¿Hay Santos? Allerheiligen auf Teneriffa

Tag der Toten, Halloween, Allerheiligen, Samhain, viele verschiedene Namen stehen zur Zeit in den Kalendern der ganzen Welt. Diese Tage unterscheiden sich aber nicht nur durch die Namen, jedes Land hat auch seine eigenen Traditionen. Eines haben alle gemeinsam – die Hauptrollen in diesem Stück spielen die Toten und nicht die Lebendigen.

Wie in allen katholischen Ländern ist es zu Allerheiligen, el Día de Todos los Santos, auch in Spanien üblich, auf den Friedhof zu gehen, die Gräber der Verstorbenen aufzuräumen und üppig mit Blumen und Kränzen zu schmücken. Laternen werden aufgestellt und unzählige Kerzen erhellen am Abend die sonst dunklen Friedhöfe. So werden traditionell die Toten geehrt.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Auf den Kanarischen Insel gab es viele verschiedene Bräuche und auch wenn mittlerweile Halloween sogar auf Teneriffa angekommen ist, sind die alten Traditionen nicht ganz verloren gegangen. Das englische Halloween wird kurzerhand in Noche de Terror umbenannt und schon kann sich jeder der will, ins gruseligste Kostüm für eine Party des Schreckens schlüpfen.

Aber wieder zurück zu den traditionellen Feiern. ¡Ni truco ni trato! en San Juan de la Rambla se celebra Los Santitos. Schon am Vormittag sind hier die Kinder mit ihren Weidenkörbchen unterwegs. Sie gehen von Tür zu Tür, läuten oder klopfen an, wenn sich eine Tür öffnet, rufen sie ¡Los Santitos! und freuen sich auf eine milde zuckersüße Gabe. Früher gab es Kastanien, hartgekochte Eier, Feigen oder Äpfel für die Kinder, heute landen mit Sicherheit Süßigkeiten in den Körbchen.

In Icod de los Vinos und auf der Isla Baja, vor allem in Los Silos und Garachico sind ebenfalls die Kinder unterwegs. Bevor am Abend gefeiert wird, wurde in alten Zeiten der Jüngste des Hauses mit einem Korb los geschickt um im Ort von Haus zu Haus zu gehen. ¿Hay Santos? oder ¿Pan por Dios? Mit dieser Frage klopften die Kinder an Fenster und Türen. Darauf bekamen sie nicht nur Brot sondern vor allem Mandeln Walnüsse, Feigen oder Kastanien und wenn der Korb gut gefüllt war, gingen sie nach Hause. Man weiß es nicht genau, aber es wird vermutet, dass dieser Brauch portugiesische Wurzeln hat. In dieser Region stammte der Großteil der einfachen Bevölkerung aus Portugal und vor allem in den Zeiten der Epidemien herrschte hier große Armut. So wurden die Kinder in die Häuser der Reichen geschickt und die konnten mit ihren Gaben den Hunger wenigstens an diesen Tagen etwas lindern.

Die Nacht vom 31. Oktober zum 1. November war eine ganz besondere Nacht, la noche de Finados. Der Überlieferung nach öffneten die Ältesten der Familie am späten Nachmittag des 31. Oktober, die Türen und Fenster ihrer Häuser und warteten auf die Mitglieder der Familie um an die Verstorbenen zu denken. Wenn alle versammelt waren, zündete jeder der Anwesenden eine Kerze oder eine kleine Öllampe für jedes verstorbene Familienmitglied an und war für die Mahnwache verantwortlich. Wenn die Kerze bald erlosch, war es ein Zeichen dafür, dass die Person ihren Frieden gefunden hatte. Brannte die Kerze weiter und weiter, wurde gebetet. Vielleicht konnte so auch diese Seele bald ihre Ruhe finden.

Am Abend erzählte dann die Mutter oder Großmutter Anekdoten über die Verstorbenen in der Familie und machte sie so mit ihren Worten wieder lebendig. Es soll aber auch passiert sein, dass einige Geschichtenerzähler die Gelegenheit nutzten, um die Kinder mit Geschichten von Hexen zu erschrecken. Das kann aber auch ein Gerücht sein.

Kastanien wurden geröstet, aus passierten Feigen wurden kleine Teile geformt in denen man eine Mandel versteckte, es gab Käse, Fisch und Chochos. Für die kalte Jahreszeit durfte natürlich auch der Wein, Honigrum und Anisschnaps nicht fehlen. Der Höhepunkt war el baile de los finaos, der Tanz der Verstorbenen Toten. Dazu gehörten die Ranchos de ánimas, eine Gruppe von Männern, die auf den Straßen mit Gitarren und Timples zum Tanz aufspielten. Freunde, Verwandte und Nachbarn versammelten sich auf dem Platz, um sich an die Verstorbenen zu erinnern. Es war eben eine eigentümliche ganz besondere Nacht, la Noche de Finados, eine Nacht, in der kein Platz für Traurigkeit war.

Der Herbst hat begonnen, der Winter ist nicht mehr weit. Die Tage werden kürzer, die Nächte immer länger – es muss gefeiert werden! Die Dunkelheit verbindet sich fast wie von selbst mit der Welt der Toten. Doch auch wenn es so aussieht, der Tod muss nicht unweigerlich mit Leid und Trauer Hand in Hand gehen. Man kann statt dessen das Leben feiern, sich an die Verstorbenen erinnern und irgendwelche Ängste oder traurigen Gedanken mit Hilfe von Geschichten und Anekdoten, mit Essen und Trinken einfach in die Nacht schicken.

San Juan de la Rambla

In vielen Orten auf Teneriffa gewinnen die alten, kanarischen Traditionen seit ein paar Jahren langsam aber stetig wieder an Bedeutung. Mit Hilfe von Vereinen und Schulen werden die fast vergessenen Feste wieder aus den Tiefen der Schatztruhen ans Licht befördert. So wie auf diesem Foto in San Juan de la Rambla. Ursprünglich waren diese Feiern sehr familiär, heutzutage wird das Fest zu einer Veranstaltung, bei der sich ein ganzes Dorf sozusagen symbolisch um eine Gitarre, ein Glas Wein und geröstete Kastanien versammelt. Die Geburtsstunde einer neuen Tradition?

San Juan de la Rambla

Auf Teneriffa und in Südamerika nennen die Menschen den 1. November auch Día de los Muertos, den Tag der Toten, wobei auf Mexikos Friedhöfen die Uhren noch einmal ganz anders ticken. Dort wird richtig gefeiert – und zwar am Friedhof, mitten unter den Verstorbenen und ihren Seelen! Den Tag der Toten begehen die Mexikaner als großes Volksfest, mit einem Picknick am Familiengrab, Volksmusik, die neben der Friedhofskapelle gespielt wird und schaurig süßen Totenköpfen aus Zuckerguss, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

In einer globalisierten Welt sollten alle Traditionen, alte und neue Bräuche friedlich nebeneinander Platz haben. Die einen feiern Halloween und andere das Fest der Toten. Es ist keine Nacht des Schreckens oder der Traurigkeit. Es ist eine Nacht, in der man reden, debattieren, sich unterhalten, singen und tanzen kann – und mit einem Augenzwinkern Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählt …

Falls ihr noch immer nicht genug habt, hier könnt ihr noch in anderen Blogbeiträgen stöbern –

  • Erst ist er grün und murmelklein, dann aber wächst er ungemein. Wird semmelgelb und kugelrund und wiegt noch mehr als hundert Pfund. Aber wieso gehören Kürbisse und Halloween überhaupt zusammen? Und warum heißen die kunstvoll ausgehöhlten Dinger eigentlich Jack O’Lanterns?
  • Kürbisfest oder Haloween Der All Hallows‘ Eve sprich Allerheiligenabend, ist der Abend vor Allerheiligen und wurde in alten Zeiten nur in Irland gefeiert. Ursprünglich war es ein Fest der keltischen Druiden. Die Kelten glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen in dieser Nacht als Geister auf die Erde zurückkommen würden, um in ihre Häuser zurückzukehren…
  • Allerheiligen nicht immer todernst – dabei sollte am Allerheiligentag eigentlich ein lustiges Fest gefeiert werden, ein Fest für die Lebenden, doch das macht niemand. Zumindest nicht in unserem Kulturkreis, dafür aber in Mexico.
  • Und dann fällt mir noch etwas Außergewöhnliches zu Friedhöfen ein. In Tirol, in Kramsach, findet man ein einzigartiges Überbleibsel aus alten Zeiten, einen ziemlich lustigen Friedhof.

Über ARTlandya - der Blog

Teneriffa ist eine ganz besondere Insel im Atlantik und auf ARTlandya, einer wunderschönen Finca in Icod de los Vinos erwartet euch eine verzauberte Welt mit KünstlerPUPPEN, TEDDYbären und viel Natur :-) Lasst euch überraschen und stöbert einfach in meinen Beiträgen!
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