Er liebt mich, er liebt mich nicht?

Hat sich jemand von euch frisch verliebt? Unsere Margeriten blühen in allen Farben. Weiß, in hellrosa, pink und gelb. Dem Blütenorakel steht also nichts im Wege. Blüten dafür stehen in Unmengen zur Verfügung.Es bleibt nur mehr eine klitzekleine Frage offen. Welche Farbe ist dafür besser geeignet? Rosa oder weiß?

artlandya_margariten1

Zugegeben, normaler Weise nimmt man dafür Gänseblümchen und zupft ein Blütenblättchen nach dem anderen ab. Aber mit Gänseblümchen kann ich leider nicht dienen. Ich habe auf der Insel noch keines entdecken können. Entweder sie haben sich vor mir versteckt – oder es gibt keine?! Aber es müssen ja nicht immer Gänseblümchen sein, um herauszufinden, ob es mit der Liebe klappt oder nicht. Ganz abgesehen davon, dass es noch unzählige andere Blumenorakel gibt.

artlandya_margariten1a

Wer wissen will, ob zwei bald heiraten werden, braucht nur zwei Blätter von einem Buchsbaum. Auf eine heiße Herdplatte legen und abwarten. Je nachdem, ob sie sich durch die Hitze zusammen ziehen oder auseinander rollen, hat man eine klare Antwort bekommen. Wir heiraten bald oder wir heiraten gar nicht! Ende der Debatte.

artlandya_margariten1b

Das Blumenorakel hat auch der Dichterfürst Goethe in eines seiner Werke eingebaut. Wer von euch hat in seinen Jugendjahren nicht das Monsterwerk Faust auf und ab lesen dürfen? Genau in diesem Werk befragt das Gretchen das Orakel der Blumen, „Ja, mein Kind! Lass dieses Blumenwort Dir Götter-Ausspruch sein. Er liebt dich!“ war die Antwort auf ihre Frage. Moral  aus der Geschicht‘?  Glaub‘ einem Orakel nicht! Die Geschichte des armen Gretchens ist ja bekannter Weise nicht gar so gut ausgegangen.

Trotz allem, a pesar de todo – Blumen sagen immer mehr als tausend Worte. Aber aufgepasst, es muss schon das richtige Grünzeug sein! Bei einigen Blumen sollte man daher Vorsicht walten lassen. Denn Blumen können verschiedene Sprachen sprechen und nicht alle sind nett.

Die Sprache der Blumen hat eine lange Tradition. In früheren Zeiten hat vor allem der weibliche Teil der Gesellschaft mit Hilfe der Blumen ohne Worte seine Gefühle zeigen können.  Die feinen Damen der Gesellschaft mussten ja sehr zurückhaltend und vornehm sein und so ließ der Kavalier einfach Blumen sprechen, es entstand eine richtige Blumensprache. Nur aus diesem Grund haben viele Pflanzen und Blumen eine eigene, seit alter Zeit überlieferte Bedeutung. Einige Übersetzungen habe ich gefunden, vielleicht kann sie ja jemand bei passender Gelegenheit anwenden.

Die Chrysantheme, el crisantemo – egal ob im Strauß oder Knopfloch – bedeutet: „Ich bin noch frei und interessiert.“
Salbeiblüten, la flor de salvia, signalisieren: „Ich denke an dich.“
Die Geranie, el geranio, sagt durch die Blüte, dass man sich wieder an einem bestimmten Ort treffen will.
Ein paar Lavendelzweige, la lavanda, stärken das Selbstbewusstsein: „Das werden wir schon schaffen, das wird schon klappen.“
Die Brennnessel, la ortiga, sagt laut und deutlich: „Ich habe dich durchschaut, du kannst mir nichts vormachen.“ und die Aster, la áster, flüstert leise: „Ich glaube nicht, dass du wirklich treu sein kannst.“
Auch die stachelige Distel, la cardo, ist eindeutig „Die Sache ist mir viel zu gefährlich, mit dir will ich lieber nichts zu tun haben.“

 

Das endgültige Aus einer erhofften Liebe verkünden allerdings die leuchtend bunten Blüten der Dahlie, la dalia: „Ich bin schon vergeben. Dreh dich rum und gehe am besten.“ Brennnessel, Aster, Distel oder Dahlie bringen also keine erfreulichen Nachrichten. Die Blumensprache hat in diesen Fällen eher einen bitteren Beigeschmack.

Veröffentlicht unter Allgemein, Blumen und Pflanzen, Tagebuch, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

mit den Augen sprechen

Mit den Augen sprechen – geht das? Ich denke schon, denn ein Blick kann oft mehr als tausend Worte sagen. Unsere Stimme können wir verstellen, unsere Gefühle im Zaum halten, aber unsere Augen lügen selten. Puppen und Teddybären können ja nicht wirklich sprechen und deshalb ist es gerade bei ihnen so wichtig, was uns ihre Augen sagen können.

2a

Augen sind etwas ganz spezielles und die mundgeblasenen, gläsernen Augen haben eine lange Geschichte, die uns in ein kleines Städtchen in Deutschland, genau gesagt, in den Thüringer Wald, führt.

Am 10. Jänner 1597 erhielten die beiden Glasmacher Hans Greiner und Christoph Müller von Herzog Johann Casimir zu Sachsen-Coburg die Konzession für eine Glashütte – und weil in einer Glashütte viele Menschen Arbeit hatten, wurde mit dem Bau der Glashütte, Lauscha gegründet. Christoph Müller aus Böhmen und Hans Greiner aus Schwaben hatten also das fürstliche Privileg, Gegenstände aus Glas blasen zu dürfen. Die ersten Produkte waren Tafelglas und Trinkgefäße, erst viel später kamen Glaskugeln und Spielzeug dazu.

Noch vor der Erfindung der deutschen Augenprothesen 1835 durch Ludwig Müller-Uri, einem Glasbläser aus dem Städtchen, wurden in Lauscha schon künstliche Tieraugen hergestellt. Die Qualität und die Vielfalt der Augen, besonders für Puppen und Teddybären aber auch für Tierpräparate hat sich in den darauffolgenden Jahren so erhöht, dass Lauschaer Glasaugen in der ganzen Welt bekannt wurden.

augen_artlandya_tenerife

Für die vielen deutschen Puppenmanufakturen wurden die Augen aus Glas fast ausschließlich in Lauscha hergestellt. 1838 konnte man in einem Spielzeugkatalog folgendes Angebot lesen: „Puppenaugen, feine, schwarze 100 Stück 0,65 Mark, feine Pariser blaue 100 Stück 2,30 Mark“ 

Doch Auge ist nicht gleich Auge. Auf den Köpfen aus glasiertem Porzellan wurden die Augen in der Regel aufgemalt und nur in ganz seltenen Fällen eingesetzt. Man könnte sagen, am Anfang stand das gemalte Auge.

Feststehende Augen wurden schon vor 1800 in die Puppenköpfe eingebaut. Meistens war das Glas schwarz oder dunkelbraun. Diese Augen konnten nicht bewegt werden, sie waren fest mit dem Kopfmaterial verbunden.

augen_artlandya_tenerife1

Zu den ersten Schlafaugen werden auch die sogenannten Klappaugen gezählt. Sie wurden durch Ziehen an dünnen Fäden geöffnet oder geschlossen. Die Firma Simon & Halbig entwickelte später Augenlider, die sich über die Augen senkten – also so ähnlich wie bei uns Menschen.

gans_artlandya

Die Schelmenaugen bewegen sich nicht nur wie Schlafaugen auf und zu, sie können gleichzeitig auch noch nach rechts und links schauen. Je nachdem, wie die Puppe gehalten wird. Erfunden wurde dieser Augentyp von Otto Gans 1901.

googly5000dollar1

Bei den sogenannten Googlies wurden sogar Schielaugen eingesetzt. Diese Augen sind extrem groß und rund und werden auch Groteskaugen genannt.

googly_artlandya_tenerife2

Die Hohlaugen kamen mit den Charakterpuppen auf. Es waren gemalte, vertiefte Augen, die im Porzellankopf schon bei der Modellierung berücksichtigt wurden. Uhrwerksaugen wurden zum ersten Mal 1909 von Gottlieb Schubart aus Sonneberg geschützt. Es handelte sich dabei um eine Puppe mit Uhrwerk, das die Augen mechanisch hin und her bewegte.

Augeneinsetzer waren in der guten alten Zeit meistens Heimarbeiter. Sie montierten in ihren eigenen kleinen Wohnungen Werkstätten die Puppenaugen in die fertig bemalten Puppenköpfe. Dabei wurden die Augen zuerst vorgewärmt, dann in Wachs getaucht, in die Puppenköpfe eingepasst und anschließend fest eingegipst. Jeder Puppenkopf musste also auch bei dieser Arbeit von Hand und individuell bearbeitet werden – und so ist es auch bis heute …

Veröffentlicht unter Allgemein, Ausstellung, Puppenkunst, Tagebuch | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Erinnerungen

Die Zeit vergeht, oft wie im Flug, ab und zu schleicht sie wie eine Schnecke dahin. Doch egal wie schnell oder wie langsam sie vergeht, jede Sekunde in unserem Leben ist mit dem nächsten Wimpernschlag schon vorbei und wird Geschichte. Vielleicht gibt es die Gegenwart gar nicht? Vielleicht bewegen wir uns ja nur am Schnittpunkt von Zukunft und Vergangenheit. Wer weiß das schon so genau. Aber darum geht’s mir heute gar nicht, ich denke da eher an so etwas wie den ersten Schultag oder den ersten Kuss. Ganz ehrlich? kuss (2) Ich kann mich an meinen allerersten Kuss gar nicht mehr erinnern.

Dafür erinnere ich mich noch an einen Tag, an dem ich verbotener Weise auf dem Schulweg meine Strumpfhose ausgezogen und gegen Kniestrümpfen ausgetauscht habe. Auf dem Heimweg habe ich aufs Umziehen vergessen und an die Folgen kann ich mich nicht mehr genau erinnern. 1f609 Ich kann mich noch an Märchenstunden zweier Mädchen am Gartenzaun erinnern. Zwei kleine Mädchen auf Klappstühlen, dazwischen ein Maschendrahtzaun und ein Märchenbuch auf den Knien. An meine Erstkommunion kann ich mich nicht mehr erinnern, obwohl es davon sogar Fotos gibt. In meinem Kopf ist aber kein Bild vorhanden.

maerchen_artlandya2

Ich kann mich sogar noch an den Geschmack von bestimmten Dingen, die ich in meiner Kindheit gegessen habe erinnern, ich habe den Geschmack fast im Mund und ich ärgere mich darüber, dass ich diese Erinnerung nicht nach kochen kann. Ich bekomme diesen Geschmack einfach nicht hin. Ob sich die Eigenschaften der Zutaten verändert haben?  Oder täuschen mich meine Erinnerungen?

Erinnerungen sollen ja sehr unzuverlässig sein, das bestätigen viele verschiedene Untersuchungen. Unser Gedächtnis ist also kein Archiv unverfälschter Dokumente. Angeblich werden Erinnerungen durch andere, neuere Informationen nachträglich verzerrt und verändert. Das Gedächtnis macht uns einen fetten Strich durch die Rechnung und greift auf falsche Quellen zurück.  Vielleicht werden aus diesem Grund die alten zu den guten Zeiten?

Moral aus der Geschichte? Woran wir in zehn Jahren zurückdenken werden, das weiß niemand. Eines aber ist sicher, es wird nicht die Wahrheit sein. Die Zeit verändert alles, sogar Erlebnisse, die Jahre zurückliegen. 1f609 Deshalb sollten wir in keinem Augenblick vergessen, dass es nie zu spät für ein schönes Leben ist!

•*¨*•❥ Was schrieb schon Theodor Fontane? „Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut, Vertrauen und freudige Ergebung zu zeigen ohne Fatalismus – das ist die Kunst des Lebens.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Tagebuch, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

¡Viva la Fiesta de Julio!

Einen Nachmittag im Jahr steht Puerto de la Cruz  Jahr Kopf. Die ganze Stadt feiert die Heiligen, die für die Fischer zuständig sind – und natürlich auch sich selbst. La Embarcación de la Virgen del Carmen y San Telmo. Aus diesem Grund ist dieser besondere Tag in Puerto de la Cruz auch ein Feiertag. 1f609 In allen anderen Orten auf der Insel wird allerdings fleißig gearbeitet.

Wir arbeiten heute auch, aber die Geschichte der fröhlichen Fiesta von Puerto de la Cruz erzähle ich euch trotzdem. Ich muss nur ein bisschen in meiner Erinnerung kramen und ein paar alte Fotos treibe ich auch noch auf. Also dann …

foto

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen ein Mann und eine Frau. Es handelt sich dabei nicht um den Ehrentag eines Ehepaares sondern um zwei unabhängige Heilige. Die Jungfrau Maria und der Heilige Telmo sind zuständig für den Schutz der Fischer. Maria? Carmen? Stern des Meeres, Estrella del Mar? Das klingt ein bisschen verwirrend, doch das Rätsel ist ganz einfach zu lösen. Es handelt sich dabei um ein und dieselbe Person, eine junge Frau, die allerdings in der katholischen Welt unter einigen verschiedenen Namen unterwegs ist.

carmen

Der Name Carmen hat nichts mit einer Heiligen Carmen zu tun – sondern mit dem Karmelgebirge. Dieses Gebirge liegt an der Mittelmeerküste in Israel und war sozusagen das Wohngebiet des Propheten Elia und seiner Jünger. 1251 hatte ein englische Mönch an diesem Ort eine Vision. Er sah die Jungfrau Maria und diese Erscheinung wurde von da an Nuestra Señora del Monte Carmelo oder María del Carmen genannt. Aus Eins mach Drei, so einfach geht das.  Mit dieser Methode vervielfältigen sich die Heiligen in der Katholischen Kirche auf wundersame Weise – und niemand kennt sich mehr aus.

julio_artlandya1a

Die Hauptperson der Nacht von Puerto de la Cruz zeigt sich erst in den frühen Abendstunden dem wartenden Fussvolk. Nach dem obligaten Gottesdienst wird La Virgen Carmen, in der männlichen Begleitung von San Telmo, in einer feierlicher Prozession mit vielen Blumen und silbernen Kerzenkandelabern geschmückt, auf den Schultern starker Fischer, aus der Kirche durch viele schmale Gassen bis zum Hafen getragen. Das ist eine ganz schön lange Strecke für die tapferen Bürdenträger, denn die Last auf den Schultern der Träger ist ein kleines Schwergewicht.

fischer

Diese Prozession hat einen ganz eigenen Charakter, einen speziellen Charme. Die heilige Jungfrau wird nicht nur, wie man es gewohnt ist, ehrfürchtig und demütig behandelt. Im Gegenteil, sie wird von den Fischern, die sich schon mit einigen Gläschen Wein gestärkt haben, ziemlich stürmisch durch die Gassen transportiert.  In Wahrheit muss die zierliche Jungfrau ziemlich schwindelfrei sein, denn sie wird mehr durch die Gegend geschaukelt als ehrfurchtsvoll getragen. Die beiden schweren Statuen der Heiligen mit dem prunkvollen Blumenschmuck schwanken des Öfteren äußerst bedenklich durch die Lüfte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der zuständige Priester jedes Mal drei Kreuze schlägt wenn seine zwei Schützlinge wider heil und unbeschädigt in der Kirche landen. 1f609 Zittern darf er im nächsten Jahr um die gleiche Zeit dann wieder.

So wie es schon immer Tradition war, wird die Jungfrau also nicht mit Erfurcht und Zurückhaltung von den Gläubigen und Schutzbefohlenen behandelt. Die Fischer beschimpfen ihre Schutzpatronin im wahrsten Sinne des Wortes. Die Fischer beschweren sich bei ihrer Schutzheiligen, sie klagen und jammern, dass der Fang im vergangenen Jahr nicht immer gut genug war und fordern einen erfolgreicheren Fischfang für die kommende Saison. Außerdem fluchen sie zum Missfallen der Geistlichen laut und theatralisch. Warum? ¿Por qué? Die zarte Jungfrau soll auf keinen Fall auf die Idee kommen, ihre Anstrengungen für die Arbeit der Fischer zu verringern. Deshalb drohen ihr die Träger auch, vom Weg abzuweichen und die Jungfrau ins Meer zu tauchen – was natürlich nicht geschieht. Da sind dann plötzlich noch mehr Fischer zur Stelle. 1f609 Sie bringen die schwankende Jungfrau inklusive der Träger – oder besser gesagt umgekehrt – wieder auf den richtigen Weg! Das ganze Theater wird von rhythmischen, lebendigen und frechen Sprechchören begleitet. Es werden lustige und zynische Lieder gesungen, die die Zuschauer lautstark mit dem passenden Refrain beantworten. Die Stimmung ist einfach nicht zu beschreiben. Lebensfreude pur! iPura alegría de vivir!

Auf der Mole des alten Fischerhafens herrscht schon seit den späten Morgenstunden Partystimmung. Es werden Zelte zum Schutz gegen die Sonne aufgebaut, bunte Sonnenschirme wohin das Auge blickt, es wird gegrillt, gefeiert und – gewartet. Am Nachmittag  springen die Menschen ohne Unterbrechung von den Hafenmauern in die Fluten der Bucht, Boote in allen Größen schippern im Hafenbecken hin und her und ein kleiner LKW schafft es, inmitten dieser Menschenmassen sein Fahrzeug ans Ende der Mole zu lenken und dann auch noch zu wenden. Wofür der Fahrer sich das antut? Er bringt die Kisten, in denen Tauben auf ihre Befreiung warten. Sobald die Jungfrau mit ihrem Boot Richtung Meer schippert, dürfen sie in den Himmel fliegen. Aber noch ist es nicht so weit. Es heißt weiter warten. Es wird immer enger auf der Mole, lange kann es also nicht mehr dauern.

hafen

Es wird Abend und sobald man die ersten Blitzlichter der Fotografen erkennen kann, ist die Prozession endlich am Ziel angelangt. Die Statuen mit ihren Trägern haben den Hafen erreicht und machen vor einem blumengeschmückten Altar eine kleine Verschnaufpause. Die laute Diskomusik verstummt fast schlagartig und aus den Lautsprechern ertönen ganz andere Klänge. Bevor die zwei Schutzheiligen ihre Reise auf das offene Meer antreten, werden sie noch stilgerecht mit einem „Ave Maria“ verabschiedet. 1f609 Sicher ist sicher! Nun werden die zwei hölzernen Schutzpatrone endlich auf die beiden geschmückten Boote verladen. Musikalisch begleitet und von lauten Jubelrufen der Massen. iViva la Carmen, Viva San Telmo!

puerto1

Um acht Uhr abends starten die beiden Heiligen, jeder auf einem eigenen, mit vielen Blumen geschmückten Schiffchen, ihre kleine Rundreise über die sanften Wellen des tiefblauen Atlantiks.

julio_artlandya1ab

Ein großes, geschmücktes Boot für die Jungfrau mit ihren tapferen Trägern und ein kleines für ihren männlichen Begleiter. Wie es sich gehört, oder? La Patrona de los Pescadores, wie man Carmen hier liebevoll nennt, wird von vielen, kleinen Booten begleitet. Egal ob Ruder- oder Schlauchboot,  Gummireifen oder Luftmatratzen. Hauptsache es schwimmt. Einige der Kähne vermitteln ein wenig den Eindruck, dass man sie nie wieder zu sehen bekommen wird. Sie sind hoffnungslos mit feiernden Menschen überladen und versinken fast im Wasser. Aber genau so muss es wohl sein! Vom Puerto Pesquero rudern die Fischer mit den beiden Boote und ihrem ganzem, schwimmenden Gefolge vorbei an der Playa Jardin bis zum alten Fischerdorf Punta Brava. Dort lassen sie sich ebenfalls bejubeln und nehmen danach wieder Kurs auf den sicheren Heimathafen von Puerto de la Cruz.

julio1

Nach dieser anstrengenden Seefahrt dürfen die beiden Holzfiguren wieder zurück auf ihren angestammten Platz in der Kirche, la Iglesia Nuestra Señora la Peña de Francia. Das war der religiöse Teil der Veranstaltung, doch darum kümmert sich die Allgemeinheit nicht mehr wirklich. Warum? Jetzt wird feuchtfröhlich und übermütig gefeiert! Dafür sind Feste ja da, oder?

Ach ja, noch ein kleiner Tipp: wer sich in die Nähe des Hafens wagen sollte, darf nicht wasserscheu sein. Der Segen in Form von Wassergüssen kommt von oben! Erst wird mit einigen Wassertropfen die Menge auf der Strasse gesegnet – aber dann kommen die Wasserladungen gleich Eimerweise nach. lachen Ob man will oder nicht – trocken kommt man da nicht davon!

wasser

Beten, feiern, trinken, essen und ein Feuerwerk – kurz gesagt, ein Gesamtkunstwerk! Spätestens nach der Prozession quellen die Bars rund um die Plaza del Charco über. In der Innenstadt von Puerto kann heute Nacht niemand umkippen oder gar umfallen. Es gibt fast kein Durchkommen. Ob Jung oder Alt, ob im Rollstuhl oder im Kinderwagen – jeder, der sich bewegen kann feiert mit. Gefeiert wird bis weit nach Mitternacht – bis die ersten Sonnenstrahlen den Hafen von Puerto de la Cruz erreichen. ¡Felices Fiestas y viva el Virgen del Carmen! Viva la Fiesta de Julio!

Wie gesagt, wir werden das Fest heute nicht selbst mitfeiern. Ich wollte euch aber trotzdem davon erzählen, denn ich finde, es ist eines der schönsten Feste in unserer Umgebung. Die Fotos haben auch schon ein paar Jährchen am Buckel, aber im Prinzip ändert sich nicht viel. Naja, die Teilnehmer werden jedes Jahr ein bisschen älter und die Farben des Blumenschmucks sind nicht immer gleich. 1f609 Aber das ist nicht wichtig, das sind ja nur Kleinigkeiten, oder?

julio_artlandya1aa

Einen Hauch der Fiesta kann man schon tagelang davor rund um das Hafenviertel spüren, denn die Vorbereitungen für das Fest und vor allem für die Prozession sind aufwendig und fordern den Einsatz ganzer Familien. Es werden kunstvolle Gestecke aus frischen, bunten Blumen gesteckt und gebunden und die warten dann in den engen Türeingängen auf ihren Einsatz zu Ehren der Jungfrau. Kreuze und Balkone werden geschmückt und an den meisten Hausfassaden hängen bunte Fahnen. Am alten Hafen stehen Markthändler, die die passenden Utensilien für Jung und Alt verkaufen und ein Teil der Parkplätze ist den Stellplätzen für die kulinarische Versorgung zum Opfer gefallen.

ranilla

Am Plaza de Charco wurde die Fiesta in einer kleinen Miniaturwelt rund um den Brunnen aufgebaut. Es erinnert ein bisschen an eine Weihnachtskrippe im Sommer, aber auch wenn das ganze Kunstwerk ziemlich kitschig ist, ist es trotzdem schön. Es passt zur Stimmung und die Kinder haben ihren Spass damit.  Eine kleine, heile, bunte Welt, eine Mixtur aus gestern und heute.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fiestas und Veranstaltungen, Puerto de la Cruz, Tagebuch, Teneriffa | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

ein Ausflug in die Vergangenheit

Wenn ich ab und zu in diversen Reiseführern über Teneriffa nach Informationen oder irgendwelchen Anregungen für unsere Ausflüge suche, stoße ich immer wieder auf Beschreibungen von idyllischen Fischerorten, verträumten Bergdörfern und malerischen Orten, gefüllt mit traditionellem Leben. Doch auch an dieser Insel ist die moderne Zeit nicht spurlos vorüber gezogen und ich glaube kaum, dass sich die Urlauber für eine Welt ohne Smartphone, Internet, ausgebaute Straßen und weiche Betten begeistern würden. Auch der Baustil hat sich dem europäischen Einheitsstil angeglichen, die Landwirtschaft arbeitet nicht mehr mit Ochs und Esel und auf den Speisekarten hat sich einiges geändert.

artlandya_chirche1b

Doch es gibt sie noch, die friedvollen und beschaulichen Orte – aber sie werden selten und sind vom Aussterben bedroht. Von alten Traditionen ist oft nicht mehr viel übrig und das, was früher typisch für das dörfliche Leben war, gehört meistens längst vergangenen Zeit an. In der romantischen Abgeschiedenheit gibt es leider gar keine Arbeitsplätze und die Jugend sucht, wie überall auf der Welt, ihr Glück in den Städten. Die Alten bleiben als Platzhalter zurück, die einfachen Häuser werden selten verkauft sondern verlassen – und verfallen. Trotzdem ist hier auf Teneriffa das Leben anders, denn die gute, alte Zeit ist in den Köpfen und Traditionen fest verankert und wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten.

chirche_artlandya1

Ich stöbere ja gerne in alten Geschichten und mache mir oft Gedanken, wie sich das Leben in den betagten Gemäuern abgespielt haben könnte oder wie sich das Leben in alten Zeiten überhaupt angefühlt hat. Ich würde zu gerne nur einmal Mäuschen spielen. Eine Zeitmaschine müsste es geben …

traditiones_artlandya1a

Eine Maschine, mit der man per Knopfdruck in die Vergangenheit reist, wird es wohl auf absehbare Zeit nicht geben und auf Teneriffa erübrigt sich die Zeitmaschine sowieso, man muss nur zur richtigen Zeit ins Auto steigen und an den richtigen Ort düsen.

traditiones_artlandya1ccccc

¡Vive las tradiciones con nosotros! Einmal im Jahr feiert ein kleines Dorf im Süden der Insel ein ganz besonderes Fest. Leider können wir im Moment bei solchen Festen nicht selbst dabei sein, aber vor ein paar Jahren war das möglich, die Fotos haben also schon ein paar Jährchen auf dem Buckel.

traditiones_artlandya1cbac

Das kleine Dorf Chirche in der Gemeinde Guía de Isora im Süden Teneriffas, zelebriert jedes Jahr im Juli ein einzigartige Fest, el Día de las Tradiciones. Für einen Tag verwandelt sich der ganze Ort in ein lebendes Museum, oder besser gesagt in eine riesige Theaterbühne. Je nachdem wie man das sehen will.

traditiones_artlandya1ccc

Laienschauspieler, einige der Bewohner des kleinen Dorfes, oder besser gesagt von Guía de Isora, schlüpfen in Rollen einer längst vergangenen Zeit und leben und arbeiten für einige Stunden wie in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Türen der Häuser und die Innenhöfe werden für Besucher geöffnet und plötzlich befindet man sich mit ein paar kleinen Schritten in den 40er Jahren des vergangenen Jahrtausends.

traditiones_artlandya1cba

Chirche wird in eine große Bühne verwandelt und ab zehn Uhr vormittags begegnet man an jeder Ecke und in jedem Haus des Dorfes die Vergangenheit. Die Bewohner sind mit Kleidern aus der alten Zeit in den Gassen unterwegs, man kann sie bei ihrer Arbeit beobachten oder einen Blick in die alte Schule werfen.

traditiones_artlandya8a

Aus einem Innenhof klingt Musik und Gesang, an der Ecke tratschen die Frauen, ein Esel wartet geduldig auf seinen Herrn um die nächsten Säcke ins Tal zu tragen und im abgedunkelten Zimmer wird ein krankes Kind behandelt. Der Töpfer verformt den Ton zu Schüsseln und Krügen, Frauen rösten Kaffeebohnen, stehen am Herd oder sind noch bei den Ziegen. Die Milch kommt nicht aus dem Kühlregal sondern wird frisch gemolken und der Bäcker holt köstlich duftende Brot aus dem Steinofen am Ende der Gasse. Die Wäsche wird im öffentlichen Waschtrog gewaschen und flattert meistens nicht im Wind sondern liegt zum Trocknen auf Steinen am Wegrand.

traditiones_artlandya5aaa

Am Rand des Dorfes werden Lehmziegel hergestellt, Körbe werden geflochten, Getreide gemahlen oder man geht in den Krämerladen des Dorfes und kauft dort ein.

traditiones_artlandya4aaa

Als besonderes Erlebnis wird als Draufgabe noch stilgerecht Hochzeit gefeiert und irgendwo in den engen Gassen treibt sich auch noch ein Dieb herum, der natürlich vom stattlichen Dorfpolizisten Dingfest gemacht wird.

traditiones_artlandya3

Die Zeit vergeht bei diesem Ausflug in die Vergangenheit wie im Flug und am Nachmittag ist der nostalgische Spuk wieder vorbei. Jetzt geht es für alle Darsteller und Besucher zum gemütlichen Teil über und es wird vor dem Platz der Kirche ganz real in der Gegenwart gefeiert.

•*¨*•❥ und wie sagte schon Jean Paul Satre richtig – „Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere.“

Veröffentlicht unter Allgemein, Fiestas und Veranstaltungen, Sehenswert, Tagebuch, Teneriffa | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

aller guten Dinge sind drei

In unserem Fall sind es dieses Mal sogar vier! Travellers have spoken und haben entschieden – wir, oder besser gesagt ARTlandya, haben das Zertifikat für Exzellenz bekommen. Das bestätigt uns TripAdvisor mit dieser Auszeichnung!

tripadvisor_artlandya1

Unsere Besucher haben entschieden und dafür gesorgt, dass wir diese Auszeichnung auch für das Jahr 2017 erhalten haben. Ein herzliches Dankeschön an alle Gäste, die sich die Mühe gemacht und die Zeit für eine Bewertung genommen haben. kuss (2)

Für uns ist es nicht nur eine wunderschöne Belohnung für unsere Arbeit, sondern auch ein Zeichen dafür, dass wir es richtig gemacht haben. Abgesehen davon, dass diese Auszeichnung natürlich auch eine wichtige Information für alle Urlauber ist. Wir freuen uns darauf, wenn wir in Zukunft noch mehr Menschen die Welt der KünstlerPUPPEN und die Geschichte der TEDDYbären zeigen dürfen und es schaffen, den Einen oder Anderen für diese Kunst zu begeistern. kuss (2) Wir werden uns auch in Zukunft sehr bemühen, denn wir wollen diese Auszeichnung nämlich auch nächstes Jahr wieder bekommen!

•*¨*•❥ ARTlandya ist mehr als ein PuppenMUSEUM, es ist eine faszinierende Welt für Jung und Alt und es ist mit Sicherheit kein verstaubtes Museum …

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, ARTlandya, Ausflugsziele, Icod de los Vinos, Sehenswert, Tagebuch, Teneriffa | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Langeweile …

Über Langeweile kann ich wirklich nicht klagen, aber warum ist Langeweile für viele Menschen überhaupt ein Thema. Ich glaube nicht einmal das Nachdenken über die Langeweile ist langweilig. Warum langweilen wir uns denn eigentlich – und was macht Langeweile mit uns? Ich bekomme schlechte Laune, ich werde unzufrieden und ungenießbar – falls mir langweilig werden sollte. 1f609 Das weiß ich!

papierboot_teneriffa1

Am meisten gelangweilt habe ich mich wohl in der Schule. Nicht immer, aber sehr oft. Doch das ist schon Schnee von gestern – sozusagen. Die Langeweile haben wir uns dann mit Spielchen wie „Schiffe versenken“ oder „das Männchen hängt am Galgen“ vertrieben. Nicht zu vergessen sind auch die vielen, wichtigen Nachrichten, die mit Hilfe von kleinen Zettelchen durch die ganze Klasse geschickt worden sind. Die Themen waren von höchster Wichtigkeit! 1f609 Da mussten Fragen geklärt werden, was wir am Wochenende unternehmen könnten, ob der heimliche Schwarm wohl auch auftauchen würde, was wir anziehen könnten oder sollten und noch viel mehr.  Wenn ich genau darüber nachdenke, haben wir gar keine Langeweile aufkommen lassen, wir haben lediglich sinnlose Zeit mit Sinn gefüllt.

Noch ein Phänomen hat die Langeweile, die Zeit vergeht viel langsamer. Sie schleicht sozusagen im Schneckentempo durch den lieben Tag. Da können fünf Minuten gefühlt bald einmal zu Stunden werden. Ist aber richtig was los und wir fühlen uns wohl, vergeht die Zeit wie im Flug und im Nu ist der Abend Vergangenheit. Langeweile muss kann auch gefährlich sein. Woher sollte sonst der Spruch „sich zu Tode langweilen“ kommen? Dazu gibt es sogar eine Studie!

Britische Wissenschaftler haben im Rahmen einer Langzeituntersuchung bereits in den 80er Jahren über siebentausend Beamte zwischen 35 und 55 Jahren befragt, ob ihr Leben stark von Langeweile gekennzeichnet sei. Als sie nach fünfundzwanzig Jahren noch einmal nachfragen wollten, hatten sie Pech. Viele, der von ihnen Interviewten, waren bereits tot. Unter den Menschen, die sich vor vielen Jahren ständig gelangweilt hatten, gab es fast vierzig Prozent mehr Todesfälle als bei den Zufriedenen. Beamte leben dann anscheinend wohl ziemlich gefährlich, oder?

doll_artlandya

Künstlerpuppe aus Porzellan von Ute Kase-Lepp

Das Beste wird wohl sein, wenn jeder für sich die eigene, gefährliche Langeweile ganz schnell vertreibt. Aber wie macht man das? Angeblich langweilen sich aktive Menschen genau so oft wie Stubenhocker. Das kann ich zwar nicht ganz glauben, aber wenn es wirklich so sein sollte, muss man etwas dagegen unternehmen. Wir müssen sollten ab und zu unsere so kostbare Zeit mit total unnützen Dingen verschwenden, einfach nur Spass haben und lachen! lachen Ohne Wenn und Aber!

Veröffentlicht unter Allgemein, Tagebuch, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen