Carpe diem – genieße den Augenblick

Ich glaube jeder von uns kennt diesen Ausspruch, aber was bedeutet er wirklich? ¿Qué significa realmente?

Der römische Dichter Horaz hat im Jahr 23 vor Christus Carpe diem in einem seiner Gedichte verwendet. Er wollte damit sagen, dass jeder Mensch den Tag genießen soll, da – wie wir alle wissen – das Leben nicht ewig dauert. Carpe bedeutet übersetzt so viel wie pflücken oder abreißen, diem ist der Tag. Wörtlich lässt sich der lateinische Ausdruck also mit pflücke den Tag übersetzen. Im Deutschen hat sich allerdings die Übersetzung nutze den Tag durchgesetzt und so bekommt der kluge Ausspruch ruck zuck eine ganz andere Bedeutung. Für viele von uns bedeutet Carpe diem deshalb genau das Gegenteil – der Tag ist zum Entspannen viel zu kurz, es wäre also besser, die Zeit sinnvoll zu nutzen.

„Give me time“ von Erik Johansson

Es existieren nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Existen dos días en el año en que no se puede hacer nada. Der eine ist gestern, der andere morgen. Uno se llama ayer y otro mañana. Das bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Leben ist. Por lo tanto, hoy es el día para amar, creer, hacer y principalmente, vivir.

Es gibt also in jeder Woche zwei Tage, über die wir uns keine Sorgen machen sollten. Das Gestern ist vorbei, es ist bereits Geschichte. Alles Geld dieser Welt kann uns das Gestern nicht zurückbringen. Wir können nichts was wir getan haben, ungeschehen machen, kein einziges Wort zurücknehmen, wir können uns nur daran erinnern.

„Bubbles“ von Erik Johansson

Der andere Tag, über den wir uns nicht den Kopf zerbrechen sollten, ist das Morgen mit allen möglichen Gefahren. Auch das Morgen haben wir nicht unter Kontrolle. Morgen wird die Sonne aufgehen – entweder in vollem Glanz oder hinter einer Wolkenwand. Eines aber steht fest – sie wird aufgehen!  Bis sie aufgeht, dürfen oder sollen wir uns über das Morgen keine Sorgen machen. Es bringt nichts, denn es ist noch nicht geboren.

Die folgende Erkenntnis ist zwar im Kopf von Arthur Lassen entstanden aber sie könnte auch von mir sein.  „Im Endeffekt bleibt nur ein Tag übrig, und der heißt heute. Versuche glücklich und erfolgreich zu sein. Genieße, was schön ist und sei überzeugt, dass die Welt dir zurückgibt, was du ihr schenkst.“

In diesem Sinne – genießt den Augenblick in vollen Zügen und lebt das Leben, denn heute ist der beste Tag dafür, verschiebt es nicht auf morgen – carpe diem, no dejes para mañana lo que puedas hacer hoy

„Don’t look back“ eine Fotomontage von Erik Johansson

Yesterday is past
Tomorrow is uncertain
But today is a gift
That is why it is called
The Present

Ich finde, die Fotos von Erik Johansson passen einfach perfekt zu diesem Thema. Erik Johansson  ist ein schwedischer Fotograf und Fotokünstler aus Prag. Bekannt ist er vor allem für seine atemberaubenden Fotomontagen mit surrealem Hintergrund und viel Humor. Auf seiner Internetseite könnt ihr einige seiner Arbeiten sehen und was besonders interessant ist, in kurzen Videos kann man auch die Entstehung einiger seiner Werke verfolgen. Erik Johansson – Surreal Photography

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Wandmalereien in Los Realejos

Stellt euch vor, ihr sitzt gemütlich auf der Terrasse von einem kleinen Café, die Sonne scheint und ihr wartet nur noch auf euer Getränk. Drei Tische weiter haben zwei junge Frauen Platz genommen und zwei ältere Männer sitzen ebenfalls an einem Tisch. Alles ganz normal – möchte man meinen.

Aber der Schein trügt, denn auch wenn sich rund um uns alle ganz gut unterhalten, hat die Szene einen Haken. Sie alle reden und lachen mit Menschen, die gar nicht da sind. Zumindest nicht körperlich. Alle halten sie ein komisches Ding in ihren Händen und reden damit. Leider haben drei von vier der Personen dieses Ding auch noch auf Lautsprecher gestellt und anscheinend ganz vergessen, dass sie nicht zu Hause auf der Couch sitzen. Es nervt!!!

Das Lustige an der Sache ist allerdings der Grund, warum ich, oder genau gesagt wir, überhaupt auf der Terrasse dieses Cafés gelandet sind. Es ist eine Wandmalerei, die ich unbedingt sehen wollte. Wir sind also nach Los Realejos gefahren und haben uns einfach auf den Weg gemacht, denn wo sich das Bild genau befindet, habe ich nicht gewußt. Man muss ja nicht immer einen Plan haben, auch wenn man ziellos durch einen Ort spaziert und die Augen aufmacht, entdeckt man viele interessante Dinge. Egal, Auto parken, Jacke anziehen und los geht die Entdeckungsreise.

Nach einer kurzen Pause und einem Cortado, ein paar steile Gassen und Treppen weiter sind wir fündig geworden. Wenn ihr das Kunstwerk jetzt auf dem Foto anschaut – und an mein Erlebnis im Café denkt, werdet ihr wahrscheinlich ebenfalls lachen müssen, oder? Welche Gedanken blitzen bei euch durch den Kopf, wenn ihr es seht?

In Los Realejos gibt seit einem Jahr ein kulturelles Projekt namens ‚Seis de Doce‘ Das erste Wandbild des Festivals im Jahr 2020 ist das Werk von Matías Mata. alias Sabotage al Montage, ein riesiges Porträt einer Frau, die lacht, während sie auf ihr Handy schaut. Es ist eine liebevolle Hommage an eine authentische und echte Frau, die lacht, auch wenn ihr ein Zahn fehlt, aber auch eine Kritik an der Isolation, die durch die Verwendung von Mobiltelefonen entsteht. Matías Mata hat natürlich seine ganz persönliche Aussage dazu: „Sin señal, aislamiento digital y emociones virtuales he querido transmitir en este mural.“ „Heute ist es üblich, allein zu lachen und auf den Bildschirm zu schauen – aber das Schöne ist doch, gemeinsam zu lachen „, meint der Künstler.

Der Stadtrat von Los Realejos hat keine Angst vor Farbe und Graffiti und will Kunst auf die Straße bringen, die Stadt in eine große Kunsthalle im Freien verwandeln. Im großen Gemeindegebiet von Los Realejos existieren bereits 36 große Wandbilder, die von lokalen und internationalen Graffiti-Künstlern geschmückt wurden und im Laufe des Jahres kommen noch einige Projekte dazu.

Normalerweise stellen Künstler in Galerien und Galerien aus Hallen, aber hier haben die Verantwortlichen verstanden, dass dies eine Möglichkeit sein könnte, den Menschen Kunst näher zu bringen. Und es gibt noch einen angenehmen Nebeneffekt – in den vergangenen Jahren wurden viele Wände und Mauern einfach sinnlos besprüht aber sobald die Wandbilder gemalt wurden, war es damit vorbei. Es gibt angeblich keinen einzigen ein Fall, in dem ein Wandbild mit Graffiti verschönert worden ist. Es scheint, dass es den Menschen bewusst geworden ist, dass es sich um Kunstwerke handelt, die nicht mutwillig beschädigt werden sollen. Wäre doch schön, wenn dieses Konzept funktionieren sollte, oder? Ich bin auf alle Fälle schon neugierig, wo die nächsten Werke zu bewundern sein werden. Falls ihr einmal in Los Realejos unterwegs seid, diese Wandmalerei findet ihr in der Nähe des Rathauses, el Ayuntamiento de Los Realejos in der Avenida de Canarias in Realejo Alto.

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Am Anfang war die Wand

Am Anfang war die Wand. Graue Wände oder bunte Bilder? Graffiti ist schon lange die Antwort auf graue Fassaden oder Mauern. In Europa war Graffiti vor vielen Jahren sozusagen eine bunte Revolution. Als die bunte Welle in den 80er Jahren von Amerika zu uns schwappte, überzogen Sprayer den Beton der Städte mit schönen oder weniger schönen, bunten Schriftzügen. Für manche waren sie Verbrecher, für andere Künstler. Aber davon will ich heute gar nicht erzählen. Die bunten Bildern die ich meine, gehören zwar auch in die Kategorie Streetart aber es ist eigentlich Fassadenmalerei.

Auf Teneriffa gibt es mittlerweile schon viel Orte, an denen man bunte, zum Teil auch wunderschöne Malereien auf Hauswänden, Mauern oder verfallenen Häusern finden kann und ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein neues Bild entdecke. Mein aktueller Favorit ist seit kurzem eindeutig ein Wandbild, das ich vor einigen Tagen in La Laguna gesehen habe.

Dieses Wandgemälde wurde im Rahmen des Projekts Festival Calle Malpei 2018 auf eine trostlose Hauswand an der Avenida Trinidad gemalt. Wenn Maler ihre Werke auf Hausmauern malen, steckt fast immer eine klare Botschaft zwischen den Zeilen, oder in diesen Fällen, Pinselstrichen oder Farbtropfen. Das Bild soll uns etwas sagen, eine Geschichte erzählen. Es macht also durchaus Sinn, genau hinzusehen und darüber nachzudenken. Die Szene auf diesem Haus ist eine Hommage an Pfleger und Menschen, die sich um Kranke und Alte kümmern.

El arte es efímero, como todo en esta vidaKunst ist vergänglich, wie alles in diesem Leben ist ein Statement von Matías Mata. Streetart oder Urbane Kunstwerke werden nicht für die Ewigkeit geschaffen, auch wenn ich mir öfter wünsche, dass die Malereien oder Skulpturen länger erhalten bleiben würden. In der Realität, im wirklichen Leben, werden diese Kunstwerke von Sonne, Wasser, Wind oder Feuer aufgelöst, zerstört und verschwinden wieder. Es ist wieder Platz und Raum für neue Botschaften. So ist es gewollt und so soll es sein.

Geschmäcker und Einstellungen sind bekanntlich verschieden und ich habe gelesen, dass diese Wandmalerei vor ein paar Monaten von einem großen Werbeplakat ersetzt werden sollte. Die genauen Umstände kenne ich nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass man mit Werbung an dieser Stelle Geld verdienen könnte. Warum also nicht auch hier? Zum Glück ist es dazu nicht gekommen…

Die Vorbilder für das alte Paar auf der Bank waren die Eltern von Martin Taño und er schrieb in einem FB Kommentar: „Das ist mein Vater Inocencio Taño Rodriguez und meine Mutter Gloria Garcia Castro, beide aus Garafia. Sie haben Matías vor Jahren kennen gelernt und er hat sie in diesem Wandbild verewigt. Mein Vater ist im Januar 2012 und meine Mutter im Mai 2018 gestorben, aber sie sind auf dem Bild genau so, wie sie fotografiert wurden. Ich wünsche mir, dass dieses Bild hier bleibt, damit ich sie immer besuchen kann.“ Ein schöneres Kompliment kann man für seine Arbeit wohl nicht bekommen, oder?

„Cuidar de nuestros ancianos, Pensionistas que construyeron el camino que caminamos y son abandonados por la sociedad.“ Sie kümmern sich um unsere älteren Menschen, Rentner, die die Straße gebaut haben, auf der wir gehen, und die von der Gesellschaft im Stich gelassen werden.

Sabotaje al Montaje ist der Künstlername, mit dem Matías Mata, ein international anerkannter, kanarischer Künstler, seit dreißig Jahren Wände und Fassaden auf der ganzen halben Welt besprüht bemalt. Er wurde auf Lanzarote geboren, hat aber auch einige Zeit auf Fuerteventura und Gran Canaria gelebt. In La Laguna studierte er Bildende Kunst und seitdem lebt er auf Teneriffa.

„Ich sehe die Gesellschaft als eine Montage, die hinterfragt werden muss, und meine Art, dies zu tun, ist Farbe. Ein Beispiel dafür ist La Laguna, wo ich eine Hommage an die Menschen, die sich um die älteren Menschen kümmern, gemacht habe. Das liegt mir am Herzen. Alle, die ich porträtiere, sind Menschen, die ich treffe, fotografiere und dann meine eigenen Geschichten dazu erfinde. Ich sehe die Konzepte der Stadt und interpretiere sie. Diese alltäglichen Dinge sind Teil meiner Arbeit.“

„Hoy me llego desde Italia de La Editorial Il Pensiero Scientifico Editore el libro donde Los cuidadores de personas es portada, de Eleonora Belloni, Alzheirmer Badanti, caregiver e altre creature leggendarie. Muchas gracias“ Gemälde auf Fassaden werden nicht für die Ewigkeit gemacht, doch dieses Bild von Matías Mata, oder korrekt von Sabotaje al montaje, bleibt auf alle Fälle länger erhalten, denn es wurde von einer Autorin als Titelbild für ihr Buch ausgewählt.

Heute läuft mir leider die Zeit davon, aber über Teneriffa und die Straßenkunst kann ich noch viel erzählen. Bleibt also neugierig…

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Happy Valentine ♥

Im Kalender steht Valentinstag, el Día de San Valentín, es ist der offizielle Tag der Turteltauben. In den sozialen Netzwerken entkommt heute niemand den blumigen Sprüchen, denn Krethi und Plethi alle Menschen, ob Freunde oder Unbekannte, wünschen sich einen schönen Valentinstag.  Auf fast der ganzen Welt werden am 14. Februar Liebesgrüße per Post oder durch die Blume verschickt oder verschenkt. Die Floristen freut’s besonders, bei denen klingelt heute mit Sicherheit die Kasse!

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diese Rose wächst im Garten von ARTlandya – und duftet wunderbar …

Böse Zungen behaupten ja, dass der Valentinstag eine schlaue Erfindung von Fleurop und der Schokoladenindustrie gewesen sein könnte. In Wahrheit liegt die Schuld, wie so oft, bei der katholischen Kirche. Die römische Kirche hat es wieder einmal gut mit ihren Schäfchen – und natürlich vor allem sich selbst – gemeint.

Es stimmt schon, diese christliche Institution hatte es in der Vergangenheit auch nicht immer leicht. Es gab einfach viel zu viele Heiden und Ungläubige auf Gottes Erde. Menschen, die ihre eigenen Feiertage und Bräuche hatten, Feste und Traditionen, die so gar nicht in die kirchliche Weltanschauung gepasst haben. Was um alles in der Welt sollten die Kirchenmänner denn tun? Alles verbieten, alle umbringen oder vertreiben? Das ging ja auch nicht, denn woher sollten dann die neuen Untertanen kommen? Es musste eine andere Lösung geben.

Also wurden kurzerhand die vielen, kleinen, heidnischen Feste und Bräuche mit einer christlichen Hülle verkleidet.  Nur deshalb wurden die lieb gewonnen Gewohnheiten des niederen Volkes zähneknirschend in den kirchlichen Schoss aufgenommen. Egal ob es sich dabei um Weihnachten, die Ostereier oder eben die Blumenschwemme für alle Verliebten dieser Erde zum Frühlingsbeginn handelte.

Nur zur Erinnerung – schon die alten Römer haben am 14. Februar ihre weiblichen Familienmitglieder mit Blumen beglückt. Dafür war allerdings die Ehefrau Jupiters, die römische Göttin Juno, verantwortlich. Die schöne Frau wurde als Schutzherrin der Ehe, der Familie und der Mütter Roms im Staatsheiligtum auf dem Kapitol verehrt. smile In der heutigen Zeit erinnert uns eigentlich nur mehr der Monat Juni an sie – falls überhaupt.

Aber wer war eigentlich der heilige Valentin, nach dem der „Tag der Verliebten“ benannt wurde? Der heilige Valentin lebte im dritten Jahrhundert nach Christus im heutigen Italien. Der einfache Priester war bekannt dafür, dass er junge, verliebte Paare trotz des Verbotes des römischen Kaisers Claudius, nach christlichem Ritus getraut und mit Blumen aus seinem Garten beschenkt hat. Er war ein bekennender Christ und weil er sich diesen Glauben nicht verbieten lassen wollte, wurde er am 14. Februar 269 in Rom um einen Kopf kürzer gemacht hingerichtet. Als Opfer war er eines unter vielen aber im Gegensatz zu anderen wurde er ungefähr hundert Jahre später heilig gesprochen. Aus welchem Grund weiß ich leider nicht, aber zweihundert Jahre nach seinem Tod, also 496 nach Christus, erklärte ein Papst mit dem Namen Gelasius I. den 14. Februar zum Valentinstag.

Den Mann Valentin gab es also, aber geehrt wird er, so viel ich weiß, nicht wirklich. Im Grunde genommen ist dieser Tag ein Tag wie der Muttertag – ein gutes Geschäft für Blumenhändler und mittlerweile auch andere Sparten. Alle Welt wünscht sich „happy Valentine“ verpackt das Ganze mit roten Herzen und denkt sich nichts dabei. Es ist einfach so üblich.

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Amaryllis im Garten von ARTlandya

Wenn allerdings die unschuldigen Blumen sprechen könnten, dann würden sie von miserablen Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Hungerlöhnen, Gesundheitsrisiken und einem landwirtschaftlichen Desaster in Afrika und Lateinamerika erzählen. Von dort kommen nämlich die meisten Schnittblumen, die wir verschenken, her. Momentan leidet vor allem Kenia unter einer extremen Wassernot. Viele Menschen in diesem Land haben nicht einmal die Möglichkeit sauberes Wasser zu trinken – aber Millionen von Schnittblumen landen als farbenfrohe Frühlingsboten in Europas Blumenläden. Tulpen aus Amsterdam? Das ist schon lange ein Märchen, aber wen interessiert schon die Geschichte hinter dem romantischen Blumenstrauß? Für die Händler ist es ein gutes Geschäft und die Kunden freuen sich über billig erstandene Schnäppchen.

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Einen herzlichen Gruß für jeden Tag – un coracón de Los Realejos, Tenerife

Für die Einen ist der Valentinstag der romantischste Tag des Jahres und für Andere ist dieser Tag ziemlich bitter, denn sie werden für unsere blumigen Aufmerksamkeiten ausgebeutet.

Ganz ehrlich – brauchen wir wirklich einen bestimmten Tag, um uns daran zu erinnern, dass wir einen bestimmten Menschen lieben? Geschenke, Liebe, Blumen, Küsse – all das gehört zum Valentinstag. Das ist auch in Ordnung, doch vielleicht denkt der eine oder andere von euch daran – es müssen ja nicht immer Blumen sein. Oft reicht ein bisschen Zeit oder ein liebes Wort! Eine Umarmung ist auch nicht zu verachten! kuss

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Mandelblüte auf Teneriffa

Auf Teneriffa ist es wieder soweit – die Mandelblüte hat begonnen. Vor allem in der Gegend rund um das Städtchen Santiago del Teide blühen besonders viele Mandelbäume. Hier verwandelt sich Jahr für Jahr die Landschaft mit ihren weißen und rosa Farbtupfern für kurze Zeit in etwas ganz besonders. Die Mandelblüte ist einfach jedes Jahr ein Fixpunkt im Kalender und deshalb haben wir am Montag bei wolkenlosem und fast schon kitschig blauen Himmel einen Spaziergang rund um Valle de Arriba gemacht.

Einen Tag später hätte uns der Calima mit Sand und ziemlich heftigen Windböen den Ausflug mit Sicherheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Glück gehabt kann ich da nur sagen.

Die kleine Siedlung Valle de Arriba liegt gewissermaßen am Ortseingang – oder am Ausgang – von Santiago del Teide und die meisten Urlauber kennen diese Gegend wahrscheinlich nur aus der Vogelperspektive von einem der Aussichtspunkte an der Strasse über den Erjospass.

Hier, in dieser Ecke der Insel ereignete sich vor über hundert Jahren der letzte Vulkanausbruch auf Teneriffa. Es war am 18. November 1909, und obwohl der Ausbruch nur 9 Tage dauerte, flossen die Lavaströme vom Chinyero direkt auf die Stadt zu. In den alten Chroniken wird erzählt, dass die Bewohner der Stadt so verängstigt waren, dass sie die Statuen von Christus und der Jungfrau so nahe wie möglich zum Vulkan brachten. Als sie vor dem Lavastrom ankamen, änderte der plötzlich seine Richtung und die Lava, die mit ihrer Kraft auf ihrem Weg ins Tal alles mit sich riss, hörte zu fließen auf und kühlte bald darauf ab. So wurden die Dorfbewohner auf wundersame Weise gerettet und der Vulkan blieb seit diesem Tag ruhig und friedlich.

Heute sehen wir hier eine blühende Landschaft mit – jetzt noch – blattlosen, braunen Weinfeldern, vielen Mandelbäumen und Riesenexemplaren von Kakteen. Naja, auf diesem Foto sind zwar keine blühenden Bäume zu sehen, aber aus der Ferne sieht auch der größte Mandelbaum nicht spektakulär aus. Deshalb sollte sich auch jeder auf Schusters Rappen auf den Weg machen – beim vorbei fahren versäumt man viel zu viel und die Schönheiten der Natur verbleiben verborgen.

Als die Spanier im Laufe des 15. Jahrhunderts die Inseln eroberten, unterwarfen und christianisierten sie die Guanchen, verfolgten, versklavten und verkauften diejenigen, die sich nicht anpassten. Von der Kultur der Guanchen ist deshalb nur sehr wenig überliefert.

Die spanischen Eroberer veränderten das Leben auf Teneriffa in jeder Hinsicht. Sie brachten nicht nur eine andere Kultur nach Teneriffa sondern auch Tomaten, Kartoffeln und Wein, eben alles, was in ihrer Heimat zum alltäglichen Leben gehörte.

Weil  in Spanien die ursprünglich aus Westasien stammende Mandel schon lange eingeführt war, machten die Festlandspanier die Pflanze, die Botaniker Prunus amygdalus nennen, auch auf den Kanarischen Inseln heimisch. Angepflanzt wurden die Mandelbäume meistens entlang der neu angelegten Wege, los caminos de herradura. So nannte man damals Wege, die breit genug waren, um mit Pferden, Maultieren und Eseln und ihren rechts und links aufgehängten Lastenkörben passieren konnte – und man sparte Acker- und Weideland ein.

Fällt euch bei den Fotos der Mandelblüten etwas auf? Es gibt viele verschiedene Farben und Arten. Einmal sind die zarten Blüten schneeweiß und dann wieder romantisch zartrosa. Warum wohl? Ganz einfach, es handelt sich dabei um unterschiedliche Sorten von Mandeln. Auch wenn sie von außen alle gleich aussehen – Mandel ist nicht gleich Mandel!

Eigentlich ist die Farbe der Blüten ja eine Sortenfrage, auf Teneriffa ist es aber eher eine „nicht Sortenfrage„, denn auf der Insel sind die meisten Mandelbäume schon lange nicht mehr sortenrein keiner bestimmten Sorte mehr zu zuordnen. Im Laufe der Zeit, sozusagen über die Jahrhunderte, haben die Bienen ganze Arbeit geleistet und haben dafür gesorgt, dass wir heute die schönsten Farbspiele der zarten Mandelblüten bewundern können. Sie sind quasi verwildert und vermischt. Die Mandelbäume auf Teneriffa sind also wie wir Menschen – bunt gemischt und nicht artenrein – dafür blühen sie, wie es schöner ein Künstler auf einem Gemälde nicht malen könnte.

Die weißen Blüten der Mandelbäume verwandeln sich innerhalb von einigen Monaten in leicht süßliche Mandeln, die wir alle so gerne essen. Wir können sie frisch geknackt direkt vom Baum essen oder sie werden in kandierte Mandeln, Marzipan oder wie man es hier nennt queso de almendras, Turrón, Mandelkuchen und andere Köstlichkeiten verwandelt. Und das Beste an der ganzen Sache ist – diese Süßigkeiten kann man sogar ohne schlechtes Gewissen genießen, denn Mandeln sind obendrein noch sehr gesund!

Die rosaroten Blüten sind zwar wunderschön, doch roh sind die Früchte nicht zum Essen geeignet und für Mensch und Tier ungenießbar. Frisch vom Baum geerntet sind es giftige Bittermandeln. Es geht dabei um die Blausäure in den Früchten und auch wenn rohe Bittermandeln für einen Erwachsenen gefährlich werden können, muss niemand Angst haben, sich zu vergiften. Erstens wird wohl niemand so blöd sein und diese Menge fünfzig bittere Mandeln essen, denn Bittermandeln sind nicht nur extrem bitter, sie riechen auch so und zweitens verschwindet die Blausäure beim Erhitzen der Mandeln. Es gibt also keinen Grund zur Panik! Abgesehen davon, dass heutzutage das Gift der Bittermandeln chemisch entfernt wird und die Mandelkerne hauptsächlich für Kosmetik verwendet werden. Man stellt daraus unter anderem Massageöl oder Cremen her. 

Jetzt blühen die Mandelbäume und verwandeln die braunen Felder mit ihren zarten Blüten in eine Frühlingslandschaft. In ein paar Wochen werden die ersten, grünen Blätter sprießen, die Mandeln werden wachsen und reifen und gleichzeitig werden sich die jetzt so märchenhaften Bäume in unscheinbare Laubhölzer verwandeln und in der Landschaft gar nicht mehr auffallen.

Wenn ihr noch mehr über die Mandelbäume und die Bedeutung der Mandel auf den Kanarischen Inseln wissen wollt, lest doch meine Beiträge von den vergangenen Jahren

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02.02.2020

Der Himmel ist blau, weit und breit keine Wolke zu sehen – es ist ein Sonn(en)tag) wie er schöner nicht sein könnte. Nachdem wir schon seit einiger Zeit so schönes Wetter haben, eigentlich nicht erwähnenswert und trotzdem ist heute ein besonderer Tag. Dieser Sonntag ist ein palindromischer Tag! Ein Palin … was? Keine Angst, es ist nix Schlimmes und ihr kennt es bestimmt alle.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, der 2. Februar 2020 ist mit seiner Zahlenreihe ein historischer Tag. 02.02.2020 ist genau gesagt ein palindromischer Tag. Als das das letzte Mal der Fall war, gab es noch einen römisch-deutschen Kaiser. Das war am Samstag dem 11.11.1111, Heinrich V. war Kaiser und das Datum konnte man ebenfalls vorwärts oder rückwärts lesen, es änderte sich nichts. Wir sind also alle Glückskinder, oder? Das wäre eigentlich auch ein perfektes Datum zum Heiraten, schade, dass die Standesämter am Sonntag geschlossen haben.

So ein Datum erlebt nicht jeder Mensch in seinem Leben, denn dieses Zahlenspiel steht äußerst selten im Kalender. Das letzte Mal ist immerhin schon schlappe 900 Jahre her. Bis zum nächsten Datum dieser Art müsste ich zwar nicht ganz so lang warten, aber den 12.12.2121 werde ich auch mit viel Glück nicht mehr erleben. Bis zum nächsten achtstelligen Palindrom vergehen jetzt kurze 101 Jahre aber danach muss sich die Menschheit wieder ganze 909 Jahre gedulden – genau gerechnet bis zum 03.03.3030.

Lifetime von Erik Johansson

„Als Palindrom werden in der Sprachwissenschaft Wörter, Wortreihen oder Sätze bezeichnet, die rückwärts gelesen genau denselben Text oder zumindest einen Sinn ergeben.“ ist die Erklärung für dieses Phänomen. Anna, Otto oder Rentner sind Wörter die man so bezeichnet, aber auch Regen, Nebel, Regal oder Reliefpfeiler gehören dazu. Das Wort Palindrom stammt übrigens vom Altgriechischen palíndromos und bedeutet rückwärts laufend.

Die Zeit läuft in der Realität vorwärts und deshalb werde ich mich jetzt wieder an die Arbeit machen, meine Blumenkinder interessieren sich überhaupt nicht für dieses spezielle Datum – sie wollen auch morgen noch leben und nicht heute verdursten…

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Weißt du, dass Puppen die besten Freunde sind?

Der Februar beginnt mit einem wolkenlosen, blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein. Wenn ich nicht wüsste, dass eigentlich der Winter noch das Zepter in der Hand hat, würde ich sagen, wir haben einen angenehmen Sommertag. Ich bin gespannt, ob es am Montag auch noch so schön sein wird. Das wäre perfekt, denn Mandelblüte mit blauem Himmel ist natürlich viel spektakulärer als ein grauer Hintergrund.

Der Name Februar, el febrero, bedeutet im lateinischen februare – reinigen. Seit 153 vor Christus ist er der zweite Monat des römischen Kalenders. Den Namen erhielt er vom römischen Reinigungsfest februa. Wir Österreicher nennen ihn liebevoll Feber. Warum? Ich weiß es nicht, irgendein Wissenschaftler hat dafür aber sicher eine Erklärung parat – oder auch nicht. 

Der alte deutsche Name für den Februar ist Hornung. Im Elsass wird der kürzeste Monat des Jahres auch heute noch so benannt. Der Namen Hornung ist mir das erste Mal auf einer Puppenausstellung zu Ohren gekommen, aber über seine Bedeutung habe ich mir nicht den Kopf zerbrochen. Mich haben die Puppen fasziniert, der Name war nur ein Name. Von der Puppenkünstlerin Renate Hornung habe ich damals eine ganz besondere Puppe gekauft und seitdem sitzt Tom in der Ausstellung des Museums.

Ursprünglich kommt die Bezeichnung für den Februar aus der Welt der Jäger. Der Hirsch bekommt jedes Jahr um diese Zeit sein neues Geweih. Vielleicht deutet der Familienname auf einen Ursprung der Familie in diese Richtung hin? Ist aber egal, so wichtig ist das auch wieder nicht.

Zu erzählen gibt es heute nichts mehr und nachdem auf Petrus kein Verlass ist, werde ich mir jetzt denn Wasserschlauch schnappen und meine Blumenkinder mit Wasser versorgen. Ach ja, etwas fällt mir doch noch ein – 2020 ist ein Schaltjahr, un año bisiesto. Der Feber kann sich also ganze neunundzwanzig Tage im Kalender breit machen. Ob das gut oder schlecht ist, sagt euch gleich das grüne Licht werden wir erst im Nachhinein, posteriormente, sagen können. Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende, feliz fin de semana

KünstlerPUPPE aus Cernit von Renate Hornung

Weißt du, dass Puppen die besten Freunde sind?
Auch, wenn sie nicht sprechen können,
hören Puppen, was du sagst.
Und hast du gewusst?
Wenn man sie allein lässt in einem Zimmer,
dann werden sie lebendig.
Lebendig?
Ja! Aber wenn wir plötzlich rein kommen,
sausen sie blitzschnell wieder auf ihre Plätze.
Aber wieso werden sie nicht lebendig,
wenn wir dabei sind?
Wenn wir sie sehen können?
Weil es wie Magie ist.
Man muss an Magie glauben,
damit magische Dinge passieren können.
aus „Little Princess“

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