der Höhepunkt rückt näher …

In einer Woche ist es wieder soweit – alle Bewohner von Santa Bárbara feiern ihre Schutzheilige. La Subida de los Cestos y Bollos de Santa Bárbara, also der große Festzug ist lediglich der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Davor muss der ganze Ortsteil geschmückt werden und da dafür viele Hände benötigt werden, ist in den Tagen vor dem großen Fest schon einiges los.

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Mittlerweile wehen die Fahnen hoch oben am Kirchturm und heute wurde der Sonntag genutzt um für den fehlenden grünen Schmuck zu sorgen. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, klickt einfach auf die Links am Ende der Seite …

Damit ich meinen Sonntag morgen in aller Ruhe genießen kann muss ich jetzt leider noch andere Arbeiten erledigen und kann sowieso keine aktuellen Fotos machen. Die gibt es erst wieder am nächsten Samstag, wenn wirklich gefeiert wird. Falls ihr euch den Festzug auch ansehen wollt könnt ihr den Ausflug ja mit einem Besuch bei uns auf ARTlandya verbinden! 1f60a !Viva Santa Bárbara!!

Und hier sind die Beiträge der Fiesta von Santa Bárbara – mit vielen Fotos ..

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Garachico und San Roque

Wer ist eigentlich dieser San Roque? Im richtigen Leben hieß der Heilige, der lange gar kein Heiliger war, Rochus von Montpellier. In einigen Ländern wird er zu den vierzehn Nothelfern gezählt und als Schutzpatron ist er nicht nur für Pestkranke, Siechenhäuser und kranke Haustiere zuständig sondern ebenfalls noch für Häftlinge, Ärzte, vor allem für Chirurgen, Apotheker, Bauern, Gärtner, Schreiner, Pflasterer, Bürstenbinder, Totengräber und Kunsthändler. Der gute Mann hat also allerhand zu tun.

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Aber warum feiert man diesen Mann in der kleinen Stadt auf Teneriffa? Haben San Roque und El Roque, der Felsen vor der Küste von Garachico etwas gemeinsam?

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Vor langer, langer Zeit, also ungefähr im 16. Und 17. Jahrhundert hatte Garachico den wichtigsten Hafen von Teneriffa. Zuckerrohr und später der Wein waren die Zutaten für den Wohlstand der Stadt. Vornehme Familien, Händler und Handwerker bevölkerten die Gegend und so entstanden bis zum Ende des 17. Jahrhunderts prächtige Herrenhäuser, Kirchen, gleich fünf Klöster, ein Krankenhaus und eine Festung.

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Der Handel florierte, aber er hatte auch unschöne Seiten, er brachte den schwarzen Tod auf die Insel. Von 1601 bis 1606 wütete hier eine Pestepidemie, die durch den Handel im Hafen eingeschleppt wurde und sich dann auf viele umliegende Gemeinde ausgebreitet hatte. Und was machen Menschen, wenn es ihnen so richtig dreckig schlecht geht? Sie rufen um Hilfe. In diesem Fall war „San Roque“ zuständig und als Dankeschön für seine Hilfe bekam er später eine kleine Kapelle am Rande der Stadt.

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Ganze fünf Jahre lang hatte die Beulenpest Garachico in Schach gehalten und als die schlimmsten Jahre vorüber waren, bauten die dankbaren Einwohner zu Beginn des 17. Jahrhunderts   am östlichen Ortseingang eine kleine Kapelle, und einmal im Jahr wird ihm zu Ehren gefeiert.

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An die Pest denkt schon lange keiner mehr, trotzdem ist die kleine Kapelle am Ortsrand jedes Jahr am 16. August das Ziel einer sehenswerten Prozession mit toll geschmückten Ochsenkarren. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht an diesem Tag zwar auch heute noch der hölzerne San Roque, gefeiert wird aber mit allen irdischen Vergnügen. Es wird gegessen, getrunken, gesungen und getanzt – bis in die frühen Morgenstunden. ¡Viva San Roquito!

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Jetzt habe ich euch die Geschichte der Hauptfigur noch immer nicht erzählt. Also dann, es ist zwar kein Tatsachenbericht sondern eher eine Legende, aber irgendein wahrer Kern ist mit Sicherheit darin versteckt.

Rochus von Montpellier wurde 1295 als Sohn reicher Eltern in Montpellier geboren. Nachdem er als Zwanzigjähriger seine Eltern verloren hatte, verschenkte er sein ganzes Vermögen und trat in eine Orden des heiligen Franz von Assisi ein. Er beschloss, nach Rom zu pilgern auch wenn zu dieser Zeit viele Menschen von der Pest befallen waren. Auf diese Weg soll er viele Kranke nur mit dem Kreuzzeichen geheilt haben doch auf seiner Rückreise von Rom erkrankte er selbst an der Pest. Doch ihm half niemand, im Gegenteil als kranker Pilger wurde er aus der Stadt Piacenza gejagt. Er verkroch sich in einer Hütte um zu sterben. Aber seine Stunde war noch nicht gekommen, Gott schickte ihm einen Hund, der ihm täglich Brot brachte, seine Wunden leckte und dessen Herr ihn schließlich gesund pflegen ließ.

Als er wieder gesund war, kehrte Rochus in seine Heimat zurück. Unterwegs wurde er in den Krieg zwischen dem Herzog von Mailand und der päpstlichen Liga verwickelt und als er nach vielen Jahren wieder nach Hause kam, war er durch die Pest so verunstaltet, dass ihn dort niemand mehr erkannte. Er wurde als Spion ins Gefängnis geworfen. Rochus aber dankte Gott für diese Prüfung und verbrachte geduldig fünf Jahre im Gefängnis – bis er am 16. August 1327 starb.

Erst nach seinem Tod erkannte man seine wahre Identität anhand eines kreuzförmigen Mals. Die sterblichen Überreste von Rochus wurden 1415 zum Teil nach Venedig gebracht, für ihn wurde dort 1485 die Kirche San Rocco erbaut und 1478 wurde auch diese Lebensgeschichte in Venedig verfasst.

Hier noch ein Auszug aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon:

„Von Venedig aus verbreitete sich die Verehrung rasch, Rochus wurde einer der volkstümlichsten Heiligen, oft als Nothelfer angerufen, obwohl er nicht zu den klassischen 14 Nothelfern gehört. Spitäler für Pestkranke wurden nach ihm Rochus-Hospital genannt. Allein in Italien sind ihm 3000 Kirchen geweiht, 74 Orte und 36 Stadtteile größere Städte tragen dort seinen Namen. Insbesondere die Franziskaner förderten seine Verehrung. In Ruffano bei Lecce in Apulien wird für ihn jährlich ein großes Patronatsfest gefeiert, denn hier wird erzählt, er sei dort begraben.

In Südfrankreich und Nordspanien werden bis heute an Häusern die Buchstaben VSR, Vive Saint Roche, es lebe der Heilige Rochus, angebracht. In Deutschland gibt es aufgrund eines Gelübdes seit dem Pestjahr 1666 die – auch von Johann Wolfgang von Goethe geschilderte – Wallfahrt auf den Rochus-Berg bei Bingen, Europas größte zu seinen Ehren; dort wurde 1754 die Rochus-Bruderschaft gegründet, 1814 die Kapelle erneuert.“

•*¨*•❥ Romeria de San Roque

 

 

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dicke Luft über den Wolken

„Baby bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld, gib mir nur deine Hand ich kauf dir Morgen die Welt.  Egal wohin du willst wir fliegen um die Welt, haun‘ sofort wieder ab, wenn es dir hier nicht gefällt …“

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Los Rodeos – Flughafen Teneriffa Nord

Stell dir vor, es geht das Licht aus du kommst zum Flughafen und beim Check-in wird nicht nur dein Koffer gewogen, sondern du auch! Ihr sitzt sozusagen im selben Boot oder steht eben gemeinsam auf der Waage. 1f60a Sollte das passieren, seid ihr wahrscheinlich einmal um die Welt gereist und ein gutes Stück von Europa entfernt, aber bei Hawaiian Airline ist das bereits Realität.

Geld regiert ja bekanntlich die Welt und deshalb lautet der logische Schluss einiger Fluglinien wie folgt: „Je schwerer das Flugzeug, umso höher ist der Treibstoffverbrauch.“ Deshalb zahlt man ja auch fürs Gepäck Übergepäck ein kleines Vermögen. 1f607 Und genau aus diesem Grund ist es doch vollkommen logisch, dass übergewichtige Fluggäste  mehr Kosten verursachen als schlanke, oder?

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Bei einigen Fluglinien auf dieser schönen Welt wird bereits vor dem Einsteigen in den Flieger gewogen. Die Hawaiian Airlines stellt ihre Passagiere vor dem Flug zwischen Honolulu nach Pago Pago auf Amerikanisch-Samoa obligatorisch auf die Waage, denn auf dieser Strecke sollen angeblich dreiviertel der Fluggäste stark übergewichtig sein. „Da in letzter Zeit das Gesamtgewicht der Passagiere gestiegen sei, müsse man das Gewicht aller Fluggäste gleichmäßig in der Flugzeugkabine verteilen und daher wird die Sitzordnung erst beim Einsteigen geregelt.“  lautet die Erklärung der Fluggesellschaft – und gegen die persönliche Sicherheit kann ja niemand einen Einspruch machen.

Es wird bis jetzt aber nur gewogen und noch nicht kassiert – ebenso wie bei einer Fluglinie in Uzbekistan. Es soll eine reine Sicherheitsmaßnahme und Vorgabe des Flugzeugbauers Boeing sein. Außerdem wolle man dadurch Kerosin sparen – und das sei wiederum umweltfreundlich.

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Bei Samoa Air tickten die Uhren ein bisschen anders, hier wurden die Fluggäste schon seit März 2013 wie Obst sehr individuell behandelt. Da kommt nicht nur das Gepäck auf die Waage, sondern auch der Fluggast selbst. Die kleine Fluggesellschaft des winzigen Inselstaats Samoa berechnete den Preis des Flugtickets aus dem Gewicht des Passagiers und des mitreisenden Gepäcks – und stieß damit, nach eigenen Angaben, auf positive Resonanz. Was mich irgendwie wundert, denn es gelten immerhin neunzig Prozent der Insulaner auf Samoa als dick. Fast die Hälfte der Männer und mehr als zwei Drittel der Frauen sollen fettleibig sein. Egal, wie es im wirklichen Leben sein sollte, hier zahlten übergewichtige Passagiere mehr als Leichtgewichte.

Ehrlich gesagt, damit könnte ich gut leben, denn dann dürften meine Koffer endlich ungestraft ein bisschen mehr wiegen. Ich finde es nämlich schon ungerecht, wenn vor oder hinter mir ein 140 Kilo Mensch eincheckt und ich für vier Kilo Übergewicht meines Koffers draufzahlen darf. 1f607 Wenn zwei so gut beleibte Menschen mir dann auch noch den halben Sitzplatz streitig machen, ist das nicht wirklich lustig. Eines ist aber auch klar – in die Flugzeuge werden heute viel zu viele und zu schmale Sitze hinein gequetscht, je mehr Passagiere desto höher der Gewinn. Probleme beim Fliegen haben nicht nur dicke sondern auch lange große Menschen! Qualität und damit für jeden Menschen bequemes Reisen steht auf der Punkteliste der Fluggesellschaften aber nicht an erster Stelle.

So schnell wird sich bestimmt nichts daran ändern, denn das Konzept der Minifluglinie ist gescheitert und sie hat ihren Betrieb im Herbst 2015 eingestellt. Auf Umfragen ist eben wirklich kein Verlass, denn wie eine Umfrage des Flugportals Skyscanner im Jahr 2009 unter seinen Nutzern ergab, stimmten weltweit rund 59 Prozent der Passagiere weltweit dem Preismodell „Je leichter der Passagier, desto niedriger der Preis“ zu.

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Wie so eine Umfrage wohl heute aussehen würde? Ganz vom Tisch ist das Thema mit Sicherheit nicht, denn der Kreditkartenanbieter Mastercard hat ein System entwickelt, das die Größenangaben von Kleidungskäufen der Kunden speichert. 1f607 Mit diesen Daten kann man leicht Rückschlüsse auf das Gewicht und die Größe ziehen – und dieses kostbare Wissen soll Mastercard angeblich den Fluglinien zur Verfügung stellen. Dafür wurde im Jahr 2015 ein Patent mit dem Titel „Airline-Sitz-Optimierung für Schulterbreite und Größe der Passagiere“ angemeldet.

Moral aus der ganzen Geschichte? Glaube keinen Umfragen – und Daten werden nicht nur von Facebook, amazon und Co. verscherbelt oder genutzt. Ich glaube, ich werde in Zukunft nur mehr Wäsche für Kleinkinder mit der Kreditkarte bezahlen … kuss (2)

 

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Guachinche

Alle kennen sie, viele lieben sie und einige wissen vielleicht sogar, wo man wirklich eine ursprüngliche Guachinche finden kann. 1f60a Guachinche? Was könnte das wohl sein?

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Im spanischen Wörterbuch ist das Wort nicht zu finden. Ein Bekannter meinte, dass die Bezeichnung vielleicht von Cuba stammen könnte. Klingt eigentlich ganz plausibel, das kanarische Wort für Autobus, also guagua, ist ja auch von Südamerika über das Meer auf der Insel gelandet und kein Spanier versteht, was damit gemeint ist.  Aber egal, Guachinches sind vor allem im Norden von Teneriffa und im Valle de Güimar sehr beliebt und in den letzten Jahren wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden geschossen.

Bei uns in Österreich gibt es die Buschenschank oder in den Weingegenden den typischen Heurigen. Dort dürfen Weinbauern, oder auch normale Landwirte, für eine gewisse Zeit im Jahr ihre eigenen Produkte verkaufen. Früher wurde ein „Buschen“ vor die Haustüre gesteckt und alle wussten, es ist geöffnet, es ist „ausg’steckt“

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Wann genau die Guachinchen entstanden sind, habe ich nicht genau herausfinden können, aber laut Erzählungen ist eine Form davon in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgetaucht. Da hier auf der Insel die Häuser keine kühlen Keller, also keine Weinkeller, so wie wir sie kennen haben, musste der Wein relativ schnell an den Mann gebracht werden. lachen Essig in Gläsern ist ja nicht so beliebt und begehrt. Also wurden Tische und Stühle, Gläser und Krüge vor dem Haus oder im Hof aufgebaut und los ging das Geschäft. Nur Wein trinken geht nicht, also hat die Frau des Hauses eben Kleinigkeiten aus der Küche gebracht und nach der ausgiebigen Verkostung der süffigen Tropfen ist der Kunde wahrscheinlich satt und zufrieden mit ein paar Litern Wein abgezogen.  1f607 Oder auch nicht.

Heute kann jemand, der seinen eigenen Wein macht zur Gemeinde gehen und um eine Genehmigung für den Verkauf ansuchen. Er bekommt dann für eine begrenzte Zeit eine spezielle Erlaubnis und darf, ohne besondere Auflangen und Vorschreibungen, seine Produkte in der Garage, im Wohnzimmer, einer Höhle oder wo immer er möchte seinen Wein mit einfachen Gerichten aus Mamas Küche verkaufen. Damit jeder weiß, dass zur Zeit geöffnet ist, wird hier einfach ein Schild mit dem Wort Guachinche und einem Pfeil an der Strasse angebracht. Geöffnet sind die Lokale meistens am Wochenende – bis der alte Wein verkauft ist. Dann ist Schluss und alle müssen auf die neue Ernte warten.

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Aber wo heute Guachinche drauf steht, muss aber noch lange keine drinnen sein. Manches Lokal, das einst als Guachinche begonnen hat, war so beliebt und gut besucht, dass im Laufe der Jahre ein richtiges, na sagen wir mal, Gasthaus daraus geworden ist.  Das Schild Guachinche blieb, es wurde und wird niemals abgeschraubt werden, denn dann wäre es nicht mehr so interessant, oder? Ein kleiner Tipp von mir – die echten Guachinchen erkennt man oft noch an den selbst geschriebenen Schildern, einfache Pappschilder und windschiefe Holztafeln. 1f60a Das muss aber nicht immer stimmen.

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Wir haben eine schönen Abend mit Freunden verbracht. Ein Bekannter von uns hat in den vergangenen Monaten hoch oben, in den Hügeln von Icod eine Guachinche eröffnet. Er produziert seinen eigenen Wein und am Wochenende verköstigt er seine Gäste mit gegrilltem Fleisch und anderen Köstlichkeiten.

Zu Trinken gibt es nur Rot- und Weisswein oder Wasser. Bier oder Limonade darf in diesen Lokalen nicht verkauft werden. Speisekarte gibt es keine, das Angebot steht auf einer Tafel und die Preise werden bezogen auf den Kilopreis des Fleisches angegeben. Wir haben von allem etwas probiert, angefangen mit frischem Ziegenkäse und Feigengelee, Kichererbsen, gegrilltem Riesenkotelett und Schweinenacken über Blutwurst und anderen Vertreter dieser Art bis zu den unvermeidlichen Pommes Frites. Es hat alles sehr gut geschmeckt – Fabian hat perfekt gegrillt! Das Fleisch war saftig und zart und hat ein angenehmes Grillaroma mit an den Tisch gebracht.

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Das Lokal liegt am Waldrand und da wir relativ spät los gefahren sind, hat es nicht mehr lange gedauert, bis die Sonne spektakulär hinter den Baumwipfeln verschwunden ist.  Ein tolles Farbspiel am Himmel für einen perfekten Abend in lustiger Runde … kuss (2)

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Dia de la Trilla in El Tanque

1996 kamen die Verantwortlichen der Ortschaft El Tanque auf die Idee, wieder an die alte Form der Weizendresche zu erinnern. Immerhin handelt es sich um eine der wichtigen landwirtschaftlichen Wurzeln der Insel. Alte Traditionen sollten nicht Vergessenheit geraten und deshalb wird an einem Tag Ende Juli, am Día de la Trilla das Getreide auf traditionelle Art gedroschen.

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Heute war es wieder einmal soweit und wer sich dafür interessiert, wieso Pferde und Ochsen dafür gebraucht werden, klickt am besten auf den Link zu meinem Bericht Steinkreise auf Teneriffa. Die Fotos sind nun zwar schon ein paar Jahre alt, aber es wechseln ja eigentlich nur die Darsteller – die Tradition bleibt gleich … kuss (2)

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El Lance – der Guanche vom Mirador

Als Alonso Fernández de Lugo am 1. Mai 1494 mit ungefähr 1.500 Soldaten und fünfzehn Schiffen am Strand von Añaza, das ist in der Nähe des heutigen Santa Cruzauf der Insel landete, gab es auf Teneriffa noch neun sogenannte Königreiche, also Menceyatos. Man weiß es nicht genau, aber es wird vermutet, dass zu dieser Zeit circa dreißigtausend Guanchen auf der Insel lebten und der mächtigste Führer soll der König von Taoro gewesen sein.

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das ist die Aussicht vom Mirador El Lance auf das Orotavatal

Die Bezeichnung  Mencey wird fast immer mit König übersetzt, die Bezeichnung Stammesfürst oder Stammesführer sind wahrscheinlich eher zutreffend, denn die Männer haben weder in einem Palast gewohnt noch haben sie eine Krone getragen. Das Symbol des Mencey war ein langer Speer, genannt Añepa, der aus edlen Hölzern bestand.

Die Bevölkerung zur Zeit  der Guanchen war streng geordnet und an ihrer Spitze stand der Mencey. Er hatte die absolute Macht und legte die Regeln für sein Volk fest. Er sorgte für Gerechtigkeit aber auch für die Sicherheit doch alle Güter seines Territoriums waren sein Besitz und wurden von ihm verteilt. Das hat mit dem Bild eines romantischen Inselkönigs wenig zu tun, er war im Grunde genommen ein Stammesführer in einer Kultur, die es so auf dem Festland gar nicht mehr gab.

Wie überall auf der Welt gab es auch bei den Guanchen unterschiedliche Klassen und Probleme. Sie lebten meistens in Felshöhlen, hatten fruchtbares Land, kannten die Landwirtschaft und pflanzten Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen und Früchte wie Datteln und Feigen. Das Getreide wurde in Tontöpfen geröstet und mit Steinmühlen gemahlen. Dieses Mehl, dass wir heute als Gofio kennen, mischten sie mit Milch, Wasser oder Honig zu ihrem Essen. Von ihren Ziegen hatten sie Milch und Fleisch und aus den gegerbten Tierhäuten  machten sie ihre Kleider.

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La hacienda de Los Príncipes wurde von Alonso Fernández de Lugo erbaut

Sie lebten also mehr oder weniger glücklich und zufrieden – bis Alonso Fernández de Lugo, Adelantado de los Reyes Católicos mit seinen Mannen die Welt einer ganzen Insel auf den Kopf stellte. Keine Angst, ich will euch jetzt nicht die Geschichte der Eroberung von Teneriffa erzählen. lachen Eigentlich wollte ich euch ja nur die Fotos der Statue des letzten Menceys am Mirador El Lance zeigen. Es ist Mencey Bentor, der Sohn des Königs von Taoro, Mencey Bencomo.

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Aber noch einmal ganz kurz zurück zur Geschichte. 1f607 Als es bei der Eroberung der Insel auf das Ende zuging, waren die Guanchen nicht nur durch die Kämpfe und die vielen Toten, sondern vor allem durch Infektionskrankheiten, die die Fremdlinge auf die Insel geschleppt hatten, geschwächt. Brunnen und Trinkwasser waren zum Teil durch die vielen herumliegenden Toten verseucht, es herrschten Chaos, Hunger und Seuchen. Die kastilische Armee konnte also am Schluss, ohne viel Widerstand der Bevölkerung, bis ins heutige Los Realejos marschieren.

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Als Draufgabe für alles Elend sollten die Menceys jetzt auch noch einen Vertrag mit den Spaniern unterzeichnen, den so genannten Frieden von Los Realejos. Ein Vertrag, für einen Frieden, den es nie gegeben hat. Bentor flüchtete noch vor der Ankunft der Spanier mit anderen Guanchen in die Höhlen der Felsen von Tigaia. Im Umfeld dieser Höhlen wurden die dann letzten erbitterten Kämpfe zwischen Spaniern und Guanchen ausgetragen, leider ohne Erfolg.

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Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf –  mit einem Sprung vom Felsen. Unter der Herrschaft der Sieger wollte Bentor nicht leben und so beschloss er, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er stürzte sich zu von den Felsen bei Tigaiga in die Tiefe und mit diesem rituellen Selbstmord Bentors zu Beginn des Jahres 1496, war das Schicksal der Guanchen besiegelt. Das Königreich Menceyato Taoro hatte keinen Führer mehr. Am 25. Juli 1496 kapitulierten dann die Menceyes von Tegueste, Tacoronte und im September 1496, fügten sich auch Adeje, Abona, Daute und Icod dem Pakt von Los Realejos. Die Eroberung der Kanarischen Inseln, la conquista de las Islas Canarias ist war endgültig abgeschlossen.

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Viele Guanchen wurden als Sklaven an europäische Höfe verkauft, ein Teil von ihnen vermischte sich mit den Siedlern, hauptsächlich Portugiesen, Andalusier, Genueser, Kastilier und Franzosen, die nach der Eroberung durch die Spanier anrückten auf die Insel kamen. Diejenigen, die ihr neues Leben nicht ertragen konnten oder wollten begingen Selbstmord und einige Guanchen flüchteten in die Berge der Insel.

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Seit fast zwanzig Jahren steht am Mirador El Lance ein imposanter Guanche. Die riesige Bronzefigur wurde von der Künstlerin Carmen Luís León geschaffen und erinnert seit 1996 an Bentor, dem letzten Mencey von Taoro.

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Der Name des Aussichtspunktes hat allerdings nichts mit den Guanchen tun. El Lance, auf deutsch der Wurf, soll deshalb als Name gewählt worden sein, weil von diesem Platz früher Baumstämme in die Tiefe befördert geworfen wurden um in der Sägemühle von Tigaiga verarbeitet zu werden. Das könnte stimmen, aber el lance kann man auch mit Schicksalswende oder einem dramatischen Höhepunkt übersetzen – und das würde auch ganz gut passen. 1f607

Über den Menschen Bentor weiß man nicht viel, aber mit seiner Frau Hañagua hatte er drei Kinder – Deríman, Ramagua und Collarampa. Deríman, wurde von den Spaniern katholisch getauft und bekam danach den Namen Cristóbal Hernández de Taoro. Er selbst änderte später seinen Nachnamen und nannte sich nach seinem Großvater Cristóbal Bencomo. Er zog nach Sevilla, wo er Jura studierte und Anwalt wurde. Mehr habe ich bis jetzt noch nicht heraus gefunden, aber ihr kennt mich ja, Fortsetzung folgt bestimmt … kuss (2)

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Tigaiga – Los Realejos

Wenn wir von Icod de los Vinos nach Puerto de la Cruz fahren, wählen wir hie und da auch die Straße, die über La Guancha und Icod El Alto führt. Vom Mirador mit dem durchtrainierten Guanchen am Abgrund hat man ja einen tollen Ausblick und wenn es das Wetter zulässt, sprich die Aussicht ist schön, bleiben wir hier immer stehen.

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Als ich vor ein paar Wochen dieses Haus, das ganz allein auf weiter Flur steht, entdeckt habe, war es sofort klar, dass ich dort einmal hin will. Das muss ich aus der Nähe sehen.

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Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber ich habe es geschafft. Tigaiga heißt der Ortsteil von Los Realejos und die überschaubare Siedlung befindet sich eigentlich direkt unter den steilen Felsen, der Ladera Tigaiga, von wo der letzte Guanchenkönig in den Tod gesprungen sein soll ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Die ersten Siedler diese Gegend waren Landarbeiter aus der nahe gelegenen Hacienda de Los Príncipes. Dieses Anwesen war damals über sechszehn Hektar groß und um es zu bewirtschaften, brauchte man Arbeiter. Viele Arbeiter. Angebaut wurde Zuckerrohr, denn mit Zucker konnte man richtig reich werden und hier auf der Insel waren die Voraussetzungen für den Anbau fast perfekt. Die eroberten Guanchen und Sklaven aus Afrika sorgten dafür, dass die Wirtschaft funktionierte und die Kassa klingelte.

Dieses Geschäftsmodell war bis ins frühe 17.Jahrhundert äußerst lukrativ, dann schlug allerdings die Zuckerrübe den Zuckerbaronen ein Schnippchen und vorbei war es mit dem Geldsegen. Doch über Sklaven und Zuckerrohr wird heute nicht mehr gerne gesprochen. Es scheint fast so, als hätte es sie nie gegeben.  Auf den Zucker folgte dann der Wein, die Laus und erst ungefähr zweihundert Jahre später die Banane.

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Im Dorf selbst gibt es nicht viel zu sehen. Ziemlich am Ende der Straße stößt man auf eine kleine Kapelle mit einem unerwartet großen, gepflasterten Platz. La Ermita Nuestra Señora de La Concepción. Ein hübsche Kapelle, schön renoviert aber leider, wie fast bei allen Kirchen oder Kapellen auf dieser Insel, mit verschlossenen Türen.

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Ein Stückchen weiter ist mir am Strassenrand eine Tafel aufgefallen und dank der Information darauf, weiß ich jetzt, dass an dieser Stelle einer der ältesten Waschplätze von Los Realejos steht. Früher gehörten die Waschplätze zum Dorfleben, denn Wasser war überlebenswichtig, sowohl am Feld, fürs Vieh aber vor allem für den Menschen selbst.

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In alten Zeiten kamen die Frauen mit ihrer Schmutzwäsche hierher, denn eine andere Möglichkeit um die Wäsche zu waschen gab es nicht. Wenn ich mir die Becken heute anschaue, kann ich mir das gar nicht vorstellen, aber zum Glück haben sich die Zeiten ja geändert und das Wasser fließt bei mir zu Hause bequem aus der Wasserleitung in die Waschmaschine. Aber wie gesagt, der wichtigste und  am besten erhaltene Waschplatz dieser Gegend ist der von Tigaiga, er stammt aus dem Jahr 1701 und wurde erst vor kurzem restauriert.

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Einmal noch um die Kurve und damit wäre die Ortsbesichtigung vorbei. Wer hätte das gedacht, in einem dieser Häuser muss ein Maler leben. Anders kann es gar nicht sein, denn irgendjemand hat nicht nur die Wand des kleinen Häuschens verschönert, sondern auch noch einen kleinen Wassertank und einen Teil der Mauer rund um das Grundstück mit tollen Gemälden versehen.

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Noch mehr Fotos davon könnt ihr euch gerne am Ende des Berichtes ansehen, ich zeige euch noch ein paar Eindrücke der Umgebung, denn ich wollte ja eigentlich das Haus vom ersten Foto von der Nähe sehen.

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Wir finden eine schmale Gasse und machen uns also auf den Weg. Am Anfang ist die Straße noch asphaltiert, einige Häuser stehen am Straßenrand, doch es dauert nicht lange, und es wird ruhig um uns.

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Hier bellt kein Hund und keine Menschenseele ist unterwegs. Ab und zu huscht eine Eidechse über den Weg, ein paar Vögel zwitschern – aber sonst ist es still. Totenstill.

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Am Ende des Weges stehen die Überreste eines kleinen Hauses und als wir uns genauer umsehen, bemerken wir, dass wir direkt über der Hauptstraße stehen. Die Aussicht ist einfach traumhaft, denn die ganze Küstenlandschaft liegt wie ein ausgebreiteter Teppich vor uns.

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Wir machen uns auf den Rückweg und es dauert auch gar nicht lange, und das Haus, das ich mir ansehen wollte, ist in Sicht. Schade, dass wir diesen Ausflug nicht ein paar Monate früher gemacht haben, denn jetzt wandert man teilweise nicht mehr durch grüne Felder und Wiesen sondern zwischen umgepflügten Erdklumpen durch die Gegend.

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Wie tot und verlassen wirkt die Umgebung und die verlassenen Häuser und Ruinen ändern an diesem Gefühl nicht wirklich etwas zum Guten. An der Einfahrt des Hauses hält ein alter Drago die Stellung, schade, dass er zu den stummen Zeitzeugen zählt.

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Der alte Drago und die anderen Bäume rund um das Anwesen könnten sicher einige spannende Geschichten erzählen. Sie tun es aber nicht und so bleibt die Geschichte für mich leider ein Geheimnis. Vielleicht kennt sie ja einer von euch? Wer hat hier einmal gelebt und warum ist heute niemand mehr hier?

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Der Putz bröckelt von der verblassten Fassade und der Regen plätschert vermutlich durchs Dach, doch vor vielen Jahren hat hier jemand sicher sehr gut gelebt. Das Haus hat schöne, helle Räume und rund um das Gebäude muss ursprünglich eine Terrasse gewesen sein. Die Kronen der Bäume werfen heute noch einen angenehmen Schatten, aber jetzt sitzt niemand mehr unter den Bäumen. Sogar Fenster und Türen fehlen, anscheinend interessiert sich kein Mensch mehr für dieses Haus.

Verlassene Orte haben für mich immer etwas geheimnisvolles an sich. Ruinen und verwilderte Herrenhäuser faszinieren mich, gerade weil sie verwahrlost und manchmal ein bisschen unheimlich sind.

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Und auf Teneriffa kann man aus dem Vollen schöpfen, denn solche Häuser findet man an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist und es ist jammerschade, dass die meisten davon in einigen Jahren verschwunden sein werden. Einen Teil holt sich die Natur zurück und der Rest zerfällt still und leise zu Staub.

Und hier sind die versprochenen Fotos von diesem Ausflug, viel Vergnügen, zum Vergrößern klickt ihr ganz einfach auf eines der Bilder …

 

 

 

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