Playa de los Roques

Der bekannteste Strand von Los Realejos ist wahrscheinlich la Playa de El Socorro, aber zu Los Realejos gehören noch einige andere, wenn auch versteckte Strände. Playa de la Grimona ist oft nur bei Ebbe zu sehen und interessiert mich eigentlich nicht. Aber es gibt noch la Playa de Los Roques, die Playa de La Fajana, oder Playa de Castro. Man muss nur wissen, wo sie sind und wie man hinkommt.

Wie oft sind wir schon irgendwo an der Küste spazieren gegangen und haben schöne Buchten entdeckt. Meistens sind wir allerdings oben drüber gestanden, der Atlantik ist uns sozusagen zu Füßen gelegen und die verlockenden Buchten lagen tief unter uns. Scheinbar unerreichbar! Wir sind ja schließlich keine Bergsteiger und Kletterpartien über Stock und Stein sind nicht so mein Ding. Wie kommt man also direkt ans Wasser?

Vor ein paar Wochen haben wir uns auf den Weg zu einem dieser Strände gemacht – und sind an einer Absperrung des Wanderweges von der Rambla de Castro Richtung Puerto de la Cruz gescheitert. Dieses Mal haben wir es von der anderen Seite versucht – und sind trotz einer Absperrung ans Ziel gekommen. Wofür diese Absperrung genau an dieser Stelle notwendig ist, kann mir wohl niemand erklären, denn wenn sie nur zwei Meter weiter angebracht wäre, könnte jeder ganz normal auf einem völlig intakten Weg ohne schlechtem Gewissen an den Strand gehen. Weil das aber nicht so ist, klettern, oder besser gesagt steigen eben alle über zwei große Wurzel auf den offiziellen Weg zum Playa de los Roques.

In alten Zeiten erhielt der Strand den Namen La Caleta del Burgado. Diesen Namen verdankte er den drei riesigen Felsen, die in dieser Bucht das Bild bestimmen – el Roque Chico, Roque Grande und La Pata, heute wird er allerdings la Playa de los Roques genannt.

Nach kurzer Zeit erreicht man den Strand und nach den letzten Schritten durch grünes Dickicht steht man vor einem wunderschönen Strand. Der Großteil besteht aus großen und kleinen, schwarzen, grauen und weißen rund geschliffenen Steinen, aber Richtung Wasser breitet sich ein wunderbarer Sandstrand aus. Ganz feiner schwarzer Lavasand… einfach nur schön.

Im Felsen hinter dem Strand muss eine kleine Süßwasserquelle sein, denn sonst würden hier mit Sicherheit keine Yamswurzeln wachsen, oder? Bei so viel Steinen hätte ich nie so eine tiefgrüne Oase erwartet und irgendwie wirkt dieses Grün fast unwirklich.

Leider hatten wir, wie so oft, keine Badehosen mit, aber für einen erfrischenden Spaziergang im niederen Wasser hat es gereicht. Jetzt wissen wir ja, wie wir zu diesem Strand kommen und das nächste Mal bleiben wir sicher länger hier. Vor allem werden wir uns erkundigen, zu welcher Zeit hier Ebbe ist, denn dann soll es besonders schön sein, da man bis zu den ausgehöhlten Felsen gehen kann. Das würde mich schon reizen.

Nachdem dieses Mal sowieso nichts mit baden war, sind wir noch ein Stückchen weiter gewandert. Genau gesagt bis zum Punta Pejes Reyes. Von hier aus hat man ebenfalls einen tollen Blick auf die Bucht und den Küstenstreifen bis Punta Brava.

Linker Hand Meeresrauschen und das tiefblaue Meer und rechter Hand ziemlich braune und vertrocknete Terrassen. Wenn man genau hinsieht kann man noch eine ehemalige Wasserleitung erkennen. Wasser rinnt darin keines mehr… Von dieser Seite könnte man auch zum Strand gehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob dieser Weg intakt ist.

Von hier aus klettern aber die Fischer auf den Felsen unter uns. So wie es aussieht, haben sie es sich dort recht gemütlich gemacht und für ihren Schutz anscheinend das Kreuz auf der Spitze des Steines. Wir sind von dieser Stelle aus wieder zurück marschiert – aber wir kommen wieder…

Wenn ihr wollt, könnt ihr euch noch einige Fotos in der Galerie ansehen und vielleicht macht ihr euch ja selbst einmal auf den Weg zu versteckten Buchten…

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Jedes Ding hat zwei Seiten

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, es ist einfach so – jedes Ding hat zwei Seiten. Welche das sein können? Nun, die eine und die andere, die schwarze graue und die weiße bunte, die falsche oder die richtige Seite. 

Vorsicht! Schon der gute Goethe hat empfohlen: „Das, was wir böse nennen, ist nur die andre Seite vom Guten“. Wir können etwas von der einen oder von der anderen Seite sehen. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel darauf schauen – und das ist gut so. Neben guten gibt es eben auch nicht so gute Seiten.

Häuser oder Strassen haben nicht nur die schöne Schokoladenseite, die uns so gut gefällt, zu bieten. Im Hinterhof sieht es oft nicht so lebenswert aus. Auch in Puerto de la Cruz kann man einige Plätzchen finden, die eher wie die Schattenseite des Lebens wirken. Ein Beispiel liegt hier, direkt an der Mole der Stadt. Auf der Seite, die zum Atlantik schaut, sind die Häuser zum großen Teil nicht einmal verputzt, geschweige denn mit Farbe verschönert. Sie zeigen ihr zweites Gesicht. Ein ziemlich trostloser Anblick.  

Das Leben ist nicht immer nur schokoladig und süß, es gibt auch noch zart und bitter im Angebot. Aber sprechen wir dabei wirklich von zwei unterschiedlichen Welten? Ist die ganze Komposition vielleicht doch eine runde Einheit? Zum Licht gehört Schatten, zum Tag die Nacht und zur Schönheit ein paar hässliche Flecken.  Ohne Salz schmeckt keine Suppe und wenn wir uns nur von Schokolade ernähren würden, wären wir trotzdem nicht im Schlaraffenland.   

So wie es aussieht, gibt es auch auf der Schattenseite ein paar sonnige Plätzchen. Sonst würde hier wohl kein bunter Sonnenschirm stehen, oder? Vielleicht handelt es sich in diesem Fall gar nicht um eine Schattenseite des Lebens sondern um einen zweckmäßigen und ruhigen Arbeitsplatz?

Der Mann hätte es mir sagen können, aber ich habe ihn nicht gefragt. Ich habe die Situation einfach für diese Darstellung meiner Vorstellung benutzt. Doch es besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich mich getäuscht habe und der Mann zufrieden auf der Sonnenseite des Lebens steht. 

Und etwas sollte man auch nie vergessen: „Wenn du auf der Schattenseite der Welt bist, denke daran – die Erde dreht sich!“

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Annette Himstedt

Annette Himstedt zählt zur ersten Generation der Puppenmacherinnen, die die neue Entwicklung der KünstlerPUPPEN mitbegründete. Bereits als Kind hat Annette Himstedt mit Leidenschaft gezeichnet und Portraits gemalt. Zu ihren Favoriten zählten dabei Kinder und ihre lebendigen Gesichter. Diese Stimmungen und Augenblicke wollte sie einfangen und festhalten.

Mich haben ihre PUPPEN von Anfang an fasziniert und deshalb besitzt das Museum der zeitgenössischen PUPPENkunst eine sehr große Sammlung ihrer Kunstwerke. Mohan war vor vielen, vielen Jahren die erste PorzellanPUPPE, die wir uns leisten erwerben konnten – und er gehört bis heute zu meinen Favoriten.

Mohan – eines der PuppenKinder aus Prozellan von Annette Himstedt

„Ich wollte immer Kinder aus Porzellan machen, nie richtige ‚Puppen‘. Ich bin überzeugt, dass sich die wenigen Zweifler, die diese Lebendigkeit unheimlich finden, daran gewöhnen werden. Denn auch an die Photographie haben wir uns alle gewöhnt. Ich liebe Kinder. Wenn sie bei mir Modell sitzen, plappern sie drauf los und helfen mir, zu einem noch besseren Ergebnis zu kommen, denn Kinder sehen sich ehrlich und ohne Wunschvorstellungen.“ Annette Himstedt

Lars, ein kleiner Junge aus Schweden – ebenfalls ein PuppenKind aus Porzellan

Das Ergebnis ihrer Arbeit sollten nicht Puppen schlechthin sein, ihr schwebten immer Kinder aus Porzellan vor. Kinder aus Porzellan, ein schöner, jedoch auch schwerer Weg. Sie hat sich in mühsamer, jahrelanger Arbeit, ohne fremde Hilfe und ohne je einen Kurs besucht zu haben, eine Position geschaffen, um die man sie beneiden kann. Lange schon ist sie bekannt und ihre Arbeiten sind international gefragt. Die Kinder der heutigen Zeit erschienen ihr so lebendig und natürlich, dass es sie reizte, sie in Porzellan festzuhalten.

SommerKinder aus dem Jahr 2008

Ab dem Jahr 1986 produzierte Annette Himstedt ihre Puppenkinder auch in Vinyl und damit begann die Ära der limitierten Charakterpuppen. Annette Himstedt und ihre Puppenkinder waren die Vorreiter auf dem immer größer werdenden KünstlerPUPPENmarkt. Sie und ihre Puppen haben die Welt der KünstlerPUPPEN gravierend beeinflusst und vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern den Weg in diese Kunstrichtung ein bisschen leichter gemacht.

Bei einem Besuch unseres Museums könnt ihr euch davon überzeugen – und über Annette Himstedt gibt es noch sehr viel zu erzählen. Bleibt also neugierig…

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Teneriffa und die Klischees

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Ihr werdet es nicht glauben, aber Klischees über Teneriffa findet man überall in allen Medien. Das beginnt schon bei den Texten der diversen Reiseführer und da es heutzutage üblich ist, seine Texte nicht mehr zu hinterfragen, sprich zu recherchieren, sondern einfach zu kopieren, verbreiten sich die einmal aufgeschriebenen Feststellungen wie von selbst im Eilzugtempo. Eins, zwei, drei und schon wird aus einem Klischee eine Art Wahrheit! Diese Erkenntnis wird nun mit fester Überzeugung, als Verstärkung sogar noch als Mundpropaganda, lustig weiter in die Welt getragen wird.

Dabei wollte der Verfasser der ursprünglichen Aussage vielleicht nur besonders gut formulieren und hat seine Beschreibung gar nicht so ernst gemeint. Wovon ich hier die ganze Zeit rede schreibe?  Ich werde euch einfach ein paar Beispiele nennen und dann bin ich bin gespannt, wie ihr diese Behauptung dann verstehen werdet.

Also, hier ist erst einmal Punkt Nummer eins:  Teneriffa, die Insel des ewigen Frühlings. Kein Klischee hält sich so hartnäckig, wie das des Ewigen Frühlings. Woher diese Aussage ursprünglich kommt weiß ich nicht, aber eines kann ich mit Sicherheit behaupten – auf Teneriffa treibt sich nicht das ganze Jahr der Frühling herum, die drei anderen Jahreszeiten gehen an der Insel nicht unbemerkt vorbei. Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind nur nicht so extrem kalt und warm wie am Festland Europa.

La Playa Blanca

Klischee Nummer zwei: der sogenannte Süden ist immer sonnig und im grünen Norden regnet es das ganze Jahr. Diese Aussage ist gleich doppelt falsch. Das die Zuordnung der Orte zu den richtigen Himmelsrichtungen nicht genau stimmen, liegt wahrscheinlich daran, dass die Insel ziemlich schief im Atlantik liegt. Der sogenannte „Süden“ also das Gebiet von Los Cristianos, Playa de las Americas, Adeje bis Los Gigantes ist zwar in den Sommermonaten ziemlich heiß und im Winter gibt es hier kaum Niederschlag aber dafür ist es in den Wintermonaten oft stark windig – und ab und zu regnet es auch hier.

im Anaga Gebirge

Im „Norden“, also eigentlich an der Nordwestküste bis an die nördliche Spitze regnet es in den Monaten November bis April des öfteren. Das heißt aber nicht, dass dieser Teil von Teneriffa ständig unter Wasser steht, denn wenn es regnet, regnet es einige Stunden lang, vielleicht ab und zu etwas länger, aber sobald die Sonne die Wolken vertrieben hat, ist es auch auf diesem Teil der Insel angenehm warm.

ein Blick von ARTlandya auf den verschneiten Teide im Jänner 2019

Winter auf Teneriffa bedeutet Schnee auf dem Teide und hoffentlich immer genügend Regen in den Wintermonaten. Im Winter scheint aber auch die Sonne und sorgt für angenehme Wärme – nur die Nächte sind natürlich kühler. Statt Schnee schaufeln und Eis kratzen dürfen wir Rasen mähen. Da kann man wirklich nicht klagen, oder? Für einen Badeurlaub um diese Zeit wäre es mir allerdings zu kalt. Trotzdem – Teneriffa hat ein fast perfektes Klima mit vielen Sonnenstunden und angenehm warmen Tagestemperaturen das ganze Jahr über.  Wenn hier jemand über das Wetter schimpft ist er falsch angezogen und jammert auf sehr hohem Niveau!

La Orotava

Es geht weiter, wer sind die Glückseligen, die hier leben sollen? Die Millionen von Touristen, die ihren Urlaub hier verbringen, die Insulaner selbst, die das ganze Jahr über im Paradies leben, oder sind es gar die Pensionisten, die hier auf Teneriffa überwintern? Doch wir leben nicht auf der Insel der Glückseligen, denn wenn es überall kracht, sind auch die Kanarischen Inseln nicht ausgenommen. Die acht größeren Inseln und die weniger bekannten kleineren Inseln Alegranza, Montaña Clara, Roque del Este, Roque del Oeste und Lobos, gehören eben zu Europa und nicht zu irgendeinem anderen Universum.

El Auditorio – das markante Bauwerk in Santa Cruz de Tenerife

Auf Teneriffa müssen die Menschen wie überall in Europa arbeiten um ihr Leben zu finanzieren. Für die Menschen, die keine Arbeit haben, ist es sogar härter als in vielen anderen Ländern, da das soziale Netz auf den Kanaren sehr grobmaschig gestrickt ist. Auch wenn einige Schnäppchenjäger glauben, hier bekommt man Alles um fast Nix. Auf dieser schönen Insel bekommt niemand etwas geschenkt. Weder die Inselbewohner noch die Touristen. Wie sollte das denn auch funktionieren?  Dann wären wir ja wirklich im Paradies auf Erden, oder?

Der Drachenbaum von Icod de los Vinos

Mittlerweile ist es schon spät geworden und ich lasse das Thema für heute ruhen. Eines kann ich mir aber nicht verkneifen, ich lasse zum Abschluss einfach noch einen Satz mit Klischee in der Luft stehen – Teneriffa ist eine wunderschöne Insel mit vielen Gesichtern! 

Der Eingang von ARTlandya – ein Puppenmuseum umgeben von viel Natur

Genau so ist es, die Insel im Atlantik bietet für jeden Urlauber das Richtige – abwechslungsreiche Landschaften, schöne Strände, verträumte Städtchen und eine moderne Großstadt mit einem schönen, alten Stadtkern. Man kann Kirchen, Klöster und alte Herrenhäuser erkunden, am Strand liegen oder in den Bergen herumkraxeln. Die Insel besteht eben nicht nur aus Natur, sie bietet auch viel Kultur. Es kann sich also jeder Urlauber seine Leckerbissen heraus suchen oder einfach nur die Seele baumeln lassen und die Zeit genießen. Dazu passt dieser Satz natürlich perfekt: „Wahrhaft glückselig ist jeder, der sich für eine Reise nach Teneriffa entschieden hat!“  Typisch Tourist würde ich sagen – aber das ist natürlich auch schon wieder ein Klischee  …

•*¨*•❥  Übrigens, die wohlhabenden Engländer waren die allerersten Europäer, die die Insel im 19. Jahrhundert als Urlaubsziel entdeckten. Wer es sich leisten konnte, kaufte sich ein Ticket für den Bananendampfer und erholte sich unter der kanarischen Sonne in Puerto de la Cruz.   Und das ist kein Klischee sondern Geschichte!

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Billig oder preiswert?

Wer kennt sie nicht. Kunden, die alles haben wollen, aber nichts dafür bezahlen wollen die auf beste Leistungen und Service bestehen, aber dafür kaum was bezahlen wollen. Vor allem die bunte Werbung will uns billig als preiswert verkaufen. Nimm zwei und bezahle für eins, am Wochenende purzeln die Preise in den Keller und ab und zu frage ich mich, wer in dieser Welt der ansprechenden Werbung überhaupt noch so blöd ist, irgendeine Ware zum regulären Preis kaufen zu wollen. Okay, die Werbewelt ist eben ein eigener Planet, aber was für mich fast noch schlimmer ist, billig wird von vielen Mitmenschen schon fast als „Qualitätsmerkmal“ gesehen.

Aber billig oder preiswert, das sind zwei verschiedene Paar Schuh, doch wo ist der Unterschied? Meine Oma hat immer gesagt „wer billig kauft, kauft zweimal,“ und dann kann billig ganz schön teuer sein. Die bessere Entscheidung ist damit für mich eindeutig das preiswerte Angebot. Niemand von uns will oder kann sein Geld zum Fenster hinaus flattern lassen und Qualität muss nicht überzogen teuer sein – aber Qualität hat eben auch ihren Preis. Sie ist ihren Preis wert!

Jeder von uns will für seine Arbeit gerecht und so gut wie möglich bezahlt werden, oder nicht? Wenn es aber darum geht, anderen Erdbewohnern einen gerechten Lohn für ihre Arbeit zu bezahlen sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. Egal ob es sich dabei um Lebensmittel, Kleidung oder Möbel handelt. Nicht einmal in seiner Freizeit macht der Schnäppchenjäger eine Ausnahme. Urlaub so billig und so viel wie möglich. Mein Ding ist das nicht, aber zum Glück kann jeder für sich selbst entscheiden.

Der Kampf um den kleinsten Preis ist allerdings keine Erfindung von heute oder gar von mir, darüber haben sich bereits vor mehr als einhundert Jahren – und wahrscheinlich auch schon viel früher – kluge Menschen den Kopf zerbrochen. Der Großteil der Menschen ist anscheinend einfach so gestrickt.

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, dass nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen sie für das Risiko, dass sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn sie das tun, dann haben sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

John Ruskin engl. Sozialreformer (1819-1900)

Gute Arbeit sollte also jedem Kunden ihren Preis wert sein. Billig ist meistens nur im ersten Augenblick schön und viele Dinge im Leben sind es durchaus wert, dafür ein bisschen mehr Geld auszugeben. Auch wenn sie oft überflüssig und nicht über lebensnotwendig sind. Die berühmten Sahnehäubchen eben. Und dafür diejenigen, die dafür arbeiten gerecht zu entlohnen bezahlen, hat auch etwas mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu tun und wenn wir ganz ehrlich sind, weiß jeder von uns – „was nichts kostet, kann auch nichts wert sein.“

Immer nur billig ist das falsche Rezept und wenn Menschen sich in diesem Fall nicht ändern werden, werden wir alle in einigen Jahren die Rechnung bezahlen – und die wird teuer!

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Der Fischer und der Millionär

Heute habe ich zur Abwechslung wieder einmal eine kleine Geschichte für euch. Mir hat sie sehr gut gefallen – vielleicht gefällt sie euch ja auch. Ich finde, es steckt verdammt viel Wahrheit in dieser Erzählung. Die Geschichte vom Fischer und vom Millionär habe ich heute aus den Tiefen des weltweiten Netzes gefischt. Autor war leider keiner angegeben. Aber lest selbst …

Es begab sich, dass ein sehr reicher Mann Urlaub auf einer wunderschönen Südseeinsel machte. An einem strahlend schönen Tag spazierte er über die Insel und genoss das Leben. Er hörte das Rauschen der Wellen des Meeres, der laue Wind strich durch die Palmblätter, Grillen zirpten im Gras und rund um ihn kreischten und zwitscherten bunte Vögel. Eine Szene wie man sie sich im Paradies vorstellt. Während er also glückselig scheinbar über den sandigen Untergrund des Strandes dahinschwebte und über die Weiten des Meeres blickte, entdeckte er einen Fischer, der zufrieden in der Sonne lag und den Tag ein lieben Tag sein ließ.

„Hallo Fischer“, begrüßte ihn der Millionär. „Was machst du hier?“
„Ich liege in der Sonne und genieße den Tag. Weißt du, ich habe gestern so viele Fische gefangen, dass ich heute faul in der Sonne liegen kann“, antwortete der Fischer.
„Aber“, sagte der Millionär fassungslos, „das verstehe ich nicht! Wenn du heute auch ausgefahren wärst, dann könntest du noch viel mehr Fische fangen und eine Menge Geld verdienen.“
„Und was habe ich davon“, fragte der Fischer.
„Na ja“, meinte der Millionär. „Mit dem Geld könntest du dir ein größeres Boot kaufen und dann noch mehr Fische fangen und noch mehr Geld verdienen!“
„Und was hätte ich davon“, fragte der Fischer noch einmal.
„Mit dem vielen Geld, das du dann verdienst könntest du eine Fischfabrik aufbauen und dann bist du reich!!!“
„Ja und was mach ich dann mit dem vielen Geld“, fragte der Fischer.
„Na, ja dann könntest du Urlaub auf einer wunderschönen Insel machen, das Leben genießen und in der Sonne liegen“, antwortete der Millionär.
Da lächelte der Fischer verschmitzt und meinte: „Ja was glaubst du denn, was ich gerade tue?“

Ihr habt schon recht, dieser Mann liegt nicht in der Sonne und lässt den lieben Tag einen guten Tag sein, aber für mich passt das Foto trotzdem gut zur Geschichte …

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Corpus Christi – nach dem Fest…

Gestern haben tausende Menschen die wunderschönen Blumenteppiche in La Orotava bewundert. Petrus hat mitgespielt und so konnten viele Besucher bei strahlendem Sommerwetter durch die Gassen der Innenstadt spazieren und zusehen, wie das graue Kopfsteinpflaster innerhalb von ein paar Stunden von fünfunddreißig bunten Blumenteppichen verschwand.

© Prensa Ayuntamiento La Orotava

Der Höhepunkt wartete natürlich auf dem Platz vor dem Rathaus – der berühmte Sandteppich aus buntem Sand des Lavagesteins der Insel! Ein Meisterwerk der ganz besonderen Art, oder? Vor allem das Bildnis des kleinen Jungen faszinierte die Besucher. Ob gestern noch sehr viele Bewunderer daran gedacht haben, wofür oder warum dieser Junge seine Hand aus dem Teppich streckte?

Ich glaube, darüber haben sich nicht viele Besucher Gedanken gemacht, aber ich kann mich natürlich auch irren. Nur zur Erinnerung, der Junge symbolisierte die Schwachen der Gesellschaft, er war der Platzhalter für Nächstenliebe. Was viele Menschen allerdings nicht verstehen, ist die Tatsache, dass sämtliche Kunstwerke die an diesem Tag entstehen, am Abend zerstört werden. Einfach so.

Nach der Messe am Abend, zieht die Prozession der Gläubigen von der Kirche La Concepción erbarmungslos über die Blumenteppiche bis zum Rathaus. In der Mitte des wunderschönen Lavateppichs endet die Prozession. Nach der Zeremonie auf diesem Platz geht der Zug wieder zurück zur Kirche. Das Bild ist zerstört, nicht mutwillig sondern als Konsequenz. Menschen schweben nicht im Raum, sie stehen noch immer mit beiden Beinen, mehr oder weniger sicher, auf dem Boden. Um vorwärts zu kommen, muss also jeder Mensch einen Fuss vor den anderen setzen. Wir bewegen uns Schritt für Schritt und wirbeln dabei eben auch Staub, oder in diesem Fall Sand, auf. ††

Da arbeiten zwölf Männer über fünf Wochen an einem Gemälde aus Sand, tagelang schneiden über hundert Frauen und Männer abertausende von Blumenköpfen von den Stengeln und ordnen sie farblich getrennt in Hunderten von Kisten. Sägemehl und Holzspäne werden gesammelt und geröstet damit sie später die erforderliche Bräune oder Schwärze bekommen und Heidekraut wird ebenfalls in großen Mengen gesammelt und klein geschnippelt.

Männer, Frauen und Kinder verbringen Stunden mit der Dekoration der Gassen – und dann kommt eine Prozession und zertrampelt die mühsam hergestellten Werke. Die fleißigen Helfer im Hintergrund sieht niemand, sie bleiben unsichtbar. Und genauso verhält es sich mit dem ganzen Fest. Das Fest ist aus, wir geh’n nach Haus…

Es gibt ja nichts mehr zu sehen. Doch was geschieht, nachdem sich die Straßen der Stadt geleert haben? Nachdem die Prozession wieder in der Kirche eingetroffen ist und sich die Besucher in alle Winde zerstreut haben?

Richtig – es tauchen wieder viele unsichtbare Helfer auf. Naja, unsichtbar sind sie nicht wirklich, aber außer den Kindern die noch auf dem Platz vor dem Rathaus spielen, werden die Männer mit ihren Besen und Schaufeln nicht wahrgenommen. Jetzt verschwindet das Kunstwerk endgültig und in ein paar Stunden wird nichts mehr darauf hinweisen, dass vor nicht allzu langer Zeit Menschen mit Staunen und Bewunderung vor diesem Platz gestanden sind. Vergängliche Kunst

Dank der Webcam, die auf dem Rathaus von La Orotava montiert ist, kann ich euch sogar ein paar Fotos von der Reinigungsaktion zeigen. Kurz vor Mitternacht war die Arbeit der Männer erledigt und das Sandbild endgültig ein Teil der Vergangenheit. Der Platz vor dem Rathaus war besenrein gefegt und die Pflastersteine verraten niemanden die Geschichten, die sie in den vergangenen Wochen hören durften.

… und nicht vergessen – heute steht der traditionsreichen Baile de Magos im Festprogramm, am Samstag, finden der Viehmarkt und la Romería Chica von der Iglesia del Calvario bis zur Iglesia de la Concepción statt. Außerdem beginnen die Vorbereitungen für die Romeria San Isidro Labrador am Sonntag. In den nächsten Tagen könnte es also für alle Feierlustigen etwas eng werden

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