Süßes oder Saures?

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Mein Kürbis – für eine Laterne leider ungeeignet …

Der All Hallows‘ Eve sprich Allerheiligenabend, ist der Abend vor Allerheiligen und wurde in alten Zeiten nur in Irland gefeiert. Ursprünglich war es ein Fest der keltischen Druiden. Der 31. Oktober war bei den Kelten der letzte Tag des Jahres. Ihr Jahresablauf bestand aus zwei Jahreszeiten, die aus dreizehn Mondmonaten bestanden.  Der Sommer wurde mit großen Feuern verabschiedet und gleichzeitig der Winter begrüßt. Die Menschen bedankten sich bei ihrem Sonnengott für die Ernte, die sie in der warmen Jahreszeit eingebracht hatten und gedachten an diesem Tag auch der Seelen der Verstorbenen. Der Sonnengott wurde nun, zu Beginn der dunklen Winterzeit vom keltischen Gott der Toten, Samhain, abgelöst.

Die Kelten glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen in dieser Nacht als Geister auf die Erde zurückkommen würden, um in ihre Häuser zurückzukehren.  Um sich vor den Geistern der Toten, Hexen und Dämonen zu schützen wurden große Feuer entzündet und Getreide geopfert um die Seelen der Verstorbenen zu beschwichtigen. Um ganz auf der sicheren Seite zu stehen, verkleideten sich die Menschen auch noch mit Tierfellen und Tierköpfen um die Geister zu erschrecken.Aber was war mit den Geistern und heimatlosen Seelen, die trotz der großen Feuer, die am Wegesrand loderten, den Weg nicht fanden und verzweifelt umherirrten? Von ihnen war nichts Gutes zu erwarten, sie spukten durch die Nacht, erschreckten friedliche Menschen und trieben ihr Unwesen mit ihnen. Deshalb wurden vor den Häusern auch noch kleine Opfergaben so genannte treats verteilt. Sie sollten die Geister besänftigen und sie von Untaten abhalten sollten. Später schnitzte man Gesichter in Rüben.  Damit wollte man die Geister täuschen. Sie sollten glauben, das sich an diesem Ort bereits eine verdammte Seele breit gemacht hatte. Es war die Jahreszeit der Geister.

Und dann kommt die katholische Kirche ins Spiel. Im Jahre 837, unter Papst Gregor IV, änderte sich alles. Der 1. November wurde zu Allerheiligen und an diesem Tag sollte der christlichen Märtyrer gedacht werden. Aus dem Fest für Samhain wurde im Laufe der Zeit „das Fest am Vorabend zu Allerheiligen“. Auf englisch All Hallows’ Evening oder abgekürzt Hallows’ E’en. Wie immer setzen sich dann die Abkürzungen durch und so ist im Endeffekt Halloween daraus geworden.

Die katholische Kirche wollte den heidnischen Bräuchen etwas entgegenzusetzen, denn verhindern oder abschaffen konnte die Kirche diese tief verwurzelten Bräuche sowieso nicht. Wie bei vielen anderen, ursprünglich heidnischen Festen, wie Valentinstag oder Ostern, erfolgreich praktiziert, wurde auch Samhain christianisiert. Die Menschen waren zwar relativ leicht zu überzeugen und sich taufen zu lassen und die neue Religion, das Christentum, anzunehmen, doch ihre gewohnten, alten heidnischen Sitten, Bräuchen und Traditionen ließen sie sich nicht nehmen. So wurden die alten Bräuche einfach vom Christentum vereinnahmt und das Volk konnte seine alten Bräuche unter dem Mäntelchen des Christentums behalten. Auch der Brauch der Bitte um Süßigkeiten – trick or treat – stammt aus dem 9. Jahrhundert. Damals wanderten Christen am 2. November, zu Allerseelen, dem Seelenfest, von Dorf zu Dorf und erbettelten so genannte Seelenkuchen oder soulcakes. Zum Dank versprachen sie intensiv für die Spender zu beten.

Heute hat diese Nacht keine religiöse Bedeutung mehr – gefeiert wird trotzdem! Die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November symbolisierte im keltischen Kalender den Jahreswechsel. Es war der Wechsel von der warmen in die kalte Jahreszeit. Wie auf den Kanarischen Inseln! Auf Teneriffa findet zwar auch schon Ansätze sprich diverse gruselige Kostüme in den Auslagen der Geschäfte, aber im großen und ganzen geht dieses Fest an den Canarios – noch – relativ unbeachtet vorbei!

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Mit der Auswanderung nach Amerika haben die irischen Einwanderer natürlich auch Halloween mit in die neue Heimat genommen und nachdem alles was aus Amerika kommt so toll ist, wird es nun auch in der alten Welt ausgiebig gefeiert.  Mir ist diese Veranstaltung relativ egal, mir sind Kürbisse im Kochtopf lieber – ich bevorzuge den Kürbis als köstliche Suppe, verfeinert mit steirischem Kürbiskernöl oder als Gemüse mit einem Spiegelei. Abgesehen davon – auf den Kanarischen Inseln gehören alle Arten von Kürbissen eigentlich das ganze Jahr über zum Speiselan. Der Kürbis,  la calabaza, hat immer Saison!

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Aber was haben eigentlich die Kürbisse mit Halloween zu tun? Die kunstvoll ausgehöhlten und leuchtenden orangeroten Früchte verbreiten in der Dunkelheit eine ganz besondere Stimmung.  Aber wie der Kürbis zu seiner Rolle gekommen ist, hat mit den geheimnisvollen Druiden nichts zu tun.

In der alten Welt, vor allem in Irland, war es Brauch zum Fest der Toten aus Rüben oder Kartoffeln Laternen zu schnitzen. Als während der Hungersnöte zwischen 1830 und 1850 viele Iren in den USA einwanderten, nahmen sie den Brauch natürlich in die neue Welt mit. In Amerika fanden die Iren aber keine Rüben. Was also tun? Sie wählten eine Alternative, den Kürbis! Aus dem Rübengesicht wurde bald die Kürbislaternen. Seitdem sind geschnitzte Kürbisse Bestandteil des Brauchtums.

Und dann kommen auch noch zwei Männer ins Spiel – ein alter Mann und der Teufel. Die irische Sage erzählt vom schlauen Jack, der in der Nacht vor Allerheiligen dem Teufel begegnete. Er überlistete ihn zwar mehrere Male aber es gab trotzdem kein Happy End. Er landete weder im Himmel noch in der Hölle, denn nicht einmal der Teufel wollte ihn haben.  So irrt Jack nun mit einer Laterne als Geist durch die Welt.

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Es war einmal ein alter Mann.   Er wurde Jack O’Lantern genannt und lebte in Irland . . . Vor langer Zeit in Irland saß Jack, der Schmied, am Abend vor Allerheiligen, el día de Todos los Santos,  in einem Gasthaus. Jack war ein übler Trunkenbold und hatte schon so manches ausgefressen. Jack trank also gerade sein Bier  aus und knallte den leeren Krug auf den Tresen: „He! Fiona! Mein Bier ist schon wieder leer, bring mir sofort ein neues, aber zack zack!“

Plötzlich fegte ein unheimlicher Luftzug durch die Gaststube und Jack spürte, wie jemand hinter ihn trat. Langsam drehte er sich um. „Heiliger Bimbam!“ rief er. „Der Teufel! Was willst Du von mir?“  „Tja, mein Lieber,“ sagte der Teufel. „Dein Stündlein hat geschlagen. Ich bin gekommen, um dich mitzunehmen in die Hölle. Deinen dicken Mantel, den kannst du gleich hier lassen, bei mir unten wird’s dir bestimmt schnell warm. Hahahaha!“

Jack zögerte:  „Na gut, ich komme mit. Aber vorher könntest du mir wenigstens noch ein letztes Bier spendieren!“  „Also, meinetwegen,“ sagte der Teufel, „aber nur eines! Oh, Mist, jetzt hab ich doch glatt meinen Geldbeutel an der Höllenpforte vergessen. Na ja, ich verwandele mich eben selbst schnell in ein Geldstück.“ Eine Münze fällt auf den Tisch.  Sofort grapscht sich Jack das Geldstück vom Tisch.

„Ha, jetzt hab ich dich, Meister Teufel! Jetzt gehörst du mir! Ich stecke die Münze einfach schnell in meinen Geldbeutel zu dem kleinen Kreuzanhänger, dann kann sich der alte Teufel nicht mehr zurückverwandeln.“

„Jack, du Halunke,“ ruft der Teufel aus dem Geldbeutel, „Lass mich raus! Ich lass dich auch die nächsten zehn Jahre in Ruhe. Versprochen!“

Da ließ Jack den Teufel frei. Doch nach zehn Jahren, auf den Tag genau, erschien der Teufel wieder, um Jack zu holen.  Und Jack trickste ihn noch einmal aus. Er bat den Teufel ganz treuherzig ihm als letzte Mahlzeit einen Apfel vom Baum zu pflücken. Seine Henkersmahlzeit sozusagen. Der Teufel, dieser gutmütige Geselle, konnte ihm die Bitte nicht abschlagen und kletterte auf den Apfelbaum.  Jack zog blitzschnell sein Taschenmesser heraus und ritzte ein Kreuz in den Baumstamm. Da konnte der Teufel nicht mehr herunter. Und er wäre für immer dort oben im Baum geblieben, wenn er Jack nicht versprochen hätte,  ihn nie mehr zu belästigen.

Die Jahre vergingen, Jack wurde ein alter Mann und als er starb, begehrte er im Himmel Einlass. Doch weil er sein Leben lang geizig, falsch und hinterlistig gewesen war, wollte man ihn dort nicht haben und schickte ihn in die Hölle. Aber auch dort wurde ihm der Eintritt verwehrt, weil der Teufel ja sein Versprechen gegeben hatte, niemals Jacks Seele zu holen.

„Hallo, Jack,“ begrüßte ihn der Teufel. „Was machst’n du hier?“  „Im Himmel wollen sie mich nicht haben. Jetzt soll ich zu dir!“ erklärt Jack „Ja, tut mir leid, aber hier kannst du nicht bleiben.“ antwortet der Teufel. „Ich hab ja bei meiner Teufelsehre versprochen deine Seele niemals zu holen, und daran muss ich mich auch halten.“ Jack jammerte: „Oh nein, wo soll ich denn jetzt hin? Nun muss ich auf ewig durch die eiskalte Finsternis geistern. Ganz allein! Und ich fürchte mich doch so im Dunklen!“  „Na, ich will mal nicht so sein!“ meint der Teufel großzügig. „Hier hast du eine glühende Kohle aus dem Höllenfeuer, die erlischt nie und wird dir immer leuchten.“

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Damit er die heiße Kohle überhaupt tragen konnte, legte Jack sie in eine ausgehöhlte Rübe, in die er vorher kleine Fensterchen geschnitten hatte.  Und mit dieser Laterne wandelt die arme Seele seitdem ruhelos durch die Dunkelheit – bis zum jüngsten Gericht.

•*¨*•❥  Eine kurze Bemerkung zum Schluss: einen Verhandlungstermin hat er bis heute nicht bekommen. Doch das weiß so wieso jeder, oder? Die Gerichte sind alle überlastet und Richter sind auch nicht in Massen vorhanden. Auch für Jack O’Lantern heißt es also – bitte warten!

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Über ARTlandya - der Blog

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3 Antworten zu Süßes oder Saures?

  1. unserlebenmitemily schreibt:

    sehr interessant. Vielen Dank. Mich regen immer diese Sprüche à la “ der amerikanische Mist mit Halloween“ immer auf. Ich bin zwar kein Halloweenfan, aber dieses überzeugte Unwissen macht mich immer ganz irre. 😊

    Gefällt 1 Person

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