Sterne, die auf Bäumen wachsen

Icod de los Vinos, 19. Jänner 2018, Freitag – viernes

Der Himmel ist hoch und die Sterne sind so unendlich weit weg, sie blinken hell und viel versprechend am Nachthimmel und ab und zu ist da jemand, der mir einen Stern vom Himmel holt. Ich hol dir die Sterne vom Himmel und bring sie dir zum Frühstück an dein Bett …  und dann bin ich aufgewacht! 1f607 Über uns spannt sich zwar fast jede Nacht ein traumhafter Sternenhimmel, doch auch wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle – einen Stern habe ich nie erwischt.

Dabei muss man sich auf Teneriffa gar nicht so anstrengen, denn hier auf der Insel können die Sterne sogar an Bäumen hängen. Sie duften verführerisch und schmecken köstlich. Ihr glaubt mir nicht? Es ist aber so!

Vor elf Jahren haben wir neben vielen anderen Pflanzen auch zwei Bäumchen gepflanzt. Eine männliche und eine angeblich weibliche Pflanze. Die Jahre zogen durchs Land oder besser gesagt über die Insel, aber außer schöne Blätter haben die zwei Konsorten nicht produziert. Keine Blüten, keine Früchte.

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Im vergangenen Jahr habe ich eines Tages zarte Blüten zwischen den grünen Blättern entdeckt, aber gar so ernst habe ich diese Tatsache eigentlich nicht genommen. Außerdem hat nur einer der Bäume Blüten gehabt, also was soll’s? Ohne männliche Beteiligung soll es ja keine Früchte geben.

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Doch dem war nicht so, es entstanden grasgrüne, längliche Früchte und pünktlich zur Weihnachtszeit strahlte das ganze Bäumchen und war mit Hunderten von gelben Früchten behangen. Bei uns hängen die Sterne jetzt leicht zu pflücken am Baum und wer noch rechtzeitig kommt, darf auch welche kosten. 1f609 Das müsste allerdings bald sein, denn der Vorrat schrumpft täglich.

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Die Sternfrucht, la carambola, wird auch als Karambole bezeichnet. Ihre Heimat liegt in Südostasien und sie ist eine der köstlichsten Früchte in Malaysia und wird so gut wie das ganze Jahr geerntet. Die Frucht sieht eher einem Torpedo als einem Stern ähnlich, doch wenn man sie in Scheiben schneidet verwandeln sich die Stücke in kleine Sterne. Ihr kennt sie vielleicht nur grün und als Dekoration von irgendwelchen Desserts, aber wenn die Frucht so richtig reif, also goldgelb ist, schmeckt sie einfach himmlisch! Sie ist knackig, süßlich und extrem saftig.

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In Asien werden die fruchtigen Sterne gerne als erfrischendes Fingerfood angeboten aber die Frucht schmeckt nicht nur gut, sie ist auch reich an Mineralstoffen wie Kalium und Eisen, Vitamin A und C und stärkt damit auch die Abwehrkräfte für einen kalten Winter. In der chinesischen Medizin wird die zerstoßene Frucht als Heilmittel für Wunden verwendet und der Saft soll fiebersenkend und vor allem durstlöschend sein.

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Wer allerdings Probleme mit seinen Nieren hat, also mit chronischem Nierenversagen kämpfen muss, sollte keine Sternfrüchte essen. Die Sternfrucht enthält Caramboxin und kranke Nieren können den Stoff nicht ausscheiden. Dieses Nervengift ist für gesunde Menschen überhaupt kein Problem, bei Nierenkranken kann es aber zu hartnäckigem Schluckauf, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfällen führen.

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Aber wie gesagt, das betrifft nur auf kranke Menschen. Trotzdem ist diese Eigenschaft der köstlichen und gesunden Früchtchen wahrscheinlich die Ursache für die reißerische Schlagzeile „Todessterne vom Gurkenbaum“ die ich irgendwo gelesen habe. Der Aufhänger ist natürlich perfekt und aufsehenerregend. Schade, dass die viele Mitbürger heutzutage meistens nur mehr die Überschrift lesen und deshalb diese Aussage sofort als Tatsache übernehmen. Blöd gelaufen und ziemlich dumm, aber ob es gar so sinnvoll ist auf diese Art und Weise auf Leserfang zu gehen bezweifle ich trotzdem. 1f602 Mich fragt ja keiner, aber warum hat noch kein rühriger Schreiberling Journalist Muskatnüsse, Mandeln, Litschis oder gar den täglichen Apfel für Unglücksprophezeiungen dieser Art verwendet?

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eine fruchtige Joghurtcreme mit fruchtigen Sternen – ein himmlischer Genuss 

Solange man also nicht unter einem Nierenleiden leidet, ist die Frucht keine Gefahr für Leib und Leben. Also reinbeißen und genießen! Übrigens – die Asiaten verwenden die Sternfrüchte nicht nur in der Medizin sondern auch zum Putzen.  Man soll mit dem Saft der Sternfrucht sogar Rostflecken von Metall entfernen können. Zumindest habe ich das so gelesen … 1f618

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Aprilwetter im Jänner

Icod de los Vinos, 17. Jänner 2018, Mittwoch – miércoles

Wie hat schon Mark Twain geschrieben? „Jeder schimpft auf das Wetter, aber keiner tut etwas dagegen.“ Und recht hat er! Ich kann die ewige Meckerei über das Wetter schön langsam nicht mehr hören. Abgesehen davon, dass die besonders Klugen dann auch noch im selben Atemzug vom Klimawandel reden. Aber spielt das Wetter wirklich verrückt?

Teneriffa, die Insel des ewigen Frühlings, so kann man es immer wieder hören und auch lesen. Aber was soll ein ewiger Frühling sein? Was denkt sich ein Urlauber, der auf dieser Insel Urlaub machen möchte, wenn er diese Aussage liest? Egal welche Schlussfolgerungen er daraus ziehen mag, er kehrt die Tatsachen unter den Teppich. Auch bei Teneriffa muss man sich im Klaren sein, dass hier nicht ganzjährig alles eitel Sonnenschein ist.  Wenn man sich dann auch noch die Klimatabelle für diese Insel ansieht, kann man als optimale Reisezeit  für Teneriffa in der Regel den Zeitraum im Sommer von Mai bis August nennen. Sehr angenehm sind auch die Monate April, September und Oktober. Im November und Dezember muss man sogar mit heftigen Unwettern und Regen rechnen.

Ich kann es euch bestätigen, wir leben schon lange genug hier. Auf Teneriffa gibt es Jahreszeiten und die schönste Zeit beginnt im Mai und endet im Oktober. In diesen Monaten haben wir beständiges, warmes Sommerwetter, ohne Regen, ohne Blitz und Donner und ohne Hitze. Der Winter spielt sich im Jänner und Februar ab. In diesen Monaten sind auch die meisten Regentage in der Tabelle eingetragen und diese Aussagen entsprechen der Tatsache. Die Kanarischen Inseln liegen eben im Atlantik auf der Nord-und nicht auf der Südhalbkugel der Erde. 1f609 Wer also um diese Zeit Sommer genießen will, muss wohl ein wenig weiter weg fliegen. Ab in den Süden – und zwar auf die südliche Halbkugel der Welt! Wer aber dem strengen Winter in Mittel- und Nordeuropa entkommen will, findet das Wetter hier auf der Insel nicht so schlecht. Man muss sich eben den Temperaturen entsprechend anziehen. Luftige Sommerkleidung?  Mit kurzer Hose, T-Shirt und Miniröckchen sind jetzt nur Kurzzeittouristen unterwegs. Die Menschen, die sich länger auf Teneriffa aufhalten oder das ganze Jahr auf der Insel leben, besitzen Winterschuhe und warme Jacken! Ach ja, und vergesst eines nicht, an der Küste ist es immer ein paar Grad wärmer als irgendwo im Inneren der Insel. 1f644 Als Faustregel kann man sagen, dass die Grade pro hundert Höhenmeter um einen Grad in die Tiefe purzeln.

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KünstlerPUPPE aus Filz von Christa Mann

Die folgende Liste ist zwar weder eine Klimatabelle noch ist diese Auflistung von mir. Ich habe sie im weltweiten Netz gefunden, aber vielleicht erkennt man daran, wie relativ Wetter sein kann. 1f602 Hier könnt ihr den Unterschied zwischen Lappen und Waschlappen erkennen! Also stellt euch bei unseren frühlingshaften Temperaturen nicht so an!  Immerhin erspart ihr euch das Schneeschaufeln!

Ach ja, wenn euch das Wetter überhaupt nicht passt, könnt ihr Petrus verklagen, er ist dafür verantwortlich. Wie wäre es mit einer Sammelklage? Das kommt mit Sicherheit billiger und Mitstreiter findet ihr auch überall in eurer Umgebung. 1f602 Viel Glück!

  • +10°C Die Bewohner von Mietwohnungen in Helsinki drehen die Heizung ab. Die Lappen (Bewohner Lapplands) pflanzen Blumen.
  • +5°C Die Lappen nehmen ein Sonnenbad, falls die Sonne noch über den Horizont steigt.
  • +2°C Italienische Autos springen nicht mehr an.
  •   0°C Destilliertes Wasser gefriert.
  • -1°C Der Atem wird sichtbar. Zeit, einen Mittelmeerurlaub zu planen. Die Lappen essen Eis und trinken kaltes Bier.
  • -4°C Die Katze will mit ins Bett.
  • -10°C Zeit, einen Afrikaurlaub zu planen. Die Lappen gehen zum Schwimmen.
  • -12°C Zu kalt zum Schneien.
  • -15°C Amerikanische Autos springen nicht mehr an.
  • -18°C Die Helsinkier Hausbesitzer drehen die Heizung auf.
  • -20°C Der Atem wird hörbar.
  • -22°C Französische Autos springen nicht mehr an. Zu kalt zum Schlittschuhlaufen.
  • -23°C Politiker beginnen, die Obdachlosen zu bemitleiden.
  • -24°C Deutsche Autos springen nicht mehr an.
  • -26°C Aus dem Atem kann Baumaterial für Iglus geschnitten werden.
  • -29°C Die Katze will unter den Schlafanzug.
  • -30°C Kein richtiges Auto springt mehr an. Der Lappe flucht, tritt gegen den Reifen und startet seinen Lada.
  • -31°C Zu kalt zum Küssen, die Lippen frieren zusammen. Lapplands Fußballmannschaft beginnt mit dem Training für den Frühling.
  • -35°C Zeit, ein zweiwöchiges heißes Bad zu planen. Die Lappen schaufeln den Schnee vom Dach.
  • -39°C Quecksilber gefriert. Zu kalt zum Denken. Die Lappen schließen den obersten Hemdknopf.
  • -40°C Das Auto will mit ins Bett. Die Lappen ziehen einen Pullover an.
  • -44°C Mein finnischer Kollege überlegt, eventuell das Bürofenster zu schließen.
  • -45°C Die Lappen schließen das Klofenster.
  • -50°C Die Seelöwen verlassen Grönland. Die Lappen tauschen die ingerhandschuhe gegen Fäustlinge.
  • -70°C Die Eisbären verlassen den Nordpol. In Lappland wird an der Universität Rovaniemi ein Langlaufausflug organisiert.
  • -75°C Der Weihnachtsmann verlässt den Polarkreis. Die Lappen klappen die Ohrenklappen der Mütze runter.
  • -120°C Alkohol gefriert. Folge davon: Die Lappen sind sauer.
  • -268°C Helium wird flüssig.
  • -270°C Die Hölle friert.
  • -273°C Absoluter Nullpunkt. Keine Bewegung der Elementarteilchen. Die Lappen geben zu: „Ja, es ist etwas kühl, gib mir noch einen Schnaps zum Lutschen“
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gibt es ein Löffelmonster?

Icod de los Vinos, 14. Jänner 2018, Sonntag – domingo

Haben wir unbemerkt Familienzuwachs bekommen? Hat sich ein kleines, gefräßiges Löffelmonster bei uns eingenistet?  Richtig gelesen, es handelt sich heute um Löffel, genau gesagt um Kaffeelöffel, las cucharillas de café, und nicht um Socken.

Das Thema Sockenschwund kennt ja wohl jeder. Ein Paar Socken, sprich zwei Stück, wandern in die Waschmaschine und nur ein Exemplar kommt wieder raus. Das ist ja wirklich keine sensationelle Neuigkeit, sondern eher eine Alltagsgeschichte. Doch bei mir verschwinden kleine, silberne Löffel, las cucharas de plata, und dafür kann ich wohl nicht die Waschmaschine verantwortlich machen. 1f602 Als bekennende Handspülerin kann ich mit Sicherheit auch die Geschirrspülmaschine ausschließen.

Wir sind seit vielen, vielen Jahren stolze Besitzer eines schönen Silberbestecks. Es war das großzügige Hochzeitsgeschenk von Tanten, Onkeln und meiner Omi, das uns bis jetzt unbeschadet und fast vollzählig überall hin begleitet hat. Von Haushalt zu Haushalt, von Land zu Land.

Als unsere beiden Kinder noch klein waren, mussten wir innerhalb von einigen Jahren zwar leider den Verlust von drei kleinen Löffelchen beklagen, aber das war’s dann schon.  Das Leben ging weiter, irgendwann haben wir die fehlenden Teile durch neue Löffel ersetzt und unsere Welt in der Bestecklade war wieder in Ordnung.

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Vor einem Jahr hat das Schicksal erneut zugeschlagen und nun ist, auf geheimnisvolle Weise, wieder ein Löffelchen verschwunden. Das mysteriöse Verschwinden der beiden Kaffeelöffel beschäftigt uns natürlich und wir fragen uns, welchem tragischen Schicksal sie zum Opfer gefallen sein könnten.  Löffel verschwinden ja nicht so einfach mir nichts dir nichts, oder doch? Vielleicht wurden sie ja ganz heimtückisch entführt und jemand stellt eine Lösegeldforderung? Vielleicht wechseln sie aber nur den Haushalt? Es wird wahrscheinlich für immer ein Geheimnis bleiben. Leider!

Durch Zufall, por casualidad, habe ich heute einen interessanten Artikel im weltweiten Netz gefunden. Es ist unglaublich, aber wahr! In Melbourne erforschten drei Forscher des Centre for Epidemiology and Population Health Research, Macfarlane Burnet Institute for Medical Research and Public Health das Mysterium der Kaffeelöffel!

Verschwundene Besteckteile – dieses Problem existiert anscheinend auf der ganzen Welt. Welchen anderen plausiblen Grund sollte es sonst für so eine Studie geben? Leider haben die Wissenschaftler nur die Tatsache und die Ursachen des unerklärbaren Besteckschwundes beweisen bestätigen können. Warum und wohin die Teile sich verkrümeln bleibt auch durch diese Studie ein ungelöstes Rätsel.

Laut dieser wissenschaftlichen Studie, bei der mit Hilfe von zweihundertzehn Teilnehmern – hundertvierzig Personen und siebzig Kaffeelöffel – wurde nach einer Laufzeit von fünf Monaten folgende Punkte festgehalten:

  • 80% der Löffel sind verschwunden.
  • Die Halbwertszeit eines Kaffeelöffels beträgt 81 Tage.
  • Ein Kaffeelöffel in einer öffentlichen Küche lebt deutlich kürzer, nämlich ganze 42 Tage, als ein Löffelchen in einer Abteilungsküche, das immerhin eine Lebensdauer von 77 Tage haben soll.
  • Der Wert des Löffels spielt keine Rolle.
  • Die Häufigkeit des Kaffeelöffelverlustes beträgt im Beobachtungszeitraum 360,62 pro 100 Kaffeelöffeljahre.
  • Um also einen konstanten Bestand von 70 Kaffeelöffeln gewährleisten zu können, müssen geschätzte 250 Kaffeelöffel pro Jahr gekauft werden.

Damit ist das Mysterium der Kaffeelöffel wohl erforscht und wir können mit Sicherheit behaupten, dass Kaffeelöffel verschwinden.  1f602 Aber das „wohin“ wird wohl auch in Zukunft ein Geheimnis bleiben.

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In einem alten Volkslied heißt es – lirum, larum Löffelstiel wer nichts lernt, der kann nicht viel. Wißt woher dieser Spruch kommt? Für uns ist es selbstverständlich, mit einem Löffel zu essen. Dass der Löffel nicht immer so ausgesehen hat wie wir ihn heute kennen, verrät uns die Geschichte der Sprache. Es war ursprünglich ein Holzspan, nicht mehr und nicht weniger. Im Englischen kann man es noch schön am Wort spoon, Span, erkennen. Hergestellt wurden sie lange Zeit von den Löffelschnitzern. Diese Männer sollen zwar viele Löffel geschnitzt haben, aber selber hatten sie angeblich nicht viel zu löffeln.

Katzelmacher – so wurden die Italiener in meiner Jugend von vielen Kärntnern genannt. Keine Ahnung, was damit gemeint war, aber soviel ich mich erinnern kann, war diese Bezeichnung eindeutig abwertend gemeint. 1f60a Dabei hat der Name eine ganz besondere Bedeutung.

Am Ende des Mittelalters bekamen gegossene Löffel aus Zinn immer mehr Bedeutung. Katzelmacher waren italienische Zinngießer, die Löffel und Kessel aus Zinn herstellten. Das Wort Katzel kommt aus dem Italienischen, cazza heißt so viel wie Kessel, Löffel oder Schöpfkelle. Es war deshalb eigentlich gar keine abfällige Degradierung sondern schlicht und einfach eine falsche Berufsbezeichnung für Menschen, die diesen ehrenwerten Beruf allerdings gar nicht mehr ausgeübt haben. Was soll’s? Der Mensch neigt eben zur Verallgemeinerung.  1f644 Mit diesem Problem müsste sich sonst so manches angeblich blöde Schwein herum schlagen, denn ein Schwein ist alles andere als blöd …

In den vornehmen Kreisen hatte man in alten Zeiten schon verzierte Löffel aus Silber und anderen kostbaren Materialien. Das Phänomen des berühmten silbernen Löffel stehlens dürfte aber nicht ganz aus der Luft gegriffen sein.  Alwin Schulz schreibt in einer Abhandlung über das höfische Leben zur Zeit der Minnesänger, dass beim Abräumen der Tafel die Löffel immer nachgezählt wurden!

gabel

Der französische Schriftsteller Michel de Montaigne schrieb schon um 1580 über seine Reise durch Deutschland ganz verwundert, dass es selten „soviel Löffel gebe, als Leute bei Tisch seien.“ Warum hätte es auch so sein sollen? Zu dieser Zeit war es eben üblich, dass jedermann seinen eigenen Löffel im Sack hatte. Gabeln findet man erst viel später auf den Tischen der Bürger. Zu der Zeit war dieses Werkzeug für die normale Bevölkerung nicht wichtig. „Mit der Gabel ist’s die Ehr, mit dem Löffel erwischt man mehr“ heißt eine alte Bauernweisheit oder „Wenn es Suppe regnet, darf man keine Gabel haben!“

So, jetzt ist’s aber genug mit alten Weisheiten, aber ich hätte mir nie gedacht, dass ich über so etwas alltägliches wie einen Löffel so viel schreiben könnte. Falls sich bei mir noch mehr kleine Löffelchen sich verabschieden sollten, können wir ja zur Not unseren Kaffee ja auch mit einer Kuchengabel umrühren, aber eigentlich trinke ich meinen Kaffee sowieso ohne Zucker … 1f618

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für die Ewigkeit festhalten …

Icod de los Vinos, 12. Jänner 2018, Freitag – viernes

Egal wie oft, sea como sea, ich durch unsere kleine Stadt spaziere, immer wieder entdecke ich ein idyllisches Plätzchen, das ich vorher noch nie so gesehen habe. Oft liegt der Reiz in der Mischung zwischen Verfall und der Kraft der Natur. Auch Ruinen und halb verfallene Häuser können Charme versprühen. Auf eine bestimmte Art sogar Lebenskraft und Freude. So unter dem Motto – mich kriegt keiner unter, ich lebe!

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Ermita de la Cruz del Molino

Im Laufe der Jahre habe ich sehr viele Fotos geschossen und man möchte gar nicht glauben, welche schönen Fleckchen es in der Innenstadt von Icod de los Vinos gibt. Man muss nur die Augen aufmachen, dann entdeckt man die schönen Dinge – nicht nur in der Natur sondern auch in großen Städten. Schade, dass man sich dafür meistens zu wenig Zeit nimmt.

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La Casa de la Inquisicón in Icod de los Vinos

Das erinnert mich an zu Hause, an Kärnten. Die meisten Touristen, die unser Museum damals besucht haben, kannten Kärnten besser als ich. Klar, im Urlaub hat man ersten Zeit und zweitens will jeder so viel wie möglich sehen. Die meisten Urlauber auf jeden Fall. 1f609 Schließlich weiß man ja nicht, wann man wieder in diese Gegend kommt.

Urlaub und Alltag ist eben etwas komplett anderes. Ich bin zwar an diesem schönen Plätzchen der Erde geboren und auch aufgewachsen, doch die kleinsten Winkel und Schönheiten meiner Heimat kenne ich nicht alle. Kärnten ist ein beliebtes Urlaubsland und es gibt viel zu erleben und zu sehen, ein tolles Fleckchen Erde. Doch im normalen Leben nutzt man diese Vorteile viel zu selten, alles ist zu selbstverständlich und zu nahe und man hat ja alle Zeit der Welt. 1f607 Berge, Seen, Burgen und Schlösser verschwinden ja nicht von heute auf morgen.

Warum sollte es anders sein? Um die nähere Umgebung zu erkunden hat man Zeit ohne Ende, oder doch nicht? Eine Sekunde im Erdzeitalter ist nur ein Wimpernschlag. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Oder doch nicht trifft wahrscheinlich öfter zu, als man es sich ausmalen kann. Als Bestätigung kann ich den letzten großen Brand im Jahr 2007 auf Teneriffa zur Gedächtnisstütze verwenden. Gibt’s nicht geht also doch!

Ich wollte schon vor Jahren die Kapelle in Montañeta, la Ermita de San Francisco de La Montañeta,  fotografieren. Wir sind unzählige Male daran vorbei gefahren – aber nie stehen geblieben. Warum auch? Das können wir das nächst Mal auch tun, denkt man sich im Geheimen. Falsch gedacht! Es kommt immer alles ganz anders als man es sich in den kühnsten Träumen ausmalen könnte. Hätten wir es getan, wüsste ich heute genau, wie die Kapelle von Montañeta ursprünglich ausgesehen hat.

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so schön wie auf dem Foto von Paulino Diaz sieht die Kapelle heute wieder aus

Ich habe es nicht für wert befunden und weil das so war, werde ich die Kapelle, so wie sie vor dem Brand war, nie mehr sehen. Von einem Tag auf den anderen ist alles anders! Eine neue Zeitrechnung hat begonnen, die Zeit nach dem katastrophalen Brand. Und die Moral aus der Geschichte? Unterschätze die Naturgewalten nicht. Sie bestimmen den Stundenplan, sie geben die Regeln vor. Man sollte sich vielleicht wirklich an die Regel des Lebens halten, denn jeder Tag des Lebens kann möglicherweise der letzte Tag sein.

Aber jetzt wieder weg von negativen Gedanken. Wir haben heute den Startschuss für die Zukunft gezündet. Unsere Welt beginnt sich wieder rund zu werden. Der Kreis als Symbol kommt abermals zu seinem Recht. Die Schultern werden entlastet, die Gedanken können sich aufs Neue auf den Weg machen. Wir landen wieder bei unserer Devise – träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum. Aber davon erzähle ich euch in den nächsten Tagen mehr.

Aus diesem Grund wünsche ich euch allen heute einen wunderschönen, fantastischen Traum … 1f618

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Kinder, Kamele und der Kranz der Könige

Icod de los Vinos, 6. Jänner 2018, Samstag Reyes Magos – Dreikönigstag

Die Heiligen Drei Könige mussten sich gestern Abend beeilen damit sie ihre Arbeit mit trockenen Gewändern erledigen konnten. Stellt euch vor, in der Nacht hat es geregnet und jetzt, am Vormittag, tröpfeln noch immer ein paar feine Tropfen vom Himmel. Da haben die drei Weisen einmal klug mitgedacht und auch die Natur mit einem Geschenk bedacht – auch wenn sich darüber wahrscheinlich nicht alle freuen.

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eine kleine Prinzessin aus Filz von Christa Mann

König 1f451 werden und einen ganzen Tag lang regieren, wer träumt nicht davon? Ein paar Stunden habt ihr momentan noch die Chance dazu! Es ist gar nicht so schwer und auf Teneriffa schwingen heute wahrscheinlich sogar viele Könige das Zepter.  Wenn ihr dabei sein wollt, müsst ihr nur einen bestimmten Kuchen essen – und fündig werden! Dann seid ihr so gut wie Nachfolger der Bohnenkönige im römischen Reich.

El Roscón de Reyes ist am sechsten Jänner ein absolutes Muss auf jedem Tisch und deshalb war der bunte Dreikönigskuchen in den vergangenen Tagen in so gut wie allen Geschäften stapelweise im Angebot.

Heute wird noch einmal mit der ganzen Familie oder mit Freunden gefeiert. Es gibt ein großes Festessen und traditionell gibt es als krönenden Abschluss el Roscón de Reyes. Es ist eigentlich nur ein ganz einfacher Kranz aus Germteig mit kandierten Früchten, könnte man glauben. Aber im Inneren wartet eine Überraschung. Beim Backen werden eine Bohne und eine kleine Figur versteckt und wer sie findet ist entweder König oder Opfer und muss bezahlen. Ursprünglich war es nur eine einfache Bohne und derjenige, der sie fand war König für einen Tag und konnte tun und lassen was er wollte. Heute ist der Glückspilz der Besitzer der kleinen Figur und der Pechvogel der Eigentümer der Bohne. Wobei Glück und Unglück bei dieser Variante möglicherweise nur knapp von einander entfernt liegen. Die Gefahr sich einen Zahn aus zu beißen liegt beim Fund der Figur mit Sicherheit um einiges höher als bei der Bohne. 1f644 Aber egal, Glück ist sowieso eine Ansichtssache und dann hat eben der Zahnarzt Glück. Auf jeden Fall darf der König, stilvoll mit einer güldenen Pappkrone gekrönt regieren und der Besitzer der Bohne muss im nächsten Jahr für den Kuchen zahlen sorgen.

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Doch was hat es mit der Bohne im Kuchen auf sich? Den Ursprung findet man im alten Rom, also genau gesagt schon im zweiten Jahrhundert vor Christus. Mitte Dezember, als die Arbeit am Feld beendet war, wurde zu Ehren Saturns, der Gott der Landwirtschaft war, eine Woche lang ein großes Fest gefeiert, Saturnalia. Für die Dauer des Festes waren alle Menschen gleich, egal ob Bürger, Edelmann oder Sklave. Es wurde getafelt und getrunken und es wurden runde Kuchen mit Feigen, Datteln und Honig gebacken, die unter den Plebejern und Sklaven verteilt wurden. Laut schriftlichen Aufzeichnungen weiß man, dass im dritten Jahrhundert das erste Mal, als Zeichen des Reichtums, eine Bohne eingebacken wurde und derjenige, der die dicke Bohne fand, war für einen Tag der König der Könige!

Als 1700 in Spanien Felipe V., besser bekannt als der Bourbone Philipp V. von Anjou, den Thron bestieg, wurde es üblich, eine goldene Münze in den Kuchen zu stecken und im Laufe der Zeit verwandelte sich das schnöde Geld in eine kleine Figur und die einst begehrte Saubohne wurde von der Siegestrophäe zur Niete degradiert.

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Im Verlauf der Jahrhunderte nahm der Kuchen je nach Land verschiedene Formen an. Bis nach Österreich hat er sich allerdings nicht durch geschlagen, ich habe davon erst auf Teneriffa das erste Mal gehört. 1f609 Gebacken wird die Köstlichkeit aus Mehl, Butter, Zucker, Hefe, Milch, Eiern, Orangenblütenwasser und Salz. Wichtig für den Geschmack, aber auch fürs Auge, ist natürlich die besondere liebevolle Dekoration aus gezuckerten Orangenscheiben, Zitronenschale, Kirschen, Mandeln und Staubzucker. Die roten und grünen kandierten Früchte sind die farbenfrohen Symbole für die Edelsteine, der Könige des Morgenlandes, die sie auf ihren Mänteln trugen.

Verspeist wird der Kranzkuchen entweder mit oder ohne Füllung. Dafür wird der Riesendonat in zwei Hälften geteilt und mit Schlagsahne oder einer Puddingcreme gefüllt. In Spanien kann es auch fruchtig werden, denn in einigen Teilen des Landes wird er ganz märchenhaft mit Engelshaar verfeinert. Das klingt aber nur so weihnachtlich, ist es aber nicht. Cabello de ángel ist nichts anderes als eine Art fasrige Marmelade, die sehr aufwendig aus Kürbissen gekocht und sehr oft für Füllungen von Gebäck verwendet wird.

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Ob man mit einem Kuchen, Bohnen und einer kleinen Figur Glück und Unglück in der Zukunft vorher sehen kann?  Aber wenn es mit gegossenem Blei und der einen oder anderen Kristallkugel funktioniert, kann diese Weissagung auch nicht viel daneben liegen, oder? Eines ist auf alle Fälle sicher – mit dem heutigen Tag ist auch in Spanien die Weihnachtszeit endgültig zu Ende. Ab morgen glitzert und leuchtet die Welt um viele Lichter und symbolische Edelsteine weniger – jetzt kann der Fasching beginnen!

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drei Weise aus dem Morgenland

Icod de los Vinos, Freitag 5. Jänner 2018

Die Heiligen Drei Könige spielen zur Zeit in Österreich, aber vor allem auf Teneriffa, die Hauptrolle des Tages. Dort wie da sind die drei weisen Männer auf den Strassen unterwegs.  Allerdings mit einem riesengroßen Unterschied! Im Alpenland nehmen sie – und auf der Insel bringen sie die guten Gaben. Geben oder Nehmen, was ist besser?

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auf Teneriffa wird mit den drei Weisen aus dem Morgenland ein Märchen wahr …

Das ist die große Frage. Beantworten kann ich sie nicht. Wobei ich mich immer wieder frage, warum die Spenden hauptsächlich nach Afrika wandern. Im eigenen Land wären die milden Gaben mit Sicherheit auch ganz gut angelegt. Versickern kann der Geldstrom in anderen Kontinenten aber mit Garantie viel unauffälliger. Spendenaktionen und Geschenke verteilen halten sich ja vielleicht die Waage. Die Kinder freuen sich überall auf der Welt über die vielen bunten Päckchen und so soll es auch bleiben! Aber jetzt bin ich ziemlich weit abgedriftet – und dabei haben wir heute noch eine magische Nacht vor uns.1f607  Gaspar, Melchor y Baltasar sind mit den Kamelen unterwegs …

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am Abend kommen sie beim Castillo de San Felipe in Puerto de la Cruz an …

Caspar, Melchior und Balthasar werden die Weisen seit dem 9. Jahrhundert genannt. Sie sind die Vertreter der drei Rassen, der drei Erdteile und der drei Lebensalter. Der drei Erdteile? Ja so ist es, denn im 14. Jahrhundert glaubte man im christlichen Abendland, dass die Welt aus drei Kontinenten bestehen würde – Europa, Asien und Afrika.

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Reliquien der drei Könige im Kölner Dom

Ursprünglich wurden die Reliquien der drei Könige aus der Bibel in Mailand verehrt, doch am 23. Juli 1164 brachte Barbarossa sie als Geschenk nach Köln und seitdem werden die Überbleibsel in einem Goldschrein im Dom der deutschen Stadt aufbewahrt. 1f60a Reliquie heißt aus dem Lateinischen übersetzt übrigens wirklich nichts anderes als Überbleibsel.

In Kärnten würde heute wahrscheinlich 20+C+M+B+18 über unserer Haustüre zu lesen sein. Das malen die Sternsinger als Dank für die milde Gabe mit weißer Kreide auf Türstöcke oder Mauern. Das soll den Hausbewohnern viel Glück im neuen Jahr bringen, auch wenn jeder dafür bezahlen muss. 1f609 Die Buchstaben zwischen den Zahlen bedeuten Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus. Es handelt sich also nicht um die Anfangsbuchstaben der Namen von Caspar, Melchior und Balthasar, auch wenn das die meisten Menschen glauben. Das wäre doch einmal eine tolle Quizfrage, oder?

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Sternsinger der katholischen Kirche

Ob der Segensspruch wirklich hilft? Ich habe da meine Zweifel, denn die angeblichen heiligen drei Könige sind reine Märchengestalten, die die Kirche für ihre Zwecke benutzt. 1f607 Laut alten Schriften waren diese Männer entweder Magier, Sterndeuter oder irgendwelche reiche Reisende. Sie wurden weder heiliggesprochen, noch waren es Könige, geschweige, dass ein schwarzer Mann je dabei gewesen wäre. Wahrscheinlich hat es sich um persische Gelehrte gehandelt und die Zahl drei hat sich aus ihren angeblichen Mitbringseln, Gold, Myrrhe und Weihrauch, ergeben. Wohin und warum sie in der Wüste unterwegs waren, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben, denn erst ungefähr fünfhundert Jahre nach Christus tauchen die Namen Melkon von Persien, Gaspar von Indien und Baltassar von Arabien auf. Ich nehme an, dass damit die Heiligen Drei Könige erfunden worden sind.

Für Kinder und den ein oder anderen Erwachsenen spielt das gar keine Rolle. Warum sollte es, wir glauben an den Klapperstorch, den Osterhasen, das Christkind und den Weihnachtsmann. Wenn die anderen beiden Figuren ihre Berechtigung haben, dann soll diese Chance auch den drei Weisen aus dem Morgenland zustehen! Wintermonate brauchen ihre Märchen und ihren Zauber. Wer ist schon an der Realität interessiert? Die kommt noch früh genug auf uns zu, das Jahr hat gerade erst begonnen.

•*¨*•❥ Magische Nächte …   hier könnt ihr die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland nachlesen, Fotos sind ebenfalls ein paar schöne dabei … 1f618

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alte Nacht und neues Jahr

Icod de los Vinos, Sonntag 31. Dezember 2017 – Silvester – Nochevieja

Die Tinerfeños lieben nichts mehr als das Feuerwerk. Laut muss es sein, krachen muss es und je mehr und buntere Bilder sich in vielen bunten Sternen am Himmel über die Menge am Boden verteilen, desto besser! Überall werden schon am Nachmittag Raketen aller Größen in Stellung gebracht. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Euros heute auf dem Weg zum Himmel ihr Leben lassen werden. Der Countdown läuft und mehr oder weniger pünktlich um Mitternacht wird das Feuer dann eröffnet. Der Nachthimmel ist taghell erleuchtet und nach dem gigantischem Feuerwerk könnte man vermuten, dass in den nächsten Minuten ein ebenso imposanter Wolkenbruch, un chaparrón, losgeht.  Aber dem ist nicht so – es sind keine Regenwolken die sich da am Himmel auftürmen, es sind nur die Rauchschwaden, die als stinkendes Überbleibsel zurück bleiben und hier zum Glück relativ schnell vom Atlantikwind gleichmäßig verteilt werden.

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Was gehört noch zu einer typisch spanischen Silvesternacht? Aber klar, man sollte auch im alten Jahr noch etwas für die Gesundheit tun und ein paar Vitamine zu sich nehmen. Die unvermeidlichen zwölf Weintrauben sind dafür zuständig. An Tagen wie diesen kann man sie in allen möglichen Variationen, fein säuberlich abgezählt, zu erhöhten Preisen kaufen. In Pappschachteln, Dosen oder Gläsern – wie es jedem gefällt. 1f602 Bei den tagesaktuellen Preisen wünscht sich wahrscheinlich so mancher Weinbauer, dass er ein paar seiner Trauben als Reserve zurück behalten hätte. In den letzten Sekunden vor Mitternacht wandert eine Traube des Glücks, uva de la suerte, pro Glockenschlag in den Mund. Das soll Glück fürs nächste Jahr bringen. Probiert das einmal aus, wir haben es einmal gemacht und dann beschlossen, auf diese Hilfe zum Glück zu verzichten. Die Spanier bekommen die Gabe Trauben im Sekundentakt zu schlucken vielleicht schon in die Wiege gelegt,  für unsereinen ist es mehr oder weniger unmöglich.  1f602 Mir ist die Erstickungsgefahr beim rekordverdächtig schnellen Schlucken der Trauben einfach zu hoch!

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Neujahrskarte aus dem Jahr 1825

Durch die Zeitverschiebung von einer Stunde können wir uns eine Stunde länger als ihr im alten Jahr aufhalten. Auf die kräftigen Glockenschläge aus Wien müssen wir um Punkt Mitternacht zwar verzichten, doch der schönen, grauen, blauen Donau bleiben wir treu! Ausgerüstet mit Sekt, Weintrauben, einem alten goldenen Ring und neuer, roter Unterwäsche – mehr Utensilien für ein weiteres glückliches Leben fordert die letzte Stunde des Jahres in Spanien nicht. Wer diese Bedingungen erfüllt, an dem kann das Glück im Neuen Jahr wohl nicht mehr vorbei huschen! ¡Próspero Año Nuevo! Ach ja, den goldenen Ring muss man, so habe ich gehört, vor dem ersten Schluck Sekt im Neuen Jahr ins Sektglas werfen.  Na dann Prosit Neujahr – wenn man diese Aktion ohne husten und prusten erlebt! Im spanischen Leben sind also nicht nur die letzten Sekunden im Jahr lebensgefährlich, die ersten Minuten sollte man, wenn möglich, auch ohne Ring im Hals überleben. Und dann behaupten einige ganz Schlaue, Feuerwerksraketen und Böller sind gesundheitsschädlich!  1f602 Ich hoffe, ich überlebe den Start ins Jahr 2018 unbeschadet.

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In der Neujahrsnacht
Die Kirchturmglocke schlägt zwölfmal Bumm.
Das alte Jahr ist wieder mal um.
Die Menschen können sich in den Gassen
vor lauter Übermut gar nicht mehr fassen.
Sie singen und springen umher wie die Flöhe
und werfen die Mützen in die Höhe.
Der Schornsteinfegergeselle Schwerzlich
küsst Konditor Krause recht herzlich.
Der alte Gendarm brummt heute sogar
ein freundliches Prosit zum neuen Jahr.
Joachim Ringelnatz 1883-1934

Wenn auf Tonga Silvester gefeiert wird, schlagen die Uhren in London elf Uhr, in Deutschland zwölf Uhr und in Singapur sieben Uhr am Abend. Westlich von London, zum Beispiel auf den Azoren ist es dann erst zehn Uhr, in New York sechs Uhr Früh und an der amerikanischen Westküste mitten in der Nacht. Auf Samoa beginnt zur gleichen Stunde, pünktlich um Mitternacht, ein neuer Tag!  1f602 Alles klar?

Anfang und Ende, Vergangenheit und Zukunft liegen also lediglich einen kleinen Wimpernschlag Augenblick und einige Kilometer auseinander. Genau genommen irgendwo im unendlichen Meer zwischen den beiden Inseln Tonga und Samoa, in deren Nähe die internationale Datumsgrenze gezogen worden ist.

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Einen guten Rutsch und eine sanfte Landung im Neun Jahr! Ganz egal, wo ihr um diese Zeit den Jahreswechsel feiert, mit oder ohne Glücksbringer – ich wünsche euch ein super tolles Neues Jahr – viel Glück, Gesundheit und Erfolg! Und ärgert euch nicht zu sehr über die Kracherei um Mitternacht. Erfunden haben es nämlich schon die heidnischen Germanen. 1f607 Sie versuchten böse Geister mit Licht und Lärm zu vertreiben. Gelungen ist es ihnen leider nicht. Aber so schöne Bilder wie wir sie heute sehen, haben sie damals mit Sicherheit noch nicht an den Himmel gemalt …

¡Próspero Año Nuevo!  trink16

•*¨*•❥ Silvestererotik und zwölf Trauben …
•*¨*•❥ La Nochevieja – Silvester auf Teneriffa …

 

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