lieben Geburtstagswünsche – ich habe mich ganz doll darüber gefreut!! kuss (2)

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Wenn Träume fliegen lernen

In einem von vielen Träumen kommt Peter Pan vor – ein Junge, der nie erwachsen werden wollte. Wie ich darauf komme? Keine Ahnung, er ist mir heute ganz einfach so eingefallen. 1f60a Naja, das stimmt nicht ganz, denn mir ist Peter Pan sozusagen im Kalender serviert worden und wenn der eigene Geburtstag auch noch um die Ecke kommt, denkt wohl jeder unweigerlich an die Anzahl der Kerzen, die dieses Mal auf der Torte stehen sollten. Neverland or  a never ending story?  Schließt eure Augen und geht mit mir auf eine kleine Reise …

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Wir sind in einem Land voller Abenteuer, einem Land in dem Elfen leben, Seeräuber, Indianer und Nixen. Nimmerland heißt es – und ist die Welt von Peter Pan, dem Jungen, der nie erwachsen werden will. Peter Pan kann sich von seinem Schatten trennen, kann die Sprache der Feen verstehen, fliegen und – er kann immer Kind bleiben.

Warum lassen wir uns von Peter Pan und seiner Welt so verzaubern? Vielleicht weil es wichtig ist, irgendwie das Kind in sich selbst leben zu lassen? Mit jemanden einfach von Herzen lachen zu können? Das ist überall auf der Welt möglich. Dafür brauchen wir weder ein Neverland Nimmerland noch eine kleine, eifersüchtige Fee mit dem netten Namen Tinkerbell Glöckchen. Die Devise der Fantasiewelt sollte man sich allerdings merken: „Werde groß und mündig, aber bleibe in deinem Innersten immer ein Kind!“

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Die Figur des Peter Pan ist schon ziemlich alt. Schon im Jahre 1904 hat der schottische Schriftsteller James Matthew Barrie die Geschichte von Peter Pan geschrieben und aus diesem Grund wird am 9. Mai, an seinem Geburtstag, der Peter Pan Tag gefeiert. Peter Pan ist ein Plädoyer für die ewige Kindheit oder – in Barries eigenen Worten: „Alles was geschieht, nachdem wir zwölf Jahre alt sind, hat nicht mehr viel zu bedeuten.“

Seit meinem zwölften Lebensjahr sind aber schon einige Jährchen vergangen. Hat danach wirklich nichts mehr eine Bedeutung in meinem Leben gehabt? Ein sinnlos gelebtes Leben, war alles Lug und Trug? Irgendetwas muss ich da falsch verstanden haben oder der Ausspruch ist einfach nur eine Feststellung, die ohne Anspruch auf Wahrheit aus der Luft gegriffen wurde. Vielleicht von einem Mann, der selbst nicht erwachsen werden wollte?

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Hat jemand von euch das Buch gelesen? Ich meine die Geschichte bevor sie von Disney weichgespült wurde? Also nicht das Märchen in dem Peter Pan und Tinkerbell mit Wendy und ihren kleinen Bruder ins Nimmerland, einem zauberhaften Ort, an dem kein Kind erwachsen wird, fliegen.

Wir kennen fast alle die märchenhafte Seite der Geschichte, ein Nimmerland, in dem Kinder nicht erwachsen werden. Doch wie so oft, haben Filme, Theaterstücke oder Bilderbücher nicht viel mit dem ursprünglichen Werk zu tun. Bei Peter Pan hat die Originalgeschichte – rein gar nichts mit Magie am Hut, denn im geschriebenen Werk ist Peter Pan ein Bösewicht und es geht um die Frage, wem wir noch vertrauen können, wenn schon der Beginn unserer Lebensgeschichte vermasselt ist.

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Maude Adams, 1905 als Peter Pan, ein Foto des Museum of the City of New York

Ganz am Anfang der Geschichte stand eigentlich ein Theaterstück, das später in eine weitere Erzählung eingepackt wurde. Das Stück war seit 1904 jahrzehntelang ein Renner und der Inhalt wurde immer wieder dem neuen Zeitgeist angepasst. 1f60a Ursprünglich konnten Peter und die Verlorenen Jungs sogar einfach so fliegen, aber nach dem viele Kinder das ebenfalls versuchen wollten, aber statt aus ihren Betten zu fliegen ziemlich unsanft auf dem Boden landeten, erfand der Autor die Prise Feenstaub

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In der Erzählung „The Little White Bird“  war das Nimmerland kein angenehmer Ort. Weil die verlorenen Jungs nicht alterten und aus diesem Grund auch niemand eines natürlichen Todes stirbt, machte Peter Pan nämlich regelmäßig einem ganzen Schwung von Kindern den Garaus. „…und sobald sie den Anschein machen, erwachsen zu werden, was ja gegen die Regeln ist, lichtet Peter ihre Reihen.“ heißt es ihm Buch. Es blieb ihm auch gar nichts anders übrig, denn das kleine Land wäre ja rasend schnell aus allen Nähten geplatzt und das durfte auf keinen Fall passieren!

Nimmerland ist übrigens kein Ort den es nicht gibt. Das geheimnisvolle Land befindet sich mitten in London, in Kensington Gardens und in Wirklichkeit geht es in dem Buch vor allem um Elternliebe und Verlassen werden, denn dort ist der Ort, wo die kleinen, elternlosen, verlorenen Jungen, die einmal aus dem Kinderwagen gefallen sind, auf der fiktiven Insel Nimmerland wohnten.

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„Das Nimmerland im Kopf jedes Kindes“, hat Barrie einmal geschrieben, „ist immer mehr oder weniger eine Insel – mit erstaunlichen Farbklecksen: mit Korallenriffen, verwegen aussehenden Schiffen auf hoher See, mit wilden und einsamen Lagerplätzen; mit Gnomen, die meist Schneider sind; mit Höhlen, durch die ein Fluss fließt; mit Prinzen mit sechs älteren Brüdern und einer Hütte, die immer mehr zerfällt, und einer sehr kleinen alten Frau mit Hakennase… An diesen Zauberstränden ziehen Kinder beim Spielen ewig ihre Boote an Land. Wir sind auch einmal dort gewesen; wir können noch das Brausen der Brandung hören, aber wir werden nie wieder dort landen.“

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Peter Pan – der Film

Falls ihr einmal in London seid, macht einen Abstecher in Kensington Gardens. Dort gibt es einen ganz besonderen Platz, ein Reich für Kinder, in dem Erwachsene nichts verloren haben. Sie werden mit einem hohen Zaun ausgesperrt und wenn doch einer am Tor rüttelt, erklärt ihm eine Lautsprecherstimme, dass man hier nur in Begleitung von Kindern hineinkommt.

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Dort steht auch diese Bronzestatue, die den wohl bekanntesten berühmten Bewohner von Kensington Garden feiert – Peter Pan, umgeben von Eichhörnchen, Hasen, Mäusen und Feen. 1912 flog Peter Pan gewissermaßen aus einem Buch heraus in die echte Welt, denn sein Erfinder ließ über Nacht eine Statue des Bildhauers George Frampton in Kensington Gardens aufstellen.

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Aber jetzt genug davon, ich habe mir nicht gedacht, dass ich so schnell aus der Welt der Fantasie in die Realität purzeln könnte. lachen Für mich ist Peter Pan trotzdem, oder gerade mit dem Hintergrundwissen, ein mutiger und abenteuerlustiger Kerl. Oft wäre es ja wirklich sehr verführerisch ein kleines Kind sein zu können, keine Pflichten und Sorgen zu haben, ganz unbeschwert den Tag verplempern, aber das Erwachsensein hat auch seine Vorteile, denn erst dann können die richtigen Abenteuer beginnen – ohne dass einem Eltern auf die Finger klopfen. 1f607 Sogar im Märchen verlassen alle Kinder eines Tages ihr Nimmerland, kommen nach Hause und werden erwachsen. Wir dürfen eben unser inneres Kind nicht vertreiben und gut darauf aufpassen – dann ist auch das Erwachsen werden nur halb so schlimm.

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eine Elfe von Robin Wight

Jetzt muss ich mir doch noch eine Brise Feenstaub besorgen. Wie heißt es so schön? Nur dann, wenn man an Märchen glaubt, gibt es eine märchenhafte Welt – nur dann kann diese zauberhafte Welt existieren. Andernfalls ist sie dem Tode geweiht. Kein Glaube – keine Existenz.  So lautet das Gesetz. Falls ich doch noch irgendwo Feenstaub finden sollte, werde ich es ausprobieren. Dann hätte ich ja die perfekte Ausrüstung für einen Ausflug ins Land der Träume! Vielleicht kann ich euch morgen mehr erzählen … kuss (2)

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Feuerzauber in Los Realejos

Auf Teneriffa wird am 3. Mai, wie überall auf den Kanarischen Inseln, der Tag des Kreuzes, el Día de la Cruz, gefeiert. Los Realejos,  feiert den Tag des Kreuzes auf eine ganz besondere Art und Weise und darüber möchte ich euch heute erzählen.

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Cruces y fuegos de mayo, las flores y fuegos artificiales, Blumen und Feuerwerk – tagsüber stehen die Kreuze im Mittelpunkt und nach der Messe und einer prunkvollen Prozession findet in der Nacht das wohl größte und berühmteste Feuerwerk der Kanarischen Inseln statt. Zwei Stadtviertel veranstalten dieses Spektakel, bei dem sich die Straßen Calle del Sol und Calle del Medio mit ihren Feuerwerkskünsten zu überbieten versuchen. So will es die Tradition.

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La Invención de la Cruz gehört zu den ältesten Festen der Insel und wurde schon bald nach der Eroberung von Bischof Muros ins Leben gerufen. Ursprünglich war es ein kirchliches Fest mit Tanz, Lagerfeuer und Blumenschmuck. Im Laufe der Zeit wurden dann immer mehr Kreuze, Kapellen und Privathäuser aufwendig geschmückt und die rauchenden Maifeuer Lagerfeuer haben sich ein grandioses Feuerwerk verwandelt.

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Aber wie kam es zu dem Fest, das wir heute kennen? Das hat eine lange Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Alles begann mit der Rivalität zweier Stadtteile oder genau gesagt von zwei Straßen. Es war ein Wettstreit der Bewohner zweier Straßen in einer weit auseinander klaffende Zweiklassen Gesellschaft.

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an dieser Linie verläuft die Grenze

In der Calle del Medio lebten reiche Bürger, Grundbesitzer und Landherren, man nannte die Straße deshalb auch Calle de los Marqueses. In der Calle del Sol wohnten die ärmeren Leute, oft ungebildete Tagelöhner, einfache Landarbeiter und Kleinbauern in primitiven Wohnungen am Rand der großen Felder der angrenzenden Haciendas und Landgüter. Diese Lebensumstände waren der Grund der Rivalität des Wettstreits der zwei Straßen, sozusagen ein Konflikt zwischen Markgrafen und Bauern. Da war doch noch dieses kirchliche Fest für die Verehrung des Kreuzes am 3. Mai? 1f607 Die beste Gelegenheit, um den reichen Nachbarn zu zeigen, dass der kleine Mann gleich gut sein konnte wie der wohlhabende Bürger, auch wenn schon damals Geld die Welt regierte.

Am  Tag davor gab es ein großes Festessen mit einer traditionellen Suppe und den besten Weinen, danach Tanz und eine Brautwahl. Am nächsten Tag wurden noch die Erzeuger des besten Weines gekürt, dann war man gerüstet – die feierliche Prozession konnte beginnen.

Die Feier und begann mit dem Anstieg in der Calle del Medio und endete mit dem Abstieg durch die Calle del Sol. Im Laufe der Jahre kamen noch einige Heiligenfiguren dazu und zwischen 1928 und 1932 wurde der Ablauf des Festes komplett verändert. Die Prozession wurde von da an vom Kreuzträger angeführt und der Wegverlauf umgedreht, begonnen wurde jetzt mit dem Anstieg auf der steilen Calle del Sol. Nach und nach kamen noch mehr Elemente dazu, es wurden extra Tischdecken mit Hohlsaum bestickt, Ferkel gemästet und oft sogar Fohlen gezüchtet, um sie dann während des Festes zu verkaufen. Mit Begeisterung wurden in den Gassen, durch die das Kreuz getragen wurde, große und kleine Lagerfeuer angezündet, farbiger Rauch fabriziert und vor allem viel Krach und Krawall gemacht. Die Straße, die die größten Feuer und Rauchsäulen zustande brachte und auch den meisten Lärm machte, hatte gewonnen und war stolzer Sieger – bis zum nächsten Jahr!

Als im Laufe der Jahre die Pyrotechnik entwickelt wurde, kam es zu beinahe zu wahren Feldschlachten mit Knallkörpern und Raketen, die in die feindliche Straße geschossen und geworfen wurden. Der Tag des Kreuzes wurde immer mehr zum Vorwand, um gegeneinander anzutreten und verlor an religiöser Bedeutung.

Der gesellschaftliche Unterschied der Bewohner wurde schon vor Jahrzehnten durch die Auswanderung vieler Landbewohner nach Südamerika, vor allem nach Venezuela, ziemlich abrupt beendet. Die wirtschaftlichen Gegensätze der Bewohner des Jahres 1770 sind verschwunden oder haben sich verändert, der Groll, el pique ist tot, aber die gespielte Rivalität zwischen den Bewohnern der beiden Gassen ist noch immer lebendig. Das muss so sein denn immerhin existiert sogar eine Grenzlinie auf der Strasse.

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Die Maifeuer sind verschwunden, primitive Kracher und Raketen reichen schon lange nicht mehr, heute wird der Wettkampf mit Feuerwerkskörpern ausgetragen und in dieser Nacht vermischt sich der Duft der Blumen mit dem Geruch von Schießpulver. Dafür, dass die Munition niemals ausgeht sorgen, wie in alten Zeiten, zwei Fabriken Werkstätten, Pirotecnias Hermanos Toste für El Sol und Hermanos Caballer Pirotécnicos für El Medio.

Die Firma Hermanos Toste ist übrigens eine der ältesten pyrotechnischen Werkstätten in Spanien und wurde im Jahr 1788 von Marcos Toste del Castillo unter dem Namen „Teide“ in Los Realejos gegründet. Heute ist es ein eingesessener kanarischer Familienbetrieb, der Wert darauf legt, dass die Feuerwerkskörper noch nach alter Tradition gefertigt werden. Das Unternehmen wird noch immer von der Familie Toste in fünfter Generation geführt, allerdings heißt die Firma seit 1992 „Hermanos Toste Pirotecnica, S.L.“

Der Betrieb hat schon viele internationale Auszeichnungen und Preise abgeräumt und 1993 beim europäischen pyrotechnischen Wettbewerb im Fürstentum in Monaco den Sieg nach Hause getragen. Als die Firma 1995 in Monaco mit einer großartigen Vorführung auch noch zum „Meister aller Meister“ der letzten Jahre ernannt wurde, erteilte der Fürst von Monaco der Firma einen Auftrag. Sie sollten das große Feuerwerk für den Nationalfeiertag, la fête du Prince, gestalten.

Gestern Nacht haben wieder einmal alle Bewohner dieser beiden Straßen mit ihren Feuerwerksfabriken darum wettgeeifert, das Publikum mit dem prachtvollsten Feuerwerk zu beeindrucken. Ob Feuerregen, glitzernde Sterne, sich nach oben drehende Spiralen in allen Farben und Größen, die Feuerwerker haben ihr Handwerk gelernt.

Gegen zehn Uhr nachts schlagen dumpf die Glocken und läuten damit den Beginn der Prozession und die Minuten vor dem Wettkampf ein. Erst kommen die Trommler, dann der Pfarrer und hintendran ein wunderschön geschmücktes Kreuz. Aufgeputzt mit Silberkandelabern und Unmengen von Blumen, getragen von vierundzwanzig jungen Männern. Es dauert es nicht lange, die Menschenmenge steht erwartungsvoll dicht an dicht, die Trommeln in der Calle del Sol sind immer leiser zu hören und dann schießt der erste Feuerstrahl in die Nacht, es riecht nach verbranntem Pulver – die Schlacht hat begonnen.

Die Menge und Art der Feuerwerkskörper, die in dieser Nacht verbrannt werden bleibt ein gut gehütetes Geheimnis der Pyrotechniker und des Festkomitees. Für das prächtige, mehrstündige Schauspiel am Nachthimmel, werden immense Geldsummen investiert und finanziert und bezahlt wird das gigantische Feuerwerk von den Bewohnern der Stadt! Unzählige Helfer des Festkomitees arbeiten und sammeln das ganze Jahr über, um genügend Geld für das große Feuerwerk aufzutreiben. Das gesamte Geld stammt von Spenden, den sogenannten Kreuzmünzen, die jede Strasse selbst sammeln muss. Dazu kommen noch Einnahmen aus verschiedenen Verlosungen und Aktivitäten, die das ganze Jahr über durchgeführt werden. Mittel aus öffentlicher Hand fließen nicht, aber die Bewohner lieben das Fest so sehr, dass jedes Jahr ein großer Betrag zusammen kommt.

Es gibt keinen Preis und keinen offiziellen Sieger, jeder Zuschauer trägt seinen Sieger nach Hause. Der Aufwand hat sich gelohnt und alle Zuschauer haben gewonnen. So ein Feuerwerk sieht man wirklich nicht alle Tage. Einmal im Jahr brennt der Himmel über Los Realejos und in den Bars wird noch lange darüber geredet werden, wer in diesem Jahr das schönere und größere Feuerwerk in die Nacht geschossen hat.

Eine Geschichte muss ich euch noch erzählen. lachen Es war im Jahr 2008 und wir waren das erste Mal selbst in Los Realejos um uns dieses Feuerwerk sozusagen life anzusehen. Allerdings haben wir dafür ein denkbar schlechtes Jahr erwischt, denn die Veranstaltung lief unter dem Motto „Stell dir vor, es ist Feuerwerk und keiner sieht es“. 

Los gefahren sind wir um sieben Uhr, wir hatten ja keine Ahnung, wie die Veranstaltung ablaufen würde – und eines ist immer und überall Mangelware – ein Parkplatz. Wir haben unser Auto perfekt in einer Nebenstraße geparkt und sind dann wie die Bergziegen nach oben gewandert. Unser Ziel war der Platz vor der Kirche oder der Bibliothek. Da soll noch irgendjemand behaupten, dass Icod ein Bergdorf sei. In Los Realejos sind die Gassen und Straßen um einiges steiler. 1f60a Dann hat der griffige Teil des Abends begonnen. Bitte warten, bitte warten …

Aber das ist hier eigentlich überall üblich. Die Canarios sind Meister im Anstehen und warten. Deshalb regt sich auch niemand außer ein paar Touristen darüber auf, wenn zwei Ortsansässige am Rande einer Kreuzung einen kleinen Tratsch halten. Ein Hupkonzert wird dadurch nur in den seltensten Fällen ausgelöst. Aber wieder zurück zu unserem Abend. Angekündigt war das Feuerwerk für zehn Uhr in der Nacht, aber wir hätten es ja schon besser wissen müssen. 1f607 Ohne Pfarrer und irgendeinem Heiligen, der mit vielen Blumen durch die Gassen geschleppt wird – geht hier gar nix und der war weit und breit nicht zu sehen!

Mit einer Stunde Verspätung begann das Schauspiel dann endlich, aber weil es total windstill war, bildeten sich sehr schnell dichte Rauchwolken, die die Sicht auf die tollen Bilder am Himmel vollkommen verschleierten. Das Spektakel musste abgebrochen werden. Als sich auch nach einer Stunde nichts rührte, machten sich die meisten der Zuschauer auf den Heimweg – wir auch! lachen Wer konnte auch ahnen, dass es nachts um drei Uhr weitergehen würde! Ich nicht und ganz ehrlich, so lange hätte ich auch nicht gewartet. So kam es, dass es ein Feuerwerk gab, das außer den Nachtschwärmern fast kei­ner gesehen hat … kuss (2)

Überall auf den Kanarischen Inseln, der Tag des Kreuzes, el Dia de Cruz, gefeiert, mehr dazu könnt ihr hier lesen.

 

 

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