Zeiträuber sind unterwegs

Wer gibt mir meine Stunde Schlaf zurück? Wahrscheinlich niemand!  lachen  Ich hasse diese Zeitumstellerei! Wofür diese Aktion gut sein soll kann mit Sicherheit niemand erklären, es ist eben so. Punkt. Ich werde mich nicht zu sehr ärgern, denn das hilft erstens nichts und zweites bringt auch der größte Ärger meine gestohlene Stunde nicht zurück. Ich mache mich dann mal an die Arbeit. Georg übernimmt den Sonntagsdienst und ich werde mich um die Orangenmarmelade kümmern.  Mein Schatz braucht dringend Nachschub! Also dann mal ran an die Orangen, der Tag dauert ja nicht ewig.

Ein normaler Tag ist ganze vierundzwanzig Stunden lang oder kurz. Normalerweise. Heute ist allerdings eine Ausnahme – der Tag ist nur dreiundzwanzig Stunden lang und deshalb geht die Sonne eine Stunde später unter. Über Nacht ist uns eine ganze Stunde unseres Lebens abhanden gekommen. Einfach geklaut!

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Alice im Wunderland – PuppenKUNST von Friedericy

Ich habe heute Morgen meine braunen Augen aufgeschlagen und hätte eigentlich schon ein schlechtes Gewissen haben müssen – denn ich hätte ohne eigene Schuld schlicht und einfach verschlafen. Meine innere Uhr funktioniert nämlich recht gut, ich lebe ohne Uhr am Handgelenk und Wecker besitze ich auch keinen. Hat jemand von euch vielleicht eine Ahnung oder einen Tipp, wie man die innere Uhr umstellt? Die Zeit hat sich ja laut oberster Verordnung Punkt zwei Uhr in der Nacht um ganze sechzig Minuten verändert. Von einer Sekunde auf die andere ist es plötzlich eine Stunde später. Zu dieser Zeit war ich allerdings im Land der Träume und zum Glück lassen sich meine phantastischen Ausflüge meines Unterbewusstseins durch diesen Zeitraub nicht zerstören. Wenigstens etwas.

Sommerzeit, Winterzeit? Soviel ich mitbekommen habe, stand gerade einmal der Frühlingsbeginn im Kalender. Was soll ich also mit einer Sommerzeit anfangen? Bei uns auf der Insel wird es jetzt, oder besser gesagt wurde es bis gestern, um sieben Uhr in der Früh hell, heute war es plötzlich Acht. Und das passiert mir ausgerechnet auf der Insel des angeblich ewigen Frühlings!

Dabei wäre alles so einfach. In der Früh geht die Sonne auf, zu Mittag steht sie hoch am Himmel, abends geht sie unter – und in der Nacht scheint der Mond. Am Stand der Sonne kann jeder ablesen, wie spät es gerade ist. Deshalb haben unsere Vorfahren einen anderen, sinnvollen Zeitmesser benutzt – die Sonnenuhr. Sie ist die genaueste Uhr der Welt, von ihr wird die reale Zeit angezeigt. Mittag ist, wenn die Sonne am höchsten Punkt des – hoffentlich blauen – Himmels steht. Das ist für jeden Ort, der weiter östlich oder westlich von uns liegt, unterschiedlich. Pro hundert Kilometer muss man ungefähr viereinhalb Minuten Zeitunterschied berechnen. Durch die Längengrade wird unsere Weltkugel in verschiedene Zeitzonen eingeteilt und daraus ergeben sich diese Verschiebungen für den Zeitpunkt des Mittagessens auf ganz natürliche Art und Weise.  Ob sich die Eisenbahn, Busse oder Straßenbahnen mit ihren Fahrplänen danach richten könnten, kann ich allerdings nicht beurteilen. Ist ja auch nicht so wichtig, denn ich halte mich an eine alte Weisheit: „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitern Stunden nur!“

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Aber jetzt ist Schluss mit diesen Überlegungen. Am letzten Sonntag im Oktober, also dieses Jahr am 29. 10. bekommen wir die gestohlene Stunde ja wieder großzügig zurück geschenkt. lachen  So ein Sonntag im Herbst, der dann fünfundzwanzig Stunden dauert, ist doch auch eine tolle Erfindung! Als Eselsbrücke werde ich mir diese zwei Sprüche merken, falls ich sie bis Ende Oktober nicht vergesse. „Zum Sommer dreh die Uhr nach vorn, der Schlaf geht dir dabei verlor’n.  Zum Winter dreh die Uhr zurück, das ist des Schlafes größtes Glück.“  Also dann – genießt den Sonntag – auch wenn er heute ein Mogelpaket ist!

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PuppenKUNST von Friedericy

Wie wär’s passend zum heutigen Tag mit einem Zungenbrecher?
Drei Hexen schauen sich drei Swatch Uhren an.
Welche Hexe schaut welche Swatch Uhr an?
Und nun das Ganze in englischer Sprache!
Three witches watch three swatch watches.
Which witch watch which swatch watch??

•*¨*•❥ übrigens – im Englischen gibt es auch noch schöne Eselsbrücke  – spring forward and fall back. Aber egal wie ich es drehe und wende, der Tag ist und bleibt heute auf jeden Fall eine Stunde kürzer …

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Lebensleiter

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KünstlerPUPPE aus Papiermaché von Anya Manya

Lebensleiter
Ein Mensch gelangt,
mit Müh und Not,
vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.

Vom Brot zur Wurst geht’s dann schon besser;
der Mensch entwickelt sich zum Fresser
und sitzt nun scheinbar ohne Kummer,
als reicher Mann bei Sekt und Hummer.

Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:
vom Hummer aus geht’s nicht mehr weiter.
Beim Brot so meint er war das Glück –
doch findet er nicht mehr zurück.
Eugen Roth

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Wenn der Mönch auf der Nonne liegt

Keine Angst, das ist kein Auszug aus einem Schmuddelroman, es wird auch keine erotische Erzählung und es handelt sich auch nicht um Kirchengeschichte. Es geht schlicht und einfach um das notwendige Dach, das jeder von uns über dem Kopf haben will. Ich glaube, ich habe es schon einmal erwähnt dass auf der Insel die Dachziegel häufig auf eine andere Art und Weise als es in Österreich üblich ist, verlegt werden. 1f60a Mönch und Nonne sind hier der Renner!

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Icod de los Vinos

Im Ernst, das ist die traditionelle und übliche Dachdeckung auf den Kanarischen Inseln – ein zweiteiliger Ziegel, eben das Modell Mönch und Nonne. Diese Art der Dachdeckung stammt aus dem römischen Kulturraum und man sieht sie heute auf alten Gebäuden, vor allem aber auf den Dächern der Klöster und Kirchen rund ums Mittelmeer. Im deutschsprachigen Raum Europas wurden im Mittelalter, vor allem wegen der Feuergefahr, aber nur die Dächer von repräsentativen Prachtbauten wie Herren- oder Rathäuser, Kirchen und Klöster mit Ziegeln aus Lehm oder Ton eingedeckt. Der kleine Bürger deckte sein Dach weiterhin mit Schiefer, Holzschindeln oder Stroh, denn die gebrannten Dachziegel waren einfach zu teuer. In Südeuropa war der Dachpfannen aus Ton jedoch immer schon das am häufigsten verwendete Material für Gebäude aller Art.

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Dachlandschaft in der Altstadt von Icod de los Vinos

Im Rest von Europa sind sie so gut wie verschwunden, in Südeuropa und auch auf den Kanarischen Inseln werden aber heute noch viele Hausdächer so gedeckt. Das Dach ist ja nicht nur der Abschluss eines Gebäudes, sondern auch Teil der Dachlandschaft. Die Formen der Dächer haben ganze Landstriche bestimmt. Bei allen unterschiedlichen Baustilen trugen bestimmte Grundformen des Daches zum Aussehen der Siedlungen bei und prägten das Landschaftsbild, denn Dächer sind mehr als bloßer Schutz vor Regen und Schnee, Sonne und Wind, sie unterstreichen den Charakter eines Hauses und wecken Emotionen. Dachziegel aus gebranntem Ton haben viele Gesichter. Sie faszinieren durch ihre regionale Vielfalt und haben eine lange Tradition.

In der Zeit der großen Völkerwanderung ist diese Art der Dachdeckung ziemlich in Vergessenheit geraten, denn erst ab dem achten Jahrhundert wurden zuerst vor allem für die vielen Klöster wieder Tonziegel gebrannt. Deshalb wurden die Hohlziegel wohl auch Klosterziegel oder eben Nonne und Mönch genannt –  aber es könnte auch eine andere Interpretationen möglich sein.

Mönche und Nonnen sollten ja eigentlich nichts miteinander zu tun haben – zumindest soweit ich informiert bin. 1f60a Als harmlose Ziegel liegen Mönch und Nonne jedoch geradezu ineinander verkeilt auf den Dächern herum und sind ein harmonisches Paar. Die Nonne liegt unten und der Mönch wird als Abdeckung darüber gestülpt. Der Mönch ist im Normalfall kleiner und wiegt ungefähr zwei Kilo, die Nonne ist ungefähr einen Kilo schwerer. Dabei wird der Mönch entweder in Mörtel oder ohne verlegt. Das Dachwasser fließt bei Regen später in den Nonne-Ziegeln ab. Diese Art der Deckung eignet sich aber nur für Dächer mit einer Mindestneigung ab 40 Grad, sonst gibt es ein feuchtes Problem unter dem Dach.

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auch die neuen Dächer der Häuser auf ARTlandya wurden mit alten Ziegeln eingedeckt

Die Verlegung der Dachziegel dauert natürlich länger und ist auch viel aufwendiger als bei Dächern wie wir sie kennen, denn jeder einzelne Ziegel wird mit Beton bestrichen und auf eine Schicht aus Beton aufgesetzt. 1f60a  Deshalb braucht man hier zu Lande auch eine Mischmaschine zum Dachdecken.Es entsteht sozusagen eine Dachdeckung für die Ewigkeit. Vorausgesetzt die Qualität der Dachziegel spielt mit. Es hat aber auch den Vorteil, dass der Wind keine Chance hat, das Dach davon zu blasen. Dafür ist es im Endeffekt wirklich zu schwer und wer würde dem Wind schon eine Erschwerniszulage bezahlen?

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So mühevoll wurden in alten Zeiten Ziegel hergestellt, der Mauerziegel für den Hausbau wie auch der Ziegel fürs Dach – Nonne und Mönch, monja y monje. Es ist eine der ältesten Dachziegelformen, deren Ursprung im Mittelmeerraum liegt und bis in die römische und griechische Kultur zurückreicht und erhalten geblieben ist.

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Zuerst wird mühsam Tonerde, tierra arcillosa, gemahlen, mit Wasser vermischt und mit den Füssen zu weichen, geschmeidigen Ton, barro, verarbeitet.  Das geht ganz schön in die Beine. Heute wäre es vielleicht ein Alternative zum Fitness Studio – so unter dem Motto „Bewegung macht Sinn“.

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Der Dachziegel besteht also aus einer Mischung aus Ton und Lehm und so machten es schon die alten Römer, die den Dachziegel nach Mitteleuropa brachten. Die allerersten Ziegel aus reinem Ton fabrizierten aber schon zweitausend fünfhundert Jahre vor Christi Geburt die Griechen. Bei so einer langen Tradition ist es kein Wunder, dass sich viele verschiedene Dachziegelformen entwickelt haben. Auch die Art der Herstellung oder die Farbe sind bei Dachziegeln verschieden, wobei die Farbe übrigens beim Brennen entsteht.

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Hier seht ihr den Arbeitsplatz und die Werkzeuge für die Herstellung der Ziegel. Ein Rahmen aus Metall, der die genaue Form für den weichen Ton festlegt und der runde Holzkeil, auf dem die Tonplatte abschließend ihr Wölbung verpasst bekommt.

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Dieser Bursche arbeitet gerade mit den frischen Tonplatten. Sie werden zugeschnitten und anschließend vorsichtig über das Holz gelegt und geformt. Die einzelnen Ziegel, las tejas, sind halbierte Hohlzylinder, die an einer Seite konisch zulaufen.

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Bevor die noch rohen Tonziegel in den Brennofen wandern, werden sie vorsichtig aufgeschlichtet in der Sonne einige Tage getrocknet. Auf die selbe Art und Weise wurden übrigens auch Mauerziegel hergestellt, doch auf Teneriffa wurden sie im ländlichen Bereich eher selten verwendet, da sie ziemlich teuer waren. Am Land wurden die Häuser aus dem Baumaterial gebaut, dass überall verteilt in der Gegend herum lag – aus Lavasteinen.

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Daraus wurden auch die runden Brennöfen, los hornos de calcinación, gebaut. Heute findet man sie nur mehr in einigen Gegenden auf der Insel, denn auf diese Art und Weise brennt niemand mehr die wunderschönen, handgemachten Ziegel. Sie wurden, wie so vieles, von Industrieware verdrängt und ersetzt – den Luxus der Handarbeit könnte sich auch wohl niemand mehr leisten.

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El Pris und die Idylle

Wir sind Richtung Tacoronte unterwegs und landen nach kurzer Fahrt an unserem Ziel, einem kleinen Ort an der Küste.  El Pris wird ja in den Reiseführern als idyllischer Fischerort, in dem die Zeit stehen geblieben ist, bezeichnet. „Ein unberührtes, einfaches Fischerdorf an der Nordküste, an dem der Tourismus bislang spurlos vorüber gegangen ist. Es gibt ein Meerwasserschwimmbecken, zwei Fischrestaurants und einen idyllischen Spazierweg hinüber zum schwarzen Sandstrand von Mesa del Mar.“ So oder so ähnlich wird der kleine Ort an der Küste, der wie Mesa del Mar zum Gemeindegebiet von Tacoronte gehört, beschrieben.

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Es tut mir leid, aber diese Romantik kann ich in diesem Ort leider nicht entdecken. Der Tourismus soll hier spurlos vorbei geschlichen sein?   lachen  Wer hat denn dann die vielen scheußlichen Apartmentanlagen an die Felswände geklatscht? Nach einem normalen Dorf sieht diese Konstruktion wirklich nicht aus, oder? Die einheimischen Fischer haben sich diese Architektur mit Sicherheit nicht einfallen lassen.

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Wir selbst fahren immer wieder gerne nach El Pris. Der Blick Richtung Teide ist atemberaubend schön und der Küstenstreifen zeigt sich jedesmal märchenhaft und fast mystisch. An diesem flachen Küstenabschnitt von Tacoronte kann man direkt am Meer spazieren gehen. Die kräftigen Wellen des Atlantiks schlagen vor allem im Winter mit voller Wucht gegen die Mauern an der Küste, feiner Wasserstaub liegt in der Luft und es richt angenehm nach Meer.

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Wenn ihr wirklich etwas von dem kleinen Ort begreifen wollt, müsst ihr ihn jedoch sozusagen erklettern. Die sogenannten Gassen sind hier meistens Treppengässchen, die sich zwischen den Häusern nach oben kämpfen oder man geht steile, betonierte Wege nach oben.

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Die Straßenschilder von El Pris erkennt man nicht immer auf den ersten Blick. Am Anfang jeder Gasse steht der Name zwar auf den üblichen bunten Schildern an den Häuserwänden doch zwischendurch muss man sich mit Hilfe der Fischfiguren aus Metall orientieren. Daran erkennt man, dass es sich nicht um einen privaten Zugang zu einem Haus sondern um einen öffentlichen Weg handelt. Aber das ist alles keine Problem, denn auch ohne Straßennamen ist ein Spaziergang keine komplizierte Sache. Die Siedlung ist klein und übersichtlich und wer sich hier verläuft, ist schon ein besonderer Künstler. smile  Man kann sich eigentlich gar nicht verlaufen, wenn man sich am Wasser orientiert – denn von dort unten führen alle Wege nach oben!

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Ich könnte mir nicht vorstellen, hier zu wohnen. Die Aussicht ist zwar perfekt und der Blick auf den Teide mit dem markanten Küstenstreifen im Vordergrund ist mit Sicherheit einmalig auf der Insel, aber wenn ich daran denke, dass ich jede einzelne Wasserflasche und jedes Kilo Kartoffel, Mehl oder sonstige Lebensmittel jedesmal eine ganz schön lange Strecke über Stufen oder steile Wege bis zum Haus schleppen müsste, dann sieht die Sache gleich anders aus. Obwohl es auch dafür eine Lösung gibt, denn ich habe schon gesehen, wie eine fleißige Mitarbeiterin von Mercadona eine Lieferung von Lebensmitteln  die Treppen hoch getragen hat. smile Der bequeme  Lieferservice funktioniert also auch an abgelegenen Orten von Teneriffa, zumindest hier im Norden.

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Als Fischliebhaberin hätte ich natürlich einen riesengroßen Vorteil, denn hier kommen die Meeresbewohner wirklich fangfrisch auf den Teller. Einige Einwohner von El Pris verdienen sich ihr Geld noch immer mit dem Fischfang und auch deshalb gefällt mir dieses Plätzchen auf der Insel so gut. Die vielen bunten Fischerboote sind hier nicht nur als romantische Dekoration aufgestellt, sie sind überlebenswichtig für die tägliche Arbeit der Menschen.

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Hoffentlich gibt es die Fischer und den Fischreichtum an der Küste der Kanarischen Inseln noch sehr lange, auch wenn die Fischerei selbst absolut nichts mit Romantik, sondern mit knochenharter Arbeit zu tun hat. Wenn nichts gefangen wird, wird kein Cent verdient, die Arbeitszeit hat auch nicht viel mit einem acht Stundentag zu tun und vor allem im Winter sind der Wind, das Wetter und der Atlantik eine besondere Herausforderung. Es ist keine Arbeit für Jammerlappen und trotzdem sagen viele Fischer, dass es der schönste Beruf der Welt sein soll.

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Jeder ist seines Glückes Schmied

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KünstlerPUPPEN von Silke Janas-Schlösser

Jeder ist seines Glückes Schmied
Es klopft an der Tür und ich frag: „Wer ist hier?“
„Ich bin’s, das Glück,“ tönt es leise zurück.

Das Glück? Ich glaub‘ ich spinn‘,
mitten in der Woche d’rin.
Tut mir leid,
für das Glück hab‘ ich heut keine Zeit.

Ich muss noch soviel Dinge tun,
hab‘ keine Stund‘ mich auszuruh’n.
Da lass‘ ich doch kein Glück herein!
Man kann nicht immer glücklich sein.

Das Glück kommt oft ganz unverhofft.
Doch wenn’s mit meiner Zeit nicht klappt,
dann hat das Glück halt Pech gehabt.

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Die Teiche von Erjos

Wir sind an einer Kreuzung angelangt und können zwischen zwei Möglichkeiten wählen – entweder wir fahren Richtung El Tanque oder wir  entscheiden uns für Santiago del Teide. Norden oder Süden?   smile  Wir machen es heute einmal ganz anders, wir fahren gar nicht mehr weiter, nicht weil wir uns nicht einigen können, sondern weil wir genau hier bleiben wollen.

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In der Nähe des Erjos Passes, el Puerto de Erjos, stellen wir das Auto am Straßenrand ab und machen einen kleinen Spaziergang. Auch wenn es irgendwie absurd klingt, wenn man mitten im Gebirge, in luftiger Höhe von 1117 Metern über dem Meeresspiegel von einem Hafen spricht, hat es doch seine Richtigkeit, den el puerto bedeutet auf spanisch sowohl Hafen als auch Pass. In dieser Gegend, also am Erjospass, liegt sowohl die natürliche Grenze zwischen dem Norden und dem Süden als auch die Wetterscheide der Insel. Wir haben Glück, die Sonne scheint und von der Küste ziehen nur ein paar malerische Nebelschwaden herauf.

In den meisten Reiseführern werden Ausflüge nach Santiago del Teide oder nach Masca empfohlen und angepriesen, aber über diese Märchenlandschaft, die praktisch gleich neben der Strasse liegt, liest man fast nirgends eine Zeile. ¿El paraíso está a la vuelta de la esquina? Es ist wie so oft im Leben, man muss soll von Zeit zu Zeit nicht in die Ferne schweifen – wenn das Gute so nah liegt …

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Das ist ein Termitenbau –  würde ich in Südafrika sagen, doch hier auf der kleinen Insel im Atlantik ist es das fantasievolle Produkt eines Lavastromes. Gefährlich aussehende Erdeinbrüche und skurrile Steinsäulen bestimmen die Landschaft. Kein Wunder, denn in dieser Gegend von Teneriffa sieht man die Auswirkungen der jüngsten vulkanischen Aktivität noch besonders gut. Vor allem in den Arenas Negras kann man die Folgen davon sehen, eine öde, schwarze Landschaft so gut wie ohne Pflanzen. Es handelt sich dabei um die Ausbrüche des Vulkans Chineyro am 18. 11. 1909 und vor allem die des Vulkanschlots Volcán Negro, der im Jahr 1706 in den Arenas Negras  seine Lavaströme Richtung Garachico losgeschickt hat.

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Das Gebiet rund um den Erjos und auch das Tenogebirge ist allerdings schön bedeutend älter und im Laufe von Millionen von Jahren ist hier eine richtige Vorratskammer für guten Ackerboden entstanden. Mich faszinieren vor allem die kräftigen Rottöne der Erde und des Gesteins und ich bin mir sicher, dass ein Maler mit seinen Farben diese Stimmung auch nicht besser auf die Leinwand bringen könnte.

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Zu unseren Füssen liegt ein dichtes Wegenetz, auf dem man die Gegend in alle Richtungen erkunden könnte. Es besteht zum Teil aus alten Wegen, los caminos, die quer durch die Berge führen und aus neu angelegten Forstwegen. Wir spazieren einen relativ breiten Weg, der eher wie ein trockenes Bachbett aussieht, entlang.

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Über unseren Köpfen kreisen ungewöhnlich viele Falken in der Luft. Ihre schrillen Schreie begleiten uns bis zu den Ufern der Teiche.  In dieser Gegend muss es auch sehr viele Kaninchen, los conejos, geben, denn erstens sieht man neben und auf dem Weg immer wieder Reste der verschmähten Jagdbeute der Raubvögel und während der Jagdsaison klettern in den Hügeln rundum zahlreiche Jäger mit ihren Hunden durchs Gestrüpp Gelände. In diesen Monaten sind jeden Donnerstag und Sonntag die Canarios mit Hunden, Frettchen, el hurón, und Flinten, las escopetas, auf der Jagd. Por suerte, zum Glück, denn sonst würde die Insel wohl wirklich an einer Übervölkerung der Nager leiden.

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Las Charcas de Erjos – del inferno al paraiso con colores de alegría. Die idyllisch eingewachsenen Wasserlacken sind einfach zauberhaft.  Sie wirken fast wie kleine, romantische Teiche in Kärnten. Enten tauchen laut schnatternd aus ihrem Versteck am Ufer auf, flattern kurz knapp über dem Wasser dahin und schwimmen dann in aller Ruhe davon.

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Die Teiche oder Tümpel von Erjos, las Charcas de Erjos, liegen am Fuß des Monte de Agua auf einer Höhe von neunhundertfünfzig Metern Seehöhe. Den Besitz oder besser gesagt die Verantwortung für dieses Areal teilen sich die beiden Gemeinden Los Silos und El Tanque. Wo allerdings die Grenze auf der Landkarte verläuft weiß ich nicht.  Ich glaube jedoch nicht, dass es für uns von Bedeutung ist.

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Dentro del Parque Rural de Teno, repartidas entre Los Silos y el vecino municipio de El Tanque, por encima de los 950 metros de altitud, se encuentra en Erjos el Paraje de los Dornajos „Charcas de Erjos“, ejemplo de extracciones de áridos y tierra que se llevaron a cabo entre los años 70 y 80 del siglo XX para su traslado a las plantaciones del sur y norte de la isla.

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So natürlich sich die Teiche heute in der Landschaft schmiegen, war der Grund dafür eher wirtschaftlicher Natur. Es war die Zeit, als überall auf der Insel Bananenplantagen angelegt wurden. Mit Bananen wollte man das große Geld verdienen, aber die Sache hatte einen Haken. Auf den meisten Landflächen fehlte der wichtigste Rohstoff – gute Erde. Ohne fruchtbare Felder keine Früchte, ohne gute Ernte kein Geld. Also bediente man sich dort, wo die Natur vorgesorgt hatte.

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In den 70er und 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden hier Tausende von Tonnen Erde abgebaut und auf die Felder im Süden und Norden der Insel gebracht. Es war eine ökologische Katastrophe, denn zurück blieb eine steinige Mondlandschaft und eine vollkommen zerstörte Vegetation. Doch oft gibt uns die Natur eine zweite Chance und so war es auch hier. Die Wunden der Bagger verschwanden, da der Boden in diesem Gebiet sehr lehmig ist, begann sich am tiefsten Punkt des Beckens Regenwasser zu sammeln, es entstanden Wasserstellen und flache Tümpel, die zu kleinen Teichen anwuchsen. Dort wo es Wasser gibt, gibt es auch Leben – Pflanzen und Tiere siedelten sich an und im Laufe der Zeit hat die zerstörerische Wirkung des Menschen ein einzigartiges Ökosystem geschaffen. Es entstand ein richtiges Naturparadies und heute finden sogar einige sehr seltene, oder im Rest der Insel bedrohte Arten von Kleintieren und Vögeln Zuflucht.

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Die Vegetation hat auf natürliche Weise die Voraussetzung für den Lebensraum vieler Vogelarten geschaffen. Die verschiedenen Schilfarten, wilde Brombeeren, las zarzas, Kanarische Weiden, Weißdorn, Tabakpflanzen und Binsen sind heute die Heimat für viele Wasservögel wie Enten, Moorhühner, Schnepfchen und Graureiher, las aves acuática como los patos, fallaris, chocas y las garzas.  lachen  Ob der Graureiher, der uns vor zwei Jahren den Teich ausgefischt hat wohl auch von hier gekommen ist?

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Weil die Teiche zu hundert Prozent auf den Regen angewiesen sind, ändert sich natürlich auch ihre Größe von Jahr zu Jahr und nach einem trockenen Winter kann es schon vorkommen, dass sie Wasseroberfläche ziemlich schrumpft und die kleineren Tümpel ganz verschwinden. Die Tiere und die Pflanzen haben sich darauf eingerichtet und nachdem sich die Natur auch nach dem großen Feuer vom Sommer 2007 wieder erholt hat, dürfte es wohl auch in Zukunft ein verträumtes Fleckchen Paradies bleiben.

 

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von Mäusen und Menschen

Nein, keine Angst, ich habe nicht vor jetzt lang und breit über den Roman von John Steinbeck zu erzählen. Aus aktuellem Anlass ist mir der Titel nur ganz spontan eingefallen und das Foto von dieser Türe in Santa Cruz passt perfekt dazu, oder?

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Mit dem Hinweis No hay ratas werden allerdings Ratten verleugnet und im Buch von Steinbeck wird die Geschichte von zwei Männern, die von einem besseren Leben träumen, beschrieben. George und Lennie heißen die beiden, schlagen sich als Wanderarbeiter durchs Leben und träumen von einer besseren Zukunft. Die Arbeit für die beiden Männer ist hart und sie ziehen von Farm zu Farm, von Ernte zu Ernte. Den großen und bärenstarken, aber geistig zurückgebliebenen Lennie verbindet eine feste Freundschaft mit dem gewandten und klugen George und so schlagen sich die beiden lange Zeit gemeinsam durchs Leben …

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Bei mir geht es aber leider um reale Mäuse, denn um die Weihnachtsmaus kann es sich mitten im Sommer ja nicht handeln. Es ist für mich auch vollkommen unklar, was die kanarischen Nager in den Museumsräumen wollen. lachen  Zum Fressen finden sie dort absolut nichts und ob sich Mäuse für Kunst interessieren?

Es haben sich also ungebetene Besucher eingeschlichen. An der Eintrittskasse haben sie sich vorbei geschummelt, an einen Vertrag für Untermieter kann ich mich gar nicht erinnern und Miete bezahlt auch niemand. Die Familie hat sich ungefragt eingenistet und deshalb werden die Mitglieder jetzt gefangen und an die Luft befördert. Egal ob es sich dabei um ein kleines  Hausmäuschen, eine Feldmaus, Gartenmaus, Waldmaus oder Wiesenwühlmaus handelt. Ohne wenn und aber, ohne Gnade. smile  Und nicht, dass mir jetzt jemand mit Tierschutz anklopft! Ich habe gar nichts gegen Mäuse, aber meine Devise ist, ich im Haus und Mäuse müssen draußen bleiben!! Im Freien können sie tun und lassen was sie wollen, da mache ich ihnen gar keine Vorschriften. Das ist für sie viel gesünder und für meine Nerven ebenfalls, wir gewinnen also auf jeder Seite.

Bis jetzt hat sich sowieso noch keines der kleinen Nagetiere in eine der Fallen verirrt, obwohl Georg köstlich duftende Speckstückchen als Köder ausgelegt hat. Ich bin mir aber sicher, dass man mit Speck Mäuse fangen kann – und irgendwann werden auch die schlauesten Nager der Versuchung nicht widerstehen können. Ich hoffe es zumindest und wenn es möglich wäre, sollte das so schnell wie möglich passieren. Die netten Tierchen vermehren sich ja wie die Kaninchen. Drückt mir die Daumen!

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