Corpus Christi 2021 in La Orotava

Alle Jahre wieder, genau eine Woche nach Fronleichnam, Dia de Corpus Christi, verwandeln sich die Straßen und Gassen von La Orotava in eine bunte Welt mit Teppichen aus Blumen, färbigen Sand, die schließlich alle auf dem mit einem riesigen Sandbild geschmückten Rathausplatz zusammenlaufen. Dort wird schon Wochen vor dem Fest an der Hauptattraktion gearbeitet. Der wohl berühmteste Teppich des Festes ist der Sandteppich. Jahr für Jahr malen die Alfombristas ein über 800 Quadratmeter großes Gemälde mit verschiedenen biblischen Episoden aus Sand auf den Boden des Platzes vor dem Rathaus der Stadt. Kurz nach Ostern geht es los. Zwanzig Alfombristas, wie die Sandmaler genannt werden, beginnen mit ihrer Arbeit. Im vergangen Jahr ist das Fest aus bekannten Gründen ja vollkommen ins Wasser gefallen und auch in diesem Jahr war alles anders…

Die Balkone und Fassaden der Häuser in der Innenstadt waren wunderschön geschmückt, doch die bunten Hauptdarsteller in den Gassen haben gefehlt – die Blumenteppiche! So leer sind die Strassen der Stadt an diesem Feiertag wohl schon seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Dort, wo sich sonst tagsüber Menschenmengen neben den Kunstwerken über das Kopfsteinpflaster schieben und hunderte Kinder und Erwachsenen noch an ihren Blumenteppichen arbeiten, spazierte eine überschaubare Menschenmenge zur Kirche und weiter zum Platz vor dem Rathaus.

Neben dem Teppich aus Sand, der vor dem Rathaus liegt, werden normalerweise noch dreißig weitere Teppiche hergestellt. Wer an diesem Tag in La Orotava ist, erlebt einen richtigen Blütentraum in den Strassen und Gassen der Altstadt und ein feiner Duft von Heidekraut liegt in der Luft. Leider haben die Prunkstücke aus Blumenblättern und Heidekraut nur ein sehr kurzes Leben, denn sie schmücken die Strassen nur bis zum Abend, bis die Prozession darüber geht. Aber heuer ist eben alles ein bisschen anders.

Auch vor dem Rathaus war die Menge der Bewunderer ziemlich überschaubar und oft hatte ich das Gefühl, dass mehr Sicherheitsmänner als Besucher in der Gegend herumstanden. Außerdem wurden überall fleißig Kameras aufgebaut und Kabel verlegt, denn am Abend wurde die Messe in der Kirche und vielleicht auch eine kleine Prozession für alle, die sonst auf der Strasse feiern, in die heimischen Wohnzimmer übertragen.

Seit vielen Jahren habe ich gestern den Sandteppich von La Orotava das erste Mal vollkommen fertig und frei liegend gesehen – und es war ein ganz besonderer Teppich. Normalerweise kann man den kunstvoll gestalteten Teppich aus dem Fenster im ersten Stock des Rathauses fotografieren, aber gestern sind die Türen leider verschlossen geblieben, deshalb zeige ich euch hier ein offizielles Foto der Stadt. So sieht das Gesamtkunstwerk von oben gesehen aus.

Seht ihr das große C links im Bild? Dahinter versteckt sich eine Erinnerung an einen der ersten Teppiche auf diesem Platz. Im Jahr 1919 gestaltete Don Felipe Machado y Benitez de Lugo, den ersten Teppich für Corpus Christi auf dem Platz des Rathauses von La Orotava. Damals bestand der Teppich noch aus Blumen und nicht aus Sand. Er legte das Wort Corpus mit Blumen aus, aber da das C eine Größe von 20 Metern hatte, erkannten die meisten Betrachter den Buchstaben nicht und viele Leute glaubten, dass Don Felipe auf Grund seines Alters schon etwas vergesslich geworden wäre und statt Corpus nur orpus geschrieben hätte. Diese Anekdote wird heute noch gerne erzählt, sie erhält diesen Teppich wohl für immer lebendig und das Kunstwerk von damals hat in verkleinerter Darstellung wieder auf den Platz zurück gefunden.

Das Motiv des Teppichs ist immer eine Verbindung aus Religion und dem Bezug zu aktuellen Problemen und wird niemals wiederholt. Jahr für Jahr wird der Teppich also neu entworfen. Meistens besteht er aus drei Bildern, die mit Blumen und geometrischen Mustern umrahmt werden. Der Teppich 2021 nimmt zwar den ganzen Platz ein, die drei klassischen Teile sind allerdings auf den Mittelteil zusammengeschrumpft worden und sind eine Danksagung an alle Freiwilligen Helfer und das Gesundheitspersonal des vergangenen Jahres. Der religiöse Teil würdigt die Heilige Familie und das 150jährige Jubiläum der Schutzherrschaft von San José.

Da es nicht möglich war, die Gassen mit Blumenteppichen zu schmücken, wurde in diesem besonderen Jahr der linke und recht Rand des Bildes mit zwei Bordüren aus Blütenblättern abgeschlossen. Wenn schon nicht in den Gassen, dann wenigstens hier!

Der Sandteppich vor dem Rathaus ist ein Thema, die vielen Blumenteppiche sind ein anderes Thema. Beide zusammen ergeben das Gesamtkunstwerk Corpus Christi en la Villa de La Orotava. Diese Art der Blumendekoration wurde wahrscheinlich Anfang des 17. Jahrhunderts als Blumenfest in Rom erfunden, aber in den Gassen und Strassen von La Orotava wird es Jahr für Jahr wiederbelebt. Am 20. Mai 1956 konnte man in der Zeitung  Canarias folgendes lesen: „Wenn es einen Ort auf Teneriffa gibt, der sich durch seine besondere Frömmigkeit hervortut, dann ist das La Orotatva. Hier gibt es religiöse Riten, die man als außerordentlich bewundernswert bezeichnen kann – die Blütenteppiche zu Corpus Christi“. Aus einer kleinen, blumigen Geste von Leonor del Castillo y Betancourt, die 1847 den ersten Blütenteppich zur Corpus Christi Prozession legte, ist eine Tradition geworden

Vor der Heimfahrt haben wir noch einen Abstecher in die festlich geschmückt Kirche, la Iglesia de la Concepción gemacht. Auch hier haben sich die Verantwortlichen der Stadt einen Rundgang für alle Besucher ausgedacht und Sicherheitsmänner haben dafür gesorgt, dass das Eisenbahnsystem auch verlässlich von allen eingehalten wurde. Die Männer, die ihr hoch oben im Turm sehen könnt, waren für das Läuten der Glocken zuständig. Welche Bedeutung das hat, weiß ich leider nicht – aber es war laut, sehr laut!

Im Inneren der Kirche empfing uns angenehme Stille und kühle Luft. Vor dem wunderschön mit Blumen geschmückten Altar wurde sowohl ein kleiner Blumen- als auch ein Sandteppich gelegt. Es war alles bereit für die abendliche Messe, alles wie immer könnte man glauben – nur eben ein bisschen anders…

Die ganze Geschichte über die Blumenteppiche und den ganz besonderen Teppich aus Lavasand vor dem Rathaus in La Orotova könnt ihr in meinen Beiträgen aus den vergangenen Jahren nachlesen – Corpus Christi, nach dem Fest… hasta pronto….

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Fiestas und Veranstaltungen, Fincaalltag, Kunst und Kultur, La Orotava, Orte und Städte, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

Eine Palme wird erwachsen

Als wir vor vielen Jahren unsere Finca in Santa Bárbara gekauft haben, stand eine einzige, große Palme auf dem gesamten Gelände in der Landschaft. Einsam und verlassen vor einem mehr als baufälligen Haus, wie ein verantwortungsbewusster Kapitän auf der Brücke seines untergehenden Schiffes. Ein Fels in der Brandung.

ein paar Jahre später…

Das ging gar nicht und deshalb wollten wir diesen Zustand so schnell wie möglich ändern. Palmen, Sonne und Meer gehören zu dieser Insel wie die Sterne zum Mond und dem Nachthimmel, oder?

Bevor wir uns also an die Renovierung, oder besser gesagt an die Wiederbelebung der Finca machten, wurde gepflanzt. Die Gärtnereien rund um Icod de los Vinos hatten ihre Freude mit uns, das könnt ihr mir glauben. Aber die Botanik ist eine andere Geschichte, heute möchte ich euch unser Schmuckstück und den Star des Tages vorstellen. Wir haben das jetzige Prachtstück nicht einmal in einer Gärtnerei erstanden sondern es, wahrscheinlich von einem Vogel, geschenkt bekommen. Das Samenkorn muss im wahrsten Sinne des Wortes vom Himmel gefallen sein, denn auf der Finca stand keine Kanarische Palme.

Bei unseren Rodungsarbeiten ist uns dann eines Tages ein zartes Palmpflänzchen zwischen die Finger gekommen. Wir haben sie zuerst einmal in einen Blumentopf gerettet und nach einem, oder zwei Jahren in die freie Wildbahn entlassen. Wie durch ein Wunder hat sie sämtliche Bauarbeiten und Bauarbeiter gut überstanden und überlebt. Wenn ihr auf dem Foto genau hinseht, könnt ihr sie in Jugendjahren hinter den blühenden Callas entdecken.

Die kanarische Palme, botanisch Phoenix canariensis, ist nur eine von über zweitausend Arten Palmenarten die es auf der ganzen Welt gibt und sie ist auch die einzige endemische Art auf allen Kanarischen Inseln. Auf Teneriffa, gibt es viele endemische Pflanzen, aber nicht alles was hier wächst und blüht stammt auch wirklich von hier. Die Phoenixpalmen waren ursprünglich in Vorderasien zu Hause und von dort aus haben sie sich nach Indien und Nordafrika auf die Reise gemacht ausgebreitet. Heute wachsen sie hauptsächlich in den tropischen und subtropischen Regionen Afrikas, auf einigen Inseln im Mittelmeer, auf den Kanarischen Inseln und den Azoren.

Palmen sind, wie wir alle wissen, keine Bäume. Der Stamm ist relativ dünn und erscheint nur durch die Überbleibsel der abgeschnittenen Palmwedel dick und wuchtig. Er ist auch nicht aus Holz, auch wenn es so aussieht und die Wedel eher verholzen als verrotten. Der Schein trügt wieder einmal, genau wie bei den Früchten der Palme.

R

Sie sehen aus wie Datteln, sind aber keine. Zumindest keine Delikatessen. Mir haben zwar zwei alte Canarios erzählt, dass sie die Früchte als Kinder gegessen haben. Typisch, Kinder probieren ja alles aus. Meine Freundin und ich haben auch den Saft aus den Stängeln vom Sauerampfer probiert, ob er mir heute noch schmecken würde, bezweifle ich stark. Also, auch wenn die Datteln der Kanarischen Palme essbar sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch gut schmecken. Wahrscheinlich trifft hier eher nicht giftig als essbar zu.

Auf den Kanaren wurden in vergangenen Zeiten mit den Palmblättern nicht nur Hausdächer gedeckt und Hütten gebaut, sie wurden auch an Tiere verfüttert. Heutzutage werden aus den Palmenwedeln Besen, Matten, Decken und Körbe hergestellt. Mit viel Glück sieht man, vor allem in Santa Cruz, noch ab und zu einen Straßenkehrer, der mit den lang geschwungenen Blättern die Straßenränder fegt. Ein Überbleibsel aus alten Zeiten, dass im Grunde genommen fast überall durch lautstarke Laubbläser ersetzt worden ist.

In freier Natur und an einem guten Standort werden die Palmen bis zu fünfzehn Meter hoch – habe ich gelesen. Wie hoch unser Exemplar jetzt ist kann ich nur schätzen. Vielleicht sechs Meter? Auf alle Fälle müssen wir uns für die Zukunft eine längere Leiter kaufen, denn bei diesem Schnitt der Palmwedel hat Georg die letzte Sprosse der Leiter erreicht. Ende der Fahnenstange!

übrigens – anders wie man vermuten könnte hat nicht La Palma den größten Palmenbestand der Kanaren, sondern La Gomera. Auf einer der kleinsten Inseln sollen mehr Palmen als auf allen anderen Inseln zusammen gezählt wachsen. Obwohl die Palmen offiziell nie gezählt wurden, wird der Bestand der Phoenix Canariensis auf weit über 100.000 Exemplare geschätzt. Die Palme steht unter Naturschutz und wurde 1999 zum offiziellen Wahrzeichen La Gomeras ernannt und dürfen nur mit einer Genehmigung der Inselregierung gefällt werden.

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, ARTlandya, Fincaalltag, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , | 5 Kommentare

Dia de la Cruz 2021

Auf Teneriffa wird am 3. Mai, wie überall auf den Kanarischen Inseln, der Tag des Kreuzes, El Día de la Cruz, gefeiert. In allen Gemeinden, die das Wort cruz im Namen tragen ist an diesem Tag ein Feiertag und das ist in vielen Dörfern und Städten der Fall, denn irgendein Ortsteil hat schon ein Kreuz im Namen. Jeder Ort hat für diesen Tag seine eigenen Traditionen, aber eines haben alle gemeinsam – die geschmückten Kreuze. Schon seit Tagen werden die Kreuze an den Häuserwänden, in Kirchen, Kapellen, an Straßenkreuzungen, in Innenhöfen, Gärten und auf den verschiedenen Plätzen festlich und fantasievoll mit vielen Blumen geschmückt.

In den vergangenen Jahren haben wir bereits die Kunstwerke in Puerto de la Cruz bewundert, sind durch die abendlichen Gassen von Cruz Santa, einem Ortsteil von Los Realejos gegangen und haben uns auch einmal ein gigantisches Feuerwerk angesehen. Cruces y fuegos de mayo, las flores y fuegos artificiales, Blumen und Feuerwerk – tagsüber stehen die Kreuze im Mittelpunkt und nach der Messe und einer prunkvollen Prozession findet in der Nacht das wohl größte und berühmteste Feuerwerk der Kanarischen Inseln statt. Zwei Stadtviertel veranstalten dieses Spektakel, bei dem sich die Straßen Calle del Sol und Calle del Medio mit ihren Feuerwerkskünsten zu überbieten versuchen. So will es die Tradition.

Im Vorjahr ist der Feuerzauber allerdings ins Wasser, oder besser gesagt, dem Virus zum Opfer gefallen, doch heuer hat es wieder stattgefunden. Ein Feuerwerk ohne Zuschauer sozusagen, denn ab 22 Uhr herrscht auf der Insel noch immer Ausgangssperre und der Startschuss für die erste Rakete fiel erst eine Stunde später. Naja, wer wollte, konnte das Ereignis ja im Internet verfolgen. Ich verlinke die Seite hier einmal… Ofrenda pirotécnica a la Cruz de las Calles del Sol y del Medio … das Feuerwerk beginnt in der 16. Minute 🙂

La Primavera, der Frühling ist in Santa Cruz de Tenerife eine ganz besondere Jahreszeit. Bei den Feiern im Mai, las Fiestas de Mayo, spielen Blumen und Traditionen die Hauptrolle und verwandeln das Bild der Stadt. Santa Cruz feiert nicht nur das Kreuz sondern auch seine Gründung am 3.Mai 1494 und dafür werden kunstvolle Blumenkreuze aufgestellt und im Parque García Sanabria stellen Gärtner und Kunsthandwerker ihre Werke aus Blumen aus.

Wir haben einen Spaziergang durch die Stadt gemacht und ich zeige euch die Bilder von einer Auswahl dieser zauberhaften, blumigen Kunstwerke. Wenn ihr mehr über diese Traditionen oder die Geschichte des Feuerwerks von Los Realejos wissen wollt, blättert bitte in meinen Blogbeiträgen aus den vergangenen Jahren… Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz oder El Día de la Cruz.

Ich lasse heute die Fotos sprechen…

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Fiestas und Veranstaltungen, Fincaalltag, Kunst und Kultur, Santa Cruz, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Blüten im April…

… bei einer Rundfahrt auf Teneriffa – denn auf der Insel ist es um diese Jahreszeit nicht nur grün und angenehm warm. Es ist Frühling!

Falls ihr ab und zu in einem Reiseführer gestöbert oder vielleicht einen Film über die Kanarischen Inseln gesehen habt, ist in eurem Gedächtnis sicher der Satz Teneriffa, die Insel des ewigen Frühlings hängen geblieben. Nein? Das kann ich fast nicht glauben, denn kein Klischee hält sich so hartnäckig, wie das des Ewigen Frühlings auf unserer kleinen Insel im Atlantik. Woher diese Aussage ursprünglich kommt weiß ich nicht, aber eines kann ich mit Sicherheit behaupten – auf Teneriffa treibt sich nicht das ganze Jahr der Frühling herum, die drei anderen Jahreszeiten gehen an der Insel auch nicht unbemerkt vorbei. Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind nur nicht so extrem kalt und warm wie am Festland Europa.

Weil ich gerade dabei bin, Klischee Nummer zwei lautet – der sogenannte Süden ist immer sonnig und im grünen Norden regnet es das ganze Jahr. Diese Aussage ist gleich doppelt falsch. Dass die Zuordnung der Orte zu den richtigen Himmelsrichtungen nicht genau stimmen, liegt wahrscheinlich daran, dass die Insel ziemlich schief im Atlantik liegt. Der sogenannte „Süden“ also das Gebiet von Los Cristianos, Playa de las Americas, Adeje bis Los Gigantes ist zwar in den Sommermonaten ziemlich heiß und im Winter gibt es hier kaum Niederschlag aber dafür ist es in den Wintermonaten oft stark windig – und ab und zu regnet es auch hier. Im „Norden“, also eigentlich an der Nordwestküste bis an die nördliche Spitze regnet es in den Monaten November bis April des Öfteren. Das heißt aber nicht, dass dieser Teil von Teneriffa ständig unter Wasser steht, denn wenn es regnet, regnet es einige Stunden lang, vielleicht ab und zu etwas länger, aber sobald die Sonne die Wolken vertrieben hat, ist es auch auf diesem Teil der Insel angenehm warm. Aber das nur nebenbei.

Die Mandelblüte bei Santiago del Teide ist für dieses Jahr schon lange Geschichte, die roten Tajinasten im Nationalpark werden erst Ende Mai oder Anfang Juni blühen aber das macht gar nichts, denn auf der Insel tut sich in der Botanik immer etwas. Das ist ungefähr so wie mit der Sonne – irgendwo auf der Insel scheint sie fast immer!

Auf dem Weg von Arona nach Vilaflor kommen wir an vielen Weinfeldern vorbei. Fast überall sind die Weinbauern bei der Arbeit und auch wenn die Felder noch einheitlich braun wirken täuscht der erste Eindruck. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf den knorrigen, alten Weinstöcken schon die ersten, zartgrünen Blätter.

Je näher Vilaflor kommt, umso grüner und bunter wird die Landschaft – es grünt und blüht so gut wie überall. Sonnengelbe Blüten des Goldmohns konkurrieren mit roten Mohnblüten und auf den Feldern treiben die Weinstöcke bereits die ersten, zartgrünen Blätter.

Wir sind dieses Mal am Ortsrand von Vilaflor stehen geblieben. Erstens wollten wir uns ein bisschen die Füsse vertreten und zweitens entdeckt man bei einem Spaziergang durch die verwinkelten Gassen immer wieder etwas Neues. Zuerst wurden wir von wunderschönen Mohnblüten und Weinstöcken begleitet und ich konnte nicht widerstehen, die neuesten Glasperlen, die Georg vor einigen Tagen aus Muranoglas gezaubert hat, zu fotografieren.

Auf dem Weg zum Kirchplatz verschönerten dann Rosenblüten die Mauern. Ein Rosenstock reiht sich an den nächsten und die Blüten duften sogar! Schade, dass man Gerüche noch nicht festhalten kann. Das wäre doch eine gute Erfindung, oder?

Wenn wir Glück haben, blühen hier in Vilaflor bereits ein paar Exemplare der roten Tajinaste – und wir hatten Glück! Auf dem Platz zwischen der Iglesia de San Pedro Apóstol und La Casa de los Soler blühen sie wirklich schon. Der rote Natternkopfla tajinaste rojo, reckt sich stolz in die Höhe und seine tausenden, winzig kleinen Blüten leuchten in intensivem Rot.

Es ist Zeit für unser Picknick und dafür haben wir einen tollen Platz in der Nähe des bekannten Riesenbaumes von Teneriffa gefunden. Ungefähr eineinhalb Kilometer nach Vilaflor stehen zwei gigantische Baumriesen fast am Straßenrand. El Pino Gordo ist über 45 Meter hoch und hat einen Stammumfang von 9 Metern und 30 Zentimetern, schräg gegenüber steht eine noch höhere Kiefer im Wald, el Pino de las dos Pernadas. 

Dafür interessiert sich allerdings anscheinend so gut wie niemand, denn obwohl während einer Stunde doch ein paar Autos angehalten haben, sind nur einige Neugierige ausgestiegen um El Gordo zu bewundern. Auf unserem Plätzchen auf der nahen Waldlichtung hat uns kein Mensch beim Essen gestört. Falls ihr einmal dort unterwegs sein solltet – riskiert die paar Schritte über die Straße, denn gerade von diesem Platz hat man eine wunderbare Sicht auf den Dicken, el Pino Gordo. Glaubt mir, die zweihundert Meter zu gehen, zahlt sich aus!

Im Nationalpark sieht es mit der Blüte von Pflanzen noch nicht so gut aus. Der Ginster ist noch grün – obwohl man an einigen Plätzen bereits den Duft erahnen kann, die Margeriten haben erst Knospen angesetzt und die jungen Tajinastepflanzen stecken sozusagen noch in den Kinderschuhen und werden erst in einigen Wochen ihre Blütenkerzen in den Himmel strecken.

Aber die Farben der Felsen in den Cañadas del Teide sind immer wieder einen Ausflug in die Welt des Vulkanes wert. Ja nach Tageszeit und Sonnenlicht verändert sich die Landschaft für mich bei jeder Fahrt.

Diese zarten, violetten Blumenstauden, die hier auf den Bildern zu sehen sind, haben gekonnt farbige Blickpunkte zwischen die Steine und Felsen gesetzt. Leider habe ich keine Ahnung, welche Art von Blumen das ist, aber vielleicht weiß es ja jemand von euch? Das wäre toll!

Auf der Heimfahrt sind wir dann ein allerletztes Mal ein Stück vor Orotava stehen geblieben und haben, umgeben von einem Blütenmeer, die laue Abendluft und den schönen Ausblick genossen. Hier finden Bienen zu dieser Zeit noch ein Paradies auf Erden, es summt und brummt, es herrscht Hochbetrieb zwischen all den bunten Blüten. Schade, dass dieses Blütenmeer nicht das ganze Jahr über stehen bleibt.

Hier ist noch ein kleiner Nachtrag – ich weiß jetzt, wie die violett blühenden Pflanzen heißen. Es ist das Teide-Mauerblümchen, botanisch korrekt Erysimum scoparium. Diese Blume kam ursprünglich nur in den Cañadas del Teide und auf La Palma vor und wird hier auf der Insel meistens alhelí del Teide genannt. Se conoce como alhelí del Teide, alhelí camaleón​ y alhelí de cumbre. Mittlerweile haben sich aber auch zahlreiche Exemplare in tieferen Lagen, wie im Gebiet rund um Santiago del Teide, angesiedelt.

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Fincaalltag, Landschaft, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Juan Fernández – Höhlen und Quellen

Klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich liebe Friedhöfe und alte Häuser. Ich mag diese Orte, weil ich mich die Geschichten hinter den Gräbern oder den halb verfallenen Mauern interessieren. Zum Glück verschwinden die meisten davon nicht sofort – sie gehen nur verloren bis sie irgendwer wiederentdeckt. Trotzdem nagt der Zahn der Zeit an ihnen und irgendwann werden sie vergessen und verschwinden lautlos in der Vergangenheit. Die Natur erobert sich meistens ihren Platz wieder zurück und die Fußspuren der Menschen in der Erdgeschichte werden ganz klein.

Vor ein paar Tagen wollten wir zu so einem Ort fahren, aber unser fahrbarer Untersatz streikte. Der Starter wollte seine Arbeit nicht mehr erledigen und für einen Fußmarsch nach Tacoronte hatte ich ehrlich gesagt auch keine Lust. Egal, jetzt funktioniert wieder alles und deshalb kann ich euch nun doch noch von unserem Ausflug in die Vergangenheit erzählen.

Tacoronte hat ja – wie alle Gemeinden auf Teneriffa – viele Ortsteile, die oft so groß sind, dass sie fast wie eigenständige Dörfer wirken. Die zwei bekanntesten sogenannten barrios von Tacoronte sind mit Sicherheit El Pris und Mesa del Mar und ganz in der Nähe liegt auch unser Ziel.

Die Geschichte der Stadt Tacoronte begann schon zur Zeit der Guanchen. In der Gegend des heutigen Stadtgebietes lebten vor allem Hirten, die sich in den Höhlen niedergelassen haben. Sie siedelten in kleinen Gruppen dort, wo sich heute die Ortsteile Juan Fernández, Guayonje, El Pris und Mesa del Mar befinden. Die steil abfallende Küste bot Schutz, die natürlichen Höhlen eigneten sich perfekt für Mensch und Tier und für genügend Wasser sorgten die vielen Quellen in diesem Gebiet.

Nach der Eroberung der Insel wurden hier vor allem Portugiesen sesshaft, doch wann der Ort Tacoronte gegründet wurde, kann nicht genau gesagt werden. Man geht davon aus, das es Machado aus Guimaráes war, der 1496 Tacoronto gründete.

Ein gewisser Juan Fernandez, war ebenfalls einer der Portugiesen, die sich an diesem Ort niederließen. In einer Liste, der ersten Siedler aus dem Jahr 1497 findet man die Namen der ersten Landbesitzer. Als Nummer 0 führt „Don Alonso Fernández de Lugo, 14 enero 1504. Sin data, por sentencia y deslinde“ die Liste von insgesamt 153 Namen an. Unter der Nummer 99 findet man den Eintrag „Juan Fernández, el viejo, cerrajero, 1 fanegada con fuente y cueva. 7 junio de 1500“ Sehr viel Land hat der Schlosser Juan Fernández nicht bekommen, das wertvolle an seinem Besitz war vor allem die Quelle und die Höhle. Zum besseren Verständnis – una fanega de tierra entspricht ungefähr 6.400 Quadratmetern und der Großteil der ersten Siedler bekam hundert bis vierhundert fanegas Land zugeteilt. Dabei handelt es sich allerdings oft auch um Trockenland und eine weitere Eintragung einer Quelle konnte ich nicht finden. Dieser Besitz muss also sehr wertvoll gewesen sein – denke ich mir. Und diesen Platz wollen wir uns ansehen.

Am oberen Rand des Hügels grünt und blüht es. Überall schwirren Bienen und man hört auch leises Vogelgezwitscher. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass sich ein ziemlich breiter Schilfgürtel nach unten Richtung Küste. Es sieht fast so aus, als würde ein Bächlein seinen Weg durch die Landschaft suchen. Und so ist es auch, es gibt ein schmales, steil abfallendes Bachbett, in dem mehrere Quellen auf verschiedenen Höhen aus dem Boden sprudeln. Wir stapfen erst ganz gemütlich durch eine Wiese, ein schmaler Trampelpfad zeigt uns den Weg.

Es dauert allerdings nicht lange, dann verwandelt sich die Wiese in ein grünes Dickicht aus hohem Schilf. Dieser Steig wird anscheinend regelmäßig genutzt, denn welchen Grund sollte es sonst dafür geben, dass jemand mit ziemlich viel Mühe einen Tunnel in diesen Urwald geschnitten hat? Oder gibt es heute noch Höhlenbewohner in der Nähe?

Ein Blick aufs Meer verleitet uns fast zur Umkehr. Wenn mich nicht alles täuscht, zieht da eine breite Regenfront auf uns zu. Aber nein, wir sind gekommen um zu bleiben – und das war gut so, denn das dichte Blätterdach war ein perfekter Regenschirm für den kurzen Regenschauer. Hier hat sich die Natur bereits das erste Bauwerk fast vollständig zurück erobert. Das kleine Haus wird fast erdrückt von dicken Ästen und ist rundum von dichtem Grün umschlungen.

Wie so oft dauert ein Regenschauer nur einige Minuten und so ist es auch dieses Mal gewesen. Das kleine Häuschen hat wahrscheinlich schon zum Anwesen gehört, denn ab hier ist der Weg mit Steinplatten gepflastert und führt uns direkt an unser Ziel.

Dieser Abschnitt der Küste steht seit einigen Jahren wegen der vielen Wohn- und Grabhöhlen unter Naturschutz und es darf nichts mehr verändert werden, aber vor fünfhundert Jahren entstand hier auf diesen Felsen mit viel Aufwand eine Hacienda, die aus einem Haupthaus, einem Gebäude für Arbeiter und einer Werkstatt bestand.

Es wurde eine Brücke aus Steinen gebaut, viele Gärten angelegt und bunte Blumen in Trögen gepflanzt. Neben dem Wohnaus entstand ein eigener Waschplatz mit Becken und Ausgüssen und zusätzlich wurden noch einige Wassertanks gemauert.

Klar, nun stehen nur mehr einige Mauern hier, der Großteil der Wände ist bereits eingestürzt, diverse Künstler haben ihre farbenfrohen Spuren hinterlassen und als Beleuchtung in der Nacht müssen der Mond und die Sterne sorgen. Es ist eigentlich nur noch eine Ruine und nicht einmal mehr als abenteuerlicher Wohnort für Aussteiger geeignet – aber ich kann mir vorstellen, wie schön es hier einmal gewesen sein muss.

Unterhalb des Hauses sieht man noch Terrassen, die früher angebaut und bewässert wurden. Heute wirken die steinernen Treppen zwischen den Terrassen irgendwie fehl am Platz, sie ergeben keinen Sinn mehr. Trotzdem fügen sie sich einfach in die Landschaft ein und stören nicht – im Gegensatz zu so manchem Asphaltband, das ohne Sinn und Zweck an vielen Plätzen auf der Insel wertfrei in die Landschaft gelegt wurde.

Einige Meter vom Haus entfernt plätschert kühles klares Wasser in einen steinernen Trog. Das ist die Quelle, die Juan Fernández seit dem Jahr 1500 sein Eigentum nennen konnte. Der Grund, warum hier an diesem Ort diese kleine Ansiedlung entstanden ist, ein lebenswerter Platz für mehr als nur eine Familie.

Seit wann der Ort verlassen ist weiß ich leider nicht und wer hier wirklich gelebt hat – keine Ahnung. Aber es gibt eine Legende, die von diesem Ort erzählt…

Érase una vez, es war einmal ein junger Mann mit dem Namen Juan Fernández. Er war ein guter Freund von Alonso Fernández de Lugo und bekam als Lohn für seine Heldentaten in der Schlacht von Matanza de Acentejo einige Ländereien in der Gegend von Tacoronte, unter anderem ein Gebiet über der Küstenklippe, wo es eine Quelle und viele Höhlen gab, die von den Guanchen als Häuser oder Grabnischen genutzt wurden.

Der junge Mann war jung, mutig und gut aussehend und da er im Besitz des lebenswichtigen Wassers war, wurde er innerhalb kurzer Zeit zu einem sehr mächtigen Mann in dieser Gegend. Einige Mitmenschen behaupten allerdings, dass er auch ein wenig hochmütig gewesen sei.

Er beschloss, auf seinem Lieblingsplatz hoch über dem Atlantik sein Anwesen mit mehreren Häusern zu bauen. Einer der besten Architekten von Teneriffa bekam den Auftrag ein Haupthaus mit dem Blick über seine kultivierten Terrassen auf den Ozean, Werkstätten und Ställe sowie die besten Waschplätze der Gegend zu errichten. Außerdem sollte der Mann einen lauschigen Garten, einen großen Platz mit Obstbäumen, der von Blumenkästen und Steinbänken umgeben sein sollte, sowie einige Wassertanks entwerfen. Hier würde später sein bevorzugter Platz, wo er am Abend mit einem guten Glas Wein den Sonnenuntergang beobachten konnte, sein.

Um den Fortschritt der Bauarbeiten zu überwachen reiste er von der Hauptstadt San Cristóbal de La Laguna ins östliche Tacoronte. Bei diesem Besuch sah er ein junges Mädchen mit seinem Hund, das Wasser aus der Quelle schöpfte. Sie hatte große weizenfarbene Augen und tiefschwarzes Haar, das ihr in Wellen über die von der Sonne vergoldeten Schultern fiel. Sie trug ein weißes Hemd, einen einfachen roten Rock und Sandalen aus Hanf an den Füßen. An der Seite ihres Halses entdeckte er eine Tätowierung. Er war fasziniert von der Schönheit der jungen Frau. Er wusste sehr wohl, dass er dieses Guanchenmädchen niemals heiraten konnte, trotzdem wollte er ihr näher kommen. Doch als er mit seiner hochmütigen Art und mit undurchdringlichen Blick aus seinen grünen Augen auf sie zuging rannte das Mädchen ängstlich vor ihm und seinen Begleitern davon, stürzte und fiel zu Boden. Das tat Juan Fernández leid und er befahl, berauscht von dieser sinnlichen Schönheit, ihr Hilfe anzubieten. Er erlaubte ihr auch die Nutzung der Quelle von La Fuentecilla.

Von da an besuchte der Bauherr sehr oft seine Ländereien und es wird erzählt, dass er eher das Mädchen beobachten als die Arbeiten seiner Hazienda überwachen wollte. Die junge Frau ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Immer wurde sie von ihrem Hund begleitet und trug den vollen Krug auf dem Kopf und die Tätowierung am Hals war für ihn ebenso ein Rätsel. Er wollte unbedingt wissen, was es damit auf sich hatte und so schickte er eines Tages einen Jungen zu ihr. Das Mädchen erzählte ihm, dass die Zeichnung von ihrem Großvater, der auch Guañameñe genannt wurde, stammte. Er sei ein Weiser der Guanchen. Die Tätowierung stellte das Symbol für Guatimac dar, aber sie war unvollständig. Es sollte ein Schutz für das Mädchen vor dem Zorn von Guayota sein. (Guayota ist in der Mythologie der Guanchen ein böser Dämon, der im Inneren des Teides lebt. Guañameñe war der Name eines Wahrsagers der Guanchen, der die Ankunft der kastilischen Eroberer auf der Insel prophezeit haben soll und Guatimac nennt man eigentlich ein kanarisches Tonsymbol, ein Kultobjekt)

Einige Monate vergingen und an einem sonnigen Sommernachmittag saß das junge Mädchen mit ihrem kleinen Hund zwischen den Mauern der inzwischen gebauten Häuser als der Hund plötzlich anfing, das Mädchen anzubellen. Das war ein seltsames Verhalten des Tieres und der kleine Hund bellte immer lauter und schlug sogar mit dem Kopf nach ihr. Die junge Frau verstand überhaupt nicht, was er wollte und plötzlich stürzte der Krug, ohne dass in jemand berührte, um. Das ganze Wasser war verschüttet. Sie stand auf, und der Hund bellte immer lauter.

Die Zeit schien stehen zu bleiben, plötzlich, als ob die Welt von Grund auf neu erschaffen werden würde, kam ein unheimliches Geräusche, aus den Tiefen der Erde. Ein gewaltiges Brüllen, begleitet von einem starken Beben, das immer stärker wurde, dröhnte in ihren Ohren. Der kleine Hund ließ das Mädchen nicht in Ruhe, er vertrieb es von seinem angenehmen Ruheplatz bis es das Gleichgewicht verlor und fiel.

Im selben Augenblick, als sie es verwirrt schaffte, über dem mit Wasser gefüllten Becken in die Knie zu gehen, zerbröckelte Wände des Berges in große Felsen, die mit Wucht auf die Stelle stürzten, wo sie vorher friedlich saßen. Ein Stein traf sie hart an der linken Schulter. Sie hatte gerade noch Zeit, sich in die Mulde des Beckens zu flüchten, die wie eine natürliche Brüstung wirkte, als ihr Blick den ihres Hundes kreuzte und sie verstand in diesem flüchtigen Moment die Haltung ihres treuen Freundes, der das Erdbeben vorausgeahnt hatte und ihr so das Leben rettete.

Dank ihm hatte sie nur am linken Schlüsselbein, oberhalb der Tätowierung, einen kurzen Schnitt und einige Tage später sah es aus, als ob Guatimac einen Speer halten würde. Das Bild der Tätowierung war vollendet. Am Ende gewann Guatimac den Kampf gegen Guayota. Das Gute besiegte das Böse.

Die Legende erzählt, dass das Mädchen später nie wieder gesehen wurde. Die Hacienda war zu dieser Zeit noch nicht vollständig, doch der traurige Juan Fernández entschied sich, sie nie fertig zu stellen. Die Bewohner des Ortes sagen, dass man heute, mehr als fünf Jahrhunderte später, immer noch bei Sonnenuntergang das laute Bellen eines Hundes neben der Waschküche der alten Hacienda hören kann…

Ende der Geschichte. Eigentlich eine Legende, die so gar nicht zu den Tatsachen passt, denn wo bleibt da der Schlosser aus dem Register der ersten Siedler von Tacoronte? Wer war dieser junge, charismatische Mann aus der Erzählung? Aber wer weiß schon, wie es wirklich gewesen ist – vor mehr als fünfhundert Jahren? Vor Generationen erschaffene und benutzte Bauwerke verschwinden oft wie ein Rauchschleier im Wind. Solche Streifzüge durch längst verlassene Orte sind manchmal lustig, manchmal sind sie geheimnisvoll – spannend sind sie immer!

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Fincaalltag, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Der goldene Mohn auf Teneriffa

Auf Teneriffa, aber auch auf anderen Kanarischen Inseln, gibt es eine besonders schöne Art von Mohnblumen. Die zarten Blüten dieser Blume leuchten nicht wie gewohnt rot, orange oder sogar zart violett sondern dottergelb bis orange. Ihr habt vielleicht schon davon gehört, aber ihr könnt euch bestimmt nicht vorstellen, wie schön das ist.

Todos los años, es zahlt sich alle Jahre wieder aus, in der Zeit zwischen Ende April bis Ende Mai wenigstens einmal die Strecke durch den Esperanza Wald Richtung Arafo zu fahren. In diesen Wochen verwandelt sich die sonst so grüne und zum Teil steinige Landschaft in ein  goldgelbes Blütenmeer. Schuld daran ist ist der Kalifornische Goldmohn mit seinen gelben bis orangefarbenen, zarten Blüten.

Wir fahren eigentlich immer die Strecke über La Laguna und Esperanza. Keine Ahnung warum, aber wahrscheinlich auch deshalb, weil es aus Icod de los Vinos kommend der kürzeste Weg ist. Das ist aber gar nicht wichtig. Einige viele Kilometer nach dem kleinen Ort gibt es die Abzweigung Richtung Arafo und genau dort, an dieser Kreuzung beginnt die Welt des Goldmohns. Nachdem wir uns im vergangenen Jahr um diese Zeit bekanntlich nicht auf der Insel bewegen durften, haben wir uns gestern Nachmittag auf den Weg gemacht. Ein Jahr Pause ist eindeutig genug.

Der Kalifornische Mohnmit dem botanischen Namen eschscholzia californica wird auch noch Kalifornischer Kappenmohn oder Goldmohn genannt. Bei den Spaniern heißt die Blume amapola amarilla. Für die zarten Blumen gibt es aber noch eine lustige Bezeichnung. Wegen der Form der Knospen, aber auch wegen ihrer Wirkung gegen Schlaflosigkeit, wird sie oft liebevoll Schlafmützchen genannt. Da sich die Knospen mit dem Sonnenlicht öffnen, findet man sie während des Tages nur mit ein bisschen Glück.

Bei diesem Mohn handelt es sich um einen Immigranten, denn irgendwann ist er auf den Kanarischen Inseln sozusagen eingewandert oder besser gesagt eingeschleppt worden. Seine Heimat ist Kalifornien und dass er heute in vielen Ländern der Welt zum Teil als Unkraut wächst, sind mit größter Wahrscheinlichkeit die Goldsucher schuld. Als der Traum des Kalifornischen Goldrauschs für die meisten Männer aus geträumt war, verließen viele von Ihnen Kalifornien übers Meer. Sie schifften sich in San Francisco ein, um ihr Glück in Chile, Neuseeland und Australien zu suchen. Die Schiffe nahmen Sand von San Francisco als Ballast mit und es wird vermutet, dass sich der Mohn so auf der Welt verbreitete.

In ihrer alten Heimat Kalifornien und Mexiko wurde die Pflanze von den Indianern als Heilpflanze genutzt. In der Homöopathie und in der Medizin werden noch heute die Substanzen dieses Mohns verwendet, denn sie fördern den Schlaf und haben eine leichte krampflösende und schmerzstillende Wirkung. Aber Vorsicht! Niemand sollte selbst damit herum experimentieren, denn die ganze Pflanze ist an und für sich giftig! Der Kalifornische Goldmohn war sogar die offizielle Giftpflanze des Jahres 2016.

Auf dem Heimweg haben wir noch am Strand von Güímar, genau genommen in Puertito de Güímar eine Pause gemacht. Seht ihr diesen tollen Sandstrand? Dieser Abschnitt heißt Playa del Cabezo und hier dürfen auch Hunde mit an den Strand. Für uns war es der perfekte Platz für eine gute Osterjause. Wir haben die letzten Sonnenstrahlen genossen und uns dann zufrieden und gestärkt auf die Heimfahrt gemacht.

Wenn ihr noch mehr über den goldenen Mohn aus Kalifornien lesen und die Fotos aus den letzten Jahren sehen wollt – hier sind die Links zu den Berichten der Goldmohn oder der Mohn mit dem Hut oder den Beitrag Teneriffa im Goldrausch. Viel Vergnügen beim Durchblättern und vielleicht könnt ihr euch die Blumenpracht ja selbst einmal ansehen, der Goldmohn blüht ja alle Jahre wieder … 

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Fincaalltag, Landschaft, Teneriffa, Tiere, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Ein Leuchtturm und ein Loch

Warum denn in die Ferne schweifen sieh, das Gute liegt so nah wenn auch ganz in der Nähe wunderschöne Orte zum spazieren gehen locken? Blauer Himmel, laue Luft und absolute Windstille sind vor allem während der Wintermonate die optimalen Voraussetzungen für einen Ausflug an den Küstenstreifen von Buenavista del Norte bis Punta del Hidalgo. Wir haben uns dieses Mal für die Richtung von Garachico über Los Silos und ein kleines Stückchen weiter entschieden.

Buenavista del Norte heißt aus dem Spanischen übersetzt gute Sicht nach Norden und das entspricht durchaus der Wahrheit. Wir sind in dieser Gegend zwar sehr oft unterwegs, aber auch dieses Mal haben wir für uns wieder einen neuen, fast unwirklich schönen Ort entdeckt.

El Faro de Buenavista del Norte ist ein Leuchtturm der besonderen Art. Ich glaube, man sieht es nicht sehr oft, dass sich ein Leuchtturm spiralförmig Richtung Himmel schraubt, oder? Im Inneren kann könnte man bequem mit einem Aufzug ganz nach oben schweben doch an der Außenseite windet sich eine rote Wendeltreppe mit 221 Stufen Richtung Himmel. Ich glaube, ich würde einen Drehwurm bekommen, wenn ich da hinauf gehen würde, aber in die Verlegenheit komme ich sowieso nicht, denn der Turm ist für uns Otto Normalverbraucher nicht frei gegeben. Logisch, denn der Turm ist ja noch im Dienst und kein Relikt aus alten Zeiten.

Unser Auto haben wir also beim Leuchtturm abgestellt, denn ich wollte unbedingt noch ein paar Fotos von einem riesigen Loch in der Landschaft machen. El Hueco del Rayo oder El Rayo en la Ensenada del Casado.

Wie dieses große Loch entstanden ist, darüber gibt es keine offizielle Erklärung und wo es keine belegten Tatsachen gibt, entstehen eben Geschichten. Eine davon erzählt, dass ein gigantischer Blitz ein Loch ins Lavagestein geschlagen haben soll. Die wissenschaftliche Erklärung ist wahrscheinlich logischer, aber darüber habe ich schon einmal geschrieben und falls ihr mehr über die Geschichte lesen wollt, klickt einfach den Link über dem Foto an.

Ernesto R. Abad, Director del Festival Internacional del Cuento de Los Silos und Professor der Universidad de La Laguna hat dazu einen schönen Gedanken aufgeschrieben: „El rayo siempre me evoca personajes que lucharon por la libertad. Es un lugar donde el alma puede sonreír y sentir que aún hay esperanzas. Entonces, la idea de que un dios despistado, enfadado por la torpeza humana, lanzó con su mano divina el fuego fulminador contra la tierra viene a mi mente. Sonrío… Vuelvo a vivir en un cuento.“

„Der Blitz macht es möglich, dass Figuren, die für die Freiheit kämpfen zum Leben erwachen und Orte, an denen die Seele wieder lächeln und Hoffnung aufkeimen kann, entstehen können. In meiner Fantasie benutzt ein zorniger Gott den Blitz und schleudert ihn mit seinem vernichtendem Feuer gegen die Erde… so lebe ich wieder in einem Märchen.“ Mir gefallen seine Gedanken, kein Wunder, dass es in Los Silos schon sehr viele Jahre lang ein erfolgreiches Märchenfestival gibt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Wir sind gestern nur ein kleines Stück auf einem sandigen Weg weiter gegangen und sind, irgendwie auch wie in einem kitschigen Märchen, oder realistisch gesagt, in einer fast unwirklichen, wunderschönen Wasserlandschaft, sozusagen gestrandet.

Vor allem im Norden der Insel sind Charcos oder besser gesagt natürliche Pools, nichts Ungewöhnliches.  Ihr wisst nicht, was charcos sind? Na, dann erkläre ich es noch einmal ganz kurz. Charco kann man mit Pfütze übersetzen, aber das hilft in diesem Falle nicht wirklich weiter, denn charcos sind immer größer als das, was wir unter Pfütze verstehen. Im Grunde genommen sind es kleine oder größere Naturschwimmbecken, die von den unterschiedlichen Lavaströmen geschaffen wurden. In diesen Becken kann man meistens sehr geschützt von den mächtigen Wellen des Atlantiks schwimmen und planschen – oder einfach die Seele baumeln lassen.

Vor der geschützten Wasserlandschaft rollen die Wellen des Atlantik beständig und mit viel Gegrummel Richtung Land, das Wasser in den einzelnen Becken bleibt spiegelglatt und spiegelt die unterschiedlichsten Farben der Steine wider. Hinter uns eine fast rabenschwarze Felswand, ober uns der blaue Himmel und als Krönung rundet der Gipfel des Teide das Bild ab. Die Realität ist so nah – und doch so weit weg!

Hier unten treffen zwei verschiedene Welten aufeinander. Ich spüre nur die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut, nicht einmal ein Windhauch streicht durch die Luft und bis auf das Geräusch der Meereswellen herrscht absolute Ruhe.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir wieder nach oben geklettert und sind Richtung Los Silos weiter spaziert. Schade, dass die Bar beim öffentlichen Bad in Los Silos geschlossen hat, sonst hätten wir uns wahrscheinlich dazu entschlossen, dort etwas zu Trinken und erst dann wieder zu unserem fahrbaren Untersatz zurück zu wandern. So haben wir schon einige hundert Meter früher umgedreht und die Aussicht auf die Küste nur aus der Ferne genossen.

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Buenavista del Norte, Fincaalltag, Landschaft, Leuchtturm, Strand und Küsten, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | 2 Kommentare

Anaga – Gebirge und Strände

Einmal ans Ende der Welt fahren – das wollte ich schon immer. Aber wie soll das funktionieren? Ich habe schon in der Volksschule gelernt, dass die Erde eine Kugel ist. Auch wenn einige Menschen noch immer glauben, sie sei eine Scheibe. Wenn die Erde tatsächlich eine Scheibe wäre, müsste eine Reise ans Ende eigentlich funktionieren, denn irgendwann würde man ganz einfach über die Kante fallen. Bei einer Kugel wird das schon schwieriger. Es gibt kein Unten oder Oben und die Schwerkraft sorgt zusätzlich und verlässlich dafür, dass wir den Boden unter den Füssen nie verlieren. Aus dieser Reise wird also wahrscheinlich nie etwas werden…

Auf Teneriffa kann man so manchen Ausflug allerdings wenigstens in der Fantasie ans Ende der Welt verlegen und für mich ist einer dieser Orte ganz eindeutig am äußersten Zipfel im Norden, genauer gesagt im Nordosten, der Insel zu finden. Hier wachsen schroffe Berge in den Himmel, grüne Terrassen bestimmen das Bild der Landschaft, es gibt tiefe Täler, moosige Wälder, kleine Bächlein, eine fantastische Küstenlandschaft und tolle Strände. Kurz gesagt, eine märchenhafte Kulisse, die am Nachmittag oft von Nebelschwaden geheimnisvoll umwoben wird – das Anaga Gebirge.

Die verstreuten Häuser dort unten gehören zu Taganana, dem größten Ort im Anaga Gebirge. Bis 1960 musste man sich noch zu Fuß auf den Weg hier her machen. Oder man hatte das Glück einen Esel zu besitzen, auf dem man zu diesem Teil der Insel reiten konnte.  Doch die Zeiten haben sich zum Glück geändert und heutzutage findet sogar der grüne TITSA Bus den Weg in diese Gegend.

Das Anaga Gebirge gehört zum ältesten Teil der Insel und an der Nordküste von Teneriffa kann man mit ein bisschen Fantasie die heute abgeflachten Gipfel eines alten Bergzuges in der Form eines Bogens, el Arco de Taganana erkennen. Die ältesten Felsen dieser Landschaft erhoben sich vor über sechs Millionen Jahren aus dem Meer und erreichten eine so große Höhe, dass der ganze nördliche Teil der Gipfel einstürzte und ins Meer rutschte. Hochmut kommt vor dem Fall könnte man sagen.

Heute liegen diese Felsbrocken  ganz friedlich an der Küste, aber damals möchte ich nicht dabei gewesen sein. Da blieb in dieser Gegend wahrscheinlich kein Stein auf dem anderen!  Einige Ortsnamen in dieser Gegend können wahrscheinlich auch aus diesem Grund ihre eigenen Geschichten  erzählen. Ein schönes Beispiel dafür findet man auf der Ortstafel, die vor diesem Felsen im Meer steht. Ein Felsen, der an der Küste des Atlantiks liegt und Roque de Las Bodegas, also der Weinkellerfelsen, genannt wird.

Warum wohl? Hier gibt es weit und breit keine Weinkeller zu sehen. Das stimmt, aber das ist nicht immer so gewesen. In längst vergangenen Zeiten standen direkt neben dem Strand kleine Steinhütten, in denen die Bauern von Taganana einen Großteil ihres Weines gelagert hatten. Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber an dieser Küste florierte im 17. und 18. Jahrhundert der Weinhandel. Heute sind eher der Strand und die Fischlokale an der Strasse das Ziel der Ausflügler. Es heißt, dass die Wellen an diesem Strand nicht so heftig wie an den beiden anderen Stränden von Taganana sein sollen und aus diesem Grund soll er in dieser Gegend der beste Strand für Familien sein.

Eine Kurve weite ist schon der nächste Strand in Sicht. La Playa Almáciga, ein breiter Strand mit feinem, schwarzen Sand, der sich in eine weite Bucht hineinschmiegt. Der Strand ist sogar bei Flut ziemlich breit und im Sommer spielt sich hier bestimmt das volle Leben ab. Vor ein paar Tagen war es allerdings ziemlich ruhig und fast menschenleer.

In Benijo ist dann die Welt wirklich zu Ende. Zumindest für jeden Autofahrer und wer seine Reise zu Fuß weiter machen will, hat ein Problem mit seinem fahrbaren Untersatz. Es gibt so gut wie keinen Parkplatz, außer man entschließt sich zum Essen in einem Lokal. Im Moment haben zwei davon geöffnet, das dritte Restaurant ist wohl für immer geschlossen und steht zum Verkauf.

Wir haben unser Mittagessen auf der Terrasse hoch über dem Atlantik mit einer gigantischen Aussicht richtig genossen und haben uns anschließend auf den Weg zum wahrscheinlich legendärsten Strand von Teneriffa, la Playa Benijo, gemacht. Direkt neben diesem, fast romantisch verfallenen Häuschen führt der Weg über eine Steintreppe steil nach unten. Hinter dieser verfallenen Fassade versteckt sich übrigens ein schönes Lokal mit dem passenden Namen El Mirador.

Unten angekommen liegen überall verstreut große Steine direkt am Wasser, aber wenn man ein paar Meter weiter geht, gelangt man zu einem flachen Sandstrand. Der nasse Sand wirkt an dieser Stelle direkt weich, fast samtig. Vielleicht weil der Unterschied zu den groben Steinbrocken rund herum so groß ist?

Auf jeden Fall ist es ein ganz besonderer Platz. Ein Ort ohne Hast und Eile und auch wenn noch ein paar andere Menschen hier sind, fühlt man sich weit weg von allem. Die hohen Felsen als Schutzschild im Rücken und der unendlich weite Blick übers blaue Meer. Schwarzer Sand und mit frischem Grün überzogene Steine, der feine Geruch von Salz in der leichten Luft, warme Sonnenstrahlen auf der Haut und – Ruhe. Viele Menschen würden es vielleicht Einsamkeit nennen, es könnte aber auch ein kleines Stück vom Paradies sein. Oder eben das Ende der Welt…

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, besondere Tipps, Fincaalltag, Landschaft, Strand und Küsten, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , | 11 Kommentare

Wellenspiele am Playa El Socorro

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und nachdem wir am Wochenende arbeiten und nicht faulenzen, gönnen wir uns am Wochenbeginn eine Auszeit. Noél Coward hat einmal geschrieben: „Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.“ Und daran halten wir uns eben. Ein Ausflug an die Küste ist immer eine gute Entscheidung und dafür müssen wir auch gar nicht weit fahren. Die Auswahl ist sogar in unserer direkten Nachbarschaft wirklich groß, aber da wir noch eine Kleinigkeit in Puerto de la Cruz erledigen wollen, landen wir am Strand von Los Realejos, en la Playa de El Socorro.

Meeresrauschen, ruido del mar oder ruido del romper de las olas auf spanisch, tut besonders der Seele gut. Sobald ich am Strand bin, verändert sich die Welt. Der Tag verwandelt sich und der Blick wird weit. Kein Wunder, denn der Horizont ist in ungreifbarer Ferne gerückt. Es gibt nichts, was die Sicht einschränken könnte. Aber warum wirkt das Geräusch der brechenden Wellen so entspannend? Mit Ruhe und Stille kann es nichts zu tun haben. Den Lärmpegel könnte man mit Sicherheit auch in einen Bahnhof oder auf eine Kreuzung mitten in der Stadt verlegen, denn die Brandung ist meistens ziemlich gewaltig und laut. Mich erinnert das Geräusch sogar sehr oft an eine stampfende Dampflokomotive.

Doch trotz dem krachenden Lärm sinkt der Blutdruck und schöne Gedanken erzeugen bunte Bilder im Kopf. Die wechselnden Blautöne im Wasser, wärmende Sonnenstrahlen, die die Wassertropfen in glitzernde Kristalle verwandeln, Licht, das über die Wellen tanzt und weißen Schaumkronen, die den Strand einrahmen verleiten mich zum Träumen und Tagträume sind einfach herrlich! Plötzlich ist der Alltag weit weg…

Ich könnte stundenlang so an der Küste sitzen und dem Spiel der Wellen zuschauen. Durch die kräftigen Wellen verteilen sich hier an der Küste auch ziemlich viele Wassertröpfchen in der Luft. Die Küstenlandschaft Richtung  San Juan de la Rambla ist in einen zarten Wasserschleier gehüllt und wenn man genau hinschaut, sieht man, wie die einzelnen Nebelvorhänge vom Meer Richtung Land aufsteigen. Tief einatmen!

Dabei verfliegt die Zeit wie im Flug und es wird nie langweilig. Am Strand von El Socorro sorgen dann auch noch immer ein paar Wellenreiter für Unterhaltung. Bleiben sie auf dem Brett stehen oder fallen sie jeden Moment kopfüber ins Wasser?

Falls jetzt jemand von euch  jetzt auch Sehnsucht nach Meer bekommen hat könnt ihr euch ja wenigstens das Gefühl von Sonne und Meer nach Hause holen. Ihr braucht allerdings eine große Muschel dafür. Genau gesagt nicht die einfachen, flachen Muschelschalen  sondern ein Haus der großen Meeresschnecke. Wenn  man sich die ans Ohr hält, kann man zumindest das Rauschen des Meeres hören  – auch wenn die Ferien noch in der Ferne liegen und man zu Hause im Zimmer sitzt.

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Fincaalltag, Los Realejos, Strand und Küsten, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

die perfekt Welle … war es nicht

Viele Menschen Experten behaupten ja, dass auf Teneriffa unzählige Fiestas, Feuerwerke und Traditionen den Jahresrhythmus des Insellebens bestimmen. Im Grunde genommen haben die klugen Köpfe ja recht, aber dann kam Corona und alles, was dazu gehört. Seit einem Jahr fallen sämtliche Feste und andere Veranstaltungen buchstäblich ins Wasser. Kultur ist ja nicht systemrelevant und aus diesem Grund findet dieser Teil des Lebens einfach nicht mehr statt. Sogar der Carnaval ist nur noch digital durchs Netz gegeistert. Egal ob Jung oder Alt, der Virus mit dem Krönchen fordert überall und unerbittlich in allen Lebenslagen seine Opfer.

Ich selbst bin zwar kein ausgesprochener Faschingsnarr, mich persönlich hat es also nicht betroffen, aber schade ist es trotzdem. Vor allem weil, abgesehen vom närrischen Treiben, auch in diesem Jahr so ziemlich alle Fiestas und andere traditionelle Veranstaltungen jetzt schon auf Eis gelegt worden sind.

Zum Glück lässt sich die Natur nicht ins Handwerk pfuschen und bietet uns einiges. Die Mandelblüte bei Santiago del Teide, Schnee in den Cañadas des Teide und tolle Wellenspiele an der Nordküste von Teneriffa – das sind eigentlich jedes Jahr ebenfalls feste Bestandteile des Jahres. Blüten und Schnee haben wir schon abgehakt und am Montag sind wir nach Bajamar gefahren, haben uns in die Sonne gesetzt und das fantastische Schauspiel der Atlantikwellen beobachtet.

Während der Wintermonate zeigt der Atlantik an vielen Tagen mit seinen gigantischen Wellen, welche Kraft er hat. Das Wasser klatscht dann mit voller Wucht und lautem Getöse an die Lavafelsen der Küste, oder so wie hier in Bajamar, an die Schutzmauer vor dem Strand des Ortes.

Der aufgewühlte Atlantik wechselt seine Farbe zwischen dunkelblau und türkis und verwandelt sich an der Küste in ein weißes Schaumbad. Es brodelt und zischt, fast könnte man meinen, dass hier irgendwo eine Lokomotive unterwegs ist. „Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit,des Nichts und des Todes, ein metaphysischer Traum. schrieb Thomas Mann in einem seiner Bücher. Vielleicht fasziniert uns das Meer und vor allem das tosende Wasser aus diesem Grund?

Im einem Glas hat Wasser keine Farbe, es ist durchsichtig und klar, aber Wasser in der Natur, egal ob in einer Pfütze, einem stillen Teich oder gar hier im Atlantik hat tausend Farben. Von dunklem Blau über helles Türkisgrün ist jede Farbe vorhanden. Wenn die Wellen an der Küste auslaufen verwandeln sie die Meeresoberfläche scheinbar in ein riesiges, strahlend weißes Schaumbad und an den Hängen der angrenzenden Hügel steigt ein fast mystischer Nebelschleier aus feinsten Wassertröpfchen in die Höhe.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, so fange nicht damit an, Holz zu sammeln, Planken zu schneiden und die Arbeit einzuteilen, sondern erwecke in den Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“ ist ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry. Gibt es dafür ein besseres Mittel als solche Augenblicke? Ich glaube nicht.

Anschließend sind wir ein paar Kilometer weiter, nach Mesa del Mar gefahren. Die schöne Aussicht auf den Teide hat uns zwar der Calima mit einem Schleier aus Sand vermasselt aber der Ausblick auf die Küste war dieses Mal nicht Sinn und Zweck der Fahrt. Unser Ziel war auch nicht das Schwimmbad von Mesa del Mar sondern der Naturstrand hinter dem Tunnel, la Playa de la Arena.

Sonnenschein, ein warmer, flacher Sandstrand und schöne Meereswellen – wir haben wieder einmal den perfekten Platz für unser Picknick gefunden. Alles Eitel, Wonne, Sonnenschein. Wenn, ja wenn da nicht diese eine perfekte Welle gewesen wäre…

Wir sind satt und zufrieden auf unseren Badetüchern gelegen und haben einfach das Meeresrauschen und die wärmenden Sonnenstrahlen genossen. Weit weg von dem Punkt, an dem die Wellen den Strand erreicht und den Sand nass gemacht haben. Wie aus dem Nichts kam plötzlich Wasser, eine mit tausenden weißen Häubchen geschmückte Welle, die uns in Sekundenschnelle umschlossen hat. Genau so schnell wie sie gekommen war, ist sie auch wieder verschwunden. Weg war sie – aber nichts war mehr so wie davor. Die sorgfältig abgelegten Hosen und T-Shirts pitschenass, die Badetücher sowieso, die letzten beiden Stückchen Käse haben ein unfreiwilliges Bad im Salzwasser genommen und waren paniert mit schwarzem Lavasand. Die Handys und meine Kamera haben zum Glück nur ein paar Spritzer abbekommen und alles andere war halb so schlimm. Die Sonne trocknet uns schon wieder – dachten wir.

Die böse Überraschung kam erst daheim ans Tageslicht. Elektronik und Salzwasser vertragen sich anscheinend leider überhaupt nicht, denn sowohl mein Telefon als auch die Kamera gaben keinen Mucks mehr von sich. Das nennt sich wohl Künstlerpech, oder? Mein Handy hat sich nach einem Tag Ruhepause wieder erholt und hat seine Arbeit wieder aufgenommen, aber mein ständiger Begleiter, meine Kamera verweigert noch immer ihren Dienst. Die Fotos von heute sind also wahrscheinlich für längere Zeit die letzten Exemplare dieser Art. Vielleicht erholt sich die Kamera doch noch, ihr könnt mir ja die Daumen drücken…

Veröffentlicht unter aktuelle Meldungen, Allgemein, Fincaalltag, Landschaft, Strand und Küsten, Tagebuch, Teneriffa, Yannes Welt | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare