Jutta Kißling – das Spiel mit den Puppen

“ … gewonnene Unabhängigkeit, die mir soviel Freiheit lässt, denn ich „spiele“ so gerne mit Puppen.“  Jutta Kißling

Eine kleine Drehung des Kopfes, den Arm ein bisschen anheben, eine kleine Drehung – und schon wird aus dem schüchternen Kind ein neugieriges oder gar ein kokettes Mädchen. Das kann nicht sein? Doch, mit den Puppen von Jutta Kißling ist es möglich. Mit ihnen können wir zwar nicht spielen, aber wir können inszenieren.

artlandya_kissling_birte1

Den Ausdruck im Gesicht und Körperhaltung deutet sie nur an. Es bleibt immer noch Raum zum Verändern, zum Interpretieren und zum Spielen. Die Gesichter ihrer Puppen sind ernst aber sie haben einen Ansatz von Lächeln. Je nach Drehen oder Senken des Kopfes blickt die Puppe plötzlich verzagt oder selbstbewusst, etwas gekränkt oder gar mutig ins Leben. Glasaugen empfindet die Künstlerin als Fremdkörper und deshalb haben alle ihre Puppen gemalte Augen, die der übrigen Bemalung perfekt angepasst werden.

artlandya_kissling_yanne

 

Seit ich mit dem Puppenmachen angefangen habe, ist mir klar, dass meine Puppen keine Spielpuppen für kleine Kinder sind, sondern Sammlerpuppen für Erwachsene. Weil mir dies von Anfang an klar war, konnte ich es mir erlauben, die gesamte Puppe aus dem zerbrechlichen Material Porzellan anzufertigen. Das heißt, kein plötzlicher Wechsel von hartem Porzellan zu weichem Stoff, kein Verstecken von angenähten Oberarmen und Oberschenkeln, kein wohlgeformtes Bein, das in einem Stoffabnäher endet, sondern ein durchmodellierter Körper aus einem Guss, sozusagen. Bei einer Puppe fand ich die Möglichkeit, meine verschiedenen Ambitionen in künstlerischer Richtung zu vereinen.

artlandya_kissling_yanne1a

Geboren wurde Jutta Kißling im Jahr 1942. Nach der Schule absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung und wurde schließlich Werbefachfrau. Doch trockene Zahlen und Daten fand sie nie sehr interessant und so arbeitete sie nur halbtags in einer kleinen Firma, um in der zweiten Tageshälfte Puppen herstellen zu können.

artlandya_kissling8d

Begonnen hat ihr Spiel mit den Puppen – wie sie es nennt – mit einem gekauften, fertig gedrechselten Holzkopf. Zuerst versuchte sie es mit Holzmehl, Ton und Cernit und  landete schließlich beim Porzellan. Die ersten Porzellanpuppen wurden lebendige, lange, schlaksige Mädchen mit ernsten, lustigen oder verschmitzten Gesichtern.

Jutta Kißling modelliert Puppen nach den Vorbildern von Kindern die über das Kleinkinderalter hinaus sind und die ersten Schritte zur eigenen Persönlichkeit wagen. Sie fordern nicht zum Kuscheln auf, sondern wollen ernst genommen werden. Ihre Puppen sollen Puppen bleiben, das heißt, sei haben eine handliche Größe und die Proportionen entsprechen eher einer Puppe als einem lebendigen Kind. Die Gelenkkörper der Puppen sind vollständig aus Porzellan gearbeitet, es gibt keinen Körper aus Stoff oder Holzkugeln als Gelenke. Sie formt eine Puppe, die Kopf, Arme und Beine bewegen kann und die frei, ohne Stütze fest auf ihren zwei Beinen stehen kann.

Für die einfache und schnörkellose Bekleidung ihrer Puppen verwendet sie natürliche Stoffe wie Baumwolle, Seide oder Leinen. Vervollständigt wird die Garderobe mit selbst entworfenen Schuhen und Stiefelchen. Das Üppige und Pompöse liegt Jutta Kißling überhaupt nicht. Sie findet, dass die Schlichtheit der Kleidung zum Alter ihrer Puppen passt – und ich behaupte, sie hat vollkommen recht!

artlandya_kissling2

Auszüge aus dem Buch „Künstlerpuppen im Museum Hintermann“  von Ingrid Taupe, Verlag Puppen & Spielzeug

•*¨*•❥ übrigens – die Puppen könnt ihr im PuppenMUSEUM von ARTlandya bewundern und auf ARTlandya – la Finca  findet ihr auf Facebook immer wieder aktuelle Fotos und Informationen. Falls ihr Fragen habt – schreibt doch einfach einen kurzen Kommentar, ich würde mich freuen! kuss (2)

Werbeanzeigen
Veröffentlicht unter Allgemein, ARTlandya, Ausstellung, Puppenkünstler, Puppenkunst, Tagebuch, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

La Vega – von oben nach unten

Nachdem mein freier Tag heute irgendwie ins Wasser gefallen ist, erzähle ich euch unsere Fincageschichte weiter. Ich habe es ja versprochen, aber unter der Woche habe ich es leider nie geschafft und so trifft der Spruch „kein Nachteil ohne Vorteil“ heute den Nagel auf den Kopf!

Als wir vor vielen, vielen Jahren die erste Puppenausstellung in Icod de los Vinos aufgebaut haben, wurde uns von unserer Maklerin ein Wohnhaus vermittelt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir ihr das erste Mal mit dem Auto dort hin nachgefahren sind. Das Auto vor uns fuhr zügig durch die Innenstadt von Icod de los Vinos und ab da ging es bergab bergauf. Ein Kilometer und noch einer – und immer weiter nach oben. Eine Viertelstunde später waren wir am Ziel. Wo waren wir hier nur gelandet?

Ein Haus mit einem kleinen Vorgarten mitten in einer Verkehrsinsel. Das sollte also unser neues Domizil werden. Kennt ihr die Situation wo einem im Nachhinein so mancher Satz einfällt, aber in dem Moment, in dem man ihn sagen sollte, fällt einem nichts ein? Man ist sozusagen sprachlos. Genauso ist es uns gegangen und wir konnten auch in diesem Moment nicht wirklich etwas ändern, denn ein paar Tage später kam unsere Tochter mit Lebensgefährten und Hund auf die Insel. Aus dem Hut konnten wir so schnell keine andere Unterkunft denn als Draufgabe stand ja auch noch Weihnachten vor der Türe. Also dann – Augen zu und durch!

In den nächsten Tagen wurde erst einmal die wunderschöne Einrichtung entrümpelt, aufgeräumt und zumindest eine halbwegs wohnliche Atmosphäre geschaffen. Ein Problem war die Heizung. Gas ist leider eine ganz schlechte Lösung, denn beim Heizen mit Gas wird nebenbei Wasserdampf frei und damit wanderte der Gasofen gleich wieder in die Ferreteria zurück und gegen einen Schwedenofen ausgetauscht. Wenigstens dieses Problem konnten wir abhaken. Die Küche war der einzige Raum, der frisch renoviert worden war und nachdem wir noch einen Kühlschrank gekauft hatten, konnten wir mit dem Wohnen beginnen.

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ hat Reinhard Mey so schön gesungen, aber wenn man ab zwölf Uhr Mittag in den Wolken sitzt, ist die Welt nicht mehr so rosig sondern kalt und feucht. Da wird das Wäsche trocknen zur Meisterleistung Gretchenfrage! Um die Geschichte abzukürzen – diese Unterkunft hatte ein kurzes Ablaufdatum.

Auf unserer Finca konnten wir ja noch nichts bauen, aber außer den Ruinen stand dort auch noch ein kleiner Rohbau. Das Bauwerk sah zwar auf den ersten – und auch auf den zweiten – Blick nicht sehr einladend aus, aber was sprach dagegen, dort zu wohnen? Im Innenraum stand im oberen Teil eine verrostete Weinpresse, dann kam eine Mauer mit zwei Abflussrohren und eine kurze Betonbrücke, die über zwei Tanks führte. Außerdem waren da drei Fensteröffnungen ohne Fenster und eine Türe aus morschen Brettern. Wasser und Strom waren vorhanden und den Rest erledigen wir im Handumdrehen, oder?

Fotos vom Urzustand kann ich euch leider nicht zeigen, aber wenn ihr ein bisschen Fantasie habt, könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen, wie es ausgesehen haben könnte. Auf dieser ehemaligen Weinfinca war tatsächlich jeder einzelne Raum ein kleines Schatzkästchen für sich. Nach der Entrümpelung sah aber alles nicht mehr so schlimm aus, oder?

Also dann – ran an die Arbeit. Gesagt, getan, es wäre doch gelacht, wenn wir nicht innerhalb von ein paar Wochen hier wohnen könnten. Es ging ja nicht um eine dauerhafte neue Wohnung fürs ganze Jahr, wir sind damals ja noch zwischen Österreich und Teneriffa hin un her geflogen. Das Puppenmuseum in Villach war fast das ganze Jahr über geöffnet und auf Teneriffa lief ja nur die Ausstellung in Icod de los Vinos. Der Mietvertrag für das Haus in La Vega wurde kurzerhand gekündigt, für den nächsten Aufenthalt in ein paar Monaten hatten wir andere Pläne. Bis zur Abreise hatten noch vier Wochen Zeit und bis dahin mussten die wenigen privaten Besitztümer, die wir auf der Insel hatten, ins neue zu Hause.

Nachdem wir in der kurzen Zeit keine Firma fanden, die uns die Decke in der ehemaligen Bodega verputzen wollte, griffen wir selber zu Säge und Hobel. Die Tanks wurden kurzerhand abgedeckt und endgültig in die Versenkung geschickt, die Wände gesäubert und verputzt und die Decke mit Holz verkleidet.

Ihr werdet es nicht glauben, aber wir haben es geschafft! Am Tag vor der Abreise konnte sich unser Appartement durchaus sehen lassen. Es war noch nicht perfekt, aber es war alles da, was wir wollten. Ein bequemes Bett, eine Küchenzeile, ein Schreibtisch und eine Kleiderstange, Dusche und WC. Strom und warmes Wasser, Telefon und sogar Internet haben auch funktioniert.

Aber jetzt wurden die Fensterläden einmal für drei Monate geschlossen und die Türe abgesperrt. Für uns ging es wieder nach Österreich, doch im Herbst konnten wir von diesem Stützpunkt aus gut durch starten. Dann sollten wir endlich weiter machen können, denn bis dann sollte die Baugenehmigung auf dem Tisch liegen.

Ganz so ist es nicht gekommen, aber immerhin konnten wir mit den Vorarbeiten und im darauf folgenden Frühjahr mit der Renovierung des alten Hauses der Finca beginnen. Die ausgebaute Bodega sollte aber länger unser zuhause bleiben, als wir uns in den kühnsten Träumen hätten vorstellen können! Aber das ist eine andere Geschichte …

Veröffentlicht unter Allgemein, ARTlandya, Fincaalltag, Geschichte, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , | 6 Kommentare

el Búnker de Santa Úrsula

Rund um die Insel gibt es an den Küsten Teneriffas noch immer viele Bunker oder besser gesagt kleine Festungsanlagen. Ich glaube, das erste Mal sind mir diese eigenartigen Steinhütten in der Umgebung von El Medano aufgefallen.

das ist einer der vielen Bunker in der Umgebung von El Medano

Mit dem Zweiten Weltkrieg habe ich sie nicht sofort verbunden, denn ich habe nie gehört, dass die Kanarischen Inseln darin verwickelt gewesen wären. Das stimmt allerdings nicht, ich habe mich in diesem Fall getäuscht. Jetzt kommt trotzdem keine Kriegsgeschichte, ich werde euch heute nicht viel über den Krieg erzählen, denn eigentlich wollte ich euch nur einige tolle Fotos von unserem letzten Ausflug nach Santa Úrsula zeigen…

Ich habe ja schon von la Giganta de Jardin Social en La Quinta erzählt, aber unser eigentliches Ziel war der Bunker von Santa Úrsula, el búnker de Santa Úrsula.

Auf diesem Foto seht ihr ihn. Weil man von diesem Punkt die Küste bis nach Puerto de la Cruz perfekt überwachen konnte, wurde er 1941 direkt an der Steilküste von La Quinta wie ein Adlerhorst an die Felsen geklebt. Von hier aus hat man wirklich einen wunderbaren Blick auf die Strände von Santa Ana, El Ancón, Los Patos und El Bollullo – der Atlantik und die Küste liegt einem direkt zu Füßen.

Mehr als Schiffe und Vögel beobachten hätte man von dieser Stelle allerdings auch nicht können, denn Platz für eine Kanone wäre in diesem Bauwerk nicht gewesen und mit einem Maschinengewehr auf Schiffe ballern schießen hätte bestimmt ebenfalls keinen Sinn gemacht. Immerhin befindet sich der Bunker ungefähr 170 Meter über dem Meeresspiegel, ein paar Meter davor geht es wirklich fast senkrecht in die Tiefe.

Über zwei schmale Treppenabgänge kommt man in das Innere des Bunkers. Man landet mehr oder weniger in einem Vorraum im Erdgeschoss der kleinen Anlage. Egal welche Treppe man wählt, in diesem Fall führen beide Wege nach Rom in einen Raum. Von hier führt ein schmaler Gang in den ersten Raum, der mit einem Sehschlitz versehen ist und knapp davor kann man über eine enge und sehr steile Treppe – ich würde sie eher Hühnerleiter nennen – in das oberere Stockwerk klettern. Diese beiden Räume waren die Maschinengewehrnester der Anlage.

Wie alle verlassenen Bauwerke auf der Insel sind sämtliche Wände natürlich mit Farbe verschönert worden und der eine oder andere Künstler hat seine Handschrift mit schwungvollen Pinselstrichen für die Ewigkeit Nachwelt hinterlassen. Naja, wahrscheinlich wurden wohl eher Spraydosen für diese Kunstwerke eingesetzt. Ich möchte nicht behaupten, dass hier vor einigen Tagen aufgeräumt worden ist, doch auch wenn einige Dosen, Papierfetzen und Flaschen auf dem Boden herum gelegen sind, irgenwie ist mir dieser Platz erstaunlich sauber erschienen.

Erkennt ihr den schmalen Schlitz zwischen unterer Mauer und dem Plafond? Das ist die Schießscharte oder vielleicht auch nur der Sehschlitz für die Beobachter. Sehr viel Bewegungsfreiheit hat man in diesen Räumen nicht, aber laut den historischen Aufzeichnungen wurde diese Anlage keineswegs für die Verteidigung sondern für die Beobachtung gebaut und ein paar starke Männer haben darin schon bequem Platz gehabt.

Wenn der angreifende Feind allerdings von oben aus der Luft gekommen wäre, hätten die Soldaten schlechte Karten gehabt, denn der Bunker ist eine perfekte Zielscheibe im Gelände. Ich finde, er liegt sogar perfekt auf dem Präsentierteller. Aber wie gesagt, im Weltkrieg ist diese Anlagen zum Glück nie für militärische Zwecke genutzt worden. Was in Francos Zeiten dort geschehen ist, steht wieder auf einem anderen Blatt Papier.

Der heute sehr dekorative Bunker von La Quinta ist nicht der einzige im „Norden“ von Teneriffa und schon gar nicht auf der Insel, doch die meisten dieser Bauwerke stehen, oder besser gesagt standen, zwischen Santa Cruz und San Andrés und an der Küste von Candelaria bis los Cristianos. Zu finden sind sie jedoch auf allen Kanarischen Inseln, denn auf dem gesamten Archipel wurden insgesamt sage und schreibe 426 Artillerieanlagen in dieser oder ähnlicher Bauweise errichtet, wobei 147 davon auf Teneriffa gebaut wurden. Ausgestattet wurden sie meistens mit Maschinengewehren oder Kanonen.

Im Original lautet der Name dieser Anlage la Batería de la Quinta Roja, aber heute ist eben nur noch der Teil der Kommandantur, el bunkér de mando, übrig geblieben. Ursprünglich bestand die Festungsanlage aus mehreren Teile. Es gab zwei Linien, die für die Verteidigung und Sicherung der Eingänge der Unterkünfte zuständig und durch einen Zick-Zack-Graben verbunden waren. Die Steilküste auf der einen Seite galt als uneinnehmbar, eine Landung des Feindes war damit vollkommen unmöglich. Der vierte Teil war von hohen Zäunen umgeben. Dort weideten Friesenpferde auf einer großen Fläche, die den Zugang blockierten. Zusätzlich gab es natürlich auch noch Wachposten mit Maschinengewehren und zwei Kanonen, die für den Schutz in alle Angriffsrichtungen sorgen sollten. Zuständig war das elfte Regiment, el Regimiento Mixto de Artillería -7

Aber wofür und warum wurden diese Bunker überhaupt gebaut?

Nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges war Spanien wirtschaftlich ruiniert und Franco erklärte 1939 das Land für neutral. Seine Freundschaft mit Italien und Deutschland war für die Alliierten jedoch äußerst undurchsichtig und so gab es zwischen 1940 und 1943 mehrere Pläne der Briten für die Eroberung des Archipels.

Die spanische Armee bereitete sich daher auf die Verteidigung der Inseln vor, doch das war leichter gesagt als getan. Es erwies sich als fast unmöglich, denn sowohl die personellen als auch die materiellen Ressourcen waren so gut wie nicht vorhanden. Statt Luftstreitkräfte, Infanterietruppen und Artilleriegeschützen wurden an den Stränden Bunker errichtet

Ziel war es, eine mögliche Landung der Feinde an den Stränden der Inseln zu verhindern. Also wurden die knappen Ressourcen, die zur Verfügung standen, genutzt und Maschinengewehrnester und Kanonen installiert. Laut Fachleuten, hätten diese Einrichtungen allerdings einen britischen Angriff weder verhindern noch abwehren können, denn trotz der Bemühungen des spanischen Militärs war die Wehrlosigkeit der Kanarischen Inseln sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten klar.

Tatsächlich hatte Großbritannien einen Invasionsplan mit dem Namen „Operation Puma“ ausgearbeitet, der angeblich in Betrieb genommen werden sollte, falls Spanien – oder vermutlich Deutschland – in Gibraltar einmarschieren sollte. Deutschland wiederum hatte Pläne, Gibraltar mit dem Codenamen „Operation Felix“ zu erobern, die 1941 wegen mangelnder Unterstützung durch Spanien eingestellt wurden. Doch als die Amerikaner auch noch in den Krieg eingriffen, verloren die britischen Pläne für Nordafrika endgültig ihre Bedeutung.

Und so kam es, dass die Bunker nie wirklich gebraucht wurden. Heute sind es interessante Orte einer längst vergangenen Zeit. Wenn nun Spanier, Engländer und Deutsche gemeinsam und friedlich am Strand liegen denkt niemand mehr an die dunkle Geschichte dieser Steinhütten…

Ohne Kriegsgeschichte bin ich – oder seid ihr – doch nicht davon gekommen, aber es ist ja nur eine kurze Erklärung geworden. Wer sich wirklich für die Geschichte des Krieges interessiert, findet mit Sicherheit viele Quellen im weltweiten Netz. Ich zeige euch hier noch ein paar Fotos von meiner Entdeckungstour in die Geschichte – klickt euch einfach durch die Galerie…

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, besondere Tipps, Fincaalltag, Geschichte, Häuser und Kirchen, Orte und Städte, Strand und Küsten, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , , , | 5 Kommentare

der weiße Natternkopf


Auf den Kanarischen Inseln gibt es insgesamt fünfundzwanzig endemische Arten von Natternköpfen, unter anderem auch die rote Tajinaste, la Tajinaste rojo, die auf Teneriffa im Nationalpark ihre rosaroten Blütenkerzen in den Himmel streckt und tausende Besucher anlockt.

Wenn einmal im Jahr die roten Natternköpfe in den Cañadas  blühen und ist es auch für uns ein must be zu dieser Zeit in den Nationalpark zu fahren. Die große Frage ist nur, wann stehen sie wirklich in voller Blüte? In diesem Jahr ist es noch nicht ganz so weit. Es blühen zwar schon einige Pflanzen, aber die meisten werden wohl erst in zwei, wenn nicht drei Wochen in voller Schönheit aufgeblüht sein.

Wir haben gestern bei el Portillo diese Exemplare gesehen und sogar in dieser Höhe blitzen nur hie und da ein paar dieser wunderschönen Bütenkerzen in der kargen Landschaft auf. Wir müssen uns also noch ein wenig gedulden.

Ganz anders verhalten sich die weißen Verwandten der endemischen Blume der
Cañadas. Diese Pflanzen kann man ganz normal in einer Gärtnerei kaufen und sich so ebenfalls eine ganz besondere Bienenweide in den Garten pflanzen. Teilweise sind las Tajinastes blancos sogar schon verblüht, aber ich zeige euch hier noch ein paar Fotos aus den vergangenen Jahren.

Sobald die weißen Natternköpfe zu blühen beginnen, lauern die Bienen schon in den Startlöchern. Man muss gar nicht genau hinsehen, man hört das Gesummse der fleißigen Bienen schon aus einiger Entfernung.

Der Name der Blume leitet sich von den langen, gespaltenen Blütenteilen ab. Die kleinen Teile, die aus den Blütenkelchen heraushängen, erinnern anscheinend an die Zunge einer Schlange. Botanisch nennt man die Pflanze Echium, abgeleitet vom griechischen Wort échis, also Schlange oder Natter. In Spanien wird sie Tajinaste genannt.

Bei uns im Garten wachsen und vermehren sich die weißen Natternköpfe schon seit einigen Jahren. Vor langer Zeit haben wir einmal drei Pflanzen in einer Gärtnerei gekauft und seitdem werden es immer mehr.

Früher glaubte man auch, dass der Natternkopf gegen Schlangenbisse helfen würde. Inzwischen weiß man aber, dass er das nicht tut. Man soll damit aber Husten und Hautausschläge behandeln können. Mir ist das eigentlich ziemlich egal, auch wenn die Tajinaste keine Heilpflanze sein sollte, die Blüten sind einfach wunderschön!

Wenn ihr mehr über den rote Natternkopf, la tajinaste rojo, lesen wollt, müsst ihr in einem älteren Blogbeitrag nachlesen. Dort findet ihr auch Unmengen von tollen Fotos, gestern habe ich solche schönen Exemplare leider noch nicht gefunden … 

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Blumen und Pflanzen, Fincaalltag, Landschaft, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

La Giganta in Santa Úrsula

Vor einigen Tagen haben wir wieder einmal die Schönheit in Santa Úrsula besucht. Vielleicht kennt ihr sie ja schon von Fotos? Es handelt sich dabei um La Giganta de Jardin Social en La Quinta. Der Park an und für sich ist nichts besonderes, aber wir wollten einen Spaziergang machen und die Aussicht auf die Küste ist in Santa Úrsula schon besonders schön. Aber dazu später, erst einmal zurück zu unserer blumigen Dame.

Auf Teneriffa werden ja gerne große Veranstaltungen organisiert und fast in jedem Ort findet irgendwann im Jahr ein Festival Cultural statt. Dazu gehören meisten viele Veranstaltungen für kleine und große Kinder. Dicke und farbenprächtige Festprogramme werden gedruckt und verteilt – oder auch nicht, Pressekonferenzen abgehalten, die Wichtigkeit der Veranstaltung wird wortreich erklärt, es wird gelobt und geredet…

Unzählige Theaterstücke werden inszeniert, Ausstellungen organisiert, Lesungen gehalten und Geschichten erzählt. Konzerte dürfen natürlich auch nicht fehlen und für Speis und Trank wird ebenfalls gesorgt. In Santa Úrsula wurde 2012 so ein Fest mit dem Namen Su Guiño a la priavera das erste Mal aus der Taufe gehoben – und leider einige Jahre später wieder zu Grabe getragen. Dafür wurde der Park neben dem öffentlichen Schwimmbad angelegt, el Jardin Social La Quinta, und ein Jahr später erblickte la Giganta das Licht der Welt.

Es entstand eine Skulptur, die sich in die Landschaft schmiegt, eine vier Meter hohe Frauengestalt aus Steinen, Sand und Zement die mit vielen verschiedenen Pflanzen bekleidet wurde. Was oder wen sie darstellt? Vielleicht den Frühling oder die Natur? Wartet sie auf jemanden oder lässt sie einfach gelangweilt die Zeit an sich vorüber ziehen? Für die Besucher des Parks oder gar für den Teide interessiert sie sich auf alle Fälle nicht, denn sie schaut eindeutig in eine andere Richtung.

„Si te das cuenta, le falta un pecho, en su lugar está lleno de flores, es un homenaje a las mujeres con cáncer de mama.“ hat mir eine Bekannte geschrieben. Ob es so beabsichtigt war oder Zufall weiß ich leider nicht, aber es könnte auch eine Hommage an Frauen mit Brustkrebs sein, denn wie ihr seht, blühen statt der fehlenden Brust bunte Blumen.

Damit die grünen Pflanzen, aber vor allem die bunten Blumen, auf diesem kargen Untergrund überhaupt wachsen können, wurden die Körperteile mit Moos und einem feinen Gitter umwickelt und wenn ihr – so wie ich – unter den bepflanzten Armen durchgeht, tropfen euch von oben ziemlich kalte Wassertropfen auf den Kopf.

Ursprünglich sollte die Schöne im Park zu so etwas wie einem Wahrzeichen von Santa Úrsula werden aber nachdem das Festival im Jahr 2014 zum letzten Mal statt fand, ist der Park und auch die Gegend rund herum wohl nicht mehr so wichtig gewesen. Die meisten Menschen, die sich hier her verirren sind mit Sicherheit Besucher des Schwimmbads und keine Parkbesucher. Aber egal wie und warum – für mich ist die Riesin ein schönes Fotomodell.

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Ausflugsziele, Fincaalltag, Kunst und Kultur, Orte und Städte, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare

Dia de la Cruz

La Primavera, der Frühling ist in Santa Cruz de Tenerife eine ganz besondere Jahreszeit. Bei den Feiern im Mai, las Fiestas de Mayo, spielen Blumen und Traditionen die Hauptrolle und verwandeln das Bild der Stadt.

Santa Cruz feiert am Freitag nicht nur das Kreuz sondern auch seine Gründung am 3.Mai 1494 und dafür werden kunstvolle Blumenkreuze aufgestellt und im Parque García Sanabria stellen Gärtner und Kunsthandwerker ihre Werke aus Blumen aus.

Los Realejos, die Stadt zwischen La Orotava und Puerto de la Cruz hat kein cruz im Namen – feiert aber trotzdem den Tag des Kreuzes. Der Überlieferung nach, sollte hier die erste christliche Kirche zu Ehren des Apostels Santiago gebaut werden und so wurde an dieser Stelle ein Kreuz errichtet. 

Kurz nach der Eroberung der Insel durch die Spanier inszenierte der damalige Bischof Muros, Obispo Muros, ein Fest bei dem ein Kreuz aufgestellt, getanzt und auch gefeiert wurde.

Heutzutage werden an diesem Tag über dreihundert Kreuze mit Unmengen von Blumen geschmückt, die Tänze werden noch immer getanzt, nur die Lagerfeuer haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Die Zeit verändert eben auch Traditionen. Las flores y fuegos artificiales, Blumen und Feuerwerk – Andacht und kurzlebige Kunst ist das Motto für den 3. Mai und für den Start der ersten Rakete zählt die Uhr vor der Bibliothek von Los Realejos das ganze Jahr die Minuten. Der Countdown läuft…

das Foto ist natürlich noch nicht aktuell :o)

Der Tag des Kreuzes, el Dia de Cruz. Ich habe mir eigentlich keine Gedanken darüber gemacht, warum dieser Tag überhaupt gefeiert wird. Andere Länder andere Sitten, andere Feste – dachte ich mir, aber die Dekoration vor dem Casino von Cruz Santa hat mich ein wenig irritiert – und neugierig gemacht. Was sollte diese Anordnung von Holzkreuzen, einem Brunnen und allerhand anderen Utensilien wohl bedeuten?

Ihr kennt mich – ich habe mich schlau gemacht und jetzt kann ich euch auch erklären, was es mit dem Tag des Kreuzes auf sich hat! Es handelt sich dabei zwar nicht um historisch belegte Tatsachen, aber davon erzählt die Bibel ja auch nicht. Immerhin geht es um einen Gegenstand, der in dieser Geschichte zum offiziellen Zeichen des Glaubens geworden ist! Es gibt darüber drei unterschiedliche Versionen die noch dazu in verschiedenen Sprachen überliefert worden sind. Ich erzähle euch nur eine davon, einverstanden? 

Die erste Legende erzählt von der römischen Kaiserin Helena und einer Wallfahrt nach Jerusalem. In einer zweiten Legende findet nicht Helena, sondern der Jude Judas das Kreuz. Nach seiner Entdeckung des Kreuzes wechselt er zum Christentum, gibt sich den christlichen Beinamen Cyriacus und wird später Bischof von Jerusalem. Im Mittelalter war diese Version sehr beliebt, denn in der Erzählung findet man einen lauten Unterton gegen die Juden. Und dann gibt es auch noch eine dritte Legende in der das Geschehen gleich einmal vom vierten ins erst Jahrhundert vorverlegt wurde.  Und diese Geschichte werde ich euch jetzt erzählen, denn sie passt für mich am besten ins Land der Märchen.

Die Hauptdarstellerin ist in diesem Fall eine Frau mit dem komischen Namen Protonike. Sie wurde kurz und schmerzlos dem römischen Kaiser Claudius als Ehefrau angedichtet. Der Name Protonike bedeutet „erster Sieg“ und sollte wohl ein Hinweis auf den Sieg des Christentums über die Heiden und besonders über die Juden hinweisen. Die junge Protonike reiste also in der Erzählung mit ihren beiden Söhnen und einer jungfräulichen Tochter nach Jerusalem. Dort will sie den Berg Golgota und das Kreuz Jesu zu sehen. Das war aber nicht so einfach, denn das Kirchenoberhaupt von  Jerusalem erklärte ihr, dass der Berg Golgota den Juden gehöre. Weil die Juden aber die Christen unterdrückten wäre ein Zugang nicht möglich. Für die Ehefrau des Kaisers war das natürlich kein Problem, sie befahl den Oberen der Juden kurzerhand den Golgota an die Christen zu übergeben. Dem Befehl einer Frau wurde natürlich sofort Folge geleistet. Als die Übergabe erfolgt war, ging Protonike dorthin und fand, wie könnte es auch anders sein, drei Kreuze im Grab von Jesus. Als sie mit ihren Kindern die Grabstätte betrat, fiel ihre jungfräuliche Tochter auf der Stelle tot um. Und jetzt kommt der älteste Sohn ins Spiel, denn der stellte eigentlich ganz logisch fest, dass „es Christus nicht zulassen würde, dass jemand, der an ihn glaubt, seinetwegen stirbt.“ Jetzt war guter Rat teuer, aber Protonike wußte sofort, was zu tun sei. Sie legte eines der Kreuze, auf den toten Körper ihrer Tochter und betete. Nichts geschah. Als das ohne Wirkung blieb, versuchte sie dasselbe erfolglos mit dem zweiten Kreuz. Erst als sie das dritte Kreuz über das tote Mädchen hielt, kehrte es augenblicklich ins Leben zurück. Damit war das Kreuz Christi identifiziert.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt, Protonike ließ eine Kirche über dem Ort erbauen und kehrte nach Rom zurück. Dort erzählte sie Claudius von ihren Abenteuern, worauf der Kaiser alle Juden aufforderte, Italien zu verlassen. Diese Legende ist übrigens nur in syrischer und später in armenischer Sprache überliefert, von den beiden anderen sind Fassungen auf Latein, Griechisch und Aramäisch bekannt.

Die Legende der Kreuzauffindung ist also in drei unterschiedlichen Versionen überliefert. Die ursprüngliche Version ist die Helena-Legende, deren Existenz seit den 390er Jahren belegt ist. Neben dem Heiligen Kreuz sollen auch die Nägel und das Heilige Grab wiedergefunden worden sein. Also nehmen wir einmal an, Helena war die Finderin des Kreuzes. Helena von Konstantinopel, war die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, von dem sie zur Augusta ernannt wurde. In der katholischen und der orthodoxen Kirche wird sie als Heilige verehrt. Helena veranlasste Grabungen, bei denen unter anderem Reste des Kreuzes Christi sowie der Ort des Heiligen Grabes gefunden wurden.

Sie ließ die Reste des Kreuzes Christi in drei Teile teilen. Ein Drittel des Kreuzes blieb in Jerusalem, ein Drittel nahm die Kaisermutter mit nach Rom, und ein Drittel sandte sie ihrem Sohn nach Konstantinopel. Ob die heute bekannten Reliquien tatsächlich zum Kreuz Jesu gehörten oder auch nur echt in dem Sinne sind, dass sie überhaupt aus der Zeit um 33 nach Christus stammen, ist jedoch umstritten. Über dem Grab und der Fundstelle ließen Helena und ihr Sohn Konstantin eine Basilika errichten, die sogenannte Grabeskirche. Auch die Geburtskirche in Bethlehem und die später zerstörte Basilika auf dem Ölberg gehen auf Helena zurück. Zudem ist sie auch Stifterin vieler anderer Kirchenbauten in und um Jerusalem sowie an anderen Orten. Helena soll übrigens auch Reliquien der Heiligen Drei Könige gefunden haben. Lange waren die Reliquien im Familienbesitz und Jahre später wurden sie Bischof Eustorgius geschenkt. Sie kamen schließlich nach Mailand, bis sie von Kaiser Friedrich Barbarossa in den Kölner Dom verbracht wurden. Und wenn sie nicht gestorben sind dort werden sie heute noch verwahrt.

Jetzt ist die Geschichte doch wieder länger geworden als ich es eigentlich wollte, aber wenn ich einmal zu stöbern beginne, dann kann ich meistens nicht mehr aufhören. Egal. Auf alle Fälle wird der Tag des Kreuzes deshalb gefeiert, weil seit diesem Tag – wenigstens symbolisch – das Holzkreuz zum offiziellen Zeichen der Kirche geworden ist.  Und wie hat der Papst treffend festgestellt? „Eines ist sicher, Gott war nicht katholisch!“

P.S.: Einige Historiker sehen zwischen dem Cruz de Mayo eine Verbindung zum Ursprung des Maibaumes. Der Kult um den Maibaum war in den europäischen Religionen hauptsächlich bei den Kelten, Griechen, Römern und Slawen verbreitet. Im mittelalterlichen Frankreich stellten die Bauern am 1. Mai geschmückte Bäume vor den Herrenhäusern und Kirchen auf. In Österreich werden heute noch viele Maibäume geschmückt und starke Burschen klettern um die Wette bis an die Spitze. Eigentlich ist es ja mehr ein Klammern und Kraxeln und für den Sieg brauchen die Burschen nicht nur Können und Glück – sondern auch Pech!

Wer noch mehr über das Kreuz mit dem Kreuz oder den Feuerzauber in Los Realejos erfahren will …

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, besondere Tipps, Fiestas und Veranstaltungen, Fincaalltag, Los Realejos, Sehenswert, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

der Tanz in den Mai oder Walpurgisnacht?

Hat von euch jemand daran gedacht? Heute ist die Walpurgisnacht, eine Nacht voller Orakel und einem ganz besonderen Zauber. Mir fällt dazu sofort ein kleines Büchlein ein, das wahrscheinlich von euch auch alle kennen.  Das Buch „Die kleine Hexe“ war zumindest in meiner Jugend eine Pflichtlektüre.  Es ist die Nacht, in der angeblich die Hexen auf dem Blocksberg ein großes Fest abhalten. In dieser Nacht wurden Freudenfeuer entzündet, um den Frühling zu begrüßen tanzte man in den Mai.

Besonders wild und gefährlich geht es in diesen Stunden in der näheren Umgebung des Harzes zu, wo nach einem alten Volksglauben Hexen auf ihren Besen durch die Lüfte reiten. Sie wollen auf dem Brocken an den Hexenfeiern zur Walpurgisnacht teilzunehmen. Aber unsere kleine Hexe hatte ein großes Problem. Diese arme, jungfräuliche Hexe musste sich ja wirklich einiges einfallen lassen, um an dieser Zeremonie teilnehmen zu können. Mit ihren 127 Jahren war sie einfach viel zu jung um auf dem Blocksberg mitzutanzen!


Karoline Herfurth als die kleine Hexe und Suzanne von Borsody als die böse Hexe Rumpumpel in einer Szene des Films „Die Kleine Hexe“.

Diese Dinge werden sehr oft als Märchen abgetan, dabei haben sie durchaus einen tieferen Hintergrund. In der Walpurgisnacht muss viel Lärm  gemacht werden, Lärm oder fröhliche Musik. Damit kann man ganz erfolgreich Hexen und Dämonen vertreiben und die Natur hat freie Bahn – der Sommer kann beginnen! Mit viel Lachen, lauter Musik und Tanz wurden schon in alten Zeiten die Geister der Finsternis endgültig vertrieben.

Die kleine Hexe im Kinofilm

Mit Beginn der Christianisierung, nach dem Sieg Karls des Großen über die Sachsen, wurde diese Tradition verboten. Wer das alte Fest weiterhin in der alten Form feierte, wurde verdächtigt gemeinsames Spiel mit dem Teufel zu treiben und wurde als verdächtigt, eine böse Hexe zu sein. Die Kirche verdammte jede und jeden und verbreitete das gruselige Gerücht, dass in dieser Nacht die Hexen ausflogen, um sich auf dem Blocksberg zu versammeln und dort auf die Ankunft des Teufels zu warten.Das war der Ursprung des Hexenglaubens und ein triftiger Grund um unliebsame Mitbewohner als Hexen verbrennen zu können. Das Vermögen der diversen Hexen konnte die Kirche ganz gut für ihre eigene Kasse brauchen. Da war es ziemlich nebensächlich, ob es sich dabei um gewinnbringende Postlinien oder Waffenproduktion handelte.

Der Ursprung der Walpurgisnacht geht also nicht auf die alten Maifeste und den Volksglauben zurück, sondern wurde in den Kirchenbüchern erfunden. Auf diese Art wurde der Bevölkerung weiß gemacht, dass Frauen mit medizinischen Kenntnissen einen Vertrag mit dem Teufel geschlossen hätten. Woher hätten die dummen Frauen denn sonst ihr Wissen beziehen können? Lesen und schreiben zu lernen wurde den Mädchen ja vorsichtshalber verboten, sie könnten ja Unheil über die Menschheit bringen. Es kann also nur die Unterwelt ihre Finger im Spiel haben, oder?

Es war die Heilige Katholische Kirche, die im Schatten der Inquisition immer schaurigere Geschichten erzählte. Sie erzählten über das unglaubliche Unwesen, das die von ihnen als Hexen bezeichnete Frauen angeblich trieben. Aber wie auch bei anderen heidnischen Bräuchen und Festen, hat die Kirche dafür gesorgt, dass diese vertrauten Angewohnheiten des einfachen Volkes in einem kirchlichen Fest aufgefangen wurden. Der erste Mai wurde kurzerhand der der Heiligen Walpurga, der Schutzpatronin der Bäuerinnen und Mägden geweiht. Aus diesem einfachen Grund entstand der heute so märchenhaft und geheimnisvoll klingende Name Walpurgisnacht. Selbstverständlich wurde der Heiligen Walpurga von der Kirche nachgesagt, dass sie vor den Hexen schützen sollte. Wie sollte es auch anders sein? ¿No podía haber sido de otra manera?

KünstlerPUPPEN von Annette Himstedt

Die Walpurgisnacht auf dem Brocken wird heute noch gefeiert. Doch was kaum jemand weiß – dieses Fest hat eigentlich der gute Goethe mit seinem Faust „verbrochen“. In der Nacht vom 30. April lässt er Faust und Mephisto auf den Blocksberg steigen, denn in diesen Stunden sollte das Schicksal entscheiden…

Nein, keine Angst, ich erzähle euch nicht auch noch die lange Geschichte über Gretchen und Faust.  Jetzt ist Schluss für heute – also tanzt alle fröhlich in den Mai oder träumt etwas Schönes!

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Fincaalltag, Tagebuch, Yannes Welt, Zitate | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare