Der Granatapfel

Die Granatapfelbäume, Punica granatum, blühen! Große, trichterförmige, feuerrote Blüten, mit einem leichten Stich ins Orange. Der Granatapfel, la granada wie er auf Teneriffa genannt wird, wird heute in vielen geeigneten Gebieten angebaut. Dazu zählen Asien aber auch der Mittelmeerraum, la región mediterránea. Ursprünglich dürfte die Pflanze aus dem Raum zwischen dem Iran und Indien kommen.

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„Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“  2.Mose 2, 16-17

Als Baum der Erkenntnis von Gut und Böse wird in der Erzählung über das Paradies in der Bibel also ein Baum bezeichnet, der, mit dem Baum des Lebens, in der Mitte des Garten Edens zu finden ist. Gott hat den Menschen allerdings streng verboten, von diesen Früchten zu naschen. Warum wohl?  Angst vor der Erkenntnis? Wollte er nicht, dass der Mensch hinter sein Geheimnis kommt? Gibt es überhaupt ein Geheimnis? Vielleicht ist Fallobst aufschlussreicher als wir glauben? Ich lasse die Frage heute einfach einmal im Raum stehen. Jeder Mensch beantwortet sie so wieso für sich selbst. Vielleicht bringt uns Fallobst ja die bessere Erkenntnis? Auch wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt – oder gerade aus diesem Grund.

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Die Geschichte vom Apfel als verbotene Frucht steht auch gar nicht in der Bibel. Der Apfel war im Nahen Osten zu dieser Zeit noch nicht bekannt, denn er ist erst viel später aus Asien eingeführt worden. Die nette Geschichte ergibt sich vielmehr aus einer falschen Übersetzung des lateinischen Wortes malus. Dieses Wort kann sowohl böse, schlimm oder schlecht – aber auch Apfelbaum bedeuten. lachen Die Interpretation steht jedem frei.

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Der Name der Früchte lässt zwar eine Verwandtschaft vermuten, doch in der Realität haben die beiden Äpfel überhaupt nichts miteinander zu tun. Bodenständig die eine, exotisch, verführerisch die andere und trotzdem wird der unschuldige Apfelbaum in der Bibel als Baum der Erkenntnis, el árbol de la comprensión, bezeichnet.

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Der Granatapfel ist seit der Antike ein Symbol, un símbolo, der Unsterblichkeit und Sinnlichkeit und ein Symbol göttlicher und menschlicher Liebe. Er soll der Baum des Lebens im Paradies gewesen sein. Hat Eva ihren Adam also mit einem Granatapfel verführt? Keine Ahnung, auf alle Fälle ist der Granatapfel eine der ältesten Kultur- und Heilfrüchte der Menschheit. Der Baum trägt gleichzeitig Blätter, Blüten und Früchte und die Schale und der Saft wurde in vergangenen Zeiten oft als Tinte verwendet. Im Orient war der Granatapfel auch als Farbstoffe für Orientteppiche beliebt.

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La Granada ist also eine sehr vielseitig verwendbare Frucht, wir haben die Bäume aber nur aus einem einzigen Grund gepflanzt – der Granatapfel schmeckt einfach paradiesisch gut und wir lieben diesen Geschmack! Hier auf der Insel haben wir das erste Mal die Gelegenheit diese Früchte frisch vom Baum zu ernten. Das dauert zwar noch ein paar Monate, aber ich freue mich jetzt schon auf die neue Ernte.

Wenn ihr noch ein paar andere Fotos von diesen herrlichen Früchten sehen wollt, müsst nur ein Foto anklicken, dann könnt ihr euch die Galerie in Ruhe ansehen. kuss (2) Viel Spass!

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Kapuzinerkresse

Gesehen hat sie vermutlich jeder schon einmal, gegessen haben sie wahrscheinlich aber die wenigsten von euch. Die Kapuzinerkresse, tropaeolum majus, wuchert zur Zeit auf allen Wiesen der Insel. Egal ob in der Stadt, am Straßenrand oder irgendwo auf einem verlassenem Grundstück.

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Und wie könnte es anders sein, auch diese vielseitige Pflanze stammt ursprünglich aus Südamerika. Gab es im alten Europa überhaupt irgendeine schöne oder nützliche Pflanze? Egal, die Kapuzinerkresse wurde Mitte des 17. Jahrhunderts aus Peru eingeführt und hier als Zierpflanze gehalten. Den Namen Kapuzinerkresse verdankt das Grünzeug dem Mönchsorden der Kapuziner. Kapuzinermönche sollen sie damals von Südamerika nach Europa gebracht haben. Eingesetzt haben sie Teile der Pflanze als Schutzmittel gegen Seuchen im Stall der Bauern und gegen die so genannten Hexen. Ob’s genutzt hat?  smile Wohl kaum, denn sonst wären die Hexen wohl nicht auf lodernden Scheiterhaufen verbrannt worden.

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Auf Teneriffa wachsen die Ranken aus dem südlichen Amerika wild und kunterbunt in der Natur und verschönen mit ihren intensiven Blüten die Landschaft. Die wuchernde Pflanze ist aber nicht nur schön sondern auch gesund, reich an Vitaminen – und schmeckt hervorragend. Vor allem die gelben und orangeroten Blüten aber auch die Blätter verfeinern jeden Salat. Die Blütenknospen kann man auch in Salz und Essig einlegen und wie Kapern verwenden. Das kostet fast nix, ist gesund und schmeckt köstlich! Vor allem weiß man, was man isst.

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Übrigens – die Essenz der Blüten soll Lachen, Lebensfreude, Ausgelassenheit und ein positives Lebensgefühl fördern. Falls jemand so eine Blütenessenz selbst herstellen will – es ist nicht sonderlich aufwendig.

Man nehme eine handvoll frischer Blätter und Blüten und übergieße sie mit einem ¼ Liter Schnaps. Das Gemisch in ein Glas füllen, luftdicht verschließen und zwei Wochen an einen sonnigen Platz stellen. Dann durch ein Sieb gießen, die Flüssigkeit abseihen und die Essenz in einer dunklen Flasche kühl aufbewahren. Aber Vorsicht – mehr wie dreimal zwanzig Tropfen pro Tag sollte man davon allerdings nicht einnehmen, da man damit den Magen reizen könnte – und dann würde einem das Lachen wohl eher vergehen. lachen

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Was ich schon immer wissen wollte

Was ich schon immer einmal wissen wollte, aber bisher noch keine Antwort darauf erhalten habe … Stimmt, es gibt viele Fragen, auf die es für mich eigentlich keine befriedigenden Antworten gibt. Welche? Im Moment fällt mir nur Blödsinn ein, so dumme Fragen wie „warum besteht Zitronenlimonade aus künstlichen Zutaten und warum ist im Geschirrspülmittel dafür echter Zitronensaft drin?“ oder „warum gibt es kein Katzenfutter mit Maus-Geschmack?“ Ist schon gut, ich höre schon auf, doch wenn man einmal damit anfängt, könnte man ewig so weiter machen. Aber wie sagt man so schön? Es gibt keine dummen Fragen, nur blöde Antworten oder besonders nette Mitmenschen, die glauben alles zu wissen.

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Das ist Per, eine Künstlerpuppe aus Wachs von Barbara Aalrust im Museum von ARTlandya

Es gibt auch eine Liste davon, was man wissen müsste. Eines ist ganz klar, es gibt Unmengen von Wissen, das die die Welt wirklich überhaupt nicht braucht. Man hört davon – und hat schon wieder alles vergessen. Die Erleuchtung verschwindet sozusagen sofort – wenn alles gut geht – im Unterbewusstsein und wer weiß, ob wir dieses Wissen irgendwann einmal wieder an die Oberfläche befördern werden oder müssen.

Sehr häufig findet man auch Antworten auf Fragen, die man nie im Leben gestellt hätte. Oder hat je einer von euch wissen wollen, was es am 14. April 1912 auf der Titanic zu essen gab? Ich nicht, aber wenn wir schon dabei sind, es gab Austern, Gerstenrahmsuppe, gefüllten Eierkürbis, gebratenes Täubchen auf Brunnenkresse und als Dessert einen Waldorfpudding. Ich vermute, dass dieses Menü nicht alle Passagiere genießen konnten – aber das ist ja auch egal.

Was mich allerdings schon irgendwie interessiert, ist die Frage, warum italienische Männer meistens klein sind?  Da habe ich gleich zwei Möglichkeiten von Antworten im unendlich schlauen Netz gefunden. Erstens, weil ihnen die Mutter, als sie noch Kinder waren, immer gesagt hat: „Wenn du einmal groß bist, musst du ausziehen!“ Und wenn man die männliche Variante wählt, lautet diese: „Weil ihre Väter gesagt haben, wenn ihr groß seid, müsst ihr arbeiten!“ Vielleicht gibt es auch noch mehr Antworten auf diese Frage, aber wisst ihr was? lachen Ich will es gar nicht wissen …

•*¨*•❥ übrigens – es gibt aber auch Fragen, die eindeutig die Dummheit des Fragestellers beweisen …

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Die Calla – auch eine Hochstaplerin!

Jetzt blüht sie wieder auf der Insel. Egal ob irgendwo zwischen den Weinstöcken in der prallen Sonne oder auf schattigen Plätzchen unter einer Mauer, auf Wiesen, unter Bäumen oder Palmen. Die weiße Calla ist ja wahrscheinlich jedem ein Begriff, oder? Sie ist eine Klasse für sich, elegant, stolz, sinnlich und weich – eine Blume mit Starqualitäten. Wer denkt schon daran, dass auch dieses Blumenkind ursprünglich in den Sümpfen Afrikas zu Hause war?

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Ursprünglich wuchs die Calla ganz unbekümmert in den sumpfigen Gebieten von Südafrika bis Malawi. Da es dort abwechselnd sumpfig und dann wieder trocken ist, hat sich die Calla nicht nur zu einer schönen, sondern auch zu einer robusten Pflanze entwickeln können. Im 18. Jahrhundert wurde sie dort von einem Italiener mit dem eigenartigen Namen Giovanni Zantedeschi entdeckt. Er brachte die Schönheit nach Italien und dort wurde der Neuankömmling der Name des Entdeckers gegeben. Der Name hat sich anscheinend nicht durch gesetzt, denn wir kennen sie alle unter dem Namen Calla.

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Das Auffälligste an der Calla ist ihr elegant geformter Kelch. Eigentlich ist es ja nur ein einziges Hochblatt, das sich direkt am Stiel entwickelt und sich dann mit einem eleganten Schwung langsam öffnet, bis man tief ins Herz der Blüte hineinblicken kann. Und siehe da, dort findet man die wirklichen, sehr kleinen Blüten an einem sinnlichen Blütenkolben in der Mitte des Kelches.

Wenn eine Blume für die Unsterblichkeit steht, dann ist es die Calla. Die sanft geschwungenen weißen Blüten wurden bereits in früheren Zeiten als ein Symbol für das ewige Leben gesehen. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass die Calla in vielen Ländern eine Blume der Trauer ist oder war. Vor vielen Jahren ist man bin ich in Südafrika so richtig ins Fettnäpfchen getreten, als ich dem Geburtstagskind einen wunderschönen Strauß mit den strahlend weißen Blumen mitgebracht habe. smile

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Die Blume hat aber noch andere symbolische Bedeutungen. Sie ist die Blume der Reinheit und Sympathie, sie steht für die Schönheit – und sie gilt als Glücksbringer! Diese Bedeutung hat sie noch aus der Zeit der Griechen und Römer. Weil die Form der Blüte an einen Weinkelch erinnert, gehörte für sie die Blume zu Feiern, Festen und guter Laune!

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Das schneeweiße, geschwungene Hochblatt der Calla, das fälschlicherweise als Blüte bezeichnet wird, wird oft, durch seine perfekte kurvenreiche Form, mit dem Körper einer Frau verglichen. Sie symbolisiert das sinnliche, zarte, verletzliche, weibliche. Eine elfenhafte, geheimnisvolle Blume. Sie ist eine Faszination in der Pflanzenwelt und wer würde da glauben, dass sie ein tödliches Geheimnis hat?  Alle Teile der Pflanze sind giftig und erzeugen Reizungen und Schwellungen im Mund und Rachen, Erbrechen und Durchfall. Ich habe gelesen, dass die Blätter manchmal gekocht gegessen werden, aber ehrlich gesagt, würde ich es nicht ausprobieren. Man muss ja nicht alles essen, oder?

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Für ein Plätzchen am Ufer unseres Teiches haben wir ein paar ganz spezielle Exemplare erstanden. Wie die Pflanze auf deutsch genannt wird, habe ich leider nicht heraus finden können. Die gängige Bezeichnung auf der Insel lautet ganz einfach calla, flor blanca y verde. Ich bin fasziniert von der Blüte und ich hoffe, sie vermehrt sich genau so gut wie ihre Schwester!

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Die weiße Calla ist eine meiner Lieblingsblumen und auf der Finca wachsen sie wirklich an den unmöglichsten Stellen. Sogar aus den Ritzen auf unserer Stiege – und die ist immerhin betoniert – hat sich eine besonders eigensinnige Pflanze ans Licht gekämpft. Wovon sie lebt? Das ist mir ein Rätsel, denn es ist weit und breit kein Krümmelchen Erde zu finden. Da soll einer noch die Welt verstehen? Auf der einen Seite hegt und pflegt man seine Pflanzen und trotzdem wollen sie oft nicht so wie ich es will und dann suchen sie sich selbst einen Platz, wo ich sie selbst nicht einmal einpflanzen könnte!

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Auch wenn man bei der Calla von einer klassischen Schönheit spricht, die Pflanze hat für mich , auch etwas sehr Starkes an sich. Schaut euch doch einmal diese dunkelgrünen, kräftigen Pflanzenstile und die festen Blätter an. Stolz recken sie die Blüten in die Sonne, eine Schönheit mit weißen Kelchen, afrikanischen Wurzel und einem sonnigen Character. Was sie gar nicht mögen? Regentropfen, die auf die Blüten klopfen. Dann reagieren sie mit unschönen, braunen Flecken und für mich sind sie für die Blumenvase dann gar nicht mehr geeignet.

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Obwohl man es gewöhnt ist, dass Pflanzen von Insekten bestäubt werden, wird diese Aufgabe bei der Calla von Schnecken übernommen. Ich habe bei uns im Garten zwar noch keine Schnecke entdecken können, aber es müssen Rennläufer dieser Art unterwegs sein. Einige unserer Callas bilden Samen oder besser gesagt Früchte aus. Doch wo sind die Schnecken? Die müssen sich gut getarnt verstecken, denn die Callas vermehren sich bei uns sowohl über Samen als auch über ihren Wurzelstock.

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Von der Totenblume auf die Festtagstafel für den schönsten Tag im Leben – Callas sind momentan die beliebtesten Hochzeitsblumen. Habt ihr das gewusst? Ich nicht, aber bei mir stehen sie sehr oft als Blickfang im Zimmer, denn Callas sehen nicht nur schön aus, sie halten in der Vase bis zu zwei Wochen. Ihr müsst nur darauf achten, dass sie immer genug frisches Wasser haben und daran denken, dass die stolzen Blumen keine kleine Vasen mögen. Dann kann eigentlich nichts schiefgehen und ihr habt lange Freude an einem ganz besonderen Blumenschmuck.

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wenn der Hase dreimal klingelt

Es ist noch dunkel, nicht einmal ein paar vorwitzige Sonnenstrahlen sind zu sehen, trotzdem tönt ein leises ding dong an mein Ohr. Bei unserem Bewegungsmelder am Eingangstor können zu dieser Stunde noch keine Sonnenstrahlen oder gar Eidechsen zugeschlagen haben. Der erste Besucher kann es auch nicht sein, zu dieser Zeit liegen auch die Frühaufsteher unter den Urlaubern noch in den warmen Federn. Vielleicht Nachbars Katze? Ihr werdet es nicht glauben, es war ein kleines, braunes kanarisches Kaninchen.  lachen

Anscheinend hat der Osterhase wegen weihnachtlichen Wettervorhersagen bei euch gekündigt und ist bei uns gelandet. Knietief Schnee – wenn man niederkniet – oder sommerliches Wetter, da fällt die Wahl nicht einmal dem pflichtbewusstesten Osterhasen schwer. Noch schöner kann ein Ostersonntag eigentlich gar nicht beginnen.

Mit dem Domingo Resurrección, dem Ostersonntag und Tag der Auferstehung endet die Semana Santa. Während in Deutschland Eier bemalt und versteckt werden, oder Schokoladen-Osterhasen tonnenweise ihre Abnehmer suchen und finden, feiert der katholische Spanier die heilige Woche, Semana Santa, in Trauer und als Büßer. Das ist kein Fest bei dem gelacht und getanzt, sondern gemeinsam gelitten wird! Hier steht Klerikales im Vordergrund, während unsere Osterbräuche auf heidnische Ursprünge und Frühlingsriten der Germanen und Slawen zurückgehen.

Kennt ihr den Namen Ostara oder Eostre? Ich habe bis dato nichts davon gewusst. Ich habe mir allerdings auch nie Gedanken darüber gemacht, warum zu Ostern gerade der lustige Hase zuständig fürs Eier verteilen ist. Irgendwo habe ich etwas von Germanen und Frühling gehört und deshalb habe seit langem wieder einmal im Buch der Deutschen Göttersagen geblättert – und bin fündig geworden.

Ostara, eine Tochter Wotans, ist die Göttin des Frühlings und des Morgenlichts. Die zarte und anmutige Göttin brachte das Licht, die Wärme und das Leben wieder zurück zu den Menschen und verhalf so Jahr für Jahr der Natur aus dem tiefen Winterschlaf. Ihre Lieblingstiere waren der Hase und der Marienkäfer, ihr heiliger Baum ist die Birke und ihr Symbol das Ei. Sie steigt stieg im Osten aus dem Meer, eingehüllt in ein Gold schimmerndes Gewand. Sie trägt gelbe Schuhe und zarte Blumen. Wenn sie über die Erde wandelt, keimen die Pflanzen und neues Leben erwacht. Begleitet wird sie auf ihrer Reise von weißen Hasen, die übrigens ein Symbol für den Vollmond sind.

Da das Ei schon damals als das Sinnbild des keimenden Lebens angesehen wurde, ebenso wie der Hase, wurden beide von den Germanen zu Ehren der Göttin geweiht. So entstand der Glaube, dass der Hase am heiligen Gründonnerstag in der Osterzeit die Ostereier lege. Sie waren natürlich mit den Farben Donars und Ostaras, rot und gelb gefärbt. Diese bunten Eier opferte man den beiden Gottheiten des Frühlings, und man beschenkte sich auch gegenseitig in der Osterzeit damit.

Die Verehrung der Göttin wurzelte so tief in dem deutschen Volke, dass es dem in die gleiche Zeit fallenden Auferstehungsfest der christlichen Kirche den Namen Ostaras gab und auf keine Weise davon abzubringen war. Ostar bedeutet Morgen, also die Richtung, aus der das Licht, der Frühling kommt. April ist das Ostermonat, in dem das Erwachen der Natur mit dem christlichen Auferstehungsfest zusammenfällt.

Andere Quellen behaupten zwar etwas anderes, aber für mich klingt die Geschichte romantisch und deshalb ist es für mich die richtige Erklärung. Warum wir das Osterfest mit Osterhasen, bunten Ostereiern, saftigem Osterschinken und frischem Reindling feiern, kann von mir aus hunderte Geschichtlein im Hintergrund haben.  Mir gefällt es so wie es ist!

Wenn heidnische Bräuche nicht aus dem Brauchtum der Menschen durch Verbote ausradiert werden konnten, ging die Kirche auf ihre ganz eigene Art damit um. Sie verlieh diesen Festen einfach einen christlichen Anstrich. Was Ostara betrifft, so war die Umwandlung besonders einfach. Es wurde von der christlichen Kirche als Ostern beibehalten, als sie ihr Passah-Fest auf den Frühlingsvollmond verlegte und Jesus Christus zu Ostern auferstehen ließ.

Dadurch wurde der Sinn des Festes von der Kirche radikal verändert, indem sie es zum Fest des Todes und der Trauer machte. Die Freude über die aufgehende Sonne und das Erwachen der Natur aus dem Winterschlaf wurde in die Freude über die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit bei der Auferstehung Christi aus dem Grab verwandelt. Das Osterlamm ist übrigens kein alter, germanischer Brauch. Es entstand aus einem Ritual der Juden zum Passahfest. Dafür wurde traditionell zum Gedenken an ihren Gott ein Lamm geschlachtet, gemeinsam gebraten und verspeist. Auch der Brauch der Osterkerze setzt sich aus jüdischer, griechischer, römischer und christlicher Lichttradition zusammen.

Wir feiern auf alle Fälle ein Fest im Frühling. Ob Ostern oder Ostara, dem Fest ist es mit Sicherheit egal, ob eine Göttin so heißt oder woher der Name wirklich kommt – und mir auch! Frohe Ostern euch allen! ¡Feliz Pascua a todos!

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Frohe Ostern!

Blauer Himmel und Sonnenschein, Hasen und Eier an allen Ecken und Enden – sogar hier auf der Insel. Den österlichen Zoo und die diversen Eier gibt es in Form von Schokolade, Marzipan oder eines Gebäckstückes. Ganz egal, Hauptsache es ist oval oder hat zwei lange Ohren. It’s eastertime! Der Osterhase ist in Startposition, en permiso de salida.

Osterhasen überall. smile Gefühlt tauchen sie ja schon knapp nach Weihnachten in den Regalen der Supermärkte auf. Goldhasen, lila Hasen, Hasen mit Latzhosen, Häschen mit langen Ohren, mit Glöckchen am roten Band – und, und, und … In der Natur kommen Hasen kaum mehr vor. Zumindest habe ich das in einer Reportage des deutschen Fernsehens mitbekommen.

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Der Star dieses Wochenendes ist für viele Kinder der Osterhase. Nur hier auf den Kanarischen Insel spielt Meister Lampe gar keine Rolle, denn Spanier kennen keinen Osterhasen! Mit Ostern haben hier weder bunte Eier noch goldene Osterhasen etwas zu tun. smile Dafür steht er das ganze Jahr auf fast jeder Speisekarte! Auf Teneriffa gibt es noch genügend frei lebende Häschen – aber hier auf der Insel im Atlantik haben sie auch Freizeit ohne Ende und überhaupt keine Verpflichtung mit bunten Eiern auf dem Buckel durch die Gegend zu hoppeln. Deshalb müssen wir uns auch auf den Helfer aus der Heimat verlassen um bunte Ostereier im Nest zu haben. Zum Glück funktioniert das auch, denn Ostern ohne bunte Eier sind irgendwie farblos, oder?

Die Hühner haben in den vergangenen Wochen fleißig ein Ei nach dem anderen gelegt und durch die Fastenzeit der Katholiken hat sich ein ziemlich großer Vorrat der ovalen Eiweißspender angesammelt. So wird es erzählt.

In der heutigen Zeit haben wir damit sicher kein Problem mehr – und wenn es doch so sein sollte, dann ist sowieso das Verbrauchsdatum abgelaufen und die Dinger sind reif für die Müllverbrennungsanlage. Aber lassen wir das, darüber wird das ganze Jahr über klug geredet, geschrieben oder debattiert, ich bleibe mit meinen Gedanken lieber im Land der Märchen. smile Also, wo bin ich stehen geblieben? Die Menschen hatten in vergangenen Zeiten einen Eierberg angehäuft und nun standen sie vor einem Problem. Was um Gottes Willen sollte man mit den vielen Eiern tun? Wie konnte man sie am besten unter die Leute bringen? Es entstanden viele, fantasievolle Geschichten und Legenden über das Osterei.  Ich erzähle euch jetzt nur eine davon, aber diese Variante klingt recht nett und logisch – zumindest für mich.

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Der Eier bringende Osterhase ist eine rein protestantische Erfindung und in diesem Fall ist die Katholische Kirche wirklich unschuldig, denn bei dem Frühlingsmärchen haben die Katholiken ausnahmsweise tatsächlich keinen Finger im Spiel gehabt. In katholischen Gegenden hatte sich, wie schon gesagt, durch die Fastenzeit zu Ostern ein riesiger Eierberg angehäuft und weil die Protestanten ihre Kinder nicht mit dem katholischen Brauch des Fastens vertraut machen wollten, haben sie zur Erklärung für die vielen Eier den Osterhasen erfunden. Das Langohr brauchte natürlich einen bestimmten Vorrat an Eiern, damit er alle Kinder beschenken konnte und schwups war der Eierberg erklärt. Warum sie ausgerechnet auf den Hasen gekommen sind? Keine Ahnung, aber Osterhasen sind sicher niedlicher als gackernde Hühner mit einem Korb voll bunter Eier …

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Zeichnung von Peter Gaymann

Das Ei war und ist ein Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit und der Erneuerung. In alten Zeiten wurden die Ostereier der Frühlingsgöttin Ostara geopfert. Später berichten Historiker in ihren Schriften vom Zehent, der Steuerabgabe der Bauern an ihren Grundherren. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert galt der Gründonnerstag als Zahlungs- und Zinstermin für Schulden. Viele Gläubiger zahlten in Naturalien, also auch mit Eiern, die auch Zinseier genannt wurden. Eier waren sehr wertvoll und als in der Fastenzeit das Essen von Fleisch und Eiern streng verboten wurde und damit die in der Zwischenzeit angehäuften Eier, die niemand essen durfte, nicht schlecht wurden, mussten sie haltbar gemacht werden. In Essig einlegen war eine Variante, die Eier im Wasser hart kochen, eine andere. Es ist überliefert, dass Pflanzenteile zum Färben der Eier mit in das Kochwasser getan wurden.  So wurden später die gekochten von den rohen Eiern unterschieden.

Bei den Katholiken gab es seit dem 4. Jahrhundert die Eierweihe. Funde aus der Gegend von Worms weisen darauf hin, dass bereits in dieser Zeit die Eier rot bemalt wurden. Rot für die Farbe des Lebens. Rot wie das Osterfeuer, das die neu am Himmel erwachenden Sonne symbolisiert, rot wie der Mund junger Mädchen, in die sich die Burschen verliebten. Rot wie das ewige Licht und rot wie das Blut des auferstandenen Jesus.  Ich vermute, dass wahrscheinlich wieder einmal ein heidnischer Brauch in das übliche Missionsprogramm der Kirche aufgenommen wurde. Das ist ja nichts Neues in der Geschichte der römischen Amtskirche, oder?

Aber wieder zurück zu den hart gekochten, bunten Eiern, den Ostereiern. In der Osterhasenwerkstatt entstehen viele bunte Eier und jede Farbe hat eine andere Bedeutung. In Russland erzählt man, dass Maria Magdalena dem römischen Kaiser Tiberius am Tag der Auferstehung ein Ei geschenkt hat. „Christus ist auferstanden!“ soll sie dabei gesagt haben, doch Tiberius, der das nicht glaubte, antwortete: „So wenig wie ein weißes Ei rot werden kann, so wenig kann ein Toter wieder auferstehen.“ Doch kaum hatte er die Worte gesprochen, soll sich das weiße Ei in ein rotes Ei verwandelt haben.

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Blaue Ostereier sollen Pech, Unglück und Kälte symbolisieren, dabei wird der Farbe Blau eigentlich Zufriedenheit und Freundlichkeit zugeordnet. Grün ist die Farbe der Hoffnung, des Frühlings und der Jugend. Grüne Eier sollen Glück bringen. Gelb steht für Sonne, Licht und Weisheit und bunte Eier verbreiten gute Laune und sollen glücklich machen.

Heute verwenden wir die unterschiedlichsten Eierfarben und kommen zu einem farbenprächtigen Ergebnis. Es geht natürlich auch viel ursprünglicher, wenn auch ein bisschen aufwendiger. Mit Zwiebelschalen, Rotkraut, Tee und anderen Kräutern kann man Eier natürlich färben und damit auch noch wunderschöne Effekte erzielen. Aber das macht jeder Osterhase, wie er will und so wird mindestens einmal im Jahr in den Küchen kunterbunt gewerkelt.  smile  Die Welt sieht dann gleich viel schöner und bunter aus. Außer man hat das Pech, dass ein Großteil der Eierschalen beim Kochen der empfindlichen, österlichen Symbole einen Schrick bekommt. Dann ist der Ärger der Hausfrau – Verzeihung des Osterhasen – vorprogrammiert.

Osternestersuchen ist eigentlich etwas für kleine Kinder – möchte man meinen. Bei mir, oder besser gesagt in unserer Familie, gehört es zu Ostern dazu. Wie die Butter aufs Butterbrot.  So einfach kann das Leben sein – und aus diesem Grund muss der Osterhase auch auf der Insel im Atlantik arbeiten. Auch wenn es nicht üblich ist!

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Bei uns sind die Ostereier bunt gefärbt, der Reindling ist gebacken, Schinken und Würstchen warten im Kühlschrank. Der Himmel ist nur leicht bewölkt, die Sonne scheint und es ist frühlingshaft warm. Die perfekten Voraussetzungen für Ostern. Ich werde jetzt den Tisch decken und dann werden wir uns die Osterjause schmecken lassen. Georg freut sich schon den ganzen Tag darauf, dass er endlich den Reindling anschneiden darf. Aber vorher muss er noch eine frische Krenwurzel aus der Erde stechen – und aufreiben! lachen  Da werden noch ein paar Tränen kullern. Schinken, Kren, frischer Emmentaler, ein paar knackige Essiggurken, Ostereier und dazu essen wir einen gut gefüllten Osterreindling. Diese Zutaten gehören zu einer perfekte Kärntner Osterjause – und die schmeckt einmal im Jahr auch auf einer kleinen Insel im Atlantik! Der einzige Nachteil für uns – wir müssen mit unserem Festmahl noch bis zum Abend warten, aber dafür lassen wir es uns dann richtig schmecken!

Euch wünsche ich erholsame Osterfeiertage, wunderschönes Wetter und eine gute Osterjause! Viel Glück beim „Eier pecken“ und einen Osterspaziergang bei Sonnenschein. iFeliz Pascuas! Mit ganz lieben Grüßen von unserer kleinen Insel im Atlantik! Genießt die Feiertage – wir müssen leider arbeiten …

•*¨*•❥ übrigens – der Karsamstag wird auf der Insel auch ab und zu Sabado de Gloria genannt. Klingt schön, oder?

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Ostern auf Teneriffa

Fast die ganze Welt feiert Ostern und hier auf der Insel kann man es überhaupt nicht übersehen. Mittlerweile steht Karfreitag im Kalender und es dreht sich alles um den Tod von Jesus. Die Canarios haben die besondere Begabung, auch kirchliche Feiern in fröhliche Feste zu verwandeln, aber Ostern ist etwas anderes, es bleibt eine ernste Angelegenheit. Besonders der Karfreitag hat auch in Spanien Ostern etwas mit Stille und Schweigen zu tun. Easter on Tenerife, the sound of silence.

In viele Gemeinden finden heute Züge des Schweigens, la Procesión del Silencio, statt. Die schweren Kirchentore werden geöffnet und schweigend wird das Kreuz vor die Kirche getragen. An der Spitze jeder Prozession steht eine lange Zweierreihe von Nazarenos und begleitet werden sie zusätzlich von den sogenannten Hermandades, also Bruderschaften und Büßern, die die Figur des verstorbenen Christus durch die Straßen tragen.

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Die verschiedenen Bruderschaften, die ihr hier auf den Fotos seht, repräsentieren die einzelnen, sozialen Schichten und haben ihren Ursprung in den mittelalterlichen Ständen. Dann sind die Heiligen an der Reihe. Die Mitglieder der Bruderschaft tragen die aufwendig mit Blumen und Kerzen geschmückten, hölzernen Heiligenfiguren kilometerlang auf ihren starken Schultern durch die Strassen und Gassen. Das bedeutet Knochenarbeit und Kraft, denn bei einigen Exemplaren kann auf einen Träger schon das Gewicht von bis zu hundert Kilo kommen. Der Aufbau, der aus einer Tragbahre, der Statue und dem ganzen Schmuck besteht, wird übrigens el paso genannt.

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Die Gestalten tragen lange Gewänder spitzen Kapuzen und der erste Gedanke, der mir bei diesem Anblick durch den Kopf geschossen ist, war der Ku-Klux_Klan. Aber damit haben diese Männer gar nichts zu tun. La Capirote, der Spitzhut mit den Sehlöchern soll einfach verhindern, dass man die Mitglieder der Bruderschaften bei ihrem Bußgang erkennen kann. smile Sie könnten sich ja mit ihrem Bußgang brüsten.

Die eigenartigen Gewänder und die verdeckten Gesichter sind fast etwas unheimlich und der dumpfe aber kräftige Trommelschlag, der die schweigende Prozession im eintönigem Rhythmus begleitet, verstärkt die mystische Stimmung noch und geht unter die Haut. Man kann die Trommeln förmlich am eigenen Leib fühlen, der Rhythmus der Schläge bestimmt den Ablauf des Geschehens. Vor allem im Norden der Insel haben diese Bräuche eine lange Tradition. Die Prozessionen ziehen stundenlang durch die Strassen und Gassen und in einigen Orten, wie San Juan de la Rambla, wird sogar die Kreuzigung Christi nach gespielt.

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Am bekanntesten ist die Karfreitagsprozession in La Laguna, der Stadt mit dem Bischofssitz. Während des ganzen Tages werden dort die einzelnen Stationen des Leidensweges mit fast lebensgroßen Figuren nachgestellt und auf geschmückten Wagen durch die Innenstadt gezogen. In diesem Zug sind ebenfalls die Männer der verschiedenen Bruderschaften, die häufig barfuß oder mit Ketten an den Füßen und einem Kreuz auf dem Rücken mit ziehen, zu sehen.

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Am Abend geht es dann weiter, denn um 17 Uhr beginnt La Procesión Magna, also der Höhepunkt des Tages. Begleitet wird die Prozession immer von den höchsten politischen und militärischen Würdenträgern der Stadt. Ob sie wollen oder nicht, dieser Pflicht entkommt keiner von ihnen und wenn man bedenkt, dass die Prozessionen oft Stunden dauern können, müssen die Volksvertreter wenigstens einmal im Jahr ein paar ihrer Sünden abbüßen.

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Im Süden der Insel sieht es anders aus, dort ist Adeje das Zentrum für Ostern. Im ältesten Teil von Adeje verwandelt sich die Welt und man befindet sich plötzlich in einer anderen Zeit mitten in Jerusalem. Ab 12 Uhr Mittag spielen über dreihundert Laienschauspieler die Geschichte der Bibel mit viel Einsatz und Überzeugung nach. Ich habe das Passionsspiel noch nie gesehen, aber mittlerweile wird es sogar im Fernsehen übertragen und wie ihr auf dem Foto sehen könnt, müssen sich sogar Fotografen und Kameraleute an den Dresscode halten.

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Ich zeige euch trotzdem einige Fotos aus den vergangenen Jahren, die die Gemeinde Adeje zur Verfügung gestellt hat. Vielleicht schaffe ich es ja in den nächsten Jahren selbst einmal dabei zu sein – irgendwann klappt es bestimmt!

Ihr kennt es ja schon – ein Foto anklicken und schon könnt ihr euch die Galerie in Ruhe ansehen. kuss (2) Viel Spass – und liebe Grüße von der Insel …

Der Vollständigkeit halber hier noch ein paar Ergänzungen:

Mitglieder einer Hermandad nennt man Hermanos. Unter denen, die an der Prozession zur Feier der Semana Santa teilnehmen, unterscheidet man nach ihrer Funktion drei Gruppen:

  • Nazarenos, sind die Büßer mit den typischen Spitzhauben. Ja nach Dauer ihrer Zugehörigkeit zur Bruderschaft gehen sie mit mehr oder weniger Abstand zu einem der Pasos und tragen Kerzen oder andere Insignien.
  • Penitentes sind die Büßer, die ein Holzkreuz auf der Schulter tragen. Sie tragen ebenfalls eine túnica, aber ihre Kapuze hängt nach hinten.
  • Costaleros sind die Träger der Pasos. Ungefähr 35 bis 50 von ihnen tragen jeden Paso und sie wechseln sich regelmäßig beim Tragen ab. Sie tragen übrigens eine Baumwollmütze, el costal.
  • als Paso  wird der gesamte Aufbau bestehend aus der Tragbahre und dem auf ihr befestigten Bildnis bezeichnet. Im Grunde genommen sind es Statuen oder Figurengruppen auf richtigen Altarbühnen und haben ein enormes Gewicht. In La Laguna sind einige davon ziemlich alt und sehr wertvoll.

Keine Angst, ich zähle jetzt nicht alle Statuen auf, aber der Santisimo Cristo de La Laguna wurde zum Beispiel vor 600 Jahren in Andalusien geschnitzt und war 1520 ein Geschenk an Alonso Fernández de Lugo, der die Figur ins Franziskanerkloster von La Laguna brachte.

Die Nazarenos, die Penitentes und die Costaleros sind die Mitglieder einer Cofradía, einer religiösen Brüderschaft. Jede Bruderschaft besitzt eigene Embleme, Farben, Kostüme und Figuren.

Die ersten Cofradías entstanden im 15. Jahrhundert in Sevilla, von wo aus sie sich dann über ganz Spanien ausbreiteten. Zwischen der Hermandad und einer Cofradía gibt es allerdings einen kleinen aber feinen Unterschied. Jede Vereinigung von Gläubigen, die das Ziel hat, fromme oder wohltätige Werke zu leisten, wird als Hermandad bezeichnet. Wenn zusätzlich noch die Verehrung von Gott als Ziel festgeschrieben wird, nennt man die Vereinigung Cofradía. Eine Cofradía ist also immer auch eine Hermandad, während eine Hermandad nicht zwangsläufig eine Cofradía sein muss.

So, aber jetzt ist wirklich Schluss für heute kuss (2)  hasta pronto!

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