… legte jeden Tag ein Ei …

Eigentlich gibt es nichts zu schreiben, aber eine kleine Geschichte muss ich euch doch erzählen. Mit unserer neuen Untermieterin habe ich euch ja bereits bekannt gemacht. Ihr erinnert euch noch an ein braunes Huhn mit dem hochtrabenden Namen Brigitte – sprich Brischid? Nachdem sie uns sozusagen adoptiert hat und wir uns gegen den Suppentopf entschieden haben, lebt Madame eben bei uns.

Wir sorgen für ihr leibliches Wohl und dachten an ein Ei pro Tag. Das ist für Kost und Logis nicht zu viel verlangt, oder? Am Anfang ihres Aufenthalts hat das auch ganz gut geklappt aber plötzlich war Schluss mit lustig. Ein Tag ohne Ei, noch ein Tag ohne Ei…

Dabei lebt sie bei uns ein richtiges Luxusleben, sie wandert wohin sie will, das Futter wird ihr vor die Haustüre gebracht, weit und breit kein einengender Zaun und frisches Wasser kann sie im kühlen Baumschatten aus dem kleinen Bächlein trinken. Huhn, was willst du mehr? Aber was soll’s, das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Dann soll sie eben bei uns ihren Lebensabend verbringen – haben wir uns gedacht. Doch vor ein paar Tagen war plötzlich alles ganz anders. Unter diesem Benjamin lag einsam und verlassen – ein Ei!

Ein Ei ist nichts Aufregendes, das stimmt, aber wenn man beim genauen Hinschauen noch mehr davon sieht, dann glaubt man im ersten Moment an eine Luftspiegelung. Die gesamte Ausbeute waren neunundzwanzig Eier! Unsere Henne hat anscheinend kurzerhand ihren Schlafplatz gewechselt und zieht das schattige Plätzchen im Freien ihrem luxuriösen Einfamilienhaus vor. Oder sie einfach kein Homeoffice mehr? Mir soll es recht sein, ab jetzt wissen wir wenigstens wo wir die Miete kassieren können.

Den Büroplaner hat Peter Gaymann im Angebot, vielleicht sollte ich ihn mir kaufen? Sein Markenzeichen sind Hühner, er wird auch ab und zu Herr der Hühner genannt, und ich habe seine Bücher und Cartoons schon vor dem Einzug unserer Henne geliebt. Er hat aber nicht nur Hühner und vorlaute Katzen im Angebot sondern macht sich auch Gedanken über Pärchen und ihre Beziehungsprobleme. Ich liebe seinen Humor und deshalb werde ich mir jetzt eines seiner Bücher aus dem Regal holen…

„Humor sorgt für das nötige bisschen Entspannung, gerade wenn es schwierig wird“, sagt Peter Gaymann.

Ich wünsche euch jedenfalls noch einen wunderschönen Abend – morgen werde ich einen Kuchen backen – mit ganz vielen Eiern von einer glücklichen frei laufenden Henne.

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ARTlandya Juni 2020

Zur Zeit beginnt sich das Leben zum Glück auch auf Teneriffa wieder zu normalisieren und am vergangenen Wochenende haben wir ARTlandya das erste Mal nach drei Monaten für Besucher geöffnet.

Vorerst werden wir auch nur an den Wochenenden, also Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr öffnen und das wird bis Ende des Jahres wahrscheinlich so bleiben. Ich glaube kaum, dass sich im Sommer das Urlaubsleben auf der Insel „normalisieren“ wird und deshalb müssen auch wir, wie so viele andere, für uns selbst neue Wege suchen.

Puerto de la Cruz Mitte Juni 2020

Wie überall auf der Welt hat der Virus mit dem schönen Namen COVID 19 auch auf Teneriffa anständig zugeschlagen, er hat die Kanarischen Inseln leider nicht verschont und das Leben von jetzt auf gleich von oben nach unten gedreht. Von einem Tag auf den anderen keine Besucher mehr zu haben ist schon ein harter Brocken und im ersten Moment bricht eine Welt, wenn auch nur die eigene, klirrend in sich zusammen. Was also machen?

ruhige Zeiten in Icod de los Vinos

Viele Unternehmer haben Gutscheine für ihre Kunden angeboten, wir haben uns aber dagegen entschieden, denn in unseren Augen können Vorauszahlungen für irgendwelche Leistungen in der Zukunft nicht viel an der Situation ändern. Abgesehen davon, dass niemand die Zukunft verlässlich vorher sehen kann. Ein Buch schreiben? Auch keine gute Lösung, denn meine Geschichten kann jeder seit Jahren vollkommen kostenlos im weltweiten Netz lesen. Virtuelle Museumsbesuche sind ebenfalls keine befriedigende Lösung – also müssen die Puppen und Teddies wohl oder übel noch einige weitere Wochen in Einsamkeit mit gezählten Bewunderern verbringen.

Schade, dass wir noch keine Pensionisten sind, dann hätten wir kein Problem, aber auf dieses Einkommen müssen wir noch einige Jährchen warten. Aber aufgeben gilt nicht! Damit es trotz dieser ungeliebten Auszeit, die uns über Nacht ein Virus beschert hat, so schnell wie möglich weitergehen kann, werden wir den bis jetzt sehr unpraktischen Arbeitsplatz für unsere Glasarbeiten zu einem Studio ausbauen. Die Arbeitsfläche, der Lagerraum für Glas und der Platz für die Glasöfen müssen optimiert werden, dann können in Zukunft viele noch mehr fantasievolle Objekte aus Glas entstehen. Die ersten Kunstwerke haben bereits den Ofen verlassen und neue Besitzer gefunden. In Zukunft sind wir damit weniger abhängig von Gästen, die ARTlandya besuchen, denn die kleineren Glasobjekte können wir ganz einfach verpacken und mit der Post auf den Weg schicken.

Ein Hilfsprojekt, das von der EU unterstützt wird, kann könnte uns dabei sehr hilfreich sein, denn im Moment zählt wirklich jeder Euro. Ihr könnt euch die Seite für unsere Gläsernen Illusionen ja einmal ansehen, vielleicht unterstütz uns ja jemand von euch?

Ich weiß, zur Zeit wird überall um Hilfe Unterstützung gebeten und jeder hat so seine kleinen und großen Sorgen, aber ich dachte, ich versuche es einmal. Ich bin nicht so geübt im „bitten“, ich löse meine Probleme am liebsten selbst, aber so wie es aussieht, sollte man nie glauben, dass man das immer schafft. Ohne, oder mit sehr gezählten Besuchern geht leider gar nichts, denn die laufenden Kosten für Wasser, Strom, Telefon und was sonst noch so fällig ist, müssen bezahlt werden und mit dem Ausbau des GLASstudios sehen wir ein Licht am Ende des dunklen Tunnels.  

Es gibt vielleicht wirklich nicht nur Probleme sondern auch Lösungen – bitte helft uns dabei diese Herausforderung zu meistern. Das wäre super toll!!! Und vielleicht kennt ihr ja jemanden, der jemanden kennt, der sich für Glaskunst interessiert… bitte weiter erzählen!

In diesem Jahr werden uns viele von euch leider nicht besuchen können, aber vielleicht sehen wir uns ja im kommenden Jahr wieder. Seht euch die Seite einfach einmal an – und danke für jede, noch so kleine Hilfe. Kommt gut in die Neue Woche 🌸🌹🌸

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Das kleine Wörtchen NEIN

Ein langweiliger Tag – durch und durch. Am Vormittag strahlender Sonnenschein und blauer Himmel, aber jetzt ist der Himmel vollgestopft mit Wolken und die ersten Regentropfen tröpfeln auf die noch sonnenwarme Erde. Es ist grau in grau und ungemütlich. Da vergeht einem die Lust auf jede Arbeit und zum Glück habe ich mein Arbeitspensum heute bereits erledigt. Naja, fast. Sonnenschein und blaues Meer vermitteln eindeutig ein besseres Lebensgefühl als Wolken und Regentropfen. Bei grauem Himmel fühlt es sich manchmal an, als würde das Leben an einem vorbeiziehen. Warum das so ist? Keine Ahnung, aber Sonnenstrahlen beleben eben.

Bei mir ist das so. Vielleicht war ich in irgendeinem vorherigen Leben eine freche Nixe oder eine Art von Sonnenanbeterin? Ein netter Gedanke, doch meine vorherigen anderen Leben werden wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Falls ich schon einmal gelebt haben sollte! Das ist aber wahrscheinlich doch eher nicht der Fall, hoffe ich wenigstens. Für mich ist nur eines sicher – der Blick aufs Meer, oder besser gesagt die uneingeschränkte Weitsicht bereichert mein ganz persönliches Leben. Keine Einschränkungen in der Sicht, immer das Gefühl der Weite vor sich haben – das ist für mich Lebensqualität!

Laut Lothar Seiwert, einem schlauen Autor von vielen interessanten Büchern, gehört zur Lebensqualität von jedem Menschen unbedingt noch ein ganz wichtiges Wort mit vier Buchstaben. Das Wörtchen nein! Er hat mit Sicherheit recht, denn das Wörtchen nein steht an der Spitze der Waffen gegen Zeitfresser. Aber warum fällt uns das Neinsagen so schwer? Will man andere nicht vor den Kopf stoßen, erhofft man sich Anerkennung und Lob? Will man Mitmenschen nicht verletzen oder möchte man es allen recht machen? Diese – oder andere Gründe könnten stimmen. Aber warum macht man das? Ich frage mich das deshalb, weil man von den Nutznießern meistens wenig Anerkennung bekommt und wenn es ganz krass hergeht, wird man sogar noch ausgenutzt. Auch nicht Sinn und Zweck der Aktion, oder?

Was macht man mit schlechten Angewohnheiten? Richtig, man versucht sie abzulegen. Man ändert sich so gut es geht. Doch Ballast kann man erst abwerfen, wenn man fähig ist, öfter nein zu sagen! Laut Lothar Seiwert sollte man erst im kleinen Kreis üben. „Jetzt nicht. Ich bin eine Stunde faul.“ Dann steigern: „Ich bin heute faul.“ Bis man bei jeder Gelegenheit Grenzen ziehen und sagen kann: „Nein, das ist mir gerade zu viel, das mag ich jetzt nicht machen.“ Das ist das Ziel! Hat man diese Hürden erst einmal geschafft, sollte man sich am Ende eines Tages fragen, wie viele Sachen man wirklich unbedingt im Laufe der letzten Stunden erledigen musste. Dann sollte man endgültig in der Lage sein, das Notwendige vom Unnötigen unterscheiden – und am nächsten Tag weglassen zu können. Essen, Reden, Lachen, Lieben – das sind die wirklich wichtigen Dinge des Lebens für die man mehr Zeit haben sollte!

Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert, man kann ja nichts verlieren, oder? Nein heißt eben nein – und nicht naja, vielleicht geht’s ja doch. Ich sehe schon, dass muss ich noch üben – aber wie heißt es so klug? Richtig, Übung macht den Meister!

Dieses Gedicht ist mir heute zwischen die Finger gekommen und weil auch noch das Wochenende vor der Tür steht, schreibe ich es schnell noch hier auf. Alles Liebe und einen guten Start ins Ende der Woche, erholt euch gut!

eine Künstlerpuppe von Joke Grobben in der Ausstellung von ARTlandya

Das kleine Mädchen
Es war ein armes kleines Mädchen,
das stickte nur mit kurzen Fädchen;
ich glaube Lina war ihr Name.

Sie wurde eine schöne Dame,
war fleißig, brav und lernte gerne,
da kam ein Prinz aus weiter Ferne.
Der sagte: „Liebe gute Lina,
komm mit mir auf mein Schloss nach China.“
Dort sitzen sie nun alle beide
auf einem Thron von gelber Seide.
Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) der eigentlich Hans Bötticher hieß …

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NebeL ist LebeN?

Der Tag hat heute mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein begonnen, aber Petrus hat sich kurz darauf anders entschieden. Am Vormittag sind graue Wolken aufgezogen und bald darauf sind die ersten Nebelschwaden vom Meer nach oben über die Hügel gezogen. Am Nachmittag hat es sogar leicht zu regnen begonnen. Na ja, Regen ist ein bisschen übertrieben, es handelt sich eher um Wasserstaub als um Regentropfen.

Alles ist möglich – nur Wunder dauern etwas länger. Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.

Diese Weisheit – oder soll man besser Erkenntnis sagen – soll vom griechischen Philosophen Platon stammen. Deshalb ist mein Motto des Tages heute „Every day may not be good, but there’s something good in every day.“

Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Leben von rückwärts gelesen Nebel heißt?  Vielleicht fehlt uns aus diesem Grund öfter der Durchblick? Es ist kein Zufall, dass Leben verkehrt gelesen, Nebel heißt. Es werden ja auch im realen Leben viele Dinge Tatsachen kurzerhand hinter einem Schleier des Vergessens versteckt. Was man nicht direkt sieht, existiert nicht mehr und niemand kann – oder soll – die ganze Wahrheit erfahren. Das funktioniert zwar nicht immer, aber einige Menschen glauben fest daran.

nebel_artlandya

Bei zu dichtem Nebel kann kein Mensch mehr klar sehen, Menschen, Tiere, Bäume, Blumen und oft sogar das Nachbarhaus verschwinden von einer Sekunde zur anderen hinter einem diffusen Dunstschleier und man blickt erst wieder durch, wenn sich der Nebel lichtet. Aber dann ist es oft schon zu spät und der Zug ist abgefahren – sozusagen im Leben Nebel verschwunden.

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Man kann das Ganze aber auch umgekehrt sehen. Liest man Nebel von hinten nach vorne landet man mitten im Leben! Nebel verdeckt zwar öfter die klare Sicht und macht schlechte Laune – aber es kann auch ganz anders sein! Nebel kann Leben erst möglich machen! Zum Beispiel im ehemaligen Südwestafrika, in Namibia. Dort hoffen alle Bewohner, dass dem Land der Wasser spendende Nebel erhalten bleibt, denn für das Land am Rande der Wüste ist lebenswichtig, genau genommen überlebenswichtig!

Für die Menschen in Südwest Afrika Namibia hat der feine Nebel eine ganz besondere Bedeutung. Es hat mit den Nebelschwaden, die sich über die Dünen der Wüste Namib zu tun. Mit dem grauen Schleier über Städten wie Swakopmund und den Bewohnern, für die der Nebel bis jetzt genauso normal gewesen ist, wie das Meer und die Wellen. Die feuchten Nebelschwaden gehören einfach zu ihrem Leben dazu. Bis vor ein paar Jahren hat niemand darüber nachgedacht, denn der Nebel war ein fixer Bestandteil des Wetters, er war immer da. Doch das ändert sich in Namibia langsam aber sicher. Seit sich weltweit das Klima wandelt, ist leider nichts mehr selbstverständlich. Nicht einmal das Selbstverständliche.

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Sogar Oscar Wilde hat sich schon Gedanken über den Nebel gemacht, er schrieb: „London ist allzusehr erfüllt von Nebel und ernsthaften Leuten. Ob die Nebel die ernsthaften Leute oder die ernsthaften Leute die Nebel hervorbringen, weiß ich nicht genau.“  1f609 Für mich verdeckt der Nebel die Sicht und manchmal verdirbt er mir auch die Laune. Ab und zu finde ich die Stimmung im Nebel aber auch schön, denn rund herum ist das Leben gedämpft und verschleiert. Eine Landschaft im Nebel kann auch etwas besonderes, oft märchenhaftes sein.

Kann man mit Wortspielereien wirklich eine Parallele zum Leben ziehen? Könnte ja möglich sein, oder? Also denkt daran, wenn einmal keine Sonne scheint und ihr sehnsüchtig an die grenzenlose Freiheit über den Wolken denkt. Gönnt euch ein gutes Schlückchen etwas Schönes und sucht die Sonne im Herzen. Der Nebel gehört zu unserem Leben – auch wenn diese Tatsache nur beim rückwärts Lesen zu erkennen ist. kuss (2)

Nebel ist Leben, let’s do it!

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Der letzte Applaus – el último aplauso…

Der letzte Applaus, der Vorhang fällt. Die Schauspieler verneigen sich, das Stück ist aus, die Zuschauer gehen nach Haus…

So würde es sich nach einer gelungenen Aufführung auf der Bühne im Theater oder an der Oper abspielen, aber in diesem speziellen Fall hat die Szenerie einen gravierenden Fehler – sie spielt sich im richtigen Leben ab und fühlt sich deshalb irgendwie schal an. Obwohl der Titel „Die Helden der Nation“ sehr vielversprechend klingt. Ihr wollt wissen, was das echte Leben mit den Brettern, die für viele die Welt bedeuten, zu tun hat? Wie ich auf so einen absurden Gedanken komme?

Begonnen hat die Geschichte am 14. März, als die spanische Regierung ein ganzes Land lahm legte und für alle Bewohner absoluten Hausarrest verordnete. Plötzlich waren die Straßen leer gefegt und die Wohnungen voll belegt, arbeiten durften nur Ärzte und vor allem viele, viele Pfleger, Polizisten und Menschen, die für die Lebensmittelversogung zuständig waren, die Helden der Nation, los Héroes de la pandemia.

Die Welt war von einem Tag auf den anderen wie ausgewechselt und Abend für Abend versammelten sich die Menschen auf den Balkonen und klatschten, damals noch bei Mondschein und Licht der Laternen, Beifall für alle arbeitenden Mitmenschen, die in den Krankenhäusern und an anderen Stellen dafür sorgten, dass das Leben irgendwie weiter gehen konnte. Ich selbst habe diesen Applaus nie mitbekommen, ARTlandya ist da ein bisschen zu weit von der Innenstadt entfernt, aber von Bekannten habe ich gehört, dass in ihrer Umgebung jeden Abend geklatscht wurde. Jeden Abend zur selben Zeit.

Mittlerweile sind wir aber in der ersten Phase der Lockerungen und damit haben sich die Schwerpunkte der Menschen geändert und das Klatschen ist leiser geworden. Die ersten Geschäften haben ihre Türen wieder geöffnet, Spaziergänge sind erlaubt und das abendliche Ritual ist an vielen Stellen verschwunden. Um dem Tribut ein würdiges Ende zu geben wird heute Abend noch einmal zu einem ganz besonders langem und kräftigen Applaus auf den Balkonen aufgerufen. Desde las redes sociales, se pide para este domingo a las 19.00 horas el „mejor y más largo homenaje desde los balcones“, „el último“ aplauso.

„Aplausos desde el balcón“, foto enviada a ABC. – Pedro Martín García

Heute Abend am 17. Mai 2020, geht mit diesem letzten Applaus von den Balkonen eine ganz besondere Zeit zu Ende. Es heißt, dass die Arbeit der Pflegekräfte auch weiterhin nicht vergessen werden wird. Aber wird das wirklich so sein oder ist das nur ein netter Vorsatz? An die vielen fleißigen Mitarbeiter der Lebensmittelgeschäfte denkt doch heute schon niemand mehr mit besonderer Dankbarkeit. Die Neue Normalität ist aus der Taufe gehoben…

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Geburtstag in der Neuen Normalität

Ein runder Geburtstag und Quarantäne Hausarrest, das passt doch gar nicht, oder? Das hat sich der spanische Regierungschef wahrscheinlich auch gedacht und hat Teneriffa am Montag in die Phase 1 seines Ausstiegsplans entlassen. So konnten wir an meinem Geburtstag das erste Mal seit Wochen endlich wieder zu zweit mit einem Auto von A nach B fahren. Bars und Restaurants durften ebenfalls wieder öffnen, allerdings nur mit Sitzplätzen im Freien und natürlich mit viel Abstand und anderen Auflagen. Laut Auskunft der Guardia Civil ist es nun auch erlaubt an den Strand zu fahren, sich in den Sand setzen ist gestattet, schwimmen allerdings verboten.

Das ist jetzt nur ein kleiner Auszug aus der meterlangen Liste der phantasievollen Punkte für unser neues Leben in Freiheit. Welche Erkenntnis oder welcher Sinn dahinter steckt ist für mich zum großen Teil überhaupt nicht nachvollziehbar, aber wahrscheinlich bin ich dafür einfach zu blöd. Schön langsam müsste eigentlich die Weisheit des Alters um die Ecke kommen. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass man im Alter auf eine große Schatztruhe voller Erfahrungen zurückgreifen könnte. Ich habe sie leider noch nicht gefunden, schade.

Welche Meinung vertritt überhaupt die Fachwelt zu diesem Thema? „Unsere Studie zeigt, dass das Sprichwort, ,mit dem Alter kommt die Weisheit, zumindest in einigen Aspekten zutrifft“, schrieben sogar Wissenschaftler in einer Studie darüber. Ob ich diesen Fachleuten glauben sollte? Wenn ich an die unterschiedlichen Erklärungen der vielen Virenexperten und Fachleuten zum Thema Corona – oder meinten sie doch COVID 19 – der vergangenen Wochen denke, wohl eher nicht. Das hat Curd Jürgens anscheinend schon in den 70er Jahren geahnt, sonst hätte er ja nicht „60 Jahre und kein bisschen weise“ gesungen. Und ganz ehrlich – ich will gar nicht alt weise sein…

Am Montag haben wir uns also auf den Weg nach Puerto de la Cruz gemacht. Ich wollte ein bisschen Meeresluft schnuppern, mit den bloßen Füßen im Sand graben und ganz gemütlich auf einer der Terrassen etwas trinken. Nichts besonderes und doch fast wie ein kleines, verbotenes Abenteuer. Wie wird die Welt da draußen nach diesen Wochen der Ruhe und Abwesenheit von Leben aussehen?

Im Normalfall brauchen wir für diese Fahrt mehr oder weniger eine halbe Stunde, aber die Küstenstraße TF 5 ist seit einigen Tagen wegen Sanierungsarbeiten der Felswände gesperrt und wir mussten die Strasse über die Hügel La Guancha und Icod el Alto nehmen.

An und für sich ist diese Fahrt wunderschön – aber nicht, wenn man über eine Stunde im Stau stehen muss. Das nervt. Positiv gesehen hat man natürlich viel mehr Zeit die Landschaft zu bewundern und sieht Dinge, die man sonst überhaupt nicht wahr nimmt. Zum Glück tauchen ja auf der Gegenfahrbahn immer wieder Autos auf und mir ist aufgefallen, wie viele Autofahrer mit Maske hinter dem Lenkrad sitzen. Wozu soll das denn gut sein? Sind es mehr Männer oder Frauen die sich so vermummen? Ich kann euch leider kein Ergebnis meiner Studie präsentieren, irgendwann wurde mir das Zählen zu langweilig. Wenn da nur nicht die endlose Autoschlange wäre.

Egal, wir hatten ja den ganzen Tag Zeit und nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir auch am Ziel angekommen. Puerto de la Cruz wir kommen! Die Parkplätze waren wie immer gut besetzt, aber wo sind die dazu gehörenden Insassen? Die Gassen Richtung Plaza del Charco waren menschenleer. Hie und da ein Mensch mit Hund an der Leine, ein Papa mit Kind im Schlepptau oder eine Mama mit Kinderwagen. In allen Gassen Richtung Innenstadt gähnende Leere und Stille. Restaurants und Geschäfte geschlossen, nirgendwo Tische und Stühle vor den Lokalen, geschweige denn Menschen zu sehen.

Am Plaza del Charco hat sich das Bild ein wenig komplett verändert. Dort wo sonst Kinder am Spielplatz toben, Menschen flanieren, spazieren oder auf den Bänken sitzen, Straßenhändler ihre wertvollen Designertaschen verkaufen, kurz dort wo sich sonst das Leben abspielt – verschlossene Türen. Ein Schuhgeschäft, eine Apotheke, ein Restaurant mit gut besetzten Tischen und das Cafe im Park standen zur Auswahl. Na ja, wenigstens etwas, die sogenannte Neue Normalität soll ja erst Ende Juni einkehren und bis dahin werden in Puerto de la Cruz wohl auch wieder die öffentlichen Toiletten geöffnet werden – oder auch nicht. Wer weiß das schon?

Nach einem kurzen Spaziergang sind wir, dieses Mal ohne Stau, nach Hause gefahren und haben es uns gemütlich gemacht. Mit einem köstlichen Essen und einem guten Glas Wein, ohne Kellner mit Maske und genügend Abstand. Einfach herrlich. Die Welt da draußen kann in diesen Zeiten ziemlich nervig sein. Schön ist sie trotz allem! Cicero hätte in dieser Situation vielleicht diesen Satz gesagt:

„Zufriedenheit mit seiner Lage ist der größte und sicherste Reichtum.“

Cicero
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Der Schein trügt…

Ein stinknormaler Mittwoch, Hausarrest Tag Nummer 53, nicht mehr und nicht weniger. Blumentöpfe gießen, kurzzeitiger Einsatz mit der Gartenschere, einen kleinen Teil vom Schreibkram erledigen. Ihr seht, es gibt nichts zu erzählen. Es ist einfach nix aufregendes passiert. Nicht einmal Briefe sind dort angekommen, wo sie ankommen sollten. Als Draufgabe sorgt Petrus auch nicht gerade für gute Laune, denn graue Wolken sind für mich beim besten Willen keine Stimmungsaufheller. Was also tun, hat jemand einen Tipp? Vielleicht sollte ich mich gemütlich auf die Couch lümmeln und ein Buch zur Hand nehmen?

Lebensweisheiten und kluge oder nicht so kluge Sprüche gibt es ja wie Sand am Meer, zu fast jedem Thema und für jeden Anlass. In den Regalen der Büchereien stehen nicht nur meterlang Ratgeber für alle Lebenslagen sondern auch viele Exemplare mit Sprüchen für jede Gelegenheit im Leben. In einem Büchlein von Ernst Ferstl habe ich einen guten Spruch gefunden, aber heute passt diese Erkenntnis irgendwie auch nicht.

„Wer sich gerade grün und blau ärgert, kann wenigstens behaupten, dass er versucht, Farbe in sein Leben zu bringen.“

Ich will mich nicht ärgern, mir geht’s ja gut. Ich habe im Moment nur keine Ahnung, was ich tun soll. Draußen ist es mir zu ungemütlich und Fenster putzen muss gerade auch nicht sein. Zeit für eine Märchenstunde…

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der beiden Schüsseln hatte einen feinen Sprung, aber die andere Schüssel war vollkommen makellos und schön. Jeden Tag ging die Frau mit ihren beiden Schüsseln zum Fluss um Wasser zu holen, doch wenn sie nach der langen Wanderung vom Fluss wieder zu Hause ankam, war die eine Schüssel nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang, jeden Tag. Die alte Frau brachte immer nur eineinhalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich und war betrübt, weil sie nur die Hälfte des Wassers bis nach Hause bringen konnte. Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zur alten Frau: „Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.“

Die alte Frau aber lächelte. „Hast du eigentlich einmal bemerkt, dass auf deiner Seite des Weges bunte Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht? Ich habe auf deiner Seite des Weges Blumensamen ausgestreut, weil ich wusste, dass du Wasser verlierst. Nun gießt du die Blumen jeden Tag, wenn wir nach Hause gehen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“

Jeder von uns hat seine ganz eigenen Macken und Fehler, aber es sind die Macken und Sprünge, die unser Leben so interessant und lohnenswert machen. Man sollte jeden Menschen einfach so nehmen, wie er ist und das Gute in ihm sehen.

Also, an alle meine Freunde mit einem Sprung in der Schüssel habt einen wundervollen Tag und vergesst nicht, den Duft der Blumen am Rand des Weges zu genießen…

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Huhn + Finca = Fincahuhn…

Nachdem es bei uns um die Mittagszeit leicht zu regnen begonnen hat, habe ich genügend Zeit, um die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen…

Vor zwei oder drei Wochen haben wir noch herzlich über einen Mann gelacht, der auf Lanzarote mit seiner Henne spazieren ging, va a caminar con una gallina. Um überhaupt vor die Türe gehen zu können, hätte man einen Hund gebraucht, denn nur dann durfte man wenigstens bis zu hundert Meter vom Haus entfernt an der frischen Luft Gassi gehen. Wenn man diesen Kurztripp überhaupt Gassigehen nennen kann.

Zum Glück haben sich die Vorschriften für den Cornoahausarrest auch bei uns auf den Kanarischen Inseln Teneriffa mittlerweile etwas gelockert und am Samstag vor einer Woche durfte ein Erwachsener mit einem, aber höchstens drei Kindern an der Hand, das erste Mal seit Wochen für eine Stunde öffentlichen Grund und Boden betreten. Seit dieser Woche sieht die Welt noch einmal besser aus – auch wenn sich die Regeln für die neue Freiheit irgendjemand mit sehr viel Fantasie ausgedacht haben muss. Wahrscheinlich auch ein Experte dieser Zeit.

Da ich weder ein Fahrrad besitze noch ein Leistungssportler bin und nicht gerne alleine durch die Landschaft marschiere, bleibe ich lieber zu Hause. Die Gegend im Radius von einem Kilometer ist nicht besonders verlockend für einen Erkundungsspaziergang und das Meer ist leider zwei Kilometer zu weit weg. Aber was soll’s – und abgesehen davon – das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Warum bin ich denn so weit vom Thema abgeschweift? Ach ja, es war der Spaziergänger mit der Henne…

Wir haben eine neue Mitbewohnerin auf der Finca. Seit einigen Tagen einer Woche beherbergen wir ein Huhn. Wir haben sie Brigitte – sprich Brischid – genannt. Ein blöder Name für eine Henne, ich weiß, aber in Coronazeiten ist alles erlaubt. Auch dämliche Namen für ein Huhn! Woher sie kommt oder wo sie ausgerissen ist konnten wir leider nicht erfahren und sie selbst kann es uns beim besten Willen auch nicht verraten.

Wir haben natürlich nach zwei Tagen zum Telefon gegriffen und eine Umfrage gestartet, aber in der Nachbarschaft vermisst niemand eine braune Henne. Jetzt war guter Rat teuer oder besser gesagt – wohin mit der Henne?

Bei uns leben viele Tiere, aber alle in Freiheit und ausschließlich solche, die sich selbst versorgen. Wir halten keine Tiere im Haus oder Stall. Naja, ausgenommen ein paar Spinnen und hie und da nisten sich ein paar ungebetene Untermieter bei uns ein. Aber das sind Ausnahmen und egal ob nützlich oder nicht, sie müssen innerhalb kurzer Zeit wieder ausziehen.

Die Wasserschildkröten und Goldfische im Teich ernähren sich selbst, die Eidechsen groß und klein bedienen sich ebenfalls selbst und unsere Steinhühner bekommen wir nur sehr selten zu Gesicht. Für das Wohl der Singvögel sorgen Blumen und Früchte auf den Sträuchern und die diversen Nagetiere verhungern auch ohne unsere Hilfe nicht. Schmetterlinge, Fliegen, Bienen, Hummeln und Libellen sind sowieso kein Thema. Was, um Himmels Willen sollen wir also mit einem einzigen Huhn anfangen? Da bleiben nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl – Suppentopf oder doch Eierlieferant?

Das war jetzt natürlich Spass! Mittlerweile hat sie einen Stall bekommen, wir haben Hühnerfutter gekauft und sie legt fast jeden Tag ein Ei. Bei Tag wandert sie auf der Finca herum und am Abend kommt sie zu uns auf die Terrasse, trippelt zur Terrassentüre, gackert verhalten und spaziert dann brav bei Fuss zum Schlafengehen neben Georg zu ihrer Behausung. Wir könnten jetzt ebenfalls mit einer Henne spazieren gehen und wir würden nicht einmal eine Leine brauchen. Leider zu spät.

„Kluge Sieger essen Eier, dumme Sieger die Hühner.“

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„Vernunft, Vernunft hat keine Unterkunft…

... in der großen Koboldszunft“. Tag 43 des Hausarrests auf Teneriffa und ich habe mir heute einen gemütlichen Sonntag Nachmittag gemacht. Nachdem es ziemlich bewölkt gewesen ist und die Sonne nur ab und zu durch die Wolkenfenster geblinzelt hat, habe ich den Liegestuhl mit der Couch getauscht, den Fernseher eingeschalten – und war plötzlich in meiner Kinderzeit… Unsichtbar. Sichtbar. Wunderbar!

Pumuckl ging mit den Wörtern um wie Meister Eder mit dem Holz: „Schau nur, wie interessant, was kann man damit alles machen!“ Machen das heute Journalisten und Medien mit ihren Informationen?

© Pumuckl nach Ellis Kaut, Originalzeichnung Barbara von Johnson

„Pumuckl verschwindet, niemand ihn findet,
weil es nicht gibt, was man nicht sieht.“

Erinnert ihr euch noch an den kleinen, frechen Kobold mit den feuerroten Haaren? „Hurra, hurra, der Kobold mit dem roten Haar! Hurra, hurra, der Pumuckl ist da!“ Wenn ich die Augen zu mache, höre ich die Titelmelodie und habe noch immer das Bild der kleinen Tischlerwerkstatt von Meister Eder vor mir. Irgendwo auf dem Tisch kraxelt ein kleines Männchen darauf herum und trinkt seinen Kaffee aus dem Eierbecher. Dann reckt und streckt er sich genüsslich und stellt fest: „am meisten wärmeln Pullis mit zwei Ärmeln.“ Dabei hat sein kleines Bäuchlein vorwitzig zwischen grüner Hose und gelbem Pulli heraus geblitzt. Ich habe die wöchentlichen Sendungen von Pumuckl geliebt und sicher so gut wie keine Folge davon versäumt.

1993 starb Meister Eder, genau genommen natürlich sein Darsteller der Schauspieler Gustl Bayrhammer. Hans Clarin, der Pumuckl die unvergessliche Stimme verliehen hat, folgte im Jahr 2005. Die baufällige vertraute Werkstatt von Meister Eder gibt es auch nicht mehr, sie wurde im Jahr 1985 nach den letzten Dreharbeiten abgerissen und im September 2015 ist Ellis Kaut, die Erfinderin des kleinen Kobolds, kurz vor ihren fünfundneunzigsten Geburtstag, gestorben. Alle sind tot und Pumuckl würde weinen, wenn er es wüsste. Da bin ich mir ganz sicher! Seinen Namen hat er übrigens von seiner geistigen Mutter geerbt, ihr Mann soll sie liebevoll so genannt haben.

Die Werkstatt von Meister Eder war nicht eine Kulisse in einem Filmstudio sondern ganz real im Hinterhaus der Widenmayerstr. 2 in München untergebracht. Das Haus wurde im Jahr 1899 als Kutscher- und Hausmeisterunterkunft für das herrschaftliche Vorderhaus gebaut und wurde später tatsächlich einmal als Tischlerei genutzt. Als das Hinterhaus für die Serie entdeckt wurde, stand es allerdings bereits leer. Die Räume für die Werkstatt im Parterre und eine kleine Wohnung im ersten Stock wurden extra für die Filmarbeiten Meister Eder eingerichtet. Als das Haus dann abgerissen werden sollte, intervenierte sogar Ministerpräsident Franz Josef Strauß und schließlich blieb es noch für eine zweite Staffel stehen, ehe Mitte der 80er-Jahren die Bagger anrückten.

Heute steht dort ein Büroklotz der Bayerischen Versicherungskammer und der kleine Kobold ist schon lange über alle Berge. „Weinen ist ja sehr schön, aber langweilig wenn’s keiner hört.“ hätte er wahrscheinlich gesagt und ist weiter gezogen. So spielt das Leben und inzwischen sind nicht nur der liebenswerte Tischler mit seinem schlauen Kobold, sondern auch fast alle Hinterhof-Werkstätten in den alten Vierteln der Münchner Innenstadt verschwunden.

Eine Überlebende aus dem Pumuckl-Clan gibt es aber noch. Barbara von Johnson, die optische Mutter des kleinen Kerls mit dem roten Haarschopf. Als Studentin an der Akademie für das Grafische Gewerbe München gewann sie 1963 den von Ellis Kaut ausgeschriebenen Wettbewerb zur Illustration Visualisierung des Pumuckl, der bis dahin unsichtbar durch die Hörspiele des Bayerischen Rundfunks klabauterte. Seit diesem Tag zeichnete sie den frechen Kobold für die Illustrationen von zehn Büchern und unzählige Plattenhüllen.

2019 nahm sie wieder einmal Kreide und Filzstifte in die Hand und malte ein Original-Pumuckl-Bild in ihrem Schwabinger Atelier. Das Bild war für einen guten Zweck und wurde versteigert. Der Erlös kam dem Verein „Ein Herz für Kinder“ zugute.

„Obwohl andere Leute den Pumuckl berühmt gemacht haben, war er für mich immer ganz wichtig in meinem Leben. Darum bin ich besonders glücklich darüber, dass der kleine Kobold nach vielen Jahren wieder heimgekehrt ist zu mir, seiner ‚optischen‘ Mutter.“ — Barbara von Johnson

Pumuckl war ja nicht nur frech und witzig, ab und zu konnte er auch sehr weise sein. Dieses Gedicht oder wie immer man es nennen will, gefällt mir besonders gut und passt nicht nur zu romantischen Vollmondnächten.

Ich bin jetzt allein zuhaus,
der Mond schaut wie ein Knödel aus,
und wär er nicht am Himmel droben,
ich stubbste ihn, er läg am Boden.
Doch so folg‘ ich jetzt hier im Stillen
dem Eder um der Freundschaft willen.
Bestimmt seh‘ ich jetzt dann im Traum
einen riesen großen Knödelbaum.

Wie ist der pfiffige Kobold eigentlich in der Werkstatt in München gelandet? Ich habe es nicht mehr gewußt und deshalb möchte ich mir diesen Zeitungsartikel aufbewahren. Er ist ein Nachruf auf Ellis Kaut, erschienen 2015 in der Süddeutschen Zeitung, geschrieben von Alex Rühle.

Am liebsten treibt sie Schabernack

Der Kobold, den sie erfand, klebte untrennbar an ihr. Dabei war sie eigentlich Bildhauerin und Schauspielerin. Nun ist die Pumuckl-Mama Ellis Kaut gestorben.

Es gibt Wörter, die verbinden sich im kollektiven Gedächtnis für immer mit einer Figur. Das Wort „Schabernack“ klebt so fest am Pumuckl wie der Pumuckl am Leimtopf des Meister Eder, in der allerersten Geschichte über den Kobold, einen so stolzen wie kleinen Nachfahren der Klabautermänner.

Das eherne Koboldgesetz besagt, dass man bei demjenigen Menschen bleiben muss, der einen erstmals gesehen hat. Also leben der Pumuckl und sein Meister Eder – ein bayerischer Buddha, tiefenentspannt, weise, und ganz und gar verwurzelt im Hier und Jetzt seiner Hinterhofwerkstatt – von da an in einer so seltsamen wie unterhaltsamen Zweckgemeinschaft.

Ellis Kaut muss es zuweilen vorgekommen sein, als klebe der Kobold, den sie1962 erfunden hat, so untrennbar an ihr wie der Pumuckl an jenem Leimtopf, der ihn damals in unsere Welt zwang. Kaut war studierte Bildhauerin und Schauspielerin, sie hat viele Hundert Texte für den Bayerischen Rundfunk verfasst und mehrere Fotobände herausgegeben, „aber jeder, der mich erkennt, spricht mich auf meinen Kobold an“, wie sie einmal sagte.

Als sie mit fast 90Jahren ihre Autobiografie in Angriff nahm, versuchte sie sogar zuerst, ihr eigenes Leben aus Sicht des Pumuckl zu erzählen. Das hat dann nicht funktioniert, sie gab dem Buch aber einen Satz ihres Kobolds als Titel: „Nur ich sag ich zu mir“. Kaut sagte mehrmals, dass der Pumuckl viel von ihr habe, weshalb wir hier eingangs noch mal auf diesen nervösen Genusskobold zurückkommen, der Schokolade und Schiffschaukeln liebt und es eigentlich immer rundum gut meint, aber trotzdem zur großen Freude seiner Zuhörer in jeder Geschichte größtmögliche Unordnung verbreitet.

Pumuckls wichtigstes Attribut: die Stimme!

Aufgrund seines prekären ontologischen Status – er ist ja einen Großteil der Zeit völlig unsichtbar – ist sein wichtigstes Attribut die Stimme. Weshalb es ein Riesenglück war, dass Ellis Kaut damals im Rundfunk hörte, wie Hans Clarin Otfried Preußlers „Kleine Hexe“ einsprach. Clarin lieh dem Kobold, dessen Hirnwindungen man sich vielleicht vorzustellen hat wie einen Haufen Luftschlangen, so verdreht ist seine Logik, diese eindringliche Stimme, die von einem Moment auf den anderen von liebevollem Singsang in jähzornig migränöses Jaulen kippen konnte und dem man aber auch diese narrische Liebe zur Sprache abnahm. Der Pumuckl ging mit den Wörtern um wie der Meister Eder mit dem Holz: Schau nur, wie interessant, was kann man damit alles machen!

Während der Meister Eder seine Möbel schreinerte, drechselte der Pumuckl seine Gedichte: „Vernunft, Vernunft hat keine Unterkunft, in der großen Koboldszunft.“ Oft sprang er in diesen Gedichten auch einfach nur in den Klang der Sprache hinein, lustvoll wie in eine Matschpfütze: „Kommt daher ein dicker Mensch, reim ich pinsche pansche pensch!“ Weshalb man davon ausgehen kann, dass Ulimantulus Irrichmich ein ferner Verwandter des kleinen Klabautermanns war: „Uli der Fehlerteufel“, eine weitere Figur von Kaut, geisterte durch viele Rechtschreibfibeln der Siebzigerjahre, verdrehte Buchstaben oder stahl Satzzeichen und Wörter aus ersten Lesetexten.
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Puerta sin Puerta in Garachico

Im alten Hafenbereich von Garachico stehen zwei sehr attraktive Objekte aus weißem Marmor und Ich glaube, es gibt kaum einen Touristen, der hier kein Bildchen knipst. 1f609 Bis jetzt habe ich selten das Glück gehabt, die beiden steinernen Motive ohne Menschen fotografieren zu können, aber das ist kein Wunder, denn auch für andere Besucher von Garachico  ergeben sie ein tolles Motiv – mit dem zusätzlichen Geschenk, dass man sich zu Hause sogar den Bilderrahmen sparen kann.

Warum diese zwei Gebilde hier stehen, weiß so gut wie niemand, denn es gibt weit und breit kein Schild mit einer Erklärung dafür und in den Reiseführern wird Garachico meistens in einem Atemzug mit dem letzen Vulkanausbruch und dem Untergang des regen Hafenbetriebes in einem Atemzug genannt. Das war es dann schon.

Dabei ist die Geschichte dieser Kunstwerke ziemlich interessant. Warum und wieso stehen diese Kunstwerke überhaupt dort? Hat sich darüber schon jemand Gedanken gemacht? Besonders typisch für diese Gegend sind sie ja nicht, einen traditionellen Hintergrund kann es also nicht geben. Genau so ist es auch und ursprünglich sollten die beiden Gebilde aus weißem Marmor nicht einmal in Garachico aufgestellt werden. Das kleine Städtchen war nur die zweite Wahl.

Vor vielen, vielen Jahren wurde von der Vereinigung der Architekten, la Comisión de Escultura del Colegio de Arquitectos de Santa Cruz, eine große, kulturelle Veranstaltung organisiert. Im Dezember des Jahres 1973 wurde La primera Exposición Internacional de Escultura en la Calle, die erste internationale Skulpturenausstellung in den Strassen von Santa Cruz, der heutigen Inselhauptstadt gezeigt. Laut alten Berichten soll es eine der besten Ausstellungen von abstrakter Kunst dieser Zeit gewesen sein. Wo die Kunstwerke in der Stadt ausgestellt werden sollten, wurde sowohl von den Künstlern persönlich aber auch von einem Architekten, einem Statiker und einer Baufirma vor Ort entschieden. Mit dieser Vorgehensweise wurden bei der ersten Ausstellung dieser Art über zweiundvierzig Plastiken in Parkanlagen, auf Plätzen und an Strassen von Santa Cruz aufgestellt. Da die meisten Kunstwerke lediglich Leihgaben der Künstler gewesen sind, wurden viele Werke nach einer gewissen Zeit wieder zurück gegeben und verschwanden aus dem Stadtbild.

Erst zwanzig Jahre später folgte eine zweite Ausstellung die im Jahr 1994 eröffnet wurde. Viele Besucher der Stadt waren von den ausgestellten Skulpturen ganz begeistert und wer heute mit offenen Augen durch Santa Cruz geht, kann noch viele dieser Werke entdecken. 1f609 So weit so gut, aber was hat diese Geschichte mit Garachico zu tun? Ganz einfach, die Skulptur von Kan Yasoda sollte ursprünglich in Santa Cruz ihren Platz bekommen.

Kan Yasuda ist ein Bildhauer, der 1945 auf der japanischen Insel Hokkaido geboren wurde und seit 1970 in der Toskana lebt und arbeitet. Ausgesucht wurden die Künstler von einer Kommission der Architekten in Santa Cruz und Carlos Schwartz, ein Mann an der Spitze, kannte Yasuda persönlich und lud ihn ein, bei der zweiten Kunstausstellung auf der Strasse teilzunehmen. Der japanische Künstler sagte zu und kam 1999 mit seiner Frau nach Teneriffa um den Standort für seine Skulptur aus Marmor auszuwählen. Er entschied sich für einen Platz an der Rambla de las Tinajas.

Die Zeit verging, die Inselregierung hat das Werk bezahlt, das Kunstwerk wurde fertig gestellt und auf die Insel geliefert. Als die wertvolle Fracht im Hafen von Santa Cruz angekommen war, entschied der Bürgermeister allerdings, dass das Kunstwerk unmöglich auf dem dafür vorgesehenen Platz aufgestellt werden könnte. So lagerte die Skulptur fein säuberlich verpackt fast ein Jahr in den Lagerräumen im Hafen und nichts geschah.

Es standen Wahlen vor der Tür und der Präsident der Insel befürchtete, dass sich die Bevölkerung darüber aufregen könnte, dass ein Kunstwerk, für das so viel Geld ausgegeben worden war, gerade jetzt aufgestellt werden sollte. Also blieb der verarbeitete Marmor aus Italien einfach in großen Kisten auf dem Hafengelände und wartete auf seine Enthüllung. Es musste eine Lösung gefunden werden, aber woher nehmen und nicht stehlen?

In seiner Verzweiflung wandte sich der Architekt an den Bildhauer, um mit ihm gemeinsam einen neuen Standort für das Werk zu finden. Doch das war gar nicht so einfach, doch in einem glücklichen Moment fiel dem guten Mann die alte Mole in Garachico ein.

Als Yasudo den Platz sah, soll er „das ist der beste Platz, den es für meine Arbeit geben kann“ gesagt haben. Der japanische Künstler und der kanarische Architekt waren also ganz begeistert. 1f609 Die Verantwortlichen von Garachico sahen die ganze Aktion mit anderen Augen. Sie brachen in keine Begeisterungsstürme aus, aber immerhin hatten sie keine Einwände. Der erste Schritt war getan. Am Ende der Geschichte akzeptierten die Stadtväter die Entscheidung für diesen Standort und die Skulptur wurde, obwohl es durchaus Bedenken gab, im Jahr 2000 in Garachico aufgestellt.

Im Winter ist dieser Teil der Küste für sehr hohen Wellengang bekannt und was würde mit dem Kunstwerk bei einem richtigen Unwetter geschehen? Würde die Verankerung den Wassergewalten stand halten? Sogar die Möglichkeit eines Erdbebens wurde in Erwägung gezogen! Doch wie wir alle wissen, waren die Sorgen umsonst. Die beiden Mamorskulpturen stehen noch immer fest und sicher auf ihrem Platz und Kan Yasuda soll glücklich über diesen Standort nach Hause gefahren sein.

Der Marmor der beiden Bilderrahmen stammt aus der Toskana, genau gesagt aus Carrara, das für die sehr weißen Mamorvorkommen auf der ganzen Welt bekannt ist. Dieser weiße, geschmeidige Stein fügt sich nun ganz harmonisch ins alte Hafenviertel und setzt dort selbstbewusst, aber doch harmonisch, einen zeitlosen Punkt in die Landschaft. Endgültig und mit allen Ehren eingeweiht wurden die beiden minimalistischen Kunstwerke erst im Jahr 2002 und seitdem sind sie mit Sicherheit bereits viele tausende Mal auf Bildern festgehalten worden.

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Der Künstler hat den beiden steinernen Gebilden den Namen Tensei Tenmoku gegeben. Die Bezeichnung soll soviel wie Puerta sin Puerta, also Tür ohne Tür heißen – was immer das auch bedeuten mag. 1f609  Ich habe aber auch schon die Bezeichnung la Puerta sin Tierra, die Tür ohne Erde, gefunden. Vielleicht trifft diese Übersetzung eher zu, denn einer der beiden Rahmen berührt die Erde wirklich nicht direkt, er schwebt sozusagen ein paar Zentimeter über dem Boden. Man muss aber auch wissen, dass Kan Yasuda für die japanischen Titel seiner Arbeit nicht immer typische oder gar bezeichnende Worte wählt. Sie sind mehrdeutig und  machen deshalb die Übersetzung aus dem japanischen ziemlich schwierig. Aus diesem Grund gibt es mit Sicherheit mehrere, zutreffende Bezeichnungen für die Skulpturen.

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Die Werke von Kan Yasuda sind meistens aus weißem Carrara-Marmor, Bronze oder schwarzem Granit gearbeitet. Es sind einfache Formen in unterschiedlichen Größen aber immer irgendwo poliert. Seine Skulpturen spielen mit Sonne, Wolken, Regen und den Wellen des Meeres ihr Spiel – und Menschen beleben die Komposition fast wie von selbst. Seine Werke werden nicht nur bestaunt und betrachtet sondern auch berührt. Menschen geben sich damit einen Rahmen, sie gehen eine Verbindung mir der Vision des Künstlers ein. Ohne es zu bemerken. 1f609 Das ist Kunst für den Alltag – einfach nur schön!

P.S.: Die beiden schwarzen Kunstwerke stehen in Rom und Japan … und ja, auch von uns gibt es ein Foto mit diesem schönen Bilderrahmen. So eine Gelegenheit darf man sich nicht entgehen lassen auch wenn man des öfteren einige Zeit für die Möglichkeit dieses Foto knipsen zu können warten muss.

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