La Playa de la Tejita

Eigentlich teilen wir uns montags die Zeit selbst ein, es ist unser freier Tag, sozusagen unser Sonntag. Aber hin und wieder passiert es doch, dass uns unaufschiebbare Sachen einen Strich durch die Rechnung machen. Immer positiv denken ist ja zur Zeit ein sehr häufig und gerne verteilter Ratschlag. Wir haben also unseren Termin erfolgreich in die Mittagszeit gelegt und aus der Fahrt in den Süden noch etwas Gutes gemacht. Wir sind endlich einmal an einen Strand gegangen, an dem wir in all den Jahren noch nie gewesen sind – La Playa de la Tejita. 

Ich bin mir sehr sicher, dass Jeder, der sich für Teneriffa interessiert, den roten Hügel beim Flughafen im Süden kennt. Ist klar, denn er steht ziemlich markant fast am Rande des Flughafengeländes, man kann ihn nicht wirklich übersehen, oder? Wir mussten am Montag nach El Médano und nachdem wir in den vergangenen Wochen schon die Gegend um den Hügel erkundet haben, war dieses Mal einer der schönsten Strände der Insel an der Reihe.

Rund um den Vulkankegel Montaña Roja ändert die Landschaft ständig ihr Gesicht. Eine Weile geht man durch kleine und größere Sanddünen, dann wechseln sich Schotter und Steinplatten ab. Die Farbpalette wechselt von grau zu gelblich, verwandelt sich in tiefes Rot und plötzlich steht man vor einer Landschaft, die mit den weißen Steinplatten fast an eine Mondlandschaft erinnern. Ach ja, fast hätte ich die nachtschwarzen Lavabrocken dazwischen vergessen. So haben wir es bei unserem letzten Ausflug erlebt. Aber das ist eine andere Geschichte…

Neben dem Naturschutzgebiet von Montaña Roja, liegt La Tejita, ein flacher, ganz natürlicher Sandstrand, der ungefähr einen Kilometer lang ist. Und da wollen wir heute hin.

Für unser Auto haben wir auf einem ziemlich robusten Schotterparkplatz neben der Strasse ein Plätzchen gefunden, die seriöse Kleidung wurde schnell im Kofferraum zurück gelassen und dann ging es endlich Richtung Strand. Die Gegend von El Médano ist ja eine der windigsten Ecken der Insel und für den perfekten Wind für Surfer und Kiter bekannt. Nicht umsonst ist der Ort der Surf- Klassiker der Kanaren! Dass hier einmal kein Wind über die Landschaft bläst ist daher eher selten und wäre für uns Nichtsufer wahrscheinlich ein absoluter Glücksfall. Was soll ich sagen? Dieses Glück hatten wir leider nicht und je näher wir dem Wasser gekommen sind, desto spürbarer wurde der Wind.

Aber wir sind ja nicht aus Zucker und der Wind weht hier vor allem in Bodennähe ziemlich stark. Dabei nimmt er natürlich Sandkörner mit und das spürt man auch. Es bläst ein mehr oder weniger recht kräftiger Sandsturm auf die Unterschenkel und massiert sie bis zur Hälfte. Vom Knie aufwärts ist es eigentlich angenehm. Es streicht ein fast zartes Lüftchen über die Schultern und bei der Wärme darf kann man sich darüber wirklich nicht beschweren. Im Gegenteil. Also – Strandvergnügen, kostenloses Peeling inbegriffen, oder suchen wir uns doch ein gemütlicheres Plätzchen an einem anderen Strand?

So schnell geben wir nicht auf und als wir bei unserem ersten Erkundungsgang noch einen freien Steinkreis entdecken ist klar – wir bleiben! Ich hätte mir nie gedacht, dass ein paar locker aufgeschichtete Steine so viel Windschutz geben könnten. Durch die Löcher finden zwar noch immer genügend Sandkörnchen ihre Flugbahn, aber wenn man sich flach auf den Boden legt ist die Welt mit einem Schlag windstill, ruhig und einfach nur schön.

Unser Picknick haben wir allerdings mit vollem Körpereinsatz vor fliegenden Sandkörnern geschützt. Es hat zwar nicht zu hundert Prozent funktioniert, aber das Knirschen zwischen den Zähnen hat sich in Grenzen gehalten.

Ich nehme euch jetzt auf unseren Spaziergang mit und ich hoffe, dass ihr auch auf den Fotos erkennen könnt, wie schön dieser Strand ist. Die Wasser- und Wellenspiele sind faszinierend. Die Wellen sind sanft und kräftig, abwechselnd weich und hart ist der Sand nachdem sich das Wasser wieder verzogen hat. Das Besondere an diesem Strand ist nicht nur, dass er der längste natürliche Strand Teneriffas ist, sondern dass er weder die für Teneriffa so übliche schwarze Farbe hat, noch goldgelb ist. Er schimmert direkt silbrig in der Sonne. Dafür ist der ständige Wind an der Küste El Médanos verantwortlich. Er weht schon seit ewigen Zeiten sehr erfolgreich hellen Sand aus der Sahara, der sich dann ganz friedlich mit dem feinen schwarzen Sand der Insel vermengt hat, an die Küste.

Am Horizont ist vor einiger Zeit ein Schiff aufgetaucht und wir haben uns Gedanken darüber gemacht, was so ein großes Schiff hier in Küstennähe zu suchen haben könnte. So ein großer Fischkutter direkt am Strand? Ein Forschungsschiff? Es ist keines von beiden. Das Schiff hat den Namen Dácil und fährt unter spanischer Flagge und ist dafür zuständig, dass die Flugzeuge am Flughafen Süd ihre Passagiere wieder heil nach Hause bringen können.

Seht ihr die gelben Bojen im Wasser? Hier ankern die Tankschiffe um über Pipelines den Flughafen Teneriffa Süd mit Treibstoff zu versorgen. Über das Bojenfeld von La Tejita, wird der Treibstoff in CEPSA-Tanks gepumpt und anschließend werden die Flugzeuge über Tanks und das Hydrantennetz versorgt. Vergangenen Montag hat der Tanker Dácil, das jüngste Schiff der Flotte dafür gesorgt.

Die Anlage wurde 1978 errichtet und besteht aus Bojen, die sich nur fünfzig Meter vom Strand entfernt befinden, einigen Schläuchen und einer Pumpstation, die eine Kapazität von dreitausend Kubikmetern hat. Damit am Flughafen der Betrieb reibungslos in Schwung bleibt, wird von den Spezialkraftstofffrachtern mindestens einmal im Monat hauptsächlich Kerosin geliefert.

Warum gerade hier? Neben einem Naturschutzgebiet? Ich weiß es nicht und glücklicherweise gab es in all den Jahren nur ein einziges Mal einen Zwischenfall. Am Nachmittag des 18. Januar 2018 wurde am Strand von La Tejita ein Kerosinaustritt festgestellt. „Una mancha de fuel del aeropuerto obliga a cerrar la playa de la Tejita“ La Opinion de Tenerife hatte am folgenden Tag die Schlagzeile „Ein Kerosinfleck des Flughafens zwingt zur Schließung des Strandes Tejita.“ Das ausgelaufene Kerosin kam von einem schlecht geschlossenen Ventil. Damals wurde überlegt, ob man diese Anlage nicht verlegen sollte oder könnte – aber wie so oft bleibt es wohl bei der Überlegung.

An einer Stelle könnte man glauben, dass ein kleiner See ans Meer angrenzt. Auf einer Seite kräuseln sich die Wellen fast wie auf einem Alpensee im Wind und knapp daneben glätten die Wellen des Atlantiks die Oberfläche des Sandes.

Bei diesem alten Bunker ist dann Ende der Fahnenstange des langen Strandes und wir machen uns auf den Rückweg zu unserer Burg.

Ein wenig später haben wir unsere Siebensachen Habseligkeiten, los trastos, gepackt und uns wieder auf den Heimweg gemacht. Ich muss zugeben, die Fahrt in den Süden hätte sich alleine für diesen Ausflug ausgezahlt. Es war ein wunderschöner Nachmittag an einem einzigartigen Strand – auch wenn der Wind am Ende schon ziemlich an meinen Nerven gezogen hat. Ich bin eben weder Surfer, Kiter oder Segler, der Wind ist zwar nicht mein Feind, aber Freunde werden wir höchstwahrscheinlich nie werden.

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warm, wärmer – Sommer!

Wenn ich die ersten Mitmenschen über die Hitze jammern höre, weiß ich ganz sicher – es ist Sommer! Einfach herrlich. Die Sonne scheint und auch wenn es am Nachmittag in der Sonne zu heiß wird ist das ja kein Problem, oder? Es gibt ja auch Schatten. Okay, hier bei uns auf der Insel sorgt seit zwei Tagen der Calima noch für zusätzliche Grade in den höheren Lagen und in einigen Gegenden bringt er als Draufgabe nicht unbedingt angenehmen Sand aus der Sahara mit… Was soll’s, die Natur richtet sich eben nicht nach der Meinung von uns. Es ist Sommer!

Deshalb sind wir am Montag an den Strand gefahren. Der Montag ist normaler weise der perfekte Tag dafür, denn am Wochenende sind die Plätze am Meer natürlich bei allen Inselbewohnern heiß begehrt. Wir haben nur nicht daran gedacht, dass an diesem Montag sozusagen ein Feiertag im Kalender stand. La Fiesta de la Asunción, also Mariä Himmelfahrt war zwar am Sonntag, doch wenn ein wichtiger Feiertag auf einen Sonntag fällt, wird der freie Tag sehr oft am Montag nachgeholt. Wir haben daran leider nicht gedacht und deshalb ging kurz vor Garachico auf der Strasse plötzlich gar nix mehr. Die Autoschlange zog sich durch den ganzen Ort und warum? Schuld an diesem Stau sind eindeutig die Autofahrer gewesen, die einen Parkplatz gesucht und – vielleicht – auch einen ergattert haben.

Nachdem wir den kleinen Ort hinter uns gelassen haben, war alles wie immer, eitel Wonne, Sonnenschein. Keine Autoschlangen und kein Stau, jetzt kann es nicht mehr lange dauern, bis wir uns in den Sand setzen können. Nachdem wir ja intelligent sind und glücklicherweise vorgewarnt wurden, haben wir das Auto ungefähr einen Kilometer vor dem offiziellen Parkplatz in den Schatten gestellt – und das war gut so, denn der Parkplatz war wirklich knallvoll. Da hätte der kleinste Kleinwagen keinen Platz mehr gefunden.

Ihr habt jetzt mit Sicherheit einen total überfüllten Strand vor Augen. Stimmt’s? Aber dem war nicht so! Wir haben einen wunderschönen Nachmittag bei angenehmen Temperaturen am Strand verbracht. Einfach nur wunderschön!

Zu erzählen gibt es nicht mehr viel, deshalb lasse ich heute einmal Bilder und einen klugen Mann der Insel sprechen. Klickt euch einfach durch die Galerie am Ende des Beitrags Hasta pronto!

„Wenn Sie vom Strand von Las Arenas Richtung Fraile fahren, scheint es, als würden Sie die Seiten eines Buches der Legenden betreten, und das Abenteuer wird Sie an jeder Wegbiegung überraschen. Schmale Straßen grenzen an Bauernhöfe, Araukarien, Lorbeerbäume und ungewöhnliche Kakteen lugen aus den Löchern der Steinmauern und wachen über uns.

La Playa de las Mujeres ist ein sorgfältig gehütetes Geheimnis. Das Meer öffnet sich uns mit seiner Wildheit. Die Wellen streifen die Felsen und hinterlassen weiße Fäden aus Meerschaum, die sich in der Schwärze der Oberfläche verfangen. Der Sonnenuntergang malt die Landschaft mit unvorstellbaren Farben, um die uns die fauvistischen Maler beneiden. Das Meer wartet, versteckt hinter den Feldern. Das Meer plätschert, bewacht von zerzausten Gebüsch. Der Strand ist rau mit seinem schwarzen Sand und kleinen Buchten, mit den Felsen, die aus dem Wasser auftauchen, als würden sie mit der Natur spielen, um sich zu verstecken und wieder aufzutauchen.

Nur der riesige Schatten des Berges lässt uns erschaudern angesichts der unermesslichen Schönheit des Unberührten, des Natürlichen. Dieser Ort mit seinen unaufhaltsamen Wellen und rebellischen Felsen konnte nur nach freiheitsliebenden Frauen benannt werden.

Der Strand erwartet uns, die Wellen verführen uns, die Gischt, die ständig mit dem Felsen streitet, erzählt uns von fantastischen Legenden, die die Liebhaber des Meeres und der Schimären in ihren Buchten schrieben.

Vielleicht werden wir die grünliche Silhouette von San Borondón aus dem Wasser auftauchen sehen. Vielleicht hören wir bei Sonnenuntergang die Wasserkinder singen, die glücklich auf dieser imaginären Insel leben. Vielleicht gibt es keine Orte mehr für die Phantasie, und nur dort, im vergessenen Meer, können wir noch träumen, wir selbst sein, in Freiheit schreien. Vielleicht sind wir uns der vielen Bindungen, der vielen nutzlosen Bürokratien, der vielen nutzlosen Ämter nicht bewusst. Regeln, Regeln, Regeln… … ¿Dónde quedan las ilusiones? Wo sind die Illusionen? Die Insel San Borondón wartet auf uns. Aber auf dieser Insel können nur Träumer leben…“

Ernesto R. Abad http://ernestorodriguezabad.com Direktor des Los Silos International Short Story Festival, Professor an der Universität von La Laguna, Philologe und Schriftsteller.

Schöner kann man diesen Strand nicht beschreiben…

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Weiblich oder männlich?

¿Femenino o macho masculino? ¿mujeres o hombres? Spielt sich der kleine Unterschied wirklich nur im Gehirn ab? „Frauen denken anders. Männer auch.“ Diese Feststellung habe ich vor kurzem irgendwo gelesen. Das regt zum Nachdenken an. Ergibt diese Aussage überhaupt einen Sinn?   

Von Verallgemeinerungen halte ich nicht viel – und von der verfälschten Emanzipation auch nicht. Männlein und Weiblein sind eben verschieden und das sollte meiner Meinung nach auch so bleiben. Das heißt allerdings nicht, dass diese Einstellung der Freifahrschein für unterschiedliche Entlohnung für die gleiche Leistung sein soll! Ich finde nur, dass Frauen weiblich und Männer männlich sein bleiben sollten. Unterschiede machen das Leben spannend und schön. Denn wenn Gleichberechtigung unter das Motto „Frausein verboten, Mannsein auch?“ fällt, dann sind wir in der menschlichen Entwicklung zwar weit gekommen – aber irgendwie wohl auch zu kurz?! Frau will immer noch gern Frau sein und Mann sollte sich trauen, Mann zu bleiben.

Männersache – was ist das eigentlich? Ich meine damit nicht die Beziehungskiste zwischen Mann und Frau. Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, ist wahrscheinlich auch keine große Neuigkeit. Es geht hier auch nicht um äußerliche Unterschiede sondern einfach um selbstverständlich aufgeteilte Lebensaufgaben.

Grillen auf offenem Feuer  – Männersache. Geschirr abwaschen – Frauensache. Bier trinken – Männersache. Bier brauen – war allerdings schon bei den Germanen Frauensache. Es gehörte in die hauswirtschaftliche Abteilung – wie Kochen und Backen. Ein Vollbart – ist und bleibt Männersache, aber Nägel lackieren ist keine reine Frauensache mehr.

Eine Frau begehren und hofieren – meistens immer noch Männersache. Begehrt und verehrt werden – hoffentlich nicht nur Frauensache. Auto auf Hochglanz polieren – Männersache. Die Wohnung putzen, den Staubsauger und die Waschmaschine starten – Frauensache, denn in dieser Beziehung fehlt Männern jegliches technische Verständnis. Jeder Mann sollte ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen – Männersache. Doch alles in Ordnung halten fällt dann der Frau in den Schoss, also ist der Rest dann wohl – logischer Weise – Frauensache! Angst vor Mäusen – Frauensache. Erlegte Mäuse aus Fallen entsorgen befreien – Männersache. Das weiß ich ganz genau!

Trotz all dieser Klischees – Mann und Frau sind gleichwertig, weil beide als einzige Wesen eigenhändig von Gott erschaffen worden sind. Oder will irgendjemand etwas anderes behaupten?

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Montaña Roja – der rote Berg

Was sieht man als erstes, wenn man auf Teneriffa landet? Und worauf fällt der letzte Blick beim Abheben des Flugzeugs? Es ist ein eigenartig geformter Hügel an der Küste, la Montaña Roja, übersetzt der rote Berg. Als ich das erste Mal auf die Insel kam, war es für mich ein roter Felsen an der Küste, sozusagen ein natürlicher Wegweiser zum Flughafen im Süden und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich irgendwann einmal darauf herumspazieren würde. Aber wie so oft, kommt es anders als man denkt.

Wir sind gerne in der Natur unterwegs, aber wir sind eher Spaziergänger oder Wanderer und keine Bergsteiger. Bergaufgehen kann man auf der Insel fast überall, denn irgendwie ist die ganze Insel ja nur ein Berg im Atlantik. Wanderer und Bergsteiger haben hier eine Auswahl an Zielen und Touren die sicher keine Wünsche offen lässt. Egal ob sanfte Hügel oder steile Felswände, Wanderwege entlang der Küste oder durch den Wald. Der Gipfel des höchsten Berges Spaniens lockt zu einem Aufstieb – aber es muss ja nicht immer der Teide sein, oder?

Der Montaña Roja ist natürlich kein Felsen an der Küste, es ist auch kein auffälliger Vulkan sondern der Rest eines alten Schlackenkegels aus Lava und Asche, der vor vielen Tausend Jahren beim Ausbruchs eines Vulkans hier an der Küste ausbrach. Mittlerweile ist das gesamte Gebiet rund herum zum Naturschutzgebiet, Reserva Natural Especial, erklärt worden, denn hier ist auch die einzige, gut erhaltene Dünenlandschaft der Westlichen Kanaren.

Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hier ziemlich intensiv Tomaten angebaut worden sind. Wie war das möglich in dieser steinigen und trockenen Landschaft? Wenn man genau hinsieht erkennt man zwischen den natürlichen Steinen sogar noch die versteinerten Ausscheidungen der Wasserkanäle. Wunderschön geformte, weiße Steinbrocken, die verteilt zwischen den meistens vertrockneten Pflanzen liegen. Mit den Tomaten hat auch die Geschichte des legendären Hotels El Médano zu tun, denn ursprünglich war dieses Gebäude eine Verpackungsstation für die begehrten Früchte und wurde aus diesem Grund direkt ans Meer gebaut. Aber das ist eine andere Geschichte, heute erkunden wir einmal die Gegend rund um den roten Berg.

Über sandige Wege, vorbei an vielen kleinen Sanddünen machen wir uns auf den Weg Richtung Montaña Bocinegro. Er ist der kleine Bruder des 171 Meter hohen Roten Berges an seiner rechten Seite und kann immerhin stolze 36 Meter vorweisen.

Auf dem Weg zum „Gipfel“ kommen wir an einem recht gut erhaltenen Bunker vorbei. Ich habe keine Ahnung warum vor allem in der Gegend rund um El Médano so viele dieser eigenartigen Bauwerke an der Küste verteilt worden sind. Gedacht waren diese Bunker für die Verteidigung im Zweiten Weltkrieg, aber ich glaube, es war ganz gut, dass sie nie gebraucht worden sind, denn ob man damit die Insel verteidigen hätte können kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Heute sind die Eingänge meistens zugemauert und die Bunker selbst dienen als gern genutzte Motive für Urlaubsfotos von Besuchern aller Herren Länder.

Nachdem unter uns eine schöne, einsame Bucht lockt, geht es erst einmal ans Meer und nicht auf den Berg. Unseren Rastplatz haben wir dieses Mal in einer sehr farbenfrohen Bucht gefunden. Tiefrote Sandsteine rund um uns garantieren Schutz vor Wind, leises Plätschern der Meereswellen ist für die Hintergrundmusik zuständig. Für angenehmen Schatten sorgen in dieser kargen Gegend zum Glück ein paar Wolken – beste Voraussetzungen um die Seele baumeln zu lassen.

Weiter geht unser Spaziergang an der Küste und die Landschaft verändert sich bald komplett. Von dunkelrot verfärbt sich Umgebung bald in ein gelblich, graues Weiß. Aus der Ferne sieht es aus, als ob jemand aus Jux und Tollerei einfach ein paar Betonladungen ausgekippt hätte.

Das ist natürlich nicht der Fall, hier hatte nur die Natur ihre Finger im Spiel. Sie hat im Laufe der Jahrtausende Sand mit Hilfe von Meereswellen, Regentropfen, Hitze und Wind in fantasievoll geformtes Sandgestein verwandelt.

Hier kommt es mir vor, als ob ich auf einem anderen Stern gelandet wäre, dabei sind wir nur ein paar Schritte von der Zivilisation entfernt. Beim Überqueren der versteinerten Landschaft sieht die Gegend auf den ersten Blick vollkommen verlassen und öde aus, aber hier wachsen sogar einige Pflanzen und ein paar Sonnenanbeter haben sich ebenfalls hierher verirrt. Ein paar ist vielleicht übertrieben, aber zwei von unserer Art haben es sich wirklich hier gemütlich gemacht.

Dieser versteinerte Weg führt uns wieder zurück in die rot gefärbte Landschaft und wir steigen am Ende unseres Ausflugs doch noch auf den Roten Berg. Der Weg nach oben ist an einigen Stellen durch losen Schotter und feinen Sand auf den Steinen recht rutschig was aber einen Burschen nicht daran hindert im Laufschritt Richtung Küste zu hecheln. Naja, zum Glück kann das ja jeder machen wie er will, ich hätte Angst, dass es mir den Boden unter meinen Füßen wegzieht. Unfreiwillig möchte ich mich hier nicht auf den Hintern nieder setzen.

Von hier hat man einen tollen Ausblick auf die Bucht von El Médano und auf den Strand auf der anderen Seite des Hügels, La Playa Tejita. Was mir aufgefallen ist – der Himmel war bis auf die Wolken vollkommen leer. Es war kein einziges, buntes Segel in der Luft. Ich glaube, so habe ich den Himmel über dem Strand hier noch gar nie gesehen. Die vielen Kitesurfer gehören hier eigentlich zum Bild wie der Sand zum Strand.

Da unten, rechts von der Straße haben wir unser Auto geparkt. Neben dem Wohnmobil steht ein rotes Auto und daneben müsste unser fahrbarer Untersatz stehen. Eigentlich. Aber ich kann es nicht sehen. Verflixt, es wird ja nicht jemand geklaut haben? Oder hat es sich gar in Luft aufgelöst?

Wir sind mit einem ziemlich eigenartigen Gefühl zurück marschiert. Auch als wir schon direkt an der Strasse angekommen waren, haben wir unser Auto nicht gesehen. Erst als wir auf den Parkplatz gekommen und um die parkenden Autos herum gegangen sind – war es plötzlich wieder da! Der weiße Wagen, der neben uns eingeparkt war, hat unser Gefährt vollkommen verschluckt. Ende gut – alles gut. Dem nächsten Ausflug steht nichts mehr im Weg.

Ach ja, während des ganzen Nachmittags sind zwei Flugzeuge am Flughafen gelandet…

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Corpus Christi 2021 in La Orotava

Alle Jahre wieder, genau eine Woche nach Fronleichnam, Dia de Corpus Christi, verwandeln sich die Straßen und Gassen von La Orotava in eine bunte Welt mit Teppichen aus Blumen, färbigen Sand, die schließlich alle auf dem mit einem riesigen Sandbild geschmückten Rathausplatz zusammenlaufen. Dort wird schon Wochen vor dem Fest an der Hauptattraktion gearbeitet. Der wohl berühmteste Teppich des Festes ist der Sandteppich. Jahr für Jahr malen die Alfombristas ein über 800 Quadratmeter großes Gemälde mit verschiedenen biblischen Episoden aus Sand auf den Boden des Platzes vor dem Rathaus der Stadt. Kurz nach Ostern geht es los. Zwanzig Alfombristas, wie die Sandmaler genannt werden, beginnen mit ihrer Arbeit. Im vergangen Jahr ist das Fest aus bekannten Gründen ja vollkommen ins Wasser gefallen und auch in diesem Jahr war alles anders…

Die Balkone und Fassaden der Häuser in der Innenstadt waren wunderschön geschmückt, doch die bunten Hauptdarsteller in den Gassen haben gefehlt – die Blumenteppiche! So leer sind die Strassen der Stadt an diesem Feiertag wohl schon seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Dort, wo sich sonst tagsüber Menschenmengen neben den Kunstwerken über das Kopfsteinpflaster schieben und hunderte Kinder und Erwachsenen noch an ihren Blumenteppichen arbeiten, spazierte eine überschaubare Menschenmenge zur Kirche und weiter zum Platz vor dem Rathaus.

Neben dem Teppich aus Sand, der vor dem Rathaus liegt, werden normalerweise noch dreißig weitere Teppiche hergestellt. Wer an diesem Tag in La Orotava ist, erlebt einen richtigen Blütentraum in den Strassen und Gassen der Altstadt und ein feiner Duft von Heidekraut liegt in der Luft. Leider haben die Prunkstücke aus Blumenblättern und Heidekraut nur ein sehr kurzes Leben, denn sie schmücken die Strassen nur bis zum Abend, bis die Prozession darüber geht. Aber heuer ist eben alles ein bisschen anders.

Auch vor dem Rathaus war die Menge der Bewunderer ziemlich überschaubar und oft hatte ich das Gefühl, dass mehr Sicherheitsmänner als Besucher in der Gegend herumstanden. Außerdem wurden überall fleißig Kameras aufgebaut und Kabel verlegt, denn am Abend wurde die Messe in der Kirche und vielleicht auch eine kleine Prozession für alle, die sonst auf der Strasse feiern, in die heimischen Wohnzimmer übertragen.

Seit vielen Jahren habe ich gestern den Sandteppich von La Orotava das erste Mal vollkommen fertig und frei liegend gesehen – und es war ein ganz besonderer Teppich. Normalerweise kann man den kunstvoll gestalteten Teppich aus dem Fenster im ersten Stock des Rathauses fotografieren, aber gestern sind die Türen leider verschlossen geblieben, deshalb zeige ich euch hier ein offizielles Foto der Stadt. So sieht das Gesamtkunstwerk von oben gesehen aus.

Seht ihr das große C links im Bild? Dahinter versteckt sich eine Erinnerung an einen der ersten Teppiche auf diesem Platz. Im Jahr 1919 gestaltete Don Felipe Machado y Benitez de Lugo, den ersten Teppich für Corpus Christi auf dem Platz des Rathauses von La Orotava. Damals bestand der Teppich noch aus Blumen und nicht aus Sand. Er legte das Wort Corpus mit Blumen aus, aber da das C eine Größe von 20 Metern hatte, erkannten die meisten Betrachter den Buchstaben nicht und viele Leute glaubten, dass Don Felipe auf Grund seines Alters schon etwas vergesslich geworden wäre und statt Corpus nur orpus geschrieben hätte. Diese Anekdote wird heute noch gerne erzählt, sie erhält diesen Teppich wohl für immer lebendig und das Kunstwerk von damals hat in verkleinerter Darstellung wieder auf den Platz zurück gefunden.

Das Motiv des Teppichs ist immer eine Verbindung aus Religion und dem Bezug zu aktuellen Problemen und wird niemals wiederholt. Jahr für Jahr wird der Teppich also neu entworfen. Meistens besteht er aus drei Bildern, die mit Blumen und geometrischen Mustern umrahmt werden. Der Teppich 2021 nimmt zwar den ganzen Platz ein, die drei klassischen Teile sind allerdings auf den Mittelteil zusammengeschrumpft worden und sind eine Danksagung an alle Freiwilligen Helfer und das Gesundheitspersonal des vergangenen Jahres. Der religiöse Teil würdigt die Heilige Familie und das 150jährige Jubiläum der Schutzherrschaft von San José.

Da es nicht möglich war, die Gassen mit Blumenteppichen zu schmücken, wurde in diesem besonderen Jahr der linke und recht Rand des Bildes mit zwei Bordüren aus Blütenblättern abgeschlossen. Wenn schon nicht in den Gassen, dann wenigstens hier!

Der Sandteppich vor dem Rathaus ist ein Thema, die vielen Blumenteppiche sind ein anderes Thema. Beide zusammen ergeben das Gesamtkunstwerk Corpus Christi en la Villa de La Orotava. Diese Art der Blumendekoration wurde wahrscheinlich Anfang des 17. Jahrhunderts als Blumenfest in Rom erfunden, aber in den Gassen und Strassen von La Orotava wird es Jahr für Jahr wiederbelebt. Am 20. Mai 1956 konnte man in der Zeitung  Canarias folgendes lesen: „Wenn es einen Ort auf Teneriffa gibt, der sich durch seine besondere Frömmigkeit hervortut, dann ist das La Orotatva. Hier gibt es religiöse Riten, die man als außerordentlich bewundernswert bezeichnen kann – die Blütenteppiche zu Corpus Christi“. Aus einer kleinen, blumigen Geste von Leonor del Castillo y Betancourt, die 1847 den ersten Blütenteppich zur Corpus Christi Prozession legte, ist eine Tradition geworden

Vor der Heimfahrt haben wir noch einen Abstecher in die festlich geschmückt Kirche, la Iglesia de la Concepción gemacht. Auch hier haben sich die Verantwortlichen der Stadt einen Rundgang für alle Besucher ausgedacht und Sicherheitsmänner haben dafür gesorgt, dass das Eisenbahnsystem auch verlässlich von allen eingehalten wurde. Die Männer, die ihr hoch oben im Turm sehen könnt, waren für das Läuten der Glocken zuständig. Welche Bedeutung das hat, weiß ich leider nicht – aber es war laut, sehr laut!

Im Inneren der Kirche empfing uns angenehme Stille und kühle Luft. Vor dem wunderschön mit Blumen geschmückten Altar wurde sowohl ein kleiner Blumen- als auch ein Sandteppich gelegt. Es war alles bereit für die abendliche Messe, alles wie immer könnte man glauben – nur eben ein bisschen anders…

Die ganze Geschichte über die Blumenteppiche und den ganz besonderen Teppich aus Lavasand vor dem Rathaus in La Orotova könnt ihr in meinen Beiträgen aus den vergangenen Jahren nachlesen – Corpus Christi, nach dem Fest… hasta pronto….

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Eine Palme wird erwachsen

Als wir vor vielen Jahren unsere Finca in Santa Bárbara gekauft haben, stand eine einzige, große Palme auf dem gesamten Gelände in der Landschaft. Einsam und verlassen vor einem mehr als baufälligen Haus, wie ein verantwortungsbewusster Kapitän auf der Brücke seines untergehenden Schiffes. Ein Fels in der Brandung.

ein paar Jahre später…

Das ging gar nicht und deshalb wollten wir diesen Zustand so schnell wie möglich ändern. Palmen, Sonne und Meer gehören zu dieser Insel wie die Sterne zum Mond und dem Nachthimmel, oder?

Bevor wir uns also an die Renovierung, oder besser gesagt an die Wiederbelebung der Finca machten, wurde gepflanzt. Die Gärtnereien rund um Icod de los Vinos hatten ihre Freude mit uns, das könnt ihr mir glauben. Aber die Botanik ist eine andere Geschichte, heute möchte ich euch unser Schmuckstück und den Star des Tages vorstellen. Wir haben das jetzige Prachtstück nicht einmal in einer Gärtnerei erstanden sondern es, wahrscheinlich von einem Vogel, geschenkt bekommen. Das Samenkorn muss im wahrsten Sinne des Wortes vom Himmel gefallen sein, denn auf der Finca stand keine Kanarische Palme.

Bei unseren Rodungsarbeiten ist uns dann eines Tages ein zartes Palmpflänzchen zwischen die Finger gekommen. Wir haben sie zuerst einmal in einen Blumentopf gerettet und nach einem, oder zwei Jahren in die freie Wildbahn entlassen. Wie durch ein Wunder hat sie sämtliche Bauarbeiten und Bauarbeiter gut überstanden und überlebt. Wenn ihr auf dem Foto genau hinseht, könnt ihr sie in Jugendjahren hinter den blühenden Callas entdecken.

Die kanarische Palme, botanisch Phoenix canariensis, ist nur eine von über zweitausend Arten Palmenarten die es auf der ganzen Welt gibt und sie ist auch die einzige endemische Art auf allen Kanarischen Inseln. Auf Teneriffa, gibt es viele endemische Pflanzen, aber nicht alles was hier wächst und blüht stammt auch wirklich von hier. Die Phoenixpalmen waren ursprünglich in Vorderasien zu Hause und von dort aus haben sie sich nach Indien und Nordafrika auf die Reise gemacht ausgebreitet. Heute wachsen sie hauptsächlich in den tropischen und subtropischen Regionen Afrikas, auf einigen Inseln im Mittelmeer, auf den Kanarischen Inseln und den Azoren.

Palmen sind, wie wir alle wissen, keine Bäume. Der Stamm ist relativ dünn und erscheint nur durch die Überbleibsel der abgeschnittenen Palmwedel dick und wuchtig. Er ist auch nicht aus Holz, auch wenn es so aussieht und die Wedel eher verholzen als verrotten. Der Schein trügt wieder einmal, genau wie bei den Früchten der Palme.

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Sie sehen aus wie Datteln, sind aber keine. Zumindest keine Delikatessen. Mir haben zwar zwei alte Canarios erzählt, dass sie die Früchte als Kinder gegessen haben. Typisch, Kinder probieren ja alles aus. Meine Freundin und ich haben auch den Saft aus den Stängeln vom Sauerampfer probiert, ob er mir heute noch schmecken würde, bezweifle ich stark. Also, auch wenn die Datteln der Kanarischen Palme essbar sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch gut schmecken. Wahrscheinlich trifft hier eher nicht giftig als essbar zu.

Auf den Kanaren wurden in vergangenen Zeiten mit den Palmblättern nicht nur Hausdächer gedeckt und Hütten gebaut, sie wurden auch an Tiere verfüttert. Heutzutage werden aus den Palmenwedeln Besen, Matten, Decken und Körbe hergestellt. Mit viel Glück sieht man, vor allem in Santa Cruz, noch ab und zu einen Straßenkehrer, der mit den lang geschwungenen Blättern die Straßenränder fegt. Ein Überbleibsel aus alten Zeiten, dass im Grunde genommen fast überall durch lautstarke Laubbläser ersetzt worden ist.

In freier Natur und an einem guten Standort werden die Palmen bis zu fünfzehn Meter hoch – habe ich gelesen. Wie hoch unser Exemplar jetzt ist kann ich nur schätzen. Vielleicht sechs Meter? Auf alle Fälle müssen wir uns für die Zukunft eine längere Leiter kaufen, denn bei diesem Schnitt der Palmwedel hat Georg die letzte Sprosse der Leiter erreicht. Ende der Fahnenstange!

übrigens – anders wie man vermuten könnte hat nicht La Palma den größten Palmenbestand der Kanaren, sondern La Gomera. Auf einer der kleinsten Inseln sollen mehr Palmen als auf allen anderen Inseln zusammen gezählt wachsen. Obwohl die Palmen offiziell nie gezählt wurden, wird der Bestand der Phoenix Canariensis auf weit über 100.000 Exemplare geschätzt. Die Palme steht unter Naturschutz und wurde 1999 zum offiziellen Wahrzeichen La Gomeras ernannt und dürfen nur mit einer Genehmigung der Inselregierung gefällt werden.

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Dia de la Cruz 2021

Auf Teneriffa wird am 3. Mai, wie überall auf den Kanarischen Inseln, der Tag des Kreuzes, El Día de la Cruz, gefeiert. In allen Gemeinden, die das Wort cruz im Namen tragen ist an diesem Tag ein Feiertag und das ist in vielen Dörfern und Städten der Fall, denn irgendein Ortsteil hat schon ein Kreuz im Namen. Jeder Ort hat für diesen Tag seine eigenen Traditionen, aber eines haben alle gemeinsam – die geschmückten Kreuze. Schon seit Tagen werden die Kreuze an den Häuserwänden, in Kirchen, Kapellen, an Straßenkreuzungen, in Innenhöfen, Gärten und auf den verschiedenen Plätzen festlich und fantasievoll mit vielen Blumen geschmückt.

In den vergangenen Jahren haben wir bereits die Kunstwerke in Puerto de la Cruz bewundert, sind durch die abendlichen Gassen von Cruz Santa, einem Ortsteil von Los Realejos gegangen und haben uns auch einmal ein gigantisches Feuerwerk angesehen. Cruces y fuegos de mayo, las flores y fuegos artificiales, Blumen und Feuerwerk – tagsüber stehen die Kreuze im Mittelpunkt und nach der Messe und einer prunkvollen Prozession findet in der Nacht das wohl größte und berühmteste Feuerwerk der Kanarischen Inseln statt. Zwei Stadtviertel veranstalten dieses Spektakel, bei dem sich die Straßen Calle del Sol und Calle del Medio mit ihren Feuerwerkskünsten zu überbieten versuchen. So will es die Tradition.

Im Vorjahr ist der Feuerzauber allerdings ins Wasser, oder besser gesagt, dem Virus zum Opfer gefallen, doch heuer hat es wieder stattgefunden. Ein Feuerwerk ohne Zuschauer sozusagen, denn ab 22 Uhr herrscht auf der Insel noch immer Ausgangssperre und der Startschuss für die erste Rakete fiel erst eine Stunde später. Naja, wer wollte, konnte das Ereignis ja im Internet verfolgen. Ich verlinke die Seite hier einmal… Ofrenda pirotécnica a la Cruz de las Calles del Sol y del Medio … das Feuerwerk beginnt in der 16. Minute 🙂

La Primavera, der Frühling ist in Santa Cruz de Tenerife eine ganz besondere Jahreszeit. Bei den Feiern im Mai, las Fiestas de Mayo, spielen Blumen und Traditionen die Hauptrolle und verwandeln das Bild der Stadt. Santa Cruz feiert nicht nur das Kreuz sondern auch seine Gründung am 3.Mai 1494 und dafür werden kunstvolle Blumenkreuze aufgestellt und im Parque García Sanabria stellen Gärtner und Kunsthandwerker ihre Werke aus Blumen aus.

Wir haben einen Spaziergang durch die Stadt gemacht und ich zeige euch die Bilder von einer Auswahl dieser zauberhaften, blumigen Kunstwerke. Wenn ihr mehr über diese Traditionen oder die Geschichte des Feuerwerks von Los Realejos wissen wollt, blättert bitte in meinen Blogbeiträgen aus den vergangenen Jahren… Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz oder El Día de la Cruz.

Ich lasse heute die Fotos sprechen…

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Blüten im April…

… bei einer Rundfahrt auf Teneriffa – denn auf der Insel ist es um diese Jahreszeit nicht nur grün und angenehm warm. Es ist Frühling!

Falls ihr ab und zu in einem Reiseführer gestöbert oder vielleicht einen Film über die Kanarischen Inseln gesehen habt, ist in eurem Gedächtnis sicher der Satz Teneriffa, die Insel des ewigen Frühlings hängen geblieben. Nein? Das kann ich fast nicht glauben, denn kein Klischee hält sich so hartnäckig, wie das des Ewigen Frühlings auf unserer kleinen Insel im Atlantik. Woher diese Aussage ursprünglich kommt weiß ich nicht, aber eines kann ich mit Sicherheit behaupten – auf Teneriffa treibt sich nicht das ganze Jahr der Frühling herum, die drei anderen Jahreszeiten gehen an der Insel auch nicht unbemerkt vorbei. Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind nur nicht so extrem kalt und warm wie am Festland Europa.

Weil ich gerade dabei bin, Klischee Nummer zwei lautet – der sogenannte Süden ist immer sonnig und im grünen Norden regnet es das ganze Jahr. Diese Aussage ist gleich doppelt falsch. Dass die Zuordnung der Orte zu den richtigen Himmelsrichtungen nicht genau stimmen, liegt wahrscheinlich daran, dass die Insel ziemlich schief im Atlantik liegt. Der sogenannte „Süden“ also das Gebiet von Los Cristianos, Playa de las Americas, Adeje bis Los Gigantes ist zwar in den Sommermonaten ziemlich heiß und im Winter gibt es hier kaum Niederschlag aber dafür ist es in den Wintermonaten oft stark windig – und ab und zu regnet es auch hier. Im „Norden“, also eigentlich an der Nordwestküste bis an die nördliche Spitze regnet es in den Monaten November bis April des Öfteren. Das heißt aber nicht, dass dieser Teil von Teneriffa ständig unter Wasser steht, denn wenn es regnet, regnet es einige Stunden lang, vielleicht ab und zu etwas länger, aber sobald die Sonne die Wolken vertrieben hat, ist es auch auf diesem Teil der Insel angenehm warm. Aber das nur nebenbei.

Die Mandelblüte bei Santiago del Teide ist für dieses Jahr schon lange Geschichte, die roten Tajinasten im Nationalpark werden erst Ende Mai oder Anfang Juni blühen aber das macht gar nichts, denn auf der Insel tut sich in der Botanik immer etwas. Das ist ungefähr so wie mit der Sonne – irgendwo auf der Insel scheint sie fast immer!

Auf dem Weg von Arona nach Vilaflor kommen wir an vielen Weinfeldern vorbei. Fast überall sind die Weinbauern bei der Arbeit und auch wenn die Felder noch einheitlich braun wirken täuscht der erste Eindruck. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf den knorrigen, alten Weinstöcken schon die ersten, zartgrünen Blätter.

Je näher Vilaflor kommt, umso grüner und bunter wird die Landschaft – es grünt und blüht so gut wie überall. Sonnengelbe Blüten des Goldmohns konkurrieren mit roten Mohnblüten und auf den Feldern treiben die Weinstöcke bereits die ersten, zartgrünen Blätter.

Wir sind dieses Mal am Ortsrand von Vilaflor stehen geblieben. Erstens wollten wir uns ein bisschen die Füsse vertreten und zweitens entdeckt man bei einem Spaziergang durch die verwinkelten Gassen immer wieder etwas Neues. Zuerst wurden wir von wunderschönen Mohnblüten und Weinstöcken begleitet und ich konnte nicht widerstehen, die neuesten Glasperlen, die Georg vor einigen Tagen aus Muranoglas gezaubert hat, zu fotografieren.

Auf dem Weg zum Kirchplatz verschönerten dann Rosenblüten die Mauern. Ein Rosenstock reiht sich an den nächsten und die Blüten duften sogar! Schade, dass man Gerüche noch nicht festhalten kann. Das wäre doch eine gute Erfindung, oder?

Wenn wir Glück haben, blühen hier in Vilaflor bereits ein paar Exemplare der roten Tajinaste – und wir hatten Glück! Auf dem Platz zwischen der Iglesia de San Pedro Apóstol und La Casa de los Soler blühen sie wirklich schon. Der rote Natternkopfla tajinaste rojo, reckt sich stolz in die Höhe und seine tausenden, winzig kleinen Blüten leuchten in intensivem Rot.

Es ist Zeit für unser Picknick und dafür haben wir einen tollen Platz in der Nähe des bekannten Riesenbaumes von Teneriffa gefunden. Ungefähr eineinhalb Kilometer nach Vilaflor stehen zwei gigantische Baumriesen fast am Straßenrand. El Pino Gordo ist über 45 Meter hoch und hat einen Stammumfang von 9 Metern und 30 Zentimetern, schräg gegenüber steht eine noch höhere Kiefer im Wald, el Pino de las dos Pernadas. 

Dafür interessiert sich allerdings anscheinend so gut wie niemand, denn obwohl während einer Stunde doch ein paar Autos angehalten haben, sind nur einige Neugierige ausgestiegen um El Gordo zu bewundern. Auf unserem Plätzchen auf der nahen Waldlichtung hat uns kein Mensch beim Essen gestört. Falls ihr einmal dort unterwegs sein solltet – riskiert die paar Schritte über die Straße, denn gerade von diesem Platz hat man eine wunderbare Sicht auf den Dicken, el Pino Gordo. Glaubt mir, die zweihundert Meter zu gehen, zahlt sich aus!

Im Nationalpark sieht es mit der Blüte von Pflanzen noch nicht so gut aus. Der Ginster ist noch grün – obwohl man an einigen Plätzen bereits den Duft erahnen kann, die Margeriten haben erst Knospen angesetzt und die jungen Tajinastepflanzen stecken sozusagen noch in den Kinderschuhen und werden erst in einigen Wochen ihre Blütenkerzen in den Himmel strecken.

Aber die Farben der Felsen in den Cañadas del Teide sind immer wieder einen Ausflug in die Welt des Vulkanes wert. Ja nach Tageszeit und Sonnenlicht verändert sich die Landschaft für mich bei jeder Fahrt.

Diese zarten, violetten Blumenstauden, die hier auf den Bildern zu sehen sind, haben gekonnt farbige Blickpunkte zwischen die Steine und Felsen gesetzt. Leider habe ich keine Ahnung, welche Art von Blumen das ist, aber vielleicht weiß es ja jemand von euch? Das wäre toll!

Auf der Heimfahrt sind wir dann ein allerletztes Mal ein Stück vor Orotava stehen geblieben und haben, umgeben von einem Blütenmeer, die laue Abendluft und den schönen Ausblick genossen. Hier finden Bienen zu dieser Zeit noch ein Paradies auf Erden, es summt und brummt, es herrscht Hochbetrieb zwischen all den bunten Blüten. Schade, dass dieses Blütenmeer nicht das ganze Jahr über stehen bleibt.

Hier ist noch ein kleiner Nachtrag – ich weiß jetzt, wie die violett blühenden Pflanzen heißen. Es ist das Teide-Mauerblümchen, botanisch korrekt Erysimum scoparium. Diese Blume kam ursprünglich nur in den Cañadas del Teide und auf La Palma vor und wird hier auf der Insel meistens alhelí del Teide genannt. Se conoce como alhelí del Teide, alhelí camaleón​ y alhelí de cumbre. Mittlerweile haben sich aber auch zahlreiche Exemplare in tieferen Lagen, wie im Gebiet rund um Santiago del Teide, angesiedelt.

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Juan Fernández – Höhlen und Quellen

Klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich liebe Friedhöfe und alte Häuser. Ich mag diese Orte, weil ich mich die Geschichten hinter den Gräbern oder den halb verfallenen Mauern interessieren. Zum Glück verschwinden die meisten davon nicht sofort – sie gehen nur verloren bis sie irgendwer wiederentdeckt. Trotzdem nagt der Zahn der Zeit an ihnen und irgendwann werden sie vergessen und verschwinden lautlos in der Vergangenheit. Die Natur erobert sich meistens ihren Platz wieder zurück und die Fußspuren der Menschen in der Erdgeschichte werden ganz klein.

Vor ein paar Tagen wollten wir zu so einem Ort fahren, aber unser fahrbarer Untersatz streikte. Der Starter wollte seine Arbeit nicht mehr erledigen und für einen Fußmarsch nach Tacoronte hatte ich ehrlich gesagt auch keine Lust. Egal, jetzt funktioniert wieder alles und deshalb kann ich euch nun doch noch von unserem Ausflug in die Vergangenheit erzählen.

Tacoronte hat ja – wie alle Gemeinden auf Teneriffa – viele Ortsteile, die oft so groß sind, dass sie fast wie eigenständige Dörfer wirken. Die zwei bekanntesten sogenannten barrios von Tacoronte sind mit Sicherheit El Pris und Mesa del Mar und ganz in der Nähe liegt auch unser Ziel.

Die Geschichte der Stadt Tacoronte begann schon zur Zeit der Guanchen. In der Gegend des heutigen Stadtgebietes lebten vor allem Hirten, die sich in den Höhlen niedergelassen haben. Sie siedelten in kleinen Gruppen dort, wo sich heute die Ortsteile Juan Fernández, Guayonje, El Pris und Mesa del Mar befinden. Die steil abfallende Küste bot Schutz, die natürlichen Höhlen eigneten sich perfekt für Mensch und Tier und für genügend Wasser sorgten die vielen Quellen in diesem Gebiet.

Nach der Eroberung der Insel wurden hier vor allem Portugiesen sesshaft, doch wann der Ort Tacoronte gegründet wurde, kann nicht genau gesagt werden. Man geht davon aus, das es Machado aus Guimaráes war, der 1496 Tacoronto gründete.

Ein gewisser Juan Fernandez, war ebenfalls einer der Portugiesen, die sich an diesem Ort niederließen. In einer Liste, der ersten Siedler aus dem Jahr 1497 findet man die Namen der ersten Landbesitzer. Als Nummer 0 führt „Don Alonso Fernández de Lugo, 14 enero 1504. Sin data, por sentencia y deslinde“ die Liste von insgesamt 153 Namen an. Unter der Nummer 99 findet man den Eintrag „Juan Fernández, el viejo, cerrajero, 1 fanegada con fuente y cueva. 7 junio de 1500“ Sehr viel Land hat der Schlosser Juan Fernández nicht bekommen, das wertvolle an seinem Besitz war vor allem die Quelle und die Höhle. Zum besseren Verständnis – una fanega de tierra entspricht ungefähr 6.400 Quadratmetern und der Großteil der ersten Siedler bekam hundert bis vierhundert fanegas Land zugeteilt. Dabei handelt es sich allerdings oft auch um Trockenland und eine weitere Eintragung einer Quelle konnte ich nicht finden. Dieser Besitz muss also sehr wertvoll gewesen sein – denke ich mir. Und diesen Platz wollen wir uns ansehen.

Am oberen Rand des Hügels grünt und blüht es. Überall schwirren Bienen und man hört auch leises Vogelgezwitscher. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass sich ein ziemlich breiter Schilfgürtel nach unten Richtung Küste. Es sieht fast so aus, als würde ein Bächlein seinen Weg durch die Landschaft suchen. Und so ist es auch, es gibt ein schmales, steil abfallendes Bachbett, in dem mehrere Quellen auf verschiedenen Höhen aus dem Boden sprudeln. Wir stapfen erst ganz gemütlich durch eine Wiese, ein schmaler Trampelpfad zeigt uns den Weg.

Es dauert allerdings nicht lange, dann verwandelt sich die Wiese in ein grünes Dickicht aus hohem Schilf. Dieser Steig wird anscheinend regelmäßig genutzt, denn welchen Grund sollte es sonst dafür geben, dass jemand mit ziemlich viel Mühe einen Tunnel in diesen Urwald geschnitten hat? Oder gibt es heute noch Höhlenbewohner in der Nähe?

Ein Blick aufs Meer verleitet uns fast zur Umkehr. Wenn mich nicht alles täuscht, zieht da eine breite Regenfront auf uns zu. Aber nein, wir sind gekommen um zu bleiben – und das war gut so, denn das dichte Blätterdach war ein perfekter Regenschirm für den kurzen Regenschauer. Hier hat sich die Natur bereits das erste Bauwerk fast vollständig zurück erobert. Das kleine Haus wird fast erdrückt von dicken Ästen und ist rundum von dichtem Grün umschlungen.

Wie so oft dauert ein Regenschauer nur einige Minuten und so ist es auch dieses Mal gewesen. Das kleine Häuschen hat wahrscheinlich schon zum Anwesen gehört, denn ab hier ist der Weg mit Steinplatten gepflastert und führt uns direkt an unser Ziel.

Dieser Abschnitt der Küste steht seit einigen Jahren wegen der vielen Wohn- und Grabhöhlen unter Naturschutz und es darf nichts mehr verändert werden, aber vor fünfhundert Jahren entstand hier auf diesen Felsen mit viel Aufwand eine Hacienda, die aus einem Haupthaus, einem Gebäude für Arbeiter und einer Werkstatt bestand.

Es wurde eine Brücke aus Steinen gebaut, viele Gärten angelegt und bunte Blumen in Trögen gepflanzt. Neben dem Wohnaus entstand ein eigener Waschplatz mit Becken und Ausgüssen und zusätzlich wurden noch einige Wassertanks gemauert.

Klar, nun stehen nur mehr einige Mauern hier, der Großteil der Wände ist bereits eingestürzt, diverse Künstler haben ihre farbenfrohen Spuren hinterlassen und als Beleuchtung in der Nacht müssen der Mond und die Sterne sorgen. Es ist eigentlich nur noch eine Ruine und nicht einmal mehr als abenteuerlicher Wohnort für Aussteiger geeignet – aber ich kann mir vorstellen, wie schön es hier einmal gewesen sein muss.

Unterhalb des Hauses sieht man noch Terrassen, die früher angebaut und bewässert wurden. Heute wirken die steinernen Treppen zwischen den Terrassen irgendwie fehl am Platz, sie ergeben keinen Sinn mehr. Trotzdem fügen sie sich einfach in die Landschaft ein und stören nicht – im Gegensatz zu so manchem Asphaltband, das ohne Sinn und Zweck an vielen Plätzen auf der Insel wertfrei in die Landschaft gelegt wurde.

Einige Meter vom Haus entfernt plätschert kühles klares Wasser in einen steinernen Trog. Das ist die Quelle, die Juan Fernández seit dem Jahr 1500 sein Eigentum nennen konnte. Der Grund, warum hier an diesem Ort diese kleine Ansiedlung entstanden ist, ein lebenswerter Platz für mehr als nur eine Familie.

Seit wann der Ort verlassen ist weiß ich leider nicht und wer hier wirklich gelebt hat – keine Ahnung. Aber es gibt eine Legende, die von diesem Ort erzählt…

Érase una vez, es war einmal ein junger Mann mit dem Namen Juan Fernández. Er war ein guter Freund von Alonso Fernández de Lugo und bekam als Lohn für seine Heldentaten in der Schlacht von Matanza de Acentejo einige Ländereien in der Gegend von Tacoronte, unter anderem ein Gebiet über der Küstenklippe, wo es eine Quelle und viele Höhlen gab, die von den Guanchen als Häuser oder Grabnischen genutzt wurden.

Der junge Mann war jung, mutig und gut aussehend und da er im Besitz des lebenswichtigen Wassers war, wurde er innerhalb kurzer Zeit zu einem sehr mächtigen Mann in dieser Gegend. Einige Mitmenschen behaupten allerdings, dass er auch ein wenig hochmütig gewesen sei.

Er beschloss, auf seinem Lieblingsplatz hoch über dem Atlantik sein Anwesen mit mehreren Häusern zu bauen. Einer der besten Architekten von Teneriffa bekam den Auftrag ein Haupthaus mit dem Blick über seine kultivierten Terrassen auf den Ozean, Werkstätten und Ställe sowie die besten Waschplätze der Gegend zu errichten. Außerdem sollte der Mann einen lauschigen Garten, einen großen Platz mit Obstbäumen, der von Blumenkästen und Steinbänken umgeben sein sollte, sowie einige Wassertanks entwerfen. Hier würde später sein bevorzugter Platz, wo er am Abend mit einem guten Glas Wein den Sonnenuntergang beobachten konnte, sein.

Um den Fortschritt der Bauarbeiten zu überwachen reiste er von der Hauptstadt San Cristóbal de La Laguna ins östliche Tacoronte. Bei diesem Besuch sah er ein junges Mädchen mit seinem Hund, das Wasser aus der Quelle schöpfte. Sie hatte große weizenfarbene Augen und tiefschwarzes Haar, das ihr in Wellen über die von der Sonne vergoldeten Schultern fiel. Sie trug ein weißes Hemd, einen einfachen roten Rock und Sandalen aus Hanf an den Füßen. An der Seite ihres Halses entdeckte er eine Tätowierung. Er war fasziniert von der Schönheit der jungen Frau. Er wusste sehr wohl, dass er dieses Guanchenmädchen niemals heiraten konnte, trotzdem wollte er ihr näher kommen. Doch als er mit seiner hochmütigen Art und mit undurchdringlichen Blick aus seinen grünen Augen auf sie zuging rannte das Mädchen ängstlich vor ihm und seinen Begleitern davon, stürzte und fiel zu Boden. Das tat Juan Fernández leid und er befahl, berauscht von dieser sinnlichen Schönheit, ihr Hilfe anzubieten. Er erlaubte ihr auch die Nutzung der Quelle von La Fuentecilla.

Von da an besuchte der Bauherr sehr oft seine Ländereien und es wird erzählt, dass er eher das Mädchen beobachten als die Arbeiten seiner Hazienda überwachen wollte. Die junge Frau ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Immer wurde sie von ihrem Hund begleitet und trug den vollen Krug auf dem Kopf und die Tätowierung am Hals war für ihn ebenso ein Rätsel. Er wollte unbedingt wissen, was es damit auf sich hatte und so schickte er eines Tages einen Jungen zu ihr. Das Mädchen erzählte ihm, dass die Zeichnung von ihrem Großvater, der auch Guañameñe genannt wurde, stammte. Er sei ein Weiser der Guanchen. Die Tätowierung stellte das Symbol für Guatimac dar, aber sie war unvollständig. Es sollte ein Schutz für das Mädchen vor dem Zorn von Guayota sein. (Guayota ist in der Mythologie der Guanchen ein böser Dämon, der im Inneren des Teides lebt. Guañameñe war der Name eines Wahrsagers der Guanchen, der die Ankunft der kastilischen Eroberer auf der Insel prophezeit haben soll und Guatimac nennt man eigentlich ein kanarisches Tonsymbol, ein Kultobjekt)

Einige Monate vergingen und an einem sonnigen Sommernachmittag saß das junge Mädchen mit ihrem kleinen Hund zwischen den Mauern der inzwischen gebauten Häuser als der Hund plötzlich anfing, das Mädchen anzubellen. Das war ein seltsames Verhalten des Tieres und der kleine Hund bellte immer lauter und schlug sogar mit dem Kopf nach ihr. Die junge Frau verstand überhaupt nicht, was er wollte und plötzlich stürzte der Krug, ohne dass in jemand berührte, um. Das ganze Wasser war verschüttet. Sie stand auf, und der Hund bellte immer lauter.

Die Zeit schien stehen zu bleiben, plötzlich, als ob die Welt von Grund auf neu erschaffen werden würde, kam ein unheimliches Geräusche, aus den Tiefen der Erde. Ein gewaltiges Brüllen, begleitet von einem starken Beben, das immer stärker wurde, dröhnte in ihren Ohren. Der kleine Hund ließ das Mädchen nicht in Ruhe, er vertrieb es von seinem angenehmen Ruheplatz bis es das Gleichgewicht verlor und fiel.

Im selben Augenblick, als sie es verwirrt schaffte, über dem mit Wasser gefüllten Becken in die Knie zu gehen, zerbröckelte Wände des Berges in große Felsen, die mit Wucht auf die Stelle stürzten, wo sie vorher friedlich saßen. Ein Stein traf sie hart an der linken Schulter. Sie hatte gerade noch Zeit, sich in die Mulde des Beckens zu flüchten, die wie eine natürliche Brüstung wirkte, als ihr Blick den ihres Hundes kreuzte und sie verstand in diesem flüchtigen Moment die Haltung ihres treuen Freundes, der das Erdbeben vorausgeahnt hatte und ihr so das Leben rettete.

Dank ihm hatte sie nur am linken Schlüsselbein, oberhalb der Tätowierung, einen kurzen Schnitt und einige Tage später sah es aus, als ob Guatimac einen Speer halten würde. Das Bild der Tätowierung war vollendet. Am Ende gewann Guatimac den Kampf gegen Guayota. Das Gute besiegte das Böse.

Die Legende erzählt, dass das Mädchen später nie wieder gesehen wurde. Die Hacienda war zu dieser Zeit noch nicht vollständig, doch der traurige Juan Fernández entschied sich, sie nie fertig zu stellen. Die Bewohner des Ortes sagen, dass man heute, mehr als fünf Jahrhunderte später, immer noch bei Sonnenuntergang das laute Bellen eines Hundes neben der Waschküche der alten Hacienda hören kann…

Ende der Geschichte. Eigentlich eine Legende, die so gar nicht zu den Tatsachen passt, denn wo bleibt da der Schlosser aus dem Register der ersten Siedler von Tacoronte? Wer war dieser junge, charismatische Mann aus der Erzählung? Aber wer weiß schon, wie es wirklich gewesen ist – vor mehr als fünfhundert Jahren? Vor Generationen erschaffene und benutzte Bauwerke verschwinden oft wie ein Rauchschleier im Wind. Solche Streifzüge durch längst verlassene Orte sind manchmal lustig, manchmal sind sie geheimnisvoll – spannend sind sie immer!

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Der goldene Mohn auf Teneriffa

Auf Teneriffa, aber auch auf anderen Kanarischen Inseln, gibt es eine besonders schöne Art von Mohnblumen. Die zarten Blüten dieser Blume leuchten nicht wie gewohnt rot, orange oder sogar zart violett sondern dottergelb bis orange. Ihr habt vielleicht schon davon gehört, aber ihr könnt euch bestimmt nicht vorstellen, wie schön das ist.

Todos los años, es zahlt sich alle Jahre wieder aus, in der Zeit zwischen Ende April bis Ende Mai wenigstens einmal die Strecke durch den Esperanza Wald Richtung Arafo zu fahren. In diesen Wochen verwandelt sich die sonst so grüne und zum Teil steinige Landschaft in ein  goldgelbes Blütenmeer. Schuld daran ist ist der Kalifornische Goldmohn mit seinen gelben bis orangefarbenen, zarten Blüten.

Wir fahren eigentlich immer die Strecke über La Laguna und Esperanza. Keine Ahnung warum, aber wahrscheinlich auch deshalb, weil es aus Icod de los Vinos kommend der kürzeste Weg ist. Das ist aber gar nicht wichtig. Einige viele Kilometer nach dem kleinen Ort gibt es die Abzweigung Richtung Arafo und genau dort, an dieser Kreuzung beginnt die Welt des Goldmohns. Nachdem wir uns im vergangenen Jahr um diese Zeit bekanntlich nicht auf der Insel bewegen durften, haben wir uns gestern Nachmittag auf den Weg gemacht. Ein Jahr Pause ist eindeutig genug.

Der Kalifornische Mohnmit dem botanischen Namen eschscholzia californica wird auch noch Kalifornischer Kappenmohn oder Goldmohn genannt. Bei den Spaniern heißt die Blume amapola amarilla. Für die zarten Blumen gibt es aber noch eine lustige Bezeichnung. Wegen der Form der Knospen, aber auch wegen ihrer Wirkung gegen Schlaflosigkeit, wird sie oft liebevoll Schlafmützchen genannt. Da sich die Knospen mit dem Sonnenlicht öffnen, findet man sie während des Tages nur mit ein bisschen Glück.

Bei diesem Mohn handelt es sich um einen Immigranten, denn irgendwann ist er auf den Kanarischen Inseln sozusagen eingewandert oder besser gesagt eingeschleppt worden. Seine Heimat ist Kalifornien und dass er heute in vielen Ländern der Welt zum Teil als Unkraut wächst, sind mit größter Wahrscheinlichkeit die Goldsucher schuld. Als der Traum des Kalifornischen Goldrauschs für die meisten Männer aus geträumt war, verließen viele von Ihnen Kalifornien übers Meer. Sie schifften sich in San Francisco ein, um ihr Glück in Chile, Neuseeland und Australien zu suchen. Die Schiffe nahmen Sand von San Francisco als Ballast mit und es wird vermutet, dass sich der Mohn so auf der Welt verbreitete.

In ihrer alten Heimat Kalifornien und Mexiko wurde die Pflanze von den Indianern als Heilpflanze genutzt. In der Homöopathie und in der Medizin werden noch heute die Substanzen dieses Mohns verwendet, denn sie fördern den Schlaf und haben eine leichte krampflösende und schmerzstillende Wirkung. Aber Vorsicht! Niemand sollte selbst damit herum experimentieren, denn die ganze Pflanze ist an und für sich giftig! Der Kalifornische Goldmohn war sogar die offizielle Giftpflanze des Jahres 2016.

Auf dem Heimweg haben wir noch am Strand von Güímar, genau genommen in Puertito de Güímar eine Pause gemacht. Seht ihr diesen tollen Sandstrand? Dieser Abschnitt heißt Playa del Cabezo und hier dürfen auch Hunde mit an den Strand. Für uns war es der perfekte Platz für eine gute Osterjause. Wir haben die letzten Sonnenstrahlen genossen und uns dann zufrieden und gestärkt auf die Heimfahrt gemacht.

Wenn ihr noch mehr über den goldenen Mohn aus Kalifornien lesen und die Fotos aus den letzten Jahren sehen wollt – hier sind die Links zu den Berichten der Goldmohn oder der Mohn mit dem Hut oder den Beitrag Teneriffa im Goldrausch. Viel Vergnügen beim Durchblättern und vielleicht könnt ihr euch die Blumenpracht ja selbst einmal ansehen, der Goldmohn blüht ja alle Jahre wieder … 

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