Corpus Christi in La Orotava

Fronleichnam, Corpus Christi, steht zwar am 31.05.2018 im katholischen Kalender, aber in La Orotava ticken die Uhren in diesem Fall ein bisschen anders. Heute sind vor allem die Innenstädte von La Laguna und Tacoronte in ein Blütenmeer getaucht, aber Corpus Christi wird nicht überall auf Teneriffa am gleichen Tag gefeiert.  In La Orotava findet dieses Fest genau eine Woche später statt, dieses Jahr ist es am Donnerstag, den 7. Juni soweit.

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La Orotava ist vor allem für den wunderschönen Sandteppich auf dem Platz vor dem Rathaus bekannt und an diesem Monsterwerk wird bereits seit Wochen gearbeitet. Soviel ich weiß, haben die offiziellen Arbeiten bereits Anfang April begonnen und auch wenn ihr nicht die Möglichkeit haben solltet, den fertigen Teppich zu sehen, ein Blick darauf zahlt sich auch in den Tagen davor schon aus.

Das Motiv des Teppichs ist immer eine Verbindung aus Religion und dem Bezug zu aktuellen Problemen und wird niemals wiederholt. Jahr für Jahr wird der Teppich also neu entworfen. Meistens besteht er aus drei Bildern, die mit Blumen und geometrischen Mustern umrahmt werden. Das Thema von 2018 heißt Flucht und Gewalt. 

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Menschlichkeit ist immer wichtig, doch dieses Jahr bekommt sie noch einmal mehr Bedeutung und deshalb stellen ist die Wahl der Motive für zwei der Bilder schrecklich traurig und bedrückend. Bilder, die es eigentlich gar nicht geben dürfte, aktuelles Geschehen, dass wir beenden müssen. Nie wieder sollte eine Frau in den Händen von irgendjemandem leiden, niemand sollte hungern oder sich einsam und allein fühlen. Wir alle müssen handeln und kämpfen, um das zu erreichen.

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„Die Botschaft ist klar, der Mann bittet um Vergebung für sein Fehlverhalten gegenüber Frauen, und  verantwortungsbewusste Männer und Frauen bitten um Vergebung, weil sie nichts tun, um die Rechte der Schwächsten zu schützen.“ „En la memoria explicativa del diseño de este año, González Expósito recalca el significado de esta obra efímera: „El mensaje es claro, el hombre pide perdón por sus actos erróneos cometidos contra la mujer, y los hombres y mujeres con responsabilidades piden perdón por no hacer nada por salvaguardar los derechos de los mas débiles“.  

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Dieser Teppich erzählt von den zwei größten Sünden der Welt – Gleichgültigkeit und Schweigen bei Gewalt gegen die Schwächsten. Das Bild aus Sand soll uns mit seiner ganzen Schönheit daran erinnern, dass wir weder bei Gewalt gegen Frauen noch bei den Nöten und Sorgen der Flüchtlinge und Asylanten den Kopf zur Seite drehen sollten. Hinschauen lohnt sich mit Sicherheit nicht nur bei diesem Teppich!

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Am 7. Juni wird es dann wieder soweit sein – der größte Sandteppich der Welt wird fertig gestellt sein und mit dem ersten Hahnenschrei beginnen die Einwohner von La Orotava ihre Blütenteppiche zu legen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte …

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Die Historie über den Sandteppich vor dem Rathaus von La Orotava und den Ursprung der Blumenteppiche in den Gassen könnt ihr in diesen Blogbeiträgen nachlesen …

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7 Antworten zu Corpus Christi in La Orotava

  1. Susanne Henke schreibt:

    jeder Mann ist böse, schlecht, verdammenswert, außer so verantwortungsvollen Männern wie dem Teppichdesigner, der hier die Frau in klassischer Opferpose vorführt … ???

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    • nein, nicht jeder Mann ist böse und schlecht und es sind auch nicht alle Opfer weiblich. Du beweist es mit deinen Zeilen ja eigentlich jeden Tag, dass es auch umgekehrt sein kann, oder könnte? 🙂
      Mir gefällt das Motiv, ich finde es bringt wenigstens einige zum Nachdenken …

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      • Susanne Henke schreibt:

        Finde die Teppiche großartig. Ich mag nur die Kombination dieser Themen nicht – die Gewalt als Ursachen für Flucht und Schrecken und Gewalt auf der Flucht sind schlimm genug, um damit einen eigenen Teppich zu füllen. Gewalt gegen Frauen oder eben la violencia de genero ist wieder ein Thema für sich. Und bei dem reagiere ich allergisch auf die Zurschaustellung dieser Gewalt gegen die man eigentlich vorgehen möchte. Wie in diesem Spot, der hier vergangenes Jahr zum Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen lief. Eine Frau mit vor Angst weit aufgerissenen Augen, kaum den Arm schütztend erhoben bekommt Schläge bis sie nur noch wimmert. Das ganze in TV und Radio immmer und immer wieder. Immer wieder ihre Angst, ihr Schreien, ihr Wimmern. Genau das, wovon den so veranlagten Peinigern einer abgeht. So wie bei der Pose der Frau auf dem Teppich. Ganz anders dagegen ein Spot in diesem Jahr, in dem man eine Frau in alltäglichen Situationen draußen sieht – im Bus, beim Einkaufen etc und Menschen denen sie begegnet, ihr zu verstehen geben, dass sie sehen, was los ist, dass sie aufauf ihrer Seite sind, dass sie für sie da sind, wenn sie so weit ist, wo sie anrufen kann, wohin sie sich wenden kann. – ähem – sorry für diesen ausuferndenen Kommentar 😱 🤭 – gehe mich lieber wieder kurz fassen „Ihm rutschte die Hand aus. Ihr das Messer.“

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  2. stimme ich dir vollkommen zu und dein letzter Satz bringt es auf den Punkt. Solche Bilder werden mit Sicherheit deshalb verwendet, weil sie bei den meisten Menschen wenigstens irgendwelche Emotionen bewirken. Wenn überhaupt. Heute regieren Bilder die Welt, denk einmal an das Foto mit dem ertrunkenen Buben am Strand von Griechenland. Ist es nur schlimm, wenn ein Kind ertrinkt? Was ist mit allen anderen anonymen „Körpern“, die irgendwo im Nirgendwo im Meer versinken? Uninteressant! Dann spenden wir halt ein paar Euro und gut ist. Das schlechte Gewissen ist beruhigt und was interessiert mich der Nachbar? Selbst schuld, wenn es ihm schlecht geht …

    Deshalb glaube ich, dass es besser ist, wenn es (wenigstens) ein paar dieser Aktionen gibt – auch wenn wahrscheinlich überhaupt nur ein winziger Prozentsatz der Menschen, die es sich ansehen, wissen, worum es überhaupt geht.

    Wenn ich schon dabei bin – warum hast du auf deiner Seite eigentlich weder Kommentare noch „likes“ aktiviert? Ist irgendwie schade …

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  3. Susanne Henke schreibt:

    Bei dem Strandbild habe ich mir die gleiche Frage gestellt wie du …

    Likes habe ich gerade erst , Kommentare schon länger deaktiviert – DSGVO lässt grüßen 😉

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  4. Anonymous schreibt:

    Wie schön! Welche Kunst!

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  5. Pingback: Teppiche aus Blumen und Sand | Teneriffa – InselLEBEN einmal anders …

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