ein kleines bisschen Glück

Oft steht bei der Frage nach Glück die Gesundheit im Zentrum, dabei ist Glück viel mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Ein Leben ohne Schmerz ist noch lange kein glückliches Leben. 1f609 Glück ist eben keine Glückssache!

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Künstlerpuppe von Laurence Ruet aus Frankreich

Dr. Rolf Merkle, ein Diplom-Psychologe schrieb in einem Artikel „Die 4 wichtige Erkenntnisse der Glücksforschung“ folgendes darüber:

Ein Reporter wollte herausfinden, was Menschen unter Glück verstehen und was es braucht, um glücklich zu sein. Er besuchte einen sehr reichen Mann und fragte ihn, ob und warum er glücklich sei. Dieser antwortete: „Ja, ich bin glücklich, weil ich all das habe“ und er zeigte mit einer Handbewegung auf sein großes und prächtiges Anwesen.

Als nächstes besuchte der Reporter ein Ehepaar mittleren Alters, das in einem Vorort lebte und stellte ihnen dieselbe Frage. „Wir sind glücklich, weil wir uns lieben und eine kleine Tochter haben, die uns viel Freude macht“.

Als Letztes besuchte er eine arme Frau, die in einem heruntergekommenen Haus lebte und stellte ihr die Frage nach dem Glück. Die Frau lächelte und antwortete: „Ich bin glücklich, weil ich vieles habe, für das ich dankbar sein kann. Ich lebe, ich habe ein Dach über dem Kopf und ich habe das große Glück, 3 Kinder zu haben“. Sie ging zum Fenster und zeigte auf einen schmuddeligen Hinterhof, auf dem Kinder spielten und lachten und sie sagte: „und ich kann mich an all dem erfreuen“.

„Glücklichsein ist ein Maßanzug. Unglückliche Menschen sind jene, die den Maßanzug eines anderen tragen“ – sagte Karl Böhm.  Ich sehe das auch so.

Sternderl schauen … so geht mein Tag heute zu Ende. Schade, dass ich mich am Sternenhimmel nicht wirklich auskenne. Ich erkenne gerade einmal den kleinen und den großen Wagen. Mehr ist leider nicht drinnen. Schade eigentlich. Ich weiß zwar nicht warum, aber in der Nacht, so vor dem Schlafengehen in der Terrassentüre zu stehen, noch ein bisschen Musik hören und den Sternenhimmel betrachten zu können gibt mir Kraft. Ob das wirklich nur die paar blinkenden Sternchen bewirken? Oder ist es einfach das Loslassen der Probleme? Die werden dann ohne Nachdenken in den Himmel geschickt. kuss (2) Dafür sind in diesen Momenten dann andere zuständig.

Ob es wohl bald eine neue Schutzimpfung geben wird?  Das könnte leicht passieren, wenn die Pharmaindustrie herausbekommt, dass nicht nur Krankheiten sondern auch Glück ansteckend ist! Das ergab eine amerikanische Langzeitstudie. lachen Also eine durchaus seriöse Quelle, oder?

Wenn es uns einmal nicht so gut geht, sollten wir uns also mit glücklichen Menschen umgeben, die uns aufbauen und aufmuntern, mit denen wir lachen können. Dann sind die persönlichen Probleme weniger belastend und verlieren ihren Schrecken.  Wie schon ein chinesisches Sprichwort sagt – Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt!

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Jacaranda – ein Traum in blau

Die Sonne hat uns wieder gefunden und wir rollen im Moment für jeden Besucher von ARTlandya einen roten blauen Teppich aus. Na ja, das stimmt nicht ganz, denn wir rollen natürlich keinen realen Teppich aus. kuss (2) Auch wenn wir unsere Besucher schätzen und sie gastfreundlich empfangen – das wäre dann doch zuviel der Ehre.

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Mein absoluter Lieblingsbaum nimmt uns die Arbeit ab und sorgt seit einigen Tagen für den romantischen Bodenbelag. Er steht vor dem Haus des PuppenMuseums und ist ein blau violett blühender Palisanderholzbaum, auch Jacaranda genannt.

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Kennengelernt haben wir diese wunderschön blau blühenden Bäume vor einer kleinen Ewigkeit in Südafrika. Die Jacaranda wurde dort von Südamerika eingeführt und in Pretoria, der Stadt in der wir lebten, wachsen diese Bäume überall. Angeblich sollen es heute schon ungefähr 70.000 Exemplare sein. 1f609 Ich habe sie nicht gezählt, aber einmal im Jahr, von Oktober bis November, wenn in Südafrika der Frühling beginnt, hat sich die Stadt jedes Jahr in einen blauen Blütentraum verwandelt. Für ein paar Wochen im Jahr verwandelt sich Pretoria in Jacaranda City!

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Bei uns im Garten steht nur ein einziger Jacarandabaum und er blüht jedes Jahr im Juni.  Ich liebe diese Blüten, auch wenn sie relativ schnell auf den Boden rieseln. Während die blauen Blüten langsam verschwinden treiben die ersten zartgrünen Blätter und ein paar Wochen später steht dann nur mehr ein grüner, wenn auch schöner, Laubbaum in der Landschaft.

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Die Geschichte Jacaranda in Südafrika begann eigentlich ganz harmlos, als 1888 ein junger Baumzüchter aus Kapstadt zwei Palisanderbäumchen aus Brasilien nach Südafrika brachte und sie einem Gärtner in Pretoria schenkte. Als Mister J.D.Cellier die zwei Bäumchen in seinem Vorgarten in der Myrtle Lodge pflanzte, hat er sicher nicht geahnt, dass er damit Geschichte machen würde, wie sollte er auch wissen, wie sich das Bild seiner Stadt in Zukunft verändern würde. 1f609 Die zwei alten Bäume gibt es übrigens heute noch, sie stehen bei einer Grundschule in Sunnyside, einem Ortsteil von Pretoria.

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Ende des 19. Jahrhunderts, im Jahr 1898 brachte ein anderer Pflanzenzüchter namens James Clarke Samen des Jacandabaumes von Australien nach Südafrika und weil die Bäumchen so gut anwuchsen, schenkte er im November 1906 der Stadt Pretoria großzügig zweihundert kleine Pflanzen, die auch sofort angepflanzt wurden.

Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf. 1f609 Der zuständige Mann der Stadt, der auch als Jacaranda Jim bekannt wurde, liebte diese Bäume über alles und bepflanzte die ganze Stadt mit den blau blühenden Bäumen. Parkanlagen aber vor allem Straßenränder wurden mit den Bäumen verschönert und in Pretoria gibt es sogar eine Straße, in der die Jacarandas in doppelter Reihe stehen. Sie führt zum Union Building, also dem Regierungssitz, und wurde zweireihig bestückt, damit die Regierungsbeamten vollkommen im angenehmen Schatten zur Arbeit gehen konnten. Das ist doch fast eine kitschige Geschichte oder? Und wisst ihr, was dabei auffällt?  Am südafrikanischen Blütentraum sind nur Männer beteiligt! lachen

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überall in Pretoria gibt es Alleen mit Jacarandas

Im Jahr 1971 gab es bereits 55.000 Jacarandabäume in Pretoria und es wurden immer mehr. Und das würde vielleicht noch immer so weiter gehen, wenn der Baum nicht in die Liste der fremden Inversionspflanzen aufgenommen worden wäre. Seit 2001 dürfen also, bis auf einige Ausnahmen, keine neuen Bäume mehr gepflanzt werden. Da die Jacarandas ungefähr zweihundert Jahre alt werden können, solltet ihr euch Pretoria spätestens innerhalb der nächsten neunzig Jahre einmal im Frühling ansehen – es ist einfach ein Traum in lila und blau!

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Pretoria – Jacaranda City im Oktober

And there’s something extra special about the jacaranda trees in Pretoria. „Each of us is as intimately attached to the soil of this beautiful country as are the famous jacaranda trees of Pretoria and the mimosa trees of the bushveld – a rainbow nation at peace with itself and the world.“ sagte Nelson Mandela. Hoffentlich bleibt das auch in Zukunft so – denn was wäre Südafrika ohne Jacarandabäume?

•*¨*•❥ im Garten von ARTlandya steht nur ein Jacaranda Baum, aber auch der verzaubert die Landschaft mit seinen Blüten …

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Playa de Diego Hernández o Playa Blanca

Wie ich gestern schon geschrieben habe, hat mich ein Zeitungsbericht über einen ganz besonderen Teil der Küste von Teneriffa wieder auf den Gedanken gebracht, euch über die Küste zwischen La Caleta und El Puertito de Armeñime zu erzählen. El Puertito, wie es kurz genannt wird, kennt ihr jetzt und heute zeige ich euch La Caleta und die Küste, die zwischen den beiden Dörfern liegt. Ihr werdet staunen!

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Höhlenwohnungen sind auf Teneriffa ja durchaus ein Begriff und – keine Ahnung warum – hat man, oder besser gesagt ich, eine romantische Vorstellung davon. Durch Zufall habe ich dann davon gehört, dass es an einem schönen Strand bei Adeje einige Menschen in Menschen in Höhlen leben würden. Angeblich haben sich dort schon in den 60er Jahren Hippies niedergelassen haben und damals soll einer von ihnen, anscheinend ein besonders geschäftstüchtiger Aussteiger, lange Zeit die Besucher am Strand mit Spaghetti bekocht haben. Der Strand bekam also den Namen Spaghetti Beach. 1f609 Das erscheint mir recht logisch, denn Hippiestrand oder das Dorf der Aussteiger klingt ja nicht besonders verlockend.

Bettenburgen, Liegestühle und bunte Sonnenschirme so weit das Auge reicht – der Süden Teneriffas ist die Hochburg des Massentourismus. Doch das stimmt nicht ganz, denn es gibt auch Ausnahmen und auch der Süden besteht nicht nur aus Hotels und All inclusive Resorts. Jeder, der ein bisschen neugierig ist, findet diese Plätze fast überall. Im Südosten, nur ein kleines Stück von all den Bars und gepflegten Stränden entfernt, dort wo die Küste rauer wird, das Land trocken und karg ist und keine bepflanzten Strassenränder die Trockenheit verdecken, verstecken sich ein paar wunderschöne Strände.

Den Spaghettistrand werdet ihr natürlich auf keiner Landkarte finden, denn offiziell hat der Strand natürlich einen anderen Namen, er heißt Playa de Diego Hernández oder auch Playa Blanca. Eigentlich sind es mehrere Buchten und wenn man von La Caleta aus losgeht und ein paar Hügel hinunter und wieder hinauf steigt, landet man nach einer Weile in El Puertito.

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Die Aussteiger an den Stränden Playa de Diego Hernández und Playa de los Morteros zwischen La Caleta und Puerto de Armeñime werden seit Jahren mehr oder weniger geduldet und sind ein offenes Geheimnis auf Teneriffa. Es dürfte sie also gar nicht geben und doch sorgen sie für viele Erzählungen über Faulenzer, bekiffte Hippies, Ökofreaks oder ungenierte Nacktbader aus aller Herren Länder. Doch gibt es diese fremde und unbekannte Welt überhaupt oder sind es nur Geschichten darüber?

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Von La Caleta aus kommt man ganz bequem an die Küste. Wir gehen nur ein kurzes Stück über eine vertrocknete, steinige Wiese und am anderen Ende der Ebene führt ein schmaler Pfad hinunter zur  Bucht. Also vamos a la playa!

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Schon von weitem sehen wir Zelte, Strandhütten aus Palmblättern und andere kleine Häuschen. Je näher wir kommen, umso mehr provisorische Behausungen entdecken wir. Zwischen Büschen und Kakteen stehen Hütten aus Holz, Steinen und Blättern aller Art, hoch oben in den Felswänden sehen wir einige ausgebaute Höhlen, die schwungvoll mit bunten Planen geschützt oder gar geschmückt sind. Der Fantasie und dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt.

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Ich glaube kaum, dass alle Bewohner dieser Siedlung ständig hier leben, einige der Unterkünfte sind sicher als Wochenendhaus aufgebaut worden. Aber wer weiß das schon so genau? Auf alle Fälle ist es hier absolut ruhig und friedlich und irgendwie anders. Ich kann es nicht richtig beschreiben und ich kann mir so ein Leben auch nicht vorstellen. Ich bin wahrlich kein Großstadtmensch und ich lebe gerne am Land, doch Natur pur ist mir dann doch ein bisschen zu wenig – oder gar zuviel?

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Ein Häuschen für Vögel oder doch ein Postkasten? Campieren oder gar wohnen ist im Naturschutzgebiet verboten, es gibt kein Trinkwasser und seinen Müll muss jeder wieder selbst mitnehmen. Auf der einen Seite sind die Hütten primitiv und einfach, alles wirkt auf das Minimum reduziert aber auch wenn es so scheint, in der Steinzeit sind wir trotzdem nicht gelandet.

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Sieht das nicht toll aus? So ein Häuschen mit diesem Ausblick kann ich mir nicht leisten. Auf dem Foto könnt ihr es nicht so genau sehen, aber der Steinwall steht als Schutz rund um ein kleines Zelt, mit Gartentisch und Liegestühlen. Als wir an diesem Anwesen vorbei gegangen sind, kam ein junges Mädchen heraus und ging ganz selbstverständlich mit dem Smartphone am Ohr an uns vorbei. Fast wie im richtigen Leben. 1f609  Ganz ohne Technik geht es anscheinen hier auch nicht.

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Eigentlich hätte ich mich gar nicht wundern dürfen, denn am Rand der Bucht steht sogar eine Leihbücherei! Hier kann sich jeder Mensch ein Buch ausleihen. Am Tisch liegt eine Liste zum Eintragen des geborgten Buches auf, eine Spendenbüchse fehlt auch nicht und es wird darum gebeten, die Bücher nach Gebrauch wieder zurück zu stellen. Falls jemanden also langweilig werden sollte …

Nachdem wir nicht zum Schwimmen oder Lesen hergekommen sind, sind wir nach kurzer Zeit am Strand den nächsten Hügel hinauf geklettert. Es führt ein schmaler, wenn auch etwas steiniger Steig nach oben, aber der Weg lohnt sich auf jeden Fall! Von dieser Anhöhe hat man einen fantastischen Blick über eine fast unwirkliche Landschaft. Aber schaut selbst, hier ist ein Foto davon, den Rest könnt ihr euch in der Bildergalerie am Ende des Berichts ansehen.

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Das ist der Blick auf die Bucht in der wir gerade gewesen sind und das Land Richtung Adeje. Ganz im Hintergrund könnt ihr sogar die verbauten Hügel bei Los Cristianos erkennen. Einmal umgedreht sieht die Welt noch skurriler aus. Die Felsen erinnern mich fast ein bisschen an eine Mondlandschaft.

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Und auch in diesen Felsen haben es sich Individualisten bequem eingerichtet. Schaut einmal ganz genau, dann erkennt ihr die Behausung ganz oben auf dem Felsen?! Für mich ist es ein Rätsel, wie man die ganzen Möbel überhaupt dahin schaffen kann. Ich würde schon an dieser Arbeit scheitern. lachen Aber wie man sieht – alles ist möglich!

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Es klingt fast kitschig wenn jemand auf die Frage warum, so antwortet: „Irgendeiner der Strandbewohner macht sich mittags meist auf nach Adeje, um Lebensmittel zu besorgen. Richtig gemütlich wird es am Abend. Dann bereitet jeder etwas zu essen zu und wir teilen es uns am Lagerfeuer. Wenn die Sonne langsam untergeht, ist die Stimmung richtig magisch. Fast immer ist der Himmel sternenklar und nachts spiegelt sich der Mond silbern über dem Meer.“ 1f609 Ganz ehrlich? Das würde mir auch gefallen!

Da fällt mir noch der Film mit Leonardo Di Caprio ein. The Beach hat er, glaube ich, geheißen. Wie hat der Held in einer Szene gesagt? „Ich weiss nicht was wir erwartet haben. Menschen die in einer Höhle wohnten. Vielleicht ein paar Hütten. Aber nicht sowas. Es war als wären wir in eine vergessene Welt gelandet. Eine richtig gehende Gemeinschaft von Rucksacktouristen, die aber nicht auf der Durchreise waren, sondern tatsächlich hier lebten.“  Passt doch perfekt!

Aussteigen verboten! Seit einer Woche soll es diese Welt nicht mehr geben. Die Umwelt muss geschützt werden und die Natur erhalten bleiben. Laut einem Bericht im El Dia wurden die Buchten evakuiert. Sprich, die Bewohner wurden Tage vorher dazu aufgefordert ihre Behausungen zu verlassen – was sie angeblich  getan haben – und am Ende wurden die Hütten und Behausungen abgebrannt. Der schwarze Rauch soll kilometerweit zu sehen gewesen sein …

Nur so am Rande – ist es nicht merkwürdig, dass Golfplätze und luxuriöse Hotels mit riesigen Poolanlagen schon mit dem Naturschutz unter einen Hut gebracht werden können aber ein paar Menschen – und sollten es hundert sind – zerstören mit ihrer etwas anderen Lebensweise die Natur. Ist es nicht eher anders herum?

 

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El Puertito de Armeñime

Vor einigen Tagen habe ich einen Zeitungsbericht über einen ganz besonderen Teil der Küste von Teneriffa gelesen, über den ich euch schon vor einigen Wochen erzählen wollte. Irgendwie bin ich nicht dazu gekommen, dabei handelt es sich um ein wunderschönes Stück Natur. Es geht um das Stück Küste zwischen dem Dörfchen La Caleta und El Puertito de Armeñime.

Wir haben lange noch nicht alles von der Insel gesehen und vor allem an der Küste sind wir immer wieder auf der Suche nach schönen Plätzchen und Stränden. Als wir das erste Mal in dieser Gegend unterwegs gewesen sind, sind wir, wie so oft, einfach einem Schild nachgefahren und nach einer kurzen Fahrt auf einer schmalen Straße in El Puerito de Armeñime gelandet. Von Liebe auf den ersten Blick war bei mir absolut nicht die Rede. 1f609  Ganz im Gegenteil, so richtig gereizt hat mich die kleine Siedlung und der Strand nicht wirklich, aber weil wir schon einmal da waren, sind wir auch aus dem Auto gestiegen und haben uns umgesehen.

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Das winzige Dorf an der Küste ist so eine Mischung aus einer kleinen Kirche, ein paar wild verstreuten bunten Zelten, Wohnwägen und provisorischen Behausungen, ein paar Häusern, einer Marienstatue, einem schmalen Strand und einem großen, hässlichen Gebäude, das den ganzen Platz dominiert. Der Rest besteht aus brauner Erde, Sand und Gestrüpp, vermischt mit ein wenig Wehmut und der Stimmung eines sterbenden Dorfes.

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Es ist für mich eine eigenartige Stimmung – vor allem weil ich weiß, dass sich nur vier oder fünf Kilometer entfernt hunderte Touristen im All inclusive Hotel ihren mehr oder weniger luxuriösen Urlaub verbringen. Aber das gehört jetzt gar nicht hier her und es ist auch ganz gut so, dass es so und nicht anders ist, denn sonst würde es solche natürlichen Strände mit großer Sicherheit gar nicht mehr geben.

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Am Montag hat leider das einzige Lokal geschlossen und so sind wir nur noch ein kurzes Stück auf einem schmalen Steig zwischen den Häusern auf die Anhöhe gegangen. Von hier  oben sieht die Welt dann plötzlich ganz anders aus. Auch wenn rund herum nur ödes Land zu sehen ist, der Blick auf die unendlichen Weiten des blauen Atlantiks verändert den Augenblick.

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Plötzlich sieht man, wie schön die Landschaft ist, wie ruhig die Natur sein kann und irgendwie ist es fast kitschig schön. 1f609  eine Ahnung, wie man es heute nennt, aber früher hätte man Postkartenidylle dazu gesagt.

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Ich hoffe nur, das es solche Flecken noch lange auf dieser Insel geben wird, obwohl es auch für diese unberührte Landschaft schon Pläne für irgendein Luxushotel geben soll. Es wäre jammerschade, denn wenn die Natur einmal verbaut ist, kann niemand mehr den Ursprung wieder herstellen. Auch nicht mit viel Geld. Vorbei ist vorbei …

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Wildpret und der Natternkopf

In den Monaten Mai und Juni könnt ihr auf Teneriffa die Blüte einer wunderschönen Pflanze erleben. Der rote Natternkopf, la tajinaste rojo, reckt sich stolz in die Höhe und seine tausenden, winzig kleinen Blüten leuchten in intensivem Rot.

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Im ersten Augenblick erinnern mich die Blumen ein bisschen an Lupinen, aber diese Pflanzen haben natürlich nicht viel damit zu tun. Diese Pflanzenart wächst nur auf Madeira, La Palma und Teneriffa und was auf La Palma rosa blüht, steht auf Madeira in der blauen Ausgabe in der Landschaft. Die Tajinaste mit den roten Blüten wächst nur hier oben in den Cañadas und blüht nur einmal im Jahr. Es hängt ein bisschen vom Wetter ab, aber grob gesagt kann man die faszinierenden Riesenkerzen von Mai bis Mitte Juni  in ihrer vollen Pracht bewundern. Ihr solltet es euch nicht entgehen lassen!

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Im ersten Jahr ihres zwei- bis dreijährigen Lebens bildet die Tajinaste in schmalen Felsspalten und auf steinigem Untergrund eine kleine Rosette aus langen, schmalen, graugrünen Blättern. Zuerst wachsen nur die unscheinbaren Blattrosen in der kargen Landschaft. Dann aber – im zweiten oder dritten Jahr – erhebt sich aus ihrer Mitte die Blüten bis zu einer Höhe von drei zwei Metern. 1f609 Dass die skurrile Pflanze botanisch gesehen eigentlich ein Busch ist, kommt einem beim Anblick dieser gigantischen Blütenkerze nicht in den Sinn,oder?

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Wenn die Pflanze nach einigen Wochen verblüht ist, verschwindet die extravagante Schönheit so zusagen sang und klanglos aus der Landschaft. Wenn die Samen im Herbst ausgesät sind, stirbt die Pflanze ab und die unscheinbaren, grauen Büschel der vertrockneten Blätter, oder besser gesagt die weißen Gerippe fallen in dieser faszinierenden Vulkanlandschaft mit Sicherheit niemanden mehr auf. Die rote Farbenpracht ist verschwunden und es stehen nur noch die abgestorbenen, weißen und vertrockneten Blütenstände in der Landschaft herum. Skelette der Natur.

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Jetzt ist die Zeit, in der die meisten Tajinasten blühen und nicht nur Touristen sondern auch viele Tinerfeños fahren in den Nationalpark, um die Blüten zu bewundern. Das war aber nicht immer so, denn vor dreißig, vierzig Jahren kam die Tajinaste rojo viel seltener vor als heute. Wie es dazu gekommen ist? Ganz einfach, in der Vergangenheit war es vollkommen normal, die Ziegenherden im Sommer in den Cañadas weiden zu lassen. Für die Ziegen standen die jungen Pflänzchen ganz oben auf der Speisekarte, die rauen, aber relativ saftigen Rosetten der Tajinasten zählten wahrscheinlich zu ihren Leckerbissen und wurden gerne gefressen. Das war zwar gut für die Ziegen, aber der empfindlichen Pflanzenwelt hat es nicht besonders gut getan.

Als dieses Gebiet 1954 zum Nationalpark erklärt wurde, änderte sich daran nicht viel. Erst in den 90er Jahren war es mit der köstlichen Sommerweide für die Ziegen aus dem Tal endgültig vorbei, ab da durften nur mehr die Bienen an den Blüten naschen. Und obwohl seitdem die schützende Hand des Nationalparks seit Jahrzehnten für mehr Schutz seltener Pflanzen sorgt, müssen sich die Samenkörner der Tajinasten trotzdem jedes Jahr sehr anstrengen um im steinigen Untergrunds ihre Wurzeln schlagen zu können.

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Die endemische Pflanze ist eine sehr widerstandsfähige Pflanze, anders könnte sie nicht überleben. Sie muss mit den Minusgraden im Winter und den oft hohen Temperaturen im Sommer klar kommen, mit Wasserknappheit und gnadenlosen Sonnenstrahlen zurecht kommen – und sie kann es, denn Jahr für Jahr verschönern unzählige Blüten mit ihren kräftigen Lila, Rosa- und Purpurtönen die Vulkanwüste mit Farbtupfern der ganz besonderen Art.

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Kerzengerade oder auch nicht, wie stramm stehende Soldaten, erheben sie sich aus der steinernen Wüste. Tausende rote Blüten in dieser Konzentration locken Scharen von Bienen an. Es schwirrt und brummt rund um den roten Kegel wie vor einem Bienenstock. Mitten in der Steinlandschaft rund um den Vulkan entsteht für kurze Zeit eine riesige Bienenweide und auf Bauernmärkten oder in einigen Geschäften kann man den Honig der Tajinasten, el miel de Tajinaste dann auch kaufen. Der relativ cremige Tajinaste-Honig ist eine der Spezialitäten der Insel und dafür sorgen einige Imker, die ihre Bienenvölker für ein paar Wochen in diese Region umsiedeln dürfen. Bienen sind ja keine Ziegen, die kleine Pflänzchen vernaschen – im Gegenteil, sie sorgen auch dafür, dass die geschützten Pflanzen bestäubt werden und sich vermehren können. Es ist doch eine tolle Sache, mit einem Löffel Honig können wir nicht nur eine Köstlichkeit genießen sondern haben auch einen kleinen Teil für den Bestand der Natur getan. Also nicht ärgern, wenn ein Gläschen Honig einmal ein wenig mehr kostet.

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Jetzt hätte ich über dem Honig fast auf die Botanik vergessen. Also, der Natternkopf gehört zu den Rauhblattgewächsen und es gibt davon ungefähr zwanzig Arten, die hauptsächlich im Mittelmeergebiet verbreitet sind. Benannt ist die endemische Pflanze von Teneriffa nach Hermann Wildpret und so wird der Teidenatternkopf auch Wildprets Natternkopf oder botanisch echium wildpretii genannt. Die Canarios nennen ihre Tajinaste auch den Stolz Teneriffas, el orgullo de Tenerife und er ist eines der Wahrzeichen Teneriffas.

Als der junge Schweizer nach Teneriffa kam, gab es auf der Insel nur eine einzige Palmenart, die Kanarische Palme, Phoenix canariensis und die Vielfalt der Pflanzenwelt war ziemlich überschaubar. Während seines Lebens wurden über fünftausend Pflanzenarten auf die Kanarischen Inseln gebracht und die Pflanzenwelt von Teneriffa, la flora de tenerife, hat sich dadurch stark verändert.

Hermann Wildpret hat sein Leben seit dem Jahr 1856 als Gärtner, el jardinero, und Samenhändler auf Teneriffa verbracht. 1859 heiratete er eine Spanierin, hatte mit ihr neun Kinder und lebte in La Orotava. 1860 wurde ihm die Stelle als Gärtner im botanischen Garten in Orotava angeboten. Als Gehalt wurden ihm damals tausend Peseten angeboten, er nahm das Angebot an und blieb ganze vierunddreißig Jahre dort. Er erkannte von Anfang an den Vorteil des Klimas und des Bodens auf dieser Vulkaninsel im Atlantik. Durch seine Initiative und unter seiner Anleitung entstanden viele öffentlichen Parks und Anlagen in Santa Cruz, La Orotava und Puerto de la Cruz. Er legte aber auch viele Privatgärten an, oder veränderte bereits bestehende Gärten.

Hauptsächlich hat er jedoch viele Pflanzen, die noch unbekannt und zum Teil unbeachtet auf der Insel wuchsen, entdeckt, bestimmt und katalogisiert. Viele davon hat er auch veredelt. Eine große Anzahl dieser Pflanzen wurden von ihm dann nach Europa und in die ganze Welt exportiert. Sein Lebenswerk war und ist der Botanische Garten von Orotava. Ihr kennt ihn alle, denn heute ist das der botanische Garten, der an der Einfahrtsstrasse nach Puerto de la Cruz liegt – El Botanico. Aber darüber erzähle ich euch ein anderes Mal mehr, heute reicht die Zeit nicht mehr dazu kuss (2)

•*¨*•❥  ihr kennt es ja schon von anderen Beiträgen – klickt einfach auf ein Foto, dann könnt ihr euch in aller Ruhe die Bilder ansehen. Viel Spass dabei!

 

 

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Wofür sind Bärenmacher gut?

Wofür brauchen wir eigentlich Bärenmacher, Bärendesigner oder Teddykünstler? TEDDYbären gibt es ja wirklich schon genug, oder doch nicht?

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ein bäriger Kerl von Ann Bratkova, einer Bärendesignerin aus der Ukraine

Ich habe dazu meinen plüschigen Freund, TEDDY Naseweiß befragt und der meint: „Ich persönlich bin mir ziemlich sicher, daß wir sie brauchen und ich werde euch auch sagen warum. Ist doch klar oder? Wenn sich überhaupt niemand Gedanken über uns und Experimente mit uns machen würde, wären wir ja Einheitsbrei und alle Bären hätten das gleiche Gesicht.  Deshalb ist es wichtig, daß so viele Menschen wie möglich an und mit uns arbeiten.“

Ich habe mich also an die Arbeit gemacht und mich in der Welt der plüschigen Gesellen umgesehen. Jetzt habe ich es bald geschafft und einige Portraits von bekannten und guten Bärenmachern, oder wie man sie auch nennt, Bärenkünstlern aufgeschrieben. Ich muss nur noch einige tolle Fotos zusammenstellen und dann geht es los und ihr könnt euch in der Welt der TEDDYbären umsehen. Wenn ihr bestimmte Fragen haben solltet, meldet euch einfach bei mir.

Dann werde ich mich dann mit den verschiedenen Manufakturen beschäftigen. Auch davon gibt es viele, alte eingesessene und neue, kleine Werkstätten. Ich bin weiter am recherchieren …

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Also dann, für heute bärige Grüße – und bleibt neugierig!

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Baumriesen

Alles ist relativ, oder? Stellt sich ein relativ großer Mensch vor einen relativ großen Baum, sieht der Mann relativ klein aus. Der Baum wirkt wie ein Riese in der Landschaft und der Mensch geht mit einem Augenzwinkern nur mehr als Zwerg durch. In der Natur ist der Mensch also nur ein winzig kleiner Teil und trotzdem meint er, er hätte alles im Griff! 1f609 Aber das ist eine andere Geschichte.

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Ungefähr eineinhalb Kilometer vor – oder nach – Vilaflor stehen zwei gigantische Baumriesen fast am Strassenrand. El Pino Gordo und El Pino de las dos Pernadas, zwei Prachtexemplare der Kanarische Kiefer. El Pino Gordo ist über 45 Meter hoch und hat einen Stammumfang von 9 Metern und 30 Zentimetern.

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Auf der anderen Straßenseite steht eine noch höhere Kiefer im Wald, el Pino de las dos Pernadas. Sie ist zwar ein bisschen schlanker, dafür ist der Baumriese sogar ganze 56 Meter hoch und der Umfang vom Stamm bringt es immerhin auf acht Meter und ganze dreißig Zentimeter. Dafür interessiert sich allerdings anscheinend so gut wie niemand. Ob der kurze Weg über die Straße schon zu weit ist? Schade, denn gerade von diesem Platz hat man eine wunderbare Sicht auf den Dicken, el Pino Gordo. 1f609  Glaubt mir, die zweihundert Meter zu gehen, zahlt sich aus!

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Im Gemeindegebiet von Vilaflor stehen aber nicht nur diese beiden Baumriesen sondern noch einige andere, katalogisierte Baum-Monumente im Wald. En el municipio destacan varios árboles catalogados como monumentales: el Pino Gordo, el Pino de las Dos Pernadas, el Pino del Valle de Ucanca, el Pino de los Hoyitos y el Pino de los Llanitos o del Hermano Pedro, todos ellos grandes ejemplares de pino canario;

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Bei und in Vilaflor stehen noch ein paar bedeutende Bäume, es sind die Zeder von Wildpret, el Cedro de Wildpret, drei hundertjährige Zypressen die gegenüber dem Haupteingang der Kirche von San Pedro stehen und eine große Magnolie, die zur Casa de los Soler gehört.

Vilaflor war ja schon vor vielen Jahrzehnten wegen der klaren Luft und dem Klima vor allem für Lungenkranke ein perfekter Urlaubsort, aber so wie es aussieht, muss dieser Teil der Insel nicht nur für Menschen sondern auch für Pflanzen gesund sein. Warum sollten denn sonst gerade hier so viele uralte Bäume im Wald stehen? In dieser Gegend wurde immer intensive Landwirtschaft betrieben und zwischen den Bewohnern von Vilaflor und den Fischern an der Küste wurde in alten Zeiten reger, wenn auch beschwerlicher Handel betrieben. Die Frauen der Fischer brachten die Fische zu den Bewohnern in die Berge und als Bezahlung nahmen sie frisches Gemüse und allerhand Waren, die es an der heißen und steinigen Küste nicht gab, wieder mit nach Hause. 1f609 Aber diese Geschichte erzähle ich euch ein anderes Mal …

•*¨*•❥ übrigens – „Ein Mensch ist ein Mensch, egal wie klein er auch sein mag!“ ist ein Spruch aus Horton hört ein Hu!

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