La Carambola, Sterne, die auf Bäumen wachsen

Der Himmel ist hoch und die Sterne sind so unendlich weit weg, sie blinken hell und viel versprechend am Nachthimmel und ab und zu ist da jemand, der mir einen Stern vom Himmel holt. Ich hol dir die Sterne vom Himmel und bring sie dir zum Frühstück an dein Bett …  und dann bin ich aufgewacht! 1f607 

Über uns spannt sich zwar fast jede Nacht ein traumhafter Sternenhimmel, doch auch wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle – einen Stern habe ich noch nie vom Himmel holen können. Dabei muss man sich auf Teneriffa gar nicht so anstrengen, denn hier auf der Insel können die Sterne sogar an Bäumen hängen. Sie duften verführerisch und schmecken köstlich. Ihr glaubt mir nicht? Es ist aber so!

Vor ungefähr zehn, zwölf Jahren haben wir neben vielen anderen Pflanzen auch zwei ganz besondere Bäumchen gepflanzt. Bäumchen, die Sterne Sternfrüchte tragen sollten. Laut Aussage des Gärtners soll diese Pflanze zweihäusig sein und deshalb haben wir eine männliche und eine angeblich weibliche Pflanze in die Erde verpflanzt. Die Jahre zogen durchs Land oder besser gesagt über die Insel, aber außer schöne Blätter haben die zwei Konsorten nichts produziert. Keine Blüten, keine Früchte.

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Im vergangenen Jahr habe ich eines Tages zarte Blüten zwischen den grünen Blättern entdeckt, aber gar so ernst habe ich diese Tatsache eigentlich nicht genommen. Außerdem hat nur einer der Bäume Blüten gehabt, also was soll’s? Ohne männliche Beteiligung soll es ja keine Früchte geben.

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Doch dem war nicht so, vor zwei Jahren entstanden aus den winzigen Blüten das erste Mal grasgrüne, längliche Früchte und pünktlich zur Weihnachtszeit strahlte das ganze Bäumchen und war mit Hunderten von gelben Früchten behangen. Heuer sind die Früchte etwas später reif geworden, aber seit einigen Wochen hängen bei uns auf der Finca ARTlandya die Sterne leicht zu pflücken am Baum. Normalerweise dürfen bei uns die Besucher von ARTlandya Früchte gerne frisch vom Baum verkosten. 1f609 Zur Zeit funktioniert das allerdings nicht, da hat uns ein Virus mit Krönchen anständig die Suppe versalzen und wer noch nie eine reife Sternfrucht vom Baum gegessen hat, muss wohl oder übel auf nächstes Jahr warten.

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Die Sternfrucht, la carambola, wird auch als Karambole bezeichnet. Ihre Heimat liegt in Südostasien und sie ist eine der köstlichsten Früchte in Malaysia und wird so gut wie das ganze Jahr geerntet. Die Frucht sieht eher einem Torpedo als einem Stern ähnlich, doch wenn man sie in Scheiben schneidet verwandeln sich die Stücke in kleine Sterne. Ihr kennt sie vielleicht nur grün und als Dekoration von irgendwelchen Desserts, aber wenn die Frucht so richtig reif, also goldgelb ist, schmeckt sie einfach himmlisch! Sie ist knackig, süßlich und extrem saftig.

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In Asien werden die fruchtigen Sterne gerne als erfrischendes Fingerfood angeboten aber die Frucht schmeckt nicht nur gut, sie ist auch reich an Mineralstoffen wie Kalium und Eisen, Vitamin A und C und stärkt damit auch die Abwehrkräfte für einen kalten Winter. In der chinesischen Medizin wird die zerstoßene Frucht als Heilmittel für Wunden verwendet und der Saft soll fiebersenkend und vor allem durstlöschend sein.

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Wer allerdings Probleme mit seinen Nieren hat, also mit chronischem Nierenversagen kämpfen muss, sollte keine Sternfrüchte essen. Die Sternfrucht enthält Caramboxin und kranke Nieren können den Stoff nicht ausscheiden. Dieses Nervengift ist für gesunde Menschen überhaupt kein Problem, bei Nierenkranken kann es aber zu hartnäckigem Schluckauf, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfällen führen.

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Aber wie gesagt, das betrifft nur kranke Menschen. Trotzdem ist diese Eigenschaft der köstlichen und gesunden Früchtchen wahrscheinlich die Ursache für die reißerische Schlagzeile „Todessterne vom Gurkenbaum“ die ich irgendwo gelesen habe. So ein Angst verbreitender Aufhänger ist natürlich perfekt und aufsehenerregend. Schade, dass viele Mitbürger heutzutage meistens nur mehr die Überschrift lesen und deshalb diese Aussage sofort als Tatsache übernehmen. Blöd gelaufen und ziemlich dumm, aber ob es gar so sinnvoll ist auf diese Art und Weise auf Leserfang zu gehen bezweifle ich trotzdem. 1f602 Mich fragt ja keiner, aber warum hat noch kein rühriger Schreiberling Journalist Muskatnüsse, Mandeln, Litschis oder gar den täglichen Apfel für Unglücksprophezeiungen dieser Art verwendet?

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eine fruchtige Joghurtcreme mit fruchtigen Sternen – ein himmlischer Genuss 

Solange man also nicht unter einem Nierenleiden leidet, ist die Frucht keine Gefahr für Leib und Leben. Also reinbeißen und genießen! Übrigens – die Asiaten verwenden die Sternfrüchte nicht nur in der Medizin sondern auch zum Putzen.  Man soll mit dem Saft der Sternfrucht sogar Rostflecken von Metall entfernen können. Zumindest habe ich das so gelesen … 1f618

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Der schwarze Punkt

So, heute war ich das erste Mal nach zwei Wochen einkaufen. Eigentlich nichts besonderes, aber irgendwie war es anders als sonst. Während der vergangenen zwei Wochen veränderte sich die sonst so ganz normale Umgebung in die Welt von draußen. Sehr viele Autos sind mir auf meiner Fahrt in die Stadt nicht entgegen gekommen und ich schätze, die Hälfte der Autofahrer hat eine Maske getragen. Beifahrer gibt es zur Zeit ja keine. Beim Einkauf war alles fast wie immer – außer das ein Großteil der Menschen Masken getragen und mehr Abstand von einander gehalten hat. Also doch alles normal? Auf den ersten Blick könnte man es durchaus annehmen.

Mein Ausflug in die große, weite Welt war ziemlich unspektakulär und eine Stunde später bin ich bereits wieder daheim gelandet. Ich kann euch daher keine besonders aufregende Geschichte erzählen, aber ich habe eine andere Erzählung, etwas zum Nachdenken, für euch. Ich habe leider keine Ahnung, wer sie geschrieben hat, denn ich habe sie vor langer Zeit im Internet gefunden und für mich abgespeichert. Vielleicht gefällt sie ja euch genau so gut wie mir.

Der schwarze Punkt
Eines Tages kam ein Professor in seine Klasse und kündigte einen Überraschungstest vor. Er verteilte an alle Schüler ein Aufgabenblatt, das wie üblich mit dem Text nach unten zeigte. Dann forderte er seine Studenten auf die Seite umzudrehen und zu beginnen. Zur Überraschung aller standen keine Fragen auf dem Blatt Papier – es befand sich nur ein schwarzer Punkt in der Mitte der Seite. Nun erklärte der Professor folgendes: “Ich möchte Sie bitten, das auf zuschreiben, was Sie dort sehen.”


Die Schüler waren verwirrt, aber begannen mit ihrer Arbeit. Am Ende der Stunde sammelte der Professor alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle Schüler, ohne Ausnahme, hatten den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier und noch vieles mehr.

Nun lächelte der Professor und sagte: „Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken. Unser Leben ist ein Geschenk, das wir mit Liebe und Sorgfalt hüten sollten und es gibt eigentlich immer einen Grund zum Feiern – die Natur erneuert sich jeden Tag, unsere Freunde, unsere Familie, die Arbeit, die uns eine Existenz bietet, die Wunder, die wir jeden Tag sehen. Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die gesundheitlichen Probleme, der Mangel an Geld, die komplizierte Beziehung mit einem Familienmitglied oder die Enttäuschung mit einem Freund.

Die dunklen Flecken sind sehr klein im Vergleich zu allem, was wir in unserem Leben haben, aber sie sind diejenigen, die unseren Geist beschäftigen und trüben. Nehmen Sie die schwarzen Punkte wahr, doch richten Sie ihre Aufmerksamkeit mehr auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten und glücklichen Momente in ihrem Leben und teilen sie es mit anderen Menschen!

Ich hoffe, ihr habt noch keinen Coronakoller, ich habe sogar schon meine Fenster geputzt… Egal wie – bleibt gut gelaunt und vor allem gesund!

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Schnee, der Teide und ein blauer Vogel

Alle reden vom Frühling, warmen Sonnenstrahlen, Schneeglöckchen, Narzissen und bunten Tulpen – und ich serviere euch kalten Schnee frei Haus. Schneelandschaften vom südlichsten Punkt Europas. Aber ihr könnt es ruhig zugeben, das hat schon was, oder? Schneeglöckchen habe ich auf Teneriffa leider noch nie gesehen, unsere Narzissen blühen pünktlich zu Weihnachten und machen den Weihnachtssternen Konkurrenz und Tulpen habe ich bedauerlicherweise auch keine mehr im Garten. Die Tulpenzwiebel, die ich vor einigen Jahren in die Erde gestupst habe, sind irgendwann einfach verschwunden.  Aber mit Schnee und dunkelblauem Himmel kann ich punkten!   

Keine Angst, Teneriffa ist nicht plötzlich zum Winterwonderland geworden, die weiße Pracht liegt auch weit oben in luftiger Höhe und dient uns hier unten im Tal nur als wunderschöne Kontrastkulisse für die bunten Blumen und grünen Palmen. Es hat auch ab und zu einen gewissen Reiz, durch eine wunderschöne Winterlandschaft zu fahren – aber das ist heuer, dem Virus sei Dank, ja leider nicht möglich. Trotzdem freue ich mich über den Schnee am Teide, und vorgestern Abend hat sich unser Hausberg sogar für einige Stunden bei wunderbarem Sonnenschein in voller Schönheit gezeigt. Das war’s dann leider auch schon, denn zur Zeit ist es regnerisch und grau. Weit und breit kein Berg zu sehen.

Zum Glück ist irgendwann, vor vielen, vielen Jahren ein Apparat erfunden worden, mit dem man solche Augenblicke festhalten kann. „Ohne Fotografie ist der Moment für immer verloren, so als ob es ihn nie gegeben hätte.“ ist ein Zitat von Richard Avedon und ich kann nur bestätigen – recht hat der gute Mann! Jetzt im Moment haben hätten wir also theoretisch dieses wunderschöne Bild vor uns. Wenn da nicht das kleine Wörtchen wenn wäre…

Und weil ich heute zufällig viel Zeit und in meiner Fotoschachtel noch viele Fotos habe, kann ich euch auf einen Spaziergang durch eine verschneite Landschaft auf Teneriffa mitnehmen. Es war ein sonniger Montag im Februar 2016…

Wir haben für unseren Ausflug in den Schnee die Auffahrt zum Nationalpark über La Orotava gewählt und bis Aguamansa war die Strasse trocken und schneefrei. Bei Kilometer 23 war dann trotzdem Schluss mit Auto, weiter ging es nur noch zu Fuß. Wir hatten aber Glück, haben eine Lücke zwischen vielen Autos gefunden und konnten den Wagen am Straßenrand abstellen. In dicke Winterjacken eingepackt sind wir dann los marschiert. Der Himmel strahlend blau und die Sonne hoch oben. Für Jacken war es bald viel zu warm, der Pullover hat vollkommen ausgereicht.

Auf den Fotos sieht es zwar so aus, als ob wir ganz alleine auf weiter Flur gewesen wären, aber das war nicht der Fall. Bei diesem schönen Wetter haben sich sogar am Montag hunderte Menschen auf den Weg gemacht um einen wunderbaren Wintertag zu genießen. Und das sind nicht nur Touristen gewesen. Im Gegenteil, viele Canarios nutzen die Schneelandschaft um über die kleinsten Hügel zu rodeln. Wir haben vom Wellenbrett bis zum Sonnenschutz für das Armaturenbrett der Autos alles gesehen. Hauptsache man wird nicht feucht und die Unterlage rutscht.

So ein Spaziergang hat auch noch einen anderen Vorteil – man sieht die Umgebung plötzlich mit ganz anderen Augen. Diese Strecke sind wir in den letzten Jahren sehr oft gefahren, aber einen blauen Teidefink habe ich noch nie zu Gesicht bekommen. Bei diesem winterlichen Spaziergang habe ich sie aus nächster Nähe beobachten können. Direkt neben uns ist gleich eine ganze Truppe durch die Gegend geflattert und am Boden unter den Kanarischen Kiefern haben die flinken Vögel die Samen der Bäume aus dem Schnee gepickt.

Mit seinem dunkelblauen Federkleid und seinem blauen Schnabel ist der Teidefink oder Teydefink, wie er eigentlich richtig geschrieben wird, einer der schönsten Vögel, der in den kanarischen Kiefernwäldern zu Hause ist. Wahrscheinlich stammt er von Buchfinken, die von Afrika auf die Insel kamen ab, hat sich hier verändert und an die Umgebung angepasst.

Der Teydefink ist also eine endemische Vogelart, die nur auf Teneriffa und Gran Canaria vorkommt. Der muntere Vogel gilt als gefährdet und steht auf den Kanaren deshalb seit 1980 unter Schutz. Auf dem Foto ist übrigens ein Männchen zu sehen, die Weibchen sind, wie so oft bei unseren gefiederten Freunden, eher unscheinbar braun gefärbt. Der kleine Vogel ernährt sich hauptsächlich von den Samen der Kiefern, von Geißklee und Ginster, außerdem knabbert er Käferlarven, die er aus der Rinde der Kiefern zieht. Auf Teneriffa kommt er hauptsächlich in den Kiefernwäldern um Vilaflor und Arico sowie in bei Boca de Tauce in Guía de Isora und in den Wäldern bei Aguamansa in La Orotava vor. Also macht die Augen auf, falls ihr einmal in dieser Gegend sein solltet.

So, für heute ist Schluss, aber ich werde weiter in meiner Kiste wühlen und finde mit Sicherheit noch einige Geschichten mit Schnee, Teide und der Insel. Wir haben ja zur Zeit alle Zeit, oder? Ich zum Erzählen und ihr zum Lesen… macht es gut und gebt auf euch acht ¡mucha suerte!

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Ein bisserl brav sein

Jetzt liegt eine Woche Hausarrest hinter uns, seit Sonntag vor einer Woche leben wir sozusagen im Ausnahmezustand. Schulen und Kindergärten ohne Kinder, geschossene Geschäfte, Fußgängerzonen menschenleer, Arbeit ohne Arbeitsplatz. Überforderte Ärzte und Pfleger, die rund um die Uhr im Einsatz sind, Polizisten, die immer wieder dafür sorgen müssen, dass Menschen begreifen, dass sie sich ebenfalls an Regeln halten müssen. So sieht die Realität aus, wenn ein kleiner, kugelrunder und noch dazu nicht sichtbarer Virus die Welt in Atem hält.

Hier sind ein paar Fotos, die ich auf Internetseiten von einigen Zeitungen gefunden habe. So verändert sich das Bild der Alltag, wenn die Welt zu Hause bleibt, alles ist wie ausgestorben. Menschenleere Plätze wo sonst Menschen das Bild beherrschen, so gut wie kein öffentliches Leben wohin man schaut.

Viele Menschen sprechen ja von Zeiten wie im Krieg, aber wo bleiben dann die Bomben, Panzer und Gewehrsalven? Zusammen gebombte Häuser, Chaos und Hunger? Ich glaube, das ist ein ziemlich blöder und falscher Vergleich, denn wir alle kommen mit dieser Ausnahmesituation noch einmal ganz gut davon. Wir können uns in den Geschäften fast ganz normal mit Lebensmitteln versorgen – auch wenn zur Zeit jeder einzeln einkaufen gehen muss und den Einkauf nicht für einen gemeinsamen Familienausflug nutzen kann. Nachdem sich die Hamster erfolgreich versorgt haben bekommt man sogar wieder genügend Klopapier und Nudeln sind nie knapp gewesen. Abgesehen davon, dass es auf Teneriffa viele keine Läden gibt, die immer frisches Obst und Gemüse verkaufen. Es wird also auch in den nächsten Wochen niemand Hunger leiden oder gar verhungern.

Mit dem Hausarrest ist das natürlich eine andere Sachen. Mir, oder besser gesagt meinem Schatz und mir, geht es da ja relativ gut, denn wir können uns ganz normal im Freien austoben. Auf einem Hektar Grund rund ums Haus geht die Arbeit sowieso nie aus und theoretisch könnten wir hier sogar unsere Laufrunden drehen – wenn wir joggen würden. Aber Tage- und sogar Wochenlang in einer Wohnung sitzen und dann vielleicht auch noch mit kleinen oder auch großen Kindern stelle ich mir nicht gar so lustig vor.

Ab jetzt hilft nur noch beten, werden vielleicht einige sagen. Fragt sich nur, wo? Die Kirchen stehen auf Teneriffa im Moment nicht zur Verfügung, denn vor allem bei einem Gottesdienstes könnte gefährlich werden. In der Bibel steht zwar irgendwo „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ aber das gilt nicht nur für den lieben Gott, sondern auch für das ­Coronavirus. Um die Bevölkerung vor dieser Gefahr zu schützen, wurden, soviel ich weiß, auch die Osterfeierlichkeiten der Kirche auf der Insel abgesagt. Keine Ostermessen, keine Prozessionen. Ich glaube, das hat es vor Corona noch nie gegeben.

Y de repente despertamos un día y todo cambió, eines Tages wachten wir auf und alles war anders. Für jeden von uns hat sich von heute auf morgen das Leben um 360 Grad verändert. Und das nicht für alle zum Positiven. Ich kann mir auch nur das Gute aus der ganzen Situation herauspicken, um den Rest kümmere ich morgen.

Nach dem Regen kommt wieder Sonnenschein, das klingt zwar ziemlich abgedroschen, stimmt aber! Gestern früh war der Himmel strahlend blau, als ich mich in die Sonne setzen wollte um endlich mein neues Buch zu lesen, haben sich die Wolken zusammen gezogen, in der Nacht hat es wie aus Kübeln geschüttet und jetzt, am späten Nachmittag scheint wieder die Sonne. Im Moment versteckt sich der Teide zwar noch erfolgreich hinter ein paar Wolken, aber ich bin mir sicher, dass er eine weiße Schneehaube verpasst bekommen hat.

Also dann wie der Robert Heinrich I, Kaiser von Österreich sagt: „Z’haus bleiben und brav sein! Nicht eh nur ganz kurz zu einem Freund auf Besuch. Weil – ganz unter uns – so leiwand sind die Leut’, die man da draußen trifft, auch wieder nicht.“ Bis morgen – bleibt neugierig…

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Vatertag – el Día del Padre

Wie hat Peter Alexander in einem seiner Lieder gesungen? „Der Papa wird’s schon richten, der Papa macht’s schon gut, der Papa, der macht alles, was sonst keiner gerne tut.“

In ganz Spanien stehen heute mehr oder weniger alle Väter im Mittelpunkt. Es ist ein besonderer Tag für sie, denn im Kalender ist am 19. März der Vatertag, el Día del Padre, als Feiertag eingetragen. Hausarrest hin oder her, heute gibt es trotzdem einen guten Grund zum Feiern! Der Ehrentag von Josef, el día memorable de San José, also dem Ziehvater Vater von Jesus, wird in Österreich auch nur in Kärnten gefeiert, denn in diesem Bundesland ist er der zuständige Schutzpatron. Gefeiert ist übertrieben, aber in meiner Jugend hatten wir an diesem Tag Schulfrei, die Banken waren ebenfalls geschlossen und die fleißigen Beamten hatten auch frei. Das ist aber schon lange vorbei und heutzutage wird dieser Tag wahrscheinlich von keinem Kärntner mehr wirklich bemerkt.

Weil der berühmteste Vater der katholischen westlichen Welt wahrscheinlich Josef von Nazareth ist, wird am 19. März, seinem Namenstag, nicht nur in Spanien sondern auch in Andorra, Bolivien, Italien, Liechtenstein, Portugal, Honduras, Mosambik und Kroatien gefeiert. In Spanien ist es üblich, dass Väter Geschenke von ihren Kindern bekommen. Traditionell werden die meisten Geschenke in der Schule gemalt oder gebastelt… In der Realität werden die Geschenke gekauft und wer dabei das Rennen macht, kann ich nur raten. Die Krawatte, la corbata, oder doch das Rasierwasser, loción para después del afeitado?

Der Vatertag hat ja viele Mütter und irgendwo auf der Welt ist jedes Monat ein Tag, an dem die Väter feiern dürfen. In Spanien hat die Lehrerin Manuela Vicente Ferrero aus Madrid die Initiative ergriffen. Die Idee soll angeblich von Vätern stammen, die auf den Muttertag eifersüchtig waren und ebenfalls einen Tag haben wollten, an dem sie geehrt wurden.„Yo no inventé el Día de la Madre, pero inventaré el Día del Padre“ „Ich habe den Muttertag nicht erfunden, aber ich werde den Vatertag erfinden“, soll sie gesagt haben und organisierte 1948 eine Messe, ein Kinderfest und half ihren Schülern, einige Handarbeiten, die sie ihren Vätern geben konnten, zu basteln. Das Fest sollte so etwas wie ein Ausgleich zum Muttertag sein und so wurde der erste Vatertag in einer Schule in Madrid gefeiert.

Im Jahr 1953 kam dann der Besitzer des Einkaufzentrums Galerias Preciados auf die geniale Idee, dass man mit den Vätern ja auch gute Geschäfte machen könnte. Mit Zeitungsinseraten forderte er die Inhaber anderer Kaufhäuser auf, an diesem Tag spezielle Geschenke für Väter anzubieten und es kam, wie es kommen musste, der Rubel rollte.

Sozusagen erfunden wurde der Vatertag in Amerika. Wo sonst? Sonora Louise Smart Dodd gedachte 1909 bei einer Messe für den Muttertag ihres Vaters. William Jackson Smart war Kriegsveteran, der im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte und danach mit seiner Familie eine Farm bewirtschaftete. Wenn damals  die Frau eines Farmers starb war das eine Katastrophe, vor allem wenn sie kleine Kinder, die sich noch nicht selbst versorgen und mitarbeiten konnten, hinterließ. Die Väter waren meistens gezwungen, die Kinder zu Verwandten oder in Waisenhäuser zu geben. Für William Jackson Smart war das allerdings nie ein Thema, er bewirtschaftete seine Farm und zog die Kinder groß.

Sonora Smart Dodd Photo: AP

Er hatte für seine Zeit eine nicht alltägliche und schon gar nicht gewöhnliche Leistung vollbracht indem er, nachdem seine Frau 1898 bei der Geburt des jüngsten Kindes gestorben war,  seine sechs Kinder alleine groß zog. Deshalb wollte seine Tochter an seinem Geburtstag am 5. Juni an ihren Vater erinnern. Genau so hat es zwar nicht geklappt, denn der Vatertag wird in Amerika heute am 3. Sonntag im Juni gefeiert, doch im Jahr 1974 ernannte Präsident Nixon den Vatertag zum offiziellen Feiertag und gab ihm damit auch vom Gesetz her einen Status wie dem Muttertag.

In Österreich wird der Vatertag jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juni gefeiert, in Spanien, und deshalb auch auf den Kanarischen Inseln, werden aber heute die Väter geehrt und das macht eigentlich wirklich mehr Sinn als alles andere. In diesem Sinne  – einen herzlichen Glückwunsch an alle liebenden Väter!

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Die Sorgen der Anderen

In der Nacht hat es ein wenig geregnet, aber der Tag hat heute so schön mit blauem Himmel und Sonnenschein begonnen. Einfach traumhaft, aber um die Mittagszeit hat uns Petrus wieder einmal ein Schnippchen geschlagen, hat den Wolkenvorhang zu gezogen und die Heizung abgestellt. So ein Blödsinn! Jammern ist bekanntlich nicht das Klügste, damit ändert sich gar nix. Egal ob man sich übers Wetter oder über irgendetwas anderes ärgert. Man verplempert nur seine Zeit. Also – Kopf hoch und durch, jammern sollen die Anderen! Vielleicht bringt euch ja die nachfolgende Geschichte zum Nachdenken. Mir hat sie sehr gut gefallen, sie handelt von den Sorgen der Anderen…

Eine Frau war mit ihrem Schicksal unzufrieden; sie war ärmer als alle anderen Menschen. Das Brot reichte nie für ihre sieben Kinder. Ihr Mann war schon früh gestorben und hatte sie im Stich gelassen, sie war ganz alleine mit den Kindern und ihren Sorgen. Und so kam alles, wie es kommen mußte…

Eines Nachts, nach einem verzweifeltem Gebet, erschien ihr ein Engel, der ihr einen Sack gab und befahl, alle ihre Sorgen und Nöte hineinzuwerfen. Der Sack war fast zu klein um soviel Kummer, Sorgen und Ängste hinein zu packen. Aber der Engel nahm die Frau bei der Hand und führte sie, die stöhnend und vor sich hin schimpfend den Sack trug, in den Himmel. Oben angekommen, staunte die Frau nicht schlecht.

Den Himmel hatte sie sich in ihrer Fantasie ganz anders vorgestellt. Die Wolken waren nämlich keine zarten Wattebäusche sondern Sorgensäcke große und kleine Säcke und auf dem allergrößten dieser Säcke saß ein sehr ehrwürdiger alter Mann, der ihr aus der Kindheit, von Bildern her, noch irgendwie bekannt war. Dieser Mann kannte ihre Sorgen, denn er war derjenige, der sich jeden Tag ihre Gebete und Flüche angehört hatte. Er forderte sie auf, ihren eigenen Sack irgendwo abzustellen und dann erlaubte er ihr, alle anderen Säcke zu öffnen. Sie sollte sehen, was darin verborgen war. Sie müsste sich aber für einen der vielen Säcke entscheiden und ihn am Ende in ihr eigenes Leben auf der Erde mitnehmen.

Die Frau öffnete neugierig einen Sack nach dem anderen und fand Ärger, Probleme, bedrängende Konflikte, Langeweile und ähnliches mehr. Viele dieser Dinge kamen ihr fremd, andere bekannt vor und von anderen wusste sie nicht recht, ob sie sie schon einmal gesehen hätte oder nicht. Mühsam arbeitete sie sich durch die Menge, bis sie endlich zum letzten Sack kam. Langsam öffnete sie ihn, breitete den Inhalt vor sich aus und erkannte, dass es ihr eigener war. Sie stopfte alles wieder hinein, und als sie den Sack auf hob, kam er ihr viel plötzlich viel leichter als alle anderen vor. Plötzlich machte sie sich keine Sorgen mehr, ihre Schmerzen schmerzten sie nicht mehr. Stattdessen sah sie reale Missstände, objektive Drohungen und lohnende Ziele. Plötzlich sah sie die Welt mit anderen Augen…

Pride Sunrise von Robin Wight

Der Forscher Karl Pillemer, Professor für Humanentwicklung, wollte es genau wissen und fragte Menschen über 65 Jahre, was sie am meisten in ihrem Leben bereuen. Die meisten der Teilnehmer seiner Studie sagten ihm, dass sie bereuten, sich so viele Sorgen in ihrem Leben gemacht zu haben. Sie wünschten sich die Zeit zurück, die sie in Sorge verbracht hatten. Ihr Ratschlag fürs Leben ist erstaunlich einfach und direkt – Sorgen sind eine Verschwendung unserer wertvollen und begrenzten Lebenszeit. Ihr Tipp für ein glücklicheres Leben lautete daher, sich zumindest weniger zu sorgen. Ich bin mir sicher, das ist kein schlechter Ratschlag. Wie hat schon Mark Twain gesagt? „Ich bin in meinem Leben durch viele Katastrophen gegangen. Einige davon sind sogar passiert“.

Der Autor der Erzählung über die Sorgen von Anderen ist für mich leider unbekannt, soviel ich weiß, es soll eine orientalische Geschichte sein.

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COVID-19 und der Hausverstand

Bis jetzt hat uns da Jahr 2020 ja schon viel geboten – vor ein paar Tagen stand la Super Luna als besonders heller Vollmond am Nachthimmel, der Februar hat sich erst nach 29 Tagen von uns verabschiedet und sogar ein Freitag mit der unschönen Zahl dreizehn war gestern im Angebot. Normalerweise ist dieser Tag den Medien immer ein Bericht wert, aber gestern ist er anscheinend ganz unbemerkt an uns vorbei geschlichen. Ich habe dieses spezielle Datum auch erst am Abend realisiert. Leider habe ich dadurch auch gar nicht darauf geachtet, ob mir die schwarze Katze gestern Früh von rechts nach links oder umgekehrt über den Weg gelaufen ist…

Gestern war der Tag im großen und ganzen noch in Ordnung, aber heute sieht die Welt auch auf unserer Insel im Atlantik komplett anders aus. Ich gehe immer nur einmal in der Woche einkaufen und als ich gestern das erste Mal Fotos von leer geräumten Regalen im Mercadona von Icod de los Vinos gesehen habe, war ich heute natürlich ziemlich neugierig, wie es im Moment in den Geschäften zugeht. Bis jetzt wurden ja nur die Geschäfte einer bestimmten Kette, vertraulich gesagt die Filialen vom Lidl, im Süden der Insel gestürmt, doch plötzlich rückt das Szenario näher. Irgendwie schon ein eigenartiges Gefühl. Also, auf in den Kampf und rein ins reale Leben.

ein Foto von Daute Digital von der Plaza in Garachico

Ich bin wieder zurück und ich habe alles bekommen – außer Klopapier. Ganz ohne Witz, es war fast wie immer und ich habe auch keinen einzigen Käufer gesehen, der in seinem Einkaufswagen unüblich große Mengen von Nudeln, Konserven oder sonstigen Artikeln angehäuft hätte. Die Hamsterer sind also anscheinend schon am Vormittag unterwegs gewesen und es muss zum Glück trotzdem niemand verhungern oder gar verdursten.

Mit Hilfe der Webcams im weltweiten Netz habe ich einen kurzen Ausflug über die Insel gemacht und überall an allen Plätzen gibt es einen gemeinsamen Nenner – es fehlen die Menschen, es herrscht eine ungewohnte Ruhe. Ab und zu ein Jogger, dort führt jemand seine Hunde Gassi, ein Radfahrer und eine überschaubare Anzahl von Fußgängern. Ein komplett ungewohntes Bild.

Ich werde in nächster Zeit auch mehr Zeit haben, denn vermutlich müssen wir die Tore von ARTlandya ebenfalls schließen. Ich weiß es noch nicht sicher, denn die neuen Verordnungen der Inselregierung sind zur Zeit nicht veröffentlicht. Wenn sich die kanarischen Behörden an alle Punkte der spanischen Verordnung halten, wird es wohl so sein. Wie gesagt, ich weiß es noch nicht. Also dann – bleibt neugierig hasta pronto…

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